Er versäumt den Tag, und die Dunkelheit erreicht er, wenn es zu spät
ist. Aber er träumt noch schnell unter dem verschwindenden Mond. Einmal
kam Peter Baum barhäuptig im Januar ins Theater gegangen, draußen waren
15 Grad Zerfahrenheit. Einmal steckte er seine brennende Zigarre in die
Hosentasche, später meinte Peter Baum -- daß es nicht die Kartoffeln auf
dem Feld gegenüber wären, aber daß seine Lende versenge. Und doch hat
St. Peter Hille einmal gesagt: Peter Baum sei der sensibelste Mensch,
den er je kennen gelernt habe. Peter Baum ist ganz blau. Das heißt
übersetzt: Er ist ein Dichter. Sternenpsalme hat er gedichtet für die
Harfe Davids, für das Herz Salomos, des Dichterkönigs von Juda. Und doch
ist Peter Baum der leibliche Sohn und Erbe des Evangeliums. Seine Väter
waren die Herren von Elberfeld im Wupper-Muckertale. Sie beteten zu
Luther und wachten auf in Sonntagsfrühe beim ersten Schrei des
Kirchenhahns. Manchmal erscheinen sie ihrem Urenkel im Schlafe, weniger
der jüdischen Psalme, aber seines abtrünnigen Romans »Spuk« wegen. Es
ist ein Roman im Kaleidoskop; die Bilder kommen buntartig und schwinden
blendend wie teuflische Spiegel. Ein flackerndes Fleckenspiel hinter
geschlossenen Augen. O, und seine wundervollen Novellen »Im alten
Schloß« brachte er mir eines Abends; seine große Tannengestalt erschien
mir noch eine Krone höher, so aufwärts wie der Graf seines Buches, ein
wetternder Weihnachtsbaum, der seinen Schmuck abgeschüttelt hat. Die
Wochenschrift »Sturm« wird Peter Baums neuestes Werk bringen, das spielt
zur Rokokozeit und ist in geblümter Seidensprache geschrieben. Wie tief
seine Dichtungen doch ihn erleben und er sich an ihnen verwandelt!