sehr wohl. Es war klug und weise von unsern Vorältern, daß sie darauf
bedacht gewesen, die schönen christlichen Freudenfeste auf mancherley
Weise den Kindern zu Tagen der Freude zu machen. Diese kindliche Freude
macht ihnen die Festtage des Herrn lieb und werth, und bereitet ihr Herz
vor, an der höheren Festfreude, dem Heile, das uns allen geworden, Theil
zu nehmen. Von nun an soll in diesem Hause an jedem Weihnachtsfeste den
lieben Kleinen immer ein Weihnachtsbaum grünen. Wenn er auch nicht so
prächtig geziert seyn sollte, wie dieser, so wird er ihnen doch nicht
weniger Freude machen. Es braucht wenig, Kinder zu erfreuen; einige
Aepfel, Birnen, vergoldete Nüsse reichen schon hin, wenn man etwa nichts
Besseres hat. Auch wird wohl niemand knickern wollen, wenn es darauf
ankommt, Kindern eine schuldlose und heilsame Freude zu machen. Ich
denke auch, der Weihnachtsbaum kann uns bey der Kinderzucht große
Dienste leisten; er kann uns, wenigstens sehr oft, die Ruthe ersparen.
Kinder, die einmal einen Weihnachtsbaum gesehen haben, freuen sich gewiß
das ganze Jahr wieder darauf, und werden gewiß mehr auf die Worte
achten: Wenn ihr nicht gehorcht, bekommt ihr keinen Weihnachtsbaum! --
als wenn man ihnen mit Schlägen drohte.«
Die Aeltern und Großältern dankten nun dem Anton für die viele Freude,
die er ihren Kindern und Enkeln gemacht hatte. »Es ist eine Kleinigkeit,
sagte er, die nicht der Rede werth ist. Indeß muß ich Sie bitten, daß
auch Sie einige kleine Weihnachtsgeschenke von mir nicht verschmähen.«
Er schloß seinen Koffer auf, der in einer Ecke der Stube stand. »Diesen
Koffer, sagte er, haben Sie mir einst reichlich gefüllt mit auf die
Reise gegeben; es ist nicht mehr als billig, daß Sie ihn nicht ganz leer
wieder zurück erhalten.« Er überreichte der alten Försterin kostbares
Pelzwerk und Seidenzeug. »Es ist ja die Pflicht guter Kinder, sagte er,
ihre alten Aeltern bey der rauhen Jahrszeit warm zu halten.« Der jungen
Frau und den zwey Jungfrauen gab er grünen Tafet zu Kleidern, seidene
Halstücher aus Mayland und andern Frauenzimmerputz. Der junge Förster
bekam eine vortreffliche Doppelflinte, deren Schaft von Nußbaumholz sehr
schön mit Silber eingelegt war. »Sie, liebster Vater, sagte Anton zu dem
alten Förster, müssen nun nicht mehr auf die Jagd gehen; Sie müssen nun
von Ihren vielen Beschwerden ausruhen. Sie brauchen Stärkung in Ihren
alten Tagen. Der Korb dort ist mit Flaschen vom besten alten Rheinwein
gefüllt. Und hier ist ein Becher dazu.« Anton überreichte ihm einen
silbernen Becher, der innen prächtig vergoldet war. Außen auf dem Becher
waren in einem Kranze von Eichenlaub die Worte eingegraben: »Meinem
lieben Vater Friedrich Grünewald zur Erinnerung an den Weihnachtsabend
1740., überreicht am Weihnachtsfeste 1758. von dessen dankbarem Sohne
Anton Kroner.« Der alte Förster umarmte Anton mit Thränen in den Augen.
Allein Anton übergab ihm über dieß noch eine Rolle Gold. »Sie, liebster
Vater, sagte er, haben große Summen auf mich verwendet. Es wäre nicht
recht, wenn Ihre übrigen Kinder und Ihre Enkel dadurch sollten verkürzt
werden.« Der edle Greis erstaunte und wollte das Geschenk nicht nehmen.
Allein Anton sagte: »Es ist nichts weniger, als ein Geschenk von mir.
Der gnädigste Fürst hat mich so reichlich beschenkt, und sein Geschenk
freute mich zweyfach, weil ich dadurch in den Stand gesetzt wurde, Ihnen
an einer alten Schuld, die ich nie werde ganz bezahlen können,
wenigstens Einiges abzutragen.« Alle Umstehenden waren höchst erstaunt.
Die alte Försterin aber sagte: »Ach Anton, wie hätten wir an jenem
Weihnachtsabende, an dem du das erste Mal in unser Haus kamest, denken
können, daß du uns dereinst einen so fröhlichen Weihnachtsabend
bereiten, uns durch die Verwendung bey Seiner fürstlichen Durchlaucht
aus so großer Noth retten, und uns alles, was wir an dir thaten, so
reichlich vergelten würdest!« »Das hat Gott gethan, sprach Anton. Er
führte mich in Ihr Haus, um Sie und mich reichlich zu segnen. Sein Name
sey gepriesen.«
»Doch, sprach jetzt Anton, erlauben Sie nun, daß ich sogleich abreise.«
»Was, wie, warum?« riefen alle erstaunt. Allein Anton sagte: »Ich fahre
jetzt zu Herrn Riedinger. Ich hoffe dort noch dem Gottesdienste
beywohnen zu können, meinem vortrefflichen Lehrmeister durch meinen
Besuch eine unerwartete Freude zu machen, und ihn auf den Abend hieher
zu bringen. Dann wollen wir die übrigen Weihnachtsfeyertage, ja alle
Tage des noch übrigen Jahres recht fröhlich beschließen.« Alle
begleiteten Anton an die Kutsche. Am Abende kam Anton mit seinem
Lehrmeister an, und das alte Försterhaus in dem düstern Walde
beherbergte in diesen Tagen so selige Menschen, als je auf Erden gelebt
haben.
Was von Antons Geschichte noch weiter bemerkt zu werden verdient, ist
kurz dieses. Anton bath den alten Förster und dessen Hausfrau, ihm ihre
Tochter Luise zur Ehe zu geben. Beyde bewilligten es mit Freuden. »Ach
Luise, sprach die alte Großmutter, damals, als du dem Anton jenes
Aepfelein zum Weihnachtsgeschenk gegeben hast, dachte ich wohl nicht
daran, daß er dich dereinst als seine Braut zum Altare führen würde.«
Das Hochzeitfest war erst noch das freudigste Fest, das je in dem
Försterhause gefeyert wurde. Anton aber kaufte sich in der Residenz ein
eigenes Haus, hatte als ein sehr geschätzter Mahler immer sehr viel zu
mahlen, und lebte mit Luisen in der seligsten Eintracht.
Im folgenden Frühlinge kam der Fürst ganz unerwartet auf dem fürstlichen
Jagdschlosse Felseck an, und brachte den alten Forstrath Müller und
einen auswärtigen forstverständigen Mann mit sich. Der Oberförster war
sehr bestürzt und versprach sich von diesem gnädigen Besuche wenig
Gutes. »Sie haben meine Befehle überschritten, sagte der Fürst zu ihm.
Ich hatte zwar, durch Ihre Berichte verleitet, den alten Förster seiner
Geschäfte überhoben, und war Willens, den jungen Förster auf einen sehr
geringen Försterdienst zu versetzen; allein die ganze Familie so
unmenschlich aus dem Forsthause zu verstoßen, wie Sie es im Sinne
hatten, war nie mein Wille. -- Doch wir wollen vorerst die Waldungen in
Augenschein nehmen.«
Des Oberförsters eigener Bezirk befand sich in einem kläglichen
Zustande. »Auf den Papieren, die er einschickte, sprach der Fürst, fand
ich alles vortrefflich. Da war alles so schön geschrieben und linirt,
wie gestochen. Allein im Walde finde ich es anders. Auf manchem Platze
ist offenbar ohne Vergleich mehr Holz gestanden, als in den Rechnungen
steht. Er hat mich betrogen.« Der Oberförster hatte, wie sichs in der
Folge zeigte, an eine benachbarte Eisenschmelze nach und nach einige
tausend Klafter Holz mehr abgegeben, als er in Rechnung brachte. Er
hatte, um seinen großen, beynah fürstlichen Aufwand zu bestreiten, nicht
nur sein eigenes Vermögen verschwendet und sich in Schulden gesteckt,
sondern sich überdieß noch Untreue gegen seinen Fürsten erlaubt. Der
Fürst setzte ihn ab, und verurtheilte ihn, den Schaden zu vergüten. Der
arme Herr von Schilf lebte von nun an auf seinem kleinen Landgute in
sehr dürftigen Umständen.
Den Waldbezirk des alten Försters fand der Fürst im trefflichsten
Zustande. Er kam in eigener Person zu ihm in das Haus, bezeugte dem
alten Manne seine Zufriedenheit, ließ sich dessen ganze Familie
vorstellen und redete mit allen sehr freundlich. Bevor er seinen
Schimmel bestieg, den ein Reitknecht vor dem Försterhause am Zaume
hielt, sagte er zu dem Förstersohne: »Er ist hiemit Förster; mache Er
seine Sache ferner so gut!« »Sie, sprach der Fürst zu dem alten Förster,
sind nun wohl etwas alt, aber noch lange nicht der abgelebte Greis, für
den Herr von Schilf Sie ausgab. Sie sind trotz Ihres Alters noch sehr
wohl bey Kräften; ich kann Sie meiner Dienste noch nicht entlassen. Sie
werden mich verstehen, wenn ich Ihnen sage: Leben Sie wohl, Herr
_Oberförster_.«
Bei Philipp Krüll in Landshut
ist zu haben
_Genovefa._ Eine der schönsten und rührendsten Geschichten des
Alterthums, neuerzählt für alle guten Menschen, besonders für
Mütter und Kinder. 3te rechtmäßige Auflage. m. 1 Kupf. 8.
1817. 24 kr. oder 6 gr.
_Ostereyer_, die, eine Erzählung zum Ostergeschenke für Kinder,
von dem Verfasser der Genovefa. 2te Auflage. 12. 1818. 9 kr. gr.
12. 12 kr. 3 gr.
_Wie Heinrich von Eichenfels_ zur Erkenntniß Gottes kam; eine
Erzählung für Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der
Ostereyer. 2te verbesserte Auflage. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12
kr. 3 gr.
_Blühten_, dem blühenden Alter gewidmet, von dem Verfasser der
Ostereyer. 8. 1819. 18 kr. 5 gr.
_Erzählungen_ für Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der
Ostereyer. 18 Bändchen. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr.
-- -- desselben Werks 2s Bändchen. 12. 1825.
_Blumenkörbchen_, das, eine Erzählung dem blühenden Alter
gewidmet, von dem Verfasser der Ostereyer; mit 1 Titelkupfer. 8.
1823. 24 kr. 6 gr. Velinpap. 1 fl. 48 kr. Rthl. 1.
_Rosa_ von Tannenburg. Eine Geschichte des Alterthums, für
Aeltern und Kinder. Erzählt von dem Verfasser der Genovefa; mit 1
Kupf. 8. 1823. 30 kr. 8 gr.
_Itah_, Gräfin von Toggenburg; eine sehr schöne und lehrreiche
Geschichte aus dem 12ten Jahrhundert, neu erzählt für alle guten
Christen, besonders für unschuldig Leidende. Ein Seitenstück
zur Genovefa; mit 1 Kupfer. 5te Auflage. 8. 1823. 24 kr. 6 gr.
_Geschichten_, biblische, für Kinder. 3 Thle. (von Christoph
Schmidt). 8. 1820. netto 1 fl. 9 kr. 18 gr.
-- -- dieselben im Auszug. 2 Thle. 8. 1821. netto 30 kr. 8 gr.
_Engelbrecht, A._, Aufsätze pädagogischen Inhalts; ein Buch für
Seelsorger und Volksschullehrer, zur angenehmen und belehrenden
Unterhaltung; mit 1 Kupfer. 8. 1821. 1 fl. 30 kr. Rthl. 1.
_Hausaufgaben_ für Schreib- und Rechnungsschüler in Volksschulen,
oder Aufgaben zur Selbstbeschäftigung der Schüler. 2te
verbesserte Auflage. 8. 1823. 15 kr. 4 gr.
_Diktirübungen_ nach den Regeln der Orthographie geordnet, nebst
einem Diktir-Surrogat für Volksschulen; ein Hand- und Lesebuch
für Elementarschulen, vom Verfasser der Hausaufgaben. 8. 1822. 12
kr. 3 gr.
_Maurer, K._, Lesebuch für geübtere Leseschüler. 8. 1818. 15 kr.
4. gr.
-- -- kleine lehrreiche Erzählungen und Lesesätze, nebst einigen
Gleichnissen und Denksprüchen aus dem Munde Jesu. Ein Geschenk
für Kinder. 8. 1820. 8 kr. 2 gr.
-- -- Briefe für Kinder, nebst einigen Anreden bei öffentlichen
Schulprüfungen. 3te Auflage. gr. 12. 1824. 12 kr. 3 gr.
-- -- Tabelle zur Kenntniß der Buchstaben. 8. 1817.; auf
Pappendeckel gezogen 2 kr.
-- -- Lesebuch für Anfänger im Lesen. 3 Abtheilungen. 12. 1817. 7
kr. 2 gr.
_Alte_, der, von den Bergen; eine Erzählung für Kinder. 2te
verbesserte Auflage. 12. 1822. 9 kr. 3 gr.
_Heilingbrunner_ und _Zeheters_ drittes Elementarbuch der
nöthigsten Sach- und Sprachgegenstände für Volksschulen. 3. 1822.
30 kr. 8 gr.
_Jais, P. A._, schöne Geschichten und lehrreiche Erzählungen, zur
Sittenlehre für Kinder und wohl auch für Erwachsene. 2 Bändchen.
10 kr. 3 gr.
_Fabeln für unsere Zeiten und Sitten._ 2 Bändchen. 8. 1821. 1 fl.
16 gr.
Anmerkungen zur Transkription
Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten.
Offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
(vorher/nachher):
[S. 10]:
... oben auf dem Berge. In Mitte der ...
... oben auf dem Berge. In der Mitte der ...
[S. 44]:
... Menschen geziemt, oder sie sind mit mir ...
... Menschen geziemt, oder Sie sind mit mir ...
[S. 44]:
... sahen etwa einige vornehme jungen Herren ...
... sahen etwa einige vornehme junge Herren ...
[S. 55]:
... suchte. Oder der Namen des Waldes ...
... suchte. Oder der Name des Waldes ...
[S. 72]:
... umher, und sagten mit gerührten ...
... umher, und sagten mit gerührtem ...
[S. 92]:
... alle übrige Geschöpfe der Erde unterworfen. ...
... alle übrigen Geschöpfe der Erde unterworfen. ...
[S. 100]:
... Kinder, Armen und Kranken müßten ...
... Kinder, Arme und Kranke müßten ...
[S. 102]:
... mit der ihr die frommen Bemerkungen ...
... mit der Ihr die frommen Bemerkungen ...
[S. 126]:
... Freunde hat. Er will ihren Dienst ...
... Freunde hat. Er will Ihren Dienst ...
[S. 126]:
... und ihren Sohn ein. Ich fürchte sehr, ...
... und Ihren Sohn ein. Ich fürchte sehr, ...
[S. 134]:
... ähnliche Lagen kommen. Gott laßt keines ...
... ähnliche Lagen kommen. Gott läßt keines ...
[S. 136]:
... mir altem, vielgeprüften Manne sagen: ...
... mir altem, vielgeprüftem Manne sagen: ...
[S. 140]:
... ihren Lehnsessel, liebster Vater, und Sie, ...
... Ihren Lehnsessel, liebster Vater, und Sie, ...
[S. 148]:
... auch hören.« Er winkte dem Forstrath ...
... auch hören.« Er winkte den Forstrath ...
[S. 149]:
... habe ich meine ehrwürdige Pflegältern ...
... habe ich meine ehrwürdigen Pflegältern ...
[S. 164]:
... reichlich zu segnen. Sein Namen sey ...
... reichlich zu segnen. Sein Name sey ...
[S. 168]:
... hiemit Förster; mache er seine Sache ...
... hiemit Förster; mache Er seine Sache ...
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