Delbène sagt: Die Laster darf man nicht unterdrücken, da sie das
einzige Glück unseres Lebens sind (Juliette I, 25). +Man muss sie
nur mit einem solchen Mysterium umgeben+, dass man niemals ertappt
wird. Dieses Mysterium ist zugleich ein besonderer Reiz. Juliette
wundert sich über das Schweigen und die Ruhe bei der grossen Orgie
in der „Gesellschaft der Freunde des Verbrechens“ und zieht daraus
den Schluss, dass der Mensch nichts in der Welt so sehr achte, wie
seine Leidenschaften. (Jul. III, 53.) Darum finden alle Orgien an
dunklen, abgelegenen Orten statt, in einsamen Schlössern, in Höhlen,
unterirdischen Gewölben, im Walde, im Gebirge, am und auf dem Meere,
in Folterkammern und Hinrichtungssälen. Daher wird der Anthropophage
Minski zum „Einsiedler der Apenninen“, der in einem wohlbefestigten
Hause auf der Insel eines Teiches lebt (Juliette III, 313). Für
Dolmancé giebt es gewisse Dinge, die „absolut des Schleiers bedürfen“
und die er selbst vor den Augen der würdigen Madame St.-Ange verbirgt
(Philosophie dans le Boudoir II, 153).