heutzutage in Villa Borghese und beklagten auch damals schon sich ueber
die Verbannung der Kunstschaetze auf die Palaeste und Landhaeuser
der vornehmen Herren, wo sie schwierig und nur nach besonders von dem
Besitzer eingeholter Erlaubnis gesehen werden konnten. Die oeffentlichen
Gebaeude dagegen fuellten sich keineswegs im Verhaeltnis mit beruehmten
Werken griechischer Meister, und vielfach standen noch in den Tempeln
der Hauptstadt nichts als die alten holzgeschnitzten Goetterbilder. Von
Ausuebung der Kunst ist so gut wie gar nichts zu berichten; kaum wird
aus dieser Zeit ein anderer roemischer Bildhauer oder Maler mit Namen
genannt als ein gewisser Arellius, dessen Bilder reissend abgingen,
nicht ihres kuenstlerischen Wertes wegen, sondern weil der arge Roue
in den Bildern der Goettinnen getreue Konterfeie seiner jedesmaligen
Maetressen lieferte. Die Bedeutung von Musik und Tanz stieg im
oeffentlichen wie im haeuslichen Leben. Wie die Theatermusik und das
Tanzstueck in der Buehnenentwicklung dieser Zeit zu selbstaendigerer
Geltung gelangte, wurde bereits dargestellt; es kann noch hinzugefuegt
werden, dass jetzt in Rom selbst auf der oeffentlichen Buehne schon
sehr haeufig von griechischen Musikern, Taenzern und Deklamatoren
Vorstellungen gegeben wurden, wie sie in Kleinasien und ueberhaupt in
der ganzen hellenischen und hellenisierenden Welt ueblich waren ^21.
Dazu kamen denn die Musikanten und Taenzerinnen, die bei Tafel und sonst
auf Bestellung ihre Kuenste produzierten, und die in vornehmen Haeusern
nicht mehr seltenen eigenen Kapellen von Saiten- und Blasinstrumenten
und Saengern. Dass aber auch die vornehme Welt selbst fleissig spielte
und sang, beweist schon die Aufnahme der Musik in den Kreis der
allgemein anerkannten Unterrichtsgegenstaende; und was das Tanzen
anlangt, so wurde, um von den Frauen zu schweigen, selbst Konsularen
es vorgehalten, dass sie im kleinen Zirkel sich mit Tanzvorstellungen
produzierten. ------------------------------------------- ^21
Dergleichen "griechische Spiele" waren nicht bloss in den griechischen
Staedten Italiens, namentlich in Neapel (Cic. Arch. 5, 10; Plut. Brut.
21), sondern jetzt schon auch in Rom sehr haeufig (Cic. ad. fam. 7, 1,
3; Att. 16, 5, 1; Suet. Caes. 39; Plut. Brut. 21). Wenn die bekannte
Grabschrift der vierzehnjaehrigen Licinia Eucharis, die wahrscheinlich
dem Ende dieser Epoche angehoert, dieses "wohlunterrichtete und in
allen Kuensten von den Musen selbst unterwiesene Maedchen", in den
Privatvorstellungen der vornehmen Haeuser als Taenzerin glaenzen und
oeffentlich zuerst auf der griechischen Schaubuehne auftreten laesst
(modo nobilium ludos decoravi choro, Et Graeca in scaena prima populo
apparui), so kann dies wohl nur heissen, dass sie das erste Maedchen
war, das auf der oeffentlichen griechischen Schaubuehne in Rom erschien,
wie denn ueberhaupt erst in dieser Epoche die Frauenzimmer in Rom
anfingen, oeffentlich aufzutreten. Diese "griechischen Spielen in Rom
scheinen nicht eigentlich szenische gewesen zu sein, sondern vielmehr
zu der Gattung der zusammengesetzten, zunaechst
musikalisch-deklamatorischen Auffuehrungen gehoert zu haben, wie sie
auch in Griechenland in spaeterer Zeit nicht selten vorkamen (F. G.
Welcker, Die griechischen Tragoedien. Bonn 1839-41, S. 1277). Dahin
fuehrt das Hervortreten des Floetenspiels bei Polybios (30, 13)
des Tanzes in dem Berichte Suetons ueber die bei Caesars Spielen
aufgefuehrten kleinasiatischen Waffentaenze und in der Grabschrift der
Eucharis; auch die Beschreibung des Kitharoeden Her. Rhet. 4, 47, 60
(vgl. Vitr. 5, 7) wird solchen "griechischen Spielen" entnommen sein.
Bezeichnend ist noch die Verbindung dieser Vorstellungen in Rom
mit griechischen Athletenkaempfen (Polyb. a. a. O.; Liv. 39, 22).
Dramatische Rezitationen waren von diesen Mischspielen keineswegs
ausgeschlossen, wie denn unter den Spielern, die Lucius Anicius 587
(167) in Rom auftreten liess, ausdruecklich Tragoedien miterwaehnt
werden; aber es wurden doch dabei nicht eigentlich Schauspiele
aufgefuehrt, sondern vielmehr von einzelnen Kuenstlern entweder ganze
Dramen oder wohl noch haeufiger Stuecke daraus deklamierend oder singend
zur Floete vorgetragen. Das wird denn auch in Rom vorgekommen sein; aber
allem Anschein nach war fuer das roemische Publikum die Hauptsache bei
diesen griechischen Spielen Musik und Tanz, und die Texte moegen fuer
sie wenig mehr bedeutet haben als heutzutage die der italienischen Oper
fuer die Londoner und Pariser. Jene zusammengesetzten Spiele mit ihrem
wuesten Potpourri eigneten sich auch weit besser fuer das roemische
Publikum und namentlich fuer die Auffuehrungen in Privathaeusern als
eigentlich szenische Auffuehrungen in griechischer Sprache; dass auch
die letzteren in Rom vorgekommen sind, laesst sich nicht widerlegen,
aber auch nicht beweisen. -------------------------------------------
Indes gegen das Ende dieser Periode zeigen mit der beginnenden Monarchie
sich auch in der Kunst die Anfaenge einer besseren Zeit. Welchen
gewaltigen Aufschwung das hauptstaedtische Bauwesen durch Caesar nahm
und das Reichsbauwesen nehmen sollte, ist frueher erzaehlt worden.
Sogar im Stempelschnitt der Muenzen erscheint um das Jahr 700 (54)
eine bemerkenswerte Aenderung: das bis dahin groesstenteils rohe und
nachlaessige Gepraege wird seitdem feiner und sorgsamer behandelt.
Wir stehen am Ende der roemischen Republik. Wir sahen sie ein halbes
Jahrtausend in Italien und in den Landschaften am Mittelmeer schalten;
wir sahen sie nicht durch aeussere Gewalt, sondern durch inneren Verfall
politisch und sittlich, religioes und literarisch zugrunde gehen und der
neuen Monarchie Caesars Platz machen. Es war in der Welt, wie Caesar
sie vorfand, viel edle Erbschaft vergangener Jahrhunderte und eine
unendliche Fuelle von Pracht und Herrlichkeit, aber wenig Geist, noch
weniger Geschmack und am wenigsten Freude im und am Leben. Wohl war es
eine alte Welt; und auch Caesars genialer Patriotismus vermochte nicht,
sie wieder jung zu machen. Die Morgenroete kehrt nicht wieder, bevor
die Nacht voellig hereingebrochen ist. Aber doch kam mit ihm den
vielgeplagten Voelkern am Mittelmeer nach schwuelem Mittag ein
leidlicher Abend; und als sodann nach langer geschichtlicher Nacht
der neue Voelkertag abermals anbrach und frische Nationen in freier
Selbstbewegung nach neuen und hoeheren Zielen den Lauf begannen, da
fanden sich manche darunter, in denen der von Caesar ausgestreute Same
aufgegangen war und die ihm ihre nationale Individualitaet verdankten
und verdanken.