Mittel und Wege des Verkehrs der Zellen im Organismus.
Als Theile eines Organismus stehen alle Zellen in Beziehung zu einander
und müssen in dieser oder jener Weise Wirkungen aufeinander auszuüben
im Stande sein; nicht minder sind sie vom Gesammtorganismus abhängig,
wie sie selbst auch wieder in geringerem oder höherem Grade seinen
Gesammtzustand mit bedingen. In die Mittel und Wege, auf denen im
Gesammtorganismus die Zellen in Verkehr mit einander treten, einen
ungefähren Einblick zu gewinnen, ist die Aufgabe des vierten Capitels.
Dass zur Zeit auf dem Gebiet unsere Kenntnisse noch recht
oberflächliche sind, sei gleich hervorgehoben. Vielleicht gibt die
folgende Darstellung zu eingehenderen Untersuchungen eine Anregung.
Es werden hier vier Wege unterschieden, auf denen die Zellen des
Organismus in Verkehr mit einander treten:
I. Gegenseitige Beeinflussung der Zellen durch unmittelbaren Contact
ihrer Oberflächen.
II. Verbindungen der einzelnen Zellen unter einander durch
Protoplasmafäden.
III. Verbindungen der Zellen durch Nervenfibrillen.
IV. Verkehr der Zellen durch die im Organismus circulirenden Säfte.
I. Gegenseitige Beeinflussung der Zellen durch unmittelbaren Contact
ihrer Oberflächen.
So lange die Zellen nicht von Membranen umgeben sind, wird eine dichte
Aneinanderlagerung der Rindenschichten ihrer Protoplasmakörper schon
hinreichen, dass sich Reize von dem einen auf den anderen unmittelbar
fortpflanzen. Es ist daher denkbar, dass bei den Thieren am Anfang
ihrer Embryonalentwicklung, wo die nackten Zellen, zu den Keimblättern
zusammengefügt, sich unmittelbar berühren, allein auf diesem Wege eine
Beeinflussung stattfindet. Doch wird neuerdings auch das Vorkommen von
Protoplasmabrücken beschrieben (siehe S. 39).
Durch blossen Contact der Zellen können vielleicht auch im entwickelten
Organismus, wie zum Beispiel innerhalb mancher Epithelarten
(Flimmerepithel, Epithel des Darmkanales etc.) Reizübertragungen
stattfinden.
Es genügt, auf diese Möglichkeiten aufmerksam gemacht zu haben, da
genauere Kenntnisse hierüber zur Zeit noch fehlen.
II. Verbindungen der einzelnen Zellen durch Protoplasmafäden.
(Intercellularbrücken.)