Amor. Die Zufriedenheit. Lottchen.
Letztere beide sind in modester Kleidung als Bauernmädchen
gekleidet. Amor als Bauernjunge. Alle drei schleichen herein.
Amor.
Wir sind am Ziele. Nun seid vorsichtig und verlaßt euch auf
Amor und die Geister.
Zufriedenheit.
Ich sehe den Magier auch hier nicht.
Amor.
Er muß hier sein. Ich will ihn suchen, vielleicht hat ihn
sein Mut hinter eine Hecke getrieben. (Geht ab.)
Lottchen.
Himmel, wie soll das enden? Gestern abends versprachst du
mir, daß mein Karl an des schwäbischen Kaufmanns Hand mich
zur Vermählung holen würde. Den ganzen Abend und die lange
Nacht warten wir vergebens, erst heute Mittag kömmt der kleine
Knabe geflogen, bringt dir einen Brief, und ohne ein Wort zu
sagen, verkleidest du dich und ziehst an der Hand des Knaben
mit mir bis hieher. Ich kenne die Gegend, doch stand hier
seine Fischerhütte, und kein Palast. Was ist aus ihm geworden?
Wo ist er?
Zufriedenheit.
Behutsam! Sei nur ruhig. Ich will dir den Brief lesen, den
die Geister mir durch Amor gesendet haben. (Liest.)
"Hochzuverehrendes Wesen! Beneidenswerte Zufriedenheit!
In größter Eile berichten wir Ihnen: der Magier Ajaxerle
hat durch Unvorsichtigkeit unsern Plan vernichtet, indem er
die Zeit versäumte, Sie und den Fischer abzuholen. Wir müssen
nun zu einem neuen schreiten. Der Fischer befindet sich in
der Gewalt des Hasses, der seine Hütte in einen Palast
umzauberte. Reisen Sie daher schnell in Verkleidung an Amors
Hand nach seiner neuen Wohnung. Vor dem Hause wird der Magier
Sie erwarten und Ihnen alles aufklären. Den Fischer werden
wir sogleich nach Hause expedieren. Wir Geister dürfen uns
dem Haß nicht nähern, sonst entzweit er uns, und wir kommen
nicht zum Zweck, darum halten wir uns verborgen und verlassen
uns ganz auf Ihre Klugheit, denn nur die Zufriedenheit kanns
mit dem Haß aufnehmen. Bis Mitternacht muß die Sache beendet
sein. Mit ausgezeichneter Achtung und namenloser Verwirrung
Dero ergebenster Geisterverein auf dem Scheckel." Jawohl
Verwirrung! So viele Geister, und ein so geistloser Plan.
Welche Unsicherheit? Der Magier ist ja wieder nicht hier.
Arme Lakrimosa, warum besitze ich keine Zauberkräfte? Was
für armseligen Geistern hast du dein Glück vertraut! Doch
stille, hier kömmt ein Diener. Wenn ich nur Karl sprechen
könnt, dann würde ich mich schon in die Sache finden.
(Tophan geht über die Bühne.) Pst, Freund, ist der Herr des
Hauses nicht zu sprechen?
Tophan (trotzig).
Nein! Er kömmt erst heute abend an.
Zufriedenheit.
Wo ist er denn?
Tophan.
Er holt seine künftige Frau, es ist schon alles zur Vermählung
bereitet.
Lottchen.
Himmel!
Zufriedenheit.
So führ uns zu dem Hausinspektor.
Lottchen.
Ach ja, wenn du deinen Herrn liebst, so--
Tophan (wild).
Schweigt! Ich liebe niemand, ich kann mich selbst nicht leiden,
und mein Handwerk ist der Haß.
Zufriedenheit.
So melde uns aus Haß.
Tophan.
Das will ich tun, aus Mißgunst meld ich an, aus Liebe nicht.
(Ärgerlich.) Wenn es nur keine Frauenzimmer auf der Welt gäbe.
(Ab.)
Lottchen.
Er hat mich vergessen und heiratet vielleicht jetzt eine
Königstochter.
Zufriedenheit.
Nur ruhig, daß man uns nicht erkennt.
(Der Haß aus dem Palast. Tophan. Diener.)
Haß.
Wo sind die Mädchen?
Tophan.
Hier! Sie scheinen mir verdächtig.
Haß.
Was wollt ihr?
Lottchen.
Ach! (Zur Zufriedenheit ängstlich.) Was wollen wir denn?
Zufriedenheit.
Euer Gnaden verzeihen, wir sind zwei arme Verwandte des Herrn
vom Hause, die zu ihm gereist sind, ohne von seinem Reichtum
noch unterrichtet zu sein. Unser Bruder ist im nächsten Dorfe
zurückgeblieben und wird gleich nachkommen.
Haß.
Das ist Betrug! Ergreift sie schnell!
Lottchen.
O Himmel! Wer beschützet uns jetzt?
Amor (springt aus dem Blumengebüsche und tupft schnell den Haß
mit seinem Pfeile ans Herz, schalkhaft).
Still, still! Ich hab ihn schon verletzt! (Läuft ab.)
Haß (zu den Dienern).
Haltet! Ich war zu rasch! Hm! Ein hübsches Mädchen. (Kneipt sie
in die Wange.) Ich vergesse beinahe, daß ich der Haß bin! Nun,
womit kann ich euch dienen?
Zufriedenheit.
Wenn Sie uns nur ein kleines Plätzchen gönnen wollten, um dort
die Ankunft des Herrn abzuwarten.
Lottchen.
Wir bitten recht schön!
Haß.
Nein! zum Fortjagen sind sie zu hübsch und zum Betrug zu
unschuldsvoll. (Zu den Dienern.) Zeigt ihnen das Domestikengebäude,
dort können sie ihn erwarten. Wo kommt ihr her?
Zufriedenheit.
Aus dem Salzburgischen.
Haß.
Wirklich? glückliches Salzburg, ein zweites Sachsen, wo die
hübschen Mädchen wachsen. (Für sich.) Das ist ein Kapitalmädchen!
Wenn ich nur der Haß nicht wär--das ist doch fatal! die könnte
mich glücklich machen. Denn wenn sie mich alle Tage mit ihren
schönen Augen nur hundertmal anblickt, so habe ich die Woche
hindurch siebenhundert schöne Augenblicke. (Nachdenkend.) Das
ist doch fatal, daß ich der Haß bin, jetzt wär ich viel lieber
ein Salzburger. Adieu! schöne Salzburgerin. (Geht ab und wirft
ihr im Abgehen Küsse zu.)
Zufriedenheit (macht ihm einen Knicks nach).
Adieu, schöner Salzburger! Vielleicht gelingt es uns, dir die
Suppe zu versalzen. (Zu Lottchen.) Komm! (Geht mit ihr in das
Nebengebäude ab.--Die Bühne ist leer.)