Entwicklungsgeschichte der Urbewohner Borneos verfolgen; Jahrhunderte,
vielleicht Jahrtausende lebten sie friedlich in den Wäldern, nährten
sich von den Früchten der Bäume, Weichthieren, Insecten und später
vom Wild des Waldes, in einzelnen Familien ohne jede staatliche
Gemeinschaft; sie schützten sich mit dem Laub der Bäume vor den
Unbilden des Wetters, und erst viel später (in historischer Zeit)
bedeckten sie ihre Scham und gebrauchten Waffen. Erst die Einwanderer
brachten den Bewohnern der Küste die Segnungen der Civilisation,
welche nur langsam in das Innere der Inseln drangen, und bis heute nur
theilweise die O. Punangs und Olo-Ott erreicht haben.
Die ersten Einwanderer waren die Chinesen; auf der Westküste erschienen
sie bereits im 4.-6. Jahrhundert auf ihrer Pilgerfahrt nach Indien,
um die Lehre von Buddha an der Quelle zu studiren, und zwar unter Fa
Hiën (399 p. Ch.); im 7. Jahrhundert ist Phala = Brunei = Borneo proper
bereits an China tributpflichtig.
Aber auch an der Südküste von Borneo scheinen die Chinesen schon seit
den ältesten Zeiten sich angesiedelt zu haben, wie Valentyn mittheilt;
sie haben sich jedoch auf die Staaten der Küste beschränkt und nicht,
wie auf der Westküste, sich im Innern des Landes angesiedelt.
Wie Veth mittheilt, waren Araber die folgenden Einwanderer im
Bandjermasingschen Reiche, obzwar es noch zweifelhaft ist, ob die
Namen Mihradj und Sobormah, welche in arabischen Reisebeschreibungen
vorkommen, thatsächlich die Insel Borneo andeuten.
Die erste Colonisation des Bandjermasingschen Reiches stricte dictu
stammt von Java, und zwar im 14. Jahrhundert unter dem Klingalesen
Lembong Mangkurat, welcher sich in Amuntay festsetzte. Der Sage nach
soll er sich eine Zeit lang der Askese gewidmet haben, wodurch aus dem
Schaum der See eine schöne, reizende Fürstin entstiegen sei: Putri
Djundjong Buhi. Lembong Mangkurat hatte nämlich bei der Stiftung
der Colonie einen Waringinbaum als ersten König und sich zu seinem
Propheten auserkoren; als aber der Baum abzusterben begann, suchten sie
einen Menschen, der durch seine hervorragenden Eigenschaften würdig
sei, dem Waringinbaum zu folgen. Die schöne Prinzessin müsste jedoch
einen ebenbürtigen Mann bekommen. Unter den Eingeborenen des Landes
war dieser natürlich nicht zu finden, und so zogen die Aeltesten zu
dem Sultan von Madjopahit (Java), dessen Sohn ein Krüppel war. Der
Fürst von Madjopahit erlaubte nach langem Zögern seinem Sohne, dahin zu
gehen. In der Mündung des Baritu stürzte er sich in den Fluss, und nach
acht Tagen stieg er unter den Tönen einer Gamelang schön und wohlgebaut
aus den Wellen. Als Pangeran Surja Nata wurde er Gründer und Stammvater
des Reiches von Bandjermasing, welcher auch sofort eine Theilung in
»Stände« veranlasste, und zwar in den eigentlichen Adel (O Bangsawan),
Sclaven (Abdi), Bediente (Budak), Kriegsgefangene und Verwandte des
Adels (Mardika).
13 Sultane hatte diese Dynastie der Hindus, welche sich jedoch auf
die Küstenstaaten, und besonders auf die des Ostens, beschränkten;
die Unterwerfung der Dajaker längs des Stromgebietes des Baritu ging
nur sehr langsam vorwärts; denn nur so weit der Arm der bewaffneten
Herrscher reichte, unterwarfen sich die Dajaker den Befehlen ihrer
Fürsten auf Amunthay, später in Martapura und zuletzt in Bandjermasing.
Ihre patriarchalische Regierungsform verleugneten sie selbst nicht
einmal unter der Herrschaft der Europäer. Wie schon früher erwähnt,
wurde der Islam unter Pangeran Samatra, einem Enkel des Akar Sungsang,
am Ende des 16. Jahrhunderts eingeführt. Dieser hatte nach der
Auflösung der Ehe mit seiner Mutter wieder geheirathet und vier
Kinder bekommen. Seine Tochter Putri Kalarang verheirathete er mit
einem Dajaker, und deren Sohn Pangeran Samatra ernannte er zu seinem
Thronfolger. Dieser wurde also der Gründer der Hindu-Dajakschen
Dynastie, welche bis zur Auflösung des Sultanats von Bandjermasing
im Jahre 1864, also 256 Jahre lang den südöstlichen Theil von Borneo
beherrschte und aussog.
Die Einführung des Islam geschah unter Sultan Surja Angsa 1608
mit Hülfe des Sultans von Demak (Java), dem die neue Dynastie
tributpflichtig wurde; aber schon im Jahre 1642 ging zum letzten Male
eine Gesandtschaft (unter Sultan Agun) nach Java, um dem Fürsten zu
huldigen und den Tribut zu bezahlen.
* * * * *
Unterdessen hatte schon so mancher Europäer vor Bandjermasing die Anker
seines Schiffes fallen lassen. Während der +Portugiese+ Lorenzo de
Gomez im Jahre 1518, der +Spanier+ Magellan im Jahre 1521 Borneo
besucht hatten, im Jahre 1526 Don Jorge de Menges von Portugal zum
Gouverneur der Molukken ernannt wurde und auf seiner Reise dahin auf
Borneo gelandet war, und während schon im Jahre 1530 der Portugiese
Gonsola Pereira von dem Sultan von Brunei gastfreundlich empfangen
wurde, haben die +Holländer+ erst im Anfange des 17. Jahrhunderte
mit Bandjermasing Handelsverbindungen angeknüpft. Im Jahre 1607 kam
selbst nach Bantam (Java) die Trauermähr, vide Valentyn (»Alt- und
Neu-Ost-Indien« III, Seite 244), dass Gillis Michielszoon, welcher
von Jan Willemsz Verschoor den 14. Februar 1606 nach Bandjermasing
geschickt worden war, von dem Sultan dieses Reiches ans Land gelockt
und ermordet wurde. (Gleichzeitig, und zwar im Jahre 1609, sollen die
Engländer im S. O. der Insel Borneo erschienen sein.) Sechs Jahre
dauerte es, bis die Holländer (im Mai 1612) Bandjermasing dafür
züchtigten und zerstörten. Die Residenz des Sultans wurde dann nach
Martapura verlegt. Der Handel mit dem Pfeffer jedoch, welcher damals
eine bedeutende Rolle spielte und viel Geld und Blut kostete, blieb
in den Händen der chinesischen Kaufleute, da die Holländer, in Kriege
mit dem Sultan von Bantam verwickelt, erst 14 Jahre später (1626)
unter Jan de Coster und Adriaan de Marees mit zwei Schiffen (de
Haen und de Fortuyn) wiederum mit dem Sultan des Bandjermasingschen
Reiches einen Handelsvertrag schlossen, dem zufolge unter anderem der
Pfeffer ausschliesslich an die N. Compagnie geliefert werden sollte,
obwohl kurz vorher einige batavische Bürger auf ihrem Kreuzzug gegen
die Spanier und Portugiesen ein bandjermasingsches Schiff erobert
und dessen Bemannung nach Batavia gesendet hatten. Aber auch 2 Jahre
später sah Martapura wieder ein holländisches Schiff in seinem Hafen,
im Jahre 1629 (unter P. Croocq) und zwar das Schiff Velsen, und am 21.
October 1630 den Rhederer Adolf Thomasz, welcher hier starb und durch
Sebald Wonderaer ersetzt wurde. Dem Seeraub der Bandjeresen, welche die
javanischen Fischer selbst bis zu den »nördlichsten Inseln von Batavia«
verfolgten, machte zeitlich die »Tayovan« 1631 ein Ende.
Da Mattaram um diese Zeit seine Macht nur noch schwach gegen die
holländische Compagnie vertheidigen konnte, schickte der Sultan von
Bandjermasing den 2. September 1631 eine Gesandtschaft nach Batavia
zum Zwecke eines Bündnisses, um die Javanen nicht mehr in sein Reich
zuzulassen. Gerrit Corsz, welcher 5 Jahre später in Atschin (Sumatra)
Handelsbeziehungen anknüpfte, ging am 18. Februar und im Juli 1633
nach Martapura, ohne grosser Erfolge sich erfreuen zu können, so
dass die Maccau nur 235 Pikols Pfeffer (1 P = 62½ Kilo) den 20.
November 1633 nach Batavia bringen konnten, weil die Macassaren den
übrigen Vorrath bereits angekauft hatten. Martapura setzte sich
unterdessen in Vertheidigungs-Zustand, und als Gysbert von Lodenstein
mit sechs Schiffen nach Bandjermasing kam, stellte sich der Sultan mit
2-3000 Mann ihm entgegen. Vielleicht durch die +sechs+ Schiffe
eingeschüchtert, sah er von jedem feindlichen Anfall ab und begab
sich mit dem Gefolge auf das Schiff des Commandanten, den er um Hülfe
nicht nur gegen die Javanen, sondern auch gegen die Macassaren bat.
Zu gleicher Zeit wurden 1140 Picols Pfeffer und 2382 Bündel Rottang
zum Verkaufe angeboten. Doch den 26. September liess die holländische
Compagnie durch eine Gesandtschaft dem Sultan mittheilen, dass seine
zweideutige Haltung ein Ende nehmen müsse. Der Sultan versprach dieses.
Im Jahre 1635 sollte Martapura holländisches Geld (Ryksdaalders)
aufnehmen und die spanischen Realen von sich abstossen. Die
Silberarbeiter fanden jedoch dieses Silbergeld für feine Arbeiten nicht
geschickt, und die holländisch-indische Regierung sah sich genöthigt,
im September 1635 wieder die alten Realen dahin zu senden.
Unterdessen hatte der Sultan von Martapura sich die kleineren Fürsten
von Mendawa, Pulu Laut, Kota-Waringin, Succadana, Landak Samba, und
selbst die ganze Ostküste der Insel tributpflichtig gemacht.
Als daher den 24. Juli 1635 sein Gesandter auf dem holländischen
Schiffe Manilla nach Batavia kam und den Holländern den
ausschliesslichen Handel mit Pfeffer anbot, bewilligte die Regierung
gern seine Gegenforderung, welche in der Hauptsache auf einen Vorschuss
für den noch zu liefernden Pfeffer und auf die Entfernung der
javanischen und macassarschen Kaufleute aus dem Reiche Pasir (Ostküste
Borneos) sich bezogen.
Es scheint, dass die Portugiesen schon damals, und nicht erst nach
1669, die Südküste Borneos besucht hatten; sie trieben zwar nur auf
der Insel Laut mit Gold und Sclaven einen ausgebreiteten Handel; aber
die Bandjeresen gebrauchten sie gerne, um für ihren Vorrath an Pfeffer
durch ihre Concurrenz grössere Preise von den Holländern zu erzielen.
In demselben Jahre (1635) waren jedoch auch englische Kaufleute unter
Tewseling in Martapura erschienen, brachten einen Empfehlungsbrief und
Geschenke vom englischen Präsidenten mit und boten gegen Gewährung von
Freihandel dem Sultan so viel Geschütze und Pulver an, als er besitzen
wollte. Auch von der holländischen Regierung erhielt der Sultan von
Martapura zwei vollkommen ausgerüstete Kanonen mit einem Briefe,
in welchem besonders auf das zweideutige Benehmen des Radja Itam
hingewiesen wurde. Dieser liess nämlich den Engländern alle mögliche
Hülfe zur Errichtung einer englischen Factory leisten. Der holländische
Schiffscapitän Soop protestirte natürlich dagegen; der Sultan jedoch
erklärte, dass der Handel mit Pfeffer von dem Freihandel ausgeschlossen
werden würde und das Privilegium der hohen indischen Regierung bleibe.
Natürlich fuhr Martapura fort, trotz dieser schönen Versprechungen,
einen ausgebreiteten Pfefferhandel mit Siam, China, Macassar,
Cochinchina u. s. w. zu treiben.
Demungeachtet richtete sich die holländische Compagnie zum Zuge gegen
Pasir und Kutei, und am 7. October 1635 ging der Sultan von Martapura
an Bord eines der Schiffe, welche von Markus Heyndriksz commandirt
wurden, nach der Ostküste Borneos, um Pasir von fremden Kaufleuten
zu befreien. Den 8. November kamen sie nach Kutei, dessen Sultan
jedoch durch geheime Boten davon verständigt wurde und also Zeit
hatte, sich in Vertheidigungszustand setzen zu können. Der Führer der
holländischen Flotte wagte es nicht, einen Anfall auf die zu stark
befestigte Hauptstadt dieses Reiches zu unternehmen, und begnügte
sich, Unterhandlungen mit dem Sultan anzuknüpfen. Es gelang ihm
auch, mit ihm, der den langen Namen Ady Patty Cinom Pangy Amodappa
Ingh Martapura führte, einen Vertrag zu schliessen, demzufolge sein
Reich die Souveränität des Sultans von Martapura anerkannte, und er
den Bandjeresen und Holländern freien ungehinderten Handel gewährte.
Der Sultan von Pasir zeigte sich jedoch viel weniger gefügig,
worauf die Stadt beschossen, in Asche gelegt und 50 grössere oder
kleinere Schiffe, welche in dem Hafen lagen, vernichtet wurden. Als
der König von Martapura dies erfuhr, gab er den 2. December dem
Commandanten ein grosses Diner und einen schmeichelhaften Brief an
den Gouverneur-General, in welchem er alle seine Versprechungen
wiederholte. Darunter war das wichtigste Versprechen, dass er an
England keinen Pfeffer liefern wolle und jeden Handel mit diesem
unterdrücken würde.
Unterdessen hatte jedoch Wollebrand Geleinsz, während der König vor
Kutei lag, mit seinen Vertretern Radja Itam und Retua dy Ratya so wenig
Erfolg (weil diese die Engländer begünstigten), dass den 24. Januar
1636 Pool mit sechs Schiffen dahin zog, um einen bindenden Contract zu
erhalten. Der Sultan war jedoch noch nicht in Martapura anwesend; die
Flotte zog also vorläufig nach Celebes, um die »Feinde der Compagnie
zu vernichten« in der Erwartung, bei ihrer Zurückreise den Sultan in
Martapura zu treffen.
Auch mit Cochin-China trieben die Martapuresen in damaliger Zeit
ausgebreiteten Handel, und es ist unbegreiflich, dass in den letzten
Jahrzehnten, ja selbst seit mehr als 100 Jahren, der Handel des
Bandjermasingschen Reiches so darniederlag, und selbst heute noch
überhaupt kein Pfeffer exportirt wird.
Natürlich blieben die Martapuresen auch mit den Engländern, Javanen,
Macassaren und Malayen in steten Handelsbeziehungen, obwohl ihr
Sultan stets mit 3-4000 Realen bei der holländischen Regierung im
Schuldenbuch stand. Ja noch mehr. Der Einfluss der Engländer wuchs mit
jedem Tage, sie mochten selbst den Baritu aufwärts fahren, um direct
mit dem Sohne des Sultans Handel treiben zu können.
Die Behinderung der Javanen an dem Handel auf der Ostküste Borneos
verschaffte dem Sultan von Martapura neue Feinde, und zwar den Kaiser
von Mattaram, den Sultan von Surabaya und den Fürsten von Cheribon
(welche drei Staaten auf der Nordküste von Java lagen), so dass er sich
stark genug fühlte, sein Reich gegen einen gemeinsamen Angriff dieser
drei Reiche zu vertheidigen.
Auf sein Ersuchen wurde also in dem untersten Theil des Barituflusses
ein holländisches Schiff stationirt, um eine Ueberrumpelung seiner
Hauptstadt von Seiten der javanischen Fürsten unmöglich zu machen.
Die englische Partei auf seinem Hofe bekam jedoch wieder bald das
Uebergewicht über die der Holländer. Radja Itam veranlasste den Sultan,
nach Bandjermasing zu gehen und dieses zu befestigen. Wenn er auch
schon nach kurzer Zeit diese Arbeit wieder einstellte und in Martapura
wohnen blieb, so triumphirte in allem andern die englische Partei.
Den 16. April 1638 brachte ein atschinesisches Schiff die Nachricht
nach Batavia, dass die ganze holländische Colonie in Martapura
ausgemordet und das Schiff Hoogcarspel, welches in dem Barituflusse
lag, verbrannt wurde.
Danach schloss der Sultan von Martapura mit dem Herrscher von Macassar
ein Offensiv- und Defensivbündniss, welcher dem Bandjeresischen
Gesandten Bahong mittheilte, dass »auch er die Holländer in sein Land
zugelassen hätte, und dass er sie ebenfalls später, wenn sie genug
Schätze erworben und ein schönes Haus erbaut haben würden, zu ermorden
gedenke, um gerade wie sein guter Freund von Martapura auf diese Weise
Reichthümer zu erwerben«.
Aber auch seinen Collegen von Kota Waringin überredete der Sultan von
Martapura, ein gleiches Blutbad unter den Holländern anzurichten. Der
»Oberkaufmann« Nicolaas Cloet (= Clut) wurde mit seiner Mannschaft zu
einem Gastmahle auf das Land gelockt, ermordet und die 2 Schiffe »de
kleine Maan« und der »indische Zwaan« überrumpelt und geplündert.
Natürlich sah Bandjermasing sehr bald (April 1638) die rächende Flotte
an seinen Ufern. 27 gefangene Martapuresen wurden, an Ohren, Nase und
Genitalien verstümmelt, nach der Hauptstadt gesandt, um Schrecken und
Furcht unter der Bevölkerung zu verbreiten. Um seinen Unterthanen etwas
Muth einzuflössen und zu verhindern, dass sie sich in die Urwälder
flüchteten, liess der Sultan urbi et orbi verkündigen, dass ein sehr
alter, in seinem Palaste verpflegter Heiliger bei einem Anfall der
Holländer den ganzen Fluss 40 Tage hintereinander vergiften und auf
diese Weise die Feinde zum Abzug zwingen werde. Zu gleicher Zeit liess
er Schanzen und Verstärkungen anlegen, an welchen besonders die in
Martapura anwesenden Chinesen sich betheiligen mussten.
Radja Ade Patty Tape-Sana hatte sich an dem Morde der Holländer nicht
betheiligt, weil er mit ihrer Hülfe den Thron zu erobern suchte, und
hielt sich auch bei diesen Befestigungsmaassregeln passiv.
Dieses benutzten die Holländer, um ihn zu einem Bündniss zu bewegen,
die Mörder auszuliefern, um dann mit Hülfe der Holländer »als König
über das ganze Land in Ruhe und Frieden regieren zu können«.
Martapura wurde also vorläufig blockirt, und zwar 3 Monate lang. Als
die Schiffe nach 3 Monaten zurückkehrten, hatten sie 7 Bediente der
Compagnie an Bord, welche früher zum Uebertritte zum Islam in ihrer
Gefangenschaft gezwungen und gegen 7 Martapuresen ausgetauscht worden
waren.
Als übrigens während der Blockade die Nachricht gekommen war, dass
in Kota Waringin der letzte Rest der anwesenden Holländer ermordet
wurde, mussten die übrigen gefangenen Martapuresen das Schicksal ihrer
früheren Leidensgenossen theilen. Verstümmelt wurden sie ans Land
gesetzt, um Furcht und Schrecken in der Hauptstadt des bandjeresischen
Reiches zu erregen.
Da der Sultan vor einem günstigen Erfolg des Tape-Sama sich fürchtete,
vielleicht auch, um den Zorn der holländisch-indischen Regierung zu
besänftigen, liess er einen Brief mit Friedensvorstellungen nach
Batavia schicken. Sein Ziel erreichte er jedoch nicht. Denn schon
den 21. October desselben Jahres wurden 4 Schiffe nach Bandjermasing
gesendet, »um den Mördern keine Erholung zu geben und ihre Flüsse
fortwährend abgeschlossen zu halten«, die Auslieferung aller Mörder
und Rädelsführer zu verlangen und für die grosse Expedition alle
nothwendigen Maassregeln zu nehmen.
Unter den übrigen Nationen, welche auf der S. O. Küste Borneos Handel
trieben, waren auch Dänen.
Gegenüber diesen und den Engländern sollte der Commandant Walravens nur
mildere Saiten aufziehen.
Die Martapuresen liessen sich durch diese Blockade nicht die geringste
Furcht einjagen; denn bei Nacht, und selbst bei Tage, konnten bequem
kleine Kähne, beladen mit Nahrungsmitteln und Munition, von Macassar
oder von Java die Blockade brechen, weil die grossen Schiffe der
Holländer ohne günstigen Wind sich kaum bewegen konnten. Auch den Canal
Kween hatten die Martapuresen so stark und so geschickt verbarricadirt,
dass selbst das Einfahren (am 26. November) diesen grossen Schiffen
unmöglich wurde.
Nur eines Erfolges konnte sich diese Expedition erfreuen. Das englische
Schiff The Providence, dessen Capitän 20000 Realen von dem Sultan
eincassiren wollte, musste unverrichteter Sache abziehen.
Als aber den 1. April Walravens wegen des ungünstigen
Gesundheitszustandes seiner Matrosen unverrichteter Sache nach Batavia
zurückkehrte, zog das englische Schiff de Coster mit »Flagge« und
»Wimpel« bis Martapura.
Am 27. März 1641 wurde also Gillis van den Rande dahin gesendet, um die
erbeuteten Kanonen und die schuldigen 50000 Realen, wenn auch nicht
in Pfeffer, so doch mit Gold, Wachs, Rottang, Perlen und Diamanten
bezahlen zu lassen.
Tapesana hatte im Jahre 1642 den Thron bestiegen und durch chinesische
und malayische Handelsleute mit der holländischen Regierung
Verbindungen angestrebt; da er sich jedoch zur Auslieferung der
geraubten Kanonen und der Mörder nicht entschliessen konnte, blieb
Batavia -- bei dem Drohen mit einem grossen Revanchekrieg. Dieser
kam auch niemals zu Stande. Ja, noch mehr. Im Jahre 1660 wurde mit
Martapura ein neuer Vertrag geschlossen, bei welchem dem Sultan die
alte Schuld von 50000 Realen erlassen wurde!!
Wenn auch 1664 dieser Contract dahin erweitert wurde, dass der ganze
Handel in den Händen der Holländer bleibe, erhielt Antonie Hurdt im
Jahre 1665 doch nicht mehr als 36 Lasten Pfeffer. Unterdessen hatten
die Engländer auch nicht müssig gesessen und alles zur Errichtung einer
Factory vorbereitet. Es war nämlich im Jahre 1669 der holländische
Bevollmächtigte ermordet worden, und der Sultan hatte den Wunsch
geäussert, dass sein Nachfolger sich an dem Aufsuchen der Mörder
betheiligen sollte. Aber auch diesen ermordeten die Martapuresen.
Endlich hatten die Martapuresen ihr Ziel erreicht und auch die
Engländer in ihre Falle gelockt; diese errichteten im Jahre 1698 in
Martapura eine Factory und erklärten diese Stadt als den Hauptplatz
ihres indischen Gebietes. Zu diesem Zwecke wurden einige hundert
Buginesen gemiethet, welche die Factory bewachen sollten, und während
der Chef auf dem Flosse wohnte, wurde auf dem Lande eine kleine Redoute
mit 10 kleinen Kanonen gebaut. Als zur selben Zeit eine englische
Colonie in Kambodja angegriffen und geschlagen wurde, flüchteten sich
die Reste nach Martapura, und dasselbe geschah in Siam, dessen Chef die
Factory in Martapura übernahm. Sie betrugen sich mit so viel Stolz und
Uebermuth, dass der Hof und die Einwohner von Martapura nur in stiller
Wuth dieses ertrugen und endlich den Plan fassten, die englische
Factory auszumorden. Die Engländer bekamen davon Wind und ergriffen
die Offensive. Sie eroberten Bandjermasing, Tatas, Kaju Tinggi und
Martapura, 7 Kanonen, 100 Gewehre und 20 Kojang Pfeffer.
Gegen eine Kriegsentschädigung von 3000 spanischen Matten gaben sie
jedoch alles an die Martapuresen zurück. Im Jahre 1707 jedoch, und
zwar am 1. November, schüttelten diese das verhasste und unerträgliche
Joch der übermüthigen Engländer ab und ermordeten die ganze englische
Factory bis auf ihren Chef Thiems, welcher auf einem holländischen
Schiffe, und einen Schiffscapitän, welcher auf einem englischen
Schiffe nach Batavia entkam. Der Sultan von Martapura erklärte jedoch,
gegenüber dem Hass seiner Unterthanen gegen die Engländer ohnmächtig
zu sein, in Zukunft zwar mit ihnen weiter Handel treiben zu wollen,
aber niemals mehr die Errichtung einer englischen Factory zulassen zu
können. Dieses dauerte jedoch nur bis zum Jahre 1746.
Nach dem Blutbade von 1669 sah Martapura 23 Jahre lang kein
holländisches Schiff vor seinen Ufern. Nachdem im Jahre 1692 der
Holländer Jacob Jansz wieder in diesen Hafen eingelaufen war, konnte
er nur mit den Portugiesen und Engländern zugleich einigen Pfeffer
erstehen, so dass vorläufig der holländische Handel untergraben blieb.
Im Jahre 1712 drohte Martapura mit Brunei in einen Krieg verwickelt
zu werden, und beide riefen die ostindische Compagnie zur Hülfe.
Zu Martapura befanden sich zwar seit dem vorigen Jahre (1711)
holländische Schiffe unter N. van der Bosch und Abraham Poele, um den
Chinesen den Handel mit Pfeffer zu entreissen; es gelang ihnen dies
nicht, und doch blieben sie in dem Hafen, um nach erhaltenem Auftrag
von Batavia ihre Hülfe gegen Brunei zu verlehnen. Der Sultan von
Martapura jedoch drang darauf, ein Bündniss mit Batavia zu schliessen
(1714), welches im Jahre 1733 erneuert wurde. Obzwar den Holländern der
Alleinhandel versichert wurde, und diese gestatteten, dass jährlich ein
Jonk mit Pfeffer nach China gehe, konnte Martapura mit allen möglichen
Nationen und besonders mit China und England Handel treiben. Sobald ein
holländisches Schiff ankam, waren alle möglichen Ausreden bei der Hand,
um ihnen keinen Pfeffer zu verkaufen. Bald war eine schlechte Ernte,
bald ein zu kleiner Vorrath, bald etwas anderes die Ursache, dass
Martapura an die Holländer keinen Pfeffer liefern wollte.
Die Waffen mussten also im Jahre 1746 den Sultan von Martapura zwingen,
sein immer und immer gegebenes Versprechen einzuhalten. Lieutenant
Ackerveldt blockirte den Hafen und zwang alle Schiffe der Engländer,
Chinesen u. s. w., die Insel zu verlassen; als nebstdem im nächsten
Jahre (1742) van der Heyden mit sechs Schiffen vor der Mündung des
Martapuraflusses erschien, schloss der Sultan, ohne eine Beschiessung
der Stadt abzuwarten, denselben Contract als im Jahre 1664. Er
übergab nämlich den ganzen Handel mit seinem Reiche an die Holländer
und gestattete, dass diese zur Sicherstellung des Vertrages zwei
Forts in seinem Reiche bauten, und zwar auf Tabenio und Tatas (bei
Bandjermasing).
Dies ist der Anfang vom Ende des Bandjermasingschen Reiches mit einem
Hindu-Dajakischen Fürsten.