Achter Auftritt

Lorenz. Voriger.

Lorenz.

Was schaffen S'?

Wurzel.

Wo steckst denn, daß dich um mich nicht umschaust?

Lorenz.

Grad bin ich hinausgangen. Die Fräulein Lottel war vorher da

und hat mit Ihnen reden wollen.

Wurzel.

Untersteh dich nicht, daß du ein Wort von ihr redst, ich will

nichts wissen von der Wasserprinzessin. Ist das ein Betragen

für ein Haus wie das meinige? Statt daß ein vampirenes Kleid

anleget und mit ihren Vatern auf d' Promenad ging', bleibt s'

das ganze Jahr zu Haus hocken und geht in einem spinatfarben

Überrock herum.

Lorenz.

Sie taugt halt nur aufs Land. Sie will halt eine niedrige Person

sein.

Wurzel.

Und doch redt s' hochdeutsch, und hat ihrs kein Mensch glernt.

Was ist denn heut für ein Tag?

Lorenz.

Freitag.

Wurzel.

Da freu ich mich wieder, da ist Fischmarkt, da kommt der Bursch

wieder vom Land herein. Und wenn er seine Fisch verkauft hat,

ist er nicht zufrieden, da setzt er sich da drüben auf den

Stein und hat Maulaffen auch noch feil, schaut immer auf ihr

Fenster herüber wie ein Aff--Mit der Wacht laß ich ihn noch

wegführen.

Lorenz.

Das Sitzen kann man keinen Menschen verbieten.

Wurzel.

So laßt ihn sitzen, auf d' Letzt sitzt er doch zwischen zwei

Stühl auf der Erde. Aber 's Madel wird mir ganz verwirrt. Ich

laß ihr Zeichnen lernen und Sticken, nutzt nichts. Statt daß

sie schöne Blumen macht, Vasen und solche Sachen, was zeichnet

s'? was stickt sie? lauter Fisch. Zu meinen Namenstag stickt

sie mir ein Polster--was ist drauf ? ein großmächtiger

Backfisch, aber ohne Kopf,--wie ich meinen drauflegen ist der

ganze fertig.--Sie muß den reichen Juwelier heiraten.

Lorenz.

Warum soll s' denn aber just ein Juwelier heiraten? Sie sind

ja so ein steinreicher Mann.

Wurzel.

Eben. Damit ich das bleib, darf sie den Burschen nie nehmen.

Lorenz.

Ich bin ein gscheider Mensch, aber das versteh ich nicht. So

wenig als ich weiß, wo Sie auf einmal das viele Geld hergnommen

haben damals, wie mir den Tag drauf die Hütten stehn haben

lassen, das Vieh verschenkt, und sein über Hals und Kopf in die

Stadt gezogen.

Wurzel.

Das werd ich dir jetzt alles erklären, weil ich durch so lange

Zeit gfunden hab, daß du ein treuer Kerl bist, der mich nie

betrügen wird, (gutmütig) nicht wahr, Lenzl?

Lorenz (heuchlerisch).

Hören Euer Gnaden auf, oder mir kommen die Tränen in die Augen.

Wurzel.

Es war so: Vor zwei Jahren, da geh ich so in der Dämmerung

zwischen acht und neun ganz verdrüßlich von meinen Krautacker

nach Haus. Auf einmal machts was: Pst! Pst! Ich schau mich um,

so sieh ich quer übern Acker einen magern Mann auf mich zueilen,

ein gelblicht grünes Gwand an mit goldenen Borten, so, daß ich

ihn anfangs hab für einen Leibhusaren von einer Herrschaft

ghalten, er aber bitt mich, ich möchte niemand etwas davon sagen,

und er wär ein Geist, und durch die Borten wollt er mir andeuten,

wie außerordentlich er für mich bordiert wär, kurz, er wär der

Neid und wollt mich glücklich machen.

Lorenz.

Das ist eine schöne Bekanntschaft.

Wurzel.

Nur still. Er sagt, er hätte einen alten Schatz, den er gern

los sein möcht, und den wollt er mir schenken, ich müßte aber

in die Stadt ziehen und recht aufhauen damit, was ich nur kann,

und besonders das Mädel soll ich recht herausstaffieren und

solls nur ja nicht zugeben, daß sie den Fischer heirat, soll

mich aber nie unterstehen zu sagen, daß ich mein Glück

verwünsche, sonst verschwindet alles, und ich müßt betteln

gehn. Jetzt möcht ich aber gleich nach Haus gehn, der Schatz

wird schon zu Haus sein. Darauf ist er unter die Krauthappeln

verschwunden, und ich hab ihn nimmer gesehen.

Lorenz.

Nun, und wo war denn der Schatz?

Wurzel.

Ich geh nach Haus, such 's ganze Haus aus--find nichts.

Endlich kommt mir der Gedanke, schau auf den Treitboden hinauf.

Hörst, ist dir der ganze Boden voll, und mit was? Mit lauter

Galläpfel. Jetzt gschieht mir recht, denk ich mir, was kann

man vom Neid anders erwarten als Gall und Verdruß, komm in

Zorn und beiß einen auf. Was ist drinn? Ein Dukaten! Ich nimm

noch einen--noch einen--lauter Dukaten! Lenzl, jetzt hättest

du die Beißerei sehen sollen. Ich kann sagen, ich hab mir

mein Vermögen bitter erworben. Vierzehn Tag nichts als Galläpfel

aufreißen, das wird doch eine hantige Arbeit sein. Mordsakerlot!

Lorenz.

Ah, das ist ein Unterhaltung. Nu, jetzt werd ich den Fischer

jagen, wenn sich der noch einmal sehen läßt.

Wurzel.

Schau aufs Mädel, und wie du was siehst, sagst mirs!

(Trinkt aus einem Fläschgen.)

Lorenz.

Aber müssen Euer Gnaden denn immer naschen?

Wurzel.

Still! ich nimm ein zum Gscheidwerden.

Lorenz.

Und gibst denn da eine Medizin dafür?

Wurzel.

Freilich, ich habe den Doktor so lang sekkiert, bis er mir was

geben hat, was mich gscheid macht. Da krieg ich alle Wochen so

ein Flaschel voll, das kost vierzig Dukaten, das treibt den

Kopf auseinander. Das soll ich nur ein paar Jahr fortnehmen,

sagt er, und wenn ich einmal ein paar tausend Dukaten drauf

spendiert hab, so wird mir auf einmal ein Licht aufgehen, und

da werd ich erst einsehen, wie dumm als ich war.

Lorenz.

Ich wünsch Ihnens, es wär die höchste Zeit. Lassen mich Euer

Gnaden auch trinken, ich möcht auch recht abgwixt werden.

Wurzel.

Das kost zu viel. Ich werd dich schon so einmal recht abwixen,

daß du auf eine Weil gwitzigt bist, nachher wirst schon wissen,

wieviels gschlagen hat. Ich geh jetzt aus, ich muß mir Sporn

kaufen. Und du gehst zum Tandler in die Vorstadt hinaus und

laßt die vielen Bücher hereinführen, die ich gestern bei ihm

kauft hab, sperrst dann das Zimmer auf, was ich zur Biberlithek

bestimmt hab, und schüttest die Bücher ordentlich hinein auf

einen Haufen und zahlst ihm s'.

Lorenz.

Schon recht!

Wurzel.

Und daß er mich nicht betrügt, ordentlich messen, ich hab sie

buttenweise gekauft, die Butten um fünfundzwanzig Gulden--

keinen Kreuzer gibst mehr. Und wennst unten durchgehst, sagst

den Koch, daß die Tafel gut ausfällt, heute Mittag im Gartensaal

auf zwanzig Personen, und auf die Letzt soll er ein kleines Faßl

Punsch machen. Allez! (Lorenz ab.) Ich mag halt reden, von was

ich will, ich komm halt immer aufs Essen zurück. Selbst wie ich

noch im Wald war, wenns gschneit hat, und ich bin auf dem Feld

gstanden, ist mir die ganze Erden vorkommen, als wenn s' ein

großer Tisch wär, wo ein weiß Tischtuch drauf ist, und alle

Leut auf der Welt zum Essen eingeladen wären.

Das Mädchen aus der Feenwelt; oder, Der Bauer als Millionär · 第 17 / 55 题