4. +Das Licht+.

Schon bei Besprechung der Irritabilität des Protoplasmas haben wir das

Licht (I. Buch Seite 81) als eine wichtige Reizquelle kennen gelernt.

Auch viele formative Processe vielzelliger Organismen stehen unter

seiner Herrschaft. An manchen wachsenden Organen können auffällige

Veränderungen sowohl durch Belichtung und durch Verdunkelung, als auch

durch Verwendung von Strahlen verschiedener Brechbarkeit hervorgerufen

werden.

Zu Experimenten auf diesem Gebiete sind Pflanzen viel geeignetere

Objecte als thierische Organismen; sie reagiren viel leichter und

intensiver als diese. Sie lehren uns an zahlreichen verschiedenartigen

Beispielen auf das Unzweideutigste, dass man durch experimentelle

Eingriffe den Ort, an welchem sich specifische Organe am Pflanzenkörper

ausbilden sollen, willkürlich verändern und bestimmen kann, je nach der

Richtung, in welcher man Lichtstrahlen einfallen lässt.

Als eines der lehrreichsten Beispiele sind die +Prothallien der

Farnkräuter+ zu nennen, wie aus den Experimenten von ~Leitgeb~

hervorgeht. Die Prothallien sind dünne, auf feuchter Erde

wachsende Plättchen grüner Zellen, welche an ihrer der Erde

zugekehrten Unterseite Wurzelfädchen, sowie weibliche und männliche

Geschlechtsorgane (Archegonien und Antheridien) normaler Weise

entwickeln. An ihnen gelingt es, durch künstlichen Eingriff nach

Willkür zu bestimmen, ob die genannten Organe auf der oberen oder

unteren Seite der Zellenplatte entstehen sollen.

Man verschafft sich, wie es zuerst ~Leitgeb~ gethan hat, das zum

Experimentiren geeignete Material dadurch, dass man die Sporen eines

feuchte Orte liebenden Farnkrautes, Ceratopteris thalictroides, auf

die Oberfläche einer Nährstofflösung aussät. Man hat es dann in seiner

Hand, die Prothallien, welche sich aus den Sporen als schwimmende

Platten entwickeln, entweder von ihrer oberen oder unteren Seite zu

beleuchten. Bei Beleuchtung von oben entstehen die Wurzeln, Antheridien

und Archegonien wie unter normalen Verhältnissen an der unteren,

beschatteten Fläche. Bei Einfall des Lichtes von unten dagegen ändert

sich das Verhältniss: „Die Prothallien wachsen in die Flüssigkeit

hinein, dem einfallenden Lichte entgegen, krümmen sich aber, sobald sie

die eigentliche Fläche zu entwickeln beginnen, so dass die eine Seite

der letzteren senkrecht zum einfallenden Lichte gestellt wird.“ Beide

Flächen verhalten sich jetzt in Bezug auf ihre Umgebung gleich, da sie

beide von Wasser umspült werden. Nur in ihrer Beleuchtung besteht ein

Unterschied und veranlasst, dass die Archegonien und die Wurzelfasern

sich nun an der oberen oder der Schattenseite entwickeln.

[Illustration: =Fig. 46. Epheuspross (Hedera Helix).= _A_ Seit

mehreren Tagen von der Rückenseite, _B_ ebenso von der Bauchseite her

beleuchtet; _C_ ein späterer, aus _B_ hervorgegangener Zustand. Nach

~Sachs~ Fig. 339.]

In ähnlicher Weise lässt sich auch bei einigen Phanerogamen der Ort

der Wurzelbildung durch die Richtung der Beleuchtung beeinflussen.

Als geeignetes Versuchsobject ist von ~Vöchting~ eine kleine Cactee,

+Lepismium radicans+, und von ~Sachs~ der Epheu empfohlen worden.

+Lepismium+ besteht aus breiten, plattgedrückten Stengeln mit

flügelartig vorspringenden Kanten, die mit kleinen, schuppenartigen

Blättchen bedeckt sind. Die Stengel kriechen auf der Erde hin oder

erheben sich ein wenig über sie; in der Mitte ihrer unteren Seite

erzeugen sie in Längsreihen angeordnete Luftwurzeln. „Die Untersuchung

ergibt nun,“ wie ~Vöchting~ mittheilt, „dass die Wurzeln stets auf

derjenigen Seite des Stengels gebildet werden, welche am schwächsten

beleuchtet ist; nie auf derjenigen, welche vom direct einfallenden

Licht getroffen wird. Bindet man die Zweige vertical und stellt sie so,

dass die eine Seite vom Licht getroffen wird, so entstehen die Wurzeln

auf der Schattenseite. Sind hier nun mehrere Wurzeln gebildet, und

man kehrt die Pflanze um, so dass die frühere Schattenseite nunmehr

zur beleuchteten wird, so werden die neuen Wurzeln wieder auf der

Schattenseite erzeugt. Befestigt man Zweige so, dass sie horizontal vom

Topfe abstehen und auf keiner Seite von einem beschattenden Gegenstand

berührt werden -- was durch geeignete Manipulation leicht zu erreichen

ist -- und lässt das Licht von oben einfallen, so entstehen die Wurzeln

auf der Unterseite. Bringt man nun den Topf so an, dass die Zweige ihre

horizontale Stellung behalten, jedoch von unten beleuchtet werden, so

bilden sich die neu entstehenden Wurzeln auf der Oberseite.“

Ein genau entsprechendes Verhalten hat ~Sachs~ beim +Epheu+ (Hedera,

Fig. 46) festgestellt. Wenn unter normalen Verhältnissen seine Zweige

auf einer Unterlage hinklettern, entwickeln sich Haftwurzeln nur an

der ihr zugekehrten Fläche, welche man als die untere bezeichnet und

welche zugleich die beschattete ist. Das ist auch der Fall, wenn ein

einzelner Zweig frei schwebend in horizontaler Richtung gezogen wird,

so dass seine untere Fläche nach abwärts gekehrt ist. Dagegen wird die

Wurzelbildung hier unterdrückt, sowie man längere Zeit das Licht auf

sie einfallen lässt, und es entstehen unter diesen Bedingungen nun die

Luftwurzeln auf der ursprünglichen Rücken- oder Lichtseite.

Nicht minder beweisend für den Einfluss des Lichtes sind die von

~Vöchting~ an +Weidenzweigen+ ausgeführten Experimente. Unter der Rinde

jähriger Zweige finden sich bei vielen Weidenarten Anlagen, welche

unter geeigneten Bedingungen zu Wurzeln auswachsen. Dies geschieht

aber nur auf der vom Licht abgewandten Seite; um zu erzielen, dass an

einem Zweig ringsum die Anlagen zu Wurzeln auswachsen, muss man den

betreffenden Abschnitt, an dem dies geschehen soll, mit einer schwarzen

Hülse umgeben und dadurch vor der directen Einwirkung des Lichtes

schützen.

+Auch alle mit der Fortpflanzung der Gewächse zusammenhängenden

Processe sind vom Licht oft ausserordentlich abhängig.+ Besonders die

umfassenden Untersuchungen von ~Klebs~ haben uns auf diesem Gebiete

mit interessanten Thatsachen bekannt gemacht. Als einen lehrreichen

Fall wähle ich unter andern die +Entwicklung von Funaria hygrometrica+,

einem kleinen, weitverbreiteten Laubmoos.

Sporen, die auf eine Nährlösung ausgesät werden, entwickeln zuerst, wie

bei allen Lebermoosen, eine Art +Vorkeim+, das +Protonema+, welches

einer Fadenalge sehr ähnlich aussieht und früher auch als eine solche

angesehen wurde. An ihm entstehen erst nach einigen Wochen durch

ungeschlechtliche Sprossung als eine zweite Geschlechtsgeneration die

kleinen Moospflänzchen. Für ihre Entstehung ist aber eine nicht zu

schwache Belichtung unbedingt nothwendig. Denn wenn man eine drei bis

vier Wochen alte Cultur von kräftig gewachsenen Protonema „halbdunkel,

z. B. im Hintergrunde eines sonst hellen Zimmers aufstellt, so treten

an ihm keine Moosknospen auf, während dieselben an den am Fenster

stehenden Culturen sich reichlich zeigen“.

~Klebs~ hat Culturen von Protonema zwei Jahre lang im Halbdunkel

fortgezüchtet. Die Protonemafäden assimilirten und wuchsen in dieser

Zeit fortgesetzt weiter, während sie unter normalen Verhältnissen zu

Grunde gingen, nachdem sie Moospflänzchen erzeugt hatten. +Es blieb

hier also die sonst vergängliche Jugendform über die Zeit erhalten,

weil sie durch mangelnde Intensität des Lichts verhindert war, die

höher organisirte Geschlechtsform zu bilden.+

Aehnliches ist auch bei einer Süsswasserfloridee, +Batrachospermum+,

experimentell festgestellt worden.

Ganz anderer Art als in den bisher angeführten Fällen sind wieder die

Veränderungen, welche Gegenwart oder Mangel des Lichts bei manchen

Phanerogamen in der Structur einzelner Organe verursacht. Nach den

Untersuchungen von ~Stahl~, ~Géneau de Lamarlière~, ~Keller~ etc.

zeigen die Blätter von Schattenpflanzen eine etwas abweichende Structur

von den Blättern von Pflanzen, die im Licht aufwachsen. Und dieselben

Unterschiede kann man auch beobachten, wenn Individuen ein und

derselben Pflanzenart an schattigen oder sonnigen Orten gezogen werden.

[Illustration: =Fig. 47.= _A_ =Querschnitt durch ein Buchenblatt aus

halb schattiger Lage.= _B_ =Querschnitt durch ein Sonnenblatt der

Buche.= _C_ =Desgleichen durch ein Buchenblatt von sehr schattigem

Standort.= Nach ~E. Stahl~.

_p_ Pallisadenparenchym. _sch_ Schwammparenchym. _l_

Intercellularlücke.]

Die Blätter von stark beleuchteten Pflanzen (Sonnenpflanzen) haben

ein Parenchym, zusammengesetzt aus zwei verschiedenen Zellenformen

(Fig. 47). Die eine Form, das +Pallisadenparenchym+ (_p_), bildet an

der nach oben gekehrten Fläche des Blattes eine besondere Schicht von

gestreckten, cylindrisch geformten Zellen, die mit ihrer Längsachse

senkrecht zur Blattoberfläche angeordnet sind. In den Pallisadenzellen

bedecken die Chlorophyllkörner die längeren Seitenwandungen; sie

nehmen also eine Profilstellung ein (s. I. Buch S. 86). Die zweite

Gewebsform ist das +Schwammparenchym+ (_sch_), zusammengesetzt

aus mehr polygonalen oder parallel zur Blattoberfläche etwas

abgeplatteten Zellen. Sie erzeugen eine mehr oder minder dicke Schicht

unter den Pallisadenzellen an der unteren Fläche des Blattes. Die

Chlorophyllkörner nehmen die der Blattoberfläche parallelen Zellwände

ein und befinden sich daher in En face- oder Flächenstellung. Die

Chlorophyllkörner in den Pallisadenzellen werden von den Lichtstrahlen

am stärksten getroffen; die Körner in den Schwammzellen nur von

dem abgeschwächten Licht, welches noch von den darüber gelegenen

Zellschichten durchgelassen wird. „+Die Pallisadenzellen sind die für

starke Lichtintensitäten, die flachen Schwammzellen die für geringe

Intensitäten angemessenere Zellenform.+“

Durch vergleichendes Studium der Blattstructur hat ~Stahl~ gezeigt,

dass die Blätter echter Schattenpflanzen, die auf Waldboden wachsende

Oxalis acet., Mercurialis per. etc. aus Schwammparenchym aufgebaut

sind. Die Blätter von Sonnenpflanzen dagegen, wie Galium verum,

Distelarten etc., bestehen vorwiegend aus Pallisadenparenchym. Lactuca

scariola hat an sonnigen Plätzen vertical gestellte Blätter mit

Pallisadenzellen an beiden Flächen. An schattigen Orten wachsende

Exemplare zeigen die Blätter horizontal ausgebreitet, in welchem Falle

fast alles grüne Parenchym in flache Schwammzellen umgewandelt ist.

Was für erhebliche Unterschiede in der Blattstructur durch starke,

mittlere und sehr schwache Belichtung zu Stande kommen können, dafür

liefert eines der lehrreichsten Beispiele nach den Untersuchungen von

~Stahl~ die Buche, welche sich unter unseren Waldbäumen am meisten sehr

verschiedenartigen Beleuchtungsbedingungen anzupassen vermag (Fig. 47).

Es unterscheiden sich die Schattenblätter von den Sonnenblättern sowohl

durch ihre geringere Grösse als auch durch ihre zartere Structur. „Es

betrug bei zwei unter extremen Beleuchtungsbedingungen erwachsenen

Blättern die Dicke des Sonnenblattes (Fig. 47 _B_) das Dreifache der

Dicke des Schattenblattes (_C_). Betrachtet man die Querschnitte

solcher Blätter, so würde man kaum glauben, die gleichnamigen Organe

einer und derselben Pflanzenart vor sich zu haben.“

„Im Sonnenblatt ist beinahe sämmtliches Assimilationsparenchym als

Pallisadengewebe ausgebildet. An die Epidermis der Blattoberseite

grenzt zunächst eine Schicht äusserst enger und hoher Pallisadenzellen;

es folgen weiter nach innen noch ein oder zwei Lagen ähnlicher Zellen.

Nur wenige Zellen des Blattinnern zeigen eine der Blattfläche parallele

Ausdehnung; die überwiegende Mehrzahl der Chlorophyllkörner bedeckt

die zur Blattfläche senkrechten Wände; verhältnissmässig nur wenige

vermögen ihre Lage zu verändern -- Flächenstellung mit Profilstellung

umzutauschen.“

„Das Schattenblatt (_C_) dagegen besteht ganz vorwiegend aus flachen

Sternzellen (_sch_). Die Zellen der obersten Zellschichten allein

zeigen eine sich an die der Pallisadenzellen annähernde Form: sie

sind zu Trichterzellen (_p_) ausgebildet. Die Betrachtung der beiden

Blattquerschnitte (_B_ und _C_) lehrt uns ausserdem, dass die Häute

der Oberhautzellen verschiedene Dicke und die Intercellularräume

verschiedene Grösse erreichen.“

Zwischen den beiden Extremen (_B_ und _C_) kommen je nach der

Helligkeit der Standorte alle denkbaren Mittelstufen vor, von denen in

Fig. 47 _A_ eine dargestellt ist. Hier liegen unter der Epidermis an

der Blattoberseite zwei Reihen von Pallisadenzellen (_p_), unter ihnen

folgt nach der Blattunterseite zu Schwammgewebe (_sch_).

Entsprechende Ergebnisse gewann ~G. de Lamarlière~ bei seinen

Experimentaluntersuchungen über den Einfluss der Beschattung und

Belichtung auf die Entwicklung der Blätter. In der Sonne werden die

Blätter dicker und gewinnen eine andere Structur, was sich in höchstem

Grade bei Taxus baccata zeigte. Die Verdickung der Sonnenblätter betrug

hier unter Umständen 50 bis 100 % der Dicke der Schattenblätter. Sie

war vor allen Dingen durch eine Vermehrung des Pallisadengewebes

hervorgerufen worden, dessen Durchmesser bei Schattenblättern 135 μ,

bei Sonnenblättern 215 μ beträgt. Unter dem Einfluss starker Belichtung

ist in vielen Fällen entweder eine zweite Pallisadenzellschicht oder

ein dichteres Zellgewebe entstanden, welche beide den Schattenpflanzen

fehlen.

Aehnliche Veränderungen der Structur durch das Licht lassen sich aus

dem Pflanzenreich noch in grosser Anzahl zusammenstellen.

Dass im +Thierreich+ das Licht auf die Entwicklung einzelner Organe

hemmend oder fördernd einwirkt oder sogar Structuren verändert, ist

hier schwieriger zu beobachten. Trotzdem fehlt es auch im Thierreich

an beweisenden Beispielen nicht. Ueber einige berichtet ~Loeb~ in

seinen Experimentaluntersuchungen über den Einfluss des Lichtes auf die

Organbildung bei Thieren:

Das +Polypenstöckchen Eudendrium racemosum+ lässt sich in einem

Seewasseraquarium gut cultiviren, verliert aber in den ersten Tagen

„wahrscheinlich in Folge der mit dem Sammeln des Materials verbundenen

Insulte“ alle Polypenköpfchen, die bald darauf von dem Stamm aus durch

neue ersetzt werden. Bei diesem Regenerationsprocess spielt das Licht

mit eine wesentliche Rolle, wie sich leicht nachweisen lässt, wenn man

einen Theil der Stöckchen, welche die Polypen verloren haben, im Licht,

einen anderen Theil im Dunkeln, aber sonst unter genau den gleichen

Bedingungen cultivirt. Bei den belichteten Culturen entwickeln sich

im Laufe von fünf Tagen zahlreiche neue Polypen, während im Dunkeln

kein einziger in dieser Zeit gebildet wird. +Selbst nach drei Wochen

war noch keine Neubildung eingetreten+; sie kann aber sofort noch

hervorgerufen werden, wenn man die im Dunkeln gehaltenen Thiere jetzt

gleichfalls ins Licht bringt. In der kurzen Zeit von fünf Tagen werden

dann alle Stämmchen mit neu erzeugten Polypen bedeckt.

Aus anderen Versuchen geht hervor, dass durch Beleuchtung oder Mangel

an Licht +die Färbung der Körperoberfläche in hohem Maasse verändert

werden kann+. ~Flemming~ hat dies für Salamanderlarven, ~Loeb~ für

Fundulusembryonen festgestellt.

Wenn man jüngere +Salamanderlarven+ im Halbdunkel hält, so nehmen

sie durch stärkere Pigmententwicklung eine dunklere Farbe an. Werden

sie dagegen in weissen Porzellanschalen im Lichte gezüchtet unter

sonst gleichen Verhältnissen (Zimmertemperatur, Fütterung mit Tubifex

rivulorum etc.), so werden sie hell und gebleicht. Die Bleichung,

welche sich nach ~Fischel~ auch im Dunkeln durch Erhöhung der

Wassertemperatur auf 20 °C. hervorrufen lässt, beruht auf einer Abnahme

der Menge des Pigments. Nach den Angaben von ~Fischel~, die ~Flemming~

bestätigt, „ist an den gebleichten Larven erstens das im Epithel

enthaltene Pigment bedeutend an Menge vermindert; zweitens sind die

verästelten Pigmentzellen des Epithels nur selten mit Fortsätzen

versehen, meist rund oder eiförmig zusammengezogen; drittens endlich

sind die grossen, verästelten Pigmentzellen in der Cutis fast sämmtlich

auf runde Formen contrahirt“.

Ebenso wie bei den Salamanderlarven fällt die Pigmentirung von

+Fundulusembryonen+ verschieden aus, je nachdem man sie sich im Dunkeln

oder im Licht entwickeln lässt. Im Lichte entstehen, besonders in der

Haut des Dottersacks, zahlreiche schwarze und rothe Pigmentzellen,

„welche auf die Blutgefässe kriechen und sie wie eine Scheide

umhüllen“. So gewinnen allmählich die Embryonen mit ihrem Dottersack

ein ganz dunkles Aussehen. Bei der im Dunkeln gehaltenen Zucht

dagegen bilden sich zwar im Körper des Embryo die Pigmentzellen, so

im Pigmentepithel der Retina in normaler Weise aus; der Dottersack

aber wird völlig hell und durchsichtig; denn es entstehen hier nur

sehr wenige Pigmentzellen, die auch auf die Blutgefässe kriechen,

aber anstatt wie bei den belichteten Embryonen eine fast lückenlose

Scheide zu bilden, nur hier und da vereinzelt auftreten. In den Maschen

zwischen den Gefässen fehlen sie gegen das Ende der Entwicklung

überhaupt.

Dauernder, vollständiger Lichtmangel ist der Pigmentbildung ungünstig.

Ein Höhlenthier, wie Proteus anguineus, der Bewohner der Adelsberger

Grotte, ist daher vollkommen farblos. Er wird aber durch Pigmentbildung

wieder etwas dunkler, wenn er im Aquarium bei Lichtzutritt gezüchtet

wird (~Eimer~).

+Auf die organischen Processe, und dadurch auch auf die Gestaltbildung,

üben die stärker brechbaren, die ultravioletten und die blauen Strahlen

des Spectrums einen anregenden Einfluss aus, während die schwächer

brechbaren, rothen Strahlen in ihrer Wirkung dem völligen Mangel des

Lichtes gleich kommen.+ Es gilt dies wieder sowohl von Pflanzen wie von

Thieren.

~Sachs~ züchtete Jahre lang Pflanzen von +Tropaeolum maius+ in

halbgeschlossenen Kästen, deren eine Seite, von welcher allein Licht

einfallen konnte, mit einer gläsernen Cuvette geschlossen war. In der

Hälfte der Kästen wurde die Cuvette mit reinem Wasser, in der anderen

Hälfte mit einer Lösung von schwefelsaurem Chinin gefüllt, durch

welches die ultravioletten Strahlen durch Fluorescenz in Strahlen

geringerer Brechbarkeit umgewandelt werden. Es zeigte sich bei den

Versuchen, dass in den Fällen, wo das Licht durch die Chininlösung

ging, die +Blüthenbildung unterdrückt wurde+; denn von 26 Pflanzen

eines Versuches bildete nur eine einzige +eine+ verkümmerte Blüthe,

während bei normaler Beleuchtung von 20 Pflanzen 56 Blüthen entwickelt

wurden.

Ein analoges Ergebniss erhielt ~Loeb~ bei entsprechenden Versuchen mit

dem schon oben erwähnten +Eudendrium racemosum+. Er belichtete die

Stöckchen durch Strahlen, welche entweder durch rothe oder durch blaue

Glasscheiben durchgehen mussten. Wieder zeigte es sich ausnahmslos,

„dass nur die stärker brechbaren (blauen) Strahlen die Polypenbildung

begünstigen, während die weniger brechbaren (rothen) Strahlen wie die

Dunkelheit wirken“. Die in blauem Licht neugebildeten Polypen gingen

sogar nachträglich noch zu Grunde, wenn sie in rothes Licht gebracht

wurden.

Die Zelle und die Gewebe (Vol. 2/2) · 第 131 / 225 题