Dröhnend braust's dahin durch Kijews Vorstadt: Da feiert Gorobetz, der
Kosakenhauptmann, den sie Jessaul nennen, die Hochzeit seines Sohnes.
Viel Leute sind beim Jessaul zu Gast. In alten Zeiten liebte man's wohl,
gut zu essen, gut zu trinken und noch lieber mocht' man lustig sein. Auf
braunem Roß kam Mikitka, der Saporoger Kosak, stracks vom gewaltigen
Zechgelag auf dem Pereschlaj-Gefilde, allwo er sieben Nächte und sieben
Tage des Königs Schlachta mit rotem Weine bewirtet hatte. Auch der
Kriegskamerad des Jessaul, Danilo Burulbasch kam angefahren vom anderen
Ufer des Dnjepr, wo zwischen zwei Bergen sein Landgut lag; er kam mit
seinem jungen Weibe Katerina und seinem einjährigen Sohne. Die Gäste
staunten über das weiße Gesicht der Pani Katerina, über die Brauen, die
schwarz wie deutscher Sammet waren, über den prächtigen Rock und die
Jacke aus altertümlich blauer Seide, und über die Stiefel mit den
silbernen Hufen; aber mehr noch nahm sie's wunder, daß der alte Vater
nicht mit ihnen zusammen gekommen war. Der lebte seit einem Jahr in dem
Landstrich hinterm Dnjepr, einundzwanzig Jahre war er verschollen
gewesen und erst zu seinem Töchterchen zurückgekehrt, als es vermählt
war und einen Sohn geboren hatte. Gewiß hätt' er viel Wunderliches
erzählen können. Ja, wie hätte er auch nicht erzählen können, da er doch
so lange im fremden Lande geweilt! Dort ist doch alles so anders wie
hier: die Menschen sind anders, und dort gibts auch keine christlichen
Kirchen ..... Allein er war nicht gekommen.
Den Gästen ward Schnaps mit Rosinen und Pflaumen und auf einer großen
Schüssel Hochzeitsbrot gereicht. Die Musikanten griffen tief in den
Brotlaib hinein, wo Geld eingebacken war; verstummten eine kurze Zeit
lang und legten die Zymbeln, Geigen und Pauken beiseite. Indes wischten
sich die jungen Frauen und die Mädchen mit gestickten Tüchern den Mund
und traten wieder aus ihren Reihen hervor, während die Burschen, die
Hände in die Hüften gestützt, stolz zur Seite blickend, gerad ihnen
entgegen wollten, als der alte Jessaul zwei Heiligenbilder herbeitrug,
um das junge Paar zu segnen. Er hatte diese Bilder von einem würdigen
Eremiten, dem greisen Bartholomäus erhalten. Ihr Zierat war nicht reich,
weder Silber noch Gold funkelte auf ihnen, und doch hätte keine unreine
Macht es gewagt, den zu berühren, in dessen Haus sie sich befanden. Der
Jessaul hob die Bilder in die Höhe und schickte sich an, ein kurzes
Gebet zu sprechen ...... da schrien die Kinder, die am Boden spielten,
auf einmal in hellem Schreck auf, das Volk wich zurück hinter ihnen, und
alle wiesen voll Angst auf einen Kosaken, der in ihrer Mitte stand. Wer
er war, das wußte niemand zu sagen, aber schon fing er wacker an, seinen
Kosakentanz zu tanzen und ergötzte die Menge, die ihn umringte und
brachte sie zum Lachen. Als jedoch der Jessaul die Heiligenbilder
emporhob, da verwandelte sich auf einmal das Antlitz des Kosaken: die
Nase fing an zu wachsen, wurde größer und größer und krümmte sich zur
Seite; grüne Äuglein blitzten anstelle der grauen hervor, die Lippen
wurden blau, das Kinn fing an zu zittern und wurde spitz wie ein Speer,
aus dem Mund entsprangen zwei Hauer, hinter dem Kopfe wölbte sich ein
Buckel empor, und der Kosak wurde zum Greise.
»Das ist _er_! Das ist _er_!« schrien die Menschen, sich eng aneinander
drängend.
»Der Zauberer ist wieder da!« schrien die Mütter und faßten ihre Kinder
schnell bei der Hand.
Würdig und stolz trat der Jessaul vor, und während er die Heiligenbilder
vor sich hinhielt, sprach er mit lauter Stimme:
»Verschwinde, Satansbild! Für dich ist kein Platz hier!«
Und siehe da, der seltsame Greis knirschte zischend mit den Zähnen wie
ein Wolf, und verschwand.
Da erhob sich ein Raunen und Reden unter dem Volke, schwoll immer mehr
an und rollte dahin wie das Brausen des Meeres im Ungewitter.
»Was ist das für ein Hexenmeister!« fragten die Jungen und Unerfahrenen.
»Ein Unheil zieht herauf!« sprachen die Alten kopfschüttelnd, und
überall im weiten Gehöfte des Jessaul lauschten die Haufen des Volkes
den Geschichten von dem unheimlichen Zauberer. Doch beinahe alle wußten
Verschiedenes zu erzählen, und niemand konnte etwas Sicheres von ihm
berichten.
Ein Faß Meth ward auf den Hof gerollt und nicht allzuwenige Eimer voll
griechischen Weines stellte man hin. Und wiederum tobte es lustig
weiter. Die Musikanten spielten drauf los -- und die Mädchen, die jungen
Frauen und die noblen Kosaken in blanken Schupans wirbelten wild
durcheinander. Das Greisenvolk der Neunzig- und Hundertjährigen wagte,
auch schon bezecht, ein Tänzchen und gedachte so mancher Jahre, die
nicht ganz tatenlos verflossen waren. Bis zur späten Nacht wurde gezecht
und so wurde gezecht, wie man's jetzt nimmermehr tut. Dann strömten die
Gäste auseinander, aber nur wenige gingen ihres Weges: viele blieben in
dem weiten Hofraume des Jessaul über Nacht, und noch viel mehr Kosaken
schliefen von selbst ein, ungebeten, unter den Bänken, auf dem Fußboden,
neben den Rossen oder vor den Ställen: und wo ein rechter Kosak im
Rausche hintaumelte, da lag er auch schon und schnarchte laut über ganz
Kijew.