Die Hauptwerke des Marquis +de Sade+, denen er seine „herostratische
Unsterblichkeit“ dankt, wie +Eulenburg+ sagt, und denen wir eine
besondere Aufmerksamkeit zu widmen haben, sind die „Justine“ und
„Juliette“, anfangs getrennt veröffentlicht, später vereinigt unter
dem Titel „La nouvelle Justine ou les Malheurs de la vertu +suivi+ de
l’Histoire de Juliette, sa sœur, ou les Prospérités du vice“, Hollande
(Paris, Bertrandet?) 1797 10 Bände in 18^o, davon 4 der „Justine“, 6
der „Juliette“ angehörend. Selbst die +Titel+ sind, wie +Nodier+
(a. a. O.) sagt „obscön geworden“.
Der Entwurf der „Justine“ reicht in die Gefängniszeit des Marquis +de
Sade+ zurück. Nach der „Biographie universelle“ verfasste er „Aline
et Valcour“ und die „Justine“ in der Bastille. Nachdem er 1790 seine
Freiheit erlangt hatte, erschienen im Jahre 1791 zwei Ausgaben der
„Justine“, die eine mit einem Titelbild von +Chéry+, die zweite schon
vergrösserte mit einem solchen von +Texier+ und 12 obscönen Bildern.
Die dritte Auflage im Jahre 1792 wurde von +Cazin+ gedruckt[573] und
ist noch cynischer als die beiden ersten, da z. B. Bressac seine
Greuelthaten an der Mutter statt wie früher an der Tante verübt. Eine
vierte Ausgabe erschien 1794.
Die „Juliette“ erschien zum ersten Male im Jahre 1796. Alle diese
Angaben sind für das Studium des Marquis +de Sade+ entbehrlich, da die
grosse vereinigte Ausgabe der „Justine“ und „Juliette“ im Jahre 1797
nicht nur die verbreitetste geworden ist, sondern auch diejenige ist,
in welcher die Ideen des Verfassers bis zu den äussersten Konsequenzen
entwickelt werden, diejenige also, auf welche allein man sich beziehen
kann. In dieser Gesamtausgabe umfasst die „Histoire de Justine ou
les malheurs de la Vertu par le Marquis de Sade“ (En Hollande 1797)
+vier+ Bände, die „Histoire de Juliette ou les prospérités du vice par
le Marquis de Sade“ (En Hollande 1797), +sechs+ Bände. Die „Justine“
enthält 40, die „Juliette“ 60 obscöne Abbildungen, zu denen noch 4
Titelbilder kommen, so dass es im Ganzen 104 Abbildungen sind. Als
Motto für beide Werke ist der den Inhalt richtig bezeichnende Spruch
gewählt:
On n’est point criminel pour faire la peinture
Des bizarres penchants qu’inspire la nature.
Es wird berichtet, dass diese Ausgabe in einem Keller gedruckt
wurde.[574]