V. Der Schutz der Postzeichen

Um die Erhaltung der Postsäulen bemühen sich heutzutage in erster

Linie die staatlichen Stellen für Denkmalpflege und der Landesverein

Sächsischer Heimatschutz; das große Inventarisationswerk von Steche und

Gurlitt, dessen zahlreiche Bände um die Jahrhundertwende erschienen,

führt bereits eine Anzahl der Postzeichen mit auf, und die Mitteilungen

des Landesvereins und der Sächsischen Volkskunde haben mehrfach

ergänzende Bemerkungen gebracht.

Neben dieser allgemeinen Fürsorge hat aber erfreulicherweise an vielen

Orten auch das Interesse der Bewohnerschaft sich dem Einzelstück

zugewendet. In und außerhalb Sachsens sind seit altersher besonders

die wappengezierten Distanzobelisken als besonderer Kunstbesitz

gepflegt und nach Art eines Denkmals mit Promenadenanlagen oder

architektonischer Umgebung in Verbindung gebracht worden. Gerade kleine

Städtchen, wie zum Beispiel Bärenstein bei Glashütte oder Wittichenau

im Preußischen, die über keine anderen Kunstwerke an der Straße

verfügen, haben sich des eigenartigen Erbstücks aus Sachsens Vorzeit

mit doppelter Fürsorge angenommen.

Manche Säule hat dabei infolge von Straßenregulierungen einen andern

Platz erhalten und ist sorgsam wieder aufgestellt worden. So ist der

Radeburger Distanzobelisk vom Markt an die Friedhofstraße versetzt

worden und diejenigen von Frohburg, Mügeln und Pirna stehen sogar schon

am dritten Platz. Eine weitere Distanzsäule, die wir in Pirna am Elbtor

auf dem großen Gemälde Canalettos (Nr. 627 der Dresdner Staatsgalerie)

abgebildet finden, ist dagegen spurlos verschwunden.

Abgesehen von kleinen Ausbesserungen beobachten wir auch Ergänzungen

zerbrochener Steine, zum Beispiel in _Neustadt_ an der Distanzsäule

oder am Viertelmeilenstein von _Dohna_. An anderer Stelle, wie

in _Dippoldiswalde_ und _Klaffenbach_, ist die Platte eines

Viertelmeilensteines und im Zeithainer Truppenlager kürzlich das

Hauptstück einer Halbmeilensäule ohne neuere Zutat aufgestellt

worden (Abb. 6). Zufällig erfuhr ich, daß ein Denkstein mit Posthorn

und Namenszug ~A. R.~, auf den im übrigen die Beschreibung der

Halbmeilensäule paßte, weit draußen an der früheren Kröbelner Straße

auf dem Truppenübungsplatz liege; noch vor den Revolutionswirren gelang

es durch Briefwechsel mit der Kommandantur das seltene Stück ausfindig

zu machen und im Lager zu bergen. Es wurde später an der Planitzstraße

im Kiefernwald von neuem aufgestellt und bildet mit dem besser

erhaltenen Wermsdorfer Stück den einzigen Rest dieser hermenartigen

Halbmeilensteine.

Eine Erneuerung des farbigen Anstrichs oder eine Bemalung und

Vergoldung der gekrönten Wappenschilder haben viele Distanzsäulen

erhalten; besonders eigenartig nimmt sich das bunte Wappenstück dann an

den roten Porphyrsteinen der Rochlitzer Gegend aus.

Nicht alle solche späteren Eingriffe zeugen von wirklicher Sachkunde.

So wurden beispielsweise die beiden Freiberger und die Altenberger

Distanzsäulen zweifellos durch nachträgliche Einmeißelungen

verunstaltet, während die langen Listen der alten Ortsentfernungen,

die anderwärts noch völlig lesbar dastehen, hier wohl teilweise

geglättet wurden. Das staatliche Denkmalpflegamt sucht deshalb heute

solche willkürliche Veränderungen zu verhindern und bei geplanten

Erneuerungsarbeiten durch sachverständigen Rat mitzuwirken.

Auch diese literarische Zusammenstellung, die sich neben archivalischen

Studien auf jahrelange Wanderfahrten und persönliche Besichtigungen

stützt und zur Anlegung einer photographischen Bildersammlung führte,

möge dazu beitragen, das Interesse an dem zweihundertjährigen

Kunstbesitz unsrer engeren Heimat zu verbreiten und diesen eigenartigen

Denksteinen einer glanzvollen Fürstenzeit noch einen recht langen

Bestand zu sichern.

_Anlage ~A~ und ~B~._

~A.~ Verzeichnis der vorhandenen Postmeilensäulen

~a~) Distanzsäulen in Sachsen

1. _Altenberg_ [1722], an der Hauptstraße, gegenüber dem alten

Amtshof. _Sächsische Volkskunde_ 1902, S. 256. _Schmidt_,

Kursächsische Streifzüge, Band IV, S. 301.

2. _Bärenstein_ [1734], bei Glashütte am Markt. Literatur wie

bei Nr. 1.

3. _Berggießhübel_ [1727], am Straßenkreuz. Sächsische

Volkskunde 1902, S. 312.

4. _Dohna_ [1731], an der Lesche- und Antonstraße. Sächsische

Volkskunde 1902, S. 312. Über Berg und Tal, Band VII, 1902

bis 1905, S. 125 und S. 131 (vollständige Inschrift).

5. _Elstra._ Gurlitt, S. 40. Bruchstück mit wohlerhaltenem

Wappen, vorläufig im Rathaus aufbewahrt.

6. _Elterlein_ [1729], an der Gabelung der Zwönitzer und

Grünhainer Straße, westlich des Marktes.

7. _Freiberg I_ [1723]. Einmündung der Annaberger und

Chemnitzer Straße. Literatur wie bei Nr. 1 und 3.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XI, Heft 4-6 · 第 17 / 65 题