Das Innere solcher schönen Landkirchen sollte man, wie es bei
katholischen Kirchen meist üblich ist, durch Offenhalten einer Pforte
in eine _gesteigerte, lebensvolle Verbindung_ bringen, nicht nur für
Glieder der Gemeinde, sondern auch für von fremdher kommende Freunde
der Natur und Kunst, zum Erleben frei erwählter Ruhe- oder Weihestunden.
Deshalb möchten dem Wunsche derer, die vom Alltagsleben abgesondert, in
frischfreier Natur auf friedvoller Stätte ein Kircheninneres betreten
wollen – zum weilen und ruhen – keine Schranken entgegenstehen.
Sollte nicht so manches Glied der Gemeinde – wenn der rechte Zeitpunkt
hierzu gekommen – das Verlangen haben, auch im Alltagsgewand den
Raum der Kirche zu betreten, zum Verbringen einer stillen Stunde,
zum Nachsinnen – zur eigenen Erbauung des inneren Menschen? – zur
Wachrufung sich vernebelnder Erinnerungen? – – –
Es ändern die Zeiten die Wohnstätten, das Dorf und seine Bewohner, –
Häuser alter Urahnen und Ahnen lassen sie verschwinden. –
Hier und da birgt das altehrwürdige Gotteshaus _die hohen Werte
urväterlicher Schaffenslust und kunstfröhlicher Gestaltungskraft_.
Diese Werte und ihre Entstehungszeiten sprechen zu uns in einer so
treuherzigen, wahren Art, daß wir vermeinen mit Urahnen und Ahnen
wieder verbunden zu sein. Ihre stumme Sprache bedingt eine feierliche
Ruhe, um all die lieben Erinnerungen ernster und freudiger Art auslösen
zu können für so manchen, dessen Werdegang von der Taufe bis ins hohe
Alter mit dieser Stätte, diesem Raum, in enger Verbindung gestanden
hat. – – –
Je nach Herzens- und Gemütsstimmung dürfte jenen und anderen die
_unverschlossene Gotteshalle_ Anlaß bieten, eine besondere Feierstunde
in ihr zu erleben.
Und wenn zur rechten Abendstunde aus dem offenen Kirchenherzen der
Orgel entströmende volkstümliche Weisen dringen könnten, hinab in den
Ort, weit in das Land – – – – – so manches Menschenkind würde – bewußt
oder unbewußt – dann solcher Töne lauschen oder angeregt durch deren
Macht, mitsingen, – sein Sinnen aufwärts lenken, himmelan.
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_Nachsatz._ Die einfache, schöne Bertsdorfer Gotteshausanlage,
deren spitzbogige Maßwerkfenster als Nachklänge des Mittelalters in
romantische Harmonie treten mit dem barocken Einschlag der Altar-
und Kanzelformung, und deren Urheberschaft wahrscheinlich zu danken
ist dem genialen, vielseitig tätig gewesenen Dresdner kurfürstlichen
Hofarchitekten Wolf Caspar von Klengel, erhebt dieses Werk zu einem
Bindeglied der Reihe hochbedeutender Bauschöpfungen jener Zeit, die
unter Klengels Leitung zur Ausführung kamen, beziehentlich begonnen
wurden.
Diese Bauepoche, während welcher unter anderen die erste Anlage des
Großen Gartens und der Bau des darin gelegenen prächtigen Lustschlosses
erfolgte, zeitigt im letzten Viertel des siebzehnten Jahrhunderts den
Anfang zu den baukünstlerischen Großtaten in Dresden und diejenige
Baukultur in der Oberlausitz, der wir die bedeutenden Werke des
»Zittauer Barocks« in der Hausbau- und Denkmalkunst verdanken und die
fortlebte bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts.
Mit dem Beginn einer einsetzenden schulmäßigen Ausbildung Bauberufener
in fernliegenden Großstädten, verlor die örtliche altmeisterliche
Kunstübung ihre Kraft und Eigenheit, bis sie schließlich unterging
in den Wellen neuer Zeit- und Kunstströmungen, welche zu neuem Leben
erweckten die »klassischen Künste«, in deren strengem Geiste nach
Friedrich Schinkels Plänen als Umbau errichtet und vollendet wurde die
1837 geweihte
St. Johanniskirche in Zittau.