Endlich nahmen die Generale die Sache in die Hand, und im Handumdrehen
war der Streik zu Ende. Man brauchte nur etwas zuzugreifen und sofort
ging es. Die Generale waren für individuelle Behandlung. Wer ein Gewehr
tragen konnte, wurde in die Schützengräben verbannt, andere wanderten
ins Gefängnis und einige ins Irrenhaus. Die eingeschlagenen
Fensterscheiben der Straßenbahnwagen wurden durch neue ersetzt -- nichts
war geschehen. Nichts blieb zurück als ein leises, unterirdisches
Grollen, unhörbar für Ohren, die aus Greisenschädeln wuchsen.
Obwohl der Streik nur wenige Tage gedauert hatte, sprach der General die
Möglichkeit aus, daß dadurch der Sieg gefährdet sein konnte -- konnte,
nur eine Möglichkeit . . .
Das war also im Januar gewesen. Nun aber regten sich wieder Tag und
Nacht die ungezählten Hände, zerfressen von dem schlechten Öl, das von
den Drehbänken spritzte und die Ölkrätze hervorrief. Die Feenpaläste
schwammen wieder strahlend in den Nächten, der Lichtgürtel flammte
wieder um die Riesenstadt. Und im grauen Morgen, zur Zeit des
Schichtwechsels, rollten wie früher die Züge überfüllt mit Menschen, als
sei nichts geschehen. Hunderte von gelben Gesichtern in jedem Abteil,
Hunderte von gelben Gesichtern auf den Trittbrettern, auf den Dächern,
überall. Und die bleichen, übernächtigen Mädchen, die die Patronen
packten, kreischten und schrien.
Auch an diesem grauen Morgen rollten ganz wie sonst zur Zeit des
Schichtwechsels die Züge mit den gelben und todbleichen Gesichtern.
Hustend und frierend hasteten Kleiderbündel durch die Straßen der
Vorstädte, voller Angst, rechtzeitig die Kontrolle der eisernen Tore zu
passieren. Der Westen der Stadt lag noch in tiefem Schlaf, die Wächter,
die den Schlummer der Reichen bewachten, gähnten.
Auch an diesem Morgen rollte mit der Minute der bekannte Zug nach der
Westfront. Eine Leiche sah auf den Bahnsteig, suchte, pfiff sogar etwas
-- die Leiche -- es war Hauptmann Falk.
Wo bleibt denn dieser Knabe? Aber Otto kam nicht, und Hauptmann Falk zog
das Fenster hinauf, hüllte sich in den Mantel und schlief augenblicklich
ein, bevor der Zug die Station recht verlassen hatte.