Klamm geriet noch einmal ins Zögern, bevor er diesen Brief von Adolf
hinübertragen ließ. Wer ihm das diesen Morgen gesagt hätte! Und doch
ging es nicht anders, und doch war es nun das Richtige, reine Bahn zu
schaffen. Es waren einmal die Dinge aus dem Gleis geraten. Wo das
Vertrauen verloren gegangen war, so sagte sich Klamm, da gab's keine
Nadeln und keinen Zwirn zum wiederzusammenheften. Höchstens konnte die
Zeit, die alles klärte, auch darin einstmals eine Aenderung wieder
herbeiführen.
Und einen Gewinn trug er davon, wenn er Knoops verließ: er konnte sich
unter weit günstigeren Umständen Ileisa nähern, sie, wie er nach den
gestrigen Vorgängen annehmen zu können glaubte, für sich gewinnen. —
Grade ihre Art und ihr Wesen hatten ihn noch mehr bestrickt, hatten die
Funken, die in ihm glühten, angefacht. Einmal wieder den Geschäften
abgewendet, war das frühere, lebendige Interesse für Frauen und
Frauenschönheit wieder in ihm wach geworden.
Oft enttäuscht, fand er — wie er hoffte — in ihr endlich das Ideal
seiner Vorstellungen. Er konnte es nicht erwarten, in ihre Nähe zu
gelangen. — Auch an Fräulein von Wiedenfuhrt richtete er — infolge der
veränderten Sachlage — noch an diesem Morgen einen Brief:
„Erlauben Sie, mein hochverehrtes Fräulein!“ — schrieb er — „daß ich
einmal später um die Erlaubnis bitte, Ihnen in der zwischen uns
beredeten Angelegenheit nähere Aufklärungen zu geben. Es hat sich
unerwartet etwas zwischen mein Wollen und Können gestellt. Nur so viel
heute von Ihrem Ihnen aufrichtig ergebenen