Auf 100 Personen der Gesamtbevölkerung kamen Dienstboten in

Länder | 1811/19 | 1847/49 | 1861/66 | 1871 | 1880 | 1882 | 1885

----------------+---------+---------+---------+------+------+------+------

Preußen | 0,9 | 1,1 | | | | 3,2 |

Hamburg | 10,5 | | 12,1 | 7,5 | 6,3 | 5,7 | 4,8

Oldenburg | | | | 3,1 | 2,4 | | 2,5

Sachsen | | | 2,2 | | | 2,7 |

Bayern | | 0,9 | | | | 1,7 |

Mecklenburg | | | | 3,6 | | 2,2 |

Hessen | | | 2,77 | 2,50 | | 1,94 |

Sachsen - | | | | | | |

Altenburg | | | 2,1 | | | 1,7 |

Sachsen - | | | | | | |

Weimar | | | 2,4 | | | 1,5 |

Schwarzburg- | | | | | | |

Sondershausen | | | 2,0 | | | 1,6 |

So unzulänglich und wenig beweiskräftig auch diese Zusammenstellung

ist, so geht doch aus ihr schon hervor, daß auch dieser proletarische

Frauenberuf,--der älteste vielleicht, den es überhaupt giebt,--im

letzten Drittel des 19. Jahrhunderts anfing, einer Umwandlung

entgegenzugehen, die sich im weiteren Verlaufe der Zeit immer deutlicher

ausprägt. Die wirtschaftliche und die soziale Entwicklung drängt eben

immer stärker dazu, diejenigen Frauenberufe, die früher als die fast

einzigen angesehen wurden und die in mehr oder weniger direkter

Beziehung zum Hause und zur Hauswirtschaft standen, durch andere zu

entwerten und abzulösen.

Als ein ganz moderner Beruf, dessen rapide Ausbreitung in die jüngste

Zeit fällt, ist der der Verkäuferinnen anzusehen. Während die

fachmännisch vorgebildeten weiblichen Handelsangestellten meist aus

bürgerlichen Kreisen stammen, strömen dem Beruf der ungelernten

Verkäuferinnen immer mehr Proletariertöchter zu. Diese Bewegung begann

schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts, aber es blieb bei vereinzelten

Fällen. Erst als Schichten der Arbeiter sich durch Bildung und höhere

Lebenshaltung, infolge besserer Arbeitsbedingungen, aus den Massen

emporhoben, konnten sie für ihre Töchter an Stellungen denken, die ein

gewisses Maß von feinerer Lebensart erforderten, und, äußerlich

betrachtet, einige Stufen höher standen, als die der Fabrik- oder

Werkstattarbeiterin. Wer näher zusah, bemerkte freilich vor lauter

Schatten kaum mehr das Licht: niedriger Lohn und Ausbeutung bis zum

äußersten gingen meist Hand in Hand und das enorm rasche Anwachsen der

Zahl der Verkäuferinnen war leider großenteils darauf zurückzuführen,

daß sie sich Bedingungen unterwarfen, die jeder Mann mit Entrüstung von

sich wies. Sie thaten es nicht nur aus einer gewissen naiven Unkenntnis

dessen, was sie hätten beanspruchen können, sondern auch im scharfen

Konkurrenzkampf gegen die vielen Mädchen aus dem Mittelstand, die, weil

sie Anschluß an ihre Eltern oder ein eigenes kleines Einkommen hatten,

mit jedem Lohn, der ihnen nur ein Taschengeld war, sich zufrieden gaben.

Die Zunahme der proletarischen Frauenarbeit im 19. Jahrhundert

beschränkt sich auf die Industrie und den Handel. Sie ist hier wie dort

eine rapide. Für die Industrie wird sie durch die großartige

Entwicklung der Technik unterstützt, ja vielfach überhaupt erst durch

sie ermöglicht. Das wachsende Mißverhältnis zwischen dem Einkommen der

Männer und den Bedürfnissen der Familie trieb die Frauen zur Lohnarbeit;

durch ihren massenhaften Eintritt in das Erwerbsleben übten sie jedoch

wieder einen Druck auf die Löhne aller aus. Sie befinden sich demnach in

einem Zirkel, aus dem ein Entrinnen unmöglich scheint.

Die Abnahme der proletarischen Frauenarbeit in der Landwirtschaft und im

Hausdienst ist teils auf ökonomische Motive,--niedrige Löhne und lange

Arbeitszeit,--teils auf psychologische,--das Freiheits- und

Freudebedürfnis erwachender Individualitäten,--zurückzuführen, und bei

oberflächlicher Betrachtung gewinnt man den Eindruck, als sei dem

entstehenden Mangel an Arbeitskräften in beiden Berufsgebieten

ebensowenig abzuhelfen, wie dem Ueberangebot in Handel und Industrie.

Die Erwerbsarbeit der Frauen war schon vor dem 19. Jahrhundert eine

bekannte Erscheinung gewesen, aber sie bewegte sich im großen und ganzen

in den Grenzen des Hauses und dessen, was man unter spezifisch

weiblicher Arbeit verstand. Ihr massenhaftes Heraustreten aus dem Hause,

ihr Zusammenströmen in den Betrieben der Großindustrie, ihre durch die

Maschine bedingte veränderte Organisation, die die Frau von der Stellung

eines gewissermaßen selbständigen Handwerkers, der seine Arbeit in all

ihren Teilen allein ausführte, zur Teilarbeiterin und Bedienerin der

Maschine herabsinken ließ, rief eine Umwandlung hervor, die einer

Neuschöpfung gleich kam. Die moderne Proletarierin hat mit der

Arbeiterin vergangener Zeiten nicht mehr viel gemein. Und sie hat vieles

vor ihr voraus. Denn die Maschine, die sie in Not und Elend stürzte,

hilft ihr auch, sich daraus zu befreien. Ohne sie wäre die Frau stets in

ihrer allen Fortschritt hemmenden Vereinzelung geblieben. Durch sie

wurde sie dem Heere der Proletarier eingegliedert, der reiche Strom

ihrer Liebe und ihres Mitempfindens wurde über den Kreis der Familie

hinausgeführt; sie lernte leiden mit ihren Arbeitsgenossen, und wird mit

derselben Hingebung auch mit und für sie kämpfen lernen, mit der sie

einst nur für ihr eigen Fleisch und Blut gekämpft hat.

5. Die Statistik der proletarischen Frauenarbeit nach den letzten

Zählungen.

Um ein klares Bild des gegenwärtigen Standes der proletarischen

Frauenarbeit zu gewinnen, gilt es zunächst, ihre Ausbreitung zahlenmäßig

festzustellen. Diesem Bestreben stellen sich jedoch große

Schwierigkeiten entgegen: die Erhebungen der verschiedenen Länder sind,

was ihre grundlegenden Prinzipien sowohl wie die Art ihrer Ausführung

betrifft, so abweichend voneinander, daß eine Zusammenstellung

internationaler Ergebnisse nicht zu unbedingt richtigen Resultaten

führen kann. Selbst wenn wir uns im wesentlichen auf Deutschland,

Oesterreich, Frankreich, England und die Vereinigten Staaten

beschränken, haben wir es mit ganz ungleichartigen Zählungen zu thun.

Schon der Begriff der Berufsthätigen überhaupt ist kein feststehender,

Deutschland und Oesterreich zählen, zum Teil in hohem Maße, die

mithelfenden Familienangehörigen dazu, während England z.B. sie

vollständig ausscheidet. Ferner ist in Frankreich, England und

Nordamerika die erste Voraussetzung einer Zählung der proletarischen

Arbeit dadurch nicht erfüllt, daß die soziale Schichtung, d.h. die

Einteilung der Berufsthätigen in Selbständige, Angestellte, Arbeiter

u.s.w., ganz fehlt oder sehr unzureichend ist. Frankreich, das in den

allerdings ungenügenden Zählungen von 1881 und 1891 die soziale

Schichtung in Unternehmer, Angestellte und Arbeiter vorgenommen hatte,

ist in der Zählung von 1896 davon abgegangen und hat Angestellte und

Arbeiter unbegreiflicherweise wieder zusammengeworfen, sodaß sie, trotz

ihrer sonstigen Vorzüge, für unseren Zweck nur mit Einschränkungen

brauchbar ist. England kennt nur die Einteilung in Arbeitgeber,

Arbeitnehmer und auf eigene Rechnung Arbeitende, und auch diese erst in

der letzten Zählung von 1891, der von 1881 fehlt fast jede Einteilung,

und nur die große Detaillierung der Arbeitszweige ermöglicht eine

annähernd richtige Feststellung der proletarischen Arbeit. Dasselbe gilt

für Nordamerika, wo die soziale Schichtung so gut wie vollständig fehlt

und nur die Ausführlichkeit in der Darstellung der einzelnen Berufe

darüber hinwegzuhelfen vermag. In Oesterreich, zum Teil auch in

Deutschland, sind die letzte und die vorletzte Zählung nach so

verschiedenen Prinzipien erfolgt, daß auch hier ein Vergleich schwer

ist.

So hat man in Oesterreich neben den Selbständigen, Angestellten und

Arbeitern eine vierte Schicht, die der Tagelöhner geschaffen, die bei

internationalen Vergleichungen sehr störend wirkt, weil sie sich in

dieser Form nirgends wiederfindet. Eine weitere Schwierigkeit besteht

darin, daß der Begriff der "Selbständigen" ein sehr schwankender ist.

Die deutsche Statistik versteht darunter sowohl die Besitzer

landwirtschaftlicher Zwergbetriebe, als jede Näherin oder Putzmacherin,

die auf eigene Rechnung arbeitet. Die Betriebszählung hilft diesem

Uebelstande zum Teil ab, und man kann wenigstens mit ihrer Hilfe die

ausgesprochen proletarischen Existenzen aussondern. Unmöglich dagegen

ist es in England, wo die Schicht der "auf eigene Rechnung Arbeitenden"

die große Schneiderin, ebenso wie die arme Näherin umfassen kann; und in

Frankreich wieder hat man die Kleinmeister (petits patrons), die früher

besonders berechnet wurden, in der letzten Zählung ohne weiteres den

Arbeitern zugezählt. Ganz abgesehen von all diesen Bedenken in Bezug auf

die einzelnen Länder, gilt für alle das gleiche: daß nämlich gerade die

proletarische Frauenarbeit in ihrem ganzen Umfang schwer zu erfassen

ist; teils versteckt sie sich in fast unerreichbare Erden- und

Häuserwinkel, teils sind die befragten Frauen selbst zu schwerfällig und

unaufgeklärt, um genaue Antworten geben zu können. Die folgenden

Tabellen, die auf Grund eines so unzureichenden Materials

zusammengestellt wurden, machen daher nicht den Anspruch, den Stand der

proletarischen Frauenarbeit unbedingt richtig wiederzugeben.

Eine Betrachtung der proletarischen Arbeit im Verhältnis zur

Erwerbsthätigkeit überhaupt giebt den besten Begriff für ihre Bedeutung.

| | | || |Davon ||Auf 100 erwerbs-

| Zähl |Erwerbs-|Davon ||Erwerbs-|waren ||thätige Männer

| ungs-|thätige |waren ||thätige |Arbeite-||resp. Frauen

Länder |periode| Männer |Arbei- ||Frauen |rinnen || kamen

| | |ter || | ||Arbei-|Arbeite-

| | | || | || ter | rinnen

-----------+-------+--------+-------++--------+--------++------+--------

| | | || | || |

Deutschland| 1882 |13415415|8020114|| 5541517| 4408116|| 59,78| 79,55

" | 1895 |15531841|9295082|| 6578350| 5293277|| 59,85| 80,47

| | | || | || |

Oesterreich| 1880 | 6823891|3670338|| 4688687| 3642864|| 53,79| 77,69

" | 1890 | 7780491|4363074|| 6245073| 5310639|| 56,07| 85,04

| | | || | || |

Frankreich | 1881 |10496652|4376604|| 5033604| 3635802|| 41,69| 72,23

" | 1891 |11137065|4990635|| 5191084| 3584518|| 43,91| 69,05

| | | || | || |

Verein. | 1880 |14744943|7053702|| 2647157| 2041466|| 47,84| 77,12

Staaten | 1890 |18821090|8735622|| 3914571| 2864818|| 46,41| 73,18

| | | || | || |

England u. | | | || | || |

Wales | 1891 | 8883254|5368965|| 4016230| 3113256|| 60,44| 77,51

Zunächst geht aus der Zusammenstellung hervor, daß die Frauenarbeit

überhaupt einen ausgesprochen proletarischen Charakter hat: etwa drei

Viertel aller erwerbsthätigen Frauen sind Arbeiterinnen. Wenn das

übrigbleibende eine Viertel bisher in der Frauenbewegung allein zu Worte

kam und sich mit seinen Wünschen in den Vordergrund zu drängen

verstand, so ist dies ein Beweis mehr für die traurige Lage der

Arbeiterinnen: sie bildeten jene große Armee der Stummen, denen die Not

den Mund verschloß. Für ihre Zunahme scheint die vorstehende Tabelle

nicht zu sprechen; nur in Deutschland und Oesterreich verschiebt sich

der Anteil der Arbeiterinnen am weiblichen Erwerbsleben zu ihren

Gunsten; in Frankreich und Nordamerika findet ein Rückgang statt, der

sich für Frankreich sogar in den absoluten Zahlen ausdrückt. Diese

frappierende Thatsache, die uns nur in Frankreich begegnet, wird durch

die Zählung von 1896 berichtigt, da hier nur eine relative und zwar sehr

geringfügige Abnahme zu konstatieren ist. Da sie jedoch, wie gesagt,

Arbeiter und Angestellte zusammenrechnet, müssen beide Kategorien, um

einen Vergleich zu ermöglichen, auch für 1891 zusammengezählt werden.

Das Resultat ist folgendes:

| | | || |Davon ||Auf 100 erwerbs-

| Zahl |Erwerbs-|Davon ||Erwerbs-|waren ||thätige Männer

| ungs-|thätige |waren ||thätige |Arbeite-||resp. Frauen

Land |periode| Männer |Arbei- || Frauen |rinnen || kamen

| | |ter und|| |und An- ||Arbei-|Arbeite-

| | |Ange- || |gestell-|| ter | rinnen

| | |stellte|| |te ||

-----------+-------+--------+-------++--------+--------++------+--------

| | | || | || |

Frankreich | 1891 |11197065|5563898|| 5191084| 3735904|| 49,96| 71,97

" | 1896 |11725978|8290204|| 6152983| 4287006|| 70,61| 69,67

Was Amerika betrifft, so wird die Verschiebung in der Zusammensetzung

der Erwerbsthätigen aus bürgerlichen und proletarischen Elementen durch

die Zunahme der ersteren, infolge des starken geistigen Aufschwungs und

der erheblich gesteigerten Anteilnahme der Frauen an bürgerlichen

Berufen im Laufe des zehnjährigen Zeitraumes zur Genüge erklärt. Aber

noch eine andere Thatsache springt aus der vorliegenden Tabelle ins

Auge: Die enorme Vermehrung der proletarischen Frauenarbeit in

Oesterreich; sie hat um fast zwei Millionen zugenommen und übersteigt

die Zahl der männlichen Arbeiter um ca. eine Million--ein nirgends

wiederkehrendes Verhältnis! So wenig Wert, der verschiedenen angewandten

Methoden wegen, auf den Vergleich beider Zählungsresultate zu legen ist,

so wichtig bleibt das Ergebnis der letzten Zählung, mit dem wir uns noch

werden beschäftigen müssen. Hier sei nur darauf hingewiesen, daß es

hauptsächlich dem Umstand der starken Erfassung der verheirateten

arbeitenden Frauen entspringt und zweifellos Fehler schwerwiegender Art

mit untergelaufen sind.

Die Frage des Wachstums der proletarischen Arbeit muß aber noch von

anderen Seiten beleuchtet werden, und zwar zunächst im Vergleich mit dem

Wachstum der Bevölkerung:

|Auf 100 männ- |Auf 100 weib- |Auf 100 |Auf 100

|liche Personen|liche Personen|Arbeiter |Arbeiterinnen

Länder |der ersten |der ersten |der ersten |der ersten

|Zählungs- |Zählungs- |Zählungs- |Zählungs-

|periode |periode |periode |periode

|kommen in der |kommen in der |kommen in der|kommen in der

|zweiten |zweiten | zweiten |zweiten

-----------+--------------+--------------+-------------+-------------

Deutschland| 115 | 114 | 116 | 120

Oesterreich| 108 | 108 | 119 | 147

Frankreich | 101 | 102 | 114 | 99

Vereinigte | | | |

Staaten | 126 | 124 | 124 | 140

Aus vorstehender Berechnung geht hervor, daß eine normale Zunahme der

Arbeiter, d.h. eine, die der Zunahme der Bevölkerung entspricht, nur

soweit die Männer in Betracht kommen und zwar bloß in Deutschland und

Nordamerika stattgefunden hat. Die Zunahme der Arbeiterinnen ist überall

eine anormale, sie übersteigt, mit Ausnahme von Frankreich, zum Teil,

und wie in Oesterreich um ein Bedeutendes, die Zunahme der weiblichen

Bevölkerung. In Frankreich ist die Differenz keine sehr große, ja es

zeigt sich auch hier eine weit stärkere Zunahme der weiblichen

Arbeiterschaft, als der weiblichen Bevölkerung, wenn wir der Berechnung

die Zählungen von 1891 und 1896 zu Grunde legen.

|Auf 100 männ- |Auf 100 weib- |Auf 100 |Auf 100 Ar-

|liche Personen|liche Personen|Arbeiter |beiterinnen

Land |der Zählung |der Zählung |der Zählung|der Zählung

|von 1891 kamen|von 1891 kamen|von 1891 |von 1891

|1896[463] |1896 |kamen 1896 |kamen 1896

-----------+--------------+--------------+-----------+-----------

Frankreich | 100 | 100,35 | 151 | 115

Für England ist es unmöglich, den Fortschritt der proletarischen

Frauenarbeit allein festzustellen, weil nur die letzte Zählung eine

soziale Schichtung kennt. Betrachten wir die gesamte erwerbsthätige

weibliche Bevölkerung über zehn Jahr in ihrem Verhältnis zur weiblichen

Bevölkerung im allgemeinen, so kann von einer wesentlichen Vermehrung

nicht die Rede sein: 1881 waren von je 100 weiblichen Personen über zehn

Jahr 34,05 erwerbsthätig, 1891 dagegen 34,42. Aber auch der Prozentsatz

der männlichen Erwerbstätigen hat sich nicht verschoben, er betrug in

beiden Zählungsperioden 83%.[464]

Das Verhältnis der männlichen und weiblichen Arbeiter zu einander und

seine Verschiebung im Laufe der Zeit muß gleichfalls einer näheren

Betrachtung unterzogen werden. Folgende Tabelle giebt Aufschluß darüber:

Länder |Zählungs-| | |Von

|periode |Männer |Frauen |100 Arbeitern

| | | |sind

| | | |

| | | |Männer|Frauen

------------------+---------+-------+-------+------+------

Deutschland | 1882 |8020114|4408116| 64,53| 35,47

" | 1895 |9295082|5293277| 63,65| 36,35

Oesterreich | 1880 |3670338|3642864| 50,19| 49,81

" | 1890 |4363074|5310639| 45,10| 54,90

Frankreich[465] | 1881 |4376604|3635802| 54,62| 45,38

" | 1891 |4990635|3584518| 59,36| 40,64

" | 1891 |5563898|3735904| 53,44| 46,54

" | 1896 |8290204|4287006| 65,86| 34,14

England und Wales | 1881 | -- | -- | -- | --

" " " | 1891 |5368965|3113256| 63,30| 36,70

Vereinigte Staaten| 1880 |7053702|2041466| 77,56| 22,44

" " | 1890 |8735622|2864818| 75,30| 24,70

Mit Ausnahme von Frankreich wäre der Eindruck eines Zurückdrängens der

Männer durch die Frauen hiernach der vorherrschende, wenn nicht aus der

Tabelle auf Seite 248 schon hervorgegangen wäre, daß thatsächlich die

Zunahme der männlichen Arbeiter mit der Zunahme der Bevölkerung gleichen

Schritt hält, ja sie zum Teil übersteigt. Es handelt sich also wohl um

eine andere Zusammensetzung, nicht aber um einen Rückgang der männlichen

Arbeiter. Interessant ist bei vorliegender Tabelle das Bild, das

Frankreich bietet. Auch nach der neuesten Zählung scheinen die Frauen

den Männern bedeutend nachzustehen. Ein Blick auf die absoluten Zahlen

der männlichen Arbeiter bringt die Erklärung dafür: danach sollen die

Angestellten und Arbeiter im Laufe von nur fünf Jahren eine Zunahme von

fast drei Millionen erfahren haben! Das ist, angesichts der minimalen

Zunahme der Bevölkerung, selbst dann eine Unmöglichkeit, wenn in

Betracht gezogen wird, daß die Zählung von 1896 die Kleinmeister (petits

patrons) den Arbeitern zugerechnet hat, und es kann als das

Wahrscheinlichste angenommen werden, daß die Statistik von 1891 einen

großen Teil der Arbeiter nicht erfaßte. Ist das der Fall, so würde die

Zusammensetzung der Arbeiter nach Geschlechtern eine andere werden.

Die starke Zunahme der proletarischen Frauenarbeit wird fast immer mit

einer Verdrängung der Männerarbeit in Zusammenhang gebracht. Zum Beweise

dafür beruft man sich auf die oft beobachtete, im vorigen Abschnitt auch

von uns angeführte Thatsache, daß durch die Einführung neuer, leichter

zu handhabender Maschinen in gewissen Fabrikationszweigen Frauen an

Stelle der Männer treten. Ganz abgesehen davon, daß es auch Maschinen

giebt,--z.B. die Setzmaschine,--die ihrerseits wieder die Frauenarbeit

verdrängen, zeigt es sich an der Hand der Statistik, daß im allgemeinen

von einem Ersatz der Arbeiter durch Arbeiterinnen kaum die Rede sein

kann, es sich vielmehr um Verschiebungen handelt. Die gegenteilige

Behauptung ist auch eines jener auf ungenügender Kenntnis der Thatsachen

beruhenden Schlagworte der Frauenbewegung. Folgende Tabelle diene zum

Beweis dafür.[466] Es verblieben nämlich in der Stellung von berufslosen

Familienangehörigen:

Von je 1000 Personen | Deutschland | Oesterreich

in der Altersklasse |-----------------+-----------------

|männlich|weiblich|männlich|weiblich

--------------------------+--------+--------+--------+--------

unter 20 Jahr | 742 | 812 | 655 | 691

von 20-30 Jahr | 24 | 531 | 28 | 268

" 30-40 " | 9 | 743 | 11 | 340

" 40-50 " | 7 | 710 | 7 | 304

" 50-60 " | 10 | 632 | 8 | 267

" 60-70 " | 22 | 553 | 18 | 261

" 70 Jahr und darüber | 106 | 469 | 54 | 253

Daraus geht hervor, daß in den für die Berufsarbeit entscheidenden

Altersklassen kaum 1% Männer zum Eintritt in den Erwerb übrig bleibt.

Man kann annehmen, daß dieses eine Prozent großenteils aus jenen

physisch und moralisch Kranken besteht, die überhaupt von der

Berufsarbeit ausgeschlossen sind, daß daher fast alle verfügbaren Männer

zur Arbeit herangezogen wurden. Anders steht es mit den Frauen. Ihr

Anteil an der Berufsarbeit fällt wesentlich in das 20. bis 30.

Lebensjahr, aber auch hier ist noch fast die Hälfte der Frauen

erwerbslos und diese Erwerbslosigkeit steigert sich erheblich in den

Jahren, wo Mutter- und Hausfrauenpflichten die Frauen in Anspruch

nehmen. Erst in späteren Jahren, zu einer Zeit, wo der Rücktritt der

Männer in die Reihen der Berufslosen beginnt, wächst wieder, infolge der

großen Zahl von Witwen, der Anteil der Frauen am Erwerbsleben.

Jedenfalls bleiben in allen Altersklassen noch viele erwerbsfähige

Frauen verfügbar, und aus ihren Reihen nimmt besonders die Industrie die

ihr nötigen, aus der Männerwelt nicht zu deckenden Arbeitskräfte.

Infolgedessen wird auf absehbare Zeit hinaus die proletarische

Frauenarbeit im Verhältnis stärker zunehmen als die Männerarbeit, ohne

daß diese durch jene gefährdet wird. Diese Auffassung kann scheinbar

durch den Hinweis auf die große Zahl der Arbeitslosen entkräftet werden.

Aber nur scheinbar! Denn die Arbeitslosigkeit entspringt wesentlich dem

Saisoncharakter zahlreicher Berufsarten, auch die mangelhafte

Organisation des Arbeitsmarkts spielt dabei eine Rolle, und Männer und

Frauen werden gleicherweise von ihr heimgesucht.

Die Betrachtung der proletarischen Frauenarbeit verlangt aber auch

ein näheres Eingehen auf ihre Beteiligung an den einzelnen

Berufsabteilungen. Sie gestaltet sich im Verhältnis zu den Männern

folgendermaßen:

Länder |Zählungs-|Landwirtschaft

|periode |

| |Männer |Frauen |Von 100 Arbeitern

| | | |sind

| | | |männlich|weiblich

-------------------------+---------+-------+-------+--------+--------

Deutschland | 1882 |3629959|2251860| 61,71 | 38,29

Deutschland | 1895 |3239646|2388148| 57,57 | 42,43

Oesterreich | 1880 |1646317|2088985| 43,70 | 56,30

Oesterreich | 1890 |1962688|3652445| 34,95 | 65,05

Frankreich (nur Arbeiter)| 1881 |1858131|1542407| 54,67 | 45,33

Frankreich (nur Arbeiter)| 1891 |2120799|1452924| 59,34 | 40,66

Frankreich (Arbeiter u. | 1891 |2166351|1482772| 59,37 | 40,63

Angestellte) | | | | |

Frankreich (Arbeiter u. | 1896 |3818509|1487123| 71,97 | 28,03

Angestellte) | | | | |

England und Wales | 1881 | 807608| 40346| 95,26 | 4,74

England und Wales | 1891 | 734984| 24150| 96,82 | 3,18

Vereinigte Staaten | 1880 |2208400| 399309| 84,69 | 15,31

Vereinigte Staaten | 1890 |2316399| 363544| 86,43 | 13,57

Länder |Zählungs-|Industrie

|periode |

| |Männer |Frauen |Von 100 Arbeitern

| | | |sind

| | | |männlich|weiblich

-------------------------+---------+-------+-------+--------+--------

Deutschland | 1882 |3551014| 545229| 86,69 | 13,31

Deutschland | 1895 |4963409| 992302| 83,35 | 16,65

Oesterreich | 1880 |1193265| 449746| 72,63 | 27,37

Oesterreich | 1890 |1558914| 585692| 72,69 | 27,31

Frankreich (nur Arbeiter)| 1881 |1869639|1161960| 61,67 | 38,33

Frankreich (nur Arbeiter)| 1891 |2146156|1173061| 64,72 | 35,28

Frankreich (Arbeiter u. | 1891 |2262222|1219217| 64,98 | 35,02

Angestellte) | | | | |

Frankreich (Arbeiter u. | 1896 |3048030|1611078| 65,42 | 34,58

Angestellte) | | | | |

England und Wales | 1881 | | | |

England und Wales | 1891 |3926934|1466130| 72,81 | 27,19

Vereinigte Staaten | 1880 |2878133| 690798| 80,65 | 19,35

Vereinigte Staaten | 1890 |4236760|1206807| 77,83 | 22,17

Länder |Zählungs-|Handel und Verkehr

|periode |

| |Männer |Frauen |Von 100 Arbeitern

| | | |sind

| | | |männlich|weiblich

-------------------------+---------+-------+-------+--------+--------

Deutschland | 1882 | 582885| 144777| 80,11 | 19,89

Deutschland | 1895 | 868042| 365005| 70,40 | 29,60

Oesterreich | 1880 | 131043| 31039| 80,86 | 19,14

Oesterreich | 1890 | 189281| 59246| 76,16 | 23,84

Frankreich (nur Arbeiter)| 1881 | 304605| 119115| 71,89 | 28,11

Frankreich (nur Arbeiter)| 1891 | 497655| 228656| 68,52 | 31,48

Frankreich (Arbeiter u. | 1891 | 909310| 334038| 73,10 | 26,90

Angestellte) | | | | |

Frankreich (Arbeiter u. | 1896 |1223919| 527073| 69,90 | 30,10

Angestellte) | | | | |

England und Wales | 1881 | | | |

England und Wales | 1891 | 638423| 12556| 98,07 | 1,93

Vereinigte Staaten | 1880 | 91502| 4803| 95,90 | 4,10

Vereinigte Staaten | 1890 | 127619| 10027| 92,72 | 7,28

Länder |Zählungs-|Persönlicher Dienst und

|periode |Lohnarbeit wechselnder Art

| |Männer |Frauen |Von 100 Arbeitern

| | | |sind

| | | |männlich|weiblich

-------------------------+---------+-------+-------+--------+--------

Deutschland | 1882 | 213746| 183836| 53,76 | 46,24

Deutschland | 1895 | 198626| 233865| 45,91 | 54,09

Oesterreich | 1880 | 495425| 501500| 49,70 | 50,30

Oesterreich | 1890 | 620301| 588169| 51,23 | 48,77

Frankreich (nur Arbeiter)| 1881 | | | |

Frankreich (nur Arbeiter)| 1891 | | | |

Frankreich (Arbeiter u. | 1891 | | | |

Angestellte) | | | | |

Frankreich (Arbeiter u. | 1896 | | | |

Angestellte) | | | | |

England und Wales | 1881 | 5728| 95826| 5,65 | 94,35

England und Wales | 1891 | 10097| 124253| 7,50 | 92,50

Vereinigte Staaten | 1880 |1715733| 70179| 99,60 | 0,40

Vereinigte Staaten | 1890 |1828265| 53096| 99,72 | 0,28

Länder |Zählungs-|Häusliche Dienstboten

|periode |

| |Männer|Frauen |Von 100 Arbeitern

| | | |sind

| | | |männlich|weiblich

-------------------------+---------+------+-------+--------+--------

Deutschland | 1882 | 42510|1282414| 3,20 | 96,80

Deutschland | 1895 | 25359|1313957| 1,89 | 98,11

Oesterreich | 1880 |204288| 571594| 26,53 | 73,67

Oesterreich | 1890 | 31890| 424387| 6,99 | 93,01

Frankreich (nur Arbeiter)| 1881 |344229| 812320| 29,76 | 70,24

Frankreich (nur Arbeiter)| 1891 |226015| 699877| 24,30 | 75,70

Frankreich (Arbeiter u. | 1891 |226015| 699877| 24,30 | 75,70

Angestellte) | | | | |

Frankreich (Arbeiter u. | 1896 |199746| 661732| 23,19 | 76,81

Angestellte) | | | | |

England und Wales | 1881 | 66262|1230406| 5,11 | 94,89

England und Wales | 1891 | 58527|1386167| 4,06 | 95,94

Vereinigte Staaten | 1880 |159934| 876377| 15,43 | 84,57

Vereinigte Staaten | 1890 |226679|1231344| 15,50 | 84,50

Es zeigt sich dabei, daß in der Landwirtschaft die Frauenarbeit, mit

Ausnahme von Deutschland und Oesterreich, wesentlich abgenommen hat,

eine Abnahme, die sich für England und Amerika auch in den absoluten

Zahlen ausdrückt. In der Industrie ist ihre Zunahme in Deutschland und

Amerika eine raschere als die Männerarbeit, während sie in Oesterreich

und Frankreich von dieser überrannt wird, obwohl eine absolute Zunahme

stattfand. Ganz bedeutend rascher wächst dagegen die Frauenarbeit im

Handel und Verkehr und zwar gilt das für alle Länder. Für die Lohnarbeit

wechselnder Art hat überall eine Verschiebung zu Gunsten der Männer

stattgefunden, die sich in Amerika sogar auf die absoluten Zahlen

erstreckt. Die weiblichen Dienstboten dagegen haben, mit Ausnahme von

Amerika, rascher zugenommen als die männlichen, die, wieder mit Ausnahme

von Amerika, überall an Zahl bedeutend zurückgingen. Eine absolute

Verminderung fand in Oesterreich und Frankreich auch für die weiblichen

Dienstboten statt. Diese Darstellung illustriert aber noch nicht genau

genug die Gestaltung der proletarischen Arbeit in den einzelnen

Berufsabteilungen. Das prozentuale Verhältnis des Wachstums zeigt am

besten die Tabelle.

Zunahme resp. Abnahme der Arbeiter und Arbeiterinnen.

| Landwirtschaft | Industrie | Handel und Verkehr

| | |

|-------------------+-------------------+-------------------

| Auf 100

Länder |-------------------+-------------------+-------------------

|männliche|weibliche|männliche|weibliche|männliche|weibliche

|-----------------------------------------------------------

| Arbeiter der ersten Zählungsperiode kommen in der zweiten

---------------+---------+---------+---------+---------+---------+---------

Deutschland | | | | | |

1882 bis 1890| 89 | 106 | 140 | 182 | 149 | 253

Oesterreich | | | | | |

1880 bis 1890| 119 | 175 | 131 | 130 | 144 | 191

Frankreich | | | | | |

1881 bis 1891| 114 | 94 | 116 | 101 | 163 | 192

Frankreich | | | | | |

1891 bis 1896| 176 | 100 3/10| 135 | 132 | 134 | 158

Vereinigte | | | | | |

Staaten | | | | | |

1880 bis 1890| 105 | 92 | 113 | 176 | 139 | 209

|Lohnarbeit |

|wechselnder Art | Dienstboten

|-------------------+-------------------

| Auf 100

Länder |-------------------+-------------------

|männliche|weibliche|männliche|weibliche

|---------------------------------------

| Arbeiter der ersten Zählungsperiode

| kommen in der zweiten

---------------+---------+---------+---------+---------

Deutschland | | | |

1882 bis 1890| 108 | 127 | 60 | 103

Oesterreich | | | |

1880 bis 1890| 125 | 117 | 16 | 72

Frankreich | | | |

1881 bis 1891| -- | -- | 66 | 86

Frankreich | | | |

1891 bis 1896| -- | -- | 87 | 95

Vereinigte | | | |

Staaten | | | |

1880 bis 1890| 106 | 76 | 142 | 141

Vergleichen wir diese Tabelle mit dem Wachstum der Bevölkerung, wie die

Tabelle es wiedergiebt, so zeigt es sich, daß die proletarische

Frauenarbeit in Industrie und Handel überall bedeutend rascher

zugenommen hat als die Bevölkerung, daß die Landarbeiterinnen und die

Dienstboten dagegen eine starke Abnahme zeigen, oder zum mindesten weit

hinter dem prozentualen Wachstum der Bevölkerung zurückblieben. Die

verschiedenartige Zusammensetzung innerhalb der weiblichen

Arbeiterschaft während der letzten und der vorletzten Zählungsperiode

giebt einen noch drastischeren Beweis dafür:

| | Von 100 Arbeiterinnen waren beschäftigt in

| |-------------------------------------------------

| | | |Handel | |Häusliche

Länder |Zählungs-| Land- | | und |Lohnarbeit| Dienst-

| periode |wirtschaft|Industrie|Verkehr|wechs. Art| boten

-----------+---------+----------+---------+-------+----------+---------

Deutschland| 1882 | 51,08 | 12,37 | 3,29 | 4,17 | 29,09

" | 1895 | 45,16 | 18,70 | 6,90 | 4,42 | 24,82

Oesterreich| 1880 | 57,34 | 12,35 | 0,85 | 13,77 | 15,69

" | 1890 | 68,78 | 11,03 | 1,12 | 11,08 | 7,99

Frankreich | 1891 | 39,69 | 32,64 | 8,94 | -- | 18,73

" | 1896 | 34,69 | 37,58 | 12,29 | -- | 15,44

Vereinigte | 1880 | 19,56 | 32,84 | 0,24 | 3,44 | 42,92

Staaten | 1890 | 12,69 | 42,13 | 0,35 | 1,85 | 42,98

Die Verschiebung geht danach fast durchweg zu Gunsten der

Handelsangestellten und der Industriearbeiterinnen vor sich.

In Bezug auf diese ist es nicht ohne Interesse, die Zählungen der

Gewerbeaufsichtsbeamten zu Hilfe zu nehmen, obwohl sie immer nur einen

beschränkten Kreis von Arbeitern umfassen. Nach den Berichten der

deutschen Inspektoren hat sich die Zunahme der Industriearbeiterinnen

folgendermaßen gestaltet:[467]

| Weibliche Arbeiter

|

Zählungs-|-------------------------

periode |absolute | Zunahme

|Zahl |---------------

| |absolut|Prozent

---------+---------+-------+-------

1895 | 739 755| |

1896 | 781 882| 41,127| 5,7

1897 | 822 462| 40,580| 5,2

1898 | 859 203| 36,741| 4,5

1899 | 884 239| 35,036| 4,1

Wir sehen daraus, daß zwar die Zunahme alljährlich eine sehr starke ist,

daß sie aber von Jahr zu Jahr an Intensität abnimmt. Ein Schluß auf eine

rasche Zunahme der männlichen Arbeiter läßt sich daraus nicht ziehen,

obwohl ein Vergleich aus Mangel an statistischem Material nicht möglich

ist. Die Wahrscheinlichkeit aber spricht dafür, daß auch das Tempo des

Wachstums der männlichen Arbeiter sich verlangsamt hat, weil die

industrielle Entwicklung gleichfalls ruhiger vorschreitet. Die

entsprechenden Zahlen für Frankreich,--so vorsichtig sie auch wegen der

mangelhaften Berichterstattung aufgenommen werden müssen,--sind

besonders merkwürdig. Es zeigt sich nämlich, wie nachstehende Tabelle

angiebt, daß dem starken Wachstum von 15% zwischen 1894 und 1896 in den

nächsten zwei Jahren ein empfindlicher Rückschlag folgte:

| Weibliche Arbeiter | Männliche Arbeiter

|--------------------------+--------------------------

Zählungs-|absolute Zu- resp. Abnahme|absolute Zu- resp. Abnahme

periode |--------------------------+--------------------------

| Zahl |absolut | Prozent| Zahl |absolut | Prozent

---------+--------+--------+--------+--------+--------+--------

1894 | 732760 | | | 1722183| |

1896 | 844911 | 112,151| 15,9 | 1828403| 106,220| 6,2

1898 | 812591 | -32,320| -3,9 | 1820979| -7,424| 0,4

Es zeigt sich aber auch, daß für die Männer, wenn auch nicht in genau

demselben Maß, doch das gleiche gilt.[468]

Die proletarische Frauenarbeit wird nun aber keineswegs allein durch

die soziale Schicht der Arbeiterinnen erschöpft. Es giebt zweifellos

auch unter den Selbständigen eine große Zahl proletarischer Existenzen,

die sich allerdings nur an der Hand einer eingehenden Betriebs- und

Gewerbezählung annähernd feststellen lassen und diese liegt nur für

Deutschland vor.[469] Wir müssen daher hierbei auf internationale

Vergleichungen ganz verzichten. Wir können aber auch in Deutschland die

Proletarier unter den Selbständigen nicht völlig erfassen, weil die

Einteilung der Betriebe nach ihren Größenklassen uns daran verhindert:

Sie werden nämlich nur in Alleinbetriebe und Betriebe von 2 bis 5, 6 bis

20, 21 und mehr Personen eingeteilt. Für unsere Zwecke müssen wir daher

bei den Alleinbetrieben stehen bleiben, während Betriebe mit 2 Personen

zweifellos noch einen proletarischen Charakter tragen. Um von der

Verteilung, der Zu- resp. Abnahme der Frauen in den Alleinbetrieben ein

klares Bild zu bekommen, muß die Zahl der Frauen in den

Gehilfenbetrieben ihnen gegenübergestellt werden, wie es in folgender

Tabelle geschieht:

Gewerbearten | Frauen | Ihre Zu-|Frauen in|Ihre Zu-

|in Allein|resp. Ab-|Gehilfen-|resp. Ab-

|betrieben| nahme |betrieben| nahme

| 1895 |seit 1882| 1895 |seit 1882

----------------------+---------+---------+---------+----------

Gärtnerei, Tierzucht | | | |

und Fischerei | 708 | 285 | 17998 | 10505

Industrie, Bergbau, | | | |

Baugewerbe | 443333 | -87753 | 1114986 | 479030

Handel, Verkehr, Gast-| | | |

und Schankwirtschaft| 145165 | 42500 | 617115 | 385591

Wir sehen daraus, daß die weiblichen Leiter von Alleinbetrieben nur in

der Industrie erheblich abgenommen haben, ein Umstand, der, wie wir aus

der Zunahme der Arbeiter in den Gehilfenbetrieben sehen, nur auf die

Verschiebung zu Gunsten des Mittel- und Großbetriebs zurückzuführen ist.

Eine Betrachtung der Gewerbearten, in denen das weibliche Geschlecht

besonders stark vertreten ist, erläutert das Gesagte noch deutlicher:

Gewerbearten |Frauen in|Zu- resp.||Frauen in|Zu- resp.

|Allein- |Abnahme ||Gehilfen-|Abnahme

|betrieben| ||betrieben|

-----------------------+---------+---------++---------+---------

Strickerei und Wirkerei| 15472 | -2324 || 28164 | 14950

Häkelei und Stickerei | 6178 | -336 || 6049 | 3413

Spitzen-Verfert., | | || |

Weißzeugstickerei | 7802 | -8737 || 11532 | 7017

Näherei | 185716 | -58183 || 28078 | 3848

Schneiderei | 89250 | 35227 || 84350 | 46746

Kleider- und | | || |

Wäschekonfektion | 585 | -3886 || 35409 | 15946

Putzmacherei, | | || |

künstl. Blumen | 12429 | -1150 || 28874 | 11213

Handschuh, Kravatten, | | || |

Hosenträger | 3995 | -4109 || 7760 | 1754

Wäscherei, Plätterei | 66029 | -17662 || 27687 | 14057

Die Abnahme in den Alleinbetrieben wird fast überall durch die Zunahme

in den Gehilfenbetrieben mehr als wett gemacht. Trotz dieser

Konstellation, die im Interesse des Fortschritts wie in dem der Frauen

selbst liegt, ist die Zahl der alleinstehenden Selbständigen immer noch

eine außerordentlich hohe, wie aus folgender Tabelle hervorgeht:

|Von 100 |Von 100

Gewerbearten |selbständigen|selbständigen

|Frauen sind |Männern sind

--------------------------------+-------------+-------------

Inhaber von Alleinbetrieben | 84,4 | 50,0

" " Gehilfenbetrieben | 15,6 | 50,0

" mit bis zu 5 Personen | 13,9 | 40,5

" " 6-20 Personen | 1,5 | 6,9

" " 21 und mehr Personen| 0,2 | 2,6

Aus diesen Ziffern ist die gedrückte Lage der erwerbthätigen Frauen mit

aller Deutlichkeit zu ersehen: Fast alle selbständigen Frauen arbeiten

allein, d.h. sie sind fast ausnahmslos Proletarierinnen. Das zeigt sich

noch deutlicher, wenn wir ins Auge fassen, daß, während die männlichen

Alleinmeister sich auf viele Gewerbe verteilen und häufig die Stellung

kleiner Handwerker einnehmen, bei den Frauen davon kaum die Rede ist.

Ueber ein Fünftel von ihnen finden wir in der Hausindustrie, zwei

Fünftel in der Bekleidung und Reinigung, 18,8% im Handel, 11,3% in der

Textilindustrie, 4,8% in der Gast- und Schankwirtschaft, 3,4 % in

sonstigen Gewerben. Diese noch dazu auf so wenige Gewerbe sich

konzentrierende Vereinzelung der Frauen ist ein schweres Hindernis auf

dem Wege zu besseren Arbeitsbedingungen.

In der Landwirtschaft ist das äußere Bild ein ähnliches. Rechnen wir die

Selbständigen, soweit sie ein Areal von unter 2 bis 5 ha bewirtschaften,

zu den Proletariern, so sind von den selbständigen Landwirtinnen nicht

weniger als drei Viertel Arbeiterinnen in unserm Sinne. Nachstehende

Tabelle giebt die genaueren Zahlen:

Areal |Selbständige in der Landwirtschaft |Von je

|------------------------------------|100 Selb-

| Absolut | in Prozenten |ständigen

| | |sind

| Männer | Frauen | Männer | Frauen |weiblich

---------------+--------+--------+--------+---------+---------

unter 2 ha | 248209 | 177088 | 15,96 | 52,24 | 33,71

2 bis 5 " | 604562 | 74565 | 27,70 | 22,00 | 10,98

5 " 10 " | 501482 | 40059 | 22,98 | 11,82 | 7,40

10 " 50 " | 636275 | 41167 | 29,15 | 12,14 | 6,08

50 " 100 " | 62920 | 4182 | 2,88 | 1,23 | 6,23

100 und mehr ha| 28921 | 1918 | 1,33 | 0,57 | 6,21

Ueber die Zu- resp. Abnahme läßt sich leider nichts Genaueres, nach

Geschlechtern gesondert, feststellen. Im allgemeinen aber kann, obwohl

ein schwacher Rückgang der betreffenden Betriebe stattfand,--von 76,63%

auf 76,51%,--angenommen werden, daß wenigstens die Zahl der

selbständigen Inhaberinnen von Zwergbetrieben zugenommen hat; man kann

darunter nämlich meist solche Frauen verstehen, die an den Grenzen der

Industriestädte sogenannte "Lauben" besitzen, und hier im kleinsten Maß

Gemüse, Blumen und Obst ziehen. Im Gegensatz zur Industrie, wäre diese

Vermehrung von Alleinbetrieben freudig zu begrüßen, weil sie der

Gesundheit der Frauen und Kinder zu Gute kommt. Auch im Handel, wo die

von Frauen geleiteten Alleinbetriebe um 41% zugenommen, die von Männern

geleiteten dagegen um 5% abgenommen haben, sind die Folgen keine

schädlichen, die Ursachen aber sind dieselben, wie die für die steigende

Erwerbsthätigkeit der Frauen überhaupt: Not, und die durch die

Erträgnisse des männlichen Erwerbs nicht zu deckenden gesteigerten

Bedürfnisse.

Wie sehr die Thatsache, daß das Haupt der Familie sie nicht allein

ernähren kann, ins Gewicht fällt, beweist ein Blick auf eine andere

Seite der Frauenarbeit: die Zahl der mithelfenden Familienangehörigen.

Sie für alle Berufsabteilungen festgestellt zu haben, ist bisher allein

das Verdienst der deutschen Berufsstatistik von 1895. Das Ergebnis ist,

daß, während fast sämtliche männliche Arbeiter,--99,2%,--Berufsarbeiter

sind, von den weiblichen mehr als ein Fünftel zu den helfenden

Familiengliedern gehören. Das genauere Verhältnis ist, auch unter

Bezugnahme auf die Größe der Betriebe, dieses:

|| Von 100 berufsmäßigen ||Von 100 mithelfenden

|| Arbeitern sind weiblich ||Familienangehörigen

|| in Betrieben ||sind weiblich in Betrieben

Berufsarten ||--------------------------||---------------------------

||bis 5 |6 bis 20|über 20 ||bis 5 |6 bis 20|über 20

||Personen|Personen|Personen||Personen |Personen|Personen

--------------++--------+--------+--------++---------+--------+--------

Landwirtschaft|| 14,3 | 25,6 | 19,9 || 76,5 | 85,6 | 85,7

Industrie || 9,8 | 15,2 | 19,9 || 84,4 | 77,9 | 44,2

Handel und || | | || | |

Verkehr || 44,0 | 34,0 | 20,2 || 92,9 | 85,9 | 79,7

--------------++--------+--------+--------++---------+--------+--------

im ganzen || 18,9 | 19,5 | 20,0 || 90,2 | 82,0 | 56,0

Die Lehre, die sich aus dieser Tabelle ziehen läßt, ist außerordentlich

wichtig für die Erkenntnis der proletarischen Frauenarbeit und dessen,

was ihr Not thut, will man sie aus ihrer untergeordneten Stellung

emporheben: in den kleinen Betrieben finden sich die wenigsten

berufsmäßigen Arbeiterinnen,--besonders hervorstechend ist das

Verhältnis in der Industrie,--und fast alle mithelfenden

Familienangehörigen sind hier Frauen. Demnach bedeutet die Entwicklung

des Großbetriebs eine Förderung der berufsmäßigen proletarischen

Frauenarbeit, der jetzt noch, und zwar wesentlich in den Kleinbetrieben,

eine große Zahl mithelfender weiblicher Familienmitglieder gegenüber

steht. Gegenüber in jedem Sinn: denn diese in und durch die Familie

ausgebeuteten Kräfte sind die natürlichen Feinde der aufstrebenden

weiblichen Arbeiterschaft, sie helfen den Kleinbetrieb erhalten, und

hindern die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ebenso wie die Erhöhung

der weiblichen Arbeitsleistung, weil sie, statt ganz auf sich angewiesen

zu sein, an der Familie einen Rückhalt haben.

Als allgemeine Ergebnisse unserer bisherigen Berechnungen läßt sich

feststellen, daß die proletarische Frauenarbeit im allgemeinen in

rascherem Tempo zugenommen hat, als die Männerarbeit und viel schneller

gewachsen ist, als die weibliche Bevölkerung. Nur in Zeiten

wirtschaftlichen Niedergangs kann von einem Verdrängen der männlichen

Arbeiter die Rede sein. Unter normalen Verhältnissen zeigt sich dagegen,

daß durch die Entwicklung der proletarischen Arbeitsgelegenheiten,

besonders in der Industrie, die männlichen Arbeitskräfte großenteils

erschöpft wurden und die Heranziehung weiblicher unausbleiblich ist. Sie

erfolgt in um so stärkerem Maße, als Frauen zur Verfügung stehen. Bis

jetzt allerdings bedeutet dieses Nachrücken der weiblichen Reservearmee

zugleich ein Einrücken in untergeordnete Stellungen und Betriebsarten.

Eine wirtschaftliche Entwicklung in nur annähernd ähnlichem Tempo wie

die jetzige vorausgesetzt, ist aber nicht nur auf ein weiteres

numerisches Wachstum der Frauenarbeit, sondern auch auf ihr Emporsteigen

zu höherem wirtschaftlichen Wert zu rechnen. Das Wachstum an sich ist

als nichts Unnatürliches anzusehen oder zu beklagen, es liegt vielmehr

durchaus auf dem Wege normaler Evolution. Die schweren Schäden, die sie

mit sich bringt, sind nicht die Folgen der Frauenarbeit überhaupt,

sondern vielmehr die Folgen der Arbeitsorganisation und der

Arbeitsbedingungen.

Aber nicht nur die Frage des Wachstums der Frauenarbeit und ihrer

Position innerhalb der allgemeinen proletarischen Arbeit bedurfte

eingehender Erörterung, auch ihre Verteilung auf die Berufsarten ist von

ganz besonderem Interesse, und zwar wesentlich im Hinblick auf die

Industrie. Folgende Zusammenstellung derjenigen Berufsarten, in denen

die meisten Frauen beschäftigt sind, giebt Aufschluß darüber:

Die Frauenfrage: ihre geschichtliche Entwicklung und wirtschaftliche Seite · 第 21 / 47 题