In Gedanken nahm er Abschied von seinem Vater, den er wegen

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Begegnisse

eines

jungen Thierquälers

oder

»Der Gerechte erbarmt sich auch

seines Thieres.«

Eine neue Erzählung

für die Jugend.

Vom Verfasser

des

»Glockenbuben.«

Mit einem Stahlstich.

Augsburg, 1843.

von _Jenisch_ und _Stage_'sche Buchhandlung.

[Illustration:

~Pag. 88~

~P. C. Geißler gez.~

=Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst-Anstalt in Nürnberg.=

]

Erstes Kapitel.

Das Dohlen-Nest.

An einem stürmischen Tage befanden sich viele Knaben auf der Wiese nächst

einem Städtchen unfern Bremen, welche alle lebhaft beschäftigt waren, einen

papiernen Drachen steigen zu lassen.

Karl Daruff zeichnete sich besonders aus; er war der Besitzer des Drachen,

den er triumphirend trug, während ihn seine Jugendgenossen eng umgaben, wie

ein Fahnenträger eingeschlossen ist, wenn es in's Feld geht.

Das Bild des Drachen, welches mit hellen Farben von Karl auf dem Papiere

entworfen war, bot den Vorübergehenden vielen Stoff zum Lachen und zu

allerlei schnurrigen Bemerkungen; denn fürwahr, es machte der Phantasie

des Künstlers Ehre, welcher ein Wesen erschuf, das dem Kopfe nach einem

grimmigen Löwen, dem Laufe nach einem Krokodille und dem Ringelschwanze

nach vollkommen einem Delphine glich.

Die Tauben auf dem Felde flüchteten sich schon von Ferne und eilten dem

Schlage zu, so bald sie des Bildes gewahr wurden und ein Fuhrmann, der des

Weges kam, hatte den Aufwand aller seiner Kräfte nothwendig, um die ob dem

schauerlichen Anblicke scheu gewordenen Stiere an sich zu halten.

Karl suchte nun auf der Wiese eine etwas erhabene Stelle aus, die Schnur

wurde so weit es nothwendig, aufgerollt, und als sich jetzt wieder der

Wind stärker erhob gab er dem Drachen einen leichten Stoß nach oben, dieser

schwebte allmählig empor und auf einmal stand er majestätisch oberhalb dem

Städtchen und lustig war es anzusehen, wie schnell sich alle Tauben von

den Dächern flüchteten, indem sie die Erscheinung wohl für einen hungerigen

Geier halten mochten.

Die Knaben auf der Wiese freuten sich sehr, bis ihre Freude plötzlich

dadurch gestört wurde, daß die Schnur bei einem heftigen Windstoße zerriß

und der Drache nun frei in den Lüften schwebte. Aller Augen folgten den

Bewegungen desselben, der sich allmählig senkte, dann wieder horizontal vom

Winde fortgerissen wurde. Auf einmal erhielt er eine Richtung nach dem in

der Nähe sich befindenden Walde, die Knaben aber verloren ihn nicht aus dem

Auge, und eilten dem Walde zu und Karl war der Erste.

Auf einem hohen Baume ließ sich endlich der Drache nieder und verwickelte

sich mit der Schnur in dem Wipfel. Karl entledigte sich sogleich seines

Rockes und schickte sich an, den Baum zu ersteigen. Zwar wollten ihm einige

Andere zuvorkommen, allein er als Eigenthümer des Drachen bestand darauf,

daß es nur ihm zustehe, den Baum zu ersteigen. Mit vieler Fertigkeit

kletterte er den Stamm empor, kam dann von Ast zu Ast immer höher, bis er

den Wipfel erreichte, und so dem Drachen nahe war. Da rief er: »seht! seht!

ein Vogelnest!« Die unten Stehenden vergaßen über dem Neste den Drachen und

äusserten einstimmig den Wunsch, zu ersehen, was sich in dem Neste befinde.

Allein Karl griff zuerst nach dem Drachen, schnitt ihn von der Schnur, mit

welcher er sich im Laubwerke verwickelt hatte, ab und stieß ihn über den

Wipfel hinaus und glücklich langte der Drache unten an und wurde mit Jubel

empfangen.

Hierauf machte sich Karl näher an das Nest hin und begann, dasselbe zu

untersuchen.

Drei Jungen, rief er, sind in dem Neste, drei Jungen, aber noch ganz nackt!

Und während er dieses sagte, entflog eine Dohle, welche das Nest gesucht

hatte.

Junge Dohlen! junge Dohlen! rief Karl, und nun nahm er unbarmherzig die

nackten Dohlen aus dem Neste und warf sie vom Baum.

Seine Jugend-Genossen, welche mehr Mitleid mit den jungen Vögeln hatten,

riefen ihm zu, die Brut doch zu schonen und sie ruhig im Neste zu lassen;

allein Karl erwiederte: ich kann von jeher die Raben und Dohlen nicht

leiden, was liegt auch daran, ob drei Dohlen mehr oder weniger herum

fliegen! Und mit diesen Worten warf er auch das dritte Junge aus dem Neste,

dann griff er das Nest selbst an und suchte es zu zerstören; er riß

es auseinander. Da sah er auf einmal etwas blinken, er langte nach dem

blinkenden Gegenstande und sieh! es war ein kostbarer, goldner Ring mit

einem Edelstein. Freudig betrachtete Karl den Ring und schon rief er: »was

hab ich gefun -- --« da hielt er inne, und überlegte, ob es nicht

besser sei, seinen Fund zu verheimlichen? Er entschied sich kurz für die

Verheimlichung, steckte den Ring zu sich, warf den übrigen Theil des Nestes

auch noch vom Baume und stieg dann herunter.

Da lagen nun die armen Dohlen, ihrem Ende nahe. Die Knaben hatten sich um

die nackten Thierchen gestellt, und konnten nicht umhin, die Handlung Karls

zu tadeln und den Vögeln ihr Mitleid zu bezeigen.

Wie wäre es denn dir gewesen, sprach Justus zu Karl, wenn man dich so aus

der Wiege geworfen hätte? Geh, du solltest dich schämen und nun lachst du

noch?

Ha, ha, ha! erwiederte Karl, gehöre ich denn zum Geschlechte der Dohlen?

Ich will nur damit sagen, fuhr Justus fort, daß diese armen Thierchen

denselben Schmerz fühlen, den du gefühlt haben würdest, hätte man dich so

unbarmherzig aus der Wiege geworfen. Zudem sind auch diese Vögel nicht

ohne allen Nutzen für den Menschen, die sogar den Schafen und Schweinen

das Ungeziefer vom Rücken suchen, wie ich recht gut aus der Naturgeschichte

weiß.

Mit deiner Gelehrsamkeit! rief Karl und ohne sich um Justus Worte zu

kümmern gieng er auf die jungen Dohlen zu, hob ein Junges auf und sagte:

wie? du lebst ja noch? Und alsbald warf er dasselbe an einen Eichstamm, daß

es hin ward. Er war eben im Begriffe, auch mit den andern Jungen es so

zu machen, da näherte sich dem Knaben ein betagter Holzhauer, der aus der

Ferne das Treiben Karls mit Unwillen bemerkt hatte.

Schämst du dich nicht, böser Bube, sprach er zu Karl, so mit den Thieren

umzugehen, die der allgütige Vater im Himmel erschaffen hat? Hast du in der

Schule nicht mehr gelernt und bist du denn so verwildert aufgewachsen, daß

es dir gleichgültig seyn kann, ob du einen Stein oder ein Thier aus der

Hand schleuderst? Ich sage dir, du böser Bube, eine schlimme Zukunft

voraus, wenn du dich nicht besserst; denn wer leichtfertig Thiere

quälen kann, der verhärtet immer mehr sein Herz und am Ende ist es ihm

gleichgültig, ob er eine Katze, einen Hund oder einen Menschen quält oder

foltert. Wärst du mein Sohn, so würde ich jetzt nicht anstehen, zum Frommen

dieser übrigen Knaben und zu deinem eigenen Besten dir mit dem nächsten

besten Haselstocke eindringlich die Lehre beizubringen, daß die Thiere

zur Wohlfahrt der Menschen erschaffen seien, und daß sich der schwer wider

Gott, den allgütigen Vater versündigt, der diesen Zweck der Thiere verkennt

und sie quält und zu Tode martert. Kennst du denn den Spruch nicht, der da

heißt:

»Quäle nie ein Thier aus Scherz,

Denn es fühlt wie du den Schmerz.«

Und nach diesen Worten wollte sich der wohlmeinende Holzhauer wieder an

seine Arbeit begeben, aber Karl, auf den diese Rede keinen Eindruck gemacht

hatte, rief ihm nach: Du Kahlkopf! was geht es dich an, wenn ich ein

Dohlen-Nest zerstört habe?

Hiedurch wurde der Holzhauer aufgebracht und er war daran, den ihn

beschimpfenden Knaben zu züchtigen, aber Karl geschwinder als er hatte

seinen Drachen ergriffen und begab sich auf die Flucht.

Wem steht dieser Junge zu? fragte jetzt der Holzhauer die übrigen Knaben.

Und diese erwiederten: er ist der Sohn des Kaufmanns Daruff.

Der böse Bube, sprach der Holzhauer weiter gehend, der böse Bube scheint

nichts von dem guten Herzen seines Vaters zu haben.

Die Knaben folgten jetzt der Richtung welche Karl genommen hatte, der

Holzhauer ging wieder seiner Arbeit zu, als er Abends aber nach Hause

kehrte, da begab er sich zum Knabenlehrer des Städtchens und theilte ihm

getreu den Hergang im Walde mit; denn dachte er, schweige ich still, so ist

es nur zum Nachtheil dieses Knaben, der erst die armen Thierchen zu Tode

quälte und dann noch seinen Spott an mir hatte.

Folgt aber seinem Vergehen zur rechten Zeit die Strafe nach, so kann das

nur heilsam für denselben seyn. Er sieht dann gewiß ein, wie schlimm er

gehandelt hat und auf die Worte seines Lehrers wird er mehr geben als auf

meine Aeußerungen.

Der einsichtsvolle Lehrer lobte auch den Schritt des Holzhauers und

versprach ihm, geeignet gegen Karl einzuschreiten.

Zweites Kapitel.

Karls Strafe.

Karl, sprach der Kaufmann Daruff zu seinem Sohne, der gerade seine Bücher

zurecht gelegt hatte und sich in die Schule begeben wollte, Karl, dein

Onkel Heinrich hat aus London geschrieben und sich erkundigt, wie es mit

dir steht; ich sage dir das, damit du mit mehr Eifer an deine Schularbeiten

gehst, und dich hauptsächlich im Schreiben und Rechnen übst, überhaupt

auch die Erdbeschreibung nicht vernachläßigst, denn dein Onkel Heinrich ist

gesonnen, dich mit nächstem auf sein Comptoir zu nehmen, wo du dich mehr

als in meinem Hause, besonders was die Wissenschaften, die einem Kaufmanne

nothwendig sind, betrifft, ausbilden kannst. Lasse dir das gesagt seyn;

auch dein Betragen mußt du ändern und, höre ich noch einmal von dir, daß du

nach des Nachbars Hund geworfen hast, oder höre ich von der Magd im Hause,

daß du die Katze verfolgst, oder sie, wie du schon mehrmals gethan hast, in

die Thür einklemmst, so will ich es nicht an empfindlichen Strafen

fehlen lassen. Es ist einmal Zeit, daß du dich besserst, und deine üble

Gewohnheiten, Thiere bei allen Gelegenheiten zu necken oder zu quälen,

ablegst. Du bist deshalb schon so oft von mir gewarnt worden, ich habe

dich schon oft darüber betroffen und sogleich gestraft, daß ich täglich der

Hoffnung seyn dürfte, du werdest jetzt in dich gehen und dich bessern. Ich

will dir alles dieses nur bei Gelegenheit des Briefes deines Onkels in das

Gedächtniß zurück rufen, damit du dich darnach richten kannst, denn mit

vollem Ernste; besserst du dich nicht, so soll es mir nie einfallen, dich

dem Kaufmannsstande näher zu bringen, ich thue dich dann ohne weiter zu

einem Handwerker in die Lehre.

Karl hörte aufmerksam zu; er kannte die Güte, aber auch die Strenge seines

Vaters und mit dem Vorsatze, den Ermahnungen seines Vaters nach zu kommen

begab er sich in die Schule.

Seine Schwester Aurelie, die mehre Jahre älter und ein Bild aller Tugenden

war, sah dem Bruder nach, und als dieser die Thüre hinter sich hatte,

sprach sie zum Vater: Das weißt du noch nicht Vater, was Karl vorgestern in

der Nähe des Wirthshauses zum halben Monde angestellt hatte?

Laß doch hören! entgegnete der Vater, gewiß wieder einen der vielen

Streiche, die hinter meinem Rücken geschehen.

Dießmal, guter Vater, fuhr die Tochter fort, ist der Streich besser als

gewöhnlich ausgefallen und der Wirth zum halben Monde, der noch ein junger

Anfänger und dabei ein schlechter Pferdekenner ist, wurde durch denselben

sichtlich vor Schaden bewahrt.

Schlome, der reiche Pferdhändler hielt nämlich mit einem Rappen vor dem

Wirthshause, der Rappe gefiel dem Wirthe und er handelte um denselben. Eh

noch der Handel abgeschlossen war, kam unser Karl des Weges; als er des

Rappen ansichtig wurde, blieb er gleich stehen, wartete die Gelegenheit

ab und als Schlome und der Wirth recht heftig im Gespräche begriffen waren

näherte er sich dem Pferde und riß demselben mehre Haare aus dem Schweife,

die er mir zu bringen gedachte. Ich habe es ihm jedesmal verwiesen, wenn er

mir dergleichen Haare zu meinen Arbeiten brachte, und ihn nicht nur allein

darauf aufmerksam gemacht, daß er sich der Gefahr, vom Hufe des Pferdes

verletzt zu werden, aussetze, sondern daß er auch noch auf diese Weise

das Thier quäle, doch umsonst, kaum sah er den Rappen, so riß er ihm wie

gewöhnlich, wenn er eines Pferdes, das ruhig steht, ansichtig wird, Haare

aus dem Schweife. Zwei andere Knaben sahen dieses, sie hätten auch gern

Haare gehabt, getrauten sich aber nicht so nahe an das Pferd; da geht

auf ihr Ersuchen Karl wiederholt hin und indem er versucht, einen etwas

dickeren Strang Haare dem Pferde auszuraufen, da -- welcher Schrecken! hält

Karl auf einmal den ganzen Roßschweif in der Hand.

Er besinnt sich nicht lange, wirft den Roßschweif zu Boden und sucht sein

Heil in der Flucht.

Dieser Vorfall machte vor dem Wirthshause viel Aufsehen; Schlome, der

Pferdhändler aber suchte die Sache zu vertuschen, denn wie sich nachher

herausstellte, so war der Schweif dem Pferde künstlich eingesetzt. Der

Wirth war froh, daß er Handels nicht einig geworden war und Schlome verließ

gleich darauf mit seinem Rappen die Stadt.

Sieh, Vater, das hat sich erst vorgestern zugetragen, ich aber erfuhr die

Geschichte heute von meiner Freundin Julie.

So macht der Junge einen Streich nach dem andern; es ist mir in der That

sehr lieb, daß sich mein Bruder in London desselben annehmen und ihn auf

seinem Comptoir ausbilden will, entgegnete der Vater.

Während sich so Vater und Tochter besprachen, ging Karl der Schule zu. Der

Lehrer schien ihm heute nicht besonders freundlich zu seyn.

Nach dem Schlusse des Unterrichts fragte der Lehrer zu Karl gewandt: sage

mir, wer waren gestern deine Gesellschafter, als du auf der Wiese deinen

Drachen steigen ließest?

Karl nannte sie dem Lehrer.

Ihr bleibt noch hier, sprach dieser, die Uebrigen können sich nach Hause

begeben.

Und als sich nun Karl mit seiner gestrigen Gesellschaft dem Lehrer

gegenüber befand, da schien ihm sein Gewissen schon zu sagen, worauf es

jetzt an zu kommen habe.

Ist es wahr, fragte jetzt der Lehrer mit Ernst und Würde, daß du gestern

ein Dohlen-Nest zerstört hast? Ja, daß du in deiner Grausamkeit sogar so

weit gegangen bist, die nackten Vögel aus dem Neste zu schleudern?

Kaum hörbar und mit niedergeschlagenen Augen antwortete Karl: ich habe es

gethan, Herr Lehrer, aber verzeihen Sie mir nur noch dießmal, ich will es

gewiß nie mehr thun! Dann brach er in ein Schluchzen aus und fuhr fort: ich

bin, Herr Lehrer, nicht in der Absicht, das Dohlen-Nest zu zerstören, auf

den Baum gestiegen, ich wollte nur wieder zu meinem Drachen kommen und

da ich nun des Nestes gewahr wurde, ergriff mich auch sogleich die Lust,

dasselbe zu zerstören. Ich habe gefehlt Herr Lehrer, aber ich will mich

eines solchen Fehlers gewiß nicht mehr schuldig machen, verzeihen Sie mir

nur diesesmal noch.

Und als jener redliche Holzhauer, fuhr der Lehrer fort, dir deine grausame

Handlung vorhielt, hast du ihm nicht mit Schimpfworten erwidert?

Ich that es auch, Herr Lehrer, sprach Karl und bereue auch dieses.

Seht ihr, wandte sich jetzt der Lehrer an die übrigen Knaben, wie eine böse

Handlung immer eine andere böse Handlung nach sich zieht? Erst zerstörte

Karl das Vogelnest und tödtete grausam die nackten Jungen und verfehlte

sich so gegen das Gebot, welches uns vorschreibt, auch menschlich gegen

Thiere zu seyn, nach den Worten: »der Gerechte erbarmt sich auch seines

Viehes;« dann begegnete er einem alten Manne mit beschimpfenden Aeußerungen

und machte sich so eines weiteren Vergehens schuldig. Ihr seht, wer Ein

Gebot nicht beachtet, der setzt sich auch über das andere hinweg.

Dann könnt ihr auch noch hieraus ersehen, wie verderblich der Hang zur

Thierquälerei wird, und wie derjenige blind demselben fröhnt, der nicht

frühzeitig sein Herz bewacht, und diesen Trieb zu ersticken sucht. Karl

stieg nicht in der Absicht auf den Baum, um das Nest zu zerstören,

er konnte nur dem Hange nicht widerstehen, da sich ihm eine so schöne

Gelegenheit, Thiere zu quälen, ergab. Wie oft habe ich euch nicht schon

gesagt, daß das Kind, welches eine Lust daran findet, Fliegen zu quälen

durch das Abschneiden der Flügeln oder Herausreißen der Beine; wenn dieser

Hang in ihm nicht getödtet wird, leicht als Knabe der Quäler größerer

Thiere wird, und an die Stelle der Fliegen, Bienen und Käfer treten Katzen

und Hunde. Wie die Kräfte des Thierquälers zunehmen, so nimmt auch sein

Hang zur Thierquälerei zu und ach! wenn es dann noch bei den Thieren blieb.

Ein solcher unglücklicher Mensch, dessen Gefühl für das Wohl und Weh der

Thiere erstorben ist, dessen Herz ist auch für seine Mitmenschen verhärtet,

und nur zu oft wird ein solcher eine Geißel der Menschheit. Deshalb

prägt es euch heute fest in eure Herzen, wie gefährlich der Hang zur

Thierquälerei wird, nehmt euch fest vor, nie ein Thier zu quälen und seht

ihr, daß ein solches Vergehen von Anderen verübt wird, so tretet mit

aller Festigkeit und mit allem Muthe auf und duldet solchen Frevel nicht!

Erinnert euch des wackeren Holzhauers, handelt in ähnlichem Falle wie

dieser und kümmert euch nichts um böse Reden, die ihr deßhalb vielleicht

zu erleiden habt. Ihr werdet nicht nur den Lohn in euch selbst finden, denn

jede gute That belohnt sich selbst, sondern ihr werdet auch die Achtung

aller guten Menschen finden.

Weil du nun, Karl, wandte er sich wieder zu diesem, deine Vergehen

reumüthig einbekannt, und eine Besserung versprochen hast, so will ich für

diesesmal noch gelinde Strafe über dich verhängen und so werde ich heute

den Tag über dich bei Wasser und Brod einsperren lassen, und von deinem

Vergehen und dieser Strafe deinem Vater Nachricht geben. Nach erstandener

Strafe aber begibst du dich unverzüglich zu jenem Holzhauer und bittest ihn

um Verzeihung ob der ihm zugefügten Unbilde!

Mit diesen Worten des Lehrers wurden die Knaben entlassen, nachdem sie

zuvor versprochen hatten, den wohlmeinenden Ermahnungen in allem getreulich

nachzukommen.

Karl erstand seine Strafe und leistete nachher dem redlichen Holzhauer

Abbitte, wie ihm befohlen war.

Drittes Kapitel.

Karl fällt in seinen Fehler zurück.

Der Kaufmann Daruff besaß vor dem Städtchen einen schönen, großen Garten,

in welchem oft Karl mit seinen Spielgenossen die Erholungs-Stunden

zubrachte.

An einem schönen Nachmittage befand sich nun Karl wieder mit seinen

Gespielen in diesem Garten; er führte mit denselben allerlei Spiele auf und

jugendlicher Frohsinn hatte sich ihrer in hohem Grade bemächtigt.

Auch Aurelie war im Garten und sah von Ferne, während sie sich zwischen den

Blumenbeeten erging, dem lustigen Treiben der Knaben zu.

Auf einmal sah Aurelie, wie ein schöner Hühnerhund, der durch die nur

beigelehnte Gartenthür sich in den Garten geschlichen hatte, eine Katze

auf den Blumenbeeten verfolgte; sie rief ihrem Bruder Karl zu, den fremden

Hühnerhund doch aus dem Garten zu schaffen und kaum bemerkten dieser

und seine Spielgenossen den Hund, so eilten sie herbei; einer der Knaben

stellte sich an die Gartenthüre und während dieser einen so großen Spalt

mit der Thüre bildete, daß ein Hund zur Noth durchkommen konnte, umgaben

die übrigen Knaben den Hund von allen Seiten und suchten ihn aus dem Garten

zu treiben.

Der Hund lief auch sogleich auf die Gartenthüre zu und da er sich nun durch

den Spalt zu winden suchte, da gedachte der Knabe an der Thüre, das Thier

wegen der Verwüstung, die es auf den Blumenbeeten angerichtet, ein wenig

zu strafen und ihm einen wiederholten Besuch im Garten zu verleiden; er

zwängte daher den Hund mit der Thüre so an den Pfoten, daß derselbe zu

heulen anfing.

Recht so, recht so! rief Karl, nahm die Gartenscheere, welche nächst einem

Zaune lag, lief damit nach dem Hunde, faßte schnell mit der Scheere dessen

Schweif -- einen Druck und der Schweif des Hundes lag vor der Gartenthüre,

während des arme Thier mit Heulen sich davon machte.

Um Gotteswillen! rief Aurelie, Karl, was hast du gethan? Wie wird das

gehen! Es war der Hund unsers Herrn Forstmeisters. Ach Karl! was hast du

wieder in deiner Unbesonnenheit gethan? Karl stand bleich vor Schrecken da

und die Gartenscheere entfiel seinen Händen.

Wahrhaftig, Schwester, betheuerte er, so war es nicht gemeint, ich wollte

den Hund nur ein wenig kneifen.

Die übrigen Knaben erschracken auch sehr und einer verließ nach dem andern

schnell den Garten.

Ach Himmel, sagte Aurelie, wie schwer, lieber Karl, machst du mir den

Weg nach Hause; so unschuldig ich auch bin, so wage ich jetzt kaum das

elterliche Haus zu betreten. Du weißt, wie streng der Vater ist, dieser

Streich wird keine guten Früchte bringen!

Karl wurde durch diese Reden seiner Schwester immer verzagter.

Komm liebe Aurelie, sprach er, wir wollen uns dort in die Laube begeben und

uns berathen, was zu thun ist.

Die Geschwister giengen betrübten Herzens in die Laube.

Ich weiß keinen Rath, begann Aurelie und ließ wehmüthig die Arme in den

Schooß sinken.

Wenn ich nur gleich einen andern schönen Hund hätte, sprach Karl, so

würde ich zum Herrn Forstmeister gehen, ihm solchen bringen und ihn recht

inständig bitten, mir den schlimmen Streich zu verzeihen und kein Wort

davon meinem Vater zu sagen. Aber wo einen Hund hernehmen?

Gehe so gleich hin zum Herrn Forstmeister, sagte Aurelie, bitte ihn um

Verzeihung, vielleicht sieht er die Unbesonnenheit deiner Jugend nach;

er ist ein sehr begüterter Mann, wer weiß, ob er nicht den Verlust mit

Stillschweigen erträgt, wenn er deine Angst und Reue sieht. Ich aber will

mich indessen nach Hause begeben und dich dort erwarten. Gebe Gott, daß die

Sache zu deinem Besten sich wende!

Nun verließen die Geschwister den Garten, nachdem noch zuvor Karl den

Schweif des Hundes nächst einem Baume vergraben hatte und während Aurelie

mit bedrängtem Herzen der elterlichen Wohnung zugieng begab sich Karl nach

dem Hause des Forstmeisters.

Eduard, der Sohn des Forstmeisters hatte bereits den Hergang der

Verstümmlung des Hundes von einem der im Garten gegenwärtig gewesenen

Knaben ausführlich vernommen und da der Hund sein Liebling war und ihm

deshalb sehr zu Herzen ging, daß er nicht nur muthwilliger Weise

so gequält, sondern auch noch verstümmelt wurde, so brach er beim

Ansichtigwerden Karls in heftige Vorwürfe aus.

Du kommst gerade recht, rief er, mein Vater hat die Hundspeitsche schon zur

Hand; es soll dich dein Leben lang gereuen, unsern Achill so gequält und

am Ende noch verstümmelt zu haben! du bist schon als der größte Thierquäler

allgemein bekannt, aber mein Vater wird dich zurecht weisen, daß es dir

gewiß nie mehr einfallen wird, mit einem Hunde so zu spielen. Geh nur

hinauf zu meinem Vater, der dich gehörig empfangen wird!

Durch diese Anrede verlor Karl vollends allen Muth. Er hätte so gerne die

härteste Strafe erstanden, wäre es nur damit auch abgethan gewesen. Er

machte sich lebhaft die beunruhigendsten Vorstellungen; erst sah er den

Forstmeister mit der Hundspeitsche auf sich zukommen, dann sah er auch noch

seinen Vater, wie ihn derselbe erbittert in Empfang nahm und ihm mit der

größten Entrüstung die härtesten Strafen bereitete.

Er stand mehrere Augenblicke unschlüssig da, da fuhr ihm der Gedanke durch

den Kopf, er könne ja allen diesen Unannehmlichkeiten durch die Flucht sich

entziehen und sogleich war auch sein Vorsatz gefaßt.

Hat mir, sprach er zu sich selbst mein Vater neulich nicht erst gesagt, daß

mich mein Onkel Heinrich zu London in's Comptoir zu nehmen gesonnen sei?

Ich will mich zu ihm begeben und kehre ich dann nach Jahren heim in meine

Heimath, so wird sicher die schlimme Geschichte mit dem Hunde vergessen

seyn.

Und ohne noch einmal in das elterliche Haus zurück zu kehren machte er sich

aus dem Städtchen und schlug seinen Weg nach Bremen ein.

Viertes Kapitel.

Karl im Gefängnisse zu Bremen.

Es war ein stürmischer Tag, an welchem Karl den Vorsatz gefaßt hatte,

nicht in das elterliche Haus zurück zu kehren, sondern sich zu seinem Onkel

Heinrich nach London zu begeben.

Zuweilen kam Reue über ihn und er wünschte, seine Heimath nicht verlassen

zu haben, wobei er sich umdrehte und mit Thränen im Auge nach der Gegend

hin blickte, wo sein Geburts-Städtchen lag. Ach, es lag schon so weit

hinter ihm, und er vermochte es nicht mehr über sich, zurückzukehren. Er

gedachte den Ring, den er im zerstörten Dohlen-Neste gefunden hatte und den

er von jenem Tage an stets bei sich trug, ohne Jemanden hievon Mittheilung

zu machen, in Bremen vortheilhaft zu verkaufen und mit dem Erlöse die

Reisekosten bis London vollkommen zu bestreiten.

In Gedanken nahm er Abschied von seinem Vater, den er wegen seiner so

großen väterlichen Güte sehr liebte, aber wegen seiner Strenge auch sehr

fürchtete. Er bat denselben um Verzeihung und nahm sich vor, von Bremen

aus, eh' er das Schiff besteige, zu schreiben, ihm seinen ganzen Plan

schriftlich mitzutheilen und ihn so außer Sorgen zu setzen wegen seiner

Zukunft.

Dann erinnerte er sich seiner guten Schwester Aurelie und beschloß, auch

einen Brief an sie bei zu legen. Endlich gedachte er seiner vortrefflichen

Mutter, die längst im Grabe ruhte und unwillkührlich schossen ihm wieder

die Thränen in die Augen.

Ja, gute Mutter! sprach er, wenn du noch lebtest, gewiß würde ich diesen

Schritt nicht gethan haben; du würdest die Vermittlerin bei meinem Vater

geworden seyn und hättest Alles zum Besten gelenkt. Wie oft hast du mich

gewarnt, wenn ich unbarmherzig den Fliegen die Flügel heraus riß und wie

oft hast du gesagt: Karl, Karl! das nimmt kein gutes Ende, wann du so

fortfährst; ach, wie oft hast du mich auch deshalb gestraft und nun

ist wirklich meine Thierquälerei die Ursache meiner Entfernung aus dem

elterlichen Hause. Ich weiß nicht, was mir noch begegnen wird, ich weiß

nicht, wie ich von meinem Onkel aufgenommen werde, allein ich will Alles

geduldig ertragen, was mir auch immerhin Wiederwärtiges begegnen sollte,

ich habe es nicht anders verdient.

Jetzt war ihm, als vernehme er aus der Ferne das Glockengeläute seiner

Heimath, er blieb stehen und horchte, es war so; da sank er vor Wehmuth auf

den Boden und schluchzte laut.

In diesem Augenblicke kam ein Metzgergeselle vorüber, der oft Fleisch in

das Haus des Kaufmannes Daruff getragen und auf diese Weise den Sohn Karl

kennen gelernt hatte. Er blieb stehen, betrachtete den Knaben und sprach:

»Was fehlt dir doch, Karl?«

Überrascht sah Karl auf und als er den Metzgergesellen vor sich sah, der

ihm wohl bekannt war erwiederte er: ach, da hat mich mein Vater nach Bremen

geschickt, nun drücken mich meine Stiefel so sehr, daß ich vor Schmerz kaum

weiter kann.

Da geh' du lieber mit mir zurück, sprach der Metzgergeselle, denn unmöglich

würde dir dein Vater diesen Gang zumuthen, wüßte er, daß du wunde Füße

hast. Komm doch und gehe mit mir zurück.

Nein, nein, versetzte Karl, ich muß den Weg schon zurück legen; ich will

nur kurze Zeit noch ausruhen und dann versuchen, weiter zu kommen. Ich

müßte mich ja schämen, käme ich unverrichteter Sache nach Hause.

So reise glücklich! sprach der Metzgergeselle, meine Geschäfte leiden

keinen Verzug und so setzte er seinen Weg fort.

Karl sah ihm nach, die Trennung von der Heimath schmerzte ihn auf's

Neue, doch konnte er es nicht über sich gewinnen, noch zur rechter Zeit

umzukehren.

Als er den Metzgergesellen aus dem Gesichte verloren hatte, erhob er sich

und wanderte auf Bremen zu.

Dort angekommen führte ihn der Weg an dem Laden eines Juweliers vorüber. Da

will ich eintreten, dachte er und meinen Ring gegen baares Geld umsetzen.

Er trat in den Laden und mit großer Schüchternheit nahm er seinen Ring aus

der Tasche, hielt solchen einem Arbeiter, den er für den Juwelier hielt,

hin und sprach: kauft mir doch diesen Ring ab!

Der Mann legte den Gegenstand, an dem er bedächtig gearbeitet hatte, bei

Seite, nahm den Ring zur Hand, betrachtete ihn genau und nahm dann den

Verkäufer scharf in das Auge. Wie viel verlangst du für diesen Ring! fragte

er dann.

Gebt mir so viel er werth ist, antwortete Karl, einen kleinen Nutzen gönne

ich Euch schon.

Wie ist denn dieser Ring dir zu Handen gekommen? fragte der Mann weiter.

Ich habe ihn gefun -- doch schnell änderte Karl den Satz und sprach: ich

habe diesen Ring schon lange.

So, so? redete der Mann, betrachtete den Ring und den Verkäufer noch

aufmerksamer, zog dann die Augenbraunen zusammen, gieng zum Tische, auf

welchem mehrere Schriften lagen, nahm ein Zeitungsblatt zur Hand, suchte

erst einige Zeit darin, dann las er, während er oft vom Papiere weg und auf

den Ring schaute, nahm endlich Blatt und Ring zu sich, zog einen saubern

Rock an und bedeutete dem Verkäufer, ihm zu folgen.

Karl konnte dieses Benehmen nicht verstehen und folgte dem Manne, während

seine Verlegenheit mit jedem Schritte mehr zunahm.

Wie heißt dieses Gebäude, in welches wir jetzt gehen? fragte er seinen

Begleiter.

Das ist die Polizei, entgegnete dieser trocken.

Karl entfärbte sich, denn jetzt erst durchfuhr ihn eine Ahnung, die

Weise, wie er zu dem Ringe gekommen, dürfte nicht einen redlichen Erwerb

begründen.

Ihr werdet mich doch nicht anklagen wollen? fragte er jetzt furchtsam

seinen Begleiter.

Ich wohl nicht, versetzte dieser, aber hier der Ring und deine große

Befangenheit und deine Furcht mögen wohl wider dich zeugen.

Der Juwelier ließ sich jetzt melden und trat mit Karl in die Gerichtsstube.

Ersterer näherte sich bescheiden dem Beamten und eröffnete ihm:

So eben kam dieser Knabe zu mir und bot mir diesen Ring zum Kaufe an; ich

betrachte den Ring und finde sogleich Aehnlichkeit mit jenem, welcher als

entwendet im Wochenblatte öffentlich ausgeschrieben ist. Ich hielt es für

meine Schuldigkeit, hievon die Obrigkeit in Kenntniß zu setzen.

Der Beamte nahm die Aussagen des Juweliers zu Protokoll, gab demselben

bezüglich der Anzeige seine Zufriedenheit zu verstehen und der Juwelier

wurde entlassen.

Nun wurde Karl in's Verhör genommen. Er zitterte heftig und oft versagte

ihm die Stimme; er mußte seinen Namen, den Tag seiner Geburt, den Stand und

den Wohnort seiner Eltern angeben und dann kam es zur Erzählung bezüglich

der Auffindung des Ringes im zerstörten Dohlen-Neste. So viel merkte er an

der Miene des Beamten, daß seiner Erzählung wenig Glauben geschenkt wurde;

auch wurde er oft ermahnt, nur die Wahrheit an zu geben. Dieses schmerzte

Karl, er sagte die Wahrheit und man wollte ihm doch keinen Glauben

schenken.

Das Verhör wurde geschlossen und Karl abgeführt -- in das Gefängniß.

Fünftes Kapitel.

Karl entweicht aus dem Gefängnisse.

Wie einer, dem das Todesurtheil eröffnet wurde und der dem Tage der

Hinrichtung entgegen sieht, so saß Karl in dem Gefängnisse.

Wie sehr bereute er es jetzt, daß er der freundlichen Aufforderung des

Metzgergesellen nicht Folge geleistet und sich mit ihm zurück in seine

Heimath begeben hatte.

Ist nicht, sprach er zu sich selbst, die Zerstörung des Dohlen-Nestes

die Ursache, weshalb ich jetzt im Kerker liege? Hätte ich das Nest nicht

zerstört, so würde ich den Ring nicht in demselben entdeckt haben und

dieser Ring hat mich in das Gefängniß gebracht.

O Himmel, wie wird das enden? Man glaubt mir nicht, daß ich den Ring im

Neste gefunden habe, man ist vielleicht gar der Ansicht, ich hätte

ihn entwendet. Und habe ich nicht darin gefehlt, daß ich den Fund

verheimlichte? Ach, in welches Unglück habe ich mich gestürzt!

Und mein Vater, o mein armer Vater! brach er in Wehklagen aus, wie wird

ihn die Nachricht erschüttern, wenn es heißt, sein einziger Sohn sitze im

Gefängnisse, des Diebstahles gezeiht!

Und meine arme Schwester; meine arme Schwester! rief er, welche Schande

bringe ich über Vater und Schwester!

Er schluchzte, daß ihm die Thränen von den Wangen flossen.

Dann warf er sich auf den Strohsack und weinte bitterlich fort.

Da öffnete sich die Thüre des Gefängnisses; eine betagte Frauensperson

erschien, um dem Gefangenen ein Schüßelchen mit magerer Suppe und ein Stück

schwarzes Brod zu bringen.

Da junger Galgenvogel, sprach sie, nimm und iß! deine Jugend dauert mich,

du fängst früh an, dich auf das große Werk vorzubereiten, einst eine Zierde

des Galgens zu werden.

Hilf mir o Herr! schrie sie auf einmal, als sich Karl vom Strohsacke empor

gerichtet und sie angeschaut hatte, bist denn du nicht Daruffs Karl?

Karl stand auf, er erkannte sogleich in der Person seine frühere Wärterin;

er wischte sich die Thränen aus dem Gesichte, nahm taumelnd vor Freude und

Ueberraschung die Person bei der Hand, sah ihr so recht mit dem innigsten

Gefühle der Anhänglichkeit in das Gesicht und sprach: ihr seid's

Margaretha? Ach, wie bin ich doch jetzt so froh, daß Jemand um mich ist,

von dem ich gekannt bin. Ach, Margaretha, ihr könnt gewiß viel für mich

thun. Ich bin unschuldig und -- hier brachen ihm die Thränen wieder hervor

-- man glaubt mir nicht, daß ich unschuldig bin. Seht, gute Margaretha, so

bin ich nun in dieses Gefängniß gekommen und wenn das der Vater erfährt, so

darf ich ihm nicht mehr vor das Angesicht kommen. Ihr wißt ja, Margaretha,

wie streng er ist. Helft mir doch, gute Margaretha, wenn ich wieder nach

Hause komme, will ich es auch bei meinem Vater dahin bringen, daß er euch

eine tüchtige Portion vom besten Kaffee schickt. Aber helft mir jetzt nur!

Dabei drückte er Margaretha's Hand fest an sich, die ihm jetzt als die

einzige Stütze erschien.

Margaretha war tief gerührt, sie ließ sich auf dem Strohsacke nieder und

sprach: ach, du lieber Gott! wer hätte denken sollen, daß ich dich einmal

im Gefängnisse antreffen würde. Wie lange habe ich dich doch auf meinen

Armen getragen, wie viele schlummerlose Nächte hast du mir als Kind

verursacht und nun muß ich alte Person noch erleben, dich im Gefängnisse zu

sehen.

Und sie fuhr mit der Hand nach dem Auge, als spüre sie, daß ihr Thränen

ankamen.

Aber Margaretha, sagte Karl, ich bin ja unschuldig.

Und er erzählte ihr getreulich den ganzen Hergang vom Beginne der

Zerstörung des Dohlen-Nestes bis zu seiner Einkerkerung.

Ei, du lieber Gott! brach hierauf Margaretha in die Worte aus, wie dauert

mich der gute Vater. Die Polizei schreibt jetzt an ihn und wenn er

ein solches Schreiben empfängt -- o du lieber Gott, Karl, was hast du

angestellt?

Große Angst kam auf's Neue über Karl und er fragte mit der größten

Beklommenheit: ich werde also nicht wieder frei gelassen und nach Hause

geschickt?

O nein! sprach Margaretha, so geht das nicht, ach Herr im Himmel! stehe uns

bei.

Karl weinte heftig und sprach: ach, gute Margaretha, laßt mich entwischen.

Gute, gute Margaretha! erbarmt euch meiner und helft mir, daß ich aus dem

Gefängnisse entkomme! Und er drückte wieder ihre Hand heftig an sich.

Wie kann ich das, versetzte Margaretha, ich würde mich nur unglücklich

machen und du würdest bald wieder eingefangen seyn und hieher zurück

gebracht werden. Und dann dürfte es erst schlimm um dich stehen.

Ach, Margaretha, fuhr Karl fort, wenn ihr macht, daß ich aus diesem

Gefängnisse komme, so will ich mich gleich zu meinem Vater nach Hause

begeben und ihm Alles erzählen, wie es mir erging. Und, gute Margaretha,

das wird euch mein Vater gewiß nicht vergessen, daß ihr euch meiner

angenommen habt.

Margaretha besann sich und sprach hierauf: aber Karl sage mir, hast du

wirklich den Ring im Neste gefunden?

Gewiß Margaretha, entgegnete dieser, o! wenn ihr mir nicht glauben wollt,

wie sollen mir erst fremde Menschen glauben?

Wenn du mir versprichst, sagte nun Margaretha, daß du dich eiligst und

geraden Weges zurück zu deinem Vater begeben willst, so will ich es wagen

und dir aus dem Gefängnisse verhelfen. Aber bedenke, wie unglücklich du

mich machst, wenn du nicht Wort hältst. Ich werde dann aus dem Dienste

gestoßen und verliere die Pension, auf welche ich Anspruch zu machen habe,

wenn ich mich noch ein Jahr ordentlich in diesem Dienste verhalte. Dir

und deinem Vater die Schande zu ersparen, daß du vielleicht mit dem

Gerichtsdiener in dein elterliches Haus geliefert werdest, will ich ein

Auge zudrücken; ach, ich bin eine alte Person, habe so viele Wohlthaten in

deines Vaters Haus genossen, daß es mir kein Mensch verargen kann, wenn ich

dir jetzt aus dem Gefängnisse helfe, zudem da du ja unschuldig bist und zu

deinem Vater zurück kehren wirst. Verhalte dich also ruhig bis gegen Abend;

ich werde wieder kommen und dich den Weg führen, der dich in das Freie

geleitet.

Karl küßte im Uebermaße seiner Freude die alte Wärterin und drückte sie an

seine Brust, daß Margaretha zu weinen anfieng.

Laßt mich nur, gute Margaretha, hub er an, einmal zu Vermögen kommen; es

soll euch dann nicht schaden, wenn ihr auch die Pension einbüßet; ich komme

dann mit einer Kutsche nach Bremen, hole euch ab und ihr verbringt dann

eure alten Tage recht vergnügt und froh bei Karl Daruff =junior=. Aber

weint doch nicht, meine gute Margaretha und er wischte ihr mit der Hand die

Thränen aus dem Gesichte.

So verhalte dich nun ruhig, mein lieber Karl, sprach Margaretha, sei nicht

mehr traurig, iß von der Suppe und vom Brode, wenn auch beides nicht so

gut, wie in deinem väterlichen Hause ist, so mußt du dich jetzt doch damit

begnügen, denn ohne Aufsehen zu erregen kann ich vor Abend nicht wieder zu

dir kommen.

Und Margaretha entfernte sich.

Nun war Karl wie umgewandelt. Er freute sich, bald wieder auf dem Wege nach

dem elterlichen Hause zu seyn und so ließ er sich die magere Suppe und das

schwarze Brod trefflich schmecken. Dann hüpfte er im Gefängnisse umher und

spähte durch das vergitterte Fensterchen, ob der Abend nicht bald heran

nahe.

Ja, ja, Margaretha, sprach er vor sich hin, du sollst gut belohnt werden!

dann fiel er auf die Kniee und betete: »guter Gott, ich danke dir, daß

du mir in dieser Margaretha einen Engel gesandt hast, der mich aus dem

Gefängnisse befreien wird. Du bist allzeit den Unschuldigen väterlich

zugethan, du weißt, daß ich unschuldig bin und so bist du mir auch mit

deinem Schutze nahe.

Ich habe wohl gesündigt und mir selbst dieses Mißgeschick bereitet, indem

ich grausam gegen deine Geschöpfe war und fremdes Gut unrechter Weise mir

angeeignet habe, aber verzeihe mir guter Vater im Himmel! Ich will nie

mehr in diese Fehler zurück fallen und künftig nur so leben, daß du allzeit

Wohlgefallen an mir hast!«

So betete Karl aus dem Innersten seines Herzens.

Allmählich kam der Abend näher. Karl horchte aufmerksam auf jedes Geräusch

und hoffte mit jedem Fußtritte, den er vernahm, den Eintritt seiner guten

Margaretha.

Endlich klirrte der Riegel, die Thüre gieng langsam auf und Margaretha

erschien.

Sie trug eine schmutzige Jacke und sprach: nun, mein Gefangener, ist dir

die Zeit nicht lange geworden?

Ich habe euch, entgegnete Karl, kaum erwarten können.

Nun komm her, sagte sie, gieb mir deinen Rock und ziehe diese Küchen-Jacke

an; es ist zur bessern Sicherheit und, fügte sie schmunzelnd bei, wenn

einst mein Karl seine Margaretha vergessen sollte, so soll dieser Rock das

Zeichen seyn, welches dich an mich erinnert.

Ach, erwiederte Karl, wie könnte ich euch Margaretha je vergessen!

Als nun Karl die Jacke angezogen hatte, sprach Margaretha: wenn du jetzt

nach Hause kommst, so grüße deinen Vater und deine Schwester vielmal von

der alten Margaretha und damit du unter Wegs nicht Noth leiden mußt, so

habe ich in die Jacke ein Stück Braten, ein weißes Brod und ein Fläschchen

mit Wein gesteckt. Lasse dir Alles recht wohl schmecken und komme glücklich

nach Hause!

Mit dankbarem Herzen küßte Karl wiederholt seine Wohlthäterin, welcher er

dann aus dem Gefängnisse folgte. Margaretha geleitete ihn nun durch mehre

dunkle Gänge, führte ihn dann über einen großen, freien Platz, öffnete

mühsam ein großes Thor, Karl sah sie nochmals mit einem dankbaren Blicke

an, entfernte sich durch das Thor und unbeschreiblich war ihm zu Muthe, als

er das Thor hinter sich wieder schließen hörte.

Sechstes Kapitel.

Karl zu Schiffe.

Die Nacht brach ein und es wurde allmählig dunkler in den Strassen von

Bremen. Karl eilte auf das Thor zu, durch welches er gekommen war, und wie

leicht war es ihm jetzt um das Herz, als er die Stadt hinter sich hatte, in

welcher er des Diebstahls verdächtig und in das Gefängniß gebracht wurde.

Er eilte rastlos seiner Heimath zu, doch hatte er noch keine große Strecke

zurück gelegt, da blieb er auf einmal stehen und wie von einem bösen Geiste

wurde er vom Gedanken ergriffen, welchen Empfang er zu Hause zu gewärtigen

habe?

Darf ich denn auch, fragte er sich, meinem Vater unter die Augen kommen?

Habe ich nicht Strafe zu befürchten, weil ich mich so lange vom Hause ohne

Wissen und Willen meines Vaters entfernt? Zudem hat er jetzt die ganze

Geschichte mit dem Hunde im Garten erfahren, er ist sicher heftig gegen

mich aufgebracht, was habe ich nicht Alles zu befürchten?

Er war unschlüssig, ob er seinen Weg fortsetzen solle, da fiel ihm die alte

Margaretha ein, der er es so fest versprochen hatte, sich auf geradem Wege

nach Hause zu begeben.

Begehe ich nicht einen neuen Fehler, sagte er, wenn ich mein Wort nicht

halte und nicht eilig heimkehre? Und mache ich die gute Margaretha nicht

unglücklich, wenn ich meinem Versprechen nicht nachkomme?

Er that wieder einige Schritte vorwärts, blieb aber auch gleich wieder

stehen und fuhr fort: hat denn aber auch Margaretha nicht gesagt: die

Polizei werde an meinen Vater schreiben und ihm die Geschichte mit dem

Ring, so wie meine Einsperrung mittheilen? Ach, du lieber Gott! gewiß ist

schon an meinen Vater geschrieben worden und wenn ich nun nach Hause komme,

werde ich als ein Dieb empfangen! Nein, nein! ich darf nicht nach Hause!

Ach, gute Margaretha, verzeiht mir! Ich darf, ich darf nicht nach Hause!

Und er entschloß sich, umzukehren.

Während er nun wieder der Stadt Bremen zuging, überlegte er, wie und wo

er sich aufhalten könne. Ueberall sah er Hindernisse. Er sah sich von der

Polizei verfolgt und dachte mit Schauder zurück an das Gefängniß.

Endlich war er mit sich einig. Er nahm sich vor, an den Hafen zu gehen

und falls ein Schiff segelfertig mit der Bestimmung nach London vor Anker

liege, sich als Schiffsjungen anwerben zu lassen und zu seinem Onkel

Heinrich nach London zu reisen.

Von London aus wollte er dann an seinen Vater schreiben, so wie er auch

der alten Margaretha einen Brief schicken wollte, in welchem er sie um

Verzeihung zu bitten und sie wegen ihrer Zukunft zu beruhigen gedachte.

So kam er an den Hafen.

Er machte mit seinem Vorhaben einen Matrosen bekannt, der sich auch seiner

annahm und ihm versprach, sich für ihn beim Schiffs-Kapitain zu verwenden.

Zwar macht unser Schiff, sagte der Matrose, die Fahrt nicht sogleich nach

London, indem es erst mit voller Ladung nach Brasilien geht, von dort aber

segeln wir ohne Aufenthalt nach London; es wird dir übrigens, mein Junge,

nichts schaden, wenn du auch die Küste von Amerika siehst und zwar auf so

billige Weise.

Da erblickte Karl einen Diener der Polizei, der an ihm vorüberging, als er

mit dem Juwelier das Polizei-Gebäude betrat. Unendliche Angst ergriff ihn.

Er bat den Matrosen, ihn doch sogleich mit auf das Schiff zu nehmen, da

er bereit sei, die Fahrt nach Brasilien mit zu machen. Er befürchtete,

dem Diener der Polizei in die Hände zu fallen, suchte deshalb so bald

als möglich auf das Schiff zu kommen, ohne zu überlegen, welche Reise er

antreten werde.

Der Matrose ergriff ihn bei der Hand und nahm ihn mit auf das Schiff. Dort

stellte er ihn dem Kapitain vor.

Dich können wir schon brauchen, sagte der Kapitain zu Karl, aber sage mir,

wie verträgt sich denn deine schmutzige Jacke mit der feinen Hose?

Karl betrachtete erst jetzt seine Jacke und gewahrte so den Unterschied

zwischen Hose und Jacke.

Herr, sagte Karl, ein Wohlthäter hat mir die Hose geschenkt.

Wenn du sie nicht gestohlen hast, bemerkte der Kapitain. Nun sei dem, wie

ihm wolle, fuhr er fort, ist er ein hergelaufener Bursche, so wird er doch

nicht von unserm Schiffe laufen. Weise ihn zurecht! Jakob, wendete er sich

hierauf an den Matrosen, und dieser entfernte sich mit Karl.

Sehr weh that es Karl, daß der Kapitain die Bemerkung über die Hose gemacht

hatte.

Auch dieser, dachte er, hält dich für Einen, der sich dem Diebstahle

ergibt; hätte ich vielleicht die Wahrheit gesagt, würde er die Bemerkung

nicht gemacht haben; ich habe gelogen und wer lügt, der stiehlt auch.

Der Kapitain mag mir wohl angesehen haben, daß ich ihm nicht die Wahrheit

sagte, so mochte er auch wohl der Meinung werden, ich könne die Hose

gestohlen haben.

Und wehmüthigen Herzens folgte er dem Matrosen, der besondere Zuneigung

zu Karl gefaßt zu haben schien, denn er gab sich sehr mit ihm ab,

unterrichtete ihn in diesem und jenem Geschäfte und war ihm mit Rath und

That allzeit zur Hand.

Siebentes Kapitel.

Kummer im elterlichen Hause.

Als Aurelie vom Garten heimgekehrt war, ging sie niedergeschlagen in das

Wohnzimmer und nahm ihre weibliche Arbeit zur Hand. Sie sah oft durch

das Fenster hin nach der Straße, aus welcher Karl von der Wohnung des

Forstmeisters aus kommen mußte. Sie wartete mit Sehnsucht auf die Ankunft

ihres Bruders und da sich diese von Stunde zu Stunde verzögerte, wurde

sie immer ängstlicher, daß sie ihre Beklommenheit nicht länger mehr zu

verbergen im Stande war.

Da trat der Vater in das Zimmer. Wo ist Karl? fragte er. Und was ist denn

mit dir? fuhr er fort, daß du so verstört aussiehst?

Ach, lieber Vater, sagte Aurelie, werde nicht ungehalten! Karl hat wieder

einen schlimmen Streich verübt, allein ich bin die Veranlassung dazu,

verzeihe also ihm und mir!

Und nun erzählte sie ihm die Geschichte mit dem Hunde im Garten und

schloß mit den Worten: wäre ich selbst daran gegangen, den Hund von den

Blumenbeeten und aus dem Garten zu treiben, so wäre der Unfug wohl nicht

geschehen, den Karl mehr in der Uebereilung als mit bösem Herzen verübt

hat. Sieh ihm also, lieber Vater, noch einmal nach und verzeihe ihm und

mir!

Nein, meine Tochter, sagte der Vater, hier wäre Nachsicht am unrechten

Orte; Karl hat sich schon so oft in diesem Punkte verfehlt, daß ich nur mit

Grund befürchten muß, sein Herz verschließe sich für alle feineren Gefühle.

Ich will ihn diesesmal nachdrücklich strafen.

Und welche Unannehmlichkeit für mich, daß der Hund gerade dem Forstmeister

zusteht! Welche Ansichten muß der Mann von mir gewinnen? Wird er nicht

denken, daß ich mich der Erziehung meines Sohnes gar nicht annehme? oder

daß ich auf seine Bildung und Veredlung des Herzens nichts verwende? Wäre

der Hund einem gemeinen Manne, so könnte ich den Mann abfinden und den

Schaden so gut als möglich ersetzen, wie soll ich es aber hier anfangen?

Und nachdenkend ging er im Zimmer auf und ab.

Aber wo ist denn Karl? fragte er hierauf wieder.

Er ist auf meinen Rath zum Forstmeister gegangen, erwiederte Aurelie, um

ihn um Verzeihung zu bitten und sich zu erkundigen, wie der Schaden wieder

gut zu machen sei.

Das ist noch löblich, sagte der Vater, aber dessen ungeachtet wird ihm eine

empfindliche Strafe nicht geschenkt.

Jetzt wurde Karl zurück erwartet, allein er erschien nicht. Der Abend kam

herbei, ohne daß sich Karl einstellte. Ach Gott, sagte Aurelie von einer

Ahnung ergriffen, Karl wird doch nicht in der Angst des Herzens einen

weiteren unüberlegten Schritt gethan und sich entfernt haben?

Ich will selbst zum Forstmeister gehen, sprach der Vater, um mich theils

zu erkundigen, ob Karl dort war und wohin er sich etwa entfernte, theils um

den Forstmeister wegen des Schadens zufrieden zu stellen.

Mit Verwunderung vernahm nun der Kaufmann Daruff vom Forstmeister, daß sich

Karl wohl vor dem Hause habe sehen lassen, daß er dasselbe jedoch nicht

betreten habe. Was übrigens den Schaden anbelangt, setzte der Forstmeister

wohlwollend bei, so ist er ganz unbeträchtlich; auf der Jagd ist der

Hund wegen des hohen Alters nicht mehr zu brauchen, und daß ihm durch

den Verlust des Schweifes eine besondere Zierde abgegangen sei, wüßte ich

gerade auch nicht, übrigens ist Achill der Liebling meines Sohnes Eduard

und den zufrieden zu stellen, fuhr er lächelnd fort, wird auch nicht so

schwer seyn.

Der Kaufmann war über diese Rede des wackeren Forstmeisters sehr erfreut

und bat, den unbesonnenen Streich seinem Sohne zu verzeihen mit dem

Beisatze, daß er seinem Sohne für künftige Fälle eine angemessene Strafe

werde zu Theil kommen lassen, daß es ihm übrigens eine süße Pflicht sei,

den Sohn Eduard ob der Verstümmlung seines Lieblings zu beruhigen.

Nach diesem entfernte sich der Kaufmann, hoffend, seinen Sohn nun zu Hause

zu treffen.

Allein Karl war noch nicht in das elterliche Haus zurück gekehrt und alle

Erkundigungen im Städtchen nach ihm waren vergebens.

Jetzt wurden der Kaufmann und seine Tochter besorgt.

Begegnisse eines jungen Thierquälers oder »Der Gerechte erbarmt sich auch seines Thieres.« Eine neue Erzählung für die Jugend · 第 1 / 4 段