Sara Limbeck

Schön Sara, des Ritter Limbecks Weib,

War jung und immer fidel,

Der Ritter aber war krank an Leib

Und alt an Herz und Seel!

Und gab's im Schloss ein fröhlich Bankett

Mit Saras lustigen Kumpanen,

Der Ritter Limbeck lag im Bett,

Bekam nichts von Kapaun und Fasanen.

Und oftmals verdross es schön Sara zu Haus,

Dann musste die Kutsche vor,

Mit vier schwarzen Rappen fuhr sie aus,

Laut knarrte das alte Thor.

Der Ritter richtete sich auf,

Die Knochen zusammengerissen;

Das gibt wieder fröhlich Gejaid und Gesauf!

Und er sank zurück in die Kissen.

Schön Sara lebte in Saus und Braus,

Ritter Limbeck starb allein.

Sie drückte sich keine Thräne heraus,

Jetzt wollt sie erst lustig sein!

Ritter Limbeck lag in der kalten Gruft,

Und oben klirrten die Becher,

Und war mancher Schelm und war mancher Schuft,

Der wurde verliebter und frecher.

Und übers Jahr, und die gleiche Nacht

Und der gleiche Stundenschlag,

Da der Limbeck sein letztes Kreuz gemacht,

Und im Schloss war ein lärmend Gelag,

Da fuhr die große Kutsche vor,

Von vier schwarzen Rappen gezogen,

Und Sara fuhr durch das knarrende Thor,

Und die schwarzen Rappen flogen.

Frau Sara fuhr feldein, feldaus,

Die Nacht war schwarz und schwer,

Frau Sara kam nicht wieder nach Haus,

Man sah sie niemals mehr.

Nur nachts, wenn Wandrer irr und wirr

Verlorenen Weg sich suchen,

Erschreckt sie auf einmal ein schwarz Geschirr

Und ein Schnauben und Peitschen und Fluchen.

Das ist die lustige Sara, die nun

Nächtlich kutschieren muss,

Und könnte beim Ritter Limbeck ruhn

Für einen letzten Kuss.

Nun fährt sie hundert Jahre wohl noch

Querfeld, trotz Zaun und trotz Hecken.

Durch! Wie die Kutsche so groß gibt's ein Loch,

Den Bauern zum höllischen Schrecken.

Thies und Ose.

In Wenningstedt bei Karten und Korn

Erschlug einst ein Bauer in jähem Zorn

Seinen Gast. Thies Thiessen war stark,

Und der Hansen ein Stänker um jeden Quark.

Nun lag er bleich und im Blut auf dem Stroh.

Aber wo war Thies Thiessen? Wo?

Sie suchten ihn und fanden ihn nicht,

Und der Galgen machte ein langes Gesicht.

Ose, des Mörders Weib, kam in Not.

Vier Kinder wollten von ihr Brot.

Ihr Kram ging zurück. Stück für Stück

Ward verkauft, und sie suchte bei Fremden ihr Glück.

Doch stand sie in Ehren bei jedermann

Und that ihnen leid. Die Zeit verrann,

Und Thies Thiessen war und blieb

Weg, als wäre die Welt ein Sieb.

So wurden es Jahre. Auf einmal fing's

Zu tuscheln an, bis nach Rantum ging's:

Habt ihr gesehn? Schon lange. Nanu!

Meint ihr? Und sie nickten sich zu.

Sie war doch sonst ein ehrlich Weib,

Nun schreit ihre Schande das Kind im Leib.

Mit wem sie's wohl hält? Das Mannsvolk ist toll!

— Das war ein Geschwätz, alle Stuben voll.

Die fromme Ose ertrug es in Scham,

Kein Wort über ihre Lippen kam.

Nur einem fraß es am Herzen und fraß,

Bis ihm der Schmerz in den Fäusten saß.

Und eh sich's die Lästermäuler versahn,

Stand er auf: Ich hab's gethan!

Und standen alle und glotzten sehr:

Thies Thiessen? Gott sei bei uns! Woher?

Nicht verrat ich das Dünenloch,

Und ihr findet es nimmer. Sie aber fand's doch.

Und geht's um den Hals, das Kind ist mein.

Und verdammt, wer's nicht glaubt. Ich bläu's ihm ein.

Und er sah elend aus und schwach,

Und er hielt sie wie ein Gespenst in Schach,

Bis ihnen allen allmählich klar,

Dass der da wirklich Thies Thiessen war. —

Der Hansen war tot, von keinem vermisst,

Ein Säufer war er und schlechter Christ.

Aber der Thiessen, ein Kerl ist er doch!

Und die Ose, gibt's eine Bravere noch?

Alle die Jahre in Elend und Not

Teilte sie ihr Hungerbrot

Treulich ihm mit. Und jetzt weinte sie da

An seinem Hals. Es ging allen nah.

Sie kauten und spuckten und sahen sich an

Und schoben sich sacht an Thiessen heran

Und brummten und schüttelten ihm die Hand.

Das war ihr Gericht. Und so blieb er im Land.

Hohe Sommertage: Neue Gedichte · 第 80 / 82 题