Tophan. Vorige.
Haß.
Hast du etwas erfahren?
Tophan (geheimnisvoll).
Alles! Die Geister haben heute mittags auf der Spitze des
Geisterscheckels folgendes beschlossen: Sie werden sich an
dem Bauer durch die Erfüllung seines frechen Schwures rächen.
Er hat das Mädchen aus dem Hause gejagt, doch die Nacht hat
sie in Schutz genommen und sie in die Arme der Zufriedenheit
geführt. Den Fischer hat der Magier Ajaxerle über sich, der
bestellte auf heute abend eine geflügelte Wurst, damit wird
er den Fischer und die beiden Weiber aus ihrer Wohnung abholen,
und alle vier werden nach dem Scheckel fliegen, wo die Geister
ihrer harren und Hymen sie um Mitternacht verbinden wird. Dies
alles habe ich durch meine Geliebte erfahren, die Kammerjungfer
bei der Fee Antimonia ist.
Neid.
Das ist ein schändlicher Plan, so wahr ich Neid heiße und ein
rechtschaffener Mann bin.
Tophan.
Doch der Magier muß dem Fischer noch nichts davon entdeckt
haben. Der Tag ist bald vorüber, und er sitzt noch vor seiner
Hütte und verzweifelt.
Haß.
Ha! Nun ists gewonnen. Hurtig, lege dich auf die Lauer und
suche den Magier abzuhalten.
Neid.
Halt! Du hast reichen Lohn verdient, hier hast du zwei Vipern
für deine Nachricht.
Tophan.
Ich küß die abgezehrte Hand dafür. (Küßt ihm die Hand, dann
im Abgehen für sich.) Vergiften könnt ich ihn damit! (Geht ab.)
Haß (fährt aus einem kurzen Nachdenken empor).
Triumph! fertig ist der Plan. Seine Liebe ist zu heftig, er
muß durch List in meine Hände fallen, sonst vermag ich nichts
über ihn. (Schwingt seine Fackel.) Erscheine, Zauberhain!
(Donnerschlag. Der Haß deutet in die Kulisse.) Was siehst du
dort?
Neid.
Einen herrlichen Garten mitten im See, mit einem Lusthause und
einer Kegelbahn.
Haß.
Den laß ich oft erscheinen in der Welt, er ist ein Geschenk
des bösen Dämons, dem wir beide dienen. In dem Lusthause dieses
Gartens wird ein Brillantring, der unermessene Reichtümer
gewährt, von neun bösen Geistern bewacht. Ihre Büsten aber
sind als Kegel aufgestellt. Wer diese neun Kegel trifft, stürzt
dadurch die neun Geister und gewinnt den Ring, den ihm keine
Zaubergewalt entreißen darf. Doch trifft er weniger als neun,
stürzt er tot zur Erde nieder. Wenn er aber diesen Ring neun
Tage besitzt, erfüllen ihn die Geister mit dem höchsten
Menschenhaß, und er ruhet nicht, bis er sich und Tausende
zugrunde richtet. Nur wenn er ihn vor dieser Zeit freiwillig
von sich wirft, ist er gerettet, doch Macht und Reichtum
ziehen als Nebel fort. Nun höre meinen Plan. Lakrimosens
Tochter muß bis morgen um Mitternacht mit diesem armen Fischer
vermählt sein, sonst bleibt ihre Mutter ewig verbannt. Wir
locken also den Fischer nach der Kegelbahn, fehlt er die Kegel,
ist er verloren, und Lakrimosa mit ihm. Trifft er sie, ist er
von dem Augenblick, als er meinen Ring am Finger trägt, ein
reicher Mann und kein armer mehr, selbst die Geister haben ihre
Gewalt über ihn verloren, und dann werd ich schon Mittel
anwenden, daß er entweder im Besitz seines Reichtums sich mit
ihr vermählt, oder die Vermählung zu verhindern suchen. In
beiden Fällen ist Lakrimosa gestürzt.
Neid (fällt ihm um den Hals).
Bruder, ich beneide dich um diesen Plan, das ist der einzige
Dank, den ich dir dafür geben kann.
Haß.
So komm, du ohnmächtiges Ungeheuer, ich will dich mit der
Rache vermählen! Du bist ein seltner Bräutigam, dich führt
der Haß ins Brautgemach. (Beide Arm in Arm ab.)