In großem Stil werden in Frankreich die «_Absinthkräuter_», d. h.

die Kräuter gebaut, die zur Herstellung des Absinthlikörs gebraucht

werden. Es sind dies in erster Linie der große _Absinth_ (_Artemisia

Absynth._), dann die aromagebenden Beisätze: der kleine Absinth

(_A. pontica_), der _Ysop_ (_Hyssopus offic._) und die _Melisse_.

Die _Absinth_kulturen der Schweiz gehen ihrem Ende entgegen, da der

Absinthlikör jetzt verboten wird.

Lichte Haine bildet die _Mannaesche_ in Sizilien (Fig. 17) und die

_Cocospalme_ in Südasien (Fig. 19), Wälder die _Cinchonen_ (Fig. 18),

große Waldbestände die _Seestrandfichte_ in dem Departement des Landes

in Frankreich.

[Illustration: Fig. 40. _Tee_felder in Südchina. [Aus Illustr. Welt.]]

Ganz eigenartig ist die Kultur des _Reis_ auf den +Sawahs+ (Fig. 24).

Hier wird in terrassierten, gestreckt viereckigen, durch niedrige

Wälle rings umschlossenen Abteilungen, die periodisch unter Wasser

gesetzt werden, die junge Reispflanze in den Schlammboden gesetzt und

bis zur Reife im Wasser erhalten. Erst dann wird das Wasser abgelassen.

Höchst eigenartig sind auch die großen _Citrus_kulturen am Gardasee

(Fig. 27 u. 28), wo besonders die _Citrone_ im großen Stil kultiviert

wird. Es sind terrassenartig übereinanderliegende «Orangerien», die so

eingerichtet sind, daß sie oben und an der Vorderseite nötigenfalls

gedeckt, resp. verschlossen werden können. Mit ihren weißen Pfeilern

bieten sie ein sehr eigenartiges Bild.

Ganz anders sind die großen _Citrus_kulturen in Kalifornien angelegt

(Fig. 31), wo das außerordentlich günstige Klima offene ungeschützte

Anpflanzungen erlaubt. Hier wird der Boden entweder terrassiert oder

man wählt sanft abgedachte Hänge, in beiden Fällen um eine möglichst

ausgiebige Bewässerung zu ermöglichen, die bei dem ziemlich trockenen

und heißen Klima unbedingt erforderlich ist.

In Plantagenkultur findet sich auch der _Mohn_ in Kleinasien, Persien,

Indien und China.

2. Die +Kampong+- oder +Gartenkultur+ ist die Kultur im Kleinen.

Kampong ist der malaiische Name für das Dorfwäldchen. In Indien wird

_Cocos_, etwas _Kaffee_, vielfach auch _Myristica_ und _Vanille_ sowie

_Betel_ in Dorfwäldchen kultiviert (Taf. IV, Fig. 22 u. 32), in China

steht der _Tee_ bei den Bauern vielfach in Kleinkultur, in Abyssinien

_Kusso_.

[Illustration: Fig. 41.

_Canarium commune_ in Alleekultur. Die berühmte «Kanarie Laan» des ’s

lands plantentuin in Buitenzorg (Java). [+Tschirch+ phot.]]

In Deutschland ist Jenalöbnitz (Fig. 33) der Typus für die Kultur

im Kleinen. Hier werden die Arzneipflanzen in kleinen Parzellen

gebaut. Dann sind hier auch die +Bauerngärten+, die ihren Überschuß

an die Apotheken abgeben, und die allerdings immer seltener werdenden

+Apothekengärten+ zu nennen, in denen _Königskerze_ und _Malven_,

_Calendula_ und _Kamille_, _Estragon_, _Absinth_ und _Melisse_

blühen, und von der Frau Apothekerin geerntet werden. Besonders die

Bauerngärten liefern, wie mich Erkundigungen in etwa 100 Drogerien

und Apotheken lehrten, mehr als man glauben sollte. In den deutschen

und schweizerischen +Bauerngärten+ werden jetzt noch folgende

Arzneipflanzen regelmäßig kultiviert: _Calendula_, _Chamomilla_,

_Paeonia_, _Monarda_, _Rosa_, _Tanacetum_, _Verbascum_, _Malva

arborea_, _Althaea_, _Absinthium_, _Majorana_, _Petroselinum_,

_Cerefolium_, _Levisticum_, _Armoracia_, _Carum Carvi_, _Melisse_,

_Salvia_, _Rosmarin_, _Thymus_, _Mentha crispa_, _Anethum_, _Sambucus_.

Viele davon stehen schon in ~Carls~ Capitulare. Die Bauern bringen ihre

kleine Ernte dem Apotheker.

3. Die +Alleekultur+, die bei unseren Obstbäumen so viel benutzt wird,

fand ich in Indien bei _Dammara_ (Fig. 35) und in beschränktem Maße

-- jetzt verlassen -- auch bei _Cinchona_ (Taf. VI) und _Vanilla_. In

Alleekultur findet man auch in Südfrankreich die _Korkeiche_ (Taf.

V), in Indien die _Tamarinde_ (Fig. 34). Die Lindenalleen liefern

den großen Bedarf an _Lindenblüten_. Als Heckenpflanze wurde in Java

_Ananas_ und _Bixa orellana_ gepflanzt.

[Illustration: Fig. 42.

_Piper Cubeba_ an dem Stützbaum kletternd (Java). [+Tschirch+ phot.]]

4. +Mischkultur.+ Sie hat viel Ähnlichkeit mit der Kampongkultur

im «Dorfwäldchen». Während aber bei dieser alle möglichen Pflanzen

durcheinander gepflanzt werden, besteht die Mischkultur meist nur aus

zwei Arten, die durcheinander gepflanzt werden. In Mischkultur befindet

sich z. B. _Cacao_ und _Kaffee_ auf Ceylon und in Südamerika, _Uncaria

Gambier_ und _Pfeffer_ auf dem Rioux-Lingga-Archipel (besonders Rioux

und Bintang), _Süßholz_ und _Weizen_ in Calabrien, _Süßholz_ und

_Erbsen_ bezw. _Mais_ in Teramo usw.

Die Holländer nennen die Chinapflanzung +Kina tuin+ (d. h.

Chinagarten), die Muskatnußpflanzung +Noten tuin+ (d. h. Nußgarten).

Die großen Muskatplantagen auf den Bandainseln werden +Perk+ (d. h.

Park) genannt, die sie besorgenden Männer +Perkeniere+. Die Engländer

sprechen von +China plantation+, +Tea plantation+, +Coffee estate+.

Die Vanillepflanzungen heißen bei den Spaniern +Vainillales+, bei den

Franzosen +Vanilleries+. Ein Garten von Balsambäumen in San Salvador

wird +Balsamal+ genannt (Fig. 23). Die Matewälder in Südamerika heißen

+Yerbales+, die Cacaogärten +Huertas+.

In +Cölleda+ a. d. Unstrut nennt man die Arzneipflanzen-Kultivateure

+Botaníker+ (mit dem Ton auf dem i) und die Arzneipflanzenkultur

+Botanisie+.

* * * * *

Nicht alle tropischen Pflanzen können in freier Sonne kultiviert

werden. Einige verlangen =Schattenpflanzen=, d. h. Schatten spendende.

Die erste Pflanze, welche als Schattenpflanze angewendet wurde, war

_Erythrina Corallodendron_, die «+madre del Cacao+» oder «+Arbol

madre+» in den Cacaopflanzungen Südamerikas. In Java wird beim _Kaffee_

und den _Guttapercha_pflanzen jetzt meist die rasch wachsende _Albizzia

moluccana_ (Fig. 36 u. 38) oder -- seltener -- _Hypophorus subumbrans_,

_Cassia florida_ oder _Sponia velutina_, in Südamerika beim _Kaffee_

wohl auch _Castilloa_ benutzt. In Ceylon wird der _Kaffee_ ohne

Schattenpflanze kultiviert (Taf. I), wie auch der _Tee_ (Taf. II),

ebenso der _Tabak_ in Sumatra (Fig. 22).

Schattendächer verwendet man auch bei den Nurseries der _Cinchonen_

in Java, des _Kaffee_, der _Hevea_ u. a. (Fig. 21, 53–55, 57, 58).

In den sumatranischen Tabakspflanzungen werden die jungen Pflänzchen

durch breite «Schattenhölzchen», die man neben die Pflanze in den Boden

steckt und später entfernt, gegen die Strahlen der Sonne geschützt

(Fig. 59). Bei den jungen Sämlingen der Korkeiche dient in Portugal der

_Wein_ als Schattenpflanze.

In Indien werden junge _Cacao_pflanzen mit _Musa_ (besonders _M.

textilis_) beschattet, ältere mit _Albizzia moluccana_ oder _Erythrina

lithosperma_ (Dadap). In Ceylon sah ich _Erythrina_arten dem Zwecke

dienen (_E. indica_ und _lithosperma_), sowie _Artocarpus integrifolia_

(Djaktree). Auch in Venezuela werden _Erythrinen_ dazu benutzt (_E.

Corallodendron_, _velutica_, _umbrosa_), für junge Anlagen an Stelle

der _Bananen_ auch _Yuccas_.

[Illustration: Fig. 43.

_Pfeffer_plantage in Java. Stützbaum: _Eriodendron anfractuos_.

(Kapok). [+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 44.

_Vanille_plantage von Combani (Mayotte) auf Réunion. Stützbäume.

[+Lecomte+ phot. durch +Roure-Bertrand+.]]

[Illustration: Fig. 45.

_Vanilla planifolia_ in Spalierkultur in Java, links im Laub ein

Fruchtbündel. [+Tschirch+ phot.]]

In Venezuela wird der _Kaffee_ stets mit Schattenbäumen gepflanzt --

der Schattenbaum heißt «+Koffiemama+» -- und zwar werden in der Tierra

caliente und templada _Erythrina glauca_ und _micropteryx_ (Bucares),

_Pithecolobium Saman_ und _Inga_arten (Guamos), in der Tierra fria

mehrere _Inga_arten (_Inga longituba_, _Hartii, marginata_, _edulis_

usw.) dazu benutzt. Beim _Cacao_ werden in Trinidat _Erythrina_arten

(_E. amasisa_, _micropteryx_, _glauca_) oder _Pithecolobium Saman_,

in Surinam _Erythrina glauca_ oder _umbrosa_ -- «+Kakaomama+» -- als

Schattenbäume gepflanzt. _Hura crepitans_ und _Artocarpus incisa_ haben

sich nicht bewährt. In Grenada pflanzt man _Cacao_ ohne Schattenbaum.

In Guatemala dienen als Schattenpflanzen entweder stehengebliebene

Urwaldbäume (besonders Leguminosen, Fig. 37) oder gepflanzte

_Inga_arten, _Gliricidia sepium_ -- hier die «+Madre del Cacao+» --,

_Trema micrantha_ und _Erythrina_arten (z. B. _E. amasisa_). In San

Andres-Osuna dient _Cinchona Succirubra_, in San Isidro _Castilla

elastica_, bei Guatemala sogar eine _Cypresse_ als Schattenbaum des

_Kaffee_ (~Preuss~). _Manihot_ wird auf Sansibar als Schattenbaum der

_Vanille_ gepflanzt. In Portorico werden neuerdings die _Tabak_felder

auf weite Strecken mit leichten Stoffen überspannt (Taf. VII).

Auch das Zurückschneiden (topping, pruning) ist eine bei vielen in

Plantagenkultur befindlichen Arzneipflanzen wichtige Operation.

So werden die _Tee_- und _Ceylonzimt_bäumchen stets so stark

zurückgeschnitten, daß sie Strauchform annehmen (Fig. 29, 30, 40 u.

Taf. II). Bei dem _Cacao_baum kappt man den Gipfeltrieb und läßt,

um den Baum breiter und niedriger zu halten, nur zwei oder drei

gleichwertige Basaltriebe sich entwickeln, so daß man in der Plantage

meist zwei- oder dreigabelige Stämmchen findet.

Eine besondere Rolle spielen die dem Rande der Plantage entlang

gepflanzten Windbrecher (windbrekers), die dem Windschutz dienen. Bei

_Cacao_pflanzungen fand ich in Java oft _Bixa Orellana_ als Windbrecher

gepflanzt (Fig. 56), bei _Kaffee_pflanzungen auch _Morus indica_ und

_Hibiscus elatus_.

In Südamerika wird _Cedrela odorata_ zu gleichem Zwecke benutzt.

[Illustration: Fig. 46.

_Dioscorea alata_ an dem Stützbaum kletternd (Java). [+Tschirch+ phot.]]

Eine besondere Gruppe bilden die Pflanzen, die nur mit einer Stütze

wachsen können, also zur Klasse der Klimmpflanzen (climbing plants)

gehören. Sie werden entweder an Spalieren gezogen (Fig. 45) oder an in

einiger Entfernung voneinander gepflanzten Stützbäumen (Fig. 42–44)

oder an beiden, d. h. an zwischen Stützbäumen angebrachten Spalieren.

Alle drei Methoden werden bei der _Vanille_ benutzt. Nur an Stützbäumen

werden der _Pfeffer_ (Fig. 43) und die _Cubebe_ (Fig. 42) gezogen.

Als Stützbäume des _Pfeffers_ sind folgende Arten benutzt worden:

_Erythrina indica_ (Dadap), _Eriodendron anfractuosum_ (Kapok), _Areca

Catechu_ (Pinang), _Artocarpus integrifol._, _Hyperanthera Moringa_,

_Morinda citrifolia_, _Mangifera indica_. Sie dienen gleichzeitig als

Schattenbäume. An Bäumen gerankt wird die _Vanille_ auf den Seychellen,

was sich dort mehr bewährt als die Spalierkultur.

Der eigentlichen Kultur im engeren Sinne steht =die

forstwirtschaftliche Pflege= gegenüber, die darin beruht, daß man

+vorhandene+ Bestände möglichst schonend ausbeutet und eventuell wieder

aufforstet, wo Lücken eintreten. In solcher forstwirtschaftlicher

Pflege steht bei uns z. B. die _Eiche_, in China der _Zimtbaum_ und

neuerdings, seit die japanische Forstverwaltung eingegriffen hat,

in Formosa der _Campherbaum_, ferner in Amerika und in Frankreich

(Departement des Landes) die Harz liefernden _Coniferen_. In

forstlicher Pflege befinden sich auch die _Korkeichen_wälder in

Algerien, Tunis und Marokko.

Übrigens hatte schon ~Mutis~ und dann auch die Jesuiten vorgeschlagen,

die _Cinchonen_ in Bolivien und Peru in forstliche Pflege zu nehmen, um

der drohenden Ausrottung zu begegnen.

Bei den «_Yerbales_», den _Matebaum_wäldern in Südamerika kann von

«forstlicher Pflege» wohl kaum die Rede sein, ebensowenig bei den

_Quebracho_wäldern Argentiniens.

Bisweilen werden die =Ernteprodukte sogleich am Orte der Kultur weiter

verarbeitet.= So destilliert man z. B. in Cölleda das _Pfefferminzöl_,

in den Rosendistrikten Bulgariens und in den Öldistrikten

Südfrankreichs wandert man mit den Destillierblasen durch die Kulturen

und destilliert die ätherischen Öle an Ort und Stelle und mitten in den

Rosenfeldern von Miltitz haben ~Schimmel & Co~. ihre Fabrik errichtet

(Taf. III).

Bei der Anpflanzung spielt die richtige =Pflanzweite= eine große Rolle.

Sie wird durch Versuche festgestellt. Die _Tee_pflanzen z. B. werden

in Java 2–4 Fuß voneinander gesetzt in 3–4 Fuß voneinander entfernten

Reihen, die _Cacao_pflanzen 10–20 (meist 15) Fuß voneinander, die

_Cinchonen_ sehr verschieden, jetzt meist 4 Fuß voneinander.

[Illustration: Fig. 47.

_Vanilla planifolia_ an einem Stützbaum kultiviert (Ceylon).

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Tafel VIII

Typischer Urwald an den Abhängen des Gedé (Java).

Gemischter Regenwald der tropischen Zone. _Lianen_, im Unterholz _Musa_

und _Baumfarn_.

[Aus +Tschirch+, Der javanische Urwald, 1891.]]

[Illustration: Tafel IX

Beginn der Anlage einer Plantage in Sumatra. Fällen des Urwaldes. Im

Vordergrunde einige Keimbeete.]

[Illustration: Fig. 48.

_Cacaofarm_ der westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Bibundi in

Kamerun.]

[Illustration: Fig. 49.

Anlage einer _Tabak_plantage auf Sumatra. Der Wald ist gefällt, die

Wege angelegt.

[Kolon. Mus. Haarlem.]]

[Illustration: Fig. 50.

Der niedergelegte Urwald. Beginn der Anlage einer _China_plantage in

Mitteljava.

[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

[Illustration: Fig. 51.

Anlage einer Teeplantage auf einer niedergelegten Urwaldspartie in

Ceylon.

[Aus +Tschirch+, Indische Heil- und Nutzpflanzen.]]

Auch beim _Safran_ wird eine ganz bestimmte Pflanzweite innegehalten.

Die Knollen werden hier in Abständen von 8–10 cm in Reihen gesetzt,

die 20 cm voneinander entfernt sind. Daher kommt es, daß für den Anbau

ziemlich große Flächen gebraucht werden.

Bei tropischen Kulturen (_Cacao_, _Tee_) werden auch oft zwischen den

Pflanzreihen Gräben zur Drainage gezogen. Die Einzelheiten sind

in meinem Buche: «+Indische Heil- und Nutzpflanzen und deren Kultur+»

(Berlin 1892) nachzusehen.

Schon ~Plinius~ empfiehlt alternierende Reihen als beste

Anpflanzungsart, d. h. eine Anordnung:

■ ■ ■ ■

■ ■ ■

■ ■ ■ ■

Die sog. +Quincunx+, weil drei Bäume jedesmal eine römische V bilden.

[Illustration: Fig. 52.

Ausheben der Pflanzlöcher in einer neuangelegten _Kautschuk_plantage in

Indien. [F. O. +Koch+ phot.]]

Nur bei einigen der Kulturen im großen Stil (Plantagenkulturen) --

_Tee_, _Cacao_, _Kaffee_, _China_, Riechstoffpflanzen -- sind auch

Versuche mit =Kreuzungen= (Hybridenbildung), =Pfropfungen= u. dergl.

gemacht worden und nur bei ihnen hat man auch den Einfluß der Düngung,

der Bodenbeschaffenheit, der Beschattung, der Drainage, der Meereshöhe

und Regenmenge systematisch studiert. Hier bleibt noch ein großes Feld

für weitere wissenschaftliche Arbeit im Dienste der Praxis. Denn nur

bei den _Cinchonen_ sind die Versuche bisher nach +allen+ Richtungen

hin durchgeführt worden, haben aber hier zu sehr bemerkenswerten

Resultaten geführt. So liefert z. B. gerade die Hybride zwischen

_Cinchona Succirubra_ und _C. officinalis_ eine sehr wertvolle Rinde.

Besondere in den Kulturen geübte Verfahren sind das «+Erneuern der

Rinde+» bei den _Cinchonen_, das zur Entstehung der hochwertigen

«Renewed barks» führt und das ähnliche Verfahren bei der _Korkeiche_,

wo der sog. «+männliche+» Kork abgeschält wird und sich aus dem

Korkcambium der viel wertvollere «+weibliche+» Kork entwickelt (s.

Einsammlung).

[Illustration: Fig. 53.

Neue Saatbeete einer _Kautschuk_pflanzung in Indien. Im Hintergrunde

der Urwald. [F. O. +Koch+ phot.]]

In den alten berühmten Arzneikulturorten +Clermont Ferrand+

(Frankreich), +Puglia+ und +Acquila+ (Italien) und den vielen Orten,

die uns aus den Namen der Safransorten des Mittelalters bekannt

sind (vgl. Pharmakodiakosmie) -- noch erinnern einige Ortsnamen

(Capo Zaffarano bei Palermo, Zaffarana bei Marsala) daran -- sind

jetzt die Kulturen von Arzneipflanzen ganz zurückgegangen. Auch

die _Crocus_kultur +Frankreichs+ ist jetzt ganz auf Gâtinais, wo

im XVII. Jahrh. mit der Kultur begonnen wurde, beschränkt und von

1143 Hektar (1869) auf 477 (1902) zurückgegangen. Vorwärts gehen die

Kulturen eigentlich nur in +Amerika+, wo das zielbewußte Vorgehen

des +Agriculture Department+ einen Fortschritt anbahnt, in +Spanien+

bezüglich des _Safran_ und besonders in +Rußland+, dessen riesige

unbebaute Landflächen billiges Land und dessen arme Bevölkerung

billige Arbeitskräfte darbietet, das also für die Arzneipflanzenkultur

prädestiniert ist. Schon 1886 habe ich der damals entsandten russischen

Studienkommission die Arzneipflanzenkultur warm empfohlen. Auch

+Ungarn+ produziert steigende Mengen.

In +Deutschland+ gehen allenthalben die Arzneipflanzenkulturen zurück.

Ich wiederhole, was ich schon in meinem Aufsatze: «Der Anbau der

Arzneigewächse in Deutschland» 1890 sagte: «Es wird Sache der großen

Drogenfirmen sein, die dabei zunächst interessiert sind und allein eine

genaue Übersicht über den wirklichen Bedarf, über die Nachfrage haben,

auf Erhaltung und Hebung der heimischen Arzneipflanzenkultur durch

sachgemäßen, den Kultivateuren erteilten Rat hinzuwirken.»

Gut rentabel wird die Arzneipflanzenkultur in Mitteleuropa nur bei

billigen Bodenpreisen und niedrigen Löhnen. Die _Mohn_kultur (zwecks

_Opium_gewinnung) und die _Safran_kultur wurden in Deutschland

verlassen, da sie zu viel teure Arbeitskräfte verlangten. Doch ist

überall dort, wo Böden frei werden, z. B. in von der _Phylloxera_

verwüsteten Weinbergen (vgl. die Lit.) oder wo der Boden eine

Fruchtfolge verlangt durch Anbau von Arzneipflanzen eine Rendite zu

erzielen und der Apothekergarten lohnt auch heute noch die darauf

verwendete Mühe. Der Anbau von _Mohn_ zur _Opium_gewinnung ist

meines Erachtens auch in Europa noch heute lohnend, da die Samen als

Nebenprodukt gewonnen werden können.

[Illustration: Fig. 54.

_Cinchona_-Nursery unter Schutzdächern auf Java. [+Schröter+ phot.]]

Einjährige Pflanzen werden aus Samen erzogen, mehrjährige (_Mentha_) am

besten aus Setzlingen (Stecklingen). Der Boden, die Bewässerung, die

Beschattung sind für jede Art auszuprobieren. Alle die, welche sich mit

Arzneipflanzenkultur beschäftigen wollen, verweise ich auf die unten

angegebene Spezialliteratur (besonders auf ~Löbe~ und ~Schöller~). Die

Hauptsache tut aber die eigene Erfahrung.

In starker Progression wachsen die =tropischen Arzneipflanzenkulturen=,

die durch Einführung der landwirtschaftlichen Maschinen neue

Impulse empfingen. +Von Boden und Klima+ begünstigt, werfen sie,

rationell betrieben, guten Nutzen ab. So haben besonders die

_Cinchona_pflanzungen auf Java und in Vorderindien, die _Tee_- und

_Kaffee_pflanzungen in Java, die Kulturen der _Kautschuk_bäume

(besonders _Hevea_) in Sumatra, Malacca, Ceylon, Mysore, Travancore,

Assam, Birma, Neu-Guinea, Samoa, der _Guttapercha_bäume auf Java,

die _Kaffee_pflanzungen in Brasilien, die _Vanille_kulturen auf

Bourbon, den Seychellen, Comoren und Madagaskar und auf Tahiti, die

_Pfeffer_kulturen im Malaiischen Archipel bedeutende Dimensionen

angenommen und auch in den deutschen Kolonien schreitet man kräftig

vorwärts und versucht es mit allen möglichen Heil- und Nutzpflanzen

(_Cacao_, _Tabak_, _Kautschuk_, _Kaffee_, _Cinchonen_), wirksam

unterstützt von der heimischen Versuchsstation in Berlin und

der Station in Amani (D. O. A.). Diese tropischen Kulturen, bei

deren Anlage alle Faktoren (Meereshöhe, Regenmenge, Temperatur)

berücksichtigt werden, werden jetzt mit allen modernen Hilfsmitteln

betrieben. In der Estate (Fig. 48) wohnt der europäische Direktor

oder Assistentdirektor und seine Assistenten, in einiger Entfernung

liegen die Hütten der unter besonderen Chefs (Mantri besar in Java)

stehenden Eingeborenen (Fig. 12). Zunächst wird der tropische Urwald

(Taf. VIII) niedergelegt (Taf. IX, Fig. 49–51), die Bäume entweder

verbrannt oder verrotten gelassen oder nutzbar gemacht. Dann stellt man

mit eisernen Stöcken Pflanzlöcher her (Fig. 51 u. 52). In Keimbeeten

(Saatbeeten, Fig. 55 u. 57) werden die Samen zum Keimen gebracht,

in Nurseries (Pepinièren, Fig. 59–61) die jungen Pflänzchen bis zur

Höhe einiger Dezimeter gezogen, dann in die sorgfältig drainierte und

reingehaltene, wohl auch rationell gedüngte Plantage überpflanzt und

auch hier noch dauernd überwacht, wie ich dies in meinen +Indischen

Heil- und Nutzpflanzen+ ausführlich geschildert habe. Auch dem Trocknen

und (event.) Fermentieren wird die größte Sorgfalt gewidmet. Nicht

selten wird dann sogar das Endprodukt einer chemischen Kontrolle

unterworfen. So gleicht eine solche Pflanzung einem in jeder Hinsicht

wohlorganisierten Staate.

[Illustration: Fig. 55.

Saatbeete für keimende _Cinchona_samen auf Java.

[+Schröter+ phot.]]

[Illustration: Fig. 56.

_Bixa Orellana_ (in Blüte) als «Windbrecher» am Rande einer

_Cacao_plantage in Java gepflanzt.

[+Tschirch+ phot.]]

[Illustration: Fig. 57.

Gedeckte Keimbeete (Kweekereij) in der Regierungschinaplantage in

Tjibouroum (Java).

[Aus Verslag der Gouvernements Kina-Onderneming Java.]]

[Illustration: Fig. 58.

_Kaffee_-Saatbeet in Surinam mit Schattendach. [Aus +Preuß+, Zentral-

und Südamerika.]]

[Illustration: Fig. 59.

Pepinièren einer sumatranischen _Tabak_pflanzung, die jungen Pflänzchen

durch Schattenhölzer geschützt.

[Nach +Haarsma+, Tabakbau in Deli.]]

In Java bestehen sowohl +Gouvernements+ Kina Ondernemingen (seit

1854) wie +Particuliere+ Kina Ondernemingen (ungefähr seit 1870),

d. h. sowohl Regierungs- wie Privatchinaplantagen. Letztere sind viel

umfangreicher als erstere. So kamen 1906 aus den Gouvernementskulturen

777660 kg, aus den Particulierekulturen 8016820 kg _Chinarinde_ nach

Amsterdam. Auch in Ostindien bestehen beide nebeneinander.

Sehr umfangreich sind in +extratropischen+ Gegenden die _Oliven_- und

_Agrumen_kulturen in Italien und Südfrankreich, die immer noch in

aufsteigender Richtung sich bewegenden _Rosen_kulturen in Bulgarien,

die _Pfefferminz_kulturen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika

und Japan, die _Anis_kulturen in Rußland (1906: 5000 Desjätinen), die

_Kümmel_kulturen in Holland, die _Süßholz_kulturen in Südrußland.

Einen besonderen Zweig der Kulturen bilden die Kulturen von Pflanzen

mit Riechstoffen (Miltitz b. Leipzig, Grasse, Rumelien). Hier gelangen

die kultivierten Pflanzen nicht in den Handel, sondern direkt in die

Fabriken der ätherischen Öle, Riechstoffe und Parfüms, wo sie sofort

verarbeitet werden.

* * * * *

Über die =Verbreitung der Arzneipflanzenkultur= orientieren folgende

Tabellen (S. 61 u. flgd.).

Bisweilen hat der Versuch, eine außereuropäische Arzneipflanze in

Europa zu kultivieren, zwar nicht zu einem gleichwertigen Produkte

geführt, aber eine Kultur hervorgerufen, die sich doch als ganz

lukrativ erwies. Der Versuch, _Rheum palmatum_ und _Rheum officinale_

in Frankreich und England so zu akklimatisieren, daß ein dem

chinesischen _Rhabarber_ gleichwertiges Produkt erhalten wird, darf

als vorläufig gescheitert betrachtet werden. Es scheint, daß diese

Gebirgspflanzen in der Ebene degenerieren (s. oben). Aber die Rhizome

sind doch als «_europäischer Rhabarber_»(neben der _Rhapontic_)

verkäuflich, allerdings minderwertig.

1889 wurden auf Anregung des +Vereins zur Beförderung des Gartenbaues

in den königl. preußischen Staaten auf den Rieselfeldern bei

Blankenburg+ (bei Berlin) systematische Versuche mit dem Anbau von

_Mentha_, _Datura_, _Hyoscyamus_, _Salvia_, _Hyssopus_, _Aconitum_ und

_Pyrethrum_ gemacht und zum Trocknen eine ~Mayfarth~sche Darre benutzt.

Über diese Versuche habe ich (Arch. d. Pharm. 1896) berichtet.

[Illustration: Fig. 60.

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 6 / 33 段