Zirkus Busch

»Wann fängt es an?« Daß wir nur ganz pünktlich dort sind! Ich will

lieber den ersten Aufzug einer Theaterpremiere versäumen als die

Reiterin im Quastensattel. Es hieße eine Erinnerung schießen lassen.

Erstaunte, großaufgetane Augen bekommt man im Zirkus, und die Lippen

werden rot und runden sich. Und alle Menschen, die zugucken, sind

Kinder. Das ist es: Zugucken soll man.

Nach dem Steppenritt -- die liebenswürdige Schulreiterin im blauen

Tuchkleid; ihr folgen weißbegossene Pudel, zwei Clowns. Beim Müller

waren sie und wollen nun zum Bäcker in den Ofen. Hinter ihnen hilflos

der wirkliche August in spitzen, amerikanischen Lackschuhen,

gentlemanlike gekleidet. Auf einmal öffnet sich der Vorhang der oberen

kleinen Bühne. An stählernen Recken strecken sich schmiegsame

Menschenleiber, wie Katzen hin und her auf Samthänden und leisen Füßen.

Aber unten in der Manege stampfen schon die schwarzen Zigeunerpferde.

Ich liebe die Pferde. Es sind gestaltgewordene Sagen, Legenden, Märchen

aus Tausendundeiner Nacht. Wann setzen die wiehernden Paschas über den

Bankzaun, im Kreis den Sand aufwirbelnd zur Wolke! Ihre Nacken schmückt

der Halbmond mit dem Stern. Oben vom Gipfel des Zirkus braust ein

Marsch. Ich hörte ihn schon am Bosporus; Abdul Hamids Sohn hat ihn

vertont. -- -- --

Die Kristallkronen senken sich majestätisch, der bunte Riesenraum wird

zu einem Krönungssaal. Die Ringer warten schon vor der Halle. Schlanke

Königssöhne aus dem Norden, ihre Schultern sind dunkelvergoldet von der

Mitternachtssonne. Dichtungen werden Wahrheiten. Johannes Josefsson, ein

isländischer Achill, er führt den Heroentanz der Kraft auf. Ich muß an

den schönen Halbgott denken, noch zwischen den Indianern, Farmern und

Cowboys. Eine interessante Häuptlingspantomime. Man bekommt Lust,

mitzupantomimen. Ich halte die übliche verzuckerte Nußstange noch

unberührt in der Hand. -- --

Morgen Mittwoch acht Uhr, große Galavorstellung.

Gesichte: Essays und andere Geschichten · 第 70 / 87 题