+Praemonstratenser+ (S. 306): 17. März 1760. François de Maugre, von
der rue Haute-Feuille, zwischen Desirée und Zaire, alle drei glücklich.
Kommissar Sirebeau u. s. w.
+Büsser von Nazareth+ (S. 307): 2. Mai 1766. Bruder Nicephorus, bei
der Laville, welche ihm zeigt albentes coxas, inguina, crura, nates.
Kommissar Mutel u. s. w.
+Theatiner+ (S. 307): 28. Februar 1765. Laurent Durand, bei der
Dumoulin, nach der Vorschrift handelnd:
Entre la chair et la chemise
Il faut cacher le bien qu’en fait.
Kommissar Sirebeau u. s. w.
+Coelestiner+ (S. 308): 3. Dezember 1760. J. D. Tordoir, Subprior von
Nantes, bei der Mausy, in der Haltung des Propheten, welcher den Sohn
der Sunamitin auferweckt.
+Barmherzige Brüder+ (S. 308): 19. Oktober 1762. Jacques François
Boulard, ehemaliger Aufseher der Novizen und Prior, bei der Lagarde,
vor Victoire und Julie, quaerens quam devoret. Kommissar de Ruisseau
u. s. w.
+Oratorianer+ (S. 309): 14. November 1761. Etienne Leroi mit der
Chantrelle, welche... Die Grazien hatten dem Amor die Flügel
abgeschnitten. Venus nimmt ihn an ihren Busen, und sie wachsen wieder.
Kommissar Mutel u. s. w.
+Stiftsherren von St.-Geneviève+ (S. 311): 9. Mai 1761. Jean Pierre
Bedosse bei der Zéphire, per ipsam, cum ipsa et in ipsa. Kommissar
Sirebeau u, s. w.
2. August 1752. Der Pater Bernard, berühmter Prediger. Er nahm sich
zwei oder drei Dirnen bei der Lasolle. Das kostete ihn das Vermögen
einer Herzogin. Er gab 6½ Louisdors. Und der Chirurg Pouce verlangt von
ihm in der Folge 40 Taler, und drei Livres für den Besuch.[73]
+Eremiten+ (S. 311): 5. August 1773. Bruder Camille, aus dem Kloster
Hayet, bei Therese, wo er sich als „Portier des Chartreux“ bezeichnet.
Kommissar Mutel u. s. w.[74]
+Christliche Schulen+ (Ecoles Chrétiennes): 14. September 1763. Bruder
Firmin bei der Royer, die ihn mit jenen schlechten Lesern verglich,
welche ein Buch zu lesen anfangen, ohne die Lektüre zu vollenden,
Kommissar Mutel u. s. w.
+Stiftsherren von St.-Antoine+ (S. 312): 27. September 1765. François
Canova, bei der Lamourette Kommissar Mutel, Inspector Marais, welche
eintraten cum pariter victi, femina virque jacent.
+Jesuiten+ (S. 313): 5. November 1764. François Terrasse-Desbillon,
52 Jahre alt, bei der Mouton, wo er sich wie ein anderer vergnügte.
Kommissar Mutel u s. w.[75]
+Dekane, Würdenträger und Domherren+ (S. 313-315): 3. April 1764.
Blaise Messier, Domherr von Beauvais, bei der Blampié. Er schien
gleicher Ansicht mit +Rubens+ zu sein, welcher nur Schönheiten von 200
Pfund Gewicht liebte. Kommissar Rochebrune u. s. w.
14. August 1761. Marx-Antoine Montal, von der heiligen Kapelle, bei der
Provençale, anhelantem alte stratis in lectis. Kommissar de Ruisseau
u. s. w.
8. Juli 1760. Marie Mocet, Erzpriester von Tours, 60 Jahre alt. Nudus
una manu ad mammam, altera pudendis adhibita, inguniculabat.
3. August 1760. Jean B. Thévenet, Domherr von Poitiers, bei der
Adelaide, welche, wenn sie es gekonnt hätte, gern ihre Aktäons, den
Kommissar Sirebeau und den Inspektor Marais, in Hunde verwandelt hätte.
+Pfarrer+ (Curés) S. 316: 20. Juni 1765. Jean Pierre Pelletier bei der
Lambert, per +cuncta cava+ corporis libidinem recipientem. Kommissar
Mutel u. s. w.
22. August 1760. Pierre Louis Thorin. Zaire in dextrum semisupina
latus. Kommissar Sirebeau u. s. w.
+Abbés+ (Clercstonsurés) S. 317: 27. Oktober 1763. Charles Marie
Thibault de Monsauche wird nach Saint-Lazare geführt, weil er zum
dritten Male bei der Aurora gefunden wurde. Man fand bei ihnen einen
Brief in Versen, in denen der Abbé Tethon das besang, was Hebe den
Göttern zeigte, und was die Könige sehen wollen, wenn sie, um Vergnügen
zu haben, bis in den fünften Stock steigen, was endlich, nach ihm,
einen Schemel bei Hofe haben sollte.
+Doktoren der Sorbonne+ (S. 318): 8. Mai 1765. J. Baptiste R..... qui
truncus iners jacuerat et inutile lignum bei der Guerin.
23. Mai 1763. Fél. Auguste Tomolle quidquid liberet prolicito indicans
bei der Desnoyers. Das war seine dritte These.
+Erzieher+ (S. 319): 24. Februar 1761. P....; Hauslehrer der Kinder des
Marquis de P. bei der Perle. Ille vero statim solvit zonam et leges
inierunt benevolae Veneris. Kommissar Sirebeau u. s. w.
+Auswärtige Priester+ (S. 319-320): 28. Oktober 1762. François
Detraussin de Jausse, aus Florenz, Professor der Beredtsamkeit. Sophie
kämpfte nicht ganz nach der Weise der Parther, indem sie beständig den
Rücken wandte. Kommissar Fontaine u. s. w. --
Das wäre einiges aus der langen Liste. Ein Kommentar ist überflüssig.
Facta loquuntur. Schon diese Tatsachen, diese authentischen
Dokumente geben eine genügende Erklärung und -- Rechtfertigung für
den Löwenanteil, der dem Klerus an den Orgien in +Sades+ Romanen
zukommt, und für den Hass, mit dem die Geistlichkeit nicht blos
von +Sade+ bedacht wird. Denn Unsittlichkeit an sich ist schlimm,
Unsittlichkeit aber, begangen von +Predigern+ der Sittlichkeit, ist das
Verabscheuungwürdigste in dieser frommen Welt, welcher mehr Intelligenz
gut täte als Frömmigkeit.
+Manuel+ bemerkt am Schlusse dieser Aufzählung, dass kein
+Bischof+ in derselben genannt sei. Das erklärt er daraus, dass
man nicht einmal von einer Krankheit des Bischofs reden dürfe, um wie
viel weniger von seinen geschlechtlichen Ausschweifungen. Er deutet
aber doch diejenigen des Erzbischofs von Cambrai an, in dem wir
vielleicht ein Vorbild für den Erzbischof von Lyon bei +Sade+ zu
suchen haben.[76]
Ausser diesen Berichten +Manuels+ existiert noch ein sehr grosses Werk
über die Unsittlichkeit des französischen Klerus im 18. Jahrhundert.
Nach der Erstürmung der Bastille im Jahre 1789 erschienen die in der
Bastille gefundenen Prozessakten über die Sittlichkeitsvergehen der
Geistlichkeit in zwei Bänden.[77] Ludwig XV. liess sich jeden Morgen
über die Auffindung von Geistlichen in Bordellen berichten. Ebenso der
Erzbischof von Paris. Diese Bulletins nannte man die „Nuits de Paris“.
Die beiden Bände umfassen 189 Berichte vom 10. April 1755 bis zum
7. Juni 1766, sie sollten wahrscheinlich eher „raviver la lubricité
caduque du monarque“ als den Interessen der Moral und der Würde des
Königs dienen.
In dieselbe Kategorie gehört die Affäre des +Pfarrers von Bagnolet+
und der +Mademoiselle Mimie+. In der Autographensammlung von
+Lucas-Montigny+ befindet sich der folgende Brief des Erzbischofs von
Paris, +M. de Inigué+ an den Polizeiintendanten +Le Noir+[78]:
Le clerc de Inigué.
+Conflans+, den 30. Juli 1786.
Mein Herr!
Man hat mir mitgeteilt, dass der Herr Pfarrer von Bagnolet bei Paris
oft eine Dirne Mimie besucht, welche in der rue Pierre-Poissons
wohnt. Wenn es Ihnen möglich wäre, diese Tatsache zu verifizieren,
die zu erfahren ich sehr begierig bin, so würden Sie mich zu grösstem
Danke verpflichten.
Ich verbleibe mit respektvoller Anhänglichkeit Ihr gehorsamer und
ergebener Diener.
Antoine E. L., Erzbischof von Paris.
Der sehr bezeichnende Brief enthält folgende Randbemerkung des
Empfängers: „An den Herrn Quidor, um sofort und im Geheimen die
Tatsache zu verifizieren und mir Material zu einer Antwort zu liefern.“
Weitere interessante Einzelheiten über das Treiben der Pariser
Geistlichkeit finden sich in den „Confessions d’une jeune fille.“[79]
Wir werden in das Bordell der Madame +Richard+ geführt. Sapho (so
heisst das junge Mädchen) beobachtet durch ein Guckloch das Tête-à-Tête
der Richard mit einem Geistlichen. Diese nimmt aus einer Schublade
einen doppelten Rosshaarpanzer (double cuirasse de crins), der innen
mit einer unzähligen Menge von oben abgerundeten Eisenspitzen besetzt
ist, legt ihn um Brust und Rücken des Geistlichen, bindet ihn an beiden
Seiten mit Stricken fest und befestigt dann um den Unterleib eine
Eisenkette, welche sie unter den Testikeln hindurchführt, so dass diese
durch eine Art von Suspensorium unterstützt werden, das sich in der
Mitte dieser Kette befindet. Auch dieses Suspensorium ist mit Haaren
besetzt, aber weit geflochten, de manière à ne point empêcher les
attouchements de la main sur ces sources de plaisir. Um die Handgelenke
wurden ähnliche „Armbänder“ gelegt. Hierauf erfolgt Erektion. Nunmehr
schreitet die Richard zur Flagellation aliaque incitamenta amoris.
Weiter erzählt Sapho, wie sie die Geliebte eines Bischofs wird, dessen
Vikare ihm in der Lebensweise sekundierten, und entwirft eine lebhafte
Schilderung des unsittlichen Treibens der Geistlichkeit in dieser
Diözese. Sie erlebt ein Abenteuer mit vier Pfarrern (S. 318 ff.) Einer
von ihnen ist ein Paederast dessen Devise ist tout est c.. dans une
femme.[80]
Auch durch +Gedichte+ und +Bilder+ wurde die sexuelle Liederlichkeit
des Klerus gegeisselt. Das kräftigste in dieser Beziehung hat wohl der
Exjesuit +Cerutti+ geleistet, wenn er sagt[81]:
Des mensonges sacrés le commerce sordide
Partout du sacerdoce a grossi le trésor.
Partout le sacerdoce a bu le sang et l’or.
Souvenez-vous des Juifs que massacra Moïse;
Contemplez les bûchers que Rome canonise;
Tout prêtre est un bourreau, patenté par la foi.
Die folgenden Verse führen ebenfalls eine nur zu deutliche Sprache[82]:
On a choisi cinq Evêques paillards,
Tous cinq ronges de vérole et de chancre,
Pour réformer des Moines trop gaillards.
Peut-on blanchir l’ébène avec de l’encre?
Dies Gedicht bezieht sich auf eine Sittlichkeits-Enquête, mit welcher
man die Erzbischöfe von Rheims, Arles, Narbonne, Bourges und Toulouse
betraut hatte. Diese Enquête ist gewiss auch ein Zeichen der Zeit!
Wie sie aber von der Volksmeinung beurteilt wurde, zeigen jene Verse
und das zeigte noch deutlicher eine allegorische, nur in wenigen
Exemplaren hergestellte Zeichnung, die der Verfasser des „Espion
anglais“ sah. Auf derselben sind die fünf Erzbischöfe abgebildet. Der
Erzbischof von Rheims (+De la Roche-Aymon+) befindet sich vor einer
katholischen Kirche neben einer Frau, welche ihm Gesichter schneidet
und einen Hut unter ihrem Kleide verbirgt. Mit der anderen Hand
überreicht sie dem Erzbischof von Arles (+de Jumilhac+) den Orden vom
heiligen Geiste, zieht ihn (den Erzbischof) an sich, streichelt ihn
und spielt mit ihm. Ein Jagdwagen zieht die grösste Aufmerksamkeit
des Erzbischofs von Narbonne (+Dillon+) auf sich. Der Erzbischof von
Toulouse (+de Brienne+) ist in seinem Amtszimmer und hat zwei Bände
der „Encyclopédie“ vor sich aufgeschlagen, den einen mit dem Artikel
„Zölibat“, den andern mit dem Artikel „Mönche“. Endlich überreicht
der Erzbischof von Bourges (+Phelyppeaux+) einer jungen Dame einen
Blumenstrauss, die ihn liebkost und deutlich alle Kennzeichen eines
Freudenmädchens trägt.