1: In Arkansas kann und darf kein Ansiedler wegen irgend welcher
Schulden gepfändet werden, wenn er nicht mehr hat, als ihm das
Gesetz an Eigenthum gestattet und für seine Existenz für nöthig
hält. Seine Wohnung, sein Bett, seine Büchse, sein Ackergeräth,
sein Pferd und zwei Kühe dürfen nicht angerührt werden, und
so gerecht und wohlthätig das Gesetz auch sein mag, läßt sich
denken daß es manchmal gemißbraucht wird, indem der Farmer sein
»überzähliges Vieh« nur auf kurze Zeit zu verleugnen und einem
andern Nachbar zuzusprechen braucht.
2: Ich frug einst in Arkansas die Frau, in deren Hause ich wohnte, eine
geborene Irländerin und sonst ganz vernünftige, brave Matrone, die
ebenfalls dieser Sekte angehörte, ohne jedoch selber jemals vom
»Geiste befallen zu werden,« ob sie denn wirklich glaube, daß die
in solchen Zustand verfallenden Menschen etwas Derartiges ohne
ihren freien Willen, ohne jede Absicht thäten, und also wirklich
begeistert würden? -- worauf sie mir antwortete: »Ja! -- ich habe
auch früher geglaubt, die Menschen verstellten sich, wenn ich mir
auch den Schaum auf den Lippen nicht erklären konnte; ich dachte
aber doch, der _Wille_ des Menschen vermöchte auch dieß zu
bewirken, und so sehr mich die Religion der Methodisten erfaßte
und zu sich hinzog, so sehr schreckte mich diese Begeisterung, die
ich für Heuchelei hielt, zurück. Da kam ich eines Abends auch aus
einer solchen Versammlung zu Hause, und war recht traurig, uneinig
mit mir selber; ich wußte nicht was ich thun, was lassen sollte,
und bat den lieben Gott noch unterwegs recht inbrünstig, er solle
mir ein Zeichen geben. Als ich mein Haus betrat hörte ich ein
Flattern und mit den Flügeln Schlagen; ich hatte ein paar kleine
zierlich gefleckte Hennen, die oft zu mir ins Haus (das Zimmer
ist in Arkansas gewöhnlich gleich das ganze Haus) kamen, und die
Brosamen aufsuchten. Ich sah mich danach um, und fand das eine von
den beiden Hühnern unter dem Bett, anscheinend in Krämpfen, mit
den Flügeln schlagend, mit den Beinen strampelnd, die Augen
verdrehend, gerade wie ich die Bewegungen bei den Begeisterten
gesehen hatte, und -- es gab mir ordentlich einen Stich in's Herz
-- mit Schaum am Schnabel. _Da_ war ich überzeugt; das Huhn -- ob
sich die Menschen verstellten -- das Huhn verstellte sich _nicht_;
_das_ war Natur; der Zustand _war_ also natürlich, er existirte,
und von dem Augenblick an beschloß ich zu dieser Sekte
überzutreten.«
3: Das Prairiehuhn ist ein Mittelding etwa zwischen dem wilden Truthahn
und Rebhuhn; es erreicht die Größe eines gewöhnlichen Haushuhns, hat
aber einen ziemlich langen Hals und befiederte Stender, den kurzen,
niedergekehrten Schwanz aber vom Rebhuhn. Das Fleisch ist nicht
besonders, ziemlich dunkel und leicht zäh; nur die Brust ist gut,
doch trocken zu essen. Sie finden sich in ungeheueren Mengen über
die ganzen Prairieen von Illinois, und schaaren sich im Winter
besonders zu Völkern von vielen hunderten zusammen. Aufgescheucht
gehen sie aber ziemlich weit, ehe sie wieder einfallen, und
verlangen einen tüchtigen Schuß und schweren Schroth, erlegt zu
werden.