Zweiter Auftritt

Amor. Die Zufriedenheit. Lottchen.

Letztere beide sind in modester Kleidung als Bauernmädchen

gekleidet. Amor als Bauernjunge. Alle drei schleichen herein.

Amor.

Wir sind am Ziele. Nun seid vorsichtig und verlaßt euch auf

Amor und die Geister.

Zufriedenheit.

Ich sehe den Magier auch hier nicht.

Amor.

Er muß hier sein. Ich will ihn suchen, vielleicht hat ihn

sein Mut hinter eine Hecke getrieben. (Geht ab.)

Lottchen.

Himmel, wie soll das enden? Gestern abends versprachst du

mir, daß mein Karl an des schwäbischen Kaufmanns Hand mich

zur Vermählung holen würde. Den ganzen Abend und die lange

Nacht warten wir vergebens, erst heute Mittag kömmt der kleine

Knabe geflogen, bringt dir einen Brief, und ohne ein Wort zu

sagen, verkleidest du dich und ziehst an der Hand des Knaben

mit mir bis hieher. Ich kenne die Gegend, doch stand hier

seine Fischerhütte, und kein Palast. Was ist aus ihm geworden?

Wo ist er?

Zufriedenheit.

Behutsam! Sei nur ruhig. Ich will dir den Brief lesen, den

die Geister mir durch Amor gesendet haben. (Liest.)

"Hochzuverehrendes Wesen! Beneidenswerte Zufriedenheit!

In größter Eile berichten wir Ihnen: der Magier Ajaxerle

hat durch Unvorsichtigkeit unsern Plan vernichtet, indem er

die Zeit versäumte, Sie und den Fischer abzuholen. Wir müssen

nun zu einem neuen schreiten. Der Fischer befindet sich in

der Gewalt des Hasses, der seine Hütte in einen Palast

umzauberte. Reisen Sie daher schnell in Verkleidung an Amors

Hand nach seiner neuen Wohnung. Vor dem Hause wird der Magier

Sie erwarten und Ihnen alles aufklären. Den Fischer werden

wir sogleich nach Hause expedieren. Wir Geister dürfen uns

dem Haß nicht nähern, sonst entzweit er uns, und wir kommen

nicht zum Zweck, darum halten wir uns verborgen und verlassen

uns ganz auf Ihre Klugheit, denn nur die Zufriedenheit kanns

mit dem Haß aufnehmen. Bis Mitternacht muß die Sache beendet

sein. Mit ausgezeichneter Achtung und namenloser Verwirrung

Dero ergebenster Geisterverein auf dem Scheckel." Jawohl

Verwirrung! So viele Geister, und ein so geistloser Plan.

Welche Unsicherheit? Der Magier ist ja wieder nicht hier.

Arme Lakrimosa, warum besitze ich keine Zauberkräfte? Was

für armseligen Geistern hast du dein Glück vertraut! Doch

stille, hier kömmt ein Diener. Wenn ich nur Karl sprechen

könnt, dann würde ich mich schon in die Sache finden.

(Tophan geht über die Bühne.) Pst, Freund, ist der Herr des

Hauses nicht zu sprechen?

Tophan (trotzig).

Nein! Er kömmt erst heute abend an.

Zufriedenheit.

Wo ist er denn?

Tophan.

Er holt seine künftige Frau, es ist schon alles zur Vermählung

bereitet.

Lottchen.

Himmel!

Zufriedenheit.

So führ uns zu dem Hausinspektor.

Lottchen.

Ach ja, wenn du deinen Herrn liebst, so--

Tophan (wild).

Schweigt! Ich liebe niemand, ich kann mich selbst nicht leiden,

und mein Handwerk ist der Haß.

Zufriedenheit.

So melde uns aus Haß.

Tophan.

Das will ich tun, aus Mißgunst meld ich an, aus Liebe nicht.

(Ärgerlich.) Wenn es nur keine Frauenzimmer auf der Welt gäbe.

(Ab.)

Lottchen.

Er hat mich vergessen und heiratet vielleicht jetzt eine

Königstochter.

Zufriedenheit.

Nur ruhig, daß man uns nicht erkennt.

(Der Haß aus dem Palast. Tophan. Diener.)

Haß.

Wo sind die Mädchen?

Tophan.

Hier! Sie scheinen mir verdächtig.

Haß.

Was wollt ihr?

Lottchen.

Ach! (Zur Zufriedenheit ängstlich.) Was wollen wir denn?

Zufriedenheit.

Euer Gnaden verzeihen, wir sind zwei arme Verwandte des Herrn

vom Hause, die zu ihm gereist sind, ohne von seinem Reichtum

noch unterrichtet zu sein. Unser Bruder ist im nächsten Dorfe

zurückgeblieben und wird gleich nachkommen.

Haß.

Das ist Betrug! Ergreift sie schnell!

Lottchen.

O Himmel! Wer beschützet uns jetzt?

Amor (springt aus dem Blumengebüsche und tupft schnell den Haß

mit seinem Pfeile ans Herz, schalkhaft).

Still, still! Ich hab ihn schon verletzt! (Läuft ab.)

Haß (zu den Dienern).

Haltet! Ich war zu rasch! Hm! Ein hübsches Mädchen. (Kneipt sie

in die Wange.) Ich vergesse beinahe, daß ich der Haß bin! Nun,

womit kann ich euch dienen?

Zufriedenheit.

Wenn Sie uns nur ein kleines Plätzchen gönnen wollten, um dort

die Ankunft des Herrn abzuwarten.

Lottchen.

Wir bitten recht schön!

Haß.

Nein! zum Fortjagen sind sie zu hübsch und zum Betrug zu

unschuldsvoll. (Zu den Dienern.) Zeigt ihnen das Domestikengebäude,

dort können sie ihn erwarten. Wo kommt ihr her?

Zufriedenheit.

Aus dem Salzburgischen.

Haß.

Wirklich? glückliches Salzburg, ein zweites Sachsen, wo die

hübschen Mädchen wachsen. (Für sich.) Das ist ein Kapitalmädchen!

Wenn ich nur der Haß nicht wär--das ist doch fatal! die könnte

mich glücklich machen. Denn wenn sie mich alle Tage mit ihren

schönen Augen nur hundertmal anblickt, so habe ich die Woche

hindurch siebenhundert schöne Augenblicke. (Nachdenkend.) Das

ist doch fatal, daß ich der Haß bin, jetzt wär ich viel lieber

ein Salzburger. Adieu! schöne Salzburgerin. (Geht ab und wirft

ihr im Abgehen Küsse zu.)

Zufriedenheit (macht ihm einen Knicks nach).

Adieu, schöner Salzburger! Vielleicht gelingt es uns, dir die

Suppe zu versalzen. (Zu Lottchen.) Komm! (Geht mit ihr in das

Nebengebäude ab.--Die Bühne ist leer.)

Das Mädchen aus der Feenwelt; oder, Der Bauer als Millionär · 第 46 / 55 题