Ueber Bandjermasing selbst bringen meine Reisebriefe aus dam

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1899 so weit

wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler

wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht

mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original

unverändert.

Im Text werden Passagen aus mehreren Fremdsprachen eingebracht, z. B.

Niederländisch, Französisch oder Latein. Diese wurden unkorrigiert

übernommen. Eigen- und Ortsnamen erhalten oft verschiedene

Schreibweisen (z. B. ‚Passir‘/‚Pasir‘), mitunter auch innerhalb

eines Absatzes; Maßeinheiten werden teilweise mit oder ohne Punkt

abgekürzt (‚cm‘/‚cm.‘). Dies wurde nicht vereinheitlicht, sofern

beide Schreibweisen im Text mehr als einmal vorkommen.

Das Inhalts- und das Abbildungsverzeichnis wurden der

Übersichtlichkeit halber an den Anfang des Texts versetzt.

Die Begriffe im ‚Sach- und Namenregister‘ entsprechen oft nicht

exakt den verwendeten Ausdrücken im laufenden Text; so verweist

beispielsweise der Punkt ‚Adat‘ auf den Ausdruck ‚hadat‘ (Tradition)

auf S. 8. Beim Eintrag ‚Medara-See‘ fehlt die Seitenangabe im

Original; diese konnte vom Bearbeiter auch nicht zugeordnet werden.

Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden als deren Umschreibung

(Ae, Oe, Ue) wiedergegeben.

Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der

folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:

fett: =Gleichheitszeichen=

gesperrt: +Pluszeichen+

Das Caret-Symbol (^) steht für ein nachfolgendes hochgestelltes

Zeichen; mehrere Zeichen werden durch geschweifte Klammern

zusammengefasst.

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Dr. H. Breitenstein.

21 Jahre in Indien.

[Illustration: Waringinbaum.]

21 Jahre in Indien.

Aus dem Tagebuche eines Militärarztes.

Erster Theil: Borneo.

Von

Dr. H. Breitenstein.

Mit 1 Titelbild und 8 Illustrationen im Text.

Leipzig.

Th. Grieben’s Verlag (L. Fernau).

1899.

Druck von H. +Klöppel+, Gernrode Harz.

Inhaltsverzeichniss.

Seite

Vorwort V

=1. Capitel.= Rassen auf Borneo: Olo-Ott, Dajaker u. s. w.

-- Reise von Surabaya nach Bandjermasing

-- Insel Madura und Bawean -- Dussonfluss

-- Mosquitos -- Oedipussage auf Borneo --

Danaus-Seen -- Antassan -- Rother Hund (eine

Hautkrankheit) 1

=2. Capitel.= Pesanggrâhan = Passantenhaus -- Ausflug nach

der Affeninsel -- Aberglaube der Eingeborenen

-- Reise nach Teweh -- Ein chinesisches

Schiff im Innern Borneos -- Trinkwasser in

Indien -- Eis -- Mineralwässer 13

=3. Capitel.= Amethysten-Verein -- Alcohol -- Gandruwo,

eine Spukgeschichte -- Polypragmasie der

jungen Aerzte -- Verpflegung in einem Fort

-- Unselbständigkeit der Militärärzte

-- Malayische Sprache -- Vergiftung mit

Chloralhydrat und Arsenik -- Krankenwärter

und Sträflinge -- Amoklaufen -- Erste Praxis

unter den Dajakern -- Schwanzmenschen 24

=4. Capitel.= Fischschuppen-Krankheit -- Tigerschlange --

Schlangenbeschwörer -- Gibbon -- Kentering

-- Beri-Beri -- Simulanten beim Militär --

Mohammedanisches Neujahr -- Tochter von

Mangkosari -- Kopfjagd -- Pfeilgift --

Genesungsfest -- Gesundes Essen -- Früchte

-- Indische Haustoilette -- Wüthende

Haushälterin -- Dysenterie -- Gewissenlose

Beamte -- Missionare 45

=5. Capitel.= Fort Buntok -- Orang-Utang -- Operationen --

Prostitué bei den Affen -- Darwinisten --

Indische Häuser -- Möbelfabrikanten --

Französische Mode -- Gefährliche Obstbäume

-- Einrichtung der Häuser -- Dajakische

Häuser -- Götzenbilder -- Tuwak oder Palmwein

-- Wittwenstand der Dajaker -- Opfern der

Sclaven -- Todtenfest 88

=6. Capitel.= Ameisen und Termiten in den Wohnungen --

Verderben der Speisevorräthe --

Milch-Ernährung der Säuglinge -- Aborte

Tjebok -- Transpiration in den Tropen

-- Baden -- Siram = Schiffsbad --

Antimilitärischer Geist der Holländer -- Das

Ausmorden der Bemannung des Kriegsschiffes

„Onrust“, von den Dajakern erzählt 113

=7. Capitel.= Acclimatisation -- Sport in Indien --

Sonnenstich -- Prophylaxis gegen Sonnenstich

-- Alcoholica -- Bier -- Schwarzer Hund --

Mortalität beim Militär im Gebirge und in

der Ebene -- Klima -- Statistik -- Erröthen

der Eingeborenen -- Geringschätzung der

„Indischen“ -- Fluor albus, Menstruation --

Gesundheitslappen -- Erziehung der Mädchen --

Indische Venus -- Indischer Don Juan 130

=8. Capitel.= Urbewohner von Borneo -- Eisengewinnung bei den

Dajakern -- Eisenbahn auf Borneo --

Landbaucolonien -- Jagd in Borneo -- Im

Urwalde verirrt -- Wilde Büffel -- Medicin

auf Borneo -- Actiologie bei den Dajakern --

Taufe bei den Dajakern -- Dukun -- Doctor

djawa 147

=9. Capitel.= Kriegsspiele der Dajaker -- Angriff auf einen

Dampfer -- Hebammen -- Frauen-Doctor --

Europäische Aerzte -- Gerichtsärzte --

Stadtärzte -- Civilärzte -- Furunculosis --

Aerztliche Commissionen -- Vaccinateurs 170

=10. Capitel.= Geographie von Borneo -- Reise des dänischen

Gelehrten Dr. Bock -- Besteigung des Berges

Kinibalu -- Die Syphilis in Indien --

Beschneidung 190

=11. Capitel.= Das „Liebesleben“ bei den Waldmenschen,

Dajakern, Malayen und Europäern --

Aphrodisiaca 223

=12. Capitel.= Abreise von Borneo -- Tod meiner zwei

Hausfreunde durch Leberabscesse --

Bandjermasing nach 100 Jahren 232

=Anhang.= Geschichte des Süd-Ostens von Borneo 238

=Sach- und Namen-Register= 255

Verzeichniss der Abbildungen.

Seite

Titelbild: Ein Waringinbaum.

Umschlagbild: Ein Dajaker.

Fig. 1: Grundriss von Bandjermasing 5

Fig. 2: Eine Bekompeyerin 14

Fig. 3: Das Fort Teweh bis zum Jahre 1880 28

Fig. 4: Mein erster Hausfreund 51

Fig. 5: Erste Begegnung mit der Tochter des Fürsten Mangkosari 60

Fig. 6: Mein zweiter Hausfreund 90

Fig. 7: Der Schweinsaffe (Cercopithecus nemestrinus) 97

Fig. 8: Skizze von Borneo 155

Fig. 1 ist (in doppelter Grösse) entnommen dem grossen Atlas von

Stemfoort und ten Siethoff.

Titelbild und Fig. 6 wurden nach Photographien des Verfassers

reproducirt.

Figg. 2-5 wurden nach den Skizzen und Mittheilungen des Verfassers

gezeichnet.

Fig. 8 ist die verkleinerte Reproduction der Skizze, welche im

Militärblatt von Holländisch-Indien in No. 59 vom Jahre 1888 erschien.

Legenda: D = dajakisch.

J = javanisch.

M = malayisch.

S = sundanesisch (im Westen Javas).

[Illustration]

Vorwort.

E. Ch. +Barchewitz+ rechtfertigt in der Vorrede seiner

„Ost-Indianischen Reise-Beschreibung“ („Erfurt, verlegts Joh. David

Jungnicol 1751“) die Herausgabe seines Buches mit folgenden Worten:

... „Ich könnte aber viele Ursachen anführen, welche mich hierzu

bewogen, wenn ich die engen Grenzen meiner kurzen Vorrede

überschreiten wollte; gleichwohl habe ich die vornehmste nicht

verschweigen sollen. Die erste ist, dass wir unterscheiden vornehme

und gute Freunde, denen ich dann und wann in Conversation von meiner

Reise Eines und das Andere erzählet, mir angelegen, das, was ich

erfahren, nicht vor mich allein zu behalten, sondern dem Publico zu

communiciren ...“

Auch mir erging es so. Wenn ich einen Vortrag hielt über dieses oder

jenes Thema, wie z. B. im Jahre 1885 über Borneo oder im Jahre 1898

über die Hygiene in den Tropen; wenn ich in einem kleinen Kreise in

groben Zügen eine oder die andere den Tropen eigene Krankheitsform

beschrieb, oder wenn ich diesen oder jenen Theil des täglichen Lebens

im Lande des ewigen Sommers meinen Freunden entrollte, immer wurde ich

dazu gedrängt, in irgend einer Weise meine Erlebnisse einem grösseren

Publicum zugänglich zu machen. Wenn ich also dieser Aufforderung Folge

leiste, so beabsichtige ich kein grosses gelehrtes Buch zu schreiben

oder wie Barchewitz in seiner Vorrede sagt:

„An dem in diesen Bogen gebrauchten Stylo muss sich der geliebte

Leser keineswegs ärgern, dass er nicht hochtrabend, sondern in einem

ganz einfältigen und gemeinen deutschen Kleide aufziehet. Denn,

gleichwie es einem Bürger oder Landmanne übel würde ausgelegt werden,

wenn er in einem güldenen Stück einher getreten kommen würde; so

würde es auch mir fast billig verarget werden, wenn ich wider mein

Naturell und Lebensart in Beschreibung der Geschichten meines Lebens,

den galanten Schlesiers oder Sachsen ihre Wohlredenheit abborgen und

in selbige meine Historie verstecken wolle.“

Ich will nur erzählen, was ich gesehen und was ich erlebt habe als Arzt

und als Mensch, und ich will, wo es sein muss, flüchtig den Kothurn der

Wissenschaft besteigen; denn ich schreibe für Aerzte und für Laien.[1]

Europa sprengt seine Fesseln und breitet seine Arme nach dem fernen

Westen und Osten der Welt aus. Zahlreiche Aerzte gehen nach dem Congo,

zu den Tabakpflanzern auf Sumatra u. s. w., um dort ihr Glück zu

suchen. Sie finden dort andere Menschen, andere Sitten und Gebräuche,

ein ander Klima, eine ganz andere Volksnahrung, sie finden Manches, von

dem sie früher nichts gehört und nichts gelesen haben. Als ich vor 22

Jahren an der Westküste Sumatra’s in Padang zum ersten Male indischen

Boden betrat, bot mir ein Hausirer eine Ananas zum Kauf an. Ich nahm

sie auf das Schiff mit, ein Schiffsgenosse liess sie für mich schälen,

während er mir ihren Saftreichthum und ihr Aroma in überschwänglichen

Worten pries, und schon wollte ich einen Bissen zum Munde führen, als

ein alter College, der von seiner Urlaubsreise zurückgekehrt war, mir

warnend zurief: „Des Morgens (= Vormittagsstunden) darf man keine

Ananas essen, sonst bekommt man die Cholera.“ Kurze Zeit darnach sass

ich mit einem Obristlieutenant in der Veranda seines Hauses; wir

philosophirten, wie er es nannte, und er behauptete, was ich späterhin

noch vielfach zu hören bekam, dass Gott jedem Lande seine Krankheiten,

aber auch die Arzneien für diese Krankheiten gegeben habe, und dass

daher für die Behandlung der „indischen“ Krankheiten der europäische

Arzt nicht die geeignete Person sei, sondern jene Damen, welche in der

Behandlung der „indischen“ Krankheiten (Dysenterie, Aphthae tropicae

u. s. w.) grossartige Erfolge hätten, weil sie sich nur der Arzneien

des Landes bedienten, und dass selbst der Sanitätschef sich bei

ihnen Raths erhole u. s. w. Wie rath- und hilflos stand ich gegenüber

diesen -- Phrasen! Nun Dieses und Solches mehr werde ich in diesem

Buche mittheilen, ich werde erzählen, wie ich solche Fragen damals

beantwortete, oder wie ich sie heute beantworten würde; ich werde damit

kein Lehrbuch schreiben für den Arzt, der zum ersten Male das Land

der Tropen betritt, sondern ihn nur aufmerksam machen auf die neuen

Verhältnisse, denen er entgegentritt, und ihm auf diese Weise die

Gelegenheit geben, zu manchen Fragen Stellung zu nehmen und über manche

Fragen nachzudenken, welche ihm aus Unkenntniss der Verhältnisse,

um mich eines banalen Ausdrucks zu bedienen, nicht einmal im Traume

einfallen.

Der Laie wird mit mir eine Reise in das Land machen, welches sich „wie

ein Gürtel aus Smaragd um den Gleicher schlingt“ (Multatuli); ich werde

ihn in die Hütte des Kopfjägers begleiten, welcher im Herzen Borneos

in grossen Hütten aus Bambus sein leichtsinniges Leben führt; ich

werde ihm das Leben und Lieben der javanischen Frau in kurzer Skizze

zeichnen; ich werde ihm die Feste der Palembanger (Sumatra) beschreiben

u. s. w.; dann werde ich ihn in das Familienleben der europäischen

und halbeuropäischen Bewohner dieser Inseln blicken lassen, und ich

werde ihm ein =ärztlicher Führer= sein, wenn er als Tourist die

Tiger des südlichen Java oder die Orang-Utangs Borneos fangen oder

erlegen will, oder wenn er die „Tausend Tempel“ Javas zu bewundern

beabsichtigt, oder für die Producte der heimathlichen Industrie im

fernen Osten ein Absatzgebiet aufsuchen will.

Schon manches Werk wurde in diesem Genre geschrieben, aber nicht, so

weit mir wenigstens bekannt ist, in deutscher Sprache. In Holland

erschien jedoch vor 16 Jahren ein solches Buch unter dem Namen „De

geneesheer (Arzt) in Nederlandsche Indië“ von Dr. C. L. van der Burg,

welches mir so manche vergnügte Stunde bereitet, und aus welchem ich

Vieles gelernt habe, obzwar ich damals schon 6 Jahre in den Tropen

gelebt hatte. Dieses ist ein systematisch geschriebenes Buch, welches

scharf abgegrenzte Theile der Tropenhygiene und der Ethnographie

behandelt.

Ich habe mir ein weiteres Ziel gesetzt und auch eine andere Form dafür

gewählt.

In 3 Theilen[2], genannt nach den 3 Inseln Borneo, Java und Sumatra,

auf welchen ich viele Jahre gelebt habe, werden meine Erlebnisse und

meine Beobachtungen, wie sie in meinen alten Reisebriefen auf einander

folgen, mitgetheilt werden, +nachdem+ die Schlacke der +ersten

oberflächlichen+ Eindrücke durch die Kritik der Beobachtung

+vieler Jahre+ beseitigt werden konnte.

Wenn diese 3 Bücher auch nach dem fernen „heiligen Java“ und Borneo

den Weg finden, dann rufe ich ihnen wehmüthig die Worte des römischen

Dichters nach:

Heu mihi quod domino

non licet ire tuo.

+Karlsbad+, im April 1899. =Dr. H. Breitenstein.=

1. Capitel.

Rassen auf Borneo: Olo-Ott, Dajaker u. s. w. -- Reise von Surabaya

nach Bandjermasing -- Insel Madura und Bawean -- Dussonfluss --

Mosquitos -- Oedipussage auf Borneo -- Danaus-Seen -- Antassan --

Rother Hund (eine Hautkrankheit).

Wien Neerlands bloed door de aderen vloeit, van vreemde smetten vry (=

Wem Niederland’s Blut durch die Adern fliesst, das frei von fremdem

Makel) wird heute unter den Fahnen Javas mit ebensolcher Begeisterung

als an den Ufern der Maas gesungen. Aber hier wie dort kann der

Ethnograph nur von einer +gemischten+ Rasse sprechen.

Wie in Europa, im Lande der »Bataver«, Franzosen, Engländer, Spanier

und Deutsche seit Jahrhunderten abwechselnd sich angesiedelt und durch

gegenseitige Heirathen, ich möchte sagen, eine neue Rasse geschaffen

haben, so hat auch Bandjermasing, die Hauptstadt des südöstlichen

Theiles von Borneo (wie alle grossen Hafenstädte des indischen

Archipels), zahlreiche Menschenrassen, welche nicht nur neben einander

leben, sondern sich auch unter einander kreuzen. Buginesen von Celebes,

Javanen, Malayen, Maduresen, Bekompeyer, Chinesen und Europäer bewohnen

zwar in eigenen Kampongs die einzelnen Theile der Stadt, aber Amor

kennt keine Grenzpfähle und keinen Unterschied der Rassen. Reiner hat

sich jedoch auf der Insel Borneo der +dajakische+ Volksstamm

erhalten, wenn wir dem Laufe des grossen Stromes Baritu folgen, in

den sogenannten Dusson- oder Dajaklanden, d. h. ungefähr oberhalb

Mengkatip (2° 5′ S. B.), trotzdem sie Jahrhunderte lang unter dem Joche

malayischer Fürsten seufzten; ganz rein blieben nur die Olo-Ott in

ihrer Rasse; das sind jene Wilden, welche in den Urwäldern frei ohne

jedes politische sociale Band in einzelnen Familien und als Nomaden auf

Bäumen leben und in Hütten aus Laub sich vor den Unbilden des Wetters

schützen. Sie selbst, d. h. die Olo-Ott, habe ich nicht gesehen,

aber ihre nächsten Nachbarn, die Bewohner von Murong und Siang; unter

den Dajakern, stricte dictu habe ich 3 Jahre gelebt; 10 Monate weilte

ich in Buntok (1° 17′ S. B.), wo die Dajaker mit den Bekompeyern

friedlich beisammen wohnen. Das sind Dajaker, welche im Contact mit den

benachbarten Malayen nicht nur den mohammedanischen Glauben angenommen

haben, sondern auch in ihren Sitten und Gebräuchen milder geworden sind

und selbst durch Handel, Industrie und durch Ackerbau auf der ersten

Stufe der menschlichen Civilisation stehen; auch ihre Künste und ihre

Literatur sind die der Malayen, welche die Küsten aller Inseln des

indischen Archipels bewohnen.

Bevor ich jedoch auf dieses Thema mich weiter einlasse, will ich mit

einigen Zeilen von der Reise selbst sprechen, welche mich zunächst nach

Bandjermasing und hernach nach Muara Teweh brachte, wo ich 3 lange

Jahre verblieb und während dieser Zeit kein Pferd gesehen habe und

keine -- europäische Dame.

Den 28. März 1877 schiffte ich mich in Surabaya, der zweitgrössten

Stadt Javas, ein, um als holländisch-indischer Oberarzt nach Borneo zu

gehen. Gegenüber dieser Stadt liegt die Insel Madura und das Fahrwasser

zwischen diesen beiden Inseln versandet mit jedem Tag mehr und mehr, so

dass die Regierung ihre Mühe hat, diese Strasse offen zu erhalten. Hier

hat die See eine so starke Strömung, dass ich mit meinem Kahne unmöglich

das Schiff erreichen konnte, bis einer der Schiffsofficiere uns am

Seil einen Rettungsring zuwerfen liess. Die Ruderer legten die Ruder

zur Seite, erfassten das Tau und so gelang es ihnen, den Kahn an die

Falltreppe zu bringen. Den vier Collegen, welche mich begleitet hatten,

drückte ich zum letzten Male die Hand, und ich verliess die Nordküste

Javas, um 3½ Jahr lang weit entfernt von der menschlichen Civilisation

in einem kleinen Fort in Gesellschaft zweier Officiere ein Leben

zuzubringen, das mir alle Genüsse des europäischen gesellschaftlichen

Lebens vorenthielt bis auf die -- der Wissenschaft. --

Das östliche Ufer der Insel Madura, an dem wir vorüber glitten, war

reich mit Urwald bewachsen und bot uns manches schöne Panorama,

hingegen war die Küste der Insel Bawean, an welcher wir ebenfalls

vorbeidampften, flach und öde. Schon am 30. März sahen wir die Mündung

des Baritu, ohne jedoch wegen der Ebbe weiterdampfen zu können. Eine

ungeheure Sandbank verlegt nämlich die Einfahrt in den Baritu und wird

mit jedem Tage grösser, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann

sie die Insel Bawean erreicht haben wird. Erst am 31. März brachte

uns die Fluth in den Baritu, welcher Strom auch Bandjermasing genannt

wird und in seinem Oberlaufe Dusson heisst. Er hat zwei Mündungsarme,

von denen jeder an der Küste ungefähr ein Kilometer breit ist. (Der

westliche Arm mündet 3° 26′ S. B. und 114° 13′ O. L. und der andere 3°

35′ S. B. und 114° 33′ O. L. in die Javasee.)

Die Fahrt in den Baritu ging sehr langsam, weil der Strom bis

zur Mündung des Martapuraflusses, an dessen Ufern die Hauptstadt

Bandjermasing liegt, in mehr als dreissig Windungen sich schlängelt.

Die Ufer sind dicht bewachsen und zwar unter anderem von der Nipahpalme

(Nipa fructicans), deren Blätter abgekocht, abgekratzt und getrocknet

werden, um als Deckblatt von Cigaretten zu dienen und welche die

Heimath ist der -- Mosquitos (Culex und Tipula).

Deren giebt es zahlreiche Species; aber alle sind eine fürchterliche

Plage, von der besonders Bandjermasing heimgesucht wird.

Wenn auch in der Regel die indischen Mosquitos nur Abends und in der

Nacht dem Menschen lästig werden, so ist dies doch nur in den Häusern

der Städte der Fall; wenn man jedoch auf die Jagd geht und aus anderen

Ursachen in das Gebüsch der Nipahpalmen kommt, dann kann man von

ihnen bei Tage ebenso attaquirt werden als von den kleinen Blutegeln;

der Stich der Njamuks (so heissen die Mosquitos im Malayischen) ist

empfindlich, er verursacht eine Quaddel von bedeutender Grösse, welche

durch heftiges Kratzen oft in ein Geschwür sich verwandelt. Dass man

sie auch beschuldigt, die Uebermittler so mancher pathogener Bacterien

zu sein, wie der Cholera, Lues u. s. w., ist, ich möchte beinahe

sagen, selbstverständlich. Man schützt sich gegen ihre Stiche auf

mannigfache Weise. In der Regel sind die von den Kleidern bedeckten

Körpertheile vor ihren Angriffen gesichert; man kann aber doch nicht

den ganzen Abend und die ganze Nacht gekleidet bleiben; die indische

Haustoilette ist, wie wir sehen werden, so dünn, dass die Mosquitos

hindurch stechen; dabei sind Kopf, Hände und Füsse unbekleidet; man

bestreicht sie eventuell mit Oel, Cajaputiöl oder einem Decoct von

Lignum Quassiae, wodurch sie in respectabler Entfernung von dem

Menschen gehalten werden. Das am meisten gebrauchte Schutzmittel

gegen diese blutdürstigen Mücken ist das Netz; man spannt nämlich

um das Bett, welches an den vier Ecken zwei Meter hohe Pfeiler hat,

ein Zelt aus Tüll; es bleibt jedoch eine akrobatische Leistung, beim

Schlafengehen so geschwind hinter das Netz zu kommen, dass kein

Mosquito uns begleiten kann. Wie schon erwähnt, hat Bandjermasing

eine traurige Berühmtheit ob der Menge seiner Mosquitos. Zwei Momente

jedoch vermindern diese Landplage: erstens dass diese blutgierigen

Feinde unserer Nachtruhe Feinschmecker in ihrer Art sind; das Blut

mancher Menschen schmeckt ihnen nämlich nicht oder vielleicht die

Ausdünstung derselben. Zu diesen bevorzugten Geschöpfen Gottes gehörte

z. B. +ich+. Ich war mir keiner einzigen constitutionellen

Krankheit bewusst, als ich in Bandjermasing von den Bissen dieser

Insecten verschont blieb, so dass ich selbst in der Nacht mit

geöffnetem Mosquito-Netz schlafen konnte, während selbst der kleine

Wau-Wau (Hylobates concolor), welcher dem Apotheker B... gehörte, mit

Vergnügen Abends hinter das Mosquitozelt kroch, um ungestört dem Schlaf

sich ergeben zu können. Freilich blieben sie auch von mir in keiner

respectvollen Entfernung; ihr Summen und Schwirren beunruhigte und

störte auch mich Anfangs, bis mich Gewohnheit und Erfahrung lehrten,

das wählerische Gesindel schnarchend zu verachten. -- Der zweite Factor

ist, dass nur der Hauptplatz Bandjermasing von so zahlreichen und

grossen Mosquitos heimgesucht wird, während in den Garnisonen jenseits

des Alluviallandes diese Landplage aufhört. Während meines dreijährigen

Aufenthaltes in Muara Teweh bekam ich niemals eines dieser Insecten zu

Gesicht, es sei denn, dass ein Dampfer von Bandjermasing zu uns kam

und die unwillkommenen Gäste als blinde Passagiere mitführte. Auch auf

den übrigen Inseln des indischen Archipels kamen sie nur in der Ebene,

an der Küste, im alluvialen Boden, in der Heimath der Sumpfgewächse

vor, während im Gebirge, auf der Hochebene, in der Kalkformation sie

nur zeitweise zu Gastrollen auftauchten. Auch kann man mit ein wenig

Heroismus allen schädlichen Folgen ihres Stiches entgehen. Wir sehen

ja, dass Säuglinge niemals Quaddeln, Entzündungshöfe oder Geschwüre von

einem Mosquitostich bekommen; sie kratzen sich eben nicht und stören

die blutdürstigen Insecten nicht in ihrer Trunksucht; ist einmal das

Thierchen gesättigt (man gewahrt die Plethora seines Bauches, der bis

zur Grösse einer halben Erbse anschwillt), so fliegt es seiner Wege

und sein Stich lässt nur einen rothen Punkt zurück; wird es jedoch

weggejagt, so bricht der Stachel ab und die Folliculitis ist gegeben;

kratzt man diese stark juckende Stelle, so excoriirt die Haut, und

der Anfang des Geschwüres ist fertig, welches mitunter recht lange

bestehen kann. Tant de bruit pour une omelette, wird vielleicht mancher

Leser denken; aber er erkundige sich z. B. bei einem Marineofficier,

der tage- oder wochenlang bei einer Blockade vor einer Küste liegen

muss. Ob die Langeweile mehr von unserer Gemüthsruhe fordert als die

Mosquitos in einem solchen Falle, das muss man selbst erfahren haben,

um die Verwünschungen gegen diese Plaggeister zu begreifen.

[Illustration: Fig. 1. Grundriss von Bandjermasing.]

Ueber Bandjermasing selbst bringen meine Reisebriefe aus damaliger

Zeit nur magere Berichte, vielleicht weil ich nur kurze Zeit in der

Hauptstadt selbst verweilte und nach kurzem Aufenthalt ins Innere

des Landes, an die Grenze aller menschlichen Civilisation geschickt

wurde; vielleicht weil die Stadt Bandjermasing wenig Interessantes

oder Mittheilenswerthes geboten hat, oder vielleicht weil nur die

Topographie der Umgebung mir mehr Mittheilenswerthes und Interessantes

bot. Ihre Einwohnerzahl bezifferte ich damals auf 30000. Der grösste

Theil der Bewohner Bandjermasings besteht aus Malayen (Bandjeresen und

Bekompeyer), und am kleinsten ist die Zahl -- der Europäer. »Wenn wir

von den Officieren mit ihren europäischen Soldaten und den Beamten

absehen, ist die Zahl der europäischen Handelsleute, auch wenn die

halbeuropäischen mit gerechnet werden, noch auf den Fingern einer Hand

abzuzählen.« So sprach ich im Jahre 1885 in einem Vortrage über die

Bewohner dieser Stadt; heute ist die Zahl der Europäer grösser, weil

der Handel einen solchen Aufschwung genommen hat, dass selbst die

Handelmaatschappij einen Agenten für die südöstliche Hälfte Borneos zu

ernennen sich bemüssigt sah.

Von monumentalen Gebäuden kann kaum gesprochen werden; das Haus des

Residenten ist wie die meisten Häuser Indiens in altgriechischem Stile

gebaut mit einer vordern und hintern Veranda; das Fort mit seinem

Spitale und seinen Kasernen, das neue Gefängniss, das Seminar für

Volksschullehrer, das Clubgebäude, die europäischen Geschäfte u. s. f.

sind hübsch und nett, aber ohne jeden architektonischen Werth. Am

linken Ufer des Martapuraflusses liegt jedoch das chinesische Viertel

mit zahlreichen Geschäften und einer chinesischen Kirche. Vor vielen

Jahren las ich in einer Reisebeschreibung, dass in dem chinesischen

Tempel zu Bandjermasing der Hauptaltar mit einem Bilde Napoleons I.

verziert sei; sofort nach meiner Ankunft miethete ich einen Kahn, um

diese Chinesische Kirche mit Napoleon als Buddha zu sehen. Ich sah

keinen Buddha oder Confucius, welcher Napoleon ähnlich war, und als ich

darnach mich erkundigen wollte, bekam ich keine Antwort; ich sprach

kein Chinesisch und nur sehr mangelhaft die malayische Sprache, und die

Tempeldiener waren nur dieser zwei Sprachen mächtig.

Unrichtig wird angegeben, dass diese Stadt auf dem linken Ufer des

+Baritu+ liege; von diesem Flusse sind die äussersten Gebäude der

Stadt, das Hafenbureau und das Gefängniss noch mehr als eine Stunde

entfernt.

Alle Häuser stehen auf Pfählen, denn die Stadt liegt im

Inundationsgebiet des grossen Stromes Baritu, welcher sich täglich über

1 Million Hektar Landes mit der Fluth des Meeres ergiesst; mit der Ebbe

dringt zwar das Wasser dem Meere zu, aber zahlreiche Pfützen bleiben

zurück, die zahlreichen Canäle werden wasserfrei, die stinkenden

Ausdünstungen verpesten die Luft und selbst der Martapurafluss wird in

trockenen Jahren so wasserarm, dass das Trinkwasser aus höher gelegenen

Theilen des Stromes geholt werden muss.

Grosse und ausgestreckte Sümpfe begrenzen im Norden und Süden die

Stadt, und der Canal Kween (Fig. 1) ist die östliche Grenze des

bewohnten rechten Ufers des Martapuraflusses.

Der officielle Ausweis spricht im Jahre 1882 von 592959 Bewohnern[3]

des südöstlichen Borneos mit 549 Europäern, 2843 Chinesen und 435

Arabern; von diesen Ziffern haben nur die Angaben über die anwesenden

Araber, Chinesen und Europäer einen gewissen Werth; wie wir später

sehen werden, ist die Statistik der Eingeborenen ganz unverlässlich,

so dass factisch die Einwohnerzahl Borneos noch heute selbst auf eine

Million noch nicht bekannt ist.

Ob diese Stadt Bandjerma+sin+ oder Bandjerma+sing+ zu nennen sei,

ist kaum zweifelhaft. Valentyn nennt sie Bandjerma+singh+, und

mit Unrecht wird in dem grossen Atlas von Stemfoort und ten Siethoff

eine neue Schreibweise dieses Namens eingeführt. Bandjir heisst nämlich

Ueberströmung und mâsing bedeutet häufig vorkommend. Da thatsächlich

diese Stadt häufigen Ueberströmungen ausgesetzt ist, und da nicht

nur in den ältesten Büchern der Name Bandjerma+singh+ vorkommt,

sondern auch während meines dreijährigen Aufenthaltes auf Borneo mir

geläufig war, so ist nach meiner Ansicht die ältere Schreibweise

beizubehalten.[4]

Bis zum 16. Jahrhundert waren auch die Bewohner der Küste ebenso Heiden

als heute noch die Dajaker im Innern der Insel es sind. Die Einführung

der mohammedanischen Religion auf Borneo ist mit einer Oedipussage

verbunden:

Bekanntlich hat Ende des 15. Jahrhunderts Madjopahit auf Java den Islam

eingeführt und zwar mit Feuer und Schwert (so dass heutzutage nur

zwei sehr kleine Colonien von echten Hindus auf dieser Insel gefunden

werden, und zwar die eine in West-Java in der Provinz Labak und die

zweite in Mittel-Java), und darum ist es interessant, dass die folgende

Sage auch in den Anfang des 16. Jahrhunderts verlegt wird.

Im Beginne des 16. Jahrhunderts (1530?) lebte eine Fürstin des

Bandjermasingischen Reiches, deren Name von der Zeitfluth weggespült

wurde; sie hatte einen Knaben, dem sie einmal bei einer körperlichen

Züchtigung eine Wunde am Kopfe beibrachte; er bekam dadurch eine

solche Abneigung gegen das elterliche Haus, dass er seine Flucht mit

Hülfe des Anakoda Laba, eines reichen Javanen, beschloss, der damals

mit seinem Schiffe bei Negara vor Anker lag. Nach dem Tode seines

reichen Pflegevaters führte er den Handel mit Borneo weiter. Seine

hohe Abstammung hatte sein Pflegevater verheimlicht; Akar Sungsang

(unter diesem Namen war er auf Java erzogen worden) erregte durch

seinen Reichthum, seine Schönheit und durch seinen Muth dermaassen

die Aufmerksamkeit der Bewohner von Amunthay, dass sie ihm die Hand

der seither verwittweten Fürstin anboten. Viele Jahre lebte er in

glücklicher Ehe mit -- seiner Mutter, als sie eines Tages die Narbe an

seinem Kopfe entdeckte und die Flucht auf Anakoda Laba’s Schiff erfuhr.

Beschämt und erschreckt entzog sie sich seinen Umarmungen und stellte

sich vor den Rath der Aeltesten, um die verdiente Strafe zu empfangen.

Die Tradition (hadat) hatte jedoch keinen Präcedenzfall; die Ehe

wurde nur gelöst und die Gattin-Mutter blieb straflos. Akar Sungsang

heirathete wieder, und sein Enkel Samatra, der Sohn seiner Tochter

Putri Kalarang und eines Dajakers, führte als Sultan Suriansah (1608?)

den Islam auf Borneo ein. (Schwaner.)

Neben dieser Oedipussage hat die Mythologie der Dajaker auch die

einer Venus anadyomene; aber für die Lernäische Schlange der Griechen

hat der Dajaker kein Pendant; das ist um so überraschender, als die

Küste ein ungeheurer Sumpf ist, über den sich bei der Fluth das Meer

bis auf 1 Million Hektar ergiesst, und wo eine üppige Flora eine

undurchdringliche, unausrottbare Wildniss geschaffen hat. An diese

grosse sumpfige Ebene schliesst sich die tertiäre Formation[5] mit

den Urwäldern, welche noch keines Europäers Fuss betreten und in

welchen die Riesen der Flora neben den Riesen der Fauna hausen. Die

Avicennien, Caesalpinen, Casuarinen und Rhizoforen; das Sideroxylon

(Kaju besi M), Teakbäume, Guttapercha, Muskatbäume, Campher, Zimmt,

Citrone, Bambus, Rottan, Reis, Pfeffer, Kaffee u. s. w. fesseln in

ihrer Massenhaftigkeit den Laien vielleicht mehr als den Botaniker,

und auch ich nahm den ganzen Reiz eines Urwaldes und der Sumpfpflanzen

in mich auf und beugte in Demuth mein Haupt vor den gewaltigen Riesen

der Pflanzenwelt, oder vor den Lianen, welche Schritt für Schritt

den Marsch des Wanderers erschweren oder unmöglich machen. Auch ich

ergötzte mich an der Pracht der Nepenthes-Artent, von denen schon

Friedmann auf Borneo 22 Arten kannte und unter welchen die Nepenthes

Edwardsiana, villosa und Rajali die schönsten sind.

Ein fesselndes Bild sind auch die Ströme mit ihren zahlreichen Seen

(Danaus).

Ich habe den Genfer See gesehen, ich habe den Rhein befahren, ich kenne

die Donau von Wien bis zum Banat; ich habe vier Monate in den Karpathen

gelebt und habe mich an der Riviera herumgetummelt; ich weilte auf Java

an den Ufern des Telagawarna, welcher wie in einem Kessel zwischen

hohen Felsen eingeschlossen ist, dessen majestätische Ruhe und lautlose

Luft mich mächtig ergriffen hat, aber nirgends sah ich ein Bild, das

sich nur annähernd mit dem der Danaus vergleichen könnte; nirgends

sah ich ein solch pittoreskes, variabeles Panorama, als auf den Seen

jenseits der Ufer des Baritu.

Wahrscheinlich sind es alte Flussbetten, welche durch Antassans mit

dem neuen Strom in Verbindung geblieben sind. Sinkt das Wasser in dem

Barituflusse, so ist der Danau ein grosser Sumpf, aus dem hier der

kahle Stamm eines Waldriesen (Balangiranbaum) sich erhebt, dort die

Wurzeln einer Rhizophore eine niedrige Säulenhalle über dem sumpfigen

Boden errichtet, durch die sich still und lautlos ein Krokodil windet;

hier sitzt auf einem andern kahlen Stamme ein Reiher, dort tauchen

einige Fische aus der Tiefe und trachten mit leichten Sprüngen die

darüber schwebende Libelula zu erhaschen. Kreisen auch nebstdem einige

Falken, oder in später Abendstunde zahlreiche Kalongs hoch in den

Lüften, so ruht doch ein schwermüthiger, geheimnissvoller Ernst über

der ganzen Fläche der Sümpfe und stimmt den Beobachter traurig im

Gefühle der Einsamkeit und Verlassenheit.

Steigt das Wasser des benachbarten Stromes jedoch so hoch, dass es

die durch den abgelagerten Sand und Schlamm immer und immer höher

werdenden Ufer überragt, dann füllt sich das alte Becken zu einem

grossen See, dessen Wasser in seiner wilden Fahrt immer und immer

mehr den Boden aufwühlt und immer und immer neue Sümpfe schafft, bis

wieder hier oder dort ein künstlicher Canal, Antassan, das Wasser dem

Hauptstrom zuführt.

Die Formation dieses Diluvium und Alluvium ist bis jetzt ebenso wenig

abgeschlossen als die der Danaus, Antassans und der grossen Ströme,

welche oft einen täglichen Verfall von 15 Metern!! haben.

* * * * *

Ich verlasse nur ungern dieses Capitel, weil ich noch heute den ganzen

Zauber dieser jungfräulichen Tropenwelt empfinde und fühle, obzwar ich

kein Geologe und kein Botaniker bin.

So möge noch vor Schluss dieses Capitels wieder der Arzt in mir zu

Worte kommen:

Eine zweite indische Landplage, welche noch ärger ist als die der

Mosquitos, ist der rothe Hund, Lichen tropicus oder, wie sie Scheube

nennt, eine Eczemform, z. B. eczema aestivum. Wenn ich mich jedoch an

die Definition von Lichen halte, welche Hebra s. Z. gab, dann muss

ich mich aus anatomischen, ätiologischen und klinischen Ursachen an

die, wenn ich nicht irre, von mir zuerst in N.-Indien eingeführte

Classification von Lichen tropicus halten. Hebra nannte Lichen »jene

Krankheitsform, bei welcher Knötchen gebildet werden, die in typischer

Weise bestehen und im ganzen chronischen Verlaufe keine weitere

Umwandlung zu Efflorescenzen höheren Grades erfahren, sondern als

solche sich wieder involviren«.

Als ich zum ersten Mal meinen Collegen mein Leid klagte, dass mich

ein fürchterliches Jucken plage mit kleinen hochrothen Knötchen auf

der Haut, und zwar am meisten zwischen den Fingern und am Rücken der

Hand, am Rücken, auf der Innenseite der Arme und am Hals, da antwortete

mir der Eine: »Seien Sie froh, dass Sie den rothen und noch nicht den

schwarzen Hund haben« (wobei ein malitiöses Lächeln um seine Lippen

spielte), während der Andere mir ein anderes Trostwort zu Theil werden

liess. »Nein, seien Sie froh, dass Sie den rothen Hund haben, denn

dann wissen Sie sicher, dass Sie keine andere Krankheit in Ihren

Gliedern bergen.« Nun, was der Eine mit seinem »schwarzen Hund« und

mit seinem malitiösen Lächeln sagen wollte, erfuhr ich später; für

die Behauptung des zweiten Collegen, dass ich durch die Anwesenheit

des »rothen Hundes« die demonstratio ad oculos hätte, nicht krank

zu sein, bekam ich jedoch sofort die nöthige Interpretation. »Weil

ich gesund sei, schwitze ich stark; weil ich stark schwitze, bekäme

ich den »rothen Hund«; also, weil ich den rothen Hund hätte, sei ich

gesund.« Kopfschüttelnd machte ich die Bemerkung: Gar so sehr könne ich

mich mit meinem fürchterlichen Jucken nicht freuen, und ich würde es

schon vorziehen, gesund zu sein, ohne den »rothen Hund« mitschleppen

zu müssen, und ich möchte höflichst meine Collegen bitten, mir ein

Mittel anzugeben, mich von diesem unliebsamen Gaste zu befreien. Ja,

bekam ich mit mitleidigem Tone zur Antwort, wenn Sie den rothen Hund

und die Transpiration unterdrücken wollen, und das Eine geht nicht

ohne das Andere, dann können Sie auch sofort einen Sarg bestellen;

Sie wissen ja, wie gefährlich es in Europa ist, die Transpiration zu

unterdrücken; dies hat noch mehr Bedeutung »in de Oost«, wo Malaria,

Cholera, Dysenterie u. s. w. sicher mit dem Schweisse den Körper

verlassen. Noch wagte ich den Einwand: Mir scheint der »rothe Hund«

von +zu vielem+ Schwitzen zu entstehen, und ich möchte darum nur

das +zu viele+ Schwitzen bekämpfen, um dadurch vielleicht vom

»rothen Hund« befreit zu werden. Auch dieses wurde mir abgerathen mit

den Worten: Dagegen lässt sich nichts thun, denn der »rothe Hund« ist

eine indische Krankheit, und da wir kein Arzneimittel dagegen haben, so

ist auch bewiesen, dass der »rothe Hund« nicht vertrieben werden darf!!

Aus diesem Gespräche wurde mir ersichtlich, dass der »rothe Hund«

gewissermaassen einen diagnostischen Werth habe, weil er nie zugleich

mit +acuten+ Krankheiten vorkäme, und dass wir kein specifisches

Heilmittel für ihn hätten. Nun, späterhin hatte ich an mir selbst und

an hundert Anderen genug Gelegenheit, mich von der Richtigkeit dieser

zwei Axiome zu überzeugen.

Leider sind nicht allein die »Totoks« das Opfer dieser Plage, d. h.

jene Europäer, welche erst eine kurze Zeit in den Tropen sich

aufhalten, sondern noch jahrelang, selbst sein ganzes Leben lang

wird man in grösseren oder kleineren Pausen von dieser Hautkrankheit

heimgesucht. Als ich im Jahre 1884 zum ersten Mal mit Urlaub nach

Europa ging, hatten wir eine junge Wittwe an Bord, welche wegen dieser

Krankheit Indien verlassen +musste+. Diese Dame hatte selbst im

Gesicht die rothen Knötchen, was in der Regel nicht vorzukommen pflegt.

Sie konnte beinahe die ganze Reise nicht an die Tafel kommen, weil sie

unter der europäischen Toilette zu stark transpirirte und die indische

Haustoilette an der Abendtafel nicht erlaubt ist.

Die Eingeborenen leiden gar nicht oder selten an dieser Krankheit.

Sind es Eingeborene mit +dunkler+ Hautfarbe, bleiben sie ganz und

gar davon befreit; sind es pigmentarme Eingeborene, wie z. B. die

in Indien geborenen Europäer (Kreolen), so leiden sie ebenso häufig

am »rothen Hund« wie die in Europa geborenen Europäer; Menschen aus

gemischtem Blut (Sinju und Nonna genannt) haben bei pigmentreicher Haut

wenig oder gar keine Anlage zu Lichen tropicus, und bei pigmentarmer

Haut sind sie in gleicher Weise dieser lang dauernden Krankheitsform

unterworfen. Die Prophylaxis fällt zusammen mit der Aetiologie, d. h.

alles zu thun und zu lassen, was die Schweisssecretion erhöht (nirgends

wird so viel +getanzt+ als in Indien!!), und die Behandlung ist

die der juckenden Hautkrankheiten. Nur wird man das tägliche Schiffsbad

nicht abzuschaffen brauchen, denn die Krankheit »schlägt nicht hinein«

(es ist ja ein +Aus+schlag); man wird das Jucken mit Streupulver,

Eau de Cologne u. s. w. vermindern; mit dem Eintreten der niedrigen

Temperatur wird das Jucken eo ipso minder, und nur in Ausnahmefällen

wird es nöthig sein, wegen des »rothen Hundes« ein kaltes Bergklima

aufzusuchen.

2. Capitel.

Pesanggrâhan = Passantenhaus -- Ausflug nach der Affeninsel --

Aberglaube der Eingeborenen -- Reise nach Teweh -- ein chinesisches

Schiff im Innern Borneos -- Trinkwasser in Indien -- Eis --

Mineralwässer.

Vor zwanzig Jahren bestand kein Hotel in Bandjermasing, wenigstens

nicht im europäischen Sinne, sondern nur ein sogenanntes Pesanggrâhan,

das heisst ein Gebäude, welches ursprünglich nichts anderes war, als

ein Nachtverbleib für Reisende, welche sich selbst mit den nöthigen

Lebensmitteln versahen. Solche giebt es heute noch zahlreich im

Innern Javas. Der gesteigerte Verkehr brachte es mit sich, dass

diese primitiven Häuser aus Holz oder Bambus von der Regierung einem

niedrigen Beamten in Administration übergeben werden, welcher monatlich

fl. 50 erhält und dafür in dem Pesanggrâhan einige Betten, Tische

u. s. w. aufstellen muss, Reisende auf ihr Verlangen verköstigt (in der

Regel gegen eine Bezahlung von 4-5 fl.) und für Officiere oder Beamte

ein oder zwei Zimmer reservirt halten soll. Als im Jahre 1896 der König

und die Königin von Siam Java mit grossem Gefolge besuchten und einige

Tage an dem Fusse des Buru Budur zubringen wollten, mussten sie auch

ein solches Nachtquartier beziehen, welches zu diesem Zwecke natürlich

mit schönerer Einrichtung versehen wurde. Für das zahlreiche Gefolge

wurden selbst zahlreiche Hütten aus Bambus in aller Eile gebaut und

eingerichtet. Aber auch in diesem primitiven Hotel fand ich keinen

Platz bei meiner Ankunft in Bandjermasing, und in liebenswürdiger Weise

wurde mir vom Landessanitätschef Gastfreundschaft in seinem Hause

angeboten. Zwei Tage später verliess der Dampfer wieder Bandjermasing,

und im Hotel (?) wurden wieder einige Zimmer verfügbar. Da ich wusste,

dass es noch einige Tage dauern würde, bis ich Bandjermasing verlassen

sollte, hatte ich, um von der Gastfreundschaft meines Chefs keinen

Missbrauch zu machen, oder ich will lieber sagen, um nicht länger,

als nöthig war, davon Gebrauch zu machen, das Pesanggrâhan bezogen. Ein

primitives Zimmer (das ganze Gebäude bestand aus Holz) mit primitiver

Einrichtung, jedoch mit guter Küche, wurde mir geboten. Ich werde

noch später Gelegenheit haben, mit der indischen Küche mich näher zu

beschäftigen. Die wenigen Tage, welche ich in Bandjermasing bleiben

sollte, benutzte ich zur Besichtigung der Stadt und zu einem Ausfluge

nach der Affeninsel. Wenn, wie schon erwähnt, meine Reisebriefe aus

dieser Zeit nur mangelhafte Berichte aus der Hauptstadt Borneos

bringen, so kann ich sie heute hinreichend ergänzen, weil ich 3½

Jahr später wieder eine ganze Woche in Bandjermasing procul negotiis

verweilte und durch den späteren Aufenthalt auf den andern Inseln einen

Maassstab fand, mit Verständniss die herrschenden Verhältnisse, das

Leben und Treiben dieser Hafenstadt zu beurtheilen. Es ist das Leben

einer Hafenstadt, welche an einem Flusse und nicht an der Küste des

Meeres liegt; es ist auch kein Wald von Mastbäumen oder eine unzählbare

Menge von Dampfern, welche eine solche Hafenstadt charakterisirt. Ein

Kriegsschiff, ein paar kleine Dampfer, einige grosse und unzählbar viel

kleine Segelschiffe und Kähne bevölkern den Fluss; da das linke Ufer

nur von den Chinesen bewohnt wird, welche zahlreiche Geschäfte (tokos)

haben und keine einzige Brücke die beiden Ufer verbindet, so ist es

der Kahn, welcher den kauflustigen Menschen und hin und wieder einem

der beiden Militärärzte den Verkehr zwischen beiden Ufern vermittelt.

Zahlreich sind die Magazine, welche auf dem Wasser in schwimmenden

Häusern sich befinden, um von Zeit zu Zeit den Martapurafluss zu

verlassen und mit Weib und Kind der Eigenthümer entweder stromaufwärts

nach Martapura, der alten Sultan-Residenz, oder stromabwärts in den

Baritu mit Dampfbarkassen gezogen zu werden.

[Illustration: Fig. 2. Eine Bekompeyerin.]

Es ist hier ein Bild en miniature des bunten Lebens in den grossen

Hafenstädten von Port Said, Singapore oder Makassar u. s. w.

Die Trachten der Chinesen, Araber, Malayen, Javanen, Dajaker,

Bekompeyer, Buginesen und der Europäer geben auch hier ein

kaleidoskopisches Bild, und wenn hin und wieder eine bandjeresische

Frau auf ihrem Kahne bei uns vorbeifährt, so ist es nur ein neuer Stein

in diesem farbenreichen Bild; denn sie hat einen colossal grossen Hut

auf dem Kopfe, der sie vor den versengenden Sonnenstrahlen und dem

tropischen Regen schützen soll. (Fig. 2.)

Der Ausflug nach der Affeninsel geschah natürlich auch auf einem Kahn

und zwar auf dem Canal Kween.

Dieser natürliche Canal ist ursprünglich nur ein Antassan gewesen, d. h.

der Strom des Baritu hat sich in dem weichen Boden einen Weg gebahnt

und die Martapura erreicht; ich zweifle auch keinen Augenblick, dass

dieser Canal in den 18 Jahren, dass ich ihn nicht gesehen habe, an

Breite, Grösse und Richtung nicht unbedeutende Veränderungen erfahren

haben wird. An dem einen Ende dieser Antassans befindet sich die

Affeninsel, wohin ich mich begab, beladen mit einem Revolver und mit

einer grossen Pisangstaude (Musa sapientium und Musa paradisiaca =

Banane).

Ich werde noch Gelegenheit haben, über die Pisang, sowie über Früchte

Indiens im Allgemeinen zu sprechen; ich will jetzt nur erwähnen, dass

diese eine Frucht ist, welche das ganze Jahr und überall im Archipel

gegessen wird, dass es deren zahlreiche Arten giebt -- bis zu 50 --,

dass der Pisang-Baum auf gleichem Raume 133 mal mehr Nahrungsstoff

als Weizen giebt, ja, dass einzelne Autoren selbst von zwei Centnern

Früchten sprechen, welche ein einzelner Baum in +einem+ Jahre

liefere, dass die Frucht in Gurkenform ein mehliges Fleisch habe von

süsslichem, leichtsaurem, adstringirendem Geschmack, und dass Säuglinge

genährt werden mit geriebenem Pisang, mit welchem etwas gekochter Reis

vermengt ist.

Den Revolver nahm ich mit, weniger aus Furcht, als mit dem Vorhaben,

einen Affen zu erlegen. Kaum hatte ich mich der Insel genähert,

welche ich wegen niederen Wasserstandes nicht betreten konnte, als

die Affen (Cercopithecus cynomolgus), gemeinhin Keesch genannt, in

grossen Schaaren ans Ufer kamen; ich glaube wenigstens 50-60 an diesem

Tage gefüttert zu haben. Das possirliche Treiben dieser Vierhänder

will ich meinen Reisebriefen nicht entnehmen, weil es genug bekannt

ist, und weil ich späterhin genug von meinen Orang-Utangs und Gibbon

mittheilen werde, welche in meinem Hause frei herumliefen. Als ich

jedoch den Revolver zog, um nach den Affen zu schiessen, warnte mich

mein Bedienter, dies zu thun, weil ich dann sehr krank werden würde.

Ich liess mich nicht davon abhalten, schoss, ohne jedoch einen Affen

zu treffen. »Glücklicherweise,« sagte ich, weil ich später gesehen,

welche Macht diese eingeborenen Bedienten über ihre Herren bekommen,

wenn man nicht vom Anfang an ihren Aberglauben ignorirt. Wenn man nicht

vom Anfange an (principiis obsta!) sich auf diesen höheren Standpunkt

stellt, ohne darum ihren Aberglauben zu bespötteln oder zu belächeln;

dann wird der Orang baru = homo novus oft in unangenehmer Weise +der

Dupe+ seiner Bedienten, weil sie um jeden Preis ihre Ansichten

durchsetzen wollen.

Zwei Beispiele aus meiner Erfahrung mögen dieses genauer illustriren.

Ich schenkte einem meiner Freunde einen Beo (Gracula), welcher noch

nicht gut sprechen konnte; sein Bedienter erklärte, die Zunge dieser

indischen Elster dürfe nur an einem Freitag gelöst werden; ich

zuckte die Achseln und bedeutete meinem Collegen, dass ich solche

abergläubischen Ansichten principiell nicht befolge; mein College

jedoch fand meinen Skepticismus gegenüber dem Mysticismus der Malayen

nicht gerechtfertigt, weil Vieles zwischen Himmel und Erde sei, wovon

die menschliche Weisheit sich nichts träumen liesse und weil der

Bediente als Eingeborener des Landes besser mit der »Natur« des Landes

vertraut sei u. s. w. Wie gewöhnlich stand sein Bedienter mit einem

wesenlosen Ausdruck neben uns, als ob sein Geist irgendwo im Weltraum

schweife, während er factisch, ohne dass es sein Herr wusste, die

holländische Sprache gut verstand. Wenigstens ich sah, als mein Freund

hierauf erwiderte, er wolle es probiren und denselben Tag dem Beo

die Zunge lösen lassen, ein eigenthümliches Lächeln um seine Lippen

spielen. Den andern Tag war der Beo -- todt. Weniger gleichgültig ist

der Aberglaube -- in der Kinderpraxis. Die Babus (Dienstmädchen) haben

ihre eigenthümlichen medicinischen Erfahrungen und octroyiren sie in

geschickter Weise den Müttern, und wird man zu einem kranken Kinde

gerufen, so erhält man die abenteuerlichsten Rathschläge. Ist so eine

Mutter gewöhnt, jenen absurden Vorschlägen, wie wir sie späterhin

kennen lernen werden, nicht principiell entgegen zu treten, oder

sie sogar anzunehmen, so fühlt sich die Babu ihrer Rolle sicher und

beherrscht die Mutter in fürchterlicher Weise; wird jedoch einmal ihr

Rath nicht befolgt, so wird es oft geschehen, dass sie, um Beweise

für ihre Ansicht zu bringen, selbst schädliche Medicinen dem Kinde

eingeben, oder, wie ich es einmal entdeckte, in Gegenwart der Eltern

und des Arztes das Kind in die Hinterbacke zwicken, um es fortwährend

schreien und weinen zu lassen.

21 Jahre in Indien. Erster Theil: Borneo. · 第 1 / 26 段