In der vorausgegangenen Darstellung wurde gewöhnlich von +mehreren
Ursachen+ gesprochen, die für das Zustandekommen einer Veränderung
nothwendig sind. Indem ich dies zum Schluss noch einmal besonders
hervorhebe, will ich dadurch einer missbräuchlichen Auffassung
entgegentreten, die man häufig mit dem Begriff der Ursache verbindet.
+So ist man häufig bestrebt, eine Veränderung als nur durch eine
einzige Ursache veranlasst darzustellen.+ Besonders häufig wird dieser
Irrthum in der Biologie und zumal in der Entwicklungslehre begangen.
Weil die Organismen wegen ihres zusammengesetzten Baues die
Hauptfactoren enthalten, von deren Aufeinanderwirken das Eigenthümliche
einer an ihnen eintretenden Veränderung abhängt, pflegt man gern zu
übersehen, dass bei jeder Veränderung auch noch andere, von aussen
kommende Ursachen mitwirken, oder man liebt es, wenn man sie nicht
übersieht, sie als etwas Nebensächliches hinzustellen. Man bezeichnet
die inneren Factoren als die „eigentlichen Ursachen“, als ob es eine
uneigentliche Ursache überhaupt geben könne, die äusseren Ursachen
dagegen als Bedingungen oder Reize und glaubt sich dadurch mit ihnen
abgefunden zu haben. Man übersieht hierbei, dass doch die Bedingungen,
sowie sie eintreten, somit auf den Organismus einwirken, selbst
ursächlich werden, daher „äussere Ursachen“ sind, und dass der Begriff
Reiz nur ein besonderer Name für eine besondere Form der Causalität ist.
+Von den eine Veränderung bewirkenden Ursachen sind im Grunde genommen
alle gleich nothwendig+; denn beim Versagen einer Ursache kann entweder
die Veränderung, auch wenn sonst Alles für sie vorbereitet ist, nicht
eintreten, wie die Explosion von Pulver, wenn der zündende Funken
ausbleibt, oder sie erfolgt in anderer Weise, als es bei Mitwirkung
der ausgebliebenen Ursache geschehen sein würde. Damit eine Locomotive
sich fortbewegt, ist ebenso nothwendig wie ihre zweckentsprechende
Construction die Beschaffung und Verbrennung von Heizmaterial,
die Füllung des Kessels mit Wasser, die Oeffnung des Ventils zur
Ueberleitung des Dampfes auf das Räderwerk etc.
Ebenso wahr wie treffend bemerkt ~Lotze~: „Zu jeder Wirkung ist eine
Mehrheit von Ursachen nöthig.“ „Nach dem bestimmtesten Sprachgebrauch
ist Ursache nie etwas Anderes als ein wirkliches Ding, dessen
Eigenschaften, wenn sie mit den Eigenschaften eines anderen ebenso
wirklich vorhandenen Dinges in eine bestimmte Beziehung treten, mit
diesen zusammen genommen den vollständigen Grund darstellen, aus dem
eine Folge hervorgeht, die hier, wegen der Wirklichkeit der Prämissen,
ebenfalls ein wirkliches Ereigniss, eine Ursache ist.“
„+Niemals kann es eine einzige Ursache einer Wirkung geben+; denn
wo beide Prämissen in einem Dinge vereinigt wären, könnte es kein
Hinderniss mehr geben, um dessenwillen die Folge zu entstehen
zögerte, und so würde unverweilt Alles zu einer ruhenden Eigenschaft
zusammensinken.“
Es ist daher ebenso irreleitend als falsch, +wenn man von der
Entwicklung des Eies als von einer Selbstdifferenzirung redet+, wie
es nicht selten geschieht, als ob das Ei alle Ursachen zu seiner
Entwicklung in sich vereinigte. Ein Ei, welches Alles enthielte,
was für den ausgebildeten Organismus erforderlich ist, wäre dieser
Organismus schon selbst, wie es die alte Evolutionstheorie ja auch
thatsächlich lehrte.
Allerdings ist nichts leichter, als durch dialektische Kunstgriffe,
deren man sich bei der Darstellung causaler Verhältnisse bedienen
kann, Jemanden zu veranlassen, +aus einem Ursachencomplex+ nur +eine+
als Ursache für eine eingetretene Veränderung anzugeben, wie es im
gewöhnlichen Leben so häufig geschieht.
Ich habe dies Verhältniss schon einmal bei anderer Gelegenheit durch
ein Beispiel anschaulich gemacht, dessen ich mich auch hier wieder
bediene:
Wir lassen 4 befruchtete Eier von Rana fusca sich gleichzeitig bei
4 verschiedenen Temperaturen entwickeln, das eine bei −1 Grad C.,
das zweite bei +5 Grad, das dritte bei +15 Grad und das vierte bei
+25 Grad. Vergleichen wir am dritten Tage die vier Eier, so ist das
erste noch ungetheilt, das zweite hat sich wahrscheinlich bis zur
Keimblase entwickelt, das dritte zeigt schon die Medullarwülste
deutlich hervortretend, das vierte ist schon ein Embryo, an welchem die
Axenorgane, Medullarrohr, Chorda, Ursegmente gebildet sind, und das
Kopfende sich vom Rumpftheil absetzt. Somit sind aus den 4 befruchteten
und gleichzeitig während dreier Tage in Entwicklung begriffenen
Eiern 4 ganz verschiedene Entwicklungsproducte hervorgegangen, die
allerdings für den Kenner der Froschentwicklung zu einander in einem
Abhängigkeitsverhältniss stehen als Stufen eines Entwicklungsprocesses,
die der Reihe nach durchlaufen werden müssen und nur bei unserem
Experiment in Folge der ungleichen Erwärmung mit ungleicher
Geschwindigkeit von den einzelnen Eiern durchlaufen worden sind.
Worin ist nun „die eigentliche Ursache“ (causa efficiens) dafür zu
suchen, dass aus den vier Froscheiern in jedem einzelnen Fall etwas
Anderes geworden ist? Wie ich die Sache dargestellt habe, wird Niemand
um die Antwort verlegen sein, und die Antwort wird ohne Zaudern lauten,
dass die ungleiche Wärmezufuhr die causa efficiens ist, welche für die
ungleiche Entwicklung der vier Froscheier verantwortlich zu machen ist
und sie erklärt.
Als zweites Beispiel nehmen wir 2 befruchtete Froscheier und 2 frisch
abgelegte Hühnereier und setzen von jeder Art eines einer Temperatur
von 15 °C. und je eines einer Temperatur von 38 °C. aus. Wenn wir jetzt
nach 3 Tagen zusehen, so hat bei der ersten Versuchsbedingung das
Froschei sich bis zu dem Hervortreten der Medullarwülste entwickelt,
das Hühnerei ist unverändert geblieben, im zweiten Fall dagegen hat
sich das Hühnerei schon zu einem kleinen Embryo mit pulsirendem
Herz umgewandelt, während das Froschei zwar in Zellen zerlegt, aber
abgestorben ist und Zerfallserscheinungen zeigt. Suchen wir auch bei
diesem Experiment die Ursache dafür zu ergründen, dass die unter
denselben Bedingungen befindlichen Eier sich so ungleich entwickelt
haben, dass das Froschei einen Embryo liefert, wo das Hühnerei
unentwickelt bleibt und umgekehrt, so wird auch jetzt Niemand mit der
Erklärung zaudern: die „eigentliche Ursache“ ist in der verschiedenen
Organisation oder Anlage der beiden Eier zu suchen.
Aus den für die zwei Beispiele gegebenen verschiedenartigen Erklärungen
lässt sich leicht ein Widerspruch, wenigstens dem Anschein nach,
herausconstruiren. Man könnte uns vorhalten, dass wir dafür, dass das
befruchtete, in einer Temperatur von 15 °C. befindliche Froschei sich
in 3 Tagen zu einem Embryo mit Medullarwülsten entwickelt hat, einmal
die Erwärmung auf 15 °C., das andere Mal dagegen die Organisation der
Eizelle als die „causa efficiens“ angegeben haben, das eine Mal also
einen äusseren, das andere Mal einen innern Grund; man könnte uns
weiterhin fragen, welche von den beiden Ursachen nun die „wirkliche
Ursache“ sei.
Auf diese Weise können sich zwei Disputanten, je nach der Art und
Weise, wie sie den Vergleich einrichten und die Frage formuliren, bald
den äusseren, bald den innern Grund als den eigentlichen Grund des
Geschehens entgegenhalten, hier die Wärme, dort die Organisation der
Eizellen.
Der hierin liegende Widerspruch ist eben nur ein scheinbarer und leicht
zu lösender. Da jeder Entwicklungsprocess seinem Wesen nach, wie oben
schon angeführt wurde, auf inneren und äusseren Ursachen beruht, so
hat jede Veränderung, die an einer Anlage eintritt, stets in beiden
ihren Grund und ist aus beiden zu erklären. +Bei einer allgemeinen
und erschöpfenden Untersuchung eines Entwicklungsprocesses ist es
daher ebenso falsch, wenn ich die Ursache in das Ei, als wenn ich sie
ausserhalb desselben verlegen wollte, da der ganze oder volle Grund
stets in beiden ruht.+
Anders liegt die Sache, wenn ich im concreten, der Beurtheilung
vorliegenden Fall den einen oder andern Grund als eine für die
Urtheilsbildung nicht erforderliche Grösse bei Seite setzen kann.
Die inneren Ursachen kommen nicht in Betracht, wenn ich den Grund
für die Verschiedenheiten der bei ungleichen Temperaturen ungleich
entwickelten Froscheier wissen will; denn ich mache hier mit Recht die
auf anderen Erfahrungen beruhende Voraussetzung, dass die zum Versuch
benutzten Froscheier ein gleichartiges Material mit durchaus gleichen
Anfangs-Eigenschaften ausmachen, und dass sie sich daher bei gleicher
Temperatur auch gleich entwickelt haben würden. Folglich können die
später zur Erscheinung kommenden Verschiedenheiten nur durch die
ungleiche Erwärmung in die Eier hineingetragen sein.
Und umgekehrt kann ich in dem Experiment, in welchem Frosch- und
Hühnereier bei gleicher Temperatur gezüchtet wurden, bei den sich
zeigenden Verschiedenheiten den äusseren Grund unberücksichtigt
lassen, weil die Versuchsbedingungen genau die gleichen sind: der
+Erklärungsgrund+ ist dann allein im Ei zu suchen.
IV. Unterschiede zwischen Maschinenwesen und Organismus, zwischen
Mechanischem und Organischem.
Bei unserer Erklärung der Reizwirkungen haben wir zur Veranschaulichung
häufig auf die Vorgänge verwiesen, wie sie in complicirter gebauten
Maschinen und mechanischen Kunstwerken (in einer Dampfmaschine, einem
Mühlwerk, einer Uhr oder Spieldose) ablaufen. Da liegt es ziemlich
nahe, sich die Frage vorzulegen, aus welchem Grunde man nicht auch bei
der Maschine von Reiz, Reizwirkung und Reizbarkeit spricht.
In der That denkt man so wenig an eine derartige Gebrauchsweise der
genannten Worte, sowohl im gewöhnlichen Leben, als in der Wissenschaft,
dass man, wo es geschähe, es sehr auffällig empfinden würde.
~Schopenhauer~ nennt ja geradezu den Reiz als die das organische Leben
beherrschende Form der Causalität, und auch ~Sachs~ definirt in diesem
Sinne ganz mit Recht das +Wort Reizbarkeit „als die nur den lebenden
Organismen eigenthümliche Art, auf Einwirkungen, welche dieselben
treffen, zu reagiren“+.
Es muss dies doch wohl darin seinen Grund haben, dass zwischen
der Construction einer Maschine und den durch sie ermöglichten
Wirkungsweisen einerseits und der Organisation der lebenden Substanz
und den durch sie ermöglichten Processen andererseits noch ein
wesentlicher Unterschied besteht. Denselben hier in das rechte Licht
zu setzen, scheint uns um so nothwendiger, als in unseren Tagen
ja mehrfach das Bestreben zu Tage tritt, +den Organismus als ein
Maschinenwesen zu verstehen und das Organische als ein Mechanisches aus
den einfachen Grundprincipien der Mechanik zu erklären+.
Es soll aber jeder Anschein vermieden werden, als ob durch unsere
Vergleiche mit Maschinen einer derartigen Auffassung gehuldigt würde,
und soll im Gegentheil, wenn auch nur kurz und im Allgemeinen, gezeigt
werden, dass +sehr wesentliche Unterschiede zwischen einem Organismus
und einem Maschinenwesen+ bestehen.
Eine Maschine kann nur +eine+ oder höchstens wenige bestimmte
Verrichtungen in einer unabänderlich in ihrer bestimmten Construction
festgelegten Weise ausführen. Ihre einzelnen Constructionstheile
können sich nicht selbstthätig auswechseln, neue Combinationen
eingehen und sich für verschiedene Verrichtungen, wechselnden
Verhältnissen entsprechend, einstellen. Die Maschine kann daher
nicht auf beliebige äussere Eingriffe in einer zweckentsprechenden,
vielseitigen Weise reagiren. Der Organismus dagegen ist Kraft seines
Baues hierzu im Stande; wie denn schon die einfache Zelle als das
Urbild eines Organismus gegen Wärme und Licht, sowie gegen alle Arten
mechanischer und chemischer Einflüsse irritabel ist und durch sie zu
den mannigfachsten Lebensäusserungen veranlasst wird. +In der Maschine
entwickelt sich ein in ganz bestimmter Richtung gebundenes, im
Organismus ein ausserordentlich freies, vielseitiges Spiel der Kräfte.+
Der Unterschied lässt sich durch einen Vergleich anschaulicher machen.
Maschinenwesen und Organismus verhalten sich wie eine für viele
Melodieen eingerichtete +Spieldose+ und der lebendige, menschliche
+Kehlkopf+ mit dem zugehörigen Lungengebläse nebst Nerven- und
Muskelapparat. Beide können viele Lieder hervorbringen, aber in
wie grundverschiedener Weise! Bei der Spieldose ist je nach ihrer
Construction für jede Melodie entweder eine besondere, mit Stiften
versehene Walze oder eine Scheibe mit Einschnitten erforderlich.
Bei jeder Melodie muss jedes Mal besonders eine Walze oder Scheibe
eingestellt werden. In dem Kehlkopf dagegen ist für keine Melodie eine
feste Einrichtung vorgebildet, er erzeugt die Töne willkürlich durch
verschiedenartige, unter der Herrschaft von Willensimpulsen erfolgende
Erschlaffung und Anspannung der Stimmbänder, wobei durch die Stimmritze
in ebenfalls vielfach variirter Weise die Luft bald stärker, bald
schwächer hindurchgepresst wird. Beherrscht vom Nervenapparat, vermag
er die Töne in jeder beliebigen Combination zu Melodieen zu verbinden,
was die Spieldose nicht kann, da in ihr die den Ton erzeugenden
Stiftchen für jedes Lied immer in einer festen Anordnung gegeben sind.
Er kann den Ton bald leise, bald stark singen, er kann Tempo und
Rhythmus ändern und überhaupt Effecte durch die verschiedenartigsten
Kunstmittel erzielen, durch welche in eine Melodie, wie man sich
ausdrückt, erst Seele hineingelegt wird. Die Spieldose verfügt nicht
frei über die Mittel zur Hervorbringung, Combinirung, Modulirung der
Töne, über Rhythmus, Stärke und Ausdruck der Melodie, wie es einzig und
allein nur der Organismus vermag.
Hierzu kommt ein +zweiter Unterschied+. Wenn durch einen Reiz der
Organismus eine Veränderung erfahren, eine Drüse zum Beispiel das
in ihr zur Abscheidung vorbereitete Secret abgesondert hat, oder
der Muskel durch längere Thätigkeit in seiner Structur alterirt und
ermüdet ist, so trägt er in sich das Vermögen, nach einiger Zeit der
Ruhe wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren, so dass
nun derselbe äussere Reiz wieder eine zu gleicher Veränderung fähige
Substanz vorfindet.
Die Drüse speichert wieder Secret in sich auf, der vom Blut
durchströmte Muskel erholt sich wieder von seiner Ermüdung und ist so
im Stande, wieder genau dieselben Leistungen wie früher hervorzubringen.
Eine Maschine dagegen besitzt nicht in ihrer Construction die Mittel,
schadhaft gewordene Constructionstheile auszuschalten und gegen neue
einzuwechseln, sie, wenn es nöthig ist, mit Oel zu schmieren, Staub und
andere Schädlichkeiten zu entfernen, die als Betriebskraft verwendbaren
chemischen Stoffe nach Erforderniss von aussen selbstthätig zu beziehen
und an die geeigneten Verbrauchsstellen zu befördern. Die Maschine
braucht daher einen Menschen als Betriebsleiter, der sie mit Allem, was
sie sich nicht beschaffen kann, versorgt.
Wenn schon in allen diesen Beziehungen ein ungeheurer Gegensatz
im Wesen der Maschine und des Organismus besteht, so wird er doch
noch erheblich vergrössert durch einen +dritten Unterschied, der
im Vermögen des Zellenorganismus gegeben ist, sich in zwei oder
mehr Tochterorganismen durch Fortpflanzung zu vermehren+. Zunächst
wenigstens ist es nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen eine
ungeheuerliche Vorstellung, sich eine Maschine vorzustellen, die durch
Vervielfältigung ihrer Maschinentheile im Stande sein könnte, sich in
zwei Maschinen zu theilen.
Aus allen diesen Gründen bezeichnet man mit richtigem Tact auch die
vollkommenste und in Thätigkeit gesetzte Maschine doch nie als ein
lebendiges Wesen, sondern reservirt die Eigenschaft des Lebens nur
dem Organismus; und deswegen spricht man auch nur beim Organismus von
Reizbarkeit, von Reizursachen und Reizwirkungen. +Deswegen ist es
aber auch ein ganz verfehltes Bestreben, sich einzubilden, nach den
Principien der Mechanik einen Organismus begreifen zu können.+
In einer Maschine lassen sich in der That die auf ihrer Construction
beruhenden Wirkungen aus den im Zusammenhang erfolgenden Bewegungen
von Walzen, Rädern, Hebeln und anderen Constructionstheilen nach
einfach mechanischen Principien erklären. +Im Organismus dagegen
beruhen seine Wirkungen vorzugsweise auf den chemischen Processen
seiner ausserordentlich zahlreichen und verschiedenartigen chemischen
Bestandtheile, gehören also einem Gebiet an, das zur Zeit noch weit
entfernt ist, einen Bestandtheil der Mechanik auszumachen.+ Während in
der Maschine die Wirkungen durch die Construction der fest verbundenen
Theile, die sich nicht gegen einander selbständig auswechseln können,
unabänderlich festgelegt sind, +können in einem Organismus, weil
in ihm chemische Kräfte die Herrschaft führen, die Structurtheile
seines Baues sich verändern in mannigfacher Weise+, es können sich
unter den zahlreichen organischen Stoffen einzelne durch wechselnde
Wahlverwandtschaften ohne Zerstörung des Organismus umsetzen. So kann
sich auf der principiell verschiedenen Grundlage das freiere Spiel der
Kräfte entfalten, welches allem Maschinenwesen durchaus fremd ist.
„+Nur das Leben besitzt eine systematisirte Verwendung chemischer
Processe und unterscheidet sich dadurch auch nach anderer Seite hin
von allen bisherigen Hervorbringungen unserer menschlichen Technik.+“
(~Lotze.~)
Literatur zu Capitel V.
1) =H. Driesch.= _Die Maschinentheorie des Lebens. Biol. Centralbl. Bd.
XVI. 1896._
2) =Curt Herbst.= _Ueber die Bedeutung der Reizphysiologie für die
causale Auffassung von Vorgängen in der thierischen Ontogenese. Biol.
Centralbl. Bd. XIV u. XV. 1894–95._
3) =Oscar Hertwig.= _Mechanik und Biologie. Zweites Heft der Zeit- und
Streitfragen der Biologie. 1897. (Der Begriff der Causalität pag. 39.)_
4) =Hermann Lotze.= _Leben, Lebenskraft. Wagner’s Handwörterbuch d.
Physiol. Bd. I. 1842._
5) +_Derselbe._+ _Allgemeine Physiologie des körperlichen Lebens.
Leipzig 1851._
6) =Julius Sachs.= _Vorlesungen über Pflanzenphysiologie. 34.
Vorlesung. Leipzig 1882._
7) =Schopenhauer.= _Die Welt als Wille und Vorstellung. Sämmtliche
Werke. Bd. I. II. III. Herausgeg. von Frauenstädt. Leipzig 1881._