1. Zellcolonieen.

+Zellcolonieen+ finden sich innerhalb der Ordnungen der niederen Algen,

der Flagellaten, der Infusorien etc.

Bei den +Algen+ liegen die einzelnen Zellen in einem Mantel von

Gallerte eingehüllt bald weiter aus einander, bald sind sie

dichter zusammengerückt; je nach der Art sind sie in Reihen hinter

einander angeordnet (Nostochinae) oder in der Fläche zu einem Netz

(Hydrodictyon, Pediastrum) oder zu mehr oder minder kugeligen Massen

(Volvocineen) vereinigt (Fig. 1). In manchen Fällen sind die einzelnen

Zellkörper ganz von einander gesondert, von der verbindenden Gallerte

abgesehen, in anderen Fällen wieder hängen sie durch einzelne feine

Protoplasmafäden unter einander zusammen oder berühren sich mit

ihren Oberflächen unmittelbar. Zu gewissen Perioden trennen sich bei

vielen Species die einzelnen Elementartheile als Fortpflanzungskörper

vollständig von einander, indem die Colonie aufgelöst wird.

[Illustration: =Fig. 1. Volvox globator, geschlechtliche

hermaphroditische Colonie.=

Nach ~Cienkovsky~ und ~Bütschli~ combinirt und etwas schematisirt. Nach

~Lang~.

_S_ Männliche Gameten (Spermatozoen). _O_ Weibliche Gameten (Eier).]

Bei Vergleichung verwandter Arten kann man den Uebergang von loseren

zu festeren Vereinigungen auf das Deutlichste beobachten. Als ein

derartiges Beispiel gibt ~Nägeli~, welcher sich mit dem Studium

der niederen Algen so eingehend beschäftigt hat, die in Figur 2

wiedergegebene bildliche Darstellung _a_ einer Chroococcacee, _b_ einer

Nostochacee und _c_ einer Oscillariacee je in 4 auf einander folgenden

Generationen _I_, _II_, _III_, _IV_.

„Bei den Chroococcaceen (_a_) können die Zellen, nachdem sie sich

von einander losgelöst haben, sich im Wasser zerstreuen oder durch

Gallerte in geringer Entfernung von einander festgehalten werden. Bei

den Nostochaceen (_b_) sind die mehr oder weniger kugeligen Zellen nur

mit einer kleineren Stelle der Oberfläche, bei den Oscillariaceen (_c_)

sind die cylindrischen Zellen mit den ganzen Endflächen verbunden.“

Zu diesem Beispiel bemerkt ~Nägeli~, dass man bei den niederen Algen

„+oft in Zweifel gerät, ob man ein mehrzelliges Gebilde als eine

Colonie einzelliger Individuen oder als ein mehrzelliges Individuum

ansprechen soll+“.

[Illustration: =Fig. 2.= Schematische Darstellung _a_ einer

Chroococcacee (Gloeothecee oder Synechococcus), _b_ einer Nostochacee

und _c_ einer Oscillariacee, je in vier auf einander folgenden

Generationen _I_, _II_, _III_, _IV_. Nach ~Nägeli~ Fig. 14.]

Losen Vereinigungen begegnet man zuweilen auch bei den Rhizopoden,

bei Flagellaten und bei Infusorien. Ich erinnere an die von ~Richard

Hertwig~ beschriebene +Mikrogromia socialis+ (Fig. 3), eine kleine, in

eine Schale eingeschlossene Monothalamie, die mit anderen Individuen

gleicher Art durch ihre sich verzweigenden Pseudopodien bald zu

kugeligen Haufen, bald mehr zu Netzen verbunden ist. Ich erinnere

an manche Infusorienarten, welche eine weiche reichliche Gallerte

abscheiden, in welcher die durch Theilung entstehenden Generationen zu

grösseren, meist kugeligen Colonieen verbunden bleiben.

[Illustration: =Fig. 3. Eine Colonie von Mikrogromia socialis in

ausgebreitetem Zustand.= Nach ~Richard Hertwig~. Ein Theil der

Individuen (_aa_) ist durch Quertheilung in zwei Theilstücke zerfallen;

_b_ und _b_ zwei mit ihren Pseudopodienstielen zusammenhängende

Individuen.]

Eine andere Art colonialer Vereinigung kommt wieder dadurch zu

Stande, dass manche Flagellaten und Infusorien mit einem Körperende

in einen langen contractilen Stiel übergehen, durch welchen sie an

eine Unterlage befestigt sind. Wenn sie sich durch Theilung vermehren,

bleiben bei vielen Arten die Tochter- und Enkelzellen an dem Stielende

verbunden (Fig. 4). Oder es entstehen baumförmig verzweigte Colonieen

(Fig. 5), zusammengesetzt aus einem contractilen Hauptstamm, von

welchem dichotom sich theilende Nebenäste ausgehen, an deren Enden die

einzelnen Individuen wie Beeren an den Stielen einer Traube ansitzen.

Solche Colonieen sehen äusserlich manchen Hydroidpolypenstöckchen

ausserordentlich ähnlich.

[Illustration: =Fig. 4. Codonocladium umbellatum. Eine coloniale

Flagellate= nach ~Stein~ aus ~R. Hertwig~.]

[Illustration: =Fig. 5. Epistylis umbellaria.= Nach ~Graeff~ aus ~R.

Hertwig~.

Theil einer in „knospenförmiger Conjugation“ begriffenen Colonie.

_r_ Die durch Theilung entstandenen Mikrosporen. _k_ Mikrogameten in

Conjugation mit den Makrogameten.]

2. Durch innigen Zellverband entstandene mehrzellige Organismen

(Personen).

Wie schon oben bei den Algen bemerkt wurde, führen von den losen

Zellaggregaten alle möglichen Uebergänge zu festeren Verbänden, die

einen mehr einheitlichen Charakter tragen. Während wir in den oben

beschriebenen Fällen (Fig. 1–5) mehr geneigt sind, den Verband als

Colonie vieler einzelliger Individuen zu bezeichnen, sind wir bei den

jetzt zu betrachtenden Formen nicht im Zweifel, den Verband als ein

einziges mehrzelliges Individuum aufzufassen. Bei jenen sehen wir in

physiologischer Hinsicht mehr die Vielheit, bei diesen mehr die Einheit

der zusammengeschaarten Zellenmassen in den Vordergrund treten, wodurch

unser Urtheil über die Individualität des Aggregats bestimmt wird.

Auch hier kommen indessen wieder zwei Verschiedenheiten zum Vorschein;

auf der einen Seite finden wir vollständige Verschmelzung der Zellen,

so dass jede Abgrenzung zwischen ihnen verloren gegangen ist, auf der

anderen Seite bleiben die Zellen von einander durch deutliche Grenzen

gesondert und sind nur meist bis zu unmittelbarer Berührung dicht

aneinander gelagert. Im ersten Fall bestehen die Organismen aus einer

bald kleineren, bald grösseren Protoplasmamasse, in welcher zahlreiche

Kerne, zuweilen viele hunderte und tausende, in regelmässigen Abständen

vertheilt sind. Man hat ein solches Gebilde ein +Syncytium+ oder eine

+Zellenfusion+ genannt.

a) Syncytien oder Zellenfusionen.

Syncytien können in zweierlei Weise entstehen. In selteneren Fällen

sind es kleine, einkernige, amöboide Zellen, welche in grösserer Anzahl

zusammentreten und mit ihren Protoplasmaleibern verschmelzen, während

sich die Kerne getrennt erhalten. Als Beispiel sei die Entwicklung der

Myxomyceten angeführt (Fig. 6). Aus den Sporen derselben (_a_ und _b_)

kriechen kleinste, einkernige Amöben (_c_) hervor und wandeln sich bald

in Schwärmzellen (_d_) um, die sich eine Zeit lang mit Geisseln im

Wasser fortbewegen. Die Schwärmerzellen gehen darauf wieder, indem sie

die Geisseln einziehen, in einen amöboiden Zustand über und beginnen

hierbei bald in grösserer Anzahl unter einander zu kleinen vielkernigen

Plasmodien (_e_) zu verschmelzen. Diese nehmen auf dem Wege der

Ernährung an Grösse allmählich zu und können ansehnliche Dimensionen

(_f_) erreichen. Dabei findet unausgesetzt eine Vermehrung der Kerne

durch Theilung statt.

Am häufigsten indessen entstehen vielkernige Protoplasmakörper

nicht durch Verschmelzung zahlreicher, von Haus aus getrennter

Einzelindividuen, sondern leiten sich von einem einzigen einkernigen

Keim einfach in der Weise her, dass sich sein Kern durch häufig

wiederholte Zweitheilung in 2, 4, 8, 16 Kerne und so weiter vermehrt.

Hierbei erfährt das Protoplasma keine Zerlegung in eine entsprechende

Anzahl von Stücken; es nimmt nur mit der Vermehrung der Kerne an Masse

allmählich zu.

[Illustration: =Fig. 6. Chondrioderma difforme.= Nach ~Strasburger~.

_f_ Theil eines älteren Plasmodiums. _a_ Trockene Spore. _b_ Dieselbe

im Wasser quellend. _c_ Spore mit austretendem Inhalt. _d_ Zoospore.

_e_ Aus Umwandlung der Zoospore hervorgegangene Amöben, die sich zum

Plasmodium zu vereinen anfangen. (Bei _d_ und _e_ Kern und contractile

Vacuolen zu sehen.)]

Es lässt sich darüber streiten, ob man eine vielkernige

Protoplasmamasse als eine einzige Zelle mit vielen Kernen oder als

Aequivalent eines vielzelligen Organismus beurtheilen soll. Bei der

Rolle, welche nach unserer Auffassung der Kern im Zellenleben spielt,

ist wohl die zweite Auffassung die richtigere. Wenn in einer Zelle

die Kernsubstanz durch den complicirten Process der Kernsegmentirung

in zwei gleiche Hälften zerlegt worden und wieder in den Ruhezustand

zweier Bläschen übergegangen ist, dann ist die Zelltheilung der

Hauptsache nach beendet, und es ist von einer mehr nebensächlichen

Bedeutung, ob an die Kerntheilung sich noch die Zerlegung des

Protoplasmakörpers sofort oder einige Zeit später oder gar nicht

anschliesst. Lehrreich in dieser Beziehung ist die erste Entwicklung

des Insecteneies. Während sich die thierischen Eier gewöhnlich

durch den Furchungsprocess in 2, 4, 8 u. s. w. Zellen sondern,

bleibt das Insectenei eine zusammenhängende einzige Dottermasse, in

welcher sich nur ihr Kern in 2, 4, 8 und schliesslich in Hunderte

von Kernen vermehrt. Erst nach einiger Zeit zerfällt dann plötzlich

die vielkernige Dottermasse in so viel Stücke, als vorher Kerne in

ihr gebildet worden waren. Es liegt hier auf der Hand, dass das

anscheinend einfache Ei nicht mit einem Schlage in eine vielzellige

Bildung umgewandelt worden ist. Vielmehr war es schon vorher +potentia

vielzellig+ und hat mit Ausnahme der Protoplasmazerklüftung genau

alle die einzelnen Schritte zurücklegen müssen wie ein Ei, bei dem

Kerntheilung und Zelltheilung sich zusammen gleichzeitig vollziehen.

+Genau in derselben Weise wie das vielkernige Insectenei ist ein

vielkerniges Plasmodium einer Myxomycete potentia vielzellig.+ Denn

wenn es in einen Fruchtkörper sich umwandelt, zerfällt es in so viele

einzelne Sporen oder Keime für neue Organismen, als vorher Kerne in der

gemeinsamen Protoplasmamasse vorhanden waren.

[Illustration: =Fig. 7. Actinosphaerium Eichhornii.= Nach ~R. Hertwig~,

Zoologie.

_M_ Marksubstanz mit Kernen (_n_). _R_ Rindensubstanz mit contractilen

Vacuolen (_cv_). _Na_ Nahrungskörper.]

Organismen vom Formwerth eines Syncytiums gibt es an der Wurzel des

Thier- und Pflanzenreichs. Sehr zahlreiche Arten der Protozoen sind

Syncytien: das vielkernige Actinosphaerium Eichhornii (Fig. 7),

zahlreiche Radiolarien, die meisten Thalamophoren (Fig. 8) und die

Mycetozoen.

Von Seiten des Pflanzenreichs sind zu nennen die interessanten

+Coeloblasten+. Ein Coeloblast ist mehr oder minder ein vielfach

verzweigter Schlauch, oft von recht ansehnlicher Grösse. Nach aussen

ist der Schlauch abgegrenzt von einer dicken Cellulosemembran, welcher

nach innen eine bald dünnere, bald dickere Protoplasmaschicht anliegt.

Sonst ist das Innere des Schlauches von Zellsaft ausgefüllt, durch

welchen sich zuweilen auch einzelne Protoplasmafäden von einer zur

anderen Wandfläche hindurchziehen.

[Illustration: Fig. 8.]

[Illustration: Fig. 9.]

=Fig. 8. Junge Miliola mit vielen Kernen.= Aus ~Lang~.

=Fig. 9. Caulerpa crassifolia.= Die ganze Pflanze besteht aus einem

nicht cellulär gekammerten Schlauch.

_v_ Der Vegetationspunkt der kriechenden, dorsiventralen Sprossachse

_s_. _bb_ Die Blätter. _w_ Die Wurzeln. (Etwas verkleinert.) Nach

~Sachs~ Fig. 262.

Nach dieser Beschreibung könnte man den ganzen Schlauch als eine

einzige riesige Zelle auffassen und demnach einen Coeloblasten zu

den einzelligen Pflanzen hinzurechnen, wie es von manchen Forschern

auch geschieht. Unser Urtheil wird indessen anders ausfallen, wenn

wir noch folgende Momente in Rechnung ziehen. Erstens lassen sich im

Protoplasma zahlreiche kleine Kerne -- oft sind es viele hunderte, ja

tausende -- nachweisen; zweitens nimmt der Schlauch bei manchen Arten,

zum Beispiel bei +Caulerpa crassifolia+ (Fig. 9) eine complicirte

Gliederung an, welche ihn einer höher differenzirten, vielzelligen,

kriechenden Pflanze sehr ähnlich aussehen lässt. Denn der Schlauch

hat sich gesondert in einen auf dem Boden hinkriechenden Stamm

(_s_), in Wurzeln (_w_), welche sich vielfach verzweigt in die Erde

einsenken, und in viele nach oben gerichtete, blattartige Ausstülpungen

(_bb_), welche Fiederblättchen nicht unähnlich aussehen. Drittens

endlich wächst der hochgegliederte Schlauch von einzelnen bestimmten

+Vegetationspunkten+ (_v_) aus in ganz gesetzmässiger Weise gleich

einer höheren, vielzelligen Pflanze. Die Uebereinstimmung wird noch

dadurch weiter erhöht, dass an den Vegetationspunkten sich immer

in grösserer Masse Protoplasma angehäuft findet, welches besonders

zahlreiche Kerne enthält, wie auch bei den vielzelligen Pflanzen an den

Vegetationskegeln in dem kleinzelligen Gewebe viel Protoplasma und viel

Kernsubstanz auf engem Raum zusammengedrängt ist.

Bei Erwägung aller Verhältnisse werden wir daher den Coeloblasten

als einen potentia vielzelligen Organismus, als ein Syncytium,

bezeichnen müssen; auch wird es uns bei solcher Sachlage jetzt weniger

merkwürdig erscheinen, dass der nur scheinbar einzellige, aber potentia

vielzellige Schlauch sich in der Entwicklung von Sprossen, Wurzeln und

Blättern ähnlich wie eine ausgeprägt vielzellige Pflanze verhält. Mit

Recht hat ~Sachs~, der dieses Verhältniss schon treffend erörtert hat,

in seinem Lehrbuch der Physiologie bemerkt:

„Wir brauchen uns nur bei einer nicht allzu complicirt organisirten

cellulären Pflanze, einer höheren Alge, einem Moos, selbst einer

Gefässpflanze zu denken, dass innerhalb der von der äusseren Zellwand

der Epidermis umgebenen Pflanzensubstanz die Zellwände einfach fehlen,

wogegen das Protoplasma mit den in ihm vertheilten Zellkernen sich im

Wesentlichen geradeso verhält, als ob jene Zellwände vorhanden wären,

so haben wir im Grossen und Ganzen die Structur eines Coeloblasten;

und umgekehrt brauchen wir uns nur zu denken, dass der innere Raum

eines solchen durch zahlreiche Quer- und Längsscheidewände in sehr

zahlreiche kleine Kammern eingetheilt sei, deren jede einen oder einige

der vorhandenen Zellkerne umschliesst, so hätten wir eine gewöhnliche

celluläre Pflanze.“

b) +Der zellige Verband.+

Die letzte und höchste Form des Verbandes zeigt uns die einzelnen

Zellen deutlich abgegrenzt von einander, aber sonst dicht

zusammengelagert, so dass sie sich unmittelbar berühren und dadurch

gewissermaassen in enger und beständiger Fühlung zu einander stehen.

Das Resultat ist ein einheitlicher Organismus mit einer relativen und

theilweisen Selbständigkeit seiner ihn aufbauenden Elementartheile.

Als höchste habe ich diese Art des Verbandes bezeichnet, indem ich

mich von der einfachen Thatsache leiten liess, dass alle höher

organisirten Pflanzen und Thiere ihm zuzurechnen sind. Erst innerhalb

solcher Zellverbände kommt es zur Entstehung der mannigfaltigsten

Structuren, zur Sonderung zahlreicher und verschiedenartiger Organe,

zu einer Fülle ungleicher Differenzirungen von einzelnen Zellen

und Zellengruppen. So entsteht jene wunderbare reiche Stufenfolge

organischer Formen im Pflanzen- wie im Thierreich, vom einfachsten

Moospflänzchen bis zur höchstentwickelten Blüthenpflanze, vom relativ

einfach organisirten Hydrapolypen bis zum Wirbelthiere mit seinen

für die verschiedenartigsten Detailfunctionen eingerichteten Organen

und Geweben. Im Vergleich zu solcher Mannigfaltigkeit erscheint die

Formbildung und Differenzirung von Organismen, welche als Syncytien

entwickelt sind, als eine ausserordentlich viel einfachere und niedere.

Denn wenn auch die höchst organisirten Coeloblasten, wie Caulerpa,

kleinen vielzelligen Pflänzchen äusserlich gleichen, so stehen sie

doch auch wieder tief unter ihnen durch den Mangel jeder geweblichen

Differenzirung, durch den Mangel der zur Stoffleitung dienenden

Gefässe, der mechanischen und der Oberhautgewebe etc. Radiolarien

können höchst zierliche und zusammengesetzte Skelette bilden, ja

sie können sogar Muskelfibrillen, welche sich an die Kieselstäbe

ansetzen, erzeugen. Myxomyceten wandeln sich in sehr complicirte

Fortpflanzungskörper um. Gleichwohl treten alle Syncytien über ein sehr

geringes Maass der Differenzirung nicht hinaus. Schon ihre Grösse ist

eine beschränkte. Denn auch die grössten Arten sind klein im Vergleich

zu den Thieren und Pflanzen, die aus Verbänden gesondert bleibender

Zellen hervorgegangen sind.

Der so greifbare Unterschied muss im eigensten Wesen der zwei

Verbindungsarten begründet sein. Durch die Sonderung des

Protoplasmas in kleine Klümpchen um je einen Kern wird eine grössere

Oberflächenentwicklung herbeigeführt, was für die Stoffwechselprocesse,

für die Aufnahme und Abgabe von Stoffen, von Vortheil ist. Die kleinen

Bausteine können sich ferner zu regelmässigen und verschiedenartigen

Verbänden aneinander legen, sie können sich nach aussen durch

Membranen abgrenzen und sich in dieser oder jener Weise verschieden

differenziren. Kerne in einer zusammenhängenden, gemeinsamen

Protoplasmamasse dagegen können nicht einen festen Ort einnehmen,

sie ändern schon in Folge der Protoplasmaströmung fortwährend ihre

Stellungen zu einander, so dass alle eben hervorgehobenen, eine höhere

Entwicklung herbeiführenden Momente in Wegfall kommen. Auch für die

Grösse der aus Zellen aufgebauten Organismen besteht ein viel weiterer

Spielraum, da die Zellen durch ihre mannigfache Verbindungsweise

innere Hohlräume erzeugen und auch die zur Stütze einer grösseren

Masse weicher, organischer Substanz erforderlichen mechanischen

Einrichtungen liefern können. Dagegen ist wieder eine vielkernige,

einheitliche Protoplasmamasse bald an dem Punkt angelangt, wo nach dem

Gesetz von ~Leuckart~ die Oberfläche nicht mehr in einem entsprechenden

Verhältniss zu der nach innen von ihr gelegenen Protoplasmamasse steht,

und wo die zur Erhaltung des Lebens erforderliche Wechselbeziehung zur

Aussenwelt, Stoffaufnahme und -Abgabe, nicht mehr ungestört vor sich

gehen kann.

Es liesse sich noch Vieles der Art anführen, wodurch der Verband

von mehr selbständig gebliebenen Zellen sich über das Syncytium

als eine höhere Entwicklungsform der organischen Substanz erhebt.

Doch kann ein weiteres Eingehen hierauf jetzt unterbleiben, da die

in den späteren Capiteln dargestellten Verhältnisse zur weiteren

Erläuterung und Bestätigung der kurz angedeuteten Gesichtspunkte dienen

werden. Ich schliesse daher diese Betrachtung mit einem Ausspruch,

zu welchem ~Sachs~ durch die Vergleichung der Coeloblasten mit

gewöhnlichen cellulären Pflanzen veranlasst worden ist. „Es ist sehr

leicht begreiflich, dass nicht nur die Festigkeit, sondern auch die

gegenseitige Abschliessung verschiedener Stoffwechselproducte, die

Leitung der Säfte von Ort zu Ort etc. eine grössere Vollkommenheit

erreichen muss, wenn die gesammte Substanz der Pflanze durch zahlreiche

Quer- und Längswände in scharf von einander abgegrenzte Zellkammern

eingetheilt ist.“

Die Zelle und die Gewebe (Vol. 2/2) · 第 83 / 225 题