Elfter Auftritt

Tophan. Vorige.

Haß.

Hast du etwas erfahren?

Tophan (geheimnisvoll).

Alles! Die Geister haben heute mittags auf der Spitze des

Geisterscheckels folgendes beschlossen: Sie werden sich an

dem Bauer durch die Erfüllung seines frechen Schwures rächen.

Er hat das Mädchen aus dem Hause gejagt, doch die Nacht hat

sie in Schutz genommen und sie in die Arme der Zufriedenheit

geführt. Den Fischer hat der Magier Ajaxerle über sich, der

bestellte auf heute abend eine geflügelte Wurst, damit wird

er den Fischer und die beiden Weiber aus ihrer Wohnung abholen,

und alle vier werden nach dem Scheckel fliegen, wo die Geister

ihrer harren und Hymen sie um Mitternacht verbinden wird. Dies

alles habe ich durch meine Geliebte erfahren, die Kammerjungfer

bei der Fee Antimonia ist.

Neid.

Das ist ein schändlicher Plan, so wahr ich Neid heiße und ein

rechtschaffener Mann bin.

Tophan.

Doch der Magier muß dem Fischer noch nichts davon entdeckt

haben. Der Tag ist bald vorüber, und er sitzt noch vor seiner

Hütte und verzweifelt.

Haß.

Ha! Nun ists gewonnen. Hurtig, lege dich auf die Lauer und

suche den Magier abzuhalten.

Neid.

Halt! Du hast reichen Lohn verdient, hier hast du zwei Vipern

für deine Nachricht.

Tophan.

Ich küß die abgezehrte Hand dafür. (Küßt ihm die Hand, dann

im Abgehen für sich.) Vergiften könnt ich ihn damit! (Geht ab.)

Haß (fährt aus einem kurzen Nachdenken empor).

Triumph! fertig ist der Plan. Seine Liebe ist zu heftig, er

muß durch List in meine Hände fallen, sonst vermag ich nichts

über ihn. (Schwingt seine Fackel.) Erscheine, Zauberhain!

(Donnerschlag. Der Haß deutet in die Kulisse.) Was siehst du

dort?

Neid.

Einen herrlichen Garten mitten im See, mit einem Lusthause und

einer Kegelbahn.

Haß.

Den laß ich oft erscheinen in der Welt, er ist ein Geschenk

des bösen Dämons, dem wir beide dienen. In dem Lusthause dieses

Gartens wird ein Brillantring, der unermessene Reichtümer

gewährt, von neun bösen Geistern bewacht. Ihre Büsten aber

sind als Kegel aufgestellt. Wer diese neun Kegel trifft, stürzt

dadurch die neun Geister und gewinnt den Ring, den ihm keine

Zaubergewalt entreißen darf. Doch trifft er weniger als neun,

stürzt er tot zur Erde nieder. Wenn er aber diesen Ring neun

Tage besitzt, erfüllen ihn die Geister mit dem höchsten

Menschenhaß, und er ruhet nicht, bis er sich und Tausende

zugrunde richtet. Nur wenn er ihn vor dieser Zeit freiwillig

von sich wirft, ist er gerettet, doch Macht und Reichtum

ziehen als Nebel fort. Nun höre meinen Plan. Lakrimosens

Tochter muß bis morgen um Mitternacht mit diesem armen Fischer

vermählt sein, sonst bleibt ihre Mutter ewig verbannt. Wir

locken also den Fischer nach der Kegelbahn, fehlt er die Kegel,

ist er verloren, und Lakrimosa mit ihm. Trifft er sie, ist er

von dem Augenblick, als er meinen Ring am Finger trägt, ein

reicher Mann und kein armer mehr, selbst die Geister haben ihre

Gewalt über ihn verloren, und dann werd ich schon Mittel

anwenden, daß er entweder im Besitz seines Reichtums sich mit

ihr vermählt, oder die Vermählung zu verhindern suchen. In

beiden Fällen ist Lakrimosa gestürzt.

Neid (fällt ihm um den Hals).

Bruder, ich beneide dich um diesen Plan, das ist der einzige

Dank, den ich dir dafür geben kann.

Haß.

So komm, du ohnmächtiges Ungeheuer, ich will dich mit der

Rache vermählen! Du bist ein seltner Bräutigam, dich führt

der Haß ins Brautgemach. (Beide Arm in Arm ab.)

Das Mädchen aus der Feenwelt; oder, Der Bauer als Millionär · 第 40 / 55 题