III. Die Bedeutung der vielen Ursachen.

In der vorausgegangenen Darstellung wurde gewöhnlich von +mehreren

Ursachen+ gesprochen, die für das Zustandekommen einer Veränderung

nothwendig sind. Indem ich dies zum Schluss noch einmal besonders

hervorhebe, will ich dadurch einer missbräuchlichen Auffassung

entgegentreten, die man häufig mit dem Begriff der Ursache verbindet.

+So ist man häufig bestrebt, eine Veränderung als nur durch eine

einzige Ursache veranlasst darzustellen.+ Besonders häufig wird dieser

Irrthum in der Biologie und zumal in der Entwicklungslehre begangen.

Weil die Organismen wegen ihres zusammengesetzten Baues die

Hauptfactoren enthalten, von deren Aufeinanderwirken das Eigenthümliche

einer an ihnen eintretenden Veränderung abhängt, pflegt man gern zu

übersehen, dass bei jeder Veränderung auch noch andere, von aussen

kommende Ursachen mitwirken, oder man liebt es, wenn man sie nicht

übersieht, sie als etwas Nebensächliches hinzustellen. Man bezeichnet

die inneren Factoren als die „eigentlichen Ursachen“, als ob es eine

uneigentliche Ursache überhaupt geben könne, die äusseren Ursachen

dagegen als Bedingungen oder Reize und glaubt sich dadurch mit ihnen

abgefunden zu haben. Man übersieht hierbei, dass doch die Bedingungen,

sowie sie eintreten, somit auf den Organismus einwirken, selbst

ursächlich werden, daher „äussere Ursachen“ sind, und dass der Begriff

Reiz nur ein besonderer Name für eine besondere Form der Causalität ist.

+Von den eine Veränderung bewirkenden Ursachen sind im Grunde genommen

alle gleich nothwendig+; denn beim Versagen einer Ursache kann entweder

die Veränderung, auch wenn sonst Alles für sie vorbereitet ist, nicht

eintreten, wie die Explosion von Pulver, wenn der zündende Funken

ausbleibt, oder sie erfolgt in anderer Weise, als es bei Mitwirkung

der ausgebliebenen Ursache geschehen sein würde. Damit eine Locomotive

sich fortbewegt, ist ebenso nothwendig wie ihre zweckentsprechende

Construction die Beschaffung und Verbrennung von Heizmaterial,

die Füllung des Kessels mit Wasser, die Oeffnung des Ventils zur

Ueberleitung des Dampfes auf das Räderwerk etc.

Ebenso wahr wie treffend bemerkt ~Lotze~: „Zu jeder Wirkung ist eine

Mehrheit von Ursachen nöthig.“ „Nach dem bestimmtesten Sprachgebrauch

ist Ursache nie etwas Anderes als ein wirkliches Ding, dessen

Eigenschaften, wenn sie mit den Eigenschaften eines anderen ebenso

wirklich vorhandenen Dinges in eine bestimmte Beziehung treten, mit

diesen zusammen genommen den vollständigen Grund darstellen, aus dem

eine Folge hervorgeht, die hier, wegen der Wirklichkeit der Prämissen,

ebenfalls ein wirkliches Ereigniss, eine Ursache ist.“

„+Niemals kann es eine einzige Ursache einer Wirkung geben+; denn

wo beide Prämissen in einem Dinge vereinigt wären, könnte es kein

Hinderniss mehr geben, um dessenwillen die Folge zu entstehen

zögerte, und so würde unverweilt Alles zu einer ruhenden Eigenschaft

zusammensinken.“

Es ist daher ebenso irreleitend als falsch, +wenn man von der

Entwicklung des Eies als von einer Selbstdifferenzirung redet+, wie

es nicht selten geschieht, als ob das Ei alle Ursachen zu seiner

Entwicklung in sich vereinigte. Ein Ei, welches Alles enthielte,

was für den ausgebildeten Organismus erforderlich ist, wäre dieser

Organismus schon selbst, wie es die alte Evolutionstheorie ja auch

thatsächlich lehrte.

Allerdings ist nichts leichter, als durch dialektische Kunstgriffe,

deren man sich bei der Darstellung causaler Verhältnisse bedienen

kann, Jemanden zu veranlassen, +aus einem Ursachencomplex+ nur +eine+

als Ursache für eine eingetretene Veränderung anzugeben, wie es im

gewöhnlichen Leben so häufig geschieht.

Ich habe dies Verhältniss schon einmal bei anderer Gelegenheit durch

ein Beispiel anschaulich gemacht, dessen ich mich auch hier wieder

bediene:

Wir lassen 4 befruchtete Eier von Rana fusca sich gleichzeitig bei

4 verschiedenen Temperaturen entwickeln, das eine bei −1 Grad C.,

das zweite bei +5 Grad, das dritte bei +15 Grad und das vierte bei

+25 Grad. Vergleichen wir am dritten Tage die vier Eier, so ist das

erste noch ungetheilt, das zweite hat sich wahrscheinlich bis zur

Keimblase entwickelt, das dritte zeigt schon die Medullarwülste

deutlich hervortretend, das vierte ist schon ein Embryo, an welchem die

Axenorgane, Medullarrohr, Chorda, Ursegmente gebildet sind, und das

Kopfende sich vom Rumpftheil absetzt. Somit sind aus den 4 befruchteten

und gleichzeitig während dreier Tage in Entwicklung begriffenen

Eiern 4 ganz verschiedene Entwicklungsproducte hervorgegangen, die

allerdings für den Kenner der Froschentwicklung zu einander in einem

Abhängigkeitsverhältniss stehen als Stufen eines Entwicklungsprocesses,

die der Reihe nach durchlaufen werden müssen und nur bei unserem

Experiment in Folge der ungleichen Erwärmung mit ungleicher

Geschwindigkeit von den einzelnen Eiern durchlaufen worden sind.

Worin ist nun „die eigentliche Ursache“ (causa efficiens) dafür zu

suchen, dass aus den vier Froscheiern in jedem einzelnen Fall etwas

Anderes geworden ist? Wie ich die Sache dargestellt habe, wird Niemand

um die Antwort verlegen sein, und die Antwort wird ohne Zaudern lauten,

dass die ungleiche Wärmezufuhr die causa efficiens ist, welche für die

ungleiche Entwicklung der vier Froscheier verantwortlich zu machen ist

und sie erklärt.

Als zweites Beispiel nehmen wir 2 befruchtete Froscheier und 2 frisch

abgelegte Hühnereier und setzen von jeder Art eines einer Temperatur

von 15 °C. und je eines einer Temperatur von 38 °C. aus. Wenn wir jetzt

nach 3 Tagen zusehen, so hat bei der ersten Versuchsbedingung das

Froschei sich bis zu dem Hervortreten der Medullarwülste entwickelt,

das Hühnerei ist unverändert geblieben, im zweiten Fall dagegen hat

sich das Hühnerei schon zu einem kleinen Embryo mit pulsirendem

Herz umgewandelt, während das Froschei zwar in Zellen zerlegt, aber

abgestorben ist und Zerfallserscheinungen zeigt. Suchen wir auch bei

diesem Experiment die Ursache dafür zu ergründen, dass die unter

denselben Bedingungen befindlichen Eier sich so ungleich entwickelt

haben, dass das Froschei einen Embryo liefert, wo das Hühnerei

unentwickelt bleibt und umgekehrt, so wird auch jetzt Niemand mit der

Erklärung zaudern: die „eigentliche Ursache“ ist in der verschiedenen

Organisation oder Anlage der beiden Eier zu suchen.

Aus den für die zwei Beispiele gegebenen verschiedenartigen Erklärungen

lässt sich leicht ein Widerspruch, wenigstens dem Anschein nach,

herausconstruiren. Man könnte uns vorhalten, dass wir dafür, dass das

befruchtete, in einer Temperatur von 15 °C. befindliche Froschei sich

in 3 Tagen zu einem Embryo mit Medullarwülsten entwickelt hat, einmal

die Erwärmung auf 15 °C., das andere Mal dagegen die Organisation der

Eizelle als die „causa efficiens“ angegeben haben, das eine Mal also

einen äusseren, das andere Mal einen innern Grund; man könnte uns

weiterhin fragen, welche von den beiden Ursachen nun die „wirkliche

Ursache“ sei.

Auf diese Weise können sich zwei Disputanten, je nach der Art und

Weise, wie sie den Vergleich einrichten und die Frage formuliren, bald

den äusseren, bald den innern Grund als den eigentlichen Grund des

Geschehens entgegenhalten, hier die Wärme, dort die Organisation der

Eizellen.

Der hierin liegende Widerspruch ist eben nur ein scheinbarer und leicht

zu lösender. Da jeder Entwicklungsprocess seinem Wesen nach, wie oben

schon angeführt wurde, auf inneren und äusseren Ursachen beruht, so

hat jede Veränderung, die an einer Anlage eintritt, stets in beiden

ihren Grund und ist aus beiden zu erklären. +Bei einer allgemeinen

und erschöpfenden Untersuchung eines Entwicklungsprocesses ist es

daher ebenso falsch, wenn ich die Ursache in das Ei, als wenn ich sie

ausserhalb desselben verlegen wollte, da der ganze oder volle Grund

stets in beiden ruht.+

Anders liegt die Sache, wenn ich im concreten, der Beurtheilung

vorliegenden Fall den einen oder andern Grund als eine für die

Urtheilsbildung nicht erforderliche Grösse bei Seite setzen kann.

Die inneren Ursachen kommen nicht in Betracht, wenn ich den Grund

für die Verschiedenheiten der bei ungleichen Temperaturen ungleich

entwickelten Froscheier wissen will; denn ich mache hier mit Recht die

auf anderen Erfahrungen beruhende Voraussetzung, dass die zum Versuch

benutzten Froscheier ein gleichartiges Material mit durchaus gleichen

Anfangs-Eigenschaften ausmachen, und dass sie sich daher bei gleicher

Temperatur auch gleich entwickelt haben würden. Folglich können die

später zur Erscheinung kommenden Verschiedenheiten nur durch die

ungleiche Erwärmung in die Eier hineingetragen sein.

Und umgekehrt kann ich in dem Experiment, in welchem Frosch- und

Hühnereier bei gleicher Temperatur gezüchtet wurden, bei den sich

zeigenden Verschiedenheiten den äusseren Grund unberücksichtigt

lassen, weil die Versuchsbedingungen genau die gleichen sind: der

+Erklärungsgrund+ ist dann allein im Ei zu suchen.

IV. Unterschiede zwischen Maschinenwesen und Organismus, zwischen

Mechanischem und Organischem.

Bei unserer Erklärung der Reizwirkungen haben wir zur Veranschaulichung

häufig auf die Vorgänge verwiesen, wie sie in complicirter gebauten

Maschinen und mechanischen Kunstwerken (in einer Dampfmaschine, einem

Mühlwerk, einer Uhr oder Spieldose) ablaufen. Da liegt es ziemlich

nahe, sich die Frage vorzulegen, aus welchem Grunde man nicht auch bei

der Maschine von Reiz, Reizwirkung und Reizbarkeit spricht.

In der That denkt man so wenig an eine derartige Gebrauchsweise der

genannten Worte, sowohl im gewöhnlichen Leben, als in der Wissenschaft,

dass man, wo es geschähe, es sehr auffällig empfinden würde.

~Schopenhauer~ nennt ja geradezu den Reiz als die das organische Leben

beherrschende Form der Causalität, und auch ~Sachs~ definirt in diesem

Sinne ganz mit Recht das +Wort Reizbarkeit „als die nur den lebenden

Organismen eigenthümliche Art, auf Einwirkungen, welche dieselben

treffen, zu reagiren“+.

Es muss dies doch wohl darin seinen Grund haben, dass zwischen

der Construction einer Maschine und den durch sie ermöglichten

Wirkungsweisen einerseits und der Organisation der lebenden Substanz

und den durch sie ermöglichten Processen andererseits noch ein

wesentlicher Unterschied besteht. Denselben hier in das rechte Licht

zu setzen, scheint uns um so nothwendiger, als in unseren Tagen

ja mehrfach das Bestreben zu Tage tritt, +den Organismus als ein

Maschinenwesen zu verstehen und das Organische als ein Mechanisches aus

den einfachen Grundprincipien der Mechanik zu erklären+.

Es soll aber jeder Anschein vermieden werden, als ob durch unsere

Vergleiche mit Maschinen einer derartigen Auffassung gehuldigt würde,

und soll im Gegentheil, wenn auch nur kurz und im Allgemeinen, gezeigt

werden, dass +sehr wesentliche Unterschiede zwischen einem Organismus

und einem Maschinenwesen+ bestehen.

Eine Maschine kann nur +eine+ oder höchstens wenige bestimmte

Verrichtungen in einer unabänderlich in ihrer bestimmten Construction

festgelegten Weise ausführen. Ihre einzelnen Constructionstheile

können sich nicht selbstthätig auswechseln, neue Combinationen

eingehen und sich für verschiedene Verrichtungen, wechselnden

Verhältnissen entsprechend, einstellen. Die Maschine kann daher

nicht auf beliebige äussere Eingriffe in einer zweckentsprechenden,

vielseitigen Weise reagiren. Der Organismus dagegen ist Kraft seines

Baues hierzu im Stande; wie denn schon die einfache Zelle als das

Urbild eines Organismus gegen Wärme und Licht, sowie gegen alle Arten

mechanischer und chemischer Einflüsse irritabel ist und durch sie zu

den mannigfachsten Lebensäusserungen veranlasst wird. +In der Maschine

entwickelt sich ein in ganz bestimmter Richtung gebundenes, im

Organismus ein ausserordentlich freies, vielseitiges Spiel der Kräfte.+

Der Unterschied lässt sich durch einen Vergleich anschaulicher machen.

Maschinenwesen und Organismus verhalten sich wie eine für viele

Melodieen eingerichtete +Spieldose+ und der lebendige, menschliche

+Kehlkopf+ mit dem zugehörigen Lungengebläse nebst Nerven- und

Muskelapparat. Beide können viele Lieder hervorbringen, aber in

wie grundverschiedener Weise! Bei der Spieldose ist je nach ihrer

Construction für jede Melodie entweder eine besondere, mit Stiften

versehene Walze oder eine Scheibe mit Einschnitten erforderlich.

Bei jeder Melodie muss jedes Mal besonders eine Walze oder Scheibe

eingestellt werden. In dem Kehlkopf dagegen ist für keine Melodie eine

feste Einrichtung vorgebildet, er erzeugt die Töne willkürlich durch

verschiedenartige, unter der Herrschaft von Willensimpulsen erfolgende

Erschlaffung und Anspannung der Stimmbänder, wobei durch die Stimmritze

in ebenfalls vielfach variirter Weise die Luft bald stärker, bald

schwächer hindurchgepresst wird. Beherrscht vom Nervenapparat, vermag

er die Töne in jeder beliebigen Combination zu Melodieen zu verbinden,

was die Spieldose nicht kann, da in ihr die den Ton erzeugenden

Stiftchen für jedes Lied immer in einer festen Anordnung gegeben sind.

Er kann den Ton bald leise, bald stark singen, er kann Tempo und

Rhythmus ändern und überhaupt Effecte durch die verschiedenartigsten

Kunstmittel erzielen, durch welche in eine Melodie, wie man sich

ausdrückt, erst Seele hineingelegt wird. Die Spieldose verfügt nicht

frei über die Mittel zur Hervorbringung, Combinirung, Modulirung der

Töne, über Rhythmus, Stärke und Ausdruck der Melodie, wie es einzig und

allein nur der Organismus vermag.

Hierzu kommt ein +zweiter Unterschied+. Wenn durch einen Reiz der

Organismus eine Veränderung erfahren, eine Drüse zum Beispiel das

in ihr zur Abscheidung vorbereitete Secret abgesondert hat, oder

der Muskel durch längere Thätigkeit in seiner Structur alterirt und

ermüdet ist, so trägt er in sich das Vermögen, nach einiger Zeit der

Ruhe wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren, so dass

nun derselbe äussere Reiz wieder eine zu gleicher Veränderung fähige

Substanz vorfindet.

Die Drüse speichert wieder Secret in sich auf, der vom Blut

durchströmte Muskel erholt sich wieder von seiner Ermüdung und ist so

im Stande, wieder genau dieselben Leistungen wie früher hervorzubringen.

Eine Maschine dagegen besitzt nicht in ihrer Construction die Mittel,

schadhaft gewordene Constructionstheile auszuschalten und gegen neue

einzuwechseln, sie, wenn es nöthig ist, mit Oel zu schmieren, Staub und

andere Schädlichkeiten zu entfernen, die als Betriebskraft verwendbaren

chemischen Stoffe nach Erforderniss von aussen selbstthätig zu beziehen

und an die geeigneten Verbrauchsstellen zu befördern. Die Maschine

braucht daher einen Menschen als Betriebsleiter, der sie mit Allem, was

sie sich nicht beschaffen kann, versorgt.

Wenn schon in allen diesen Beziehungen ein ungeheurer Gegensatz

im Wesen der Maschine und des Organismus besteht, so wird er doch

noch erheblich vergrössert durch einen +dritten Unterschied, der

im Vermögen des Zellenorganismus gegeben ist, sich in zwei oder

mehr Tochterorganismen durch Fortpflanzung zu vermehren+. Zunächst

wenigstens ist es nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen eine

ungeheuerliche Vorstellung, sich eine Maschine vorzustellen, die durch

Vervielfältigung ihrer Maschinentheile im Stande sein könnte, sich in

zwei Maschinen zu theilen.

Aus allen diesen Gründen bezeichnet man mit richtigem Tact auch die

vollkommenste und in Thätigkeit gesetzte Maschine doch nie als ein

lebendiges Wesen, sondern reservirt die Eigenschaft des Lebens nur

dem Organismus; und deswegen spricht man auch nur beim Organismus von

Reizbarkeit, von Reizursachen und Reizwirkungen. +Deswegen ist es

aber auch ein ganz verfehltes Bestreben, sich einzubilden, nach den

Principien der Mechanik einen Organismus begreifen zu können.+

In einer Maschine lassen sich in der That die auf ihrer Construction

beruhenden Wirkungen aus den im Zusammenhang erfolgenden Bewegungen

von Walzen, Rädern, Hebeln und anderen Constructionstheilen nach

einfach mechanischen Principien erklären. +Im Organismus dagegen

beruhen seine Wirkungen vorzugsweise auf den chemischen Processen

seiner ausserordentlich zahlreichen und verschiedenartigen chemischen

Bestandtheile, gehören also einem Gebiet an, das zur Zeit noch weit

entfernt ist, einen Bestandtheil der Mechanik auszumachen.+ Während in

der Maschine die Wirkungen durch die Construction der fest verbundenen

Theile, die sich nicht gegen einander selbständig auswechseln können,

unabänderlich festgelegt sind, +können in einem Organismus, weil

in ihm chemische Kräfte die Herrschaft führen, die Structurtheile

seines Baues sich verändern in mannigfacher Weise+, es können sich

unter den zahlreichen organischen Stoffen einzelne durch wechselnde

Wahlverwandtschaften ohne Zerstörung des Organismus umsetzen. So kann

sich auf der principiell verschiedenen Grundlage das freiere Spiel der

Kräfte entfalten, welches allem Maschinenwesen durchaus fremd ist.

„+Nur das Leben besitzt eine systematisirte Verwendung chemischer

Processe und unterscheidet sich dadurch auch nach anderer Seite hin

von allen bisherigen Hervorbringungen unserer menschlichen Technik.+“

(~Lotze.~)

Literatur zu Capitel V.

1) =H. Driesch.= _Die Maschinentheorie des Lebens. Biol. Centralbl. Bd.

XVI. 1896._

2) =Curt Herbst.= _Ueber die Bedeutung der Reizphysiologie für die

causale Auffassung von Vorgängen in der thierischen Ontogenese. Biol.

Centralbl. Bd. XIV u. XV. 1894–95._

3) =Oscar Hertwig.= _Mechanik und Biologie. Zweites Heft der Zeit- und

Streitfragen der Biologie. 1897. (Der Begriff der Causalität pag. 39.)_

4) =Hermann Lotze.= _Leben, Lebenskraft. Wagner’s Handwörterbuch d.

Physiol. Bd. I. 1842._

5) +_Derselbe._+ _Allgemeine Physiologie des körperlichen Lebens.

Leipzig 1851._

6) =Julius Sachs.= _Vorlesungen über Pflanzenphysiologie. 34.

Vorlesung. Leipzig 1882._

7) =Schopenhauer.= _Die Welt als Wille und Vorstellung. Sämmtliche

Werke. Bd. I. II. III. Herausgeg. von Frauenstädt. Leipzig 1881._

Die Zelle und die Gewebe (Vol. 2/2) · 第 106 / 225 题