Der Kohinoor meines Nachbars tanzt hin und her, macht Sprünge auf seinem
Zeichenblock wie die Clowns dort auf dem Rade. Jetzt nascht er von der
Chansonette im honiggelben Frack. Einige von den Umrissen leben auf dem
weißen Untergrund, neckisch, eckig hingeworfen, namentlich der eine von
der Clowniade ist _very fine_ getroffen. Ein Klatschwirbel holt _the
english artist_ auf die Bühne zurück. Was ist mit ihm geschehen! Seine
Stirn nach allen Richtungen hin zur Unförmigkeit aufgedunsen. Zweifellos
hat er die englische Krankheit mit herüber gebracht. Es gibt keinen
Spaß, den der nicht da gedacht hat, und ich muß ehrlich auch in diesem
Essay gestehen, es kommt nun noch dazu, daß ich die Brüder aus London
besonders mag, »ich hab' noch nie so gelacht wie heute!« Der Kohinoor
meines Nachbars lauscht zugespitzt; die zwei ehrwürdigen
Bordellmatronenwirtinnen vor mir erinnern sich gegenseitig ihres Amtes.
Geliebter und Geliebtin blicken sich zu in der Loge wie die schillernden
Demi-Monde auf dem Vorhang, der sich weltenseufzend spaltet und das
Gemach der Sultana enthüllt. Nackte Frauen steigen (obere, kleine Bühne)
aus ihrem Brunnenbade wie im wirklichen Harem eines Sultans. Am Fuß der
Treppe, die zum eigentlichen Gemach der Herrin führt, wacht der Wächter
armverschränkt. Endlich nahen die erfrischten Schönen, aber ihre Haare
duften nicht nach Pharaonenblüten, auch sind ihre Glieder keineswegs
ungelöste Geheimnisse. Und statt Sultana betritt Frau Betty das Gemach,
die Freundin des amüsanten Frauendoktors, ihres wohlsituierten Mannes
treue Tennispartnerin. Sie liest auch Romane -- -- schwüle mit
Betthimmelpointen und Daunenliederbordüren, und ich fürchte, daß die
Halbmonde der Dekoration vor Begierde rein zu Glotzmonden werden. Die
Freundinnen beginnen endlich, indes Sultana ihren Leib dem Divan und
dem Kissen gibt, mit ihren Tauchtänzen (kein Druckfehler),
Schleier-Eiertänzen, man vernimmt Arm- und Beingegackel. Der Wächter
tritt vor, er ist nicht »Asra«, er schreit nicht ia, furchtbar kracht
sein Wort, sein Antlitz bleich, sein Turban -- -- Blut. Die Tänzerinnen
vertanzen in den Keller. Jäh springt Sultana von ihrem Lager auf und
stößt auf Jargon von sich: »Was willst du von mir, Hund!« Der Sultan,
dein Gebieter hat es so befohlen. Betty du mußt sterben ... Und deine
Tändelei hört auf im Mondscheinvorhang. Leise nähert sich der Wächter
ihrem Ohre, aber Sultana wählt lieber den Tod, als daß sie sich, Sultana
bleibe stark, dem intriganten Schuften schenken mag. Diese
temperamentvolle Charakterfeste, warum gastiert sie nicht bei Gebrüder
Herrnfeld? Die zwei greisen Leopardinnen vor mir schnurren, der Kohinoor
meines Freundes fällt bleischwer zu Boden. Männer ergreifen auf die
Gebärde des Wächters erbarmungslos die Geprüfte. Arme schicke Betty,
tipptopp, peitschensiebenhiebenspaltig! Ob wir paar Geschworene im
Zuschauerraum auch von deiner Unschuld überzeugt sind -- -- es nützt
nichts. Markerschütternd verenden deine Hilferufe. Aber in weißen
Tennisschuhen und weißem Flanellhemd steht die Taube von Gatte am
Fußende des Ruhebetts. Statt der zunehmenden goldenen Viertel- und
Halbkugeln -- -- Tapetengeknospe. Wärter: »Sultana« ... und wieder ihr
Name leise verbettelnd: Ein Tropfen des Turbans klebt auf der
aufgeschlagenen Seite des Romans.
Wie eine Erlösung nun das Konzert auf dem Banjo der _lovely_, _sweet_
Miß, ihr Spiel verbreitet hellen, herben Zauber. Und nach ihr der
musikalische Clown mit der Entennase, er verabreicht kurzweg ein Konzert
auf den Messingknöpfen eines Schirmständers, ich habe mich in der Zeit
verliebt in ihn, -- -- -- mein Herz sprach immer schon für einen August,
über den man sich totlacht. Und Euch sparte ich mir bis zuletzt auf,
edle, blonde Senora Fornarina, ich möchte Euch etwas besonders Schönes
sagen, goldene Traube Spaniens.