Von _B. Voigtländer_

Den Ausführungen Klengels in Heft 10 bis 12 des vorigen Jahrganges

unsrer Mitteilungen wird jeder Natur- und Heimatfreund zustimmen;

der Nußbaum ist tatsächlich nicht nur ein wertvoller Nutzbaum,

sondern er befriedigt auch unser Schönheitsgefühl durch seinen hohen

Schmuckwert. Da wir jetzt gezwungen sind, das Größtmöglichste aus

unserem Boden herauszuwirtschaften, möchte ich noch auf einen anderen,

weniger bekannten Nußbaum hinweisen, der wegen seiner hervorragenden

Eigenschaften die gleiche Beachtung verdient, wie der bei uns zumeist

angepflanzte gewöhnliche oder Walnußbaum, ~Juglans regia~.

Es ist der amerikanische oder schwarze Nußbaum, ~Juglans nigra~; er

übertrifft in Schnellwüchsigkeit und Schmuckwert den Walnußbaum, ist

für unser Klima genügend hart und stellt keine höheren Ansprüche an die

Bodenbeschaffenheit. Seine Schnellwüchsigkeit ist in dendrologischen

Werken und Fachzeitschriften wiederholt dargelegt worden, außerdem bin

ich in der Lage, ein treffliches Beispiel dafür aus eigener Anschauung

anzugeben. Der Tharandter Forstgarten besitzt je einen, vor etwa

dreißig Jahren gepflanzten Baum beider Arten. Während nun ~Juglans

nigra~ in Brusthöhe bereits einen Umfang von ungefähr einen Meter

hat, mißt ~Juglans regia~ erst gegen siebzig Zentimeter. Hierzu kommt

noch, daß ersterer gegen fünfzig Meter hoch wird, während der letztere

selten eine Höhe über zwanzig bis fünfundzwanzig Meter erreicht. An

Holzzuwachs übertrifft also der schwarze Nußbaum den Walnußbaum ganz

erheblich.

~Juglans nigra~ hat eine schmälere Krone als ~Juglans regia~, seine

schmäleren Blätter stehen nicht so dicht, lassen also mehr Sonnenlicht

durch die Krone. Die Anpflanzung wird sich also namentlich dann

empfehlen, wenn die pflanzliche Umgebung des Baumes durch zu tiefen

Schatten, wie ihn der Walnußbaum meist gibt, ungünstig beeinflußt

würde. Einen Mangel hat der Baum allerdings; seine Früchte sind

nicht so wertvoll wie die des Walnußbaumes. Da Schale und Kernhaus

sehr dickwandig sind, bleibt für den Inhalt nicht viel Raum; der

Kern bleibt klein und wird zudem wegen seines starken Ölgehaltes

sehr leicht ranzig. Dieser Nachteil will mir aber nicht als

ausschlaggebend erscheinen, da ich die Früchte des Walnußbaumes nicht

als Nahrungsmittel, sondern nur als Naschgelegenheit ansprechen möchte.

Meines Erachtens wiegt der hohe Wert, den der schwarze Nußbaum als

Nutzholzerzeuger hat, den Mangel der Früchte mehr als doppelt auf. Das

Holz des amerikanischen Nußbaumes wird in Zukunft noch mehr begehrt

werden als schon jetzt, weil es ein sehr wertvoller Stoff für die

Herstellung von Flugzeug-Propellern ist.

Auch in bezug auf Anpflanzung und Pflege ist die amerikanische Nuß

nicht anspruchsvoller als die gewöhnliche Walnuß. Am besten fährt man,

wenn man den Baum nicht pflanzt, sondern die Nüsse an Ort und Stelle

legt. Die beste Zeit dafür ist der Herbst; man erreicht dadurch,

daß ungefähr achtzig vom Hundert zum Keimen kommen, während bei der

Frühjahrssaat nur bei etwa sieben vom Hundert ein Erfolg eintritt.

Ist man gezwungen, einen amerikanischen Nußbaum zu verpflanzen, so

achte man darauf, daß das sehr fleischige und leicht eintrocknende

Wurzelwerk vollständig erhalten bleibt, auch setze man es nicht unnötig

lange der Luft und Sonne aus, sondern pflanze den Baum sofort wieder

ein. Dies gilt übrigens für beide Nußbaumarten. Beachtet man diese

Hauptregel, so wird man kaum Verluste zu beklagen haben.

Es könnte noch die Frage auftauchen, ob nicht etwa das Vaterlandsgefühl

verletzt würde, wenn man _amerikanische_ Nußbäume zahlreich anpflanzte.

Dem ist aber entgegenzuhalten, daß der Walnußbaum in unsrer engeren

Heimat von Haus aus auch nicht bodenständig ist. Dem Dresdner

Heimatfreunde bietet sich Gelegenheit, einen sehr großen amerikanischen

Nußbaum an der Villa 78 an der Schnorrstraße zu bewundern. Er ist

wahrscheinlich der größte derartige Baum von Dresden und der weiteren

Umgebung.

Fußnoten:

[11] Da ~Juglans nigra~ wegen des prächtigen Wuchses trefflich

geeignet ist, das Landschaftsbild verschönern zu helfen,

kann die Anpflanzung nur empfohlen werden. Die Frucht ist

zwar weniger wertvoll, um so gesuchter ist aber das Holz.

Vor dem Kriege wurde es in großen Mengen eingeführt, um zur

Herstellung von Gehäusen elektrischer und photographischer

Apparate verwendet zu werden. Es würde ein Dienst am

Vaterlande sein, wenn es gelänge, durch eigene Erzeugung

die Einfuhr einzuschränken. Der Baum würde in erster Linie

zur Holznutzung in Frage kommen; die Fruchtgewinnung stünde

erst an zweiter Stelle. Da, wie bereits erwähnt, die

Frucht des schwarzen Nußbaumes weniger wertvoll ist als

die des Walnußbaumes, eignete er sich vielleicht gut zur

Anpflanzung an abgelegeneren und schwerer zu überwachenden

Orten, denen man, wegen des zu erwartenden Fruchtdiebstahls

und der daraus regelmäßig entstehenden Beschädigung der

Bäume, Walnußbäume nicht anvertrauen will.

A. Klengel.

=Über das Vorkommen der Weidenmeise= (~Parus atricapillus salicarius

Brehm~) =in unserm Vaterlande=

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XI, Heft 4-6 · 第 51 / 65 题