Wie die Stakendorfer die Lübecker los wurden

Nach Stakendorf kamen die lübischen Herrn

Vor Zeiten alljährlich und kamen gern,

Zwangen die Bauern, den Zehnten zu zahlen,

Und zogen nach Haus mit Protzen und Prahlen.

Einst kamen sie wieder zur Fastnachtszeit

Und säckelten ein und machten sich breit,

Ließen im Gildehaus festlich sich ätzen

Und saßen glorios auf den Ehrenplätzen.

Die Bauern brauten ein gutes Bier.

Knausern sie gern, sie knausern nicht hier,

Sie lassen sich heute am wenigsten lumpen

Und füllen den durstigen Gästen die Humpen.

Bald glänzen die Backen, die Stirnen stehn

In Schweiß, kaum können die Äuglein noch sehn.

Hier sinkt ein Haupt, da lallt eine Zunge,

Dort keucht eine fette lübische Lunge.

Und immer werden die Humpen nicht leer,

Die Lübecker trinken und können nicht mehr,

Bald liegen sie alle, den Kopf auf den Armen

Und schlafen und schnarchen zum Erbarmen.

Da hat die Bauern der Teufel gezwickt,

Da haben die Bauern gebohrt und gewrickt,

Den Tisch und die nächsten Säulen durchlochten

Die tückischen Schelme, so schnell sie vermochten.

Die lübischen Bärte, wie hingen sie schlapp,

Die bübischen Bauern, sie sagten nicht papp,

Sie stopften sie all in die Löcher und schlugen

Zur Sicherheit noch einen Pflock in die Fugen.

Die Herren schlafen, kein Schlag weckt sie auf,

Die Herren schnarchen, ein Ratsherrngeschnauf!

Auf einmal da laufen die Bauern zusammen:

Zeter und Mord! Das Haus steht in Flammen.

Hei, kamen die Schläfer so schnell aus dem Traum,

Ein Zerren, ein Reißen, und leer war der Raum.

Nur die stattlichen Bärte alle

Blieben zurück in der elenden Falle. —

Seitdem, und wer verdenkt es den Herrn,

Hielten sie sich weislich fern.

Zwar haben sie fürchterlich Rache geschworen,

Doch ließ man die Bauern ungeschoren.

Frei vom Zehnten Stakendorf blieb,

Den Lübeckern war ihr Bart zu lieb.

Hohe Sommertage: Neue Gedichte · 第 81 / 82 题