eine wissenschaftliche Form, daß sie die Arzneimittel nach ihren
wesentlichen Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten in ihrer Grundmischung
und davon abhängigen Qualitäten in ein so viel mögliches natürliches
System ordnet.»
«Es kommt nämlich bei der systematischen Anordnung der Arzneimittel
nach chemischen Prinzipien vorzüglich darauf an, die Arzneimittel
nach denjenigen chemischen Verhältnissen und Beschaffenheiten
zusammenzustellen, welche in der nächsten und unmittelbarsten Beziehung
mit ihrem Heilverhältnisse stehen. Es entsteht dadurch die Aufgabe,
in den Arzneimitteln die +wirklichen Heilstoffe+ oder Heilgrundlagen
chemisch auszumitteln, um dieselben zum Einteilungsgrunde bei der
Klassifikation zu gebrauchen.»
~Pfaff~ unterscheidet: Schleimige Arzneimittel, -- Stärkeartige A., --
Gallertartige A., -- Zuckerartige A., -- A. mit süßem Extraktivstoff,
-- Fettige A., -- A. mit bitterem Extraktivstoff, -- A. mit kratzendem
Extraktivstoff, -- A. mit starkfärbendem Extraktivstoff, -- A. mit
vorwaltendem zusammenziehendem Grundstoffe, sog. Gerbestoffe, -- A. mit
Chinastoff und Gerbestoff in inniger Verbindung, -- Kaffeestoffhaltige
A., -- Rhabarberstoffhaltige A., -- Aloëstoffhaltige A., --
Pikromelhaltige A., -- Harze und harzstoffhaltige A., -- Gummiharze, --
Natürliche Balsame, -- Ätherische Öle und ätherisches Öl als vorzüglich
wirksamen Bestandteil enthaltende A., -- Campherhaltige A., -- A. mit
Anemonenstoffen, -- A. mit narkotischem Stoffe, -- Blausäurehaltige A.,
-- A. mit flüchtiger Schärfe, die nicht als ätherisches Öl darstellbar
ist.
Dies System enthält schon fast alles Wesentliche und kann mit geringen
Modifikationen und unter Modernisierung der Nomenklatur beinahe auch
heute noch als Grundlage dienen.
Eines chemischen Systems bediente sich auch:
~J. F. John~, +Chem. Tabellen der Pflanzenanalysen+ oder Versuch eines
systematischen Verzeichnisses der bis jetzt zerlegten Vegetabilien nach
den vorwaltenden näheren Bestandteilen geordnet. Nürnberg 1814.
~J. C. Ebermaier~, +Tabellarische Übersicht der Kennzeichen der
Ächtheit und Güte sämtlicher bisher gebräuchlicher Arzneymittel+ 1802.
2. Aufl. 1810. 3. Aufl. 1815. 4. Aufl. 1819 (mit wechselndem Titel). 5.
Aufl. +Pharmakognostische Tabellen+ 1827 (von ~G. W. Schwartze~) und:
~G. W. Schwartze~, +Pharmakologische Tabellen+ oder systematische
Arzneimittellehre in tabellarischer Form. Leipzig 1819–25. 2. Aufl.
1833.
Ferner:
~F. G. Voigtel~, +Vollständiges System der Arzneimittellehre+,
herausg. v. Kühn, 4 B. Leipzig 1816–17.
~C. W. Hufeland~, +Conspectus materiae medicae+. Berol. 1816. 2.
Aufl. 1820. 3. Aufl. 1828. 4. Aufl. 1835.
~G. A. Richter~, +Ausführliche Arzneimittellehre+. 5 B. 1826–32.
~L. A. Kraus~, +Wissenschaftliche Übersicht der gesamten
Heilmittellehre+. Göttingen 1831.
Das System von ~Ferd. Aug. Falck~, welches derselbe in dem Heftchen:
+Übersicht der speziellen Drogenkunde+, Berlin 1883 (1. Aufl. 1877)
mitteilt, und das einen weiteren Fortschritt bedeutet, enthält folgende
Abteilungen:
I. +Alkaloide+: 1. Sauerstofffreie Alkaloide. 2. Sauerstoffhaltige
Alkaloide: A. nicht spaltbar; B. spaltbar, als Produkte liefernd: α)
Glykokoll, Base und Säure. β) Base und Säure. γ) Base und Zucker =
N-haltige alkalische Glukoside.
II. +Glukoside+: 1. N-haltige Glukoside. A. neutrale; B. saure. 2. N-
und S-haltige Glukoside: A. neutrale; B. saure. 3. N-freie Glukoside:
A. neutrale; B. saure.
III. +Säuren und Anhydride+: 1. Pflanzensäuren: A. allgemeiner
verbreitete; B. vereinzelt vorkommende. 2. Säureanhydride.
IV. +Gerbstoffe+: 1. Brenzcatechin liefernd. 2. Pyrogallol liefernd.
V. +Indifferente Stoffe+: 1. Bitterstoffe. 2. Scharfe Stoffe. 3.
Farbstoffe.
VI. +Kohlenhydrate+: 1. Amylum. 2. Inulin. 3. Triticin. 4. Schleim.
5. Arabinsäure. 6. Zuckerarten: A. Milchzucker; B. Rohrzucker; C.
Invertzucker. 7. Mannit.
VII. +Ester+: 1. des Glyzerins: Fette. A. Fette Öle. α) trocknende
Öle; β) nichttrocknende Öle. B. Butter und Talgarten. 2. einwertiger
Alkohole: Wachsarten.
VIII. +Ätherische Öle+: 1. Sauerstofffreie; Kohlenwasserstoffe. 2.
Sauerstoffhaltige; Kohlenwasserstoffe und: A. Hydrate derselben; B.
Campher und Campher ähnliche; C. Phenole. D. Aldehyde; E. Ester. 3.
Schwefelhaltige äther. Öle. 4. Ungenügend untersuchte äther. Öle.
IX. +Harze+. X. +Mechanica+. XI. +Anorganica+.
~Buchheim~ hat alsdann 1879 in dem Aufsatze: +Über pharmakognostische
Systeme+ (Arch. d. Pharm. 1876, S. 481) ein anderes chemisches System
aufgestellt. Er unterscheidet:
+Gruppe der Kohlehydrate+ -- Stärkemehl -- Zucker -- Gummi und
Pflanzenschleim.
+Gruppe des Eiweißes und seiner Derivate+ -- Eiweißkörper --
Albuminoide -- putride Stoffe.
+Gruppe der Glyzeride+ -- Gr. d. Olivenöls -- Gr. d. Crotonöls.
+Gruppe des Cardols.+
+Gruppe des Senföls.+
+Gruppe des Cantharidins.+
+Gruppe der Säureanhydride+ -- Gr. d. Euphorbinsäureanhydrids -- Gr.
d. Convolvulinanhydrids.
+Gruppe des Aloetins.+
+Gruppe der Cathartinsäure.+
+Gruppe der Filixsäure.+
+Gruppe der Gerbsäuren.+
+Gruppe der Alkaloide+ -- Gr. d. Piperin -- Chinin -- Kaffeïn
-- Coniin -- Strychnin -- Morphin -- Atropin -- Pilocarpin --
Physostigmin -- Nikotin -- Aconitin -- Veratrin -- Colchicin.
+Gruppe der Glykoside+ -- Digitalin -- Saponin.
+Gruppe der Bitterstoffe.+
+Gruppe der ätherischen Öle.+
+Gruppe der+ (+indifferenten+) +Harze.+
+Gruppe der Farbstoffe.+
Auch ~Buchheim~, der Begründer des ersten pharmakologischen
Universitätsinstitutes, betont, daß die wirklich natürliche und
wissenschaftliche Einteilung der Drogen nur die nach den wirksamen
Bestandteilen ist, da die Drogen Arzneistoffe sind und nur wegen der in
ihnen enthaltenen Stoffe angewendet werden.
~Pöhl~ hat einen ähnlichen Versuch veröffentlicht: +Klassifikation
der pharmakognostischen Stoffe auf die chemische Beschaffenheit ihrer
Bestandteile gegründet+. St. Petersburg 1877.
Das System, das ~Fonssagrives~ in dem +Traité de matière médicale+ ou
Pharmacographie, physiologie et technique des agents médicamenteux,
Paris 1885, benutzt, ist ein gemischt botanisch-chemisches. Er macht
pharmakologische Gruppen, z. B. eine pharmakologische Gruppe der
Harze, eine der Gummata, der Aldehyde usw., dann Gruppen nach den
Pflanzenfamilien, z. B. eine Gruppe der _Aurantiaceen_, eine der
_Balsamifluae_ usw. und ordnet diese Familien alphabetisch. Das
bedeutet keinen Fortschritt.
Der einzige, der bisher ein chemisches System einem ausführlichen
modernen Lehrbuche der Pharmakognosie zugrunde legte, ist ~J. Hérail~
in dem +Traité de Pharmacologie et de matière médicale+. Paris 1901
avec 483 Fig.
~Hérail~, der tierische und pflanzliche Drogen abhandelt, bildet
folgende Gruppen:
1. +Médicaments mécaniques+ (z. B. _Lycopodium_, _Blutegel_).
2. +Matières sucrées.+ -- Glucose droit ou dextrose -- Saccharides.
-- Alcools hexabasiques.
3. +Principes amylosiques.+ -- Amidon -- Mucilages (M. simples -- [M.
cellulosiques -- M. pectosiques] -- M. mixtes -- M. indeterminés) --
Gommes.
4. +Matières grasses.+ -- Huiles (H. animales -- H. végétales) --
Matières grasses solides (M. g. s. d’origine animale -- M. g. s.
d’orig. végétale) -- Cires (C. animales -- C. végétales).
5. +Médicaments à Glucosides.+ Glucosides ternaires -- G. azotés (G.
azotés proprement dits -- G. sulfo-azotés).
6. +Médicaments à tannoides+ s. adstrigents.
7. +Médicaments à alcaloides.+
8. +Produits anthracéniques+, d. i. meine Gruppe der
Oxymethylanthrachinondrogen (_Aloë_, _Senna_, _Rheum_, _Frangula_).
9. +Médicaments à composés aromatiques.+
a. Produits terpèniques.
1. Terpènes:
Groupe des Terpènes et Sesquiterpènes,
G. des Polyterpènes.
2. Alcools terpèniques et leurs éthers:
Groupe du Bornéol,
G. du Linalol,
G. du Géraniol et du Citronellol,
G. du Menthol.
3. Alcools sesquiterpèniques.
4. Aldéhydes aromatiques:
Groupe de l’aldéhyde benzoique,
G. de l’aldéhyde cuminique,
G. de l’aldéhyde cinnamique,
G. du Citral et du Citronellal.
5. Cétones aromatiques:
Groupe de la Méthylnonylcétone,
G. de l’Irone,
G. de la Carvone,
G. de la Pulégone,
G. de la Thuyone,
G. de la Fénone,
G. du Camphre,
G. de la Cantharidine.
6. Lactones.
7. Phenoles et de dérivés phenoliques:
Groupe du Thymol et du Carvacrol,
G. de l’Eugénole et de Chavibétol,
G. de l’anéthol et de l’Estragol,
G. du Safrol,
G. de l’Apiol.
8. Aldéhydes-phénols:
Groupe de l’Aldéhyde salicylique,
G. du Diosphénol,
G. de l’Aldéhyde protocatéchique.
9. Cineol (Eucalyptol).
10. Éthers d’Alcools de la série grasse.
b. Matières résineuses. Résines -- Oleo résines (O. r. proprement
dites -- Médicaments à essence et à résine) -- Gommes résines.
10. +Liquides et sucs organiques.+ Liquides organiques -- Serums
thérapeutiques -- Organes et sucs animaux.
11. +Matières colorantes.+
Das System ~Falcks~ (s. oben), das aus dem Jahre 1877 (resp. 1883)
stammt und damals ein verdienstlicher Versuch war, ist jetzt natürlich
veraltet. Aber auch wenn wir heute ein neues aufstellen, wird dies
ebenfalls in kurzer Zeit veraltet sein, -- wir sehen dies bei dem
System ~Hérails~ aus dem Jahre 1901, das schon jetzt stark modifiziert
werden müßte, -- denn die Entwicklung der Pharmakochemie ist in vollem
Fluß. +Es ist unmöglich, schon jetzt etwas irgendwie bleibendes für
das Gesamtgebiet der Drogen zu schaffen.+ Es bleibt nichts anderes
übrig, als vorläufig die sichergestellten Gruppen herauszunehmen
und abzuwarten, bis auch in den übrigen Teilen etwas mehr Klarheit
geschaffen ist.
Vorläufig lassen sich zurzeit (1908) folgende Gruppen bilden:
1. =Alkaloiddrogen.=
a) Hauptalkaloid vom Pyridin abzuleiten (_Faenum graecum_, _Conium_,
_Nicotiana_, _Piper_).
b) Hauptalkaloid vom Pyrrolidin abzuleiten (_Atropa_, _Hyoscyamus_,
_Datura_, _Coca_, _Cort. granati_).
c) Hauptalkaloid von Chinolin abzuleiten (_China_).
d) Hauptalkaloid vom Isochinolin abzuleiten (_Berberis_, _Hydrastis_).
e) Hauptalkaloid von Phenanthren abzuleiten (_Opium_).
f) Hauptalkaloid vom Glyoxalin abzuleiten (_Pilocarpus_).
g) Hauptalkaloid vom Purin abzuleiten (Purindrogen: _Kola_,
_Guarana_, _Mate_, _Kaffee_, _Tee_, _Cacao_).
h) Alkaloide unbekannter Konstitution (_Aconit_).
2. =Glukosiddrogen= (meist bitter) mit Ausschluß der Tanniddrogen,
die Tannoglukoside enthalten.
a) Anthrachinondrogen, enthalten Anthraglukoside, d. h. Zuckeräther
von Oxymethylanthrachinonen (_Rheum_, _Senna_, _Aloë_, _Frangula_),
neben freien Oxymethylanthrachinonen.
Anhang: Flavon- u. Flavonoldrogen.
b) +Cyanwasserstoffdrogen+, enthalten ein Glukosid, das Blausäure
abspaltet (_Amygdalus_).
c) +Senföldrogen+, enthalten ein Glukosid, das ein Senföl abspaltet
(_Sinapis_).
d) +Saponindrogen+ (_Senega_, _Sarsaparilla_, _Quillaja_,
_Saponaria_, _Digitalis_).
I. enthalten ein Saponin der Formel CₙH₂ₙ₋₈O₁₀.
α) Gruppe: C₁₆H₂₄O₁₀
β) „ C₁₇H₂₆O₁₀
γ) „ C₁₈H₂₈O₁₀
δ) „ C₁₉H₃₀O₁₀
ε) „ C₂₀H₃₂O₁₀.
Andere Saponine der Formel CₙH₂ₙ₋₈O₁₀.
II. enthalten ein Saponin der Formel CₙH₂ₙ₋₁₀O₁₈.
e) +Glukuretindrogen+ (_Jalape_, _Scammonium_, _Turpethum_).
f) +Hesperidindrogen+ (_Aurantieen_).
g) +Salicindrogen+ (_Salix_).
h) Drogen, die andere Glykoside enthalten.
3. =Bitterstoffdrogen=, deren Bitterstoff kein Glykosid ist
(_Coccelskörner_).
4. =Riechstoffdrogen=, d. h. solche, die ätherische Öle oder andere
riechende Substanzen enthalten.
I. Wichtigster Bestandteil ein Kohlenwasserstoff:
a) aliphatische Kohlenwasserstoffe, z. B. Heptan (_Pinus_,
_Sabiniana_),
b) olefinische Kohlenwasserstoffe,
c) zyklische Terpenkohlenwasserstoffe, z. B. Pinen, Phellandren (_Ol.
terebinth_, _Phellandrium_, _Angelica_).
II. Wichtigster Bestandteil ein Alkohol:
a) olefinische Terpenalkohole, z. B. Linalool, Geraniol (_Lavendel_,
_Flor. aurantii_, _Coriander_, _Ol. bergamottae_, _Ol. rosae_),
b) zyclische Terpenalkohole, z. B. Menthol, Borneol, Terpineol
(_Mentha_, _Rosmarinus_, _Levisticum_),
c) Sesquiterpenalkohole.
III. Wichtigster Bestandteil ein Phenol oder Phenoläther, z. B.
Anethol, Chavicol, Eugenol, Safrol, Myristicin, Apiol, Thymol,
Diosphenol, Carvacrol (_Anis_, _Sternanis_, _Betel_, _Caryophyllus_,
_Sassafras_, _Macis_, _Petroselinum_, _Ajowan_, _Buccu_, _Thymus_,
_Origanum_).
IV. Wichtigster Bestandteil ein Aldehyd:
a) olefinische Terpenaldehyde, z. B. Citral, Citronellal (Citrus,
Melissa),
b) zyklische Aldehyde, z. B. Benzaldehyd, Vanillin, Piperonal,
Zimtaldehyd, Cuminaldehyd (_Ol. amygdal. aether._, _Vanille_,
_Cinnamomum_, _Cuminum_).
V. Wichtigster Bestandteil ein Keton:
a) aliphatische Ketone, z. B. Methylnonylketon (_Herb. rutae_),
b) olefinische Terpenketone, z. B. Methylheptenon (_Lemongrasöl_),
c) zyklische Terpenketone, z. B. Fenchon, Carvon, Thujon, Iron,
Campher (_Foeniculum_, _Carum_, _Carvi_, _Anethum_, _Salvia_,
_Tanacetum_, _Artemisia Absinthium_, _Iris_, _Chines. Campher_).
VI. Wichtigster Bestandteil ein Lacton oder Anhydrid, z. B. Cineol,
Sedanolid, Alantolacton (_Ol. cajeput._, _Laurus_, _Eucalyptus_,
_Cina_, _Apium_, _Inula Helenium_, _Melilotus_, _Tonco_, _Faham_).
VII. Wichtigster Bestandteil eine Säure oder ein Ester (Anthemis
nobilis).
5. =Farbstoffdrogen.=
a) Orcingruppe (_Lackmus_),
b) Pyrongruppe (_Galanga_, _Gemmae populi_, _Lign. Campech._, _Lign.
Fernamb._),
c) Anthrachinongruppe (_Rubia tinctor._, _Alkanna_, _Chrysarobin_),
d) Naphthalingruppe (_Lapachoholz_),
e) Indolgruppe (_Indigo_),
f) Chromoretine (siehe unter Harze).
6. =Kohlehydratdrogen= (mit Ausschluß der Zuckerdrogen).
I. +Stärkedrogen+ (_Cerealien_, _Leguminosen_--Stärkemehle).
II. +Inulindrogen+ (_Kompositenwurzeln_).
III. +Schleim- und Gummidrogen+, enthalten Hemicellulosen:
a) Schleimdrogen (_Malvaceen_, _Linaceen_, _Sterculiaceen_,
_Traganth_, _Salep_, _Meeresalgen_),
b) Pektindrogen (pektinliefernde Früchte),
c) Lichenindrogen (_Cetraria_),
d) Gummidrogen (_Gummi arabicum_).
7. =Süßstoffdrogen.=
a) Solche, die Körper der Zuckergruppe (Aldosen oder Ketosen)
enthalten (_Zucker_),
b) solche, die süßschmeckende Alkohole (z. B. Mannit) enthalten
(_Manna_),
c) solche, die süße Äther der Glukuronsäure (z. B. Glycyrrhizin)
enthalten (_Glycyrrhiza_),
8. =Tanniddrogen=, d. h. Drogen, die Körper der Gerbstoffgruppe
enthalten -- frei oder als Tannoglukoside.
a) Enthalten nicht glukosidische Verbindungen.
I. Enthalten Tannogene: Protocatechusäure, Kaffeesäure, Gallussäure.
II. Enthalten nicht glukosidische Tannide.
1. Protocatechutannide,
2. Gallotannide.
b) Enthalten glukosidische Verbindungen.
1. Protocatechu-Glukotannide,
2. Gallo-Glukotannide.
c) Enthalten Phloglukotannide.
1. Protocatechu-Phloroglukotannide,
2. Gallo-Phloroglukotannide.
d) Catechingruppe.
e) Drogen, die Phloroglucinderivate enthalten: _Filix_, _Kamala_,
_Embelia_. (Taenicide Drogen.)
f) Drogen, die andere gerbstoffartige Substanzen (z. B. Maklurin)
enthalten.
9. =Fettdrogen=, d. h. solche, die in erster Linie wegen des in ihnen
enthaltenen Fettes oder fetten Öles angewendet werden.
10. =Säuredrogen=, d. h. solche Drogen, deren wichtigste Bestandteile
Pflanzensäuren oder saure Salze sind.
11. =Harzdrogen.=
A. +Resinretine+ oder +Esterharze+, enthalten Harzester (Resine).
I. +Resinotannolresinretine+, Harze, die Tannolresine enthalten
(Resinotannolharze).
1. Benzharze (_Benzoë_, _Perubalsam_, _Akaroïd_),
2. Umbelliferen- (Gummi-)Harze (_Asa foetida_).
II. +Resinolresinretine+, Harze, die Resinolresine enthalten
(_Styrax_).
B. +Resenretine+ oder +Resenharze+, charakteristischer Bestandteil:
Resene.
I. Burseraceenharze (_Olibanum_, _Myrrha_).
II. Anacardiaceenharze (_Mastix_).
III. Dipterocarpeenharze (_Gurjunbalsam_).
C. +Resinosäureretine+ oder +Resinosäureharze+, Hauptbestandteil:
Eine oder mehrere Harzsäuren.
I. Koniferenharze (_Terpentine_, _Colophonium_).
II. Caesalpinioideenharze (_Copaivabalsam_).
D. +Resinolretine+ oder +Resinolharze+, Hauptbestandteil:
Harzalkohole (Resinole) (_Guajac_).
E. +Aliphatoretine+ oder +Fettharze+, enthalten Körper der Fettreihe
(_Stocklack_, _Agaricum_).
F. +Chromoretine+ oder Farbharze, Harzkörper gefärbt (_Gutti_).
G. +Enzymoretine+, enthalten eine Gummase (_Japan. Lack_).
(H. +Glukoretine+ -- werden besser zu den Glukosiden gestellt, s.
oben.)
I. +Laktoretine+, Milchsäfte.
I. Guttaperchagruppe.
II. Kautschukgruppe.
III. Euphorbiumgruppe.
IV. Lactucariumgruppe.
(K. +Pseudoretine.+)
Dies System ist natürlich unvollkommen und muß unvollkommen sein, da
nach meiner Schätzung nur ungefähr ein Prozent aller Drogen bisher
so untersucht sind, daß man sagen kann, welches ihr Haupt- oder
wichtigster Bestandteil und wohin dieser zu stellen ist.
Oft ist auch die sog. chemische Einteilung keine rein chemische
gewesen, sondern man zog auch die pharmakologische Wirkung mit herbei,
so daß gemischte Systeme entstanden, wie ja schon das ~Cartheusers~ (s.
oben) ein solches ist.
Diese leiten dann hinüber zu den eigentlichen
physiologisch-pharmakologischen Systemen.
5. Einteilungen nach den physiologischen Wirkungen der Arzneimittel.
Da ich die Pharmakologie aus der Pharmakognosie ganz eliminiere, könnte
ich diese Systeme übergehen. Doch mag derselben -- aus historischen
Gründen -- mit einigen Worten gedacht werden. Ich verweise im übrigen
auf ~Pereiras~ +Heilmittellehre+ (S. 216). ~Pereira~ gliedert
diese Systeme in folgende (veraltete) Klassen: 1. Einteilung nach
der allgemeinen Beschaffenheit der Arzneiwirkungen, 2. nach der
~Brown~schen Theorie, 3. nach der Lehre vom Contrastimulus, 4. nach
~Broussais~ Theorie, 5. nach physiologisch-chemischen Prinzipien, 6.
nach den einzelnen affizierten Teilen, 7. physiologische Einteilung
nach ~Pereira~. Doch folgt ~Pereira~ selbst einem anderen System (vgl.
S. 219).
Endlich hat man auch:
6. Einteilungen, welche sich auf die therapeutischen Eigentümlichkeiten
der Arzneimittel gründen,
versucht. Auch diese können hier übergangen werden.
Doch mögen an dieser Stelle aus Gruppe 5 und 6, da auch
pharmakognostisch und chemisch interessant, genannt sein:
~Chomel~, +Catalogus plantarum officinalium secundum facultates+.
Paris 1730. -- ~J. R. Spielmann~, Institutiones materiae medicae
praelectionibus academicis accomodatae Argentor. 1766, 1774 u.
1784 (innerhalb der pharmakologischen Gruppen alphabetisch). --
~Benjamin Smith Barton~, +Collections for an essay towards a
Materia medica+ of the United States. Phil. 1798 and 1804 (in
Bulletin of the Lloyd library). -- ~K. F. Burdach~, +System
der Arzneimittellehre+. 3 B. 1807–09, 2. Aufl. 4 B. 1817–19.
-- ~C. H. E. Bischoff~, +Die Lehre von den chem. Heilmitteln+.
3 B. 1825–31. -- ~W. Grabau~, +Chemisch. physiolog. System d.
Pharmakodynamik+. Kiel 1837–38. -- ~Joh. H. Dierbach~, +Synopsis
materiae medicae+. 2 Vol. Heidelb. 1841. -- ~Buchheim~, Lehrb. d.
Arzneimittellehre. 1856 u. 1859. -- ~Buchheim-Harnack~, Lehrbuch
der Arzneimittellehre. Hamburg 1883. -- ~Husemann~, Handbuch
der gesamten Arzneimittellehre. 1883. -- ~Cantani~, Manuale di
Farmacologia clinica, materia medica e terapeutica. Neapel 1890.
-- ~Bernatzik~ u. ~Vogl~, Lehrbuch der Arzneimittellehre. Wien
1886. -- ~Binz~, Vorlesungen über Pharmakologie. Berlin 1886 und
Grundz. d. Arzneimittellehre. 13. Aufl. 1901. -- ~Cloëtta-Filehne~,
Lehrb. d. Arzneimittellehre. 10. Aufl. 1901. -- ~Schmiedeberg~,
Grundr. d. Pharmakologie. 5. Aufl. 1906. -- ~Tappeiner~, Lehrb.
d. Arzneimittellehre. 6. Aufl. 1907. -- ~Fränkel~, Kurzgefaßte
Arzneimittellehre, 1906 u. Arzneimittelsynthese, 1906. -- ~Penzoldt~,
Lehrb. d. klin. Arzneibehandl. 5. Aufl. 1900. -- ~Kobert~, Lehrb.
der Pharmakotherapie. 1897 und 1908. -- ~R. Heinz~, Lehrb. d.
Arzneimittellehre. 1907. -- ~M. Elfstrand~, Läkemedelslära med
särskild hänsyn till svenska farmakopéen. Upsala 1905. --
7. Geographisch-pharmakologisches System.
Ein sehr merkwürdiges System hat 1833 ~Dierbach~ in Heidelberg in
der Abhandlung: +Chloris medica+ oder Übersicht der Arzneipflanzen
nach ihrer geographischen Verteilung und nach ihren Heilkräften.
Ein botanisch-pharmakologischer Versuch (~Trommsdorffs~ N.
Journ. d. Pharm. 1833 u. 1834) aufgestellt. Man kann es ein
geographisch-pharmakologisches nennen. Es fußt auf dem Gedanken: ubi
morbus ibi remedium (siehe S. 20), der gerade damals in ~Schnurrers~
Geographischer Nosologie, Stuttgart 1813, zum Ausdrucke gebracht worden
war, übrigens viel älter ist (vgl. S. 20). ~Dierbach~ unterscheidet:
1. Hyperboräische Arzneipflanzen:
a) hyperboräische Ceres,
b) hyperboräische Pomona,
c) Brech- und Purgiermittel,
d) scharfe Mittel,
e) auflösende, schleimausführende Mittel,
f) diaphoretische und diuretische Mittel,
g) bittre und adstringierende Mittel,
h) ätherisch-ölige aromatische Mittel,
i) beruhigende Mittel,
und führt diese Gruppen dann durch auch bei den folgenden Reichen:
2. Europäische Arzneipflanzen. 3. Scythische Arzneipflanzen.
4. Orientalische Arzneipflanzen. 5. Chinesische und japanische
Arzneipflanzen. 6. Ostindische Arzneipflanzen. 7. Arzneipflanzen
des nördlichen Afrika. 8. Arzneipflanzen des tropischen Afrika. 9.
Arzneipflanzen des südlichen Afrika.
(Vgl. auch ~Dierbach~, Die Endogenen, betrachtet nach ihren
Bestandteilen und Eigenschaften, ~Trommsdorff~, N. Journ. 1832.)
Anhang.