[9] Die Edinburgh Review von 1836 schreibt: »Der Halleysche Komet

erschien selbst in den Nächten, in denen er sich am deutlichsten

zeigte, bleich und verschwommen, er rief mehr Neugier als Bewunderung

hervor. Wir haben ihn durch das Fernrohr beobachtet und können den

traurigen Eindruck nicht schildern, den sein melancholisches Licht

erweckt. Je mehr man sich mit einem derartigen Objekt befaßt, desto

weniger kann man über seine Natur ins reine kommen. Ein bläuliches,

unklares Licht, das zur Hälfte durch eine große Wolkenhülle verfinstert

wird, das ist der Anblick, der sich dem Auge bietet. Die Beschaffenheit

dieses Lichtes ist uns unbekannt. Es ähnelt weder dem Lichte der Sonne

noch dem des Begleiters der Erde, auch nicht dem der Sterne, ja nicht

einmal dem des Nebels der Milchstraße. Nur wenn man Saturn durch ein

starkes Vergrößerungsglas gesehen hat, kann man sich eine zutreffende

Vorstellung von dem bleiernen Schimmer machen, den dieser Komet warf.«

John Herschel.

Nachschrift.

Wenn im Jahre 1910 der Komet von 1835 wieder erscheint, wird er uns

vielleicht nur um fünfundsiebzig Jahre älter finden. Was will das

heißen? Aber wen oder was wird sein ehrwürdiger Kollege auf der Erde

vorfinden, wenn er ihr im Jahre 4876 wiederum einen Besuch abstatten

wird? Vielleicht wird dann auch Frankreichs glänzende Hauptstadt

dahingeschwunden sein, wie es heute die großen Städte sind, die der

Komet bei seiner letzten Annäherung an die Erde sah: Troja, Ninive,

Theben und hundert andere, deren Namen mit ihren Ruinen nicht auf uns

gekommen sind. Möglich, daß tiefste Einsamkeit dort lagert, wo einst

Frankreich war, und daß sich Trauerweiden über dem Flusse schaukeln,

der einst die Seine hieß. Wird der Komet Frankreich mit Paris, England

mit London, Italien mit Rom nochmals zu sehen bekommen? Dieser Komet

mit seiner langen Umlaufszeit, der bis jetzt weder dieselbe Stadt noch

dasselbe Volk zum zweitenmal geschaut hat! Wenn in etwa fünfzigtausend

Jahren wir -- oder irgendwelche andere -- diese Erzählung fortsetzen

wollten, wird dann auch immer von neuen Dingen, die das Frühere

verdrängt haben, berichtet werden müssen und wird die Geschichte der

Erde jemals eine andere sein als die Geschichte von Umwälzungen und

Neueinrichtungen, die nicht von Dauer sind?

Die Kometen besitzen zwar nicht die Gabe der Weissagung. Da jedoch

der Verfasser dieser Schrift das Glück hat, einige Kometen zu seinen

Freunden zu zählen, und da er in dem heißen Sommer des Jahres 1811 noch

zu klein war, um sich selbst an den großen und stolzen Kometen jenes

Jahres wenden zu können, so erlaubte er sich erst ganz vor kurzem einen

blondgeschweiften Boten an den erhabenen Reisenden mit der Bitte zu

schicken, daß er ihm doch ganz im Vertrauen sagen lassen möchte, wie er

die Erde bei seinem nächsten Besuche zu finden hoffe. Und der Autor hat

das große Vergnügen, diese wahrhafte Geschichte mit einem angenehmen

Bescheid abschließen zu können. Der große Komet hat sich zwar nicht

ganz deutlich ausgedrückt -- man muß das zugestehen -- aber es ist

dies auch wieder ein Beweis für die hohe Stellung, die er einnimmt,

und ein Zeichen für seine große Klugheit. Er hat dem kleinen Kometen

also gesagt, er solle mit einem freudigen Gesicht zu dem sonderbaren

Astronomen, der ihn ausgesandt, zurückkehren. »Denn«, fügte er hinzu --

und das sind seine eigenen Worte --, »sage ihm, mein lieber Kleiner,

daß die Menschheit, die sich selbst schon so alt vorkommt, sich noch

in ihrer frühen Kindheit befindet. Sie hat noch ihre Kinderkrankheiten

durchzumachen. Aber nur nicht die Hoffnung verlieren! Ich möchte sogar

meinen Schweif wetten, daß es keine hunderttausend Jahre mehr dauern

wird, bis die Menschheit nicht nur zur Reife der Vernunft gelangt sein

wird, sondern auch unentgeltlichen und obligatorischen Unterricht,

allgemeines Stimmrecht, unabhängige republikanische Staatsverfassung,

Befreiung der Geister von jedem Druck, und schließlich Abschaffung

der stehenden Heere und endgültige Beseitigung der gegenseitigen

Abschlachtungen errungen haben wird.«

Das waren seine letzten Worte, die letzten Worte jenes wandernden

Gestirnes, das es wohl versteht, von seinem erhabenen Standpunkte aus

die Geschichte des irdischen Planeten und seiner menschlichen Bewohner

zu beurteilen. Man kann daraus entnehmen, daß wir schließlich in dem

ungeheuren Weltall zwar nur ein winziges Körnchen sind, daß wir aber

dennoch, wenn wir nur unsere Fähigkeiten richtig anzuwenden verstehen,

uns einen Wert erringen können, der uns über die Materie erhebt:

_Geistige_ Wesen zu werden, das muß, wie ja auch der Komet meinte, das

Endziel aller unserer Mühen sein.

Ende.

Flammarion, Komet und Erde.

Inhalt.

Seite

Einleitung 3

Erstes Kapitel. Erste Begegnung des Kometen mit der Erde 5

Zweites Kapitel. Umwälzungen auf der Erde 19

Drittes Kapitel. Morgenröte der Erde 35

Viertes Kapitel. Die vorpariserischen Pariser 50

Fünftes Kapitel. Im Orient 62

Sechstes Kapitel. Von der Sintflut bis zum Jahre 1811 74

Nachschrift 91

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Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die

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wurden jeweils ans Kapitelende verschoben.

Korrekturen:

S. 90: erst im → bis zum

{bis zum} Jahre 3343 wird er sich von der Sonne entfernen

Komet und Erde: Eine astronomische Erzählung · 第 6 / 6 段