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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1900 so weit
wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht
mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original
unverändert.
Die Schreibweise einiger Begriffe ist nicht einheitlich; teilweise
wurden einige Ausdrücke eingedeutscht. Beides wurde in der
Bearbeitung so belassen.
In der ersten Tabelle auf S. 253 fehlt der Wert des exportierten
Kautschuks für das Jahr 1896. Die Quelle dieser Aufstellung war nicht
zugänglich; aufgrund des schwankenden Kautschukpreises kann dieser
Wert auch nicht rechnerisch ermittelt werden. Daher wurde die Zahl,
wie in der gedruckten Fassung des Buches, ausgelassen.
Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der
folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:
kursiv: _Unterstriche_
fett: =Gleichheitszeichen=
gesperrt: +Pluszeichen+
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Westafrikanische Kautschuk-Expedition.
(R. Schlechter.)
1899/1900.
Kolonial-Wirtschaftliches Komitee.
Westafrikanische Kautschuk-Expedition.
(R. Schlechter.)
1899/1900.
Mit 13 Tafeln und 14 Abbildungen im Text.
[Illustration]
Berlin 1900.
+Verlag des Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees+,
Berlin NW., Unter den Linden 40.
_(Preis 12 Mark.)_
In Kommission bei der Königlichen Hofbuchhandlung von
+E. S. Mittler & Sohn+,
Berlin, Kochstrasse 68-71.
[Illustration]
Vorwort.
Die gefährdete Lage des Kautschukmarktes, hervorgerufen durch den
Niedergang der Produktion infolge des Raubbaues der Eingeborenen und
durch den in ungeahnter Weise sich steigernden Bedarf der modernen,
insbesondere der elektrotechnischen, Fahrrad- etc. Industrien sowie die
Aussicht auf reichen Gewinn, der dem Nationalvermögen durch Einführung
einer Kautschukgroßkultur in deutschen Kolonien zufließen könnte,
veranlaßte das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee, im Frühjahr 1899
eine +Kautschuk-Expedition nach Westafrika+ unter Führung des
Botanikers und Kautschukexperten Herrn Rudolf Schlechter zu entsenden,
mit der Aufgabe,
die besten Kautschukvarietäten aus fremden Kolonien nach den
deutschen Schutzgebieten zu überführen und eine geregelte
Kautschuk-Großkultur in Kamerun und Togo in die Wege zu leiten.
Das Komitee ist in der Lage, feststellen zu können, daß die
Expedition ihren Zweck erreicht und insbesondere durch Einführung
der Kautschuk-Großkultur in den Kameruner Plantagen, u. a.
der „Moliwe-Pflanzungsgesellschaft“, der „Westafrikanischen
Pflanzungsgesellschaft Bibundi“, der „Kamerun-Land- und
Plantagengesellschaft“, praktische Ergebnisse erzielt hat.
Der Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amtes und den Gouvernements von
Kamerun und Togo ist das Komitee zu Dank verpflichtet für ausgiebigen
Schutz und thatkräftige Unterstützung der Expedition.
Den unter dem Präsidium Seiner Hoheit des Herzog-Regenten +Johann
Albrecht von Mecklenburg-Schwerin+ vereinten Instituten der
Wohlfahrtslotterie zu Zwecken der deutschen Schutzgebiete und der
Deutschen Kolonialgesellschaft verdankt das Komitee eine namhafte
finanzielle Beihülfe, durch welche die Ausführung des gemeinnützigen
Unternehmens und die Herausgabe des vorliegenden Werkes erst ermöglicht
wurde.
Den Interessentengruppen der Pflanzungsgesellschaften und Industriellen
schuldet das Komitee Dank für bewährten Rat und materielle Förderung
der Expedition und zwar den Firmen:
Accumulatoren-Fabrik Akt.-Ges., Berlin -- Allgemeine
Elektrizitäts-Gesellschaft, Kabelwerk, Nieder-Schöneweide
-- Emil Arntz, Gummiwaren-Fabrik, Höxter -- Asbest- und
Gummiwerke Alfred Calmon Akt.-Ges., Hamburg-Uhlenhorst --
Berlin-Rixdorfer Gummiwarenfabrik Franz Schumann, Berlin-Rixdorf
-- Blödner & Vierschrodt, Gotha -- Centralverein Deutscher
Kautschukwaren-Fabriken, Berlin -- Continental Caoutschouc-
und Guttapercha-Compagnie, Hannover -- Deutsche Gummi- und
Guttaperchawaren-Fabrik Akt.-Ges. vorm. Volpi & Schlüter, Berlin
-- Felten & Guilleaume, Carlswerk, Mühlheim a. Rh. -- François
Fonrobert, Gummiwaren-Fabrik, Finsterwalde -- Gesellschaft
Süd-Kamerun, Hamburg -- Handelskammer, Breslau -- Hannoversche
Aktien-Gummiwaren-Fabrik, Hannover -- Harburger Gummi-Kamm-Co.,
Dr. Heinr. Traun, Hamburg -- S. Herz, Berlin -- Kamerun Land-
und Plantagen-Gesellschaft, Hamburg -- Gebr. Körting, Hannover
-- Lange & Pöhler, Arnstadt -- Leipziger Gummiwaren-Fabrik vorm.
Julius Marx, Hein & Co., Leipzig -- Metzeler u. Co., München --
Mitteldeutsche Gummiwaren-Fabrik Louis Peter, Frankfurt a. M. --
Moliwe-Pflanzungs-Gesellschaft, Hamburg -- Münden-Hildesheimer
Gummiwaren-Fabriken Gebr. Wetzell, Akt.-Ges., Hildesheim --
Geh. Kommerzienrat Dr. Oechelhäuser, Dessau -- Phil. Penin,
Gummiwaren-Fabrik, Aktien-Gesellschaft, Leipzig-Plagwitz --
Rheinische Gummiwaren-Fabrik Franz Clouth, Köln-Nippes -- H. Rost &
Co., Hamburg -- Russian-American India Rubber Co., St. Petersburg
-- Carl Schwanitz, Gummiwaren-Fabrik, Berlin -- H. Schwieder,
Gummiwaren-Fabrik, Dresden-Neustadt -- South-West-Africa Comp. Ltd.,
Berlin -- Vereinigte Berlin-Frankfurter Gummiwaren-Fabrik, Berlin --
Vereinigte Gummiwaren-Fabriken Harburg-Wien, vorm. Menier -- J. N.
Reithoffer, Harburg a. E. -- Westafrikanische Pflanzungs-Gesellschaft
„Bibundi“, Hamburg.
Möge das vorliegende Ergebnis der westafrikanischen
Kautschuk-Expedition +eine dauernde kraftvolle Entwickelung der
Kautschuk-Plantagen und Volkskulturen Deutsch-Westafrikas zur Folge
haben und den deutschen Kolonien, deren Kautschuk-Produktion heute
kaum den zwanzigsten Teil des deutschen Konsums beträgt, mit der Zeit
einen nennenswerten Anteil an dem lohnenden Kautschukhandel sichern zum
Nutzen unserer Kolonien und zum Nutzen unserer Volkswirtschaft+.
+Berlin+, im Dezember 1900.
Unter den Linden 40.
=Kolonial-Wirtschaftliches Komitee.=
Inhaltsverzeichnis.
Seite
1. Kapitel. Vorbereitungen zur Reise, Ausreise und
Yoruba-Expedition 1
2. „ Aufenthalt in Kamerun, Reise nach und auf dem Congo 29
3. „ Sanga-Ngoko-Reise und Rückreise nach Kamerun 80
4. „ Kamerun- und Bakossi-Expedition 135
5. „ Togo-Reise und Heimreise 181
6. „ Allgemeines und Untersuchungen 227
Anhang I. Denkschrift des Herrn Prof. Dr. O.
Warburg zur Begründung der Kautschuk-
Expedition 250
„ II. Gutachten über die von Lagos eingesandten
Kautschukproben des chemischen
Laboratoriums für Handel und Industrie
(Dr. Robert Henriques) Berlin. 255
7. „ Die botanischen Ergebnisse der Expedition 260
Verzeichnis der Abbildungen.
Messer und Beile zum Anzapfen der Kautschukpflanzen nebst Bechern
zum Auffangen des Milchsaftes 2
Landolphia Heudelotii D. C. 9
Ficus Vogelii Miq. 11
Fetischmasken, Schuhe, Fächer und Lanzen aus dem Yoruba-Lande 14
Carpodinus lanceolatus K. Sch. 52
Costus Lukanusianus K. Sch. 65
Landolphia florida Bth. 68
Landolphia Klainei Pierre. 83
Kickxia elastica Preuss. 99
Kickxia latifolia Stapf 125
Landolphia owariensis P. Beauv. 128
Die „Cyclop-Grotte“ bei Kriegsschiffhafen. 136
Kickxia-Bäume in Mundame 164
Kokospalmen in Gr. Batanga 174
Elf Monate alte Kickxia auf der Campo-Plantage 176
Rast der Expedition unter einem Ficus Vogelii-Kautschukbaum im
Dorfe Lolobi 196
R. Schlechter vor seinem Zelt in Kadyebi 203
Die Expedition in Kadyebi 208
Fetischhäuschen im Dorfe Bevi 212
Feigenbäume im Dorfe Bevi 216
Eingeborene von Wangata 230
Kickxia africana Bth. 238
Ceara-Kautschukbaum in Gr. Batanga 252
Pflanzungen der Victorianer-Neger auf dem Wege nach
Kriegsschiffhafen 260
Junge Kakaoanpflanzung am Vorwerk Wasserfall der
Kriegsschiffhafen-Plantage 280
Landolphia humilis K. Sch. n. sp. 288
Carpodinus Schlechteri K. Sch. n. sp. 305
[Illustration]
I. Kapitel.
Vorbereitungen zur Reise, Ausreise und Yoruba-Expedition.
Im Oktober des Jahres 1898 wurde von seiten des
Kolonial-Wirtschaftlichen Komitees, insbesondere der Herren +Karl
Supf+ und Professor Dr. +O. Warburg+, der Plan gefaßt, eine Expedition
zur Erforschung der Kautschukverhältnisse in unseren Kolonien nach
Westafrika zu entsenden. Es sollte Aufgabe der Expedition sein, die
Kautschukpflanzen anderer Kolonien nach Kamerun zu überführen und dort,
wenn möglich, zum Anbau derselben anzuregen, ebenso die in den fremden
Kolonien gewonnenen Erfahrungen der Entwickelung der Kautschukindustrie
unseren Kolonien zur Verfügung zu stellen. Ich wurde mit der Leitung
der Expedition betraut.
Sobald durch Eingehen der dazu nötigen Gelder die Ausführung der
Expedition gesichert war, begann ich mit meinen Vorbereitungen. Es
war unterdessen schon der Monat Dezember herangekommen, so daß ich,
da die Ausreise auf Anfang Februar 1899 festgesetzt war, keine Zeit
zu verlieren hatte. Außer Anschaffung der zum persönlichen Gebrauch
nötigen Kleidungsstücke und allgemeinen Expeditionsausrüstungen hatte
ich auch die zur Ausführung meiner Aufgabe nötigen Chemikalien und
Apparate, von denen umstehend einige abgebildet sind, zu beschaffen.
Da die Eingeborenen beim Anzapfen der Lianen und Bäume meist durch
zu tiefes Einschneiden großen Schaden anrichten, ließ ich für die
mitgenommenen Messer und Beile Scheiden anfertigen, welche ein
zu tiefes Eindringen der Schneide in die Rinde verhüten sollten.
Diese Scheiden waren aus starkem Blech hergestellt und konnten den
betreffenden Instrumenten vor Gebrauch derselben aufgeschoben werden.
Auskunft über die zu bereisenden Länder erhielt ich, soweit dieses
möglich war, bereitwilligst von vielen Seiten; auch war Herr Dr.
+Mertens+, der Direktor der Graphischen Anstalt in Berlin, so
freundlich, mir Auskunft über Photographieren in den Tropen zu geben,
und den von mir für die Expedition angeschafften photographischen
Apparat zu prüfen.
Kurz vor meiner Abreise von Berlin traf noch Dr. +Preuß+, der
Leiter des botanischen Gartens von Victoria, ein mit der freudigen
Nachricht, daß es ihm gelungen sei, die echte Kickxia im Kamerun-Gebiet
nachzuweisen, und daß es sich um zwei spezifisch vollständig
verschiedene Arten handele, von denen die eine guten Kautschuk liefere,
die andere dagegen wertlos sei. Auch ihm verdanke ich viele wichtige
Angaben und Vorschläge, die mir bei Ausführung meiner Expedition von
großem Vorteile waren. Er erklärte sich auch bereit, etwaige von
mir nach Kamerun gebrachte Kautschukpflanzen im botanischen Garten
zu Victoria in Kultur zu nehmen und später an die Pflanzungen zu
verteilen, wodurch natürlich die Einführung fremder Kautschukpflanzen
in Kamerun bedeutend erleichtert werden konnte.
[Illustration: Messer und Beile zum Anzapfen der Kautschukpflanzen
nebst Bechern zum Auffangen des Milchsaftes.]
Am 7. Februar 1899 war ich mit den Vorbereitungen fertig und konnte
somit am 8. Februar meine Abreise von Berlin ausführen. Da der Dampfer
erst am 11. Februar abfahren sollte, hatte ich auch in Hamburg noch
Zeit genug, die Herren, an welche ich Empfehlungsschreiben hatte,
zu besuchen. Auch hier erfuhr ich noch manches, das für meine Reise
wertvoll war; so habe ich besonders den Herren +Thormählen+, +Jantzen+
und +Rhode+ noch für das Interesse zu danken, welches sie meiner
Expedition entgegenbrachten. Der Zufall wollte es, daß damals auch
der ehemalige Gouverneur von Kamerun, Excellenz v. +Soden+, Geheimrat
Prof. Dr. +Wohltmann+ und Herr +Upmann+ sich in Hamburg aufhielten, von
denen ganz besonders die beiden erstgenannten Herren in der Lage waren,
mich tiefer in die Verhältnisse Kameruns einzuweihen, und dank ihrer
Liebenswürdigkeit sollte ich noch später viel davon profitieren.
Endlich, am 11. Februar, lichtete der Dampfer „Adolph Woermann“, mit
dem ich zunächst bis Lagos reisen sollte, seinen Anker; am Abend
konnten wir noch einmal einen letzten Blick auf die deutsche Küste
an der Elbe-Mündung werfen, und dann ging es hinaus in die See. Wie
wünschte ich damals, daß es mir vergönnt sein möge, meine Aufgaben zu
erfüllen und mit reichem Erfolge nach Abschluß der Expedition in das
Vaterland zurückkehren zu können.
Am ersten Abend war die Stimmung an Bord natürlich zum Teil sehr
gedrückt, so manch einer der Mitreisenden verließ seine Lieben zu Haus
zum ersten Male auf längere Zeit, und ein jeder wußte, daß manchem
nicht das Glück blühen würde, seine Heimat wiederzusehen.
Je weiter wir uns vom Vaterlande entfernten, desto mehr verschwanden
die trüben Gedanken, um den Hoffnungen auf Erfolg Platz zu machen. Die
Passagiere lernten sich näher kennen, und schon nach wenigen Tagen
herrschte die fröhlichste Stimmung an Bord.
Am 13. Februar fuhren wir in den Kanal ein. Ein plötzliches tiefes
Fallen des Barometers schien Sturm anzuzeigen, so daß der Kapitän es
für geraten hielt, vorsichtig zu manövrieren; doch auch diese Gefahr
war bald vorüber.
Dank der Liebenswürdigkeit unseres Kapitäns +Jensen+ vergingen die Tage
schnell, und alles war froh und guter Dinge. Zudem erhielten wir gutes
Essen, was um so mehr in Betracht kam, als durch die Seeluft unser
Appetit bedeutend gereizt wurde.
Als wir uns am 19. Februar der Insel Madeira näherten, waren die
kalten Winde, welche uns ziemlich weit nach Süden begleitet hatten,
bereits verschwunden, und das angenehmste Frühlingswetter brachte uns
in freudige Stimmung. Fast alle benutzten daher den Aufenthalt vor
Funchal zu einer Exkursion, denn gerade hier ist Madeira am schönsten.
Mit einigen Mitreisenden unternahm ich eine kleine Fahrt mit der
Zahnradbahn auf die Berge im Rücken der Stadt. Nachdem wir von einer
Kirche daselbst eine der schönsten Aussichten genossen hatten, welche
die Erde wohl bietet, und uns durch ein Gläschen Madeiraweines gestärkt
hatten, ging es im rasenden Tempo auf Holzschlitten, wie sie hier bei
derartigen Touren üblich sind, den Berg hinunter. Man konnte dabei
nicht umhin, die Geschicklichkeit der beiden Lenker zu bewundern,
welche selbst bei plötzlichen Biegungen der steil abfallenden Straßen
den dahinsausenden Schlitten sicher führten. Nach kurzem Spaziergange
durch den Stadtgarten, der durch wundervolle Exemplare von Palmen sich
auszeichnet, kehrten wir nach dem Dampfer zurück. Noch vor Mitternacht
wurde der Anker wieder gelichtet, und weiter ging es unserm Ziele
entgegen.
Als wir am nächsten Morgen erwachten, lagen wir im Hafen von Las
Palmas. Da wir nur wenige Stunden hier blieben, war es keinem der
Passagiere gestattet, das Schiff zu verlassen, denn noch vor Mittag
fuhren wir auch wirklich wieder ab. Mit jedem Tage wurde es nun
merklich wärmer, so daß alle Passagiere sich schon vor Ankunft des
Dampfers in Monrovia ihrer Tropen- und Sommerkleidung bedienten.
Monrovia, die Hauptstadt der Negerrepublik Liberia, konnten wir leider
vom Dampfer aus kaum erkennen, denn die Stadt selbst ist von der See
kaum zu erblicken, da sie zum großen Teile durch einen dicht mit Urwald
bedeckten Hügel verborgen wird. Die Vegetation ist sehr üppig, eine
Folge der riesigen Niederschläge, durch welche sich Liberia und das
benachbarte Sierra Leone-Gebiet auszeichnen und wie sie ähnlich oder
sogar noch stärker nur noch in einem Teile unseres Schutzgebietes von
Kamerun sich wiederholen. Als wir am 27. Februar Monrovia verließen,
sah es an Bord unseres Dampfers bedeutend lebendiger aus als zuvor,
wir hatten nämlich eine größere Anzahl Cruneger und Weyboys an Bord
bekommen, welche nun, wie es hier an der Küste allgemein üblich ist,
die Scheuerarbeiten und das Aus- und Einladen der Fracht zu besorgen
hatten.
Viele der westafrikanischen Küstenplätze zeichnen sich durch eine sehr
hohe, unregelmäßige und daher häufig sehr gefährliche Brandung aus,
und hier besonders bewähren sich die Cruneger und Weyboys in erster
Linie. Es ist kaum zu glauben, mit welcher Geschicklichkeit sie die
Boote, welche zum Löschen der Ladung verwendet werden, durch die
Brandung hindurchschaffen. Natürlich lassen sich hier überhaupt nur
die eigens zu dem Zwecke von dem Dampfer mitgeführten scharfkieligen
Brandungsboote verwenden. Überschlägt sich solch ein Boot einmal an
einem hohen Brecher, so lassen sich die Neger, welche übrigens alle
wie die Fische schwimmen können, so weit durch die hereinbrechenden
Wellen an Land tragen, bis sie festen Boden unter sich fühlen, einen
geeigneten Moment benutzend, ehe die Wellen zurücklaufen, retten sie
sich dann fast stets.
Am 28. Februar erreichten wir Cape Palmas, das durch den Tod unseres
ehemaligen deutschen Konsuls in Westafrika, des wohlbekannten
Erforschers des Sudan-Gebietes, Dr. +Gustav Nachtigal+, eine traurige
Berühmtheit erlangt hat. Der Ort ist nicht so bedeutend wie Monrovia,
steht jenem aber nicht weit nach. Der Handel liegt fast ausschließlich
in deutschen Händen, wie überhaupt die Republik Liberia vornehmlich
ihre Güter aus Deutschland bezieht.
Von nun an erreichten wir täglich einen neuen Hafen, vor denen wir
jedoch uns meist zu kurze Zeit aufhielten, um das Land besuchen zu
können. So konnten wir am 2. März das englische Fort Cape-Coast-Castle,
von dem aus vor wenigen Jahren die Expedition gegen die Ashantis nach
Kumassi abgegangen war, leider nur vom Schiffe aus bewundern. Auf der
Weiterfahrt blieben wir nun immer mehr oder minder in Sicht der Küste.
Die Orte Salt-Pond, Appun und Winnebah konnten wir deutlich vom Dampfer
aus erkennen. Unterdessen verließen uns immer mehr Passagiere. Als wir
am 2. März am Nachmittage in Accra ankamen, hatten wir bereits dem
fünften Herrn Lebewohl zu sagen. Auch er sollte weiter ins Innere der
englischen Gold-Coast-Kolonie hinein, um mit den Eingeborenen Handel
zu treiben. In Ada, einer kleineren Handelsniederlassung in der Nähe
der Volta-Mündung, trafen wir mit Tagesanbruch am 3. März ein, aber
nur um Passagiere abzusetzen, es ging daher sofort nach Quitta weiter,
wo wir um 10½ Uhr eintrafen. Zu allgemeinem Bedauern verließ uns
hier Herr +Oloff+, ein Bremer Kaufmann, der hier in Westafrika seine
Handelsniederlassungen inspizieren wollte. Noch um 2 Uhr desselben
Tages langten wir vor Lome, der Hauptstadt unseres Schutzgebietes Togo,
an; da wir für diesen Ort eine größere Menge Ladung hatten, so hätte
manch einer gern einmal wieder auf deutschem Boden gelustwandelt,
doch war die Brandung eine derartige, daß nur diejenigen Herren an
Land gingen, welche dazu gezwungen waren. Wiederholt wurden einige
unserer Brandungsboote umgeworfen. Da auch am nächsten Tage die
Brandungsverhältnisse nicht günstiger zum Löschen der Ladung waren,
so kam es, daß wir erst gegen 5 Uhr wieder die Anker lichten konnten.
Unser Kurs lief nicht allzufern von der Küste, so daß wir auch noch vom
Schiffe aus Klein-Popo und Bagida gut sehen konnten. Ich war natürlich
in froher Stimmung, denn am nächsten Morgen sollten wir ja in Lagos
eintreffen.
Früh war ich schon am Morgen des 5. März an Deck. Wir waren eben
auf der Rhede von Lagos angekommen. Zusammen mit uns lagen noch 5
andere Dampfer hier, von denen zwei, der „Ogun“ und der „Teck“, die
sogenannten Barrendampfer der Woermann-Linie waren. Diese Dampfer
übernehmen auf der See, außerhalb der Barre, welche vor dem Ausflusse
der Lagos-Lagune liegt, die Ladung der großen Passagier- und
Frachtdampfer und bringen dieselbe dann bei Hochwasser über die Barre
hinweg nach Lagos hinein. Daß diese Fahrten nicht immer glücklich
ablaufen, beweisen die gestrandeten Dampfer, welche auf der Barre vor
Lagos liegen.
Erst gegen Abend bot sich mir Gelegenheit dar, mit dem „Ogun“ nach
Lagos hineinzufahren. Die Fahrt über die Barre verlief glücklich, bald
langten wir an der Signalstation an und fuhren nun den Lagunenarm
hinauf, worauf wir in kurzer Zeit die Stadt Lagos erblicken konnten.
Gegen 7 Uhr landete ich zusammen mit Herrn +Fritsch+, dem Vertreter der
Firma +Geyser & Co.+, welcher auch auf dem „Ogun“ angekommen war und
mir in freundlichster Weise Aufnahme in seinem Hause angeboten hatte.
Da hier für Europäer kein Hotel existierte, machte ich gern von seiner
Liebenswürdigkeit Gebrauch und erhielt ein vorzügliches Unterkommen.
Gerade ihm habe ich es auch zum großen Teile zu verdanken, daß ich
schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit ins Innere aufbrechen konnte.
Am nächsten Tage machte ich mich zunächst auf den Weg zum
stellvertretenden deutschen Konsul Herrn +Meier+, der zugleich
Vertreter der Firma +Witt & Busch+ war, an welche ich ein
Empfehlungsschreiben erhalten hatte. Am Nachmittage hatte mein
liebenswürdiger Wirt mir angeboten, mir den Botanischen Garten zu
zeigen. Derselbe liegt auf der Nordseite der Lagos-Lagune hinter
der „Iddo-Insel“ bei Ebute-Meta. In dem Garten war nichts von
besonderem Interesse zu sehen. Einige Ficus elastica und eine Anzahl
abgestorbener Manihot Glaziovii-Stämme waren außer sehr kleinen
Kickxiasämlingen die einzigen vorhandenen Kautschukpflanzen. Da kein
Europäer dem Garten vorstand, war es nicht zu verwundern, daß derselbe
einen recht verwahrlosten Eindruck machte. Nicht einmal Näheres
konnte ich erfahren, wo die Kickxia-Sämlinge herstammten. Dass es
Kautschukpflanzen waren, davon hatte keiner der anwesenden Neger auch
nur die geringste Ahnung.
Die nächsten Tage meines Aufenthaltes gebrauchte ich nun dazu,
Erkundigungen über das Hinterland einzuziehen. Herr +Fritsch+ war
selbst einmal bis Ife im Yoruba-Lande gewesen und konnte mir daher
viel über Land und Leute berichten. Bereitwilligst stellte er mir
auch seine Reisenotizen zur Verfügung. Sehr schwierig schien anfangs
die Trägerfrage zu sein. Die Lagos-Leute wollten nicht gern fort oder
wenigstens nicht in Begleitung eines Europäers. Doch auch hier kam
bald Rat. Dr. +Randle+, ein eingeborener Arzt, welcher in England
studiert hatte und hier auch bei den Europäern einen sehr guten Ruf
als Arzt besitzt, erbot sich, mir einen geeigneten „Headman“ zu
schicken. Diese „Headmen“ sind Eingeborene, welche eine Anzahl von
Leuten um sich sammeln, die dann unter ihrer Leitung Arbeiten irgend
welcher Art verrichten. Es scheint selten vorzukommen, daß sich einer
dieser Eingeborenen gegen seinen Headman auflehnt, solange der letztere
einigermaßen versteht, sich Respekt zu erhalten. Seinem Versprechen
gemäß schickte Dr. +Randle+ mir auch sehr bald einen Mann, der
behauptete, genügend Leute beschaffen zu können. Derselbe beanspruchte
für sich zwar ein sehr hohes Gehalt, doch wurden wir nach längeren
Unterhandlungen schließlich darin einig, daß er pro Tag 3 sh.; die
Träger je 1 sh. erhalten sollten, dagegen Essen sich selbst besorgen
mußten. Ich packte nun meine Sachen zu Trägerlasten um, um zu sehen,
wie vieler Träger ich bedurfte. Am 12. März erschien der „Headman“
mit den gewünschten Leuten, so stand also meinem Aufbruche ins Innere
nichts mehr im Wege.
Am Morgen des 13. März fehlten natürlich wieder einige Träger; ich
hatte dies aber schon vorausgesehen und deshalb die Leute bereits vor 6
Uhr antreten lassen. Als nach geraumer Zeit die fehlenden Leute endlich
erschienen, wurde das Gepäck auf die „Daddy“, die Barkasse der Firma
+Geyser & Co.+, verladen, welche Herr +Fritsch+ mit der ihm eigenen
Liebenswürdigkeit mir zu dem Zwecke zur Verfügung gestellt hatte. Um
8 Uhr war alles bereit zur Abfahrt. Herr +Fritsch+ begleitete mich
bis zum Landungsplatze bei Ikorodu. Die Fahrt über die Lagune ging
glücklich von statten, es war zwar sehr heiß auf dem spiegelglatten
Wasser, doch lief das kleine Fahrzeug vorzüglich, so daß wir um 11
Uhr schon vor dem Landungsplatze von Ikorodu eintrafen. Da wir in
ziemlicher Entfernung von dem Strande liegen bleiben mußten, und die
Ladung in kleinen Canoes hinüberzuschaffen war, wurde es doch 12 Uhr,
ehe alles Gepäck an Land war. Sogleich ließ ich die Lasten verteilen
und jedem Träger die Verantwortlichkeit für die von ihm getragenen
Gegenstände ans Herz legen. Wie ich es schon bei früheren Expeditionen
zur Genüge kennen gelernt hatte, glaubte natürlich ein jeder, daß seine
Last für ihn zu schwer sei, und es kam Klage an Klage; stillschweigend
hörte ich dies anfänglich an, dann warnte ich die Leute, und als
dann noch einige murrten, ließ ich für diese die schwersten Lasten
heraussuchen. Das half, keiner beschwerte sich jetzt mehr. Um 12½
Uhr gab ich den Befehl zum Aufbruch, und nach einem letzten Gruß zur
„Daddy“ hinüber ging es hinein in die Wildnis.
Der Ort, an dem wir gelandet waren, ist ungefähr 1½ Stunden von der
Ortschaft Ikorodu entfernt und wird als Marktplatz verwendet. Bei
dieser Gelegenheit sollen dann daselbst häufig über 100000 Eingeborene
zusammenkommen. Der in gutem Zustande gehaltene Weg von dem Marktplatze
nach der Ortschaft Ikorodu führte durch Urwaldgebiet, welches durch
kleinere, von den Eingeborenen unter Kultur gesetzte Lichtungen
unterbrochen wurde. Ölpalmen sah man allenthalben. Dieselben werden
von den Eingeborenen sehr geschont, da sie den hauptsächlichsten
Handelsartikel liefern. Noch bevor wir Ikorodu erreichten, sah ich
vereinzelte Exemplare von Landolphia Heudelotii, welche aber noch zu
schwach waren, um Kautschuk liefern zu können. Ikorodu ist ein recht
stattliches Dorf, das einige hundert Häuser besitzt; kurz vor dem Dorfe
liegt das Haus des englischen Residenten für das Djibu-Land, welcher
zufällig auf Reisen war, als ich das Dorf passierte. In Ikorodu gab ich
meinen Leuten eine Viertelstunde Zeit, um sich Essen zu kaufen, denn
bis dahin hatten sie noch keine Gelegenheit dazu gehabt. Um unseren
Lagerplatz entwickelte sich nun bald ein reges Leben, alte Weiber
brachten alle möglichen Eßwaren herbei, am meisten begehrt war ein
dicker Bohnenbrei, welcher mit einer Miesmuschelschale abgemessen und
pro Portion für 5 Kauris verkauft wurde. Wenn man dabei bedenkt, daß
der Preis der Kauris ein sehr niedriger war, d. h. 4000 Stück für 1
Shilling galten, so ist es erklärlich, wie billig die Eingeborenen hier
leben. Eine der Hauptnahrungen der Eingeborenen ist eine aus Maniot und
aus Yams hergestellte Masse, welche fast glasig aussieht. Dieselbe wird
in Marantaceenblätter eingewickelt und in dieser Weise auf den Märkten
feilgeboten. Um 2½ Uhr waren wir trotz der drückenden Hitze wieder auf
dem Marsche. Da der Weg sehr breit ausgeschlagen war, kam uns nicht
einmal der Urwaldschatten zu gute. Das Terrain war ziemlich eben. Gegen
5½ Uhr erreichten wir einige Schutzhütten, welche von Marktweibern
längs des Weges hier sowohl wie im Yoruba- und Ekba-Lande häufig
aufgestellt werden. Ich ließ hier das Lager aufschlagen. Da meine
Leute noch nicht mit dem Aufstellen des Zeltes vertraut waren, dauerte
es ziemlich lange, ehe alles fertig war, obgleich ich alle hatte
antreten lassen. Das Essen war unterdessen auch schon hergestellt, und
befriedigt konnte ich mich etwas ausruhen. Bis in die Nacht hinein
saßen die Leute noch am Feuer umher, ersichtlich ihre Meinungen über
den neuen Weißen austauschend, von dem sie nicht verstehen konnten,
weshalb er sich offenbar zwecklos ins Innere ihres Landes begeben wolle.
[Illustration: +Landolphia Heudelotii+ DC.
A Zweig, B Blüte, C Längsschnitt durch dieselbe, D Längsschnitt durch
den Fruchtknoten, E Griffelkopf, F Anthere von vorn, G dieselbe von der
Seite.]
Um 4½ Uhr ließ ich am nächsten Morgen schon die Leute antreten. Das
Zusammenpacken der Lasten und Abbrechen des Zeltes ging bei den noch
ungeschulten Leuten nur langsam vor sich, so daß erst um 5½ alles
zum Aufbruch fertig war. Ich setzte nun meinem Headman auseinander,
weshalb ich gekommen sei, und versprach demjenigen, welcher mir den
ersten Ire-Baum (Kickxia elastica) zeigen würde, eine Belohnung.
Das Terrain war dicht bewaldet. Schon nach kurzem Marsche sahen wir
verschiedene abgestorbene Kickxiastämme, welche an der von Schnitten
nach allen Richtungen verletzten Rinde unschwer zu erkennen waren,
von lebenden Bäumen war jedoch noch nichts zu sehen. Die Eingeborenen
versicherten mir, daß früher viel Kickxia hier vorhanden gewesen sei,
daß aber die Fantis in kurzer Zeit das Land in einer solchen Weise
ausgeräubert hätten, daß man selten lebende Bäume zu Gesicht bekomme.
Gegen 8 Uhr erreichten wir einen kleinen Weiler, welcher kaum ein
Dutzend Hütten zählte. Die Eingeborenen nannten ihn Ihraye. Da hier
auffallend viele Kolabäume im Walde standen, gab ich den Leuten Zeit,
sich bei den unter Schutzhütten sitzenden Weibern Nahrungsmittel zu
kaufen, welche hier vorzugsweise aus Bananen bestanden. Die Kolanüsse
waren den Leuten offenbar zu teuer; sie wurden für ungefähr 5 Pf.
angeboten. Es wäre mir interessant gewesen, zu erfahren, ob die
Kolastämme hier wirklich wild wuchsen oder ob sie angepflanzt waren,
doch verweigerten die Leute jede Auskunft darüber. Da ich den Baum
auch sonst am Wege noch beobachtete, möchte ich das Erstere vermuthen,
hier bei Ihraye war er aber in solchen Mengen vorhanden, daß man fast
annehmen mußte, es handle sich um eine Kultur.
Auf dem Weitermarsche nach Ishagamo war der Weg insofern
beschwerlicher, als das Terrain hügelig war, zudem brannte die
Sonne sehr stark. Kurz vor dem Dorfe erreichten wir das Ende des
breit geschlagenen Weges. Auf einem von Eingeborenen einigermaßen
gut gehaltenen Urwaldwege ging es weiter, bis wir Ishagamo um 5
Uhr erreichten. Hier war eine kleine Truppe von Polizeisoldaten
einquartiert. Ein englischer Missionar erschien kurz nach meinem
Eintreffen auf dem Lagerplatze; als er sah, daß ich mein Zelt
aufschlagen ließ, machte er mich auf ein Logierhaus aufmerksam, das von
der Regierung für Durchreisende hier erbaut ist. Es war dies eine mir
sehr willkommene Nachricht, da ich mich nach den ungewohnten langen
Märschen nicht recht wohl fühlte. Ich siedelte natürlich nun in das
geräumige, reingehaltene Gebäude über. Auf den Plätzen des Dorfes
bemerkte ich hier eine großblättrige Ficusart, welche nach einigen
Versuchen sich zu meiner großen Freude als gummiliefernd entpuppte.
Wie alle Ficusarten heißt sie hier im Lande Abbá. Ich ließ von meinen
Leuten Latex des Baumes sammeln, welche äußerst reichlich floß. Da
sich die Pflanze sehr leicht vermehren läßt und schöne große Blätter
besitzt, würde sie sich in trockneren Gegenden an sonnigen Straßen
als Schattenbaum sehr empfehlen. Der gewonnene Kautschuk war von
geringerer Qualität und würde wohl auf 3 Mk. pro Kilo taxiert werden
können, doch ist bei der reichlichen Saftproduktion der Pflanze ein
rentables Ausbeuten des Kautschuks selbst bei dem niedrigen Preise sehr
wahrscheinlich. Ich glaube, daß ein solcher Ficusstamm jährlich gegen
10 Pfund Kautschuk liefern würde.
[Illustration: +Ficus Vogelii Miq.+?.
A Zweig, B Feige, C Längsschnitt durch dieselbe, D männliche Blüte, E
weibliche Blüte, F Fruchtknoten mit Griffel.]
Den Abend in Ishagamo verbrachte ich in angenehmer Unterhaltung in
Gesellschaft des liebenswürdigen englischen Missionars.
Gegen 6 Uhr am folgenden Morgen war unsere Karawane wieder auf dem
Marsche. Der Weg führte kurz hinter dem Dorfe über einen kleinen,
fast ausgetrockneten Bach. Da wir nun auf schattigen, meist breit
ausgetretenen Waldwegen marschierten, empfanden wir die Hitze nicht
mehr so wie an den beiden vorhergehenden Tagen. Allenthalben sah man
im Walde die abgestorbenen Ire-Stämme und am Wege hin und wieder auch
einige Kolabäumchen. Als wir um 7½ Uhr in Iperu anlangten, ließ ich
Rast zum Frühstück machen. Hier war der ganze Ort von furchtbarem Lärm
erfüllt, da ein alter Mann gestorben war. Unglücklicherweise war der
einzige schattige Lagerplatz im Dorfe in der Nähe der Behausung des
Toten, wir hatten daher das Geheul aus nächster Nähe anzuhören. Die
Weiber schienen sich im Geheule abzulösen, eine Kolonne kam nach der
andern im Gänsemarsch vorüber gezogen, fortwährend wurde geschossen.
Das ganze Dorf schien an der Trauerfeierlichkeit beteiligt zu sein. Um
unseren Lagerplatz sammelte sich bald wieder eine Menge Neugieriger,
war ich den Leuten doch eine äußerst interessante Persönlichkeit, denn
erstens hatten sie fast noch nie erlebt, daß ein Weißer, der ja doch
sicher viel Geld haben mußte, den ganzen Weg mit seinen Leuten zusammen
marschiert, statt sich in einer Hängematte tragen zu lassen, daß dieser
Weiße aber noch Pflanzen sammelte und trocknete, offenbar um „Fetisch“
daraus zu machen, war noch nicht vorher vorgekommen. Es ist natürlich
erklärlich, daß ich bei diesen Leuten, welche so gänzlich an ihrem
Fetischglauben hängen, mit einer geheimen Furcht beobachtet wurde.
Das Fetischtum steht gerade in diesen Ländern, südlich vom Niger,
noch in höchster Blüte. Fast an jedem Wege, der nach einer Farmstätte
führt, auf Feldern, in jedem Hause, an vielen Bäumen sind Fetische
anzutreffen, sei es einfach in Form eines verzauberten Blattbüschels,
oder als Erdklumpen mit Kauris geschmückt, oder als rohe Lehmfiguren,
die Nachbildungen menschlicher Körper darstellen. Nicht selten stößt
man außerhalb der Dörfer auf Gefäße an den Wegen, welche Palmenöl,
Kauris oder andere Kostbarkeiten enthalten; dies sind Opfer, welche
den Fetischen dargebracht werden, nie wird ein Neger wagen, etwas davon
zu stehlen. Selbst die sogenannten „getauften und civilisierten“ Neger
besitzen doch noch immer eine derartige Scheu vor dem Fetisch, daß sie
sich wohl hüten, durch Zerstören der Fetischabzeichen oder Opfergaben
den Zorn desselben zu erregen. Sicheres über die Arten der Verehrung
des Fetisch sowie über den Charakter derselben zu erfahren, ist äußerst
schwierig, das Volk wird durch die allmächtigen und gefürchteten
Fetischpriester durch Grausamkeiten derartig eingeschüchtert, daß es
selten jemand wagt, sein Wissen dem Weißen zu verraten.
Während wir in Iperu waren, wurden Unmengen von Palmenwein
hereingebracht. Die meisten Calebassen wanderten in das Haus des Toten;
denn keine Festlichkeit darf ohne Genießen von Palmenwein vor sich
gehen. Dabei betrinkt sich die ganze Gesellschaft derartig, daß es
nicht selten zu grauenhaften Ausschreitungen kommt. Der Wein wird hier
ausnahmslos von der Ölpalme gewonnen.
Iperu verließen wir gegen 2 Uhr am Nachmittage. Während des Marsches
durch den dichten Wald trafen wir Tausende von Menschen, welche,
aus dem Innern kommend, nach dem Ikorodu-Markt wanderten, um
Landeserzeugnisse zu verkaufen und dafür mit europäischen Waren nach
Hause zurückzukehren. Die Karawanen, welche dicht hintereinander
folgten, bildeten einen langen Zug, der kaum zu Ende war, als wir unser
Abendquartier erreichten. Hier konnte man sehen, wie dicht bevölkert
diese Gebiete sind. Hinter Iperu hatten wir das Djibu-Land verlassen
und befanden uns nun im Yoruba-Lande. Das erste Dorf, welches wir am
Nachmittage um 4 Uhr erreichten, wurde von meinen Leuten Odi genannt.
Die Bauart der Hütten unterschied sich hier keineswegs von der im
Djibu-Lande üblichen. Hier wie dort waren die Dächer der in mehrere
Räume geteilten, langen, viereckigen Häuser mit Gras gedeckt. Einige
Häuser waren sogar weißlich angetüncht. Die Straßen, wenn man überhaupt
von solchen reden kann, schlängeln sich zwischen den Häusern dahin.
Da der Boden hier in Odi sehr thonig war, waren sie bei der hügeligen
Umgebung vom Regen ganz tief ausgewaschen. Dicht hinter Odi hatten
wir über ein hügeliges, hauptsächlich mit Busch bewachsenes Terrain
zu marschieren. Da die Sonne stark brannte, ermüdeten die Träger mit
ihren zum Teil recht schweren Lasten zusehends, so daß wir nur langsam
vorwärts kommen konnten. Kurz nach 5 Uhr erreichten wir endlich Ishara,
ein Dorf, welches ich als Nachtquartier in Aussicht genommen hatte.
Ishara ist kleiner und viel unbedeutender als Ishagamo. Es ist mit
seinen für Yoruba-Verhältnisse recht weit voneinander stehenden Häusern
auf einem Hügel erbaut. Die Wege waren auch hier wieder vom Regen tief
ausgewaschen, ja an einigen Stellen so tief, daß man zwischen den
Häusern vermuten konnte, man befände sich in einem Festungsgraben.
Auf der Spitze des Ishara-Hügels befindet sich eine Außenstation der
englischen Mission in Ishagamo, welcher ein farbiger Lehrer vorsteht.
In der Nähe des Schulhauses ließ ich das Lager aufschlagen. Da der
Boden von kleinen Steinen durchsetzt war, war es keine Kleinigkeit, die
Zeltpflöcke zu befestigen. Für meine Leute erwirkte ich von dem Lehrer
die Erlaubnis, während der Nacht im Schulhause zu schlafen.
[Illustration: Fetischmasken, Schuhe, Fächer und Lanzen aus dem
Yoruba-Lande.]
Da sich gegen Morgen am 16. März ein ziemlich heftiger Sturm erhob,
wachte ich schon früh auf. Das Zusammenpacken der Lasten sowie
Abbrechen des Zeltes ging jetzt schon recht schnell bei den nun etwas
geübten Leuten. Noch vor 5½ Uhr ließ ich aufbrechen. Der heutige
Vormittagsmarsch brachte mir insofern eine große Genugthuung, als
wir die ersten lebenden Kickxiastämme fanden, wenngleich dieselben
auch angeschnitten waren. Da ich von unten Blüten entdecken konnte,
schickte ich einen meiner Leute auf den Baum hinauf. Aber o weh! Kaum
war derselbe über die erste Hälfte des Stammes hinaus emporgeklettert,
da wurde er derartig von einer großen roten Ameisenart überfallen, daß
er schleunigst zurückkehrte, natürlich war nun erst nach Angebot eines
Geschenkes ein anderer bereit, einige Zweige für mich herunterzuholen.
Ich versuchte die Bäumchen anzuzapfen, erhielt aber nur sehr wenig
Milch, immerhin aber genug, um mich zu überzeugen, daß sie einen
vorzüglichen Kautschuk lieferten. Der Boden des Waldes, in dem ich
hier die Kickxia antraf, bestand aus verwittertem Glimmerschiefer. Auf
dem Weitermarsche erreichten wir gegen 7½ Uhr ein kleines Dorf, Ascha.
Dasselbe zeichnete sich durch Schmutz und drückende Hitze aus. Da nach
Angaben der dortigen Einwohner die nächste Ortschaft sehr weit entfernt
sein sollte, ließ ich, obgleich ungern, hier Halt machen. Während meine
Leute sich ausruhten, machte ich eine kleine Exkursion, um so doch
wenigstens im Walde im Schatten zu sein, den ich um so mehr wünschte,
als sich große Mengen von Fliegen an unserem Lagerplatze einstellten.
Nachdem wir gefrühstückt hatten, nahmen wir den Marsch wieder auf. Auch
meine Träger waren froh, diesem von Fliegen und anderem Ungeziefer
wimmelnden Schmutzhaufen den Rücken kehren zu können. Der Wald wurde
nun immer interessanter und schöner. Während des Nachmittages entdeckte
ich die ersten fruchttragenden Kickxien. Teils durch Belohnung, teils
durch Drohung gelang es mir, einige meiner Leute zu bewegen, trotz
der Ameisen Früchte herunterzuholen. Sehr gern hätte ich hier für
einige Zeit ein Lager aufgeschlagen, doch war dieses unmöglich, da
kein Wasser in der Nähe vorhanden war. Gegen 6 Uhr abends erreichten
wir endlich eine Wasserstelle in der Nähe des kleinen Dorfes Omi. Fast
wäre es dabei noch zu argen Zwistigkeiten zwischen meinen Trägern und
den Omi-Leuten gekommen, da diese ihnen nicht gestatten wollten, von
ihrem Wasser zu schöpfen. Wir schlugen unser Lager unter einer riesigen
Alstonia auf, einem Baume, welcher auch häufig als kautschukliefernd
aufgeführt wird. Durch verschiedene Experimente, welche ich noch am
Abend vornahm, konnte ich mich davon überzeugen, daß die aus der Latex
des Baumes gewonnene Masse kein Kautschuk und auch nicht als solcher zu
verwenden sei.
Schon während des Tages hatten sich einige Träger gemeldet, welche über
kranke Füße klagten, während andere behaupteten, ihre Lasten seien zu
schwer. Am Abend ließ ich dieselben wieder vortreten. Ich überzeugte
mich dann, daß zwei derselben wirklich durchgelaufene Füße hatten,
während die anderen sich nur das Leben etwas leichter hatten machen
wollen. Um sogleich ein Exempel zu statuieren, ließ ich den letzteren
die schwersten Lasten für die nächsten Tage anweisen, die Kranken
erhielten dagegen die leichtesten. Seit dieser Zeit kam es selten
vor, daß sich jemand über seine Last beschwerte, es sei denn, daß er
wirklich krank war.
Am 17. März ließ ich die Leute um 5½ Uhr antreten. Da ich hoffte, noch
heute Ibadan, die bedeutendste Stadt des Yoruba-Landes, zu erreichen,
hatten wir lange Märsche zu machen. Am Vormittage sahen wir viele
Kickxiastämme, von denen jedoch der größte Teil durch übermäßiges
Anzapfen getötet war. Ich zählte nicht weniger als 238 in dieser Weise
zu Grunde gerichtete Bäume. Wenn man nun sieht, was die Eingeborenen
in diesen Gebieten noch an Wald niederbrennen, um ihre Farmen
anzulegen, so wird die Zahl der dem Verderben geweihten Kickxiastämme
noch bedeutend vergrößert. Es war auch gerade an jenem Tage, daß
mir besonders in die Augen fiel, wieviel Wald die Eingeborenen
niedergeschlagen und abgebrannt hatten, um einige Bananen und Maniok zu
pflanzen.
In Fawi, einem kleinen Dorfe, welches wir gegen 10 Uhr erreichten,
ließ ich eine kurze Rast machen. Bald darauf traten wir aus dem Walde
heraus. Über hügeliges Terrain, zwischen niedrigem Gebüsch, unter
brennender Hitze marschierten wir nun auf einem recht schlechten Wege
weiter, bis wir kurz vor Odi eine schöne breite Straße erreichten,
welche nach Djib-Ode, der Hauptstadt des Djib-Landes, führen soll.
Als wir kurz darauf in Odi, einem Marktflecken südlich von Ibadan,
eintrafen, ließ ich wieder eine kurze Rast machen, da sich hier auf dem
sehr regen Markte für meine Leute Gelegenheit bot, Nahrungsmittel zu
kaufen.
Man konnte hier ein äußerst interessantes, reges Leben bewundern.
Sudan-Sklaven, aus weit entfernten Gegenden, feilschten und handelten
mit den Haussa-Leuten um die Wette. Sogar die Fullah fehlten nicht, von
denen sich besonders die Frauen durch schönen Körperbau und regelmäßige
Gesichtszüge auszeichneten. Es war ein so reger Verkehr hier, wie
ich ihn bis dahin noch nie in Afrika unter den Eingeborenen gesehen
hatte. Auffallend war, daß alles einen äußerst geregelten Gang zu
gehen schien, wirklich ernsten Streit beobachtete ich nicht, trotz des
furchtbaren Lärmes, der über den Marktplatz wogte. Meine Leute hatten
sich bald mit dem nötigen Proviant versehen, so daß wir gegen 3 Uhr
nach Ibadan zu weiter marschieren konnten.
Das Land, welches sich vor uns ausbreitete, bestand aus Hügeln, die mit
kurzer Gras- oder Strauchvegetation bedeckt waren. Längs der Thäler
und der Wasserläufe hatten sich kleine Galleriewälder gebildet,
die sich durch äußerst üppige Vegetation auszeichneten. Die Straße
nach Ibadan war in vorzüglichem Zustande. Sie wimmelte geradezu von
Menschen, welche teils von Ibadan kamen, teils dorthin gingen. Da wir
nun nicht mehr durch den Wald geschützt waren, machte sich bald eine
äußerst angenehme Brise bemerkbar. Selbst die ermüdeten Träger bekamen
neuen Mut, und frischer als zuvor ging es auf unser nächstes Ziel los.
Als wir eben über einen Hügelrücken marschierten, machte mich mein
Headman auf einen merkwürdigen Anblick aufmerksam. Direkt vor uns,
sich über mehrere Hügel erstreckend, war ein immenser grauer Fleck zu
sehen. Anfangs glaubte ich thatsächlich, es hier mit vegetationslosen
Felsenhügeln zu thun zu haben; mein Headman aber belehrte mich eines
Besseren: es war die Stadt Ibadan.
Bevor wir die Thore der Stadt erreichten, hatten wir noch ein kleines
Flüßchen zu überschreiten, in welchem sich meine Leute schleunigst
zum Bade gestürzt hatten, um möglich rein in die große Stadt
einzuziehen. Ich ließ die Karawane hier sich noch einmal sammeln, um
dann geschlossen zur Stadt zu marschieren. Gegen 4½ Uhr erreichten wir
das erste Thor. Es war viereckig gebaut, ähnlich wie die Häuser der
Yoruba, aber bedeutend höher. Die Mauer, welche um die Stadt führt, ist
niedriger und stellenweise wie in allen Städten des Landes vollständig
verfallen. Einen Schutz für etwaige feindliche Angriffe würde sie
also nicht gewähren. Unter den Thoren sitzen die Zöllner, welche von
jedem kommenden Neger ein kleines Kopfgeld erhalten, sofern er nicht
zur Stadt gehört oder in Begleitung eines Weißen ist. Aus letzterem
Grunde hatte sich vor der Stadt meiner Karawane eine Anzahl von Leuten
angeschlossen, welche sich so das Kopfgeld zu ersparen hofften. Kaum
waren wir innerhalb der Stadt, als einer meiner Leute zusammenbrach.
Wohl oder übel mußte ich halten lassen und seine Last auf die übrigen
verteilen. Den Mann ließ ich zurück und befahl ihm, sobald als möglich
nach meinem Lager auf der anderen Seite der Stadt nachzukommen.
Die Häuser standen, mit Ausnahme der an felsigen Orten gebauten,
dicht zusammen. Es schien mir kaum glaublich, als ich sah, eine wie
große Menschenmenge hier zusammengepfercht wohnt. Außerdem dieses
interessante rege Leben, die Webereien und Färbereien, man mochte fast
glauben zu träumen. Wir gebrauchten nicht weniger als ¾ Stunde, bis
wir das andere Thor erreichten. Über zwei große Marktplätze zogen wir,
auf denen sich ein mir ganz fremdes Bild von Verkehr und Regsamkeit
entrollte. Es wurden da die verschiedensten Gegenstände feilgeboten.
Von gedörrten Hunden und Eidechsen bis zum Zwirnfaden, alles war
zu finden. Selbst europäische Stoffe und andere Artikel desselben
Ursprunges waren reichlich vertreten. Lebensmittel spielten natürlich
eine große Rolle, ebenso Töpferwaren. Auch schön geschnitzte, aus
Kürbissen angefertigte Schalen waren zu einem äußerst billigen Preise
zu erstehen. Die Haussa boten schöne Lederarbeiten dar, besonders
Geldtäschchen, Sandalen, Schuhe, Fächer aus Rinderfell hergestellt,
Scheiden für Schwerter und Messer, ja sogar Sättel. Perlen wurden
von Fullah- und Yoruba-Weibern verkauft, die eben von der Küste
zurückgekehrt waren. Dazu der Lärm der handelnden Eingeborenen und
der uns begleitenden schwarzen Jugend der Stadt, es war zum Betäuben.
Die Marktplätze waren mit Abá- (Ficus-) Bäumen bepflanzt, unter
deren Schatten es stets angenehm kühl ist. Diese Ficusbäume werden
ganz allgemein in diesen Gegenden auf freien Plätzen in den Dörfern
angepflanzt. Häufig sind sie die einzigen Bäume, welche in den Dörfern
vorhanden sind. Unter ihrem Schatten versammeln sich die Männer zum
Plaudern, wenn sie nicht sonst durch Schlafen oder Arbeiten verhindert
sind. Unter ihnen werden die Ratsversammlungen abgehalten und wird vom
Häuptling Recht gesprochen.
Direkt außerhalb der Stadt trafen wir in dem hier von der englischen
Regierung hingestellten Haussa-Posten ein und erreichten gleich darauf
das Wohnhaus des englischen Residenten vom Yoruba-Lande. Ich wurde
hier von den anwesenden vier Europäern sehr herzlich aufgenommen. Mein
Lager schlug ich dicht neben der Wohnung der beiden hier stationierten
englischen Offiziere auf, um mich so behaglich einzurichten, als es
eben die Umstände erlaubten. Meine erschöpften Leute konnten eine Rast
von zwei Tagen sehr wohl gebrauchen; da außerdem in den Wäldern östlich
der Stadt Kickxia vorhanden sein sollte, glaubte ich am besten von hier
Leute zum Sammeln von Früchten ausschicken zu können.
Am nächsten Morgen ließ ich die Träger antreten und schickte die
Hälfte derselben fort zum Einsammeln von Kickxiafrüchten und -Milch.
Ich versprach den betreffenden Leuten eine Belohnung für jede 25
Früchte, denn das hatte ich eingesehen, daß ich ohne Belohnung
keine Kickxiafrucht erhalten würde, schon da die Eingeborenen eine
furchtbare Angst vor den sich auf den Kickxien aufhaltenden Ameisen
haben. Daß diese Furcht nicht unbegründet war, konnte ich an der Brust
eines meiner Träger sehen, welcher in der That von diesen Tieren arg
bearbeitet war.