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Anmerkungen zur Transkription
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Buches.
[Illustration]
Nick Tappoli
Roman
von
Jakob Christoph Heer
61.--70. Tausend
[Illustration]
Stuttgart und Berlin
J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
1922
Alle Rechte,
insbesondere das Übersetzungsrecht, vorbehalten
Für die Vereinigten Staaten von Amerika:
Copyright, 1920, by J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
Stuttgart und Berlin
Vorwort
Vor etlichen Jahren überreichte mir eine inzwischen verstorbene
Zürcher Dame in zwei Heften ihre Lebensbeschreibung wie die ihres
Mannes, der ihr bereits im Tod vorangegangen war. Die alte, aber
stets noch lebhafte »Frau Nick Tappoli« äußerte dabei die Hoffnung,
daß mich die bewegten Schicksale, die in den Aufzeichnungen enthalten
sind, zur Gestaltung eines Romans anregen möchten. Nun habe ich als
Schriftsteller immer das Gefühl gehabt, daß für uns eigentlich nur die
Stoffe gut und dankbar sind, die ohne äußeres Dazutun aus der eigenen
Seele keimen und wachsen. So ließ der Roman der »Nick Tappoli« auf sich
warten, und die Anregerin selber hat also die Erfüllung ihres Wunsches
nicht mehr erlebt.
In der langen Öde der Kriegszeit aber, die sich allem friedlich
dichterischen Schaffen so furchtbar feindlich erwies, geriet ich wieder
einmal über die beiden Manuskripte und suchte in ihrer Bearbeitung
Vergessen von den wehen Eindrücken der Weltbegebenheiten. So entstand
der Roman doch. Inwieweit nun das Werk das geistige Eigentum der
Verstorbenen ist, inwieweit ich den Stoff ausgebaut und gerundet habe,
möge vor den Lesern nicht erörtert werden; es genüge die Feststellung,
daß ich die etwas merkwürdigen Linien der Handlung getreu aus
den Heften der Zürcher Dame übernommen habe und mir nur an ihrer
Vereinfachung gelegen sein ließ. Ich machte dabei die alte Erfahrung,
daß die Wirklichkeit des Lebens viel freier und willkürlicher mit den
Menschenschicksalen spielt, als es die dichterische Phantasie in einer
nach künstlerischen Gesichtspunkten aufgebauten Erzählung wagen darf.
Der Leser möge es entschuldigen, wenn er Spuren davon auch im Buche
noch findet.
Bei dem teilweise Zürcher örtlichen Gepräge des Buches liegt mir noch
an der Erklärung, daß ich darin alles, was auf bekannte Lebende oder
Verstorbene deuten könnte, nach bestem Wissen und Gewissen ausgemerzt
habe. Das beliebte Spiel, die Vorbilder der Gestalten eines Romans
auszuforschen, hätte in diesem Fall keinen Sinn und würde nur zu
falschen Vermutungen führen.
Möge »Nick Tappoli« aufgenommen werden als das, was das Buch ist:
ein mitten aus der Flut des Lebens geschöpftes Beispiel menschlichen
Ergehens, ein Zeugnis, wie Kraft und Unvermögen, Irrtum und Erkenntnis
uns den Weg bereiten.
J. C. Heer
1
Das Städtchen Eglisau an der Steilhalde des Oberrheins bildet den
Zugang zum Rafzerfeld, einem rechtsrheinischen Lappen Schweiz inmitten
badischen Gebietes. Nur durch die holzverschalte Brücke, an deren
Sprengwerk ein Wald von Stämmen verwendet worden ist, hängt es mit
der Landschaft von Zürich zusammen, der es im fünfzehnten Jahrhundert
durch friedlichen Kauf einverleibt worden ist. Vom Mittelalter an bis
zum Aufkommen der Eisenbahnen hat der Ort auf dem in heller Bläue
einherwogenden Strom viele muntere Bilder gesehen: in den Weidlingen,
den langen, schmalen Kähnen, die mit großer Sicherheit über Wirbel
und Klippen hinweggleiten, die Kaufleute und das fahrende Volk, das
von Konstanz her auf die Zurzacher und Basler Messe zog, und auf den
Flößen, welche die mächtigen Alpentannen für den Schiffbau nach den
Niederlanden führten, allerlei Reisende, die um billiges Geld die Welt
sehen wollten. Selten wohl glitt ein Fahrzeug an Eglisau vorüber;
ein jedes fast machte kurzen Halt, und die Insassen ließen sich den
Rotwein des Städtchens munden, das wie der Vogel in sein Nest mitten in
Weinberge hineingebettet liegt.
Als aber hüben und drüben in den Ländern am Rhein Eisenbahnen
entstanden, erlosch der Verkehr auf dem Strom allmählich. In
den sechziger Jahren lag schon ein Hauch des Stillstandes und
der Vergessenheit über dem Städtchen. Mit verwitterten, doch
blumenumrankten Lauben schauten seine hochgebauten, einander
überragenden Firsten auf das lichte Band des Stromes. Bei der Brücke
erhoben sich der stattliche Barockbau der Kirche mit dem in einer roten
Zwiebel endigenden Turm und dicht daneben das große, weißgetünchte
Pfarrhaus, vor dem der Fluß in Wogen und Strudeln quirlt. An Kirche und
Pfarrhaus vorbei windet sich die von Zürich und Schaffhausen führende
Straße in mäßiger Steigung durch das Städtchen empor. Da standen ein
paar alte Gasthöfe mit kunstreichen Schildern, der »Hirsch« mit einer
von Eichensäulen getragenen Laube und die »Krone« mit den gotischen
Fensterreihen, auch Bürgerhäuser mit patrizischem Schmuck, Wappen,
Namen, weit in die Straße vorspringenden Wasserspeiern, und da und dort
ein Kramladen mit bauchigem Fenstergitter. In dieser Gasse und einigen
anderen lag noch ein Abglanz reichsstädtischen Wesens über der kleinen
Stadt, verlor sich aber weiterhin bald in die Bilder bäuerlicher
Behäbigkeit.
Wie bescheiden sich indessen die Schicksale Eglisaus mehr und mehr
gestalten, einige Vorzüge blieben ihm doch: die schöne Lage am
gewaltigen Wogenzug des jungen Stromes, die fruchtbaren Felder, die
prächtigen Wälder an beiden Ufern, vor allem aber der an heißer
Halde gewachsene Wein, der die Sommersonne eingefangen hat und im
Glas einen milchweißen Stern wirft, und die köstlichen Forellen und
Salme, die beim Wasserrad der Schiffsmühle oberhalb der Brücke
mit großen Senknetzen aus dem Strom gehoben werden. Wegen dieser
Annehmlichkeiten war das Städtchen von jeher ein beliebtes Ziel der
von Zürich ausfliegenden Naturfreunde und Feinschmecker, besonders
in goldener Herbstzeit, wenn der Duft des Sausers, des gärenden
Weinmostes, durch die Gassen wehte und durch die Brücke Tag und Nacht
das Schellenklingeln der Weinfuhrwerke ging.
Fast mehr noch als die Gasthöfe wußte Pfarrer Salomon Tappoli, Bürger
von Zürich, der damals in Eglisau amtete, von Gästen zu erzählen,
ein ebenso leutseliger wie geistreicher Kopf, der dem Leben einen
künstlerisch-sonnigen Gehalt abgewann und die Besuche aus seiner
Vaterstadt in launiger Geselligkeit um sich scharte.
Zu jener Zeit hatte das Städtchen aber auch noch einen berühmten
Messerschmied, Meister Martin Junghans. Wer von ihm geschaffene
Werkzeuge besaß, Messer und Scheren, Zirkel und Schublehren, auf
denen die Marke »Junghans«, ein fröhliches Gesicht mit Zipfelmütze,
eingestempelt war, der durfte sie sehen lassen. Sie waren bester Stahl,
sorgfältige Arbeit. Sie lobten den Feinschmied von Eglisau und waren
auf den Schweizer wie süddeutschen Märkten vorteilhaft bekannt. Gewiß
hätten sie eine noch größere Verbreitung gefunden, wenn Martin ein
ebenso gewandter Kaufmann wie Handwerker gewesen wäre und ihren Ruf
ausgenützt hätte. Er verlangte jedoch aus angeborener Bescheidenheit
für die Werkzeuge nie so viel, wie es der fast eigensinnigen
Gewissenhaftigkeit seiner Arbeit entsprochen hätte, und das Städtchen
mit seinen Nachbardörfern war für die Erzeugnisse Meister Martins auch
kein genügendes Absatzgebiet. Als Händler selber auf die auswärtigen
Märkte zu ziehen, widerstrebte seinem ehrenfesten Wesen, und mit den
Wiederverkäufern, welche die Waren wohl rasch und mit Vorteil los
wurden, sie aber bei ihm lange schuldig blieben, hatte er manchen
redlichen Verdruß.
Warum es Martin Junghans nie recht zu Klingendem brachte, lag aber
wohl am meisten an seiner großen Familie. Das vom Vater ererbte
stattliche Haus an der Obergasse, eines der ältesten und höchsten
des Städtchens, mit geräumiger Werkstatt und kleinem Laden, gewährte
ihm und den Seinen zwar reichlich Raum, aber der Tisch war manchmal
für den dutzendköpfigen Haushalt etwas knapp. Er bestand aus den
Eltern, den beiden Gesellen und acht Kindern. Doch waren gerade diese
in ihrer blühenden Gesundheit der Stolz des Schmieds. Unparteiisch
teilten sie sich in ein Vierblatt von Knaben und Mädchen, und ebenso
unparteiisch schlugen sie zu je vier im Aussehen dem großen, blonden,
blauäugigen Vater und wieder zu je vier der kleinen, dunkelhaarigen und
schwarzäugigen Mutter nach; ihm vor allem die beiden ältesten Söhne,
Friedrich und Ulrich.
Wie es in großen Familien der Fall ist, erzogen sich die Kinder
von selber; die Jungen am Beispiel des Vaters, die Mädchen an dem
der Mutter, die neben dem Hauswesen eine kleine Landwirtschaft mit
Weingarten und Acker besorgte. Gleich hinter dem Haus lagen die
Grundstücke, stiegen bergan und verloren sich an der freien Anhöhe.
Rechtschaffen müd konnten darin die Glieder werden. Wollte sich aber
einmal der Faden der Erziehung nicht von selber geben, sprang ein
mutwilliges Böcklein aus Reih' und Glied, so half Vater Martin Junghans
nach und züchtigte es. Das geschah selten, aber dann mit treuherzigem
Zorn, männlicher Festigkeit, und von der Mutter ließ er sich nicht in
den Arm fallen.
Diese betrübliche Vaterpflicht hatte er unlängst an Ulrich, seinem
zweiten, bald zwölfjährigen Sohn erfüllt, der sich als Ziel für
heimliche Schießübungen die blinden Rundscheiben eines Nachbarhauses
ausersehen hatte.
Nun bemerkte er im Wesen des Knaben eine Änderung, die ihm zu denken
gab. Der sonst gutgeartete, offene und geschickte Junge, wegen seiner
geistigen Lebhaftigkeit beinahe sein Liebling, verschloß sich ihm, der
Mutter, den Geschwistern und wurde ein Eingänger und Eigenbrötler.
Schwer ließ sich sagen, was er in den Sinnen trug. Hatte der Vater
den Buben wegen der paar Scheiben doch zu scharf gestraft? -- Meister
Martin war darüber nicht ohne innere Unruhe, doch ließ er es gewähren,
daß sich der Junge oft bergwärts davonschlich, hinauf in die stillen
Felder und Wälder, die sich in breiter Ebene über der Stromhalde
ausdehnen. Noch war es ja keine Übeltat, wenn ein Knabe gern allein
seiner Wege streifte, und gelegentlich war schon wieder ein Wort mit
ihm zu sprechen.
In der Tat war Ulrich über der Züchtigung eine wehe Kränkung ins Gemüt
gefahren. In seinem Einsamkeitsdrang vertrieb er sich die Zeit mit
allerlei knabenhaften Gedanken über das menschliche Leben, Werden,
Sein und Vergehen. In den Adern floß ihm aber das Blut des Vaters,
den es nie lange beim bloßen Sinnen litt. Die Hände mußten etwas zu
tun haben. Er zertrümmerte alte Baumstrünke, um sie nach ihrem Inhalt
zu durchforschen, wühlte in Fuchs- und Dachshöhlen und baute in die
Quellenläufe Wasserräder aus Weiden und Schindeln; endlich suchte er
dadurch einen Ausweg aus seinem Groll, daß er sich auf eine Erfindung
warf, und zwar auf die eines Flugzeuges, was damals noch kein so
landläufiger Gedanke war wie in unseren Tagen.
Als Werkstätte diente ihm eine Hütte, die sich Holzhauer im Winter
zur Zuflucht erbaut hatten. Sie stand durch einen Waldstreifen vor
neugierigen Blicken geschützt, vom Städtchen ziemlich entfernt, am
Strom. Dahinauf trug er aus einer Bucht Weidenzweige, Binsen und
Schilf und flocht sich daraus mit einer Geschicklichkeit, die eines
Korbmachers würdig gewesen wäre, zwei Flügel, die, wenn er sie
aufstellte, doppelt so hoch wie er selber waren. Der Sattler lieferte
ihm um gute Worte und wenig Geld einen alten Gürtel und starken
Zwirnfaden, mit denen er die Schwingen zusammenfügte, und lederne
Handriemen, die er an die Flügel nähte, damit er sie zu bewegen vermöge.
In tiefer Heimlichkeit war die Maschine fertig geworden. Strahlenden
Auges betrachtete er sie und sah sich in seinen Träumen bereits durch
die Lüfte schweben. Sein Ehrgeiz war, den Rhein zu überfliegen. Die
Eglisauer sollten nun sehen, daß er mehr könne als Schrot in alte
Fenster schießen. Vor allem aber wollte er den Vater beschämen,
die Erfindung um eine große Summe Geldes verkaufen und ihm den
Betrag schenken. Bei diesem Gedanken klopfte ihm das Herz fast zum
Zerspringen. --
Eines Sommertags arbeitete er mit Mutter und Geschwister im Weinberg;
nun aber die Glocke aus dem Städtchen herauf vier Uhr meldete, durfte
die Jugend baden gehen.
Er tat vor der Mutter, als ob auch er diese Absicht hätte, löste sich
aber bald aus der Schar der übrigen Knaben und stieg berghinan. Die
große Stunde war da, wo er den Wert seiner Erfindung beweisen wollte.
Mit jeder Faser seiner Sinne glaubte er daran.
Aus der Waldhütte schleppte er die Flügel an eine Stelle der
Stromhalde, an der ihn nicht leicht jemand beobachten konnte, und
hielt von einem zerbröckelnden Felskopf Ausschau. Wenn er in den Rhein
flöge! Das wäre nicht schlimm. Als vortrefflicher Schwimmer war er
in den Wellen daheim. Wie ärgerlich aber! Am Fuß des Abhangs, halb
hinter Weidenbäumen verborgen, badete an einer seichten Stelle eine
kleine Schar Schulmädchen in weißen Hemden. Zwei davon erkannte er
aus der Höhe: seine Schwester Marie und ihre jüngere Freundin, das
Pfarrerstöchterlein Nick; denn so dunkle Haarschöpfe wie die beiden
hatte sonst niemand im Städtchen. Ihnen über die Köpfe hinwegfliegen?
Was entstände für ein Geschrei! -- Nein, es war doch klüger, zu warten
und den wilden Eifer zu zähmen. Wie eine Ewigkeit erschien ihm die
halbe oder ganze Stunde, während der die Mädchen sich noch im Wasser
tummelten.
Endlich kleideten sie sich unter den Uferweiden an. Eines die Arme
in die des andern gehängt, gingen sie mit lässigem Singsang gegen das
Städtchen zurück und ließen auf ihren Rücken die Badhemden in der Sonne
trocknen.
Nun war sein Augenblick da.
Mit wildem Herzpochen hängte er sich den Gurt der Flügel über den
Nacken und schlüpfte mit den Armen und Händen in die Bänder. Das
Gesicht heiß und kühl, die Stirne vor Erregung schweißtriefend, rannte
er, die Schwingen hinter sich schleppend in jähem Anlauf über den
Felskopf hinaus.
Was half ihm sein verzweifelter Mut? -- Es ging ihm wie damals
noch allen, die fliegen wollten. Die schöngebauten Flügel machten
keinen Schlag. Über den Fels hinab stürzte er auf die mit wenig Gras
bewachsene Geröllhalde, hilflos kollerte er mit den Flügeln den Abhang
hinunter, dann warf ihn die wachsende Sturzkraft mitten in ein Gebüsch
von Schwarzdorn und Brombeerstauden. Sie hielten seinen weiteren Fall
auf.
Unbewußt hatte er bei dem Sturz einen Schrei ausgestoßen.
Die heimwärts schreitenden Mädchen blickten sich um, kamen eilends
zurückgelaufen und spähten ängstlich in das Gestrüpp. Marie, die
Schwester, schrie entsetzt auf: »Mein Gott, du bist es, Uli!«
Es war nicht leicht, dem in die Dornen Gefallenen Hilfe zu bringen;
im Kreise stand das Schärchen jammernd um den unglücklichen Flieger,
den die Schnallen seiner halbgebrochenen Flügel an jeder Bewegung
hinderten, und begriff nicht recht, was vorgefallen war.
Zuerst packte Nick zu. Mit einem Taschenmesserchen begann sie die
Ranken und Dornen wegzuschneiden und war dabei so eifrig, daß sie sich
selber das blaugetupfte Kleid zerriß und die Arme blutig kratzte.
Einmal begegneten sich die Augen des Hilflosen und die ihrigen,
und mitten in den brennenden Schmerzen überraschte er sich bei dem
Gedanken: »Wie schön ist die Nick!« Das lag an ihren dunklen Augen und
ihren vom Eifer der Arbeit geröteten Wangen.
Übrigens leistete ihr Messerchen so kleine Dienste, daß er ihretwegen
noch lange in den Stauden hätte liegen bleiben können; aber der Auflauf
der schreienden Mädchen war aus der Ferne von Rebleuten bemerkt worden.
Sie eilten herbei und hatten mit ihren kräftigen Hackmessern und
Scheren Uli, dem das Blut übers Gesicht lief, bald aus den Dornen und
Banden los. Doch errieten sie so wenig wie die Mädchen, auf welche
Weise er in diese üble Lage geraten war.
Erst Pfarrer Tappoli, der irgendwo am Strom der Anglerei obgelegen
hatte, löste das Rätsel. Obgleich ihn der stöhnend daliegende Knabe
dauerte, glitt ihm doch ein Lächeln um den Mund: »Der neue Schneider
von Ulm!«
Das verstand nun Ulrich nicht; er merkte aber doch, daß das Wort irgend
etwas Närrisches andeutete. Vor Scham vergaß er einen Herzschlag lang
seinen Schmerz.
Eine Schulter war ihm verrenkt, ein Fuß gebrochen.
Die Leute banden die beiden zerzausten Weiden- und Schilfflügel zu
einer Tragbahre zusammen. Auf den Schwingen, die ihn hätten über den
Rhein führen sollen, wurde der tollkühne Junge, der sich jetzt am
liebsten in die Erde verkrochen hätte, unter mancherlei Geleit ins
Städtchen gebracht. Neben der Bahre lief die schlanke Nick, unbewußt
hielt sie die dunklen Lichter in die geängstigten blauen Augen des
Verunglückten gerichtet.
Noch vor dem Städtchen kam, was Ulrich am meisten fürchtete: die
Begegnung mit dem Vater. Das Gesicht bleich vor Zorn, trat der
breitschultrige Schmied mit dem blonden Vollbart an den Knaben heran.
Jemand von den Seinen in aller Leute Mund und Gespött! Das war mehr,
als Junghans ertrug. Ehe er aber die Lauge seiner Wut ausschütten
konnte, erkannte der Pfarrer das herannahende Gewitter, nahm ihn
auf die Seite und sprach mit ihm von altem gutem Einvernehmen und
davon, daß man einen Bubenstreich nicht gar zu ernst nehmen dürfe;
den mißlungenen Flugversuch Ulis um so weniger, als der Junge ja den
Versuch nicht aus böser Absicht oder niedriger Denkart, sondern aus
einer lebhaften Einbildungskraft unternommen und der Übermut seine
Strafe bereits in sich selber gefunden habe.
Meister Martin ließ sich halbwegs beruhigen, beherrschte den Zorn und
versetzte nur: »Jetzt wird mein Uli entweder etwas ganz Rechtes oder
etwas ganz Schlechtes. Wer solche Jugendstreiche begeht, findet den
goldenen Mittelweg nie!«
»In Uli liegt bloß das ganz Rechte. Keine Bange, Meister,« erwiderte
der Pfarrer in klingendem Brustton.
Die Männer hatten das alte Haus in der Obergasse erreicht und den
Verwundeten in die Stube getragen. Da es nichts mehr zu gaffen gab,
zerstreuten sich die Neugierigen. »Wir haben in Eglisau wohl schon
manche seltsame Leute erlebt,« plauderten sie, »sogar einmal einen, der
den ewigen Umgang studierte und darüber irrsinnig geworden ist; aber
einen, der fliegen wollte, doch noch nie.« Ein paar Alte hatten aus den
Kalendern noch die Geschichte des Schneiders von Ulm im Gedächtnis.
Die lief nun durch das Städtchen. »Albrecht Berblingen hieß er und
verfertigte nicht bloß Kleider, sondern auch Kinderwägelchen, sowie
künstliche Arme und Füße für Verstümmelte. Am 30. Mai 1811 wollte er
mit einer selbsterfundenen Maschine im Beisein vieler Zuschauer von
der Stadtmauer in Ulm die Donau überfliegen, fiel aber elendiglich in
den Fluß. Der König, der eben in der Stadt weilte, schickte dem Narren
zwanzig Louisdors zum Trost, der Schneider jedoch wurde darüber nur
noch verrückter. Er ließ sich für ein Wachsfigurenkabinett nachbilden
und wurde neben anderen berühmten Persönlichkeiten als Spottgestalt in
allen deutschen Städten ausgestellt. Damit brachte er viele Schande
über die ehrsame Schneiderzunft und seine gesamte Vaterstadt.« So ging
die Erzählung.
Einige sagten: »Die Geschichte des Schneiders ist im Schwabenland
geschehen. Bei uns in der Schweiz, wo wir klüger sind, weiß bis auf Uli
Junghans jedes Kind, daß man das Fliegen den Vögeln überlassen muß.
Wenn wir Eglisauer nun bloß seinetwegen nicht auch in den Kalender
kommen!« Die meisten aber waren froh, daß in dem stillen Städtchen
wieder einmal etwas geschehen war, worüber man bei der Rebenarbeit
ausgiebig sprechen, sich sittlich entrüsten und eine Familie
bemitleiden konnte. »Der unglückliche Meister Martin! Was wird der
noch an seinem zweiten Buben erleben! Und es sind doch rechtschaffene
Leute, der Schmied und sein Weib.« --
In der Kammer lag Ulrich während der schönen Sommerszeit. Über das Ende
des Schragens lief auf einer Holzrolle ein Seil, das ihm durch ein
freihängendes Steingewicht den gebrochenen Fuß streckte, und von der
Decke hing wieder ein Strick, an dessen Handhabe er sich notdürftig
emporrichten konnte, doch der zerquetschten Schulter wegen nur unter
Schmerzen.
Hie und da sahen Mutter, Geschwister, Verwandte und Bekannte nach
ihm, und wer aus dem Städtchen kam, erzählte ihm die Geschichte des
Schneiders von Ulm. »Hätte ich um den Albrecht Berblinger früher
gewußt,« stöhnte er, »so wäre mir der Gedanke an das Fliegen nie
gekommen und ich läge nicht so elend darnieder.« Nein, auf seinem
unseligen Abenteuer schwebte nicht einmal der Reiz des noch nie
Dagewesenen. Und jetzt hatte er schon so oft von Berblinger gehört, in
alten Kalendern sein marktschreierisches Bild gesehen, daß er, wenn
man ihm davon sprach, die blauen Augen und den blonden Kopf nur noch
trübselig und ergebungsvoll gegen die Wand wendete. Noch mehr als unter
der närrischen Geschichte aber litt er unter dem grolligen Benehmen des
Vaters, an dem er doch mit der Leidenschaft des jungen Herzens hing.
Meister Junghans ärgerte und schämte sich bis auf die Knochen, daß
einer seiner Jungen mit dem Gaukler von Ulm im gleichen Atemzug
genannt wurde und wohl den Vergleich sein Leben lang tragen mußte. So
ungehalten war er darüber, daß er nie in die Kammer des Dulders trat,
sich nur gelegentlich bei der Mutter nach seinem Befinden erkundigte,
und auch dann noch in einem Ton, als ob er sich mit der Nachfrage etwas
an seiner Mannesehre vergebe.
Unter der zürnenden Art des sonst gutherzigen und gerechten Vaters litt
nun die gesamte Familie, Ulrich oft bis zu heißen, heimlichen Tränen.
Da war es ihm ein großer Trost, daß neben manchen ihm gleichgültigen
Leuten zuweilen auch die schlanke, schmale Nick Tappoli mit dem
bildsaubern Köpfchen an seinem Lager erschien. Nie kam sie mit leeren
Händen. Sie brachte ihm ein paar Blumen aus dem Pfarrgarten, Frühäpfel
oder Pfirsiche, oder aus dem Fruchttrog weiche, gedörrte Birnen, die
von weißem Fruchtzucker überlaufen wie Honig schmeckten. Oft mit
seiner Schwester Marie, oft allein saß sie bei ihm und plauderte. Und
wenn er einmal in Schmerzen zuckte, blinzelten ihm ihre dunklen Augen
ermunternd zu: »Wenn du nicht hättest fliegen wollen, so könnte ich
auch nicht so dasitzen, dich bemitleiden und bemuttern. Und das ist mir
doch ein großes Vergnügen!«
Nick, das heißblütige Wesen, sah Uli fast so gern wie er sie, und er
merkte es mit jubelnder Seele.
2
Nick, die mit ihrem eigentlichen Namen Monika hieß, war das Nesthäkchen
des Pfarrhauses, ein hageres, zartes Geschöpf, doch von lachender
Frische, mit dunkeln Augen und krausen Locken, noch eckig und
zehnjährig kinderhaft in ihren Bewegungen, aber in allem, was sie tat,
voll heimlichen Feuers. Fragte man sie, was sie im Leben werden wolle,
erwiderte sie mit nachdrücklichem Ernst: »Eine Mutter!«
An dieser Antwort war nun nichts Besonderes. Wie viele kleine Mädchen
mögen so denken und reden! Das Besondere war das warme Zugreifen,
mit dem Nick den mütterlichen Trieb betätigte. Wenn die Frauen des
Städtchens in den sonnenheißen Reben arbeiteten, sammelte sie die
kleinen Kinder im Pfarrhof und von der Höhe des Studierzimmers hatte
Tappoli Gelegenheit, ihr Pflegerinnentalent zu beobachten und darüber
zu lachen. Namentlich aber hatte es ihm ein Streich der Jüngsten
angetan.
Jenseits der Rheinbrücke hauste eine Korberfamilie im Blachenwagen. Die
Frau kam nieder und zwar mit Zwillingen. In einer Kiste, die der Mann
eilig bei einem Krämer geholt hatte, ruhten die beiden Kindlein auf
Stroh. Sie sehen, heimlaufen und den Leuten für die Kleinen heimlich
das Kopfkissen vom eigenen Bett bringen, war bei Nick eins. Darauf
aber kam das schlechte Gewissen. Nick war nun jeden Morgen die erste,
die aufstand, machte ihr Bett selbst und ließ sich von der Mutter die
feurigen Kohlen unverdienter Lobsprüche auf das Haupt legen. Als aber
die Wäsche gewechselt wurde, kam das Verschwinden des Kissens an den
Tag. Noch schwieg die Schelmin, bis die Mutter ein armes Weib, das beim
Vater vorgesprochen hatte, des Diebstahls verdächtigte. Da beichtete
das Kind.
Die Mutter mochte schelten, Tappoli liebte den Schlingel. Gewiß auch
die andern Kinder, den Gymnasiasten Dietrich, der dann und wann
über Sonntag mit Freunden aus Zürich herüberkam, und Julie, die
Erstgeborene, die in der Haushaltung schon eine große Stütze der etwas
kränkelnden Mutter bildete; aber er spürte, wie Nick ein seelisch
tieferes Leben führte als die beiden.
Sein besonderes Wohlgefallen an der Jüngsten stammte aber noch aus
einer anderen Quelle. Ihr Anblick erinnerte ihn stets an seine
Vorfahren, um des Glaubens willen vor dreihundert Jahren aus ihrer
Heimat vertriebene Locarnesen, die sich durch den Hochwinter der
Alpen schlugen und in Zürich eine zweite Heimat fanden. Allmählich
hatten sich die Tappoli verdeutscht, sich mit der Stadt aufs innigste
verwachsen, ihr manchen Magistraten und Kriegsmann von Ruf, namentlich
aber viele Pfarrer gestellt. Er selber liebte Zürich mit warmem
Bürgerstolz, doch gefiel ihm, daß irgendein Zug im Wesen Nicks, vor
allem der in alemannischen Landen ungewöhnlich feine Gesichtsschnitt,
das südliche Blut der Voreltern wieder zur Erscheinung brachte.
Das Krausköpfchen zu belauschen, die späte, seltene Blume aus der
Stammheimat jenseits der Berge, bildete die besondere Würze seines
pfarrherrlichen Stillebens.
Als Nick nun Tag um Tag zu dem seit seinem Unfall immer noch leidenden
Ulrich Junghans lief, fragte er sie einmal: »Und hast du über ihm
deinen Freund Gerold von Jaberg ganz vergessen?« Sie sperrte die
dunkeln Augen groß auf. »Nein, ich gehe und lade ihn ein, daß er am
Sonntag wieder einmal zum Tanz kommt!«
Am Sonntagabend durfte sich die Jugend im Pfarrhaus tollen. Der
Pfarrer, der einen artigen Verkehr zwischen Knaben und Mädchen für ein
Stück Erziehung ansah, setzte sich auf den Tisch, stellte die Beine auf
das Brett eines Stuhls, blies auf der Flöte Tanzmelodien, schlug mit
dem rechten Fuß den Takt dazu, und die Kinder tanzten nach Herzenslust
durch die Stube. Kam Dietrich mit seinen Freunden zu Besuch und fehlte
es an ein paar Mädchen, dann rief man aus dem Städtchen Unterstützung
herbei, darunter Marie Junghans, die drei Jahre älter, doch nicht viel
größer als Nick war. Und nun fand sich auch Gerold von Jaberg, sonst
ein schüchterner und zurückhaltender Junge, der sich an seinen Vater zu
klammern liebte, seit einiger Zeit in dem harmlosen Kreise heimisch.
Sein Vater, Doktor Bruno von Jaberg, mit dem er sonst auf einem
Schlößchen bei Konstanz wohnte, ein reicher und feingebildeter Mann,
übte im Gebiet des Oberrheins den Beruf des Altertumsforschers aus.
Dabei war ihm Eglisau ein angenehmer Standort mitten in einer Gegend,
in der es mancherlei Geschichtliches zu entdecken und nachzuweisen
gab: keltische Grabhügel und Lager, die Spuren einer römischen Brücke
über den Rhein, auch von Wachttürmen an den Ufern, altalemannische
Siedlungen und Schutzwerke und mittelalterliche Reste. Deswegen nahm
er, von Gerold begleitet, jeden Sommer ein paar Wochen Quartier im
Städtchen. Das Volk, das für seine Forschungen nur mäßiges Verständnis
zeigte, betrachtete den Gast, der in der Hand die Doppelhacke und über
der Schulter die Sammlerbüchse trug, als einen vornehmen Kauz, um so
mehr, weil er und seine Frau getrennt lebten, er am nahen Bodensee,
sie irgendwo fern am Meer. Wer aber mit dem leichtergrauten Fünfziger,
in dessen Zügen ein leises Leiden stand, näher in Berührung kam, lobte
seinen menschenfreundlichen Sinn, sein Verständnis für die bäuerliche
Welt, und manche behaupteten, es sei mit dem adeligen Herrn leichter
als mit manchem Gemeindepräsidenten oder Säckelmeister zu verkehren.
Pfarrer Tappoli hörte ihn gern von seinen Ausgrabungen erzählen, und
sie verplauderten beim Wein oft eine Abendstunde miteinander.
So kam es, daß sich auch die Kinder Gerold und Nick gut kannten.
Beim Tanz im Pfarrhaus wurde durch sie seine Neugier nach dem Knaben
lebendig, der hatte fliegen wollen. Er wünschte ihn zu sehen, und
der Vater gab seiner Bitte nach; er kaufte zur Ausrede bei Meister
Junghans ein schönes Messer und fragte dann höflich nach Ulrich. Dem
Schmied schwoll die Zornader auf der Stirn, am liebsten hätte er ihm
geantwortet: »Was geht Sie der dumme Streich Ulis an? Er ist mein
Junge!« Es lag aber etwas Zwingendes in der schlichten Vornehmheit des
Käufers, und mit verdüstertem Gesicht führte der Schmied ihn und Gerold
an das Lager des Leidenden. Ulrich aber sah nur den eigenen Vater, und
sein Herz wallte über vor Freude, daß sich der Gekränkte endlich einmal
bei ihm blicken ließ.
Jaberg, Vater und Sohn, unterhielten sich eine Weile mit ihm und
erbaten sich sogar die Erlaubnis, wieder vorsprechen zu dürfen. Der
stille Gerold, der an dem jugendlichen Abenteurer einen besonderen
Gefallen fand, kam nun fast so häufig zu Ulrich wie die Nick, und
manchmal saß das Dreiblatt stundenlang über prächtigen Knabenbüchern,
die er mit sich brachte, beisammen.
Schon konnte Ulrich mit aufgebundenem Arm an einem Stock wieder um
das Haus hinken. Da kam der Vater Gerolds wieder zu Meister Junghans.
»Aus den Kenntnissen Ihres Sohnes«, begann er, »habe ich gemerkt, daß
das Städtchen eine sehr gute Volksschule besitzt. Und da sich die
beiden Knaben in ihrer Eigenart so schön ergänzen, will ich Gerold
zulieb über Herbst und Winter in Eglisau bleiben, damit er hier mit
Ulrich die Schule besuche. Ich selber kann ja hier gerade so gut über
meiner Gelehrtenarbeit liegen wie daheim in Kreuzlingen. Was tut ein
alleinstehender Alter nicht für seinen einzigen Sohn?«
Meister Junghans merkte wohl, wie viel Anerkennung für seinen
Sorgenbuben in der Rede Jabergs lag, doch mißfiel sie ihm völlig. Was
sollte Uli, dem er für alle Zukunft eine strenge Zucht zugedacht hatte,
gleichsam als Belohnung für die Lächerlichkeit, die er über das Haus
gebracht hatte, der Kamerad eines Adeligen werden? Das hieß doch nur,
ihm noch mehr Mücken in den Kopf setzen und ihn verderben. Auch regte
sich der republikanische Stolz des Schmieds. Wenn man wissen wollte,
was von den Edelleuten zu halten ist, brauchte man nur die Schweizer
Geschichte zu lesen. Wie hatten sie von jeher das Landvolk gequält!
Indessen war im Wesen Jabergs etwas so Untadeliges, daß er seine
Bedenken verschwieg. Er konnte es ja doch nicht verhindern, daß der
Gelehrte im Städtchen blieb und der Junge die Schule besuchte! Und es
handelte sich auch nur um das letzte halbe Volksschuljahr: dann gingen
die Wege der Knaben von selber wieder auseinander, mußte der seine den
Jungschmiedeschurz anziehen.
Zwischen Ulrich und Gerold waltete nun eine gute Knabenfreundschaft,
doch nicht ohne heimliche Schmerzen für jenen.
Er merkte, daß Nick, die während der Krankheit sein Entzücken gewesen
war, mehr zu Gerold als zu ihm neigte. Wenn es zwischen Knaben und
Mädchen zu einer Schlacht mit Schneeballen kam, lief sie sicher in die
Wurfbahn Jabergs, und wenn sie der rücksichtsvolle Junge versehentlich
einmal scharf ins Gesicht traf, so heulte sie nicht, sondern lachte
ihn bloß mit blitzenden Augen und weißen Zähnen an, eilte kühn auf ihn
los, und er war höflich genug, sich von ihren geschwinden Mädchenhänden
niederringen und von Kopf zu Fuß mit Schnee einreiben zu lassen.
Das offenbare Einverständnis zwischen den beiden nahm aber Ulrich
weniger seinem Freund als Nick übel. Wie flatterhaft sind die Mädchen!
Das überlegte er sich oft mit einem Seufzer, mußte sich aber selber
zugestehn, daß ihn Gerold in allem übertraf, was einem Knaben in den
Augen der Mädchen Wert geben konnte. Der etwas aufgeschossene Junge
war einen Zoll größer als er, hatte ein feines Gesicht mit zartroten
Wangen, braune, sinnige Augen und war nicht nur durch die guten
Kleider, die er trug, sondern auch durch Sitte und Wohlanstand allen
Knaben des Städtchens voran. Das stach Nick natürlich in die Augen.
Ulrichs eigene Vorzüge lagen an anderer Stelle: im raschen Begreifen,
im eindringlichen Erfassen dessen, was ihnen der Lehrer bot. Da kam ihm
der immerhin ansehnlich begabte Gerold nicht gleich, nahm vielmehr oft
mit bescheidenem Lächeln seine Hilfe in Anspruch, und gerade dieses
bittende Lächeln tat ihm an Jaberg so wohl, daß er für ihn durchs Feuer
gegangen wäre und ihm die Freundschaft Nicks mit wehmütigem Verzicht
gönnte.
So kam der Frühling. Wasserreich und blau strömte der Rhein, der im
Winter klein und grün dahingeflossen war.
Da lud Doktor von Jaberg die Knaben zu einem Ausflug ins Rafzerfeld
ein. Es war ein Tag in Blau und Gold, der Himmel hoch. Er führte sie
hinaus durch die grünenden Felder, über denen die Lerchen schmetterten,
auf den letzten Hügelzug des Schweizerlandes, von dem drei alte,
sturmzerzauste Föhren hinein ins badische Gelände grüßen. In der Nähe
war der Heidenbühl, eine von den andern leicht abgetrennte Kuppe, aus
deren Namen und Form der Forscher eine alte Grabstätte erkannt hatte,
die er gelegentlich mit ein paar Arbeitern untersuchen wollte. »Ich
vermute, es sind große Steinkammern darin, in denen unsere Urahnen
ihre Häuptlinge mit Wehr und Waffen begraben haben,« erklärte er.
»Wie Wohnhäuser haben sie die letzten Stätten der Toten eingerichtet
und ihnen am Jahrtag des Dahinscheidens Wildbret an den Hügel gelegt,
Honigbier in Schalen gegossen, damit sie sich erquicken, und Feuer
angezündet, damit sich ihre Seelen wärmen können. Auch Blumen haben sie
ihnen gebracht. Also besaßen schon die längst vergangenen Heiden feine
Herzen und feines Gemüt.«
Während der Doktor so sprach, begegnete er dem verlorenen Blick
Ulis und spürte wohl, wie sich die Einbildungskraft des Knaben an
seinen Worten entzündete. Als sie vom Heidenbühl gegen das Dorf Wil
hinunterschritten, das mit breiten Dächern aus einem Obstbaumwald
hervorschaute, fragte er: »Was für einen Lebensweg willst du einmal
einschlagen?« »Es wird mir nichts übrig bleiben, als bei meinem Vater
Schmied zu werden,« erwiderte Ulrich etwas bedrückt. »Wenn du aber die
Wahl hättest?« fragte Jaberg. »So würde ich studieren,« blitzte es aus
der Seele des Jungen, »und Geschichtskundiger werden wie Sie!« Dafür
hatte Jaberg nur ein Lächeln.
Am andern Tag trat er wieder einmal in die Werkstatt und Stube des
Meisters Junghans. »Ich gedenke Gerold durch das Gymnasium von
Konstanz laufen zu lassen, und da ich den günstigen Einfluß sehe,
den Ihr talentvoller Ulrich auf ihn ausübt, so würde ich mich
freuen, wenn auch er diesen Bildungsgang genießen dürfte. Sind Sie
einverstanden, Meister Junghans, so übernehme ich auch für Ulrich die
Gymnasialbildungskosten. Er soll auf meinem Schlößchen leben und gerade
wie Gerold behandelt sein.«
Der Vorschlag war für Vater Junghans eine volle Überraschung,
verlegen fuhr er sich mit der Hand durchs Haar. Es ging ihm gegen
den Handwerkerstolz, daß einer seiner Söhne und damit er selbst eine
Wohltat aus fremder Hand und namentlich von einem adeligen Herrn
annehmen sollte. Das Anerbieten schien ihm für den Unnützen, dem er
das Flugabenteuer immer noch nicht recht verziehen hatte, des Guten
zu viel. Und er achtete auch nicht groß darauf, wie die Augen Ulrichs
baten und flehten.
Er verlangte ein paar Tage Bedenkzeit. »Es ist eine Sache, die man
nicht übers Knie brechen kann.«
Als Jaberg gegangen war, wandte er sich an die Mutter: »Was braucht
Uli als künftiger Schmied Gymnasialbildung! Ich fürchte, die Schule
verdirbt ihn bloß für die Arbeit.«
»Ist es denn nötig, daß alle unsere vier Buben wieder Schmiede werden?
Genügt es nicht, daß du Friedrich nach Winterthur in die Lehre gegeben
hast?« ereiferte sich die Mutter. »Gibt es denn wirklich ohne Handwerk
kein Glück in der Welt, und beleidigen wir nicht Gottes Vorsehung,
wenn wir Uli ein Tor verschließen, das sich ihm ohne unser Dazutun
aufgeschlossen hat?« Die zarte, schwarzhaarige Frau wehrte sich für die
Jugendrechte des Knaben wie eine Löwin für ihr Junges, und Meister
Junghans, der sonst sein Wort als unanfechtbar und unwiderruflich
betrachtete, fand an ihren kampfbereiten Augen Wohlgefallen. »Du
kleines Weib, was verstehst denn du von den Dingen der Welt! Uli hat
mich nun einmmal durch seinen Flug in die Brombeerstauden erschreckt.«
Die tapfere Frau rief den Pfarrer zum Bundesgenossen auf, und Tappoli,
der sich an allem freute, was der Spießbürgerlichkeit und dem staubigen
Alltag zuwiderlief, brachte Ulrich auf das Konstanzer Gymnasium.
So nahm die törichte Fliegerei für den Knaben doch noch ein gutes Ende.
3
Ulrich wohnte mit Gerold und dessen Vater in dem Schlößchen, das
mit vier großen Pappeln vor dem Giebel auf der Höhe von Kreuzlingen
steht und über Konstanz, den Bodensee und den Rhein hinausblickt.
Jeden Morgen wanderten die Freunde mit ihren Büchern hinab in die
Stadt. Gerold, der wohl wegen des Adelstitels, aber auch wegen seines
liebenswürdigen Wesens von den Mitschülern viel umworben war, hielt mit
niemand treuere Freundschaft als mit dem Gespielen von Eglisau, der,
aus härterem Stoff geschaffen, die größere geistige Spannkraft besaß
und in seinen Gedanken tiefer grub. Der junge, weichgeartete Edelmann,
der nur durch eine rührende Pflichttreue und hingebenden Fleiß mit
dem begabteren Freunde Schritt zu halten vermochte, sah ihn oft mit
leistraurigem Lächeln an. »Gott, wär' ich so frisch und stark wie du!
Mein Vater hat wohl Recht, wir leiden unter dem alten Blut.«
In der feinen Seele Gerolds wohnte aber noch ein Schmerz, über den er
nicht sprach, den Uli jedoch ahnte: das Leid darüber, daß sich die
Eltern geschieden hatten. Jedes Jahr zweimal verbrachte er die Ferien
bei der Mutter, die auf einem Gute bei Lübeck in ihrer Heimat lebte.
Dann kam er jedesmal etwas bedrückt an den Bodensee zurück. Was war es
für ein herbes Knabenlos, die Mutter zu entbehren, wenn er beim Vater
weilte, den Vater, wenn er bei der Mutter zu Besuch war! Er liebte
beide zärtlich. An diesem Zwiespalt lag es wohl, daß aus seinem sonst
rüstigen Wesen stets etwas wie ein stummes Leiden sprach.
Desto mehr fühlte Uli sich verpflichtet, Gerold ein herzlicher Kamerad
zu sein, und durfte sich getrösten, daß er die Wohltaten, die ihm
Doktor von Jaberg in väterlichem Wohlwollen erwies, an den Freund
nach bestem Vermögen heimzahle. Er verlebte auf dem Schlößchen zwei
schöne Jahre, und als die hellsten Lichter darin erschienen ihm die
Wandertage, an denen sie mit Vater Jaberg die Gestade und Städtchen
des Bodensees und des Oberrheins durchstreiften. Aus der Wärme seines
Wesens und der Fülle seines Wissens plauderte der Gelehrte mit ihnen.
»Mir ist der Bodensee ein Heiligtum, ein Urherd menschlicher Kultur,
die Stätte, an der sich die frühesten Schicksale Mitteleuropas begeben
haben.«
Für seine Studien hätte er sich keinen eifrigeren Schüler wünschen
können als Ulrich. Und der Junge nährte nur den einen Wunsch, daß
ihm das Leben stets so freundlich gesinnt bleiben möge wie in den
Konstanzer Tagen.
Als er sich dabei überraschte, lag ihm aber vom letzten Besuch im
Elternhause her schon ein tiefer Kummer in der Brust. Der Vater war
an einem hartnäckigen Husten erkrankt, die Backenknochen stachen ihm
unheildrohend hervor, er fiel aus den Kleidern, und sein schöner
blonder Bart begann bereits zu ergrauen.
Bald besuchte Ulrich die Eltern wieder. Da fand er den Vater, der bis
dahin aus lauter Liebe zu den Kindern in den Fragen der Erziehung fast
zu streng gewesen war, plötzlich von einer Milde, die ihn erschreckte.
In einem Zug tat ihm das veränderte Wesen, die herzliche Güte des
Leidenden wohl und weh.
Als er den Eltern gute Nacht bot, hielt ihn die Mutter zurück. »Wir
haben mit dir Ernstes zu sprechen, Uli. So sehr wir die Güte des Herrn
von Jaberg gegen dich schätzen und uns deiner vortrefflichen Zeugnisse
freuen, so kann von deinem Gymnasialbesuch doch nicht weiter die Rede
sein. Du mußt in die Werkstatt treten und den Vater entlasten. Wir
haben uns lange gegen den Gedanken gesperrt und Friedrich heimrufen
wollen, aber sein Meister gibt es nicht zu. Also müssen wir uns an dich
halten. Wie schmerzlich es dir sein mag, armer Bub, so kennst du nun
deine Pflicht! In einer so großen Familie wie der unsern muß eins dem
andern helfen und Opfer bringen. Und du hast ja nicht nur den hellen
Kopf für die Studien, sondern auch die ebenso geschickten Hände für die
Arbeit. In Gottes Namen füg dich drein.« Der blasse, hüstelnde Vater
nickte. »Ja, so ist's leider, Uli. Ich hätt's dir besser gegönnt!«
Dem Knaben verschlug die elterliche Eröffnung die Sprache. Im
Bett weinte er still und heiß. Es war ihm unendlich schwer, den
Traum aufzugeben, daß er sich ähnlich wie Doktor von Jaberg den
Wissenschaften widmen könne und sein Name einmal von den Erfolgen einer
gelehrten Laufbahn umglänzt werde. Ihm war, diese Nacht lege seine
Jugend in Trümmer, eine blühende Welt, deren Schönheit er erst jetzt
begriff, da sie für ihn unterging. Am Morgen jedoch trat er gefaßt
vor die Eltern: »Also werde ich Schmied und kehre bloß nach Konstanz
zurück, um mich von Gerold und seinem Vater zu verabschieden.«
Die Aussprache mit diesen beiden ging leichter, als er sich gedacht
hatte. »Auch bei uns liegen Pläne vor, die tiefer in mein Leben
eingreifen,« erzählte ihm Gerold. »Die von meinem Vater kürzlich
veröffentlichten ›Wanderstudien aus der Vorgeschichte des Bodensees‹
haben ihm mancherlei Anerkennung eingetragen. So die Einladung der
mit reichen Mitteln ausgerüsteten Prähistorischen Gesellschaft in
Kopenhagen, daß er zur Heranbildung junger dänischer Forscher in
Jütland und auf den benachbarten Inseln ähnliche Untersuchungen alter
Kulturreste und Denkmäler veranstalte wie am Bodensee. Der Antrag
lockt ihn; es gibt dagegen nur das einzige Bedenken, daß ich mich
wegen meines Bildungsganges von ihm trennen muß. Ich habe ihm aber
gesagt, daß ich gern wieder eine Weile bei meiner Mutter leben würde.
So wird es wohl kommen, vom stillen Gut Mecklenhof aus werde ich das
Gymnasium in Lübeck besuchen und meinen Vater, der dem dänischen Ruf
folgt, nur noch dann und wann sehen. Ich habe mir über diese Wendung
deinetwegen Gedanken gemacht, Ulrich. Ich wollte dich einladen, mit mir
in den Norden zu ziehen; doch ein Schweizer Junge würde es dort oben
vor Heimweh kaum aushalten. So bitter für uns das Scheiden ist, -- das
Schicksal, das dich in die Werkstatt zwingt, erleichtert es mir, vom
schönen Konstanz hinwegzugehen. Im übrigen werde ich gelegentlich wohl
wieder in die Gegend kommen. Und wir bleiben Freunde.«
Herzlich waren auch die Abschiedsworte des Doktors: »Ulrich, wenn du je
im Leben Anstoß findest und weißt nicht, wo aus und ein, so wende dich
an mich.«
An kühlem, sonnigem Morgen gab Gerold dem Schulgenossen das Geleit über
die Höhen am Untersee. Stahlblau lag das Gewässer im Frühlingsfrieden
und der unendlichen Stille des weitgespannten Himmels. Zum erstenmal
und wohl unter dem Eindruck der bevorstehenden Trennung sprach er
ausführlich von seinen Eltern. »Beide sind so herrliche Menschen, daß
ich nicht weiß, wen höher stellen, Vater oder Mutter. Sie sind aber
zu weit auseinander geraten, als daß sie sich je wieder die Hände
reichen könnten. Die Mutter, eine groß und lebhaft begabte Frau,
mochte ohne das gesellschaftliche Leben der Städte nicht auskommen.
Die schonungsbedürftigen Nerven des Vaters ertrugen es nicht. Darüber
entstand unter den Gatten Streit. Die Mutter trotzte und verlebte einen
Winter allein bei Freunden in Berlin. Dort lernte sie einen berühmten
Sänger kennen; es ereignete sich, was den Vater zur Scheidungsklage
bewog. Seither leben sie beide einsam. Und ich, das Kind ihres ersten
Jahres, bin das zwischen ihnen hin- und hergeworfene Opfer.«
Gerold schwieg, erst nach einer Weile setzte er hinzu: »Warum ich davon
sprach, Ulrich? -- Ich meine, du solltest nicht so furchtbar traurig
sein über die Wendung in deinem Leben. Du hast doch Eltern, die einig
sind!«
Ulrich war es, das Herz Gerolds sei dem seinen noch nie so nahe
gewesen wie in dieser Stunde. Sie versprachen sich, wie weit das Leben
sie jetzt auch auseinander führe, miteinander einen Briefwechsel zu
unterhalten, und unvermerkt waren sie auf ihrer Morgenwanderung über
die Höhen nach dem Schlößchen Arenenberg gekommen. Sie plauderten nicht
mehr, sondern hielten stille Ausschau über das liebliche Gelände,
über die von blauen Wassern eingefaßte Insel Reichenau, die anmutigen
Burgenhügel des Hegaus, und der letzte Blick Ulrichs hing an dem aus
breiter Ebene ragenden Konstanzer Münster. Er wußte, die Tage, die er
im Bannkreis des ehrwürdigen Bauwerks verbracht hatte, würden zu den
schönsten seines Lebens zählen.
Von der Reichenau herüber kreuzte der Dampfer, der Augenblick des
Abschieds war da. In stummer Erschütterung trennten sich die Freunde.
Die wunderschöne Fahrt rheinab bis nach Schaffhausen und die weite
Straße von da nach Eglisau legte Ulrich in düsteren Träumen zurück. Als
der Abend über die Giebel hereindämmerte, schlenderte er umschauhaltend
die Hauptgasse des Städtchens hinab auf die Rheinbrücke. Die Betglocke
läutete. Aus der Kirche traten zwei Mädchen und schauten auf den Strom,
das Kind des Mesners, das er stets mit einer plattgedrückten Zwetschge
verglich, und neben ihr Nick, die von jeher gern beim Läuten half. Bei
ihrem Anblick ging ihm ein Stich durchs Herz, er hätte ihr Grüße von
Gerold bestellen können, aber er dachte: »Bah, der Flattervogel!« und
ging mit mürrisch-linkischem Gruß vorüber. Er brachte aber das Bild der
Zwölfjährigen lange nicht mehr aus dem Sinn, die dunkeln Blitzaugen,
die langen Wimpern, das weiche, krause Haar, das sich kaum bändigen
ließ, die roten Wänglein und die noch viel rötern Lippen. Er suchte es
zu vertreiben, indem er an die vielen hübschen Mädchen dachte, die er
in Konstanz gesehen hatte, sein Herz aber schrie: »Schöner als Nick ist
keine!«
Um sechs Uhr am andern Tag stand er in einem von Friedrich
zurückgelassenen Lederschurz neben dem Altgesellen Thomas und dem
jungen Sebastian, einem recht geschickten Arbeiter, doch lockern Vogel,
in der Werkstatt.
Er konnte kaum mehr als Lehrjunge gelten. Die selbständige Herstellung
eines dreiteiligen Taschenmessers mit Klinge, Säge und Ahle war ihm
schon aus den Knabenjahren her ein geläufiges Spiel. Nur ein paar
Schläge auf dem kleinen Amboß, und von dem im Kohlenfeuer rotglühend
gemachten Stahlband fielen bereits Klinge um Klinge, ebenso Ahle um
Ahle, Sägeblatt um Sägeblatt, Feder um Feder, Platine um Platine, die
Bleche für die Fächer des Messers. Rasch formten sich ihm die Bäckchen,
die versilberten Kleinstücke, die das Heft vorn und hinten einfassen,
und dieses selbst, aus einem Kuhhorn geschnitten und zwischen
Holzzangen geradegepreßt. Der Bohrer quirlte, der Niethammer schlug,
-- das Messer war zusammengestellt; und was daran noch roh, matt und
unvollkommen erschien, das erhielt am surrenden Schleifstein und auf
den Schmirgelscheiben jenen Glanz, die Glätte und Feinheit, mit der ein
neues Stück in der Auslage lockt.
Nicht minder leicht liefen ihm Sensen und Scheren aller Art aus
der Hand; er besaß die spitzen Finger des Vaters, die von selber
zweckmäßig und sicher tasteten, griffen, hantierten, und das Gefühl
für die Genauigkeit des Schaffens. Die Arbeit aber verrichtete er
mit einer solchen Trockenheit und Verbissenheit, daß den andern die
Lust zu Gesprächen mit ihm verging. Indessen verstanden sie sein
unliebenswürdiges Wesen und trugen es ihm nicht weiter nach. Der Vater
freute sich aufrichtig seiner zähen, wenn auch mürrischen Tüchtigkeit
und übersah das Gedrückte in seinem Wesen.