Dora lachte: »Sie wollen mir Mut machen, Otto!«

Und Petersen schlug den zweiten, gelbseidenen Vorhang zurück.

Augenblicklich stürzte der belgische Griffon kläffend heraus. (Er war

mit Exzellenz verfeindet!)

Die Offiziere schnellten von ihren Sesseln empor.

* * * * *

Dora trug die kleinen mattgelben Perlen in den Ohren, nicht die Boutons,

die von früher stammten! Der General sah es auf den ersten Blick.

Mit aufgehellter Miene, soweit sie sich aufhellen konnte, trat er ein.

Selbst seine Augen verloren ihre Strenge, aber sie blieben trotzdem --

kalt.

Dora glühte im Schein der großen Purpurlampe, ihre Arme und Hände

leuchteten wie Korallen, und in ihrem durchsichtigen feinen Ohr

schimmerten in der Tat kleine gelbe Perlen. Aus dem Halbdämmer des

Zeltes hoben sich die drei schwarzgekleideten Damen Sterne-Dönhoff,

schmal, steif, todernst. (Major Sterne-Dönhoff war vor einem halben Jahr

gefallen.) Aus einem Spiegel funkelten bleiche Gesichter, fahl im

Scheine der blauen Ampel. Diese Gesichter verwirrten den General, so daß

er seine Gratulation etwas steifer und förmlicher vorbrachte, als er es

wünschte.

Erst jetzt bemerkte er, daß Hauptmann Wunderlich, einer der drei

anwesenden Offiziere, ein Freund des Dönhoffschen Hauses, noch immer

stand. Er hielt sich an den Lehnen des Sessels aufrecht, denn er war

lahm geschossen und ging an Krücken.

Erst jetzt bemerkte er die zarte, ätherische Dame mit dem langen

Gesicht, die Kinn und Näschen in den Muff drückte, neben Dora saß sie

auf dem Diwan -- ah, welche Überraschung, welch freudige und ungeahnte

Überraschung!

»Es ist in der Tat kein Scherz, gnädige Frau, mit dieser Grippe --«

»Ich hörte es von einem Krankenhausarzt -- einhundertvierzig Tote

gestern -- und wie gesagt, gar keine Grippe, sondern die Lungenpest --«

»Man sagt es ja nur, man schwätzt --«

»Derselbe Arzt versicherte es mir. Die Lungen sind völlig mit weißen

Bläschen bedeckt und vereitert.«

»Es sind einfache Streptokokken.«

»Ja, nun, Sie sagen einfache --«

»Und Pest? Auch Pest ist nur ein Wort.«

Vorlaut, immer ist dieser Junge vorlaut, dachte der General.

Otto, der Sohn des Generals, sprach mit lauter, heller Stimme, die stets

etwas keck klang, selbst wenn er die harmlosesten Dinge sagte. Er sah

seinem Vater auffallend ähnlich. Groß, das gebräunte Gesicht breit und

brutal, die Augen hell und verwegen, aber voller Unruhe. An der Stirne,

dicht neben den blonden, glänzenden Schläfenhaaren, hatte er eine Narbe,

die von einem Kopfschuß herrührte, den er im Mai 1915 bei Ypern erhielt.

Damals lag er ein halbes Jahr im Lazarett -- aber so gering war die Eile

der internationalen Generalität, daß er sein Regiment im Herbst noch an

genau derselben Stelle vorfand, wo man ihn im Frühjahr weggetragen

hatte. Er saß mit einer gewissen Ungeniertheit (die dem General mißfiel)

im Sessel, frei und selbstgefällig, die Brust voller Auszeichnungen --

im Gegensatz zum jungen Heinz Sterne-Dönhoff, der, ganz wie seine

Schwestern in Schwarz, bescheiden und steif dasaß. Dieser Heinz war noch

ein Knabe, schlank und zart, noch nicht neunzehn Jahre. Er trug Feldgrau

und -- seit heute -- das Abzeichen des Flugzeugführers. Er war indessen

noch nicht im Felde gewesen und lebte in der beständigen Angst, der

Krieg könnte zu Ende gehen, bevor die Reihe an ihn käme. Er hatte den

roten Mund eines Knaben, noch umschwebt vom Lächeln der Kindheit.

Unausgesetzt waren seine blauen, strahlenden Knabenaugen voller

Ehrfurcht auf den General gerichtet, auf seine Ordensschnalle, den

gestickten Kragen und das weiße große Emaillekreuz, das er am Kragen

trug. Was für ein Orden mochte es wohl sein? Seit dem Eintritt des

Generals öffnete er den Mund nicht mehr, die Nähe eines so hohen

Vorgesetzten bedrückte ihn. Er saß, bereit, jeden Augenblick

aufzuspringen, wenn sich die Gelegenheit bieten sollte, dem General

einen Dienst zu erweisen.

Mit großen grauen, etwas düsteren Katzenaugen saß neben Dora Hauptmann

Wunderlich. Blaß und mager, sah er aus wie ein achtzehnjähriger

Gymnasiast, der über Nacht ergraut war. Er lächelte nie, und wenn er --

selten, ganz selten -- einmal lächelte, so war es das Gespenst von einem

Lächeln, das niemand ertrug. Seine gleichmäßige Miene forderte indessen

auf, sich nicht im geringsten durch ihn stören zu lassen. Der Blick

seiner Augen glitt in die Ferne. Auch während er sprach, schien er zu

Leuten irgendwo in der Ferne zu reden und nicht zu den Anwesenden. An

seiner linken, mit einem goldenen Armband geschmückten Hand fehlten

einige Finger.

Hinter seinem Sessel lehnten die Krücken, womit er sich, nur mit einem

Fuß den Boden berührend, wie eine Glocke dahinschwang. Hauptmann

Wunderlich war schon in den ersten Wochen des Krieges durch einen

schweren Brustschuß außer Gefecht gesetzt worden. Ein Jahr später wurden

ihm in Rußland beide Beine zerschmettert. Hierauf ging er zur

Fliegerwaffe über. Er war heute einer der bekanntesten Menschenjäger in

der Luft. Er wurde in die Maschine gehoben.

Frau v. Sterne-Dönhoff mit ihren Töchtern, aus dem Halbdämmer sich

abhebend -- mit flachen Hüten, enganliegenden Kostümen, langen

Gesichtern, steif, still, langweilig. Nur selten warfen sie ein Wort in

die Unterhaltung. Sie trugen schwarze, sehr enge Glacéhandschuhe.

Und jene andere Dame, die Ätherische, die Kinn und Nase in den Muff

drückte und neben Dora auf dem breiten Diwan saß, die spitzen Knie

hochgezogen? Jene Dame, über deren Besuch der General so erfreut und

überrascht war?

Es war eine Gräfin Heller, soeben aus der Schweiz zurückgekommen. Gräfin

Heller war Spiritistin, Theosophin -- alles Dinge, die den General nicht

im geringsten interessierten. Sie war darüber hinaus die Schwester jenes

-- eben jenes »Schurken«, wie ihn der General in Gedanken nannte. Jener

einflußreichen Persönlichkeit, deren Name in der Gesellschaft nur

flüsternd ausgesprochen wurde. Seine Majestät hat ihm höchst eigenhändig

-- wissen Sie . . . Der General hatte nicht ahnen können, sie hier zu

treffen. Solche Zufälle gibt es! Aber vielleicht hatte Dora ihre Hand

dabei im Spiel? Dora, die mit ihrem künstlerischen Naturell auf

rätselhafte Weise die Gedanken ihrer Mitmenschen erriet und alles so

wunderbar zu arrangieren verstand? Wie?

»Ich hatte in der Tat nicht vermutet, Gräfin, Sie heute zu sehen!«

wandte sich der General mit allen Zeichen der freudigen Überraschung,

die bei jeder Anrede neu auflebte, an sie. »Sie waren lange weg. Wie

gefällt es Ihnen wieder in Deutschland?«

Gräfin Heller lächelte und schob Butzi ein Stückchen Torte zwischen die

scharfen, schneeweißen Zähnchen. »Ich finde es ent--setz--lich!«

»Ah, ah!«

»Ein Friedhof!«

Der General lächelte nachsichtig. Bei einer Dame des hohen Adels, des

höchsten Adels, der Schwester einer solch hochgestellten Persönlichkeit,

mußte man wohl einige Wunderlichkeiten in Kauf nehmen -- noch dazu bei

einer Dame, die mit dem Geist Friedrichs des Großen in okkulter

Verbindung stand.

In diesem Augenblick überbrachte Petersen ein Telegramm. Dora errötete,

als sie es öffnete. Es enthielt nur wenige Worte, wie man sehen konnte.

Der General ahnte: es kommt aus dem Felde!

Die Unterhaltung geriet ins Stocken.

3

In der Tat, das Telegramm -- das Dora lässig zusammenfaltete und in eine

kleine japanische Lackschale legte -- kam aus dem Felde. Hauptmann

Dönhoff hatte es heute morgen abgeschickt, und eben jetzt dachte er, ob

das Telegramm wohl schon angekommen sei. Beinahe nämlich hätte er Doras

Geburtstag vergessen. Erst in der Nacht, als er durch einen

dumpfkrachenden Einschlag geweckt wurde, war es ihm eingefallen und er

hatte sich sofort eine Notiz gemacht. Sein Gedächtnis war im Laufe der

Kriegsjahre völlig geschwunden.

Er saß mit seinem Adjutanten Kammerer in seinem Unterstand, zwei Meter

unter der Erde, mitten in den Finsternissen des Argonner Waldes. Eine

kleine Petroleumlampe, ein eiserner Ofen, der immer glühte, ein

Telephon, zwei Pritschen und allerlei Gerümpel, das war die Ausstattung.

Die Wände schwitzten von Nässe. Kammerer war eifrig damit beschäftigt,

seine kurze Stummelpfeife zu reinigen. Er bediente sich einer

Krähenfeder, die er -- da draußen -- gefunden hatte. Dönhoff, der

Batteriechef, tat gar nichts, er gähnte zuweilen, gähnte. Er war nicht

schläfrig, sondern nur müde, immerzu müde.

In der Ferne brummte ein schweres Geschütz. Ganz deutlich war sein

tiefes mächtiges Raubtierknurren aus dem Lärm, dem Knacken und Donnern

der fernen und nahen Geschütze herauszuhören.

Hauptmann Dönhoff hob horchend das gelbe Gesicht.

»Hören Sie? Da ist er wieder!«

Der junge Offizier blickte nicht auf, er war voller Andacht bei der

Arbeit.

»Er schießt jetzt wieder öfter mit dem schweren Geschütz«, erwiderte er

leichthin. »Sie haben mehr Munition.«

Die Erde zitterte, und ein lautes Krachen ertönte, Hauptmann Dönhoff

lachte belustigt. »Da, da,« sagte er, »er streut jetzt unsere Kuppe ab.«

Kammerer antwortete hierauf nichts mehr. Er blies voller Anstrengung in

das verstopfte Pfeifenrohr. Der braune Tabaksaft quoll heraus, aber, der

Teufel, immer noch mußte etwas im Rohr stecken.

»Sie sollten einen Draht nehmen, Kammerer.«

»Es muß auch so gehen --«

Wieder gähnte Hauptmann Dönhoff. Seine Zähne waren gelb und schlecht

gepflegt.

Hier in diesem verfluchten Wald wurde man, mit Respekt zu sagen, langsam

zu einem Schwein. Über ein Jahr lag er mit seiner Batterie an der

gleichen Stelle. Neulich sah es so aus, als ob sie nach der Champagne

kommen sollten -- aber es war wieder nichts daraus geworden. Auch die

Champagne war kein Paradies, aber es gab wenigstens Licht dort -- hier

war es immer düster.

Tag und Nacht hallte dieser finstere Wald wider von einem unheimlichen

Dröhnen und Rasseln, Lachen, Niesen und Husten. Tag und Nacht strichen

winselnde und klagende Stahlvögel über ihn dahin, und das Rasseln der

Maschinengewehre hämmerte hundertfach verstärkt in den Waldschluchten --

bis plötzlich alle Lärme von einem einzigen großen Lärm sekundenlang

übertönt wurden. Gestern ist die Eiche vor dem Unterstand zersplittert,

heute stürzte eine hohe Tanne zu Boden. Die Splitter leuchten in der

Finsternis. Der Regen rauscht, Ströme von Lehm fließen die schmalen

Knüppelwege hinab, die die Soldaten durch das Dickicht geschlagen haben.

Zuweilen trifft man auch ein menschenähnliches Wesen, bis an die Augen

mit Lehm beschmiert. Zuweilen schleppen sich auch Trüppchen von

Gespenstern, mit blutigen Binden an Köpfen und Armen, die Knüppelwege

hinunter -- nein, pfui, der Wald ist kein Platz für einen Gentleman!

Hauptmann Dönhoff denkt an Sonne -- an eine Wüste, in der Sonne,

flimmernd von Licht, zitternd, vibrierend vor Hitze. Es würde ihm direkt

Vergnügen machen, einmal tüchtig in der Sonne zu schwitzen. Und

plötzlich kommt ihm Dora in den Sinn. Das Telegramm mußte nun wohl da

sein. Langsam kriechen die Gedanken.

»Kannten Sie nicht General v. Hecht-Babenberg, Kammerer?«

»Welchen Babenberg?«

»Nun, den, wissen Sie -- man hat ihn nach Hause geschickt --«

»Nie gesehen. Weshalb fragen Sie?«

»Ich dachte gerade an ihn -- nur so --«

Was will er? dachte Dönhoff und erinnerte sich an das, was man ihm

berichtet hatte. Was beabsichtigt er? Dora? Erwachsene Kinder -- man

kann nie wissen. Dora drang darauf, daß er bald nach Berlin käme -- es

fehlte noch eine Unterschrift in der Urkunde -- gut, an ihm sollte es

nicht liegen.

Kammerer strahlte. Plötzlich pfiff die Luft durch das Pfeifenrohr. »So,

das Kind hat Luft --«

Das Telephon tutete. Die Beobachtung meldete, daß der Feind in der neuen

Sappe unverschämt arbeite.

Schon trillert Kammerers Pfeife draußen im Wald. Die Geschütze der

Batterie Dönhoff sind über eine weite Strecke verteilt und erst zu

erkennen, als die dunkeln Rohre sich plötzlich bewegen. Hier im Wald ist

es schon ganz düster, aber draußen bei der Beobachtung sind im

Scherenfernrohr noch deutlich die Nebelgestalten zu unterscheiden, die

dicht am Waldrande bei Boureuille Erde aufwerfen.

Da donnern auch schon die Geschütze. Wütend, mit kurzen harten Schlägen,

und das Echo rollt breit und drohend dahin. Die Petroleumlampe schwankt,

während Hauptmann Dönhoff müde die Augen schließt und gähnt.

Nun rieselt es draußen im Wald wie Regen. Die welken Blätter, die noch

an den Bäumen hängen, fallen, von den Luftwirbeln losgerissen, zu Boden.

* * * * *

»Und Ruth? Wo ist Ruth?« fragte Gräfin Heller. »Weshalb ist sie nicht

gekommen?«

»Sie hat immer mit ihrer Küche zu tun.« Ruth, die Tochter des Generals,

arbeitete in einer Mittelstandsküche, ehrenamtlich natürlich, nicht

gegen Bezahlung.

»Ruth war heute vormittag bei mir«, warf Dora ein.

Verführerisch war Doras Teetisch gedeckt, Blumen, Kuchen, Konfitüren.

»Wann wird die Hochzeit sein?« Ruth war mit einem Baron Dietz, einem der

reichsten pommerschen Grundbesitzer, verlobt. Er war zurzeit in Bukarest

bei der Verwaltung.

»Ich weiß es nicht«, erwiderte der General und schüttelte den Kopf. »Im

Sommer wahrscheinlich. Ruth hat Lust, bis zum Frieden zu warten, wie mir

scheint. Ich kümmere mich grundsätzlich nicht um die Angelegenheiten

meiner Kinder --«

Butzi, einem alternden übellaunigen Löwen lächerlichen Formats ähnlich,

saß auf dem Schoß seiner Herrin und betrachtete aufmerksam, mit

nachdenklich gekräuselter Stirn den General, seinen Feind, dessen

blanken Stiefeln nahezukommen gefährlich war.

Krieg, Nahrung, Politik -- in jeder Gesellschaft, sobald nur zwei

Menschen zusammentrafen, versank man rettungslos augenblicklich in das

gleiche Thema. Verzweifelte Anstrengungen, die Blicke glitten in die

Ferne, ein Lächeln versuchte die Mienen zu verklären -- gewiß, es gab

Himmel und Hölle im menschlichen Herzen, Engel und Teufel wandelten auf

der Erde, bestechend durch ihre Liebe und ihre Kraft, ewig

unergründliche Probleme bewegten unsichtbar die Jahrhunderte -- immer

noch flog die Sonne, ein Ball überhitzter Gase, samt ihren winzigen

Planeten mit der Geschwindigkeit von zwanzigtausend Sekundenmetern,

unfaßbar, dem Sternbild der Leier zu -- immer noch war das Einfachste

nicht ergründet, die Vergangenheit rätselhaft, die Zukunft

undurchdringlich, die Gegenwart unbegreiflich, immer noch schaukelte der

Mensch, ein Atom, nicht einmal ein Atom, über den Abgründen der

Mysterien, voller Entsetzen, voller Hoffen -- immer noch war alles

geheimnisvoll, unfaßbar. Noch immer versank der Mensch jede Nacht in

einen erschreckenden Zustand der Bewußtlosigkeit. Noch immer war die

Liebe, die mütterliche, unbegreifliche, offenbart im winzigen Insekt, in

Doras Lachen und selbst in den ernsten Gesichtern der Damen

Sterne-Dönhoff -- noch immer war sie allgegenwärtig -- gewiß! Aber doch

-- gänzlich hoffnungslos. Es war wie die Verdammnis selbst! Das

verklärende Lächeln erlosch, der Blick flüchtete erschrocken zurück --

nichts blieb: Politik, Krieg, Nahrung.

Das politische Schicksal -- die Summe der menschlichen Schwächen und

Irrtümer -- hatte die Gedanken versteinert. Die Staubschicht der

Schlachtfelder, die bis an die Grenze der Atmosphäre hochstieg, lastete

wie ein Gebirge auf den Gehirnen, vom Atlantik bis zum Pazifik -- die

Gehirne bewegten sich nicht mehr. Butzi allein führte sein eigenes

geistiges Leben weiter. Weshalb, zum Beispiel, durfte man den Hosen mit

den roten Streifen nicht zu nahe kommen? Weshalb zuckte die

Stiefelspitze, wenn man mit der Zunge den Glanz der Stiefel berühren

wollte? Antworte, gerechter Himmel! Wonach roch er? Nach, um es kurz zu

sagen, Gleichgültigkeit und Verachtung. Er liebte Hunde nicht. Und

plötzlich, ohne es selbst zu wollen, knurrte Butzi, ohne zu wissen, was

er tat und weshalb plötzlich der Zorn in seinem kleinen Stahlherzen

klopfte.

Butzi bekam sofort eine Ohrfeige. Aber das nahm er nicht übel. Denn es

war ja seine Herrin, deren Lachen er liebte, deren Geruch er liebte --

sie, die Freundschaft fühlte für die Hunde, Liebe. Die Wohltäterin und

Heilige -- obschon diese kläffenden Ungeheuer sie vielleicht für

verworfen hielten -- für schamlos -- für . . .

Nein, Butzi verstand die unartikulierten Laute dieser kläffenden

Ungeheuer nicht. Er begriff ihren Eifer nicht, ihre Erregung. Offensive,

die bevorstehende große Offensive -- der Entscheidungsschlag.

Unbegreiflich! Der Herr mit den roten Streifen glaubte nicht an die

Amerikaner, und die Damen lächelten. Wie beliebt? Bluff, mit einem Wort.

Er gestand, daß er besorgt war -- besorgt, nicht mehr! Hätten sie sich

auf Spezialwaffen beschränkt -- Fliegertruppen, Automobilkorps,

Artillerie -- er hätte vor Angst gefiebert. Aber eine Armee? Unmöglich!

Woher das Offizierkorps nehmen? Nun, die Rüstungen galten ja gar nicht

uns! Nein! Der größte und geschickteste Bluff der Geschichte.

Hier wollte Otto etwas einwerfen, aber der General wandte ihm den Blick

zu, und er schwieg.

Und die Transportfrage, ich bitte? Willkommene Beute für unsere U-Boote,

so sagte der Minister.

Die Damen hingen an den Lippen des Generals. Ihr Atem ging plötzlich

leichter. Gräfin Heller beliebte die Zwischenfrage: ob das Volk -- so

ganz im allgemeinen --?

Der Herr mit den roten Streifen runzelte vorwurfsvoll die Stirn. Dann

lösten sich seine Züge zu beschämender Zuversicht.

»Ein kleines Beispiel nur, wenn die Damen gestatten wollen -- wie

herrlich dieses Volk ist. Einer meiner Burschen, er begleitete mich

durch den ganzen Feldzug, Jakob mit dem Familiennamen, ein Bauernsohn.

Ich frage ihn, ob er nicht gerne wieder dabei wäre, da draußen, wenn es

nun wieder losgeht? Natürlich möchte er das! Er strahlt über das ganze

Gesicht! Sie sollten dieses Strahlen gesehen haben, Gräfin! Aber, sage

ich, höre, wenn ich dich nun hier brauche? -- Langes, tiefes Sinnen. Das

echt deutsche tiefe Sinnen! -- Dann bleibe ich bei Herrn General! --

Gräfin, zwei der augenfälligsten deutschen Charakterzüge mögen Sie in

dieser kleinen Szene erkennen: die dem Deutschen angeborene

Kampfesfreude und seine Mannestreue --«

Die Gräfin blinzelte lächelnd mit den gepuderten Wimpern. Immer noch

spricht der General. Jedes seiner Worte atmet Zuversicht. Heute abend

wird Gräfin Heller jede Einzelheit des Gesprächs jener einflußreichen

Persönlichkeit berichten. Jedermann weiß das. Der hohe Würdenträger ist

vorzüglich informiert über die Meinungen aller Persönlichkeiten, die

eine Rolle im öffentlichen Leben spielen. Sein Lächeln ist -- tödlich.

Ein anerkennendes Wort seiner schmalen Lippen mehr wert als eine

gewonnene Schlacht. Sehr wohl weiß der General, daß man _dort_ nur einen

gesunden Optimismus liebt.

Butzi ringelte sich resigniert auf dem warmen Schoß der Herrin zusammen.

Reserven, ungeheure Reserven. Gestaffelt bis Frankfurt, Mainz, selbst

Münster ist Etappe. Alles was in Rußland war -- die neuen Mannschaften

-- eine Millionenarmee, furchtbar und stark wie am Anfang des Krieges.

Wie eine unheimliche Flutwelle wird die Armee vorrollen, alles

niederwerfend --

Eine andere, etwas hellere und weniger trockene Stimme sprach nunmehr.

Es war der Mann mit den Krücken. Die Augen der Majorin Sterne-Dönhoff

leuchteten. Die Gräfin schlürfte blinzelnd den Tee.

Ja, das Gas! Das Gas wird der Armee den Weg bereiten! Das fürchterliche

Gelbkreuz und Blaukreuz. Es zerfrißt die Gasmasken, selbst Leder, jede

Berührung, auch die kleinste, ist tödlich.

Die Gesichter strahlten, schon röteten sich die Wangen der Schwestern

Sterne-Dönhoff und des jungen Heinz wie im Fieber. Der General blickte

mißtrauisch zum gelbseidenen Vorhang. Ob nicht ein Lauscher in der Nähe

sei, ein Dienstbote vielleicht. Er fand es im höchsten Grade

unvorsichtig von Hauptmann Wunderlich, über diese geheimen Dinge so

unumwunden zu sprechen -- obschon man ja, gewissermaßen, unter sich war.

Butzi war endlich eingeschlafen.

»Gebe Gott, daß es zu Ende geht«, sagte Gräfin Heller mit einem tiefen

Seufzer. »Ich möchte reisen!«

»Aber Sie können doch, Liebste? Sie reisen ja ununterbrochen!«

»Ich möchte nach Paris reisen!«

»Nach Paris!«

Aber augenblicklich hatte der General seine Fassung wieder gefunden. Er

beugte sich vor. »Sie werden nach Paris reisen, Gräfin!« versichert er

mit Feierlichkeit in der Stimme. »Ich gebe Ihnen mein Wort!«

»Ich werde -- Herr General?«

»Ja«, fuhr der General mit derselben Feierlichkeit fort. »Paris und

Calais werden fallen, Gräfin, die Trümmer der englischen Armee werden

ins Meer geworfen -- im Sommer werden wir in Paris den Frieden

diktieren. Dies ist meine heilige Überzeugung!«

»Gott segne Sie, General!« Gräfin Heller zog die kleine Hand aus dem

Muff und streckte sie lachend dem General entgegen.

Diese kleine Unterbrechung -- während sich der graue Scheitel über die

kleine Hand beugte -- benutzte Otto. Er erhob sich rasch, und auch Heinz

schnellte in die Höhe. Die beiden jungen Offiziere verabschiedeten sich.

Butzi erwachte, überzeugte sich, gegen den General schielend, daß er

noch blieb, und ringelte sich, ergeben in sein Schicksal, wieder

zusammen.

* * * * *

Otto beugte sich über Doras Hand, die wie eine Koralle blühte, und seine

hellen verwegenen Augen -- doch Dora wehrte lächelnd seinen Blick ab.

»Leben Sie wohl, Otto -- auf gesunde Wiederkehr!« sagte sie, und ihre

Grübchen schimmerten. --

»Ich hatte noch gar nicht Gelegenheit, Gräfin -- mich nach dem Befinden

Seiner Exzellenz zu erkundigen -- ich darf doch hoffen, daß Seine

Exzellenz --« Die Stimme des Generals sank zu einem ehrfurchtsvollen

Raunen herab.

»Seine Exzellenz waren vor kurzem in ernster Lebensgefahr. Der Hofzug,

wissen Sie -- und ein feindlicher Flieger -- eine Bombe -- aber Gott sei

Dank passierte nichts. Die Bombe traf, leider, einen Lazarettzug -- die

Armen --.« Die Gräfin aber hatte alles gefühlt. Zur selben Stunde

erwachte sie, im Traum erschreckt durch einen Feuerschein. So

geheimnisvoll innig war die Verbindung zwischen ihr und ihrem Bruder.

Das Gesicht des Generals zeigte äußerste Bestürzung.

»Ist es möglich -- eine Bombe -- und man erfährt es jetzt erst --?

Wann?«

»Vor etwa zehn Tagen.«

»Vor zehn Tagen! Und man -- haben Sie gehört, Dora?«

Der General konnte es gar nicht fassen.

4

Die beiden jungen Offiziere eilten mit raschen Schritten die nasse

dunkele Straße entlang. Beide waren verabredet, mit den Schwestern Klara

und Hedi Westphal, die zu Doras Kreis gehörten. Übrigens wußte keiner

von des andern Rendezvous. Das ganz nebenbei.

Otto schlug den Kragen des Mantels hoch und fluchte.

»Furchtbar, entsetzlich!«

»Wie beliebt?«

»Einfach entsetzlich!«

»Sie meinen, Otto?«

»Dieses Geschwätz! Diese Teegesellschaft! -- Ich gehe übrigens links,

Heinz. Ich muß zum Kaiserhof.« Otto machte erneut den Versuch, Heinz

abzuschütteln, weil er allein sein wollte. Was ahnte dieser Knabe --?

Aber Heinz verstand ihn nicht. »Es ist einerlei, wo ich einsteige. Das

heißt natürlich, wenn ich lästig bin?«

Heinz hatte Mühe mitzukommen, denn Otto machte rasende Fahrt. Mit Genuß

atmete er die feuchte Luft ein, die aus dem Tiergarten in alle Straßen

dieses Viertels strömte. Welcher Qualm bei Frau v. Dönhoff! Dora rauchte

englische, etwas parfümierte Zigaretten, sie bekam sie jetzt noch --

woher, das war rätselhaft, aber sie bekam sie jedenfalls. Auch Heinz war

glücklich, Doras Salon entronnen zu sein. Die Nähe des Generals hatte

ihn bedrückt. Er hatte auch nicht den Mund aufgetan und war sich albern,

kindisch und ungeheuer dumm vorgekommen. Die Ordenssterne des Generals

und besonders der gestickte Kragen (war ein Komet darauf gestickt oder

was sonst für eine sonderbare Sache?) hatten seine Phantasie verwirrt.

Glücklicherweise, ja, es war in der Tat ein Glück, hatte ihn der General

gar nicht beachtet. Nur bei der Begrüßung hatte er ihm flüchtig die Hand

gereicht und ihn mit jenem raschen Blick gestreift, mit dem hohe

Offiziere Untergebene in Gesellschaft begrüßen: kameradschaftlich,

verstehst du, aber welche Distanz! Übrigens, diese Hand des Generals,

sie war stählern und -- eisig kalt. Nie würde er diesen Händedruck

vergessen. Schon aber kehrte seine alte Sorge zurück.

»Glaubt Ihr Herr Vater wirklich, daß wir im Sommer in Paris sein

werden?« wandte er sich hastig an Otto.

Otto fuhr aus seinen Gedanken auf. Er war so zerstreut, daß er einen

Augenblick stehenblieb. Dampfsäulen fuhren aus seinem Mund, so schnell

atmete er, es war kalt geworden. Er blickte Heinz in die Augen, verstand

erst jetzt und lachte plötzlich.

»Natürlich glaubt er es. Er glaubt es schon seit über drei Jahren. Schon

im August 1914 hat er mir Lehren mitgegeben, wie ich mich in Paris zu

benehmen hätte. Er war übrigens nie in seinem Leben in Paris!«

»Also, er glaubt es?« sagte Heinz nachdenklich.

»Ja, ja, und er wird es glauben und wenn die Franzosen in Hannover

stünden. Er würde es auch dann noch glauben. Er ist so.«

»Aber glauben auch Sie es?«

Wieder lachte Otto kurz auf. »Ich?« sagte er, knurrte er. »Ich bin doch

kein Narr!« Nein, er, Otto glaubte nicht mehr an den Sieg der deutschen

Waffen, wie viele Frontoffiziere.

Kein Narr?

»Aber Ihr Herr Vater, Otto, der General --?«

Otto lachte nun laut und belustigt. »Die Generale haben ihre eigene

Meinung, lieber Heinz! Sie können das ja noch nicht verstehen, es ist

ein Kapitel für sich. Ich habe einmal bei Langemarck dreißig Prozent

meiner Leute liegenlassen, und mein General sagte: Na, das ging ja noch

gelinde ab. Wörtlich! Mein alter Herr, übrigens -- er will das Reich

Karls des Großen wieder errichten.«

»Sie glauben also nicht daran?« Heinz atmete erleichtert auf. »Es wäre

ja auch zu fatal,« fügte er hinzu, »jetzt, da ich eben Feldpilot

geworden bin.«,

Fast vier Jahre Krieg und immer noch dieselbe Geschichte, dachte Otto.

Da er aber schwieg, versuchte Heinz, ihm seinen Seelenzustand deutlicher

zu machen.

»Sie können mich nicht begreifen«, rief er aus. »Sie Glücklicher! Sie

fahren ja morgen zurück zur Front!«

Otto knöpfte den Mantel fester zu. Plötzlich fror er. Der Gedanke an die

Front benahm ihm für einen Augenblick den Atem. Die ganze Grausigkeit

der Zone des Todes, in der es nur zerschossene Gräben, eingeäscherte

Dörfer, zersplitterte Wälder gab, legte sich wie ein Alp auf seine

Brust. Weshalb auch, zum Teufel, mußte er jede Minute daran erinnert

werden, daß er morgen wieder zur Front zurück sollte? Jeder Mensch, der

die Front _nicht_ kannte, tat so, als fahre er zu einer Hochzeit. Ja,

tatsächlich man beglückwünschte ihn! Die Leute allerdings, die sie

kannten -- nun, die sagten gar nichts -- höchstens ein verstehendes,

etwas schadenfrohes Lächeln.

Die Kälte in der halbdunkeln Straße kroch an ihm empor, in seine Uniform

hinein. Er erinnerte sich voller Grauen an die Erdlöcher, in denen er,

völlig unverständlich, Jahre seines Lebens verbracht hatte, an den

eisigen Hauch, der von den Gräben ausging. Und plötzlich, ganz

unvermutet, schnürte ihm eine sonderbare Empfindung die Brust zusammen

-- Angst. Ja, Angst! Gleichzeitig sah er einen Feuerschein vor seinen

Augen, der ihn erschreckte: den kurzen hellen Blitz des explodierenden

Geschosses. Er erbleichte. Das Geräusch einer um die Ecke fahrenden

elektrischen Bahn hatte ihm das schleifende Fauchen einer Granate

vorgetäuscht.

Immer noch war er schneeweiß im Gesicht und sein Herz zuckte -- genau

wie draußen, wenn sie heranzischten.

»Hören Sie, Heinz,« sagte er, »wie diese Elektrische um die Kurve fährt?

Genau so kreischen und fauchen die Granaten. Sie werden noch bald genug

hinauskommen.«

Heinz beschleunigte unwillkürlich den Schritt. »Ich freue mich

unbändig«, rief er aus, indem er die strahlenden Knabenaugen zu Otto

hob. »Denken Sie, ich war fünfzehn, als der Krieg ausbrach, und ich

konnte ja nicht hoffen, noch mitkämpfen zu dürfen.«

»Auch wir, wir haben uns unbändig gefreut, als die ersten Granaten

einschlugen«, entgegnete Otto und gab seiner Stimme einen leichteren und

heiteren Klang. Immer noch pochte und zuckte sein Herz. Er wollte Heinz

auch nicht ahnen lassen, was in ihm vorging. Dieser Junge! Sollte er ihm

sagen, daß er in Angstschweiß gebadet -- betete? So unglaublich es

klingt. Betete! Er! Übrigens -- das ging ihm durch den Kopf -- bei

Souchez -- die Toten lagen mit ihren genagelten Stiefeln in Scharen

draußen -- sie hatten schwere Verluste, ein abgeschlagener Angriff -- da

kam ein bayrischer Priester. Der stieg auf den Graben -- im Feuer! --

das Kreuz erhoben und segnete die Gefallenen ein. Die Franzosen schossen

-- aber er, _er stand_ -- mit dem Kreuz in der Hand. Friede sei mit

Euch! Schrecklicher, herrlicher Augenblick! Er glaubte, glaubte! Die

Kugeln waren Wind für ihn. Aber er, Otto, er betete -- ohne zu glauben,

das ist etwas ganz anderes. Sollte er Heinz erzählen, wie sie liefen --

wie Ratten, auf die geschossen wird -- hin und her -- wie Ratten -- von

Unterstand zu Unterstand -- und zwar jeden Abend? Hohoho! Es wurde

Scheibe geschossen.

»Ja, auch wir haben gelacht, als die ersten Granaten einschlugen. Ich

erinnere mich deutlich. Es war beim Vormarsch. Plötzlich aber hing ein

Bein auf einem Obstbaum --«

»Wie? Ein Bein?«

»Ja, ein Bein. Mit dem Stiefel. Es hing im Kniegelenk auf einem Ast.«

»Brr!«

»Ja, und in diesem Augenblick hörten wir auf zu lachen und Hurra zu

schreien, denn wir hatten ja jeden Einschlag mit Hurra begrüßt. --

Übrigens ist es natürlich für Sie sehr interessant, da Sie die Scherze

noch nicht kennen -- für Sie als Flieger ganz besonders.«

»Sind Sie jemals im Felde geflogen? Nein? Ich stelle es mir wunderbar

vor. Ich habe Tausende von Fliegeraufnahmen gesehen, und ich glaube, daß

ich gleich vertraut sein werde mit allem. Nur das Warten ist

schrecklich.«

»Vergessen Sie nur nicht, wie gesagt, daß da draußen scharf geschossen

wird.«

Der junge Sterne-Dönhoff brach in ein heiteres Lachen aus. »Aber

natürlich, das ist ja gerade das Interessante bei der ganzen Sache,«

rief er aus, »im Feuer fliegen!«

Plötzlich, ganz unvermittelt, blieb Otto stehen und streckte Heinz die

Hand hin. »Ich muß jetzt -- Sie verzeihen, Heinz -- ich muß gehen!«

Immer noch war er etwas bleich.

»Auf Wiedersehen, Otto. Und hoffentlich im Felde!«

»Hoffentlich!«

Er hat auch seinen Knacks weg! dachte Heinz. Nein, wie nervös er ist!

Und doch soll er zum Pour le mérite vorgeschlagen sein!

* * * * *

Wie ein Rasender stürzte Otto die halbdunkle Straße hinab. Heinz sah ihm

verwundert nach.

Gerechter Gott, sollte man es für möglich halten? Auf gesunde

Wiederkehr! Er war gekommen, um ein paar Worte mit ihr zu sprechen. Ein

Lächeln, eine gepuderte Hand. Alles? Und eine ganze Gesellschaft saß da,

zu allem Unheil kam noch der Alte dazu --!

Da droben gab es keinen Stern, kein Licht, keine Wolken, nichts. Nur

eine dicke fettige Schicht von Ruß, aus der zuweilen flimmernde Tropfen

fielen, lag auf den häßlichen dunkeln Häusern, die vor Feuchtigkeit

schwitzten. Und schon war Otto in einem Blumengeschäft verschwunden.

Tulpen, Flammen und Glut, hellrote Rosen.

»Das Stück kostet --«

»Ich möchte alle.«

»Alle?« Sie kosteten ein Vermögen.

»Einen letzten Gruß!« schrieb Otto. Der neugierige Blick der kleinen

rothaarigen Verkäuferin, die ihn durch die Blumensträuße beobachtete,

verwirrte ihn. Er wurde abwechselnd bleich und rot, während er die paar

banalen Worte und die Adresse schrieb. Es mußte ja ganz unverfänglich

sein, jeder Mensch, dieser Petersen und diese Frida, die

herumspionierten, mußten die Karte lesen können. Ohne diese

Rücksichtnahme hätte er wohl gewußt, was er schreiben sollte.

Er hätte schreiben können: Ich werde Dich vor mir sehen -- und wieder

erbleichte er.

Die Liebe ist Gift, dachte der rothaarige Irrwisch und lächelte

spöttisch hinter dem Offizier her.

Ruhiger schritt Otto dahin. Plötzlich, sonderbar, hatte er Zeit! Morgen

früh um sieben Uhr ging der Zug. Nun wohl, das waren immerhin noch gute

zwölf Stunden. Der Abend lag vor ihm -- und die ganze Nacht.

Unangenehm nur war die Verabredung mit jener Dame im Kaiserhof. Sehen

wir zu, daß wir die Sache hinter uns bringen! Indessen -- keine Eile --

mochte sie getrost noch etwas warten. Er hatte es gewiß nicht an

Deutlichkeit fehlen lassen, oder? Schluß, zu Ende, sei ein tapferes

Mädchen usw. usw. Wie man in solchen Fällen zu schreiben pflegt. Nein,

nach diesem Brief gab es ein Zurück nicht mehr. Und doch hatte sie ihn

wieder beschwätzt. Sie begriff, sie war völlig einverstanden, zu Ende,

natürlich, aber sie wollte ihn vor seiner Abreise noch einmal kurz

sehen, wenn auch nur für einen Augenblick. Sie schrieb, daß sie von 5

bis 9 Uhr im Kaiserhof auf ihn warten werde. Er würde gewiß eine Minute

finden. Von 5 bis 9 Uhr! Es war natürlich ganz unmöglich, eine junge

Dame vier Stunden lang vergebens warten zu lassen, das sah er wohl ein.

Aber sie soll wenigstens etwas zappeln, dachte er und zündete sich

gemächlich eine Zigarette an. Er machte sogar noch einen unnötigen

Umweg.

»Diese Hedi!« Verächtlich stieß er die Luft durch die Nase.

Wie der General verachtete auch Otto im Grunde seines Herzens die

Frauen.

Er kaufte eine Abendzeitung und durchflog sie unter einer Laterne.

5

Heinz war, so schnell ihn die Füße trugen, zur Station der

Untergrundbahn geeilt. Er hatte ja Klara benachrichtigt, daß es etwas

später werden könnte, trotzdem . . .

Es war die Stunde des Geschäftsschlusses.

Berlin war wie ein schmutziger Schwamm, der ausgedrückt wird. Ströme von

Schmutz flossen aus dem finsteren Himmel, von den Dächern und den

tausendfenstrigen Hauswänden. Der Schmutz wälzte sich über die Straßen

und stieg in den durchlöcherten Stiefelsohlen bis an die Knöchel. Die

Menschen in ihren abgeschabten, dünnen Kleidern, blau vor Kälte und

Hunger, quollen aus den frostigen Häusern und stürzten hinab in die

windigen Kamine, die zur Untergrundbahn führen. Sie stauten sich auf den

Bahnhöfen, geballt zu einer Wolke von Bitterkeit und Wut. Die

überfüllten Züge fegten, triefend von Dunst und Schmutz, mitten hinein

in die Menschenknäuel, die sich rasend gegen Türen und Scheiben warfen,

um nicht auf den finstern, feuchten Perrons zurückbleiben zu müssen.

Die Schaffnerinnen -- ihre Männer waren im Feld, faulten längst in den

Massengräbern, verbluteten in dieser Minute, die Kinder hungerten zu

Hause in einer kalten Stube -- die Schaffnerinnen, gepeinigt bis aufs

Blut von den jagenden Zügen, klirrenden Scheiben und kämpfenden

Menschenmassen, schrien mit schrillen, gellenden Stimmen, als ob sie

erdolcht würden. (Und ach, sie wurden erdolcht, jede Minute stieß ihnen

unbarmherzig das Messer ins Herz.)

Zu Blöcken zusammengepreßt, flogen die Menschen durch die dunkeln

Tunnels voll stummer gegenseitiger Raserei. Sie schwiegen. Sie

fürchteten Spione und Agenten. Sie fürchteten den Terror der Albernheit.

Sie lächelten und lachten nicht mehr. Sie fühlten das Verhängnis dicht

vor sich, um sich, über sich, wo am Dach des Wagens sich all die Dünste

der zusammengedrängten Menschenmassen stauten. Dieses Verhängnis, dessen

Widerschein in allen Augen glänzte, begleitete sie durch die finsteren

Tunnels, über die klirrenden Brücken und flutete mit ihnen über die

menschenwimmelnden Perrons. Flogen die Züge in die Stollen hinab, so war

es für viele, als ginge es in die Hölle mit ihnen, und der kalte Schweiß

trat auf ihre Stirn.

Dunkelheit, Kälte und Hunger drohten aus den Straßenschluchten. Diese

drei Gespenster ergriffen Besitz von Berlin, das sich drei Kriegswinter

hindurch tapfer verteidigt hatte, um im vierten zu kapitulieren. Täglich

breiteten sie sich mehr über die Stadt aus. Sie eroberten Häuserblock um

Häuserblock, Straßenzüge um Straßenzüge, Stadtviertel um Stadtviertel,

und drangen langsam zum Herzen der Stadt vor. Als ein viertes Gespenst

war noch die Grippe dazugekommen. Dieses Gespenst war überall, wo sich

Menschen ansammelten. Es machte alle Fahrten auf den überfüllten

Untergrundzügen mit. Die Passagiere husteten sich gegenseitig den Tod

ins Gesicht. Viele von ihnen machten heute ihre letzte Fahrt. Mit

Vorliebe suchte dieses vierte Gespenst sich junge Exemplare aus, es

liebte zartes Fleisch. Sie starben von der Berührung. Die Alten brachte

es nur um eine gute Strecke der Grube näher, in die sie eines Tages,

entkräftet vor Hunger und zermürbt von der Verzweiflung, ganz von selbst

stürzen würden.

Heinz mußte einen überfüllten Zug vorbei lassen. Ein Paar grober Fäuste

schleuderte ihn zurück. Selbst beim nächsten Zug verdankte er es nur

seinem freundlichen Knabengesicht und dem Lächeln auf den roten Lippen,

daß man ihn mitnahm.

Augenblicklich dachte er an die grüne Mütze. In wenigen Minuten würde er

sie sehen!

Eine grüne Wollmütze, flott nach hinten gerückt, grasgrün, mit einer

ebensolchen grasgrünen Seidenquaste in der Mitte, gewiß ist sie nichts,

aber sie kann im Herzen eines Menschen soviel sein wie der Christus in

der Kirche. Zuweilen, wenn die Züge seiner Dame in seinem Gedächtnis

verblaßten, sehr selten geschah es -- die grüne Wollmütze blieb zurück,

keine Macht konnte sie ihm entreißen. Und allmählich, wie durch einen

Zauber, fügten sich dann wieder Haar, Wangen, Ohr -- alles daran.

Diese grüne Wollmütze leuchtete über den Wittenbergplatz, als er den

Bahnhof verließ -- weithin, wie ein Scheinwerfer. Und doch war es nur

ein handgroßer Fleck von Grün, nicht einmal sehr deutlich im Schein

einer Laterne. Durch das Gewimmel von Menschen hindurch drang Heinzens

Blick, als ob die Menschen transparent wären, er sah seine Dame von den

Schuhen bis zur Wollmütze, in ihrer ganzen Figur, obschon sie mitten in

einem Knäuel von Wartenden bei der Haltestelle der Elektrischen stand.

Das war jedenfalls ganz wunderbar. Er erkannte die Linie ihres

anliegenden Jacketts, er sah sogar, daß sie ein Päckchen am Finger trug.

Plötzlich traf eine Stimme Klaras Ohr! Aber Heinz hatte gar nicht

gerufen. Sie blickte im gleichen Augenblick auf ihn, ihre Blicke

begegneten sich durch das Gewimmel. Sie lächelte, ihr Lächeln kam näher,

es wurde leuchtender und strahlender, überblendete Menschenschatten,

Finsternis und schmutzige Straße, und endlich glänzte es dicht vor ihm.

Es hatte sich nun wiederum auf seine Quelle zurückgezogen. Es leuchtete

aus ihren Augen, aus ihren Lippen, weißen Zähnen, aus ihren Wangen und

selbst aus ihren blonden Haaren, auf denen einige Regentropfen wie Tau

glitzerten.

Beide erröteten und fingen gleichzeitig an zu reden. Es war völlig

einerlei, was sie sagten. Sie freuten sich an dem Klang ihrer Stimmen,

die durcheinander klangen.

»Sie haben -- du hast --«

»-- tausendmal Verzeihung jedenfalls -- meine Cousine wollte mich

Hauptmann Wunderlich vorstellen, der eine Kampfstaffel führt --«

Die grüne Wollmütze glitt die Straße hinab, die seidene grüne Quaste

baumelte hin und her.

Wie wunderbar frisch ihre Halskrause ist, dachte Heinz und wie fest ihr

Jackett um die Hüfte schließt. Sie aber bewunderte den Schnitt seines

Mantels, der nahezu bis zur Erde reichte und viel zu weit war, und seine

seidene Mütze, die eine kecke Beule aufwies.

»Du trägst ja nun das Abzeichen!« rief die junge Dame plötzlich

überrascht aus. Mit einem raschen Blick hatte sie, als er nur einen

Augenblick den Mantel aufknöpfte, sofort das Fliegerabzeichen entdeckt.

»Ich habe es gestern bekommen.«

»Ich gratuliere.« Das war wohl eine Gelegenheit, ihr die Hand zu geben.

Heinz berührte die Spitzen ihrer zarten, ach so zarten und unbegreiflich

dünnen Finger.

»Gestern flog ich über Berlin«, erzählte er lebhaft. »Ich flog über den

Wittenbergplatz und den Kurfürstendamm entlang. Bei der Gedächtniskirche

drosselte ich den Motor und ging auf fünfhundert Meter herunter. Ich sah

das Treiben der Menschen und dachte, vielleicht geht auch Klara Westphal

da unten.«

Nein, Klara Westphal war zu Hause.

Klara streifte ihren jungen Helden mit einem bewundernden Blick. Sie

konnte wohl beobachten, daß die Damen den schlanken Offizier anblickten,

und manche drehten sich sogar um, so schön und frisch war er. Er ging

sorglos und strahlend, die Mütze etwas keck aufs Ohr geschoben, und er

hatte eine besonders flotte Art zu grüßen, als gebe es Vorgesetzte für

ihn nicht. Sein Gruß hatte zuweilen sogar etwas Herablassendes und

Gönnerhaftes. Jetzt, da er neben Klara ging, war er völlig frei von

seiner kindischen Ehrfurcht vor allem, was Achselstücke mit Sternen

trug.

»Und dein Kommando?«

»Leider ist es noch nichts damit. Nun aber hat Hauptmann Wunderlich mir

versprochen, mich für seine Kampfstaffel anzufordern, sobald es möglich

ist.«

Nichts fürchtete Klara mehr als diesen schrecklichen Augenblick, wo das

Kommando kam. Schon jetzt klopfte ihr das Herz.

»Wohin wollen wir gehen?«

»Es ist ganz gleichgültig.«

Es war in der Tat völlig gleichgültig. Wenn sie nur nebeneinander

hergehen durften, verstrickt durch das Unergründliche, unbegreiflich

Süße, Geheimnisvolle -- Blicke, Gesten, Lachen, Worte, das war ja das

allerwenigste.

Die Menschen, die aus Elektrischen sprangen und in Restaurants eilten,

die Unverschämten, die sie anblickten und Bemerkungen austauschten --

sie sahen sie gar nicht.

Sie bogen in eine dunkele Straße ein, und sofort strahlten Klaras Augen

wie Feuer, ihr blondes Haar flammte unter der grünen Mütze und ihre

etwas vollen Wangen begannen geheimnisvoll zu schimmern. Ihr kleiner

Mund aber glänzte naß und tiefrot.

Wunderbar! Hier in der Dunkelheit sah Heinz, daß sie atmete, was er

früher nie beobachtet hatte. Ihre Brust bewegte sich, ergreifend, unter

dem enganliegenden Jackett gleichmäßig auf und ab. Zum ersten Male hörte

er auch ihren Atem, den er nie gehört hatte.

Klaras Lippen wurden durch ein Lächeln geöffnet, und im gleichen

Augenblick rief sie jauchzend aus: »Es schneit, Heinz! Es schneit!« Und

schon flog die grüne Mütze mit der baumelnden Quaste davon.

»Komm, komm!« Sie streckte ihm die Hand hin.

Nun liefen sie beide in den wirbelnden Schnee hinein.

Unterdessen wartete Hedi Westphal in der Halle des »Kaiserhofs«. Und

Otto las unter einer Laterne gemächlich die Abendzeitung.

6

Hedi hatte längst den Tee ausgetrunken. Sie hätte gern eine zweite

Portion bestellt, aber sie mußte sparen. Ewig diese Geldmisere!

Ihr Vater war Geheimer Rat im Auswärtigen Amt. Da schlich er täglich in

Gamaschen und Seidenhut an den beiden Sphinxfiguren des Vestibüls

vorüber, die immer so eigentümlich lächelten. Dann knackte er in seinem

Bureau mit den Fingern, zupfte an seinem dünnen Chinesenbart und

vertiefte sich in die Zeitungen. Diese Tätigkeit war nicht besonders

aufreibend, aber sie war schlecht bezahlt und die Westphals ohne

Vermögen.

Trotz des lächerlich geringen Taschengeldes war Hedi ganz Lady -- von

den tadellosen Stiefelchen an bis hinauf zu dem kleinen Reiher auf dem

silbergrauen Seidenhütchen. Sie trug einen weißen Schleier mit

silbergrauer Stickerei. Sie war noch blonder als Klara, nahezu

weißblond.

Den weißen Schleier mit den silbergrauen Ornamenten schob sie zuweilen

über das Näschen und nippte, die Hand graziös geformt, an der leeren

Teetasse.

Würdevoll war ihre Haltung, etwas lässig. Die Umwelt existierte nicht

für sie. In vollkommenem Gleichgewicht schwebend saß sie da.

Die Musik wehte. Butterfly.

Ein älterer Offizier mit einer mächtig funkelnden Glatze beobachtete sie

in auffallender Weise. Hedi wandte das Gesicht mit einem gelangweilten

Blinzeln in eine andere Richtung. Nun aber hatte sich ein junger Herr in

einem Klubsessel am Mittelgang niedergelassen. Er trug einen weiten

Mantel von auffallend heller Farbe, tadellose braune Stiefel, nagelneu,

eine Sehenswürdigkeit in diesen Tagen. Eine Zigarette im Mundwinkel saß

er da und stieß mit einem dünnen Stöckchen im Takte der Musik auf den

Teppich. Zuweilen ließ er seinen Blick über Hedi gleiten, aber in

gänzlich unauffälliger Weise, so daß sie ihn niemals dabei ertappen

konnte. Im letzten Moment huschte der Blick stets über sie in die Höhe

zur Decke. Vielleicht hatte sie ihn schon gesehen? Er kam ihr irgendwie

bekannt vor. Nun brachte ihm ein Kellner ein kleines Glas und goß eine

rote Flüssigkeit ein. Der junge Mann nahm aus seiner Manteltasche einen

Pack Papiergeld und reichte dem Kellner eine Note, um gleich darauf

wegzublicken. Der Kellner verneigte sich tief. Hedi blickte auf die

Armbanduhr, und ihre Miene sah enttäuscht aus. Es war einhalb sieben

Uhr. Die Musik spielte einen Tango. Der Herr in dem weiten Mantel hatte

die rote Flüssigkeit ausgetrunken, stand auf und ging. Aber nach wenigen

Minuten kam er wieder zurück. Er trug einen Strauß weißer Rosen in der

Hand, den er vor sich auf den Tisch legte. Er wartet, auch er! Wieder

schwebte Hedi in vollkommenem Gleichgewicht.

Dann saßen da noch einige Damen, mit Brillanten, Perlen, Pelzen, Puppen

mit einem Wort -- Hedi sah sie überhaupt nicht.

Schon begann der Saal sich zu leeren. Die Kellner räumten die Teetische

ab. Im Speisesaal flammten Lichter auf, und die Kellner gingen hinter

den Spiegelscheiben zwischen den weißgedeckten, mit Blumen geschmückten

Tischen hin und her und legten die Kuverts auf. Der Herr im hellen

weiten Mantel saß immer noch in seinem Klubsessel. Glattrasiert, blau

ums Kinn, die gescheitelten Haare pechschwarz, sah er -- wie es Hedi

schien -- wie ein Spanier aus. Er hatte sich bequem zurückgelehnt und

starrte sinnend zur Decke empor, während seine Fußspitze im Takte der

Musik wippte. Nur zuweilen, wenn er die Asche von seiner Zigarette

streifte, glitt sein Blick über Hedi hin. Unbeachtet lagen die weißen

Rosen vor ihm auf dem Tisch.

Hedi schob trotzig die Oberlippe in die Höhe gegen den Schleier -- sie

wurde ungeduldig. Aber in diesem Augenblick sah sie Otto hereinkommen.

Er trat schnell durch den Mittelgang. Das Blut stieg ihr in den Kopf,

und plötzlich schlug ihr Herz im Halse. Sein braunes Gesicht glänzte von

der frischen Luft, und aus diesem braunen, glänzenden Erzgesicht, das

sie geliebt hatte, sprühten wild und verwegen die hellgrauen Augen der

Hecht-Babenberg.

Welche Träume starben dahin, welche Träume versanken! Während der Tango

kollerte, gurrte, kleine wollüstige Schreie ausstieß.

Sie krachten zusammen mit Donnergepolter wie Riesenschlösser, deren

Fundament nachgibt, sie zersprangen wie Paläste aus Glas -- in nichts!

Babenberg und Rothwasser, die Familiengüter der Hecht-Babenberg -- mit

den hundertjährigen Bäumen, dem Sommergeruch auf den endlosen

Kornfeldern, dem Ziegelwerk, den brüllenden Viehherden bei den Weihern

-- die Erde verschlang sie! Der Besuch ihres kleinen Papas, den die

Bureauluft zur Mumie ausgetrocknet hatte -- dahin! Die Berühmtheiten,

Feldherrn und Minister, die ihren Hausball besuchten -- in Staub

zerfielen sie. Ihre Audienz beim Kaiser, ihr Kniefall vor Seiner

Majestät, wegen irgendeiner Sache -- ein Nebelfetzen! Und all die

Phantasien, gesehen in den Augenblicken, da der Blick bricht in

Verzückung -- nichts!

Während der Tango unter ihren Schuhsohlen im Parkett klopfte.

Der 9. November: Roman · 第 8 / 74 题