So leicht als er es wollte glauben machen, war es doch dem Herzog

von Burgund nicht, den Borselle seiner Rache aufzuopfern. Dieser

Edelmann war durchgehends geachtet und beliebt, auch war Jacobine in

den Jahren, in welchen sie von ihrem Thun und Laßen keine Rechenschaft

mehr zu geben hatte. Es war leicht einzusehen, daß nur die Furcht

Jacobine möchte Leibeserben bekommen, den Herzog zu diesem blutgierigen

Entschluß reizte. Da nun Jacobine dieß alles wohl überlegte, war sie

minder in Verlegenheit.[N]

Sie bediente sich der Vermittelung des Grafen von Meurs, durch diesen

versprach der Herzog von Burgund, daß wenn Jacobine auf alle ihre

Gerechtsame Verzicht thun würde, so wollte er sie und den Borselle in

Friede laßen.[O] Die dringenden und traurigen Umstände, darinn sich

Jacobine befand, und einen Gemal, den sie zärtlich liebte, zu retten,

nöthigten sie, dieße harte Bedingniß einzugehen. Sie entsagte also zu

Gunsten des Herzogs von Burgund allen ihren Staaten,[P] und man sahe

dieße große Fürstin, und rechtmäßige Erbin so beträchtlicher Länder, in

die äuserste Dürftigkeit versezt.

Borselle wurde hierauf seiner Gefangenschaft entlaßen. Jacobine

empfieng ihn mit der nehmlichen Zärtlichkeit, als ob sie gar nichts

zu seiner Befreiung aufgeopfert hätte. Beim ersten Anblik sagten sie

sich einander die rührensten Sachen. Borsellens Herz strömte aus

Erkänntlichkeit über; und Jacobine, die sich nun für die glüklichste

Person auf der Welt schäzte, beeiferte sich, ihm ihre zärtliche

Liebe noch mehr zu zeigen. Durch die Bemühungen ihrer beiderseitigen

Freunde wurde der Herzog von Burgund nach und nach besänftiget. Er

warf seiner Nichte einen Gehalt aus, der aber in Betracht deßen,

was er ihr entrissen hatte, gering war. Der Borselle erhielt, wegen

seines Bündnisses mit verschiedenen hohen Fürstenhäuser, den Orden des

goldenen Vliesses. Dieser liebte, oder vielmehr verehrte seine Gemalin

von Tag zu Tag mehr, und Jacobine schäzte ihn eben so. Allein da ihr

Leben mit so vielen und anhaltenden Verdrißlichkeiten verwebt war; so

konnte es nicht anderst sein, als daß ihr Körper sehr geschwächt wurde,

und dieses verursachte ihren frühzeitigen Tod, der dann 1436, sechs

Jahre nach der Zeit, als sie den lezten Vergleich mit dem Herzog von

Burgund eingegangen war, der nun in dem ruhigen Besiz aller der Länder,

die er ihr entrissen hatte, blieb, erfolgte.

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-- 24 - 4 statt dem Grafen lies der Graf.

_Bei Verleger dieses ist zu haben:_

Auf die Schöpfung. (Ein Gedicht nach Klopstock.) 8.

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und Zeeland. Eine vaterländische Geschichte aus dem fünfzehnten

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Lettres critiques morales & politiques de Mr. le Comte Max. de

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Schriften sehr bekannten Herrn Pfarrer Hiltebrandt in

Baden-Weyerbach. 8. 1789.

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NB Die beiden erstern Theile ließ der Herr Verfasser in Frankenthal

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dessen Abhandlung vom Blitz, und Vorschriften zur Anlegung neuer

Gewitterableiter. 8. 1790.

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von G. F. Götz. 2 Bände gr. 8. 1788.

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verschiedener Wörter; nach alphabetischer Ordnung. 8. 1791.

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Sächsischen Münze mit allen Vortheilen der Rechenkunst. 8. 1789.

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Fußnoten:

[A] Seine merkwürdigste Handlung war, daß er 1425 die Universität zu

Löwen stiftete.

[B] Zu dieser abscheulichen That bediente er sich eines Normänischen

Edelmanns, Namens Raoul d’Ocquetonville, der dem Herzog aufgelauert

hatte, und ihn überfiel, da er eben zu Pferd und nur von zwei Bedienten

begleitet von einem Besuch von der Königin, die in den Wochen lag,

zurük kam.

[C] Diese Schwachheit, oder vielmehr Wahnsinn des König Karls, rührte

von folgenden Ursachen her: da ihm im Aug. 1392. als er unter Wegs

nach Britannien war, entstandene Unruhen daselbst zu stillen, die

Sonne sehr heiß auf das Haupt schien, bekam er den ersten Anfall von

Unsinn; das Uebel vermehrte sich durch den Schrecken, dem ihm ein

unbekannter, hagerer und elend verstellter Mensch verursachte, der

sich ihm näherte, sein Pferd in den Zaum griff, und ihn mit den Worten

anredete: _Bleib zurück König, wo willst Du hin? Du bist verrathen_,

und gleich verschwand. Und da endlich zum Unglück ein auf dem Pferd

eingeschlafener Edelknabe seine Lanze auf einen vor ihm hergetragenen

Helm fallen lies, glaubte der König man wollte ihn seinen Feinden

überliefern und bekam eine so heftige Wuth, daß er in eine Ohnmacht

fiel und in derselben drei Tage lang liegen blieb. Hierauf hatte er

sich wieder ziemlich erholet, allein, da man, um ihn zu zerstreuen, das

folgende Jahr, den 29ten Jenner, einen vermumten Ball veranstaltete und

ein mit Pech bestrichenes Gewand sich auf demselben entzündete, wodurch

er in Gefahr zu verbrennen gesezt wurde, verfiel er auf das neue in

Raserei. Hieran war die Unvorsichtigkeit des Herzogs von Orleans

schuld, der mit einer brennenden Fackel einigen Personen, die als wilde

Männer verkleidet waren, um sie zu erkennen, zu nahe kam.

[D] 1412. Bemächtigte er sich der Person des Königs, führte ihn vor

Bourges, wo eine Anzahl Grossen des Reichs eingeschlossen waren, die

zu einem Vergleich gezwungen wurden. Nach diesem verbündete sich der

Herzog näher mit der Königin, und vermehrte dadurch die Zerrüttung im

Reich. Denn unter dem Vorwand der königlichen Gewalt und Befehle lies

er den 18ten Juni 1418. den Kanzler und mehrere Grossen des Reichs,

die ihm entgegen waren, umbringen, und verübte überhaupt unerhörte und

die Natur empörende Grausamkeiten in Paris. Allein das folgende Jahr

erhielt er den verdienten Lohn dafür; denn Sontags den 10ten Sept.

wurde er zu einer Unterredung von dem Dauphin auf die Brücke Monterrau

gelockt, und daselbst durch einen alten Diener des ermordeten Herzogs

von Orleans, Namens Tanegui du Chastel umgebracht.

[E] Da die Neigungen dieser beiden Frauen in vielem gleich war, so ist

an deren gegenseitigen Freundschafts-Bezeugungen nicht zu zweifeln.

Isabella, Karls Gemahlin, war die Tochter Herzog Stephans II. von

Baiern, und diese Fürstin, die mit ihrem Bruder Ludwig dem Bärtigen,

Grafen von Mottagne beständige Unruhen in Frankreich erregte, konnte

man eine wahre Geissel des Staats nennen. In wie weit ihr die Gräfin

von Hennegau mit ihren Intriguen gleich kam, wird der Verfolg lehren.

[F] Dieser Johann von Baiern war überhaupt ein sehr haabsüchtiger

und unbarmherziger Fürst. Ob er gleich als Bischoff zu Lüttig lange

Zeit regieret hatte, war er doch nie Priester. Die Lüttiger, die

gerechte Beschwerden gegen ihn hatten, empörten sich, und hielten ihn

in Mastricht eingeschlossen, von wo er, durch Hülfe des Herzogs von

Burgund (wie schon gesagt worden) befreiet wurde. In dem 1409. mit

seinen Unterthanen gehaltenen Treffen, wurden 36000 derselben getödtet,

die übrigen beredete er, unter dem Versprechen einer gänzlichen

Verzeihung, zum Vergleich; allein kaum hatte er die Stadt Lüttig wieder

in Besiz, so lies er eine grosse Anzahl Einwohner, unter dem Vorwand,

daß sie die Rädelsführer, und daher nicht unter diejenigen, die er

begnadigt habe, begriffen sein, ganz unbarmherziger Weise ertränken und

sonst hinrichten.

[G] Welche Ränke braucht ein verlarvter Bösewicht zu einem

erniedrigendem Geschäft nicht! Zu unsern Zeiten, brauchen die, zu

Ausschweifungen der Art geneigte Fürsten dergleichen Hülfe nicht:

sie wissen sich selbst zu rathen; wäre es aber nöthig, so würden sie

bereitwillige Höflinge zu Unterhändlern genug finden.

[H] Obgleich der Friede zwischen Heinrich von England und Karl VI. von

Frankreich den 20ten Junii, 1420. zu Troyes geschlossen war; vermöge

welchem Heinrich, nach Absterben König Karls, zum Nachfolger des

französischen Reichs erkannt wurde, und nach der Einnahme verschiedener

Oerter, die es mit dem Dauphin gehalten hatten, die beiden Könige

den ersten Advents-Sonntag ihren Einzug in Paris hielten, wurde doch

der Krieg nicht beendiget. Der Dauphin, unzufrieden mit dem für ihn

so nachtheilig geschlossenen Frieden, der ihn von der Nachfolge im

Reich ausschloß, verstärkte seinen Anhang. Hierdurch wurde Frankreich

in zwei Partheien getheilet, und man sahe damals in demselben zwei

Könige, zwei Königinnen, zwei Kronregenten, doppelte Kronbediente,

doppelte Parlementer, kurz alles war wegen der Spaltung in diesem

Reich zweifach. Die Unruhen auf einmal zu beendigen gieng Heinrich

nach England, um neue Völker zu sammlen. Mit beträchtlicher Macht kam

er zurück, mit dem Vorsaz dem Dauphin ein entscheidendes Treffen zu

liefern; allein dieser wich ihm überall aus. Er belagerte und eroberte

Dreux, während welcher Belagerung ihm ein Einsiedler soll prophezeiet

haben, daß er wegen seiner Ehrsucht das Königreich Frankreich

unrechtmässiger Weise an sich zu bringen, mit einer abscheulichen

Krankheit, vom Himmel würde heimgesucht und bestraft werden. Er

verlachte diese Weissagung. Dem sei wie ihm wolle, so wurde er doch

einige Monate drauf zu Senlis krank. Sein Uebel waren Feigwarzen. (Mal

de St. Fiacre) Ohne sich vor den Folgen dieser Krankheit zu fürchten,

lies er sich in einer Sänfte nach Vincennes bringen, woselbst er aber

am 31. Aug. des 1422. Jahrs seinen Geist im 36ten Jahr seines Alters

aufgab. Kurz vor seinem Ende verordnete er seinem unmündigen Sohn

Heinrich, der erst neun Monat alt war, die Herzoge Johann von Bedford

und Humphrei von Glocester, (der Held in dieser Geschichte) seine beide

Brüder zu Vormündern; und befahl, daß der erste in Frankreich und der

andere in England Regent sein sollte.

[I] Da hier die Rede von zwei Päbsten ist, die in der damaligen grossen

Kirchenspaltung zugleich gelebt und um gleiche Vorrechte gebuhlet

haben; so wird es wohl hier der schicklichste Platz sein, den kurzen

Lebenslauf derselben anzuführen. Der Leser wird hiernach von selbsten

urtheilen, welcher von beiden den gültigsten Beruf gehabt haben mag?

ein Fall der zu unsern Zeiten schwerlich mehr entstehen wird, jedoch

zur Sache: Peter de la Lune, ein Spanier aus dem Königreich Aragonien,

erhielt vom Pabst Gregor XI. im Jahr 1375. den Kardinalshuth; nach

1378. erfolgtem Tod dieses Pabsts, trug er nicht wenig bei, daß Clemens

VII. zum Nachtheil Urbans V. der schon in Rom auf dem päbstlichen

Stuhl saß, erwählet ward, wodurch die schon in der Kirche herrschende

Zwietracht vermehret wurde. Oefters sprach er dennach mit verstelltem

Eifer von dieser Spaltung, verwünschte alle Zwietracht und versicherte,

daß wenn er an einer der Päbste Stelle wäre, würde er sich alle Mühe

geben und allem entsagen, um die Gläubigen wieder unter ein Haupt zu

vereinigen. Allein der Erfolg zeigte bald, daß er nur unter diesem

heuchlerischen Friedenseifer hochmüthige und ehrsüchtige Absichten

verbarg. Denn als Clemens 1394. zu Avignon starb, stellten die

damals zur Wahl anwesenden Kardinäle, unter deren Zahl er war, eine

schriftliche Versicherung aus, daß derjenige unter ihnen, den die

Wahl treffen würde, wenn es das ganze Collegium für gut finden würde,

der Spaltung dadurch ein Ende zu machen, dem päbstlichen Stuhl wieder

freiwillig entsagen sollte. Es konnte daher nicht fehlen, daß die Wahl

einstimmig auf ihn fiel, bei welcher er den Nahmen Benedickt XIII

annahm. Da er aber nun seinen Entzweck erreichet hatte, wollte er von

allem was er zuvor versprochen und sich anheischig gemacht hatte,

nichts wissen. Der König von Frankreich, verschiedene Häupter Europens,

der französische Klerus und andere mehr, gaben sich alle erdenkliche

Mühe, ihn zur Erfüllung seines Versprechens, damit die Einigkeit in

der Kirche dadurch wieder hergestellet würde, zu bewegen. Allein es

war tauben Ohren gepredigt; sein Ehrgeiz lies es nicht zu; gab er auch

einmal einige Hoffnung, so war es nur um Zeit zu gewinnen, und um desto

wiedrigere Maasregeln nehmen zu können, nach welchen er endlich die nur

auslachte die ihm von freiwilliger Abtretung ferner sprachen. Anfangs

hielt man ihn in Avignon gefangen, er fand aber Gelegenheit 1402.

von da verkleidet zu entweichen, und auf das Schloß Reinard in der

Provence zu flüchten, wo er eine geringe Anzahl Völker antraf, die ihm

zur Leibwache dienten. Auf dem Konzilium zu Pisa wurde er 1409. nebst

Gregor XII. als Schismatiker und Eidbrüchiger, des Päbstlichen Stuhls

verlustig erklärt, worauf den 26ten Juni die Kardinäle ins Conclave

giengen, und Alexander V. an deren Stelle erwählten. Allein Benedickt

kehrte sich hieran nicht, sondern seine Würde zu behaupten und sich

neue Anhänger zu verschaffen, da die Kardinäle alle, die ihn erwählt

hatten, von ihm gewichen waren, ernannte er verschiedene neue. Ob er

nun gleich 1417. von der Kirchenversammlung zu Costanz in den Bann,

gethan und abgesezt wurde, so gaben sich dennoch Europens Monarchen

die Mühe, ihn zum freiwilligen Verzicht unter den vortheilhaftesten

Bedingnissen zu bereden; allein ihre Bemühungen waren auch fruchtlos.

Da er sich endlich von jedermann verlassen und verabscheuet sahe, begab

er sich, nebst zwei ihm treu gebliebenen Kardinälen nach Paniscola,

einer geringen Stadt im Königreich Valenzia, wo er 1424. starb. Dreisig

Jahr hatte er in der Kirchenspaltung verlebt, die er auf seinem

Sterbebette, so wie die Zwietracht boshafter Weise nach seinem Tode,

dadurch noch weiter nähren wollte, daß er die zwei zugegen gewessenen

Kardinäle zwang, an seine Stelle einen Kanonicus zu Barcellona unter

dem Namen Klemens VIII. zu erwählen.

Sein Gegner Martin III. aus dem Hausse Colonna, wurde, nachdem Gregor

XII. dem Päbstlichen Stuhl freiwillig entsagt hatte, und die Mitpäbste

Johann XXIII. und Benedickt XIII. von der Kirchenversammlung zu

Costanz abhgesezt waren: auf eben dieser Versammlung 1417. zum Pabst

erwählet und daselbst gekrönet. Die versammelten Kirchenväter wollten

hierdurch der ärgerlichen Spaltung, die nun schon vierzig Jahre in der

Kirche gedauert hatte, ein Ende machen. Sie beschlossen daher diese

Wahl nur durch die anwesenden Kardinäle, mit Zuziehung dreisig theils

Prälaten theils andern Geistlichen, die aus verschiedenen Staaten auf

der Versammlung waren, vorzunehmen. Sie erfolgte auf dem Rathhauß zu

Costanz. In der 42ten Sitzung, so wie bei allen folgenden, hatte der

neue Pabst den Vorsitz, worinnen er sich durch seine Beredsamkeit

alle Mühe gab die Eintracht in der Kirche wieder herzustellen. Ein

Beweiß, daß sein Vorsatz aufrichtig war, ist dieser: daß er, nach

Absterben Gregors, den abgesezten Pabst Johann sehr liebreich aufnahm,

und ihn zum Dechant des Kardinalkollegiums ernannte, ihm auch in

solchem einen erhabenern Sitz, als der andern Kardinäle ihrer war, zum

Unterscheidungszeichen anwies. Seine Bemühungen aber, Benedickt zu

gewinnen, waren eben so fruchtlos, wie die der andern Mächte, wovon

schon gesagt worden? nur von Alphonsus König von Aragonien war er noch

unterstüzet. In der 44 Sitzung zu Constanz wurde beschlossen, eine

anderweitige Versammlung für das Jahr 1423. nach Pavia zu berufen,

die aber wegen der daselbst herrschenden Pest das folgende Jahr zu

Sienna gehalten wurde. Dahin sandte Alphonsus einen Bevollmächtigten

mit ansehnlichen Geschenken und grossen Versprechungen, um der

Sache Benedikts eine andre Wendung zu verschaffen, und Martin vom

päbstlichen Stuhl zu vertreiben: Allein der gleich darauf erfolgte

Tod Benedikts machte diesem Zwist ein Ende; denn auf die Wahl, die

Benedikt bei seinem Tode, auf Veranlassung Alphonsus, angestellt hatte,

wurde keine Rüksicht genommen; auch entsagte der dabei ganz ungültig

erwählte Clemens dem päbstlichen Stuhl freiwillig. Dieses bewog den

Pabst Martin, daß er demselben das beträchtliche Bisthum von Majorqua

übertrug. Und hierdurch hörte die während 51. Jahre in der römischen

Kirche gedauerte Spaltung ganz auf, welches man den klugen Bemühungen

Martins zu verdanken hatte.

[J] Was vermag eine rachsüchtige Buhlschwester nicht! und welch Unglük

entstehet nicht oft in einem ganzen Lande durch das teufelische

Einblasen einer Beischläferin? Doch Dank sei es unsern aufgeklärtern

Zeiten! Kein Blutbad, wie damals wird mehr darauf erfolgen. Denn so

kleine Geister, wie der Herzog von Brabant war, der, ausser seinem

schwachen Verstand, doch gutmüthig genug gewesen sein würde, seine

Gemalinn nicht weiter zu verfolgen, giebt es unter den Grossen nicht

mehr. Thut ja eine Beischläferin noch einigen Schaden, so ist es nur

an Einzeln und an denen, die nicht niederträchtig genug sind, zu ihrer

Fahne zu schwören; der ganze Staat wird aber deswegen nicht zerrüttet.

[K] Dieser Ausdruk ist ein Wortspiel, das auf den Familien Name (de la

Lune) des Pabsts Benedikts, bezug hat.

[L] Natürlicher Weise konnte sich Jacobine wenig von dieser Hülfe

versprechen; denn ausserdem wie schon gesagt worden ist, der Herzog

von Bedford ein leiblicher Schwager des von Burgunds war, muste jener

diesen besonders schonen. Da er um seines Vaters Mord zu rächen,

zur Englischen Partie getreten und die Waffen gegen sein Vaterland

ergriffen hatte, war zu befürchten, daß wenn der Herzog von Bedford

eifrig in ihn sezen wollte, er diese Partei verlassen, und sich zum

Nachtheil Englands mit dem König von Frankreich vergleichen dürfte,

wie er denn auch schon oft solches gedrohet hatte. Wäre aber dieses

erfolgt, so hätte sich die Englische Partei unmöglich in Frankreich

erhalten können. Da sich in der Folge mehrere Gelegenheit finden wird,

von dem Herzog von Burgund zu reden, so wird es nicht undienlich

sein, hier einen Biographischen Auszug von ihm zu geben. Philipp III.

Herzog von Burgund &c. war ein Sohn des zu Paris ermordeten Herzogs

Johann von Burgund, wie anderwärts schon gesagt worden. Er ward 1396.

Zu Dijon gebohren. Seines Vaters Tod zu rächen ergrif er 1420. die

Waffen gegen sein Vaterland, und schlug sich zur Englischen Partei.

Hierdurch wurde er sehr mächtig; und da er nirgends Wiederstand fand,

verbreitete er zu Ende der Regierung Carls VI. und Anfangs der von

Carl VII. in Frankreich überall Furcht, Schreken und Verwüstung. 1421.

lieferte er die berühmte Schlacht bei Mons in der Picardie, in welcher

er den Dauphin aufs Haupt schlug, und dadurch das Elend im Vaterland

vermehrte. Endlich verlies er 1435. die Englische Partei, und gieng mit

dem König von Frankreich einen Vergleich ein, welches er auch mit dem

Herzog von Orleans that. Dem ohnerachtet behielt er gegen Carl VII.

beständig heimlichen Haß, welchen er dadurch bewies, daß er seinem Sohn

dem Dauphin, nachmalig König Ludwig XI. Zuflucht in seinen Staaten

verstattete. Er war es der den 19. Jenner 1430. den Orden des güldenen

Vließes stiftete, der verschiedene andere milde Stiftungen errichtet,

und fast die siebenzehen Provinzen der Niederlande vereiniget hatte. Er

starb zu Brügge den 15. Julii 1467. und hinterlies von drei Gemalinnen,

die er gehabt hatte, nur einen Prinzen, Carl den Verwegenen, der ihm in

der Regierung seiner Staaten folgte, dagegen aber fünfzehen natürliche

Kinder, die er von verschiedenen Beischläferinnen erzeugt hatte.

[M] In der Familie der Grafen von Brederode hat es von jeher nicht

an berühmten Männern gefehlet, unter welchen aber folgende die

merkwürdigsten sind. Heinrich von Brederode war ein Haupt der

Protestantischen Verschwöhrung in den Niederlanden. 1567. überreichte

er der damaligen Gouvernantin Margaretha von Parma verschiedene Denk-

und Bittschriften, in welchen er, als aus dem Hauße der Grafen von

Brabant entsproßen, sein Recht gegen das Hauß Burgund, das diese

Grafschaft in Besiz hatte, suchte geltend zu machen. Da sich aber bald

hernach die Umstände änderten, gieng er mit seiner ganzen Famille, und

allem was er nur fortbringen konnte, zu Wasser nach Embden, und von da

aus nach Deutschland, wo er bald darauf vor Verdruß starb. Seine Wittwe

die eine Gräfin von Meurs, und eine der herzhaftesten Frauen damaliger

Zeit war, vermählte sich nachher mit dem Churfürsten von der Pfalz.

Lancelot von Brederode aber, gleichfals ein Haupt der Verschwornen,

wurde 1573 nach der Einnahme von Harlem, davon er Kommandant war,

und sich muthig vertheidigt hatte, nebst den öbersten Offiziers der

Besazung, auf Befehl des Herzogs von Alba enthauptet.

[N] Nicht allein diese Furcht, sondern noch ein ganz anderer Beweggrund

veranlaßten den Herzog von Burgund, seine Rache aufzuschieben. Der

Englander Angelegenheiten in Frankreich, mit denen er in Bündniß

stand, fiengen an für ihn nachtheilig zu werden. Es war 1429 da

die berüchtigte Jeanne d’Arc, oder das Mädchen von Orleans, deren

Geschichte, ob gleich schon viel darüber geschrieben worden, jezt noch

ziemlich problematisch ist, zu Frankreichs Rettung auf den Schauplaz

trat. Die Engländer fiengen an, Mißtrauen in den Herzog von Burgund

zu sezen. Trennten sich nun die Engländer ganz von ihm, so muste er

befürchten, daß Jacobine als Gräfin von Holland und Zeeland Hülfe

von ihnen erhalten dürfte. Merkwürdig ist es indeßen, daß Jacobine

die Befreiung ihres Gemals gewißer maßen obiger französischen Heldin

verdanken konnte.

[O] Es war dem Herzog von Burgund um so viel mehr an Vollziehung des

Vergleichs gelegen, weil eben der lezte Herzog von Brabant, Philipp

Graf von S. Paul, Jacobinens Schwager ohne rechtmäßige Leibeserben

mit Tode abgegangen war, und er sich also auch den gewißen Besiz des

Herzogthums Brabant zusichern wollte.

Jacobine von Baiern Gräfin von Hennegau, Holland, Friesland und Zeeland Eine vaterländische Geschichte aus dem fünfzehenden Jahrhundert · 第 6 / 7 段