von Burgund nicht, den Borselle seiner Rache aufzuopfern. Dieser
Edelmann war durchgehends geachtet und beliebt, auch war Jacobine in
den Jahren, in welchen sie von ihrem Thun und Laßen keine Rechenschaft
mehr zu geben hatte. Es war leicht einzusehen, daß nur die Furcht
Jacobine möchte Leibeserben bekommen, den Herzog zu diesem blutgierigen
Entschluß reizte. Da nun Jacobine dieß alles wohl überlegte, war sie
minder in Verlegenheit.[N]
Sie bediente sich der Vermittelung des Grafen von Meurs, durch diesen
versprach der Herzog von Burgund, daß wenn Jacobine auf alle ihre
Gerechtsame Verzicht thun würde, so wollte er sie und den Borselle in
Friede laßen.[O] Die dringenden und traurigen Umstände, darinn sich
Jacobine befand, und einen Gemal, den sie zärtlich liebte, zu retten,
nöthigten sie, dieße harte Bedingniß einzugehen. Sie entsagte also zu
Gunsten des Herzogs von Burgund allen ihren Staaten,[P] und man sahe
dieße große Fürstin, und rechtmäßige Erbin so beträchtlicher Länder, in
die äuserste Dürftigkeit versezt.
Borselle wurde hierauf seiner Gefangenschaft entlaßen. Jacobine
empfieng ihn mit der nehmlichen Zärtlichkeit, als ob sie gar nichts
zu seiner Befreiung aufgeopfert hätte. Beim ersten Anblik sagten sie
sich einander die rührensten Sachen. Borsellens Herz strömte aus
Erkänntlichkeit über; und Jacobine, die sich nun für die glüklichste
Person auf der Welt schäzte, beeiferte sich, ihm ihre zärtliche
Liebe noch mehr zu zeigen. Durch die Bemühungen ihrer beiderseitigen
Freunde wurde der Herzog von Burgund nach und nach besänftiget. Er
warf seiner Nichte einen Gehalt aus, der aber in Betracht deßen,
was er ihr entrissen hatte, gering war. Der Borselle erhielt, wegen
seines Bündnisses mit verschiedenen hohen Fürstenhäuser, den Orden des
goldenen Vliesses. Dieser liebte, oder vielmehr verehrte seine Gemalin
von Tag zu Tag mehr, und Jacobine schäzte ihn eben so. Allein da ihr
Leben mit so vielen und anhaltenden Verdrißlichkeiten verwebt war; so
konnte es nicht anderst sein, als daß ihr Körper sehr geschwächt wurde,
und dieses verursachte ihren frühzeitigen Tod, der dann 1436, sechs
Jahre nach der Zeit, als sie den lezten Vergleich mit dem Herzog von
Burgund eingegangen war, der nun in dem ruhigen Besiz aller der Länder,
die er ihr entrissen hatte, blieb, erfolgte.
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_Bei Verleger dieses ist zu haben:_
Auf die Schöpfung. (Ein Gedicht nach Klopstock.) 8.
6 ggr. oder 24 kr.
Carl’s (Dr. Joh. Sam.) Armen-Apotheke, zum Unterricht und Dienst
derer, so keine Kenntniß der Arzneikunst haben. &c. &c. Mit
vollständigen Registern. Siebente verbesserte Auflage. 8. 1789.
6 ggr. oder 24 kr.
Caspari (J. P.) Tirocinia sintactica, oder lateinische Sprach- und
Schulübungen, nach Anleitung der Langischen Grammatik, 2 Theile
verbesserte Auflage. 8. 1789.
12 ggr. oder 48 kr.
Gedanken eines Hohenpriesters der Schwarzen, über die Religion. 8.
1789.
16 ggr. oder 1 fl.
Hans Georg schlag zu! unser Glaube leidet Noth! eine Ode,
bei Gelegenheit eines Religions Gezänks zwischen Katholiken,
Lutheranern und Reformirten 8. 1788.
3 ggr. oder 12 kr.
Jacobine von Baiern, Gräfin von Hennegau, Holland, Friesland
und Zeeland. Eine vaterländische Geschichte aus dem fünfzehnten
Jahrhundert. 8. 1791.
12 ggr. oder 45 kr.
Lecture amusante pour la jeunesse des deux Sexes par Mr. Villaume.
2 Tomes gr. 8, 1788.
1 Rthlr. 12 ggr. oder 2 fl. 45 kr.
Lettres critiques morales & politiques de Mr. le Comte Max. de
l’Amberg. 3 Tomes 8. à Amsterdam 1786.
2 Rthlr. oder 3 fl.
Philosoph (der) aus Afrika, 3ter Theil, von dem durch mehrere
Schriften sehr bekannten Herrn Pfarrer Hiltebrandt in
Baden-Weyerbach. 8. 1789.
16 ggr. oder 1 fl.
NB Die beiden erstern Theile ließ der Herr Verfasser in Frankenthal
drucken.
Reimarus (Dr. J. A. H.) Beantwortung einiger, gegen die
Gewitterableiter gemachten Einwürfe als ein nützlicher Anhang zu
dessen Abhandlung vom Blitz, und Vorschriften zur Anlegung neuer
Gewitterableiter. 8. 1790.
4 ggr. oder 15 kr.
Sanders (Heinr.) kleine Schriften. Nach dessen Tode herausgegeben
von G. F. Götz. 2 Bände gr. 8. 1788.
1 Rthlr. 20 ggr. oder 2 fl. 45 kr.
Schatzens (Joh. Jak.) kurze Einleitung in die römischen
Antiquitäten, zur Erläuterung der klassischen Schriftsteller,
vierte sehr vermehrte und verbesserte Auflage, nebst einem
Register, 8. 1789.
12 ggr. oder 48 kr.
System der Wesen, enthaltend die metaphysischen Principien der
Natur. 12. 1779.
16 ggr. oder 1 fl.
Thyms deutliche und vollständige Anweisung zur Orthographie oder
deutschen Rechtschreibung. Berichtiget und herausgegeben von J. D.
Meidinger, zweite und sehr vermehrte Auflage, mit einem Verzeichniß
zweifelhafter und ähnlichlautender in der Bedeutung aber sehr
verschiedener Wörter; nach alphabetischer Ordnung. 8. 1791.
16 ggr. oder 1 fl.
Volks (Alex.), gründlicher Unterricht zur Rechenkunst, woraus
ein Rechenschüler ohne Lehrmeister die Species und Regel de
Tri, nach Anleitung der gemeinen Rechnungsart und der welschen
Praktik, mit ganzen Zahlen und Brüchen, erlernen kann. Mit
vielen ausgearbeiteten Exempeln, sowol nach der Reichsmünze, als
Sächsischen Münze mit allen Vortheilen der Rechenkunst. 8. 1789.
6 ggr. oder 24 kr.
Fußnoten:
[A] Seine merkwürdigste Handlung war, daß er 1425 die Universität zu
Löwen stiftete.
[B] Zu dieser abscheulichen That bediente er sich eines Normänischen
Edelmanns, Namens Raoul d’Ocquetonville, der dem Herzog aufgelauert
hatte, und ihn überfiel, da er eben zu Pferd und nur von zwei Bedienten
begleitet von einem Besuch von der Königin, die in den Wochen lag,
zurük kam.
[C] Diese Schwachheit, oder vielmehr Wahnsinn des König Karls, rührte
von folgenden Ursachen her: da ihm im Aug. 1392. als er unter Wegs
nach Britannien war, entstandene Unruhen daselbst zu stillen, die
Sonne sehr heiß auf das Haupt schien, bekam er den ersten Anfall von
Unsinn; das Uebel vermehrte sich durch den Schrecken, dem ihm ein
unbekannter, hagerer und elend verstellter Mensch verursachte, der
sich ihm näherte, sein Pferd in den Zaum griff, und ihn mit den Worten
anredete: _Bleib zurück König, wo willst Du hin? Du bist verrathen_,
und gleich verschwand. Und da endlich zum Unglück ein auf dem Pferd
eingeschlafener Edelknabe seine Lanze auf einen vor ihm hergetragenen
Helm fallen lies, glaubte der König man wollte ihn seinen Feinden
überliefern und bekam eine so heftige Wuth, daß er in eine Ohnmacht
fiel und in derselben drei Tage lang liegen blieb. Hierauf hatte er
sich wieder ziemlich erholet, allein, da man, um ihn zu zerstreuen, das
folgende Jahr, den 29ten Jenner, einen vermumten Ball veranstaltete und
ein mit Pech bestrichenes Gewand sich auf demselben entzündete, wodurch
er in Gefahr zu verbrennen gesezt wurde, verfiel er auf das neue in
Raserei. Hieran war die Unvorsichtigkeit des Herzogs von Orleans
schuld, der mit einer brennenden Fackel einigen Personen, die als wilde
Männer verkleidet waren, um sie zu erkennen, zu nahe kam.
[D] 1412. Bemächtigte er sich der Person des Königs, führte ihn vor
Bourges, wo eine Anzahl Grossen des Reichs eingeschlossen waren, die
zu einem Vergleich gezwungen wurden. Nach diesem verbündete sich der
Herzog näher mit der Königin, und vermehrte dadurch die Zerrüttung im
Reich. Denn unter dem Vorwand der königlichen Gewalt und Befehle lies
er den 18ten Juni 1418. den Kanzler und mehrere Grossen des Reichs,
die ihm entgegen waren, umbringen, und verübte überhaupt unerhörte und
die Natur empörende Grausamkeiten in Paris. Allein das folgende Jahr
erhielt er den verdienten Lohn dafür; denn Sontags den 10ten Sept.
wurde er zu einer Unterredung von dem Dauphin auf die Brücke Monterrau
gelockt, und daselbst durch einen alten Diener des ermordeten Herzogs
von Orleans, Namens Tanegui du Chastel umgebracht.
[E] Da die Neigungen dieser beiden Frauen in vielem gleich war, so ist
an deren gegenseitigen Freundschafts-Bezeugungen nicht zu zweifeln.
Isabella, Karls Gemahlin, war die Tochter Herzog Stephans II. von
Baiern, und diese Fürstin, die mit ihrem Bruder Ludwig dem Bärtigen,
Grafen von Mottagne beständige Unruhen in Frankreich erregte, konnte
man eine wahre Geissel des Staats nennen. In wie weit ihr die Gräfin
von Hennegau mit ihren Intriguen gleich kam, wird der Verfolg lehren.
[F] Dieser Johann von Baiern war überhaupt ein sehr haabsüchtiger
und unbarmherziger Fürst. Ob er gleich als Bischoff zu Lüttig lange
Zeit regieret hatte, war er doch nie Priester. Die Lüttiger, die
gerechte Beschwerden gegen ihn hatten, empörten sich, und hielten ihn
in Mastricht eingeschlossen, von wo er, durch Hülfe des Herzogs von
Burgund (wie schon gesagt worden) befreiet wurde. In dem 1409. mit
seinen Unterthanen gehaltenen Treffen, wurden 36000 derselben getödtet,
die übrigen beredete er, unter dem Versprechen einer gänzlichen
Verzeihung, zum Vergleich; allein kaum hatte er die Stadt Lüttig wieder
in Besiz, so lies er eine grosse Anzahl Einwohner, unter dem Vorwand,
daß sie die Rädelsführer, und daher nicht unter diejenigen, die er
begnadigt habe, begriffen sein, ganz unbarmherziger Weise ertränken und
sonst hinrichten.
[G] Welche Ränke braucht ein verlarvter Bösewicht zu einem
erniedrigendem Geschäft nicht! Zu unsern Zeiten, brauchen die, zu
Ausschweifungen der Art geneigte Fürsten dergleichen Hülfe nicht:
sie wissen sich selbst zu rathen; wäre es aber nöthig, so würden sie
bereitwillige Höflinge zu Unterhändlern genug finden.
[H] Obgleich der Friede zwischen Heinrich von England und Karl VI. von
Frankreich den 20ten Junii, 1420. zu Troyes geschlossen war; vermöge
welchem Heinrich, nach Absterben König Karls, zum Nachfolger des
französischen Reichs erkannt wurde, und nach der Einnahme verschiedener
Oerter, die es mit dem Dauphin gehalten hatten, die beiden Könige
den ersten Advents-Sonntag ihren Einzug in Paris hielten, wurde doch
der Krieg nicht beendiget. Der Dauphin, unzufrieden mit dem für ihn
so nachtheilig geschlossenen Frieden, der ihn von der Nachfolge im
Reich ausschloß, verstärkte seinen Anhang. Hierdurch wurde Frankreich
in zwei Partheien getheilet, und man sahe damals in demselben zwei
Könige, zwei Königinnen, zwei Kronregenten, doppelte Kronbediente,
doppelte Parlementer, kurz alles war wegen der Spaltung in diesem
Reich zweifach. Die Unruhen auf einmal zu beendigen gieng Heinrich
nach England, um neue Völker zu sammlen. Mit beträchtlicher Macht kam
er zurück, mit dem Vorsaz dem Dauphin ein entscheidendes Treffen zu
liefern; allein dieser wich ihm überall aus. Er belagerte und eroberte
Dreux, während welcher Belagerung ihm ein Einsiedler soll prophezeiet
haben, daß er wegen seiner Ehrsucht das Königreich Frankreich
unrechtmässiger Weise an sich zu bringen, mit einer abscheulichen
Krankheit, vom Himmel würde heimgesucht und bestraft werden. Er
verlachte diese Weissagung. Dem sei wie ihm wolle, so wurde er doch
einige Monate drauf zu Senlis krank. Sein Uebel waren Feigwarzen. (Mal
de St. Fiacre) Ohne sich vor den Folgen dieser Krankheit zu fürchten,
lies er sich in einer Sänfte nach Vincennes bringen, woselbst er aber
am 31. Aug. des 1422. Jahrs seinen Geist im 36ten Jahr seines Alters
aufgab. Kurz vor seinem Ende verordnete er seinem unmündigen Sohn
Heinrich, der erst neun Monat alt war, die Herzoge Johann von Bedford
und Humphrei von Glocester, (der Held in dieser Geschichte) seine beide
Brüder zu Vormündern; und befahl, daß der erste in Frankreich und der
andere in England Regent sein sollte.
[I] Da hier die Rede von zwei Päbsten ist, die in der damaligen grossen
Kirchenspaltung zugleich gelebt und um gleiche Vorrechte gebuhlet
haben; so wird es wohl hier der schicklichste Platz sein, den kurzen
Lebenslauf derselben anzuführen. Der Leser wird hiernach von selbsten
urtheilen, welcher von beiden den gültigsten Beruf gehabt haben mag?
ein Fall der zu unsern Zeiten schwerlich mehr entstehen wird, jedoch
zur Sache: Peter de la Lune, ein Spanier aus dem Königreich Aragonien,
erhielt vom Pabst Gregor XI. im Jahr 1375. den Kardinalshuth; nach
1378. erfolgtem Tod dieses Pabsts, trug er nicht wenig bei, daß Clemens
VII. zum Nachtheil Urbans V. der schon in Rom auf dem päbstlichen
Stuhl saß, erwählet ward, wodurch die schon in der Kirche herrschende
Zwietracht vermehret wurde. Oefters sprach er dennach mit verstelltem
Eifer von dieser Spaltung, verwünschte alle Zwietracht und versicherte,
daß wenn er an einer der Päbste Stelle wäre, würde er sich alle Mühe
geben und allem entsagen, um die Gläubigen wieder unter ein Haupt zu
vereinigen. Allein der Erfolg zeigte bald, daß er nur unter diesem
heuchlerischen Friedenseifer hochmüthige und ehrsüchtige Absichten
verbarg. Denn als Clemens 1394. zu Avignon starb, stellten die
damals zur Wahl anwesenden Kardinäle, unter deren Zahl er war, eine
schriftliche Versicherung aus, daß derjenige unter ihnen, den die
Wahl treffen würde, wenn es das ganze Collegium für gut finden würde,
der Spaltung dadurch ein Ende zu machen, dem päbstlichen Stuhl wieder
freiwillig entsagen sollte. Es konnte daher nicht fehlen, daß die Wahl
einstimmig auf ihn fiel, bei welcher er den Nahmen Benedickt XIII
annahm. Da er aber nun seinen Entzweck erreichet hatte, wollte er von
allem was er zuvor versprochen und sich anheischig gemacht hatte,
nichts wissen. Der König von Frankreich, verschiedene Häupter Europens,
der französische Klerus und andere mehr, gaben sich alle erdenkliche
Mühe, ihn zur Erfüllung seines Versprechens, damit die Einigkeit in
der Kirche dadurch wieder hergestellet würde, zu bewegen. Allein es
war tauben Ohren gepredigt; sein Ehrgeiz lies es nicht zu; gab er auch
einmal einige Hoffnung, so war es nur um Zeit zu gewinnen, und um desto
wiedrigere Maasregeln nehmen zu können, nach welchen er endlich die nur
auslachte die ihm von freiwilliger Abtretung ferner sprachen. Anfangs
hielt man ihn in Avignon gefangen, er fand aber Gelegenheit 1402.
von da verkleidet zu entweichen, und auf das Schloß Reinard in der
Provence zu flüchten, wo er eine geringe Anzahl Völker antraf, die ihm
zur Leibwache dienten. Auf dem Konzilium zu Pisa wurde er 1409. nebst
Gregor XII. als Schismatiker und Eidbrüchiger, des Päbstlichen Stuhls
verlustig erklärt, worauf den 26ten Juni die Kardinäle ins Conclave
giengen, und Alexander V. an deren Stelle erwählten. Allein Benedickt
kehrte sich hieran nicht, sondern seine Würde zu behaupten und sich
neue Anhänger zu verschaffen, da die Kardinäle alle, die ihn erwählt
hatten, von ihm gewichen waren, ernannte er verschiedene neue. Ob er
nun gleich 1417. von der Kirchenversammlung zu Costanz in den Bann,
gethan und abgesezt wurde, so gaben sich dennoch Europens Monarchen
die Mühe, ihn zum freiwilligen Verzicht unter den vortheilhaftesten
Bedingnissen zu bereden; allein ihre Bemühungen waren auch fruchtlos.
Da er sich endlich von jedermann verlassen und verabscheuet sahe, begab
er sich, nebst zwei ihm treu gebliebenen Kardinälen nach Paniscola,
einer geringen Stadt im Königreich Valenzia, wo er 1424. starb. Dreisig
Jahr hatte er in der Kirchenspaltung verlebt, die er auf seinem
Sterbebette, so wie die Zwietracht boshafter Weise nach seinem Tode,
dadurch noch weiter nähren wollte, daß er die zwei zugegen gewessenen
Kardinäle zwang, an seine Stelle einen Kanonicus zu Barcellona unter
dem Namen Klemens VIII. zu erwählen.
Sein Gegner Martin III. aus dem Hausse Colonna, wurde, nachdem Gregor
XII. dem Päbstlichen Stuhl freiwillig entsagt hatte, und die Mitpäbste
Johann XXIII. und Benedickt XIII. von der Kirchenversammlung zu
Costanz abhgesezt waren: auf eben dieser Versammlung 1417. zum Pabst
erwählet und daselbst gekrönet. Die versammelten Kirchenväter wollten
hierdurch der ärgerlichen Spaltung, die nun schon vierzig Jahre in der
Kirche gedauert hatte, ein Ende machen. Sie beschlossen daher diese
Wahl nur durch die anwesenden Kardinäle, mit Zuziehung dreisig theils
Prälaten theils andern Geistlichen, die aus verschiedenen Staaten auf
der Versammlung waren, vorzunehmen. Sie erfolgte auf dem Rathhauß zu
Costanz. In der 42ten Sitzung, so wie bei allen folgenden, hatte der
neue Pabst den Vorsitz, worinnen er sich durch seine Beredsamkeit
alle Mühe gab die Eintracht in der Kirche wieder herzustellen. Ein
Beweiß, daß sein Vorsatz aufrichtig war, ist dieser: daß er, nach
Absterben Gregors, den abgesezten Pabst Johann sehr liebreich aufnahm,
und ihn zum Dechant des Kardinalkollegiums ernannte, ihm auch in
solchem einen erhabenern Sitz, als der andern Kardinäle ihrer war, zum
Unterscheidungszeichen anwies. Seine Bemühungen aber, Benedickt zu
gewinnen, waren eben so fruchtlos, wie die der andern Mächte, wovon
schon gesagt worden? nur von Alphonsus König von Aragonien war er noch
unterstüzet. In der 44 Sitzung zu Constanz wurde beschlossen, eine
anderweitige Versammlung für das Jahr 1423. nach Pavia zu berufen,
die aber wegen der daselbst herrschenden Pest das folgende Jahr zu
Sienna gehalten wurde. Dahin sandte Alphonsus einen Bevollmächtigten
mit ansehnlichen Geschenken und grossen Versprechungen, um der
Sache Benedikts eine andre Wendung zu verschaffen, und Martin vom
päbstlichen Stuhl zu vertreiben: Allein der gleich darauf erfolgte
Tod Benedikts machte diesem Zwist ein Ende; denn auf die Wahl, die
Benedikt bei seinem Tode, auf Veranlassung Alphonsus, angestellt hatte,
wurde keine Rüksicht genommen; auch entsagte der dabei ganz ungültig
erwählte Clemens dem päbstlichen Stuhl freiwillig. Dieses bewog den
Pabst Martin, daß er demselben das beträchtliche Bisthum von Majorqua
übertrug. Und hierdurch hörte die während 51. Jahre in der römischen
Kirche gedauerte Spaltung ganz auf, welches man den klugen Bemühungen
Martins zu verdanken hatte.
[J] Was vermag eine rachsüchtige Buhlschwester nicht! und welch Unglük
entstehet nicht oft in einem ganzen Lande durch das teufelische
Einblasen einer Beischläferin? Doch Dank sei es unsern aufgeklärtern
Zeiten! Kein Blutbad, wie damals wird mehr darauf erfolgen. Denn so
kleine Geister, wie der Herzog von Brabant war, der, ausser seinem
schwachen Verstand, doch gutmüthig genug gewesen sein würde, seine
Gemalinn nicht weiter zu verfolgen, giebt es unter den Grossen nicht
mehr. Thut ja eine Beischläferin noch einigen Schaden, so ist es nur
an Einzeln und an denen, die nicht niederträchtig genug sind, zu ihrer
Fahne zu schwören; der ganze Staat wird aber deswegen nicht zerrüttet.
[K] Dieser Ausdruk ist ein Wortspiel, das auf den Familien Name (de la
Lune) des Pabsts Benedikts, bezug hat.
[L] Natürlicher Weise konnte sich Jacobine wenig von dieser Hülfe
versprechen; denn ausserdem wie schon gesagt worden ist, der Herzog
von Bedford ein leiblicher Schwager des von Burgunds war, muste jener
diesen besonders schonen. Da er um seines Vaters Mord zu rächen,
zur Englischen Partie getreten und die Waffen gegen sein Vaterland
ergriffen hatte, war zu befürchten, daß wenn der Herzog von Bedford
eifrig in ihn sezen wollte, er diese Partei verlassen, und sich zum
Nachtheil Englands mit dem König von Frankreich vergleichen dürfte,
wie er denn auch schon oft solches gedrohet hatte. Wäre aber dieses
erfolgt, so hätte sich die Englische Partei unmöglich in Frankreich
erhalten können. Da sich in der Folge mehrere Gelegenheit finden wird,
von dem Herzog von Burgund zu reden, so wird es nicht undienlich
sein, hier einen Biographischen Auszug von ihm zu geben. Philipp III.
Herzog von Burgund &c. war ein Sohn des zu Paris ermordeten Herzogs
Johann von Burgund, wie anderwärts schon gesagt worden. Er ward 1396.
Zu Dijon gebohren. Seines Vaters Tod zu rächen ergrif er 1420. die
Waffen gegen sein Vaterland, und schlug sich zur Englischen Partei.
Hierdurch wurde er sehr mächtig; und da er nirgends Wiederstand fand,
verbreitete er zu Ende der Regierung Carls VI. und Anfangs der von
Carl VII. in Frankreich überall Furcht, Schreken und Verwüstung. 1421.
lieferte er die berühmte Schlacht bei Mons in der Picardie, in welcher
er den Dauphin aufs Haupt schlug, und dadurch das Elend im Vaterland
vermehrte. Endlich verlies er 1435. die Englische Partei, und gieng mit
dem König von Frankreich einen Vergleich ein, welches er auch mit dem
Herzog von Orleans that. Dem ohnerachtet behielt er gegen Carl VII.
beständig heimlichen Haß, welchen er dadurch bewies, daß er seinem Sohn
dem Dauphin, nachmalig König Ludwig XI. Zuflucht in seinen Staaten
verstattete. Er war es der den 19. Jenner 1430. den Orden des güldenen
Vließes stiftete, der verschiedene andere milde Stiftungen errichtet,
und fast die siebenzehen Provinzen der Niederlande vereiniget hatte. Er
starb zu Brügge den 15. Julii 1467. und hinterlies von drei Gemalinnen,
die er gehabt hatte, nur einen Prinzen, Carl den Verwegenen, der ihm in
der Regierung seiner Staaten folgte, dagegen aber fünfzehen natürliche
Kinder, die er von verschiedenen Beischläferinnen erzeugt hatte.
[M] In der Familie der Grafen von Brederode hat es von jeher nicht
an berühmten Männern gefehlet, unter welchen aber folgende die
merkwürdigsten sind. Heinrich von Brederode war ein Haupt der
Protestantischen Verschwöhrung in den Niederlanden. 1567. überreichte
er der damaligen Gouvernantin Margaretha von Parma verschiedene Denk-
und Bittschriften, in welchen er, als aus dem Hauße der Grafen von
Brabant entsproßen, sein Recht gegen das Hauß Burgund, das diese
Grafschaft in Besiz hatte, suchte geltend zu machen. Da sich aber bald
hernach die Umstände änderten, gieng er mit seiner ganzen Famille, und
allem was er nur fortbringen konnte, zu Wasser nach Embden, und von da
aus nach Deutschland, wo er bald darauf vor Verdruß starb. Seine Wittwe
die eine Gräfin von Meurs, und eine der herzhaftesten Frauen damaliger
Zeit war, vermählte sich nachher mit dem Churfürsten von der Pfalz.
Lancelot von Brederode aber, gleichfals ein Haupt der Verschwornen,
wurde 1573 nach der Einnahme von Harlem, davon er Kommandant war,
und sich muthig vertheidigt hatte, nebst den öbersten Offiziers der
Besazung, auf Befehl des Herzogs von Alba enthauptet.
[N] Nicht allein diese Furcht, sondern noch ein ganz anderer Beweggrund
veranlaßten den Herzog von Burgund, seine Rache aufzuschieben. Der
Englander Angelegenheiten in Frankreich, mit denen er in Bündniß
stand, fiengen an für ihn nachtheilig zu werden. Es war 1429 da
die berüchtigte Jeanne d’Arc, oder das Mädchen von Orleans, deren
Geschichte, ob gleich schon viel darüber geschrieben worden, jezt noch
ziemlich problematisch ist, zu Frankreichs Rettung auf den Schauplaz
trat. Die Engländer fiengen an, Mißtrauen in den Herzog von Burgund
zu sezen. Trennten sich nun die Engländer ganz von ihm, so muste er
befürchten, daß Jacobine als Gräfin von Holland und Zeeland Hülfe
von ihnen erhalten dürfte. Merkwürdig ist es indeßen, daß Jacobine
die Befreiung ihres Gemals gewißer maßen obiger französischen Heldin
verdanken konnte.
[O] Es war dem Herzog von Burgund um so viel mehr an Vollziehung des
Vergleichs gelegen, weil eben der lezte Herzog von Brabant, Philipp
Graf von S. Paul, Jacobinens Schwager ohne rechtmäßige Leibeserben
mit Tode abgegangen war, und er sich also auch den gewißen Besiz des
Herzogthums Brabant zusichern wollte.