Schon längst hatte die Dämmerung begonnen und der Abend war bereits
hereingebrochen, als ich aus einem schweren Traum erwachte und mir der
ganzen Gegenwart und Wirklichkeit bewußt wurde.
„Nelly,“ sagte ich zu ihr, „du bist krank und niedergeschlagen und ich
muß dich in diesem Zustande allein lassen. Doch du wirst mir vergeben,
mein Kind, wenn ich dir sage, daß ein unglückliches, verlassenes und von
mir geliebtes Wesen mich erwartet ... ja – sie erwartet mich ... und ich
habe keine Ruhe, ich kann mich nicht überwinden, ich muß sie sofort
sehen ...“
Ich weiß nicht, ob Nelly verstanden hatte, was ich ihr sagte. Meine
Nerven waren durch meine Krankheit und durch Nellys Erzählung dermaßen
erregt, daß ich sofort, von Sorgen getrieben, und ohne mich weiter um
Nelly zu kümmern, zu Natascha eilte. Es war schon spät, gegen neun Uhr
abends, als ich bei ihr eintrat.
Noch auf der Straße, am Haustor, hatte ich eine Equipage bemerkt, die
mir diejenige des Fürsten zu sein schien. Der Eingang zu Nataschas
Wohnung ging vom Hof aus. Kaum als ich die Stiege betreten hatte, hörte
ich vor mir, eine Treppe höher, einen Menschen sich vorsichtig
hinauftasten, und zwar ganz wie einer, dem die Treppe fremd war. Ich
dachte zuerst, es sei der Fürst, doch schien es mir schon bald darauf,
daß ich mich getäuscht hatte, denn der Unbekannte vor mir schimpfte und
verfluchte seinen Weg mit Worten, die um so gemeiner wurden, je höher er
stieg. Freilich war die Treppe eng, schmutzig, steil, kaum erleuchtet,
doch mußte ich die Flüche dieses Menschen eher einem Fuhrkerl als einem
Fürsten zutrauen. Der dritte Stock war hell erleuchtet: vor Nataschas
Tür brannte immer eine kleine Lampe. Ich holte den Unbekannten kurz vor
ihrer Tür ein und – wie groß war meine Verwunderung, als ich in ihm doch
den Fürsten erkannte. Es schien, daß ihn dieses Zusammentreffen mit mir
sehr unangenehm berührte. Im ersten Augenblick erkannte er mich nicht,
doch plötzlich veränderte sich sein Gesicht vollkommen. Sein kurzer
wütender Blick auf mich wurde heiter und freundlich und mit
außerordentlicher Liebenswürdigkeit streckte er mir seine beiden Hände
entgegen.
„Ach, das sind Sie! Ich wollte schon Gott um die Errettung meines Lebens
anflehen. Haben Sie gehört, wie ich fluchte?“
Und er lachte herzlich, auf die allerungezwungenste Weise. Doch
plötzlich verfinsterte sich sein Gesicht wieder und nahm einen besorgten
Ausdruck an.
„Aljoscha konnte Natalja Nikolajewna in dieser Wohnung unterbringen!“
sagte er bedenklich den Kopf schüttelnd. „Diese sogenannten
Kleinigkeiten kennzeichnen den Menschen. Ich fürchte für ihn ... Er ist
gut, er hat ein edles Herz, doch da haben Sie ein Beispiel: diejenige,
die er über alles liebt, bringt er in einer Hundehütte unter. Ich hörte
sogar, sie hätte oft nichts zu essen gehabt,“ fügte er flüsternd hinzu,
mit der Hand nach der Klingel tastend. „Mir brummt der Schädel, wenn ich
an seine Zukunft denke und hauptsächlich an die Zukunft Anna
Nikolajewnas, wenn sie seine Frau wird ...“
Er hatte sich im Namen geirrt und vor Ärger darüber, daß er die Klingel
nicht finden konnte, dies gar nicht bemerkt. Eine Klingel gab es nicht.
Ich drückte auf die Türklinke und Mawra öffnete sofort, sich höflich
verneigend. In der Küche, die von dem kleinen Vorzimmer durch eine
Bretterwand geschieden war, bemerkte man die getroffenen Vorbereitungen;
alles in ihr war außergewöhnlich sauber. Im Ofen brannte Feuer, auf dem
Tisch stand neues Geschirr. Offenbar hatte man uns erwartet.
„Ist Aljoscha hier?“ fragte sie der Fürst, als sie uns die Mäntel
abnahm.
„Er ist nicht hier gewesen,“ flüsterte sie mir auf die Frage
geheimnisvoll zu.
Wir betraten Nataschas Zimmer. In ihrem Zimmer war von besonderen
Vorbereitungen nichts zu bemerken. Bei ihr war es übrigens immer so
sauber und anheimelnd, daß es besonderer Vorbereitungen gar nicht
bedurfte. Natascha empfing uns an der Tür. Ich war erschrocken über ihr
elendes Aussehen, über ihre krankhafte Blässe, obgleich in diesem
Augenblick leichte Röte in ihre Wangen stieg. Ihre Augen glänzten
fieberhaft. Sie schwieg und reichte ein wenig verlegen dem Fürsten
hastig die Hand. Mich schien sie überhaupt nicht zu bemerken. Ich stand
und wartete schweigend.
„Da bin ich!“ begann der Fürst freundschaftlich und heiter. „Vor ein
paar Stunden bin ich zurückgekehrt, und die ganze Zeit über habe ich an
Sie gedacht (er küßte zärtlich ihre Hand). Viel, sehr viel habe ich
Ihnen zu sagen ... Doch davon später! Mein Taugenichts ist noch nicht
hier, wie ich sehe ...“
„Erlauben Sie, Fürst,“ unterbrach ihn Natascha etwas verwirrt, „ich habe
Iwan Petrowitsch ein paar Worte zu sagen. Wanjä komm ... einen
Augenblick.“
Sie nahm mich an der Hand und führte mich hinter den Vorhang.
„Wanjä,“ sagte sie halblaut, und sie führte mich in den allerdunkelsten
Winkel, „wirst du mir verzeihen, oder nicht?“
„Was hast du, Natascha?“
„Nein, nein, Wanjä, du hast mir zu oft, zu viel vergeben, auch deine
Geduld muß einmal ein Ende nehmen. Du wirst mich niemals aufhören zu
lieben, doch du wirst mich undankbar nennen, denn gestern und vorgestern
bin ich dir gegenüber undankbar, egoistisch und schlecht gewesen ...“
Sie brach plötzlich in Tränen aus und preßte ihr Gesicht an meine
Schulter.
„Laß gut sein, Natascha,“ beeilte ich mich, sie zu beruhigen. „Ich war
gestern, die ganze Nacht hindurch, sehr krank und kann mich auch jetzt
kaum auf den Füßen halten, daher bin ich gestern abend und heute den Tag
über nicht bei dir gewesen, und du glaubtest vielleicht, daß ich dir
etwas nachtrüge ... Meine liebe Natascha, weiß ich denn nicht, was jetzt
in deiner Seele vorgeht?“
„Nun, dann ist ja alles gut ... Also hast du mir wieder verziehen, wie
immer,“ sie lächelte unter Tränen und drückte mir schmerzhaft die Hand.
„Alles übrige später. Ich habe dir viel zu sagen, Wanjä, doch jetzt zu
ihm.“
„Schnell, Natascha, wir haben ihn so plötzlich verlassen ...“
„Du wirst sehen, du wirst sehen, was geschehen wird,“ flüsterte sie mir
noch schnell zu. „Ich weiß jetzt alles; ich habe alles erraten. An allem
ist nur _er_ schuld. Dieser Abend wird alles entscheiden. Gehen wir!“
Ich begriff nichts, doch fragen konnte ich sie nicht mehr. Natascha ging
mit heiterem Lächeln auf den Fürsten zu, der noch immer mit dem Hut in
der Hand dastand. Sie entschuldigte sich, nahm ihm den Hut ab und wies
ihm einen Stuhl an. Wir setzten uns alle drei rund um ihren Tisch.
„Ich erwähnte vorhin meinen Sohn,“ fuhr der Fürst fort, „ich sah ihn nur
einen Augenblick auf der Straße, als er sich anschickte, zur Gräfin
Zinaida Fedorowna zu fahren. Er hatte es furchtbar eilig, stellen Sie
sich vor, er wollte nicht einmal ins Haus kommen, um mich nach vier
Tagen Trennung zu begrüßen. Übrigens bin auch ich schuld daran, Natalja
Nikolajewna, wenn er jetzt noch nicht hier ist, ich benutzte die
Gelegenheit, um ihm an die Gräfin einen Auftrag zu übergeben, da ich sie
heute selbst nicht mehr aufsuchen konnte. Er muß sicher jeden Augenblick
erscheinen.“
„Er hat Ihnen also versprochen, heute bestimmt zu kommen?“ fragte
Natascha den Fürsten in der allerungezwungensten Weise.
„Ach, mein Gott, wie sollte er denn heute nicht kommen ... wie
eigentümlich Sie fragen!“ rief er erstaunt aus. „Übrigens, ich begreife,
Sie sind ihm böse. Es ist in der Tat nicht schön von ihm, später als
alle anderen zu kommen. Doch ich wiederhole es: ich bin schuld daran.
Seien Sie ihm nicht böse. Er ist leichtsinnig und unbeständig; ich will
ihn nicht entschuldigen, doch einige besondere Umstände verlangen es,
daß er das Haus der Gräfin nicht meidet, und verschiedene Verbindungen
nicht aufgibt, sondern im Gegenteil, so oft als möglich überall
erscheint. Er, der jetzt, aller Wahrscheinlichkeit nach, nur bei Ihnen
sich aufhält und alle Welt vergißt, muß mit Ihrer Erlaubnis, hin und
wieder auch seinen Verpflichtungen nachkommen. Ich bin überzeugt, daß er
seit dem Abend nicht ein einziges Mal bei der Gräfin A. gewesen ist, es
tut mir leid, daß ich ihn vorhin nicht darnach habe fragen können! ...“
Ich blickte auf Natascha, die dem Fürsten mit halbironischem Lächeln
zuhörte. Er aber sprach davon so selbstverständlich, so natürlich, es
war scheinbar nicht möglich, ihn irgend einer besonderen und falschen
Absicht zu verdächtigen.
„Und Sie wissen es wirklich nicht, daß er in all diesen Tagen kein
einziges Mal bei mir gewesen ist?“ fragte ihn Natascha mit leiser,
ruhiger Stimme, als hätte sie von einer ihr allergleichgültigsten
Angelegenheit gesprochen.
„Wie! Kein einziges Mal bei Ihnen gewesen? Erlauben Sie, was sagen Sie?“
rief der Fürst in scheinbar außergewöhnlicher Verwunderung.
„Sie waren Dienstag, spät abends, bei mir. Am nächsten Morgen war er
eine halbe Stunde hier, seit der Zeit habe ich ihn nicht wiedergesehen.“
„Das ist doch unmöglich!“ (Sein Erstaunen wuchs immer mehr und mehr.)
„Ich dachte, er hat Sie in diesen Tagen überhaupt nicht verlassen.
Entschuldigen Sie, das ist zu sonderbar ... das ist einfach unmöglich.“
„Indessen, ist es so ... leider; ich habe Sie deshalb erwartet, und
glaubte von Ihnen zu erfahren, wo er sich befindet?“
„Mein Gott! Er muß sofort kommen! Was Sie mir soeben sagen, setzt mich
dermaßen in Erstaunen, daß ich ... ich gestehe es, alles andere von ihm
erwartet hätte als dieses ... dieses! ...“
„Wie erstaunt Sie sind! Und ich dachte, es würde Sie gar nicht
verwundern, sondern Sie hätten im voraus wissen müssen, daß es so sein
würde.“
„Wissen müssen! Ich? Ich versichere Ihnen, Natalja Nikolajewna, daß ich
ihn heute nur einen Augenblick gesehen habe, ich weiß nichts von ihm;
und sonderbarerweise, scheinen Sie es mir nicht zu glauben,“ fügte er
hinzu, uns beide ansehend.
„Gott bewahre,“ griff Natascha auf, „ich bin durchaus überzeugt, daß Sie
die Wahrheit sagen.“
Und sie lachte ihm gerade ins Gesicht, so daß er etwas verwirrt und
gekränkt bemerkte:
„Bitte, erklären Sie sich ...“
„Ich habe nichts zu erklären. Ich bemerke nur, daß Sie wissen mußten,
wie leichtsinnig und vergeßlich Ihr Sohn ist. Ihm ist jetzt volle
Freiheit gegeben und er läßt sich von ihr hinreißen.“
„Sich so gehen zu lassen, ist aber doch unmöglich, da muß noch etwas
anderes dahinter stecken; wenn er kommt, werde ich ihn sofort darüber
ausfragen. Doch mich wundert nur, daß Sie mich ... irgendwie anzuklagen
scheinen, während ich doch in der Zeit überhaupt nicht hier gewesen bin.
Im Grunde, Natalja Nikolajewna, scheinen Sie sehr böse auf ihn zu sein
... und das ist nur zu verständlich! Sie haben das Recht dazu ... und
... und ... versteht sich, ich muß als Erster daran schuld sein,
vielleicht auch nur deshalb, weil ich als Erster zurückgekehrt bin;
nicht wahr, so verhält es sich doch?“ fügte er hinzu und wandte sich
dabei mit gereiztem Lächeln an mich.
Natascha fuhr auf.
„Erlauben Sie, Natalja Nikolajewna,“ hub der Fürst mit besonderer Würde
an, „ich gebe zu, daß mich die Schuld trifft, gleich am nächsten Tage
unserer Bekanntschaft abgereist zu sein, so daß Sie bei dem Mißtrauen,
der Ihrem Charakter eigen zu sein scheint, in der kurzen Zeit Ihre
Meinung über mich ändern konnten, wozu die Umstände vielleicht viel
beigetragen haben. Wäre ich nicht fortgereist, so hätten Sie mich besser
kennen gelernt, und Aljoscha wäre unter meiner Aufsicht geblieben. Sie
werden sehen, was ich ihm jetzt zu sagen habe.“
„Das heißt, Sie wollen es dazu bringen, daß er mich als Last zu
empfinden anfängt. Es ist nicht anzunehmen, daß Sie bei Ihrer Klugheit
in der Tat glauben können, mir damit einen Dienst zu erweisen.“
„Sie wollen damit wohl andeuten, daß ich bereits dahin gewirkt habe, daß
er Ihrer überdrüssig geworden? Oh, Sie beleidigen mich, Natalja
Nikolajewna.“
„Ich bemühe mich, mich stets klar und deutlich auszudrücken, wem
gegenüber es auch sei,“ antwortete Natascha. „Ich mache niemals
Andeutungen, sondern sage alles gerade heraus, wovon Sie sich noch heute
überzeugen werden. Ich habe nicht die Absicht, Sie zu beleidigen – wozu
auch? Schon deshalb nicht, weil Sie meinen Worten ja doch keine
Beachtung schenken würden! Davon bin ich durchaus überzeugt, und ich
verstehe unsere beiderseitigen Beziehungen richtig einzuschätzen. Sie
werden sie doch niemals ernst nehmen, nicht wahr? Doch sollte ich Sie
wirklich beleidigt haben, so bin ich sofort bereit, meine Entschuldigung
zu machen, um vor Ihnen die Pflichten der Gastfreundschaft nicht zu
verletzen.“
Ungeachtet des ungezwungenen, fast scherzhaften Tones, in dem Natascha
mit lächelndem Munde diese Worte gesprochen, habe ich sie doch noch nie
in dem Maße erregt gesehen. Jetzt begriff ich, wie weh es ihr in diesen
drei Tagen ums Herz gewesen sein mußte! Ihre rätselhaften Worte: daß sie
jetzt alles erraten und begriffen habe, flößten mir Furcht ein; sie
bezogen sich bestimmt auf den Fürsten. Sie hatte ihre Meinung über ihn
geändert und betrachtete ihn als ihren Feind, – das war offensichtlich.
Sie schrieb seinem Einfluß ihr ganzes Unglück mit Aljoscha zu. Ich
befürchtete den Ausbruch einer heftigen Szene zwischen ihnen. Der
scherzhafte Ton verbarg ihre innere Erregung nicht. Ihre Bemerkungen dem
Fürsten gegenüber, – daß er ihre Beziehungen zueinander nicht ernst
nähme, die Phrase über die Gastfreundschaft, die Drohung, daß sie
geradeheraus die Wahrheit sagen würde – waren so offensichtlich und
herausfordernd, daß sie der Fürst unmöglich nicht bemerken konnte. Ich
sah, wie sich sein Gesicht veränderte, doch gab er sich den Anschein,
als verstände er die Anspielung überhaupt nicht, und er erwiderte
scherzhaft lachend:
„Gott beschütze mich davor, von Ihnen eine Entschuldigung zu fordern!
Ich würde doch _niemals_ von einer Frau eine Entschuldigung verlangen –
noch annehmen!!! Bei meiner ersten Begegnung mit Ihnen, habe ich Sie
bereits vor meinem Charakter gewarnt, seien Sie mir darum, bitte, nicht
böse, wenn ich mir eine Bemerkung über die Frauen erlaube ... Sie werden
mir vielleicht darin zustimmen,“ wandte er sich liebenswürdig an mich.
„Ich habe bei Frauen die Eigenheit bemerkt, daß eine Frau nie ihre
Schuld sofort, im ersten Augenblick, zugeben wird, und wenn sie sie auch
später mit tausend Zärtlichkeiten wieder gut zu machen sucht; im
Augenblick ihrer Handlungsweise jedoch wird sie es niemals tun.
Folglich, wenn Sie mich auch beleidigt haben sollten, so würde ich jetzt
keine Entschuldigung von Ihnen verlangen; für mich ist es vorteilhafter
abzuwarten, bis Sie Ihren Fehler selbst einsehen werden und ihn durch
... tausend Zärtlichkeiten wieder gut zu machen suchen. Sie sind so
jung, rein und gut, daß der Augenblick, in dem Sie bereuen werden, ganz
bezaubernd sein muß. Besser als alle Entschuldigung jedoch wäre es, wenn
Sie mir sagen würden, wodurch ich es Ihnen zeigen soll, daß ich
aufrichtiger und wohlwollender Ihnen gegenüber bin, als Sie es von mir
glauben?“
Natascha errötete. Auch mir schien sein Ton ein wenig oberflächlich,
nachlässig, sogar unbescheiden.
„Sie wollen es beweisen, daß Sie zu mir aufrichtig und offenherzig
sind?“ sagte Natascha und sah ihn herausfordernd an.
„Ja.“
„Wenn dem so ist, so erfüllen Sie mir folgende Bitte.“
„Ich gebe Ihnen mein Wort ...“
„Mit keiner Silbe, mit keiner Bemerkung Aljoscha meinetwegen, weder
morgen noch übermorgen, zu belästigen. Keinen Vorwurf, daß er mich
vergessen, hören Sie? keine Bemerkung darüber! Ich möchte ihm so
begegnen, als wäre niemals zwischen uns etwas vorgefallen ... Ich
wünsche es. Werden Sie mir Ihr Wort geben?“
„Mit dem größten Vergnügen,“ antwortete der Fürst, „und erlauben Sie
mir, hinzuzufügen, daß ich noch niemals einer so vernünftigen
Anschauung, in diesen Dingen, begegnet bin ... Doch, das scheint ja
Aljoscha zu sein!“
Man hörte im Vorzimmer Geräusch. Natascha zuckte zusammen, dann schien
sie sich wie zu irgend etwas aufzuraffen. Der Fürst saß da mit ernster
Miene, als erwarte er gespannt die kommenden Dinge. Er beobachtete
scharf Natascha. Die Tür öffnete sich und Aljoscha stürzte ins Zimmer.