Achter Auftritt

Wurzel. Lorenz.

Wurzel.

Jawohl gute Nacht. So weit hab ichs gebracht! Lorenz, gib mir

einen Spiegel! (Lorenz gibt ihm den Spiegel, er sieht hinein.)

Ah, die Positur! jetzt kann ich in der Häßlichkeit Lektion geben.

Nein, ich halts nicht aus, ich geh durch! (Will fort.) Es geht

nicht, ich hab 's Podagra! (Lacht verzweifelnd.) Haha, nichts

mehr hoto!

Lorenz.

Freilich, lieber tschihi ins Bett.

Wurzel.

Was hängt denn da für ein Habersackel? Hab ich denn ein Kropf?

Lorenz.

Nu, und das was für ein, als wenn S' einen Suppentopf gschlückt

hätten. Ui je! jetzt haben S' einen buckeligen Hals! (Lacht.)

Wurzel.

Ich glaub, der Kerl lacht mich noch aus?

Lorenz.

Nein, einen Neid werd ich haben, wegen den.

Wurzel (auffahrend).

Der Neid? das ist ein schöner Spitzbub. Ja, der ist an mein

Unglück schuld, und jetzt laßt er mich sitzen. Was hab ich jetzt

von dem verdammten Geld? Ich kanns ja nicht genießen. Ich wirfs

zum Fenster hinaus, vielleicht wird wieder alles wie vorher.

Lorenz.

So sein S' doch gscheid. Wann S' Ihren Reichtum verwünschen,

so ist er ja hin. Sie haben mir es ja selbst erzählt.

Wurzel.

Und er soll hin sein, ich will ihn nimmer haben, hab ich meine

Schönheit verloren, so will ich auch nimmer reich sein, ich will

lieber arm sein und gsund. Hör mich, du verdammter Neid, nimms,

dein Geld, ich mags nimmermehr. Oh, wär ich nur, wo ich hingehör,

wär ich nur bei die Meinigen!

(Ein Blitzstrahl fährt herab. Schnelle Verwandlung in ein

düstres Tal, an der Seite ein Teil der halbverfallnen Hütte

Wurzels. Die vordere Gegend ist finster gehalten und herbstlich

mit gelben Blättern. Zwischen zwei sehr dunkel sich

hereinlegenden Bergen erhebt sich in der Mitte ein hoher

Gletscher. Der Sitz von Samt, auf welchen Wurzel nach seiner

Verwünschung zurückgesunken ist, verwandelt sich in einen

Baumstamm. Er und sein Diener verwandeln sich in arme Bauern.

Neben Wurzel liegen ein Paar große Ochsen, worein sich zwei

Seitenkredenzen verwandelten, und mehre andere weiden auf

dem Berg und perspektivisch in den Wald hinein, daß es das

Ansehen einer weidenden Herde hat. Die Musik drückt das

Brüllen der Ochsen aus.)

Lorenz.

So, da haben Sies, Sie übermütiger Ding! Jetzt sind S' bei

die Ihrigen.

Wurzel.

Die haben doch eine Freud über mich, wenn s' mich sehen.

Gelts, meine Kinder? (Ochsengebrüll. Ein Geißbock meckert

auf einem Felsen.) Das ist eine rührende Anhänglichkeit.

Alle Ochsen weinen über mich!

Lorenz.

Und ich wein doch nicht.

Wurzel.

Hast denn kein Gefühl? Schamst dich denn nicht vor die Ochsen?

die werden sich was Schönes denken von dir, du undankbarer

Bursch du!

Lorenz.

Was wär das? Kein Geld mehr haben und grob auch noch sein?

Ah, jetzt muß ich andre Saiten aufziehen. Was glaubst denn du,

grober Mensch? Du hast ja nichts mehr, schau s' an, dein

verfallne Hütten. Da steht s' jetzt, dein Palast, wo die Mäus

Frau Gvatterin leih mir d' Scher spielen. Z' gut ists ihm

gangen, z' übermütig ist er worden, und jetzt ist alles hin,

aber alles, sein Sach und mein Sach. (Weinerlich.) Ich bin nur

ein armer Dienstbot, und er bringt mich um das Meinige. Ist

denn das eine Herrschaft? Jetzt hab ich ihn drei Jahr lang

betrogen, und jetzt hab ich nicht einmal was davon.

Wurzel.

Weil dich der Himmel bestraft hat dafür!

Lorenz.

Wenn du dich noch einmal unterstehst, und kommst mir unter

die Augen, so reiß ich einen Felberbaum aus und wichse dich

damit herum, daß d' an mich denken sollst, du verdorbener

millionistischer Waldhansel du! (Geht ab.)

Wurzel.

Ist jetzt kein Mensch mehr da, der mir eine Grobheit sagt?

Das Mädchen aus der Feenwelt; oder, Der Bauer als Millionär · 第 37 / 55 题