Lottchen. Voriger.
Lottchen (einfach gekleidet).
Guten Morgen, lieber Lorenz! Ist mein Vater schon auf?
Lorenz (sich ein Ansehen gebend).
Guten Morgen, Fräulein Lottel!
Lottchen.
Wieviel hundertmal hab ich dich schon gebeten, du sollst bloß
Lottchen zu mir sagen. Ich bin nur ein armes Landmädchen.
Lorenz.
Was sind Sie? ein armes Landmädchen? das bringt ja einen
Tannenbaum um. Sie sind ja eine Millionistin.
Lottchen.
Ich will aber keine sein, denn der Schatz, den der Vater
gefunden, hat Unglück über unser ganzes Haus gebracht. Ach,
wo ist die schöne Zeit, wo der Vater so gut mit mir war, wo
ich täglich meinen Karl sehen durfte, wo noch Schwalben unter
unserm Dache nisteten, und keine so hungrigen Raben wie jetzt
die falschen Freunde meines Vaters! Ach, wo bist du, glückliche
Zeit?
Lorenz.
Ja, es kann halt nicht immer so bleiben, hier unter den
wächsernen Mond!
Lottchen.
Wo seid ihr, ihr Nachtigallen im grünen Wald, ihr wirbelnden
Lerchen, ihr funkelnden Käfer? ach! das ist alles vorüber,
jetzt kommen keine Schwalben, keine Lerchen, keine Käfer, und
mein Karl kommt auch nicht mehr.
Lorenz.
Und das wär Ihnen halt der liebste Käfer. Den haben wir aber
die Flügel gestutzt.
Lottchen.
Nein, noch heute will ich meinem Vater zu Füßen fallen und ihn
bitten, das unglückliche Gold von sich zu werfen, seit dessen
Besitz sich seines Herzens ein so böser Geist bemächtigt hat.
Ich will gleich zu ihm. (Will gehen.)
Lorenz (tritt vor die Tür).
Fräulein Lottel, tun Sie das nicht. Ich darf Ihnen nicht
hineinlassen.
Lottchen.
Warum nicht?
Lorenz.
Der Herr Vater ist krank.
Lottchen (erschrickt).
Krank? mein Vater krank? Himmel, und bedeutend?
Lorenz.
Ja!
Lottchen.
Ist das wahr?
Lorenz.
Wollen Sies nicht glauben?--