hinausschaffen aus den Werkstätten, um übersehen zu können, was noch zu
tun ist in den nächsten Jahren. Aber während ich das viele Vollendete
zählte, die schimmernden Steine, die Bronzen, alle diese Büsten, da
blieb mein Blick hoch an dem _Balzac_ haften, dem Zurückgekommenen,
Abgewiesenen, der dastand, hochmütig, als wollte er nicht wieder
hinaus.
Und seither sehe ich die Tragik dieses Werkes auf dem Grunde seiner
Größe. Ich fühle deutlicher als je, daß in diesen Dingen die Skulptur
unaufhaltsam zu einer Macht angewachsen ist, wie niemals seit der
Antike. Aber diese Plastik ist in eine Zeit geboren worden, die keine
Dinge hat, keine Häuser, kein Äußeres. Denn das Innere, das diese Zeit
ausmacht, ist ohne Form, unfaßbar: es fließt.
Dieser hier mußte es fassen; er war ein Former in seinem Herzen. Er
hat alles das Vage, Sich-Verwandelnde, Werdende, das auch in ihm war,
ergriffen und eingeschlossen und hingestellt wie einen Gott; denn auch
die Verwandlung hat einen. Als ob einer ein dahinstürzendes Metall
aufhielte und es erstarren ließe in seinen Händen.
Vielleicht erklärt es einen Teil des Widerstandes, der sich diesem
Werke überall entgegenstemmte, daß hier Gewalt geschah. Das Genie
ist immer ein Schrecken für seine Zeit; aber indem hier eines die
unsere nicht nur im Geiste, sondern auch im Verwirklichen fortwährend
überholt, wirkt es furchtbar, wie ein Zeichen am Himmel.
Fast möchte man einsehen: diese Dinge können nirgends hin. Wer wagt es,
sie bei sich aufzunehmen?
Und gestehen sie nicht selbst ihre Tragik ein, die strahlenden, die
den Himmel an sich gerissen haben in ihrer Verlassenheit? Und die nun
dastehen, von keinem Gebäude mehr zu bändigen? Sie stehen im Räume. Was
gehen sie uns an.
Denken Sie, daß ein Berg aufstünde im Lager von Nomaden. Sie würden
ihn verlassen und weiterziehen um ihrer Herden willen.
Und wir sind ein Wandervolk, alle; nicht deshalb, weil keiner ein
Zuhause hat, bei dem er bleibt und an dem er baut, sondern weil wir
kein gemeinsames Haus mehr haben. Weil wir auch unser Großes immer mit
uns herumtragen müssen, statt es von Zeit zu Zeit hinzustellen, wo das
Große steht.
Und doch, wo immer Menschliches ganz groß wird, da verlangt es danach,
sein Gesicht zu verbergen im Schöße allgemeiner namenloser Größe.
Als es zuletzt noch einmal nach der Antike, in Standbildern anwuchs
aus Menschen heraus, die auch unterwegs waren in ihren Geistern und
voller Verwandlung,--wie stürzte es da nach den Kathedralen hin und
trat in die Vorhallen zurück und bestieg Tore und Türme wie bei einer
Überschwemmung.
Wohin aber sollten die Dinge Rodins?
Eugène Carrière hat einmal von ihm geschrieben: "Il n'a pas pu
collaborer à la cathédrale absente."
Er hat nirgends mitarbeiten können, und keiner hat mit ihm gearbeitet.
In den Häusern des achtzehnten Jahrhunderts und seinen gesetzvollen
Parken sah er wehmütig das letzte Gesicht der Innenwelt einer Zeit. Und
geduldig erkannte er in diesem Gesicht die Züge eines Zusammenhangs mit
der Natur, der seither verloren gegangen ist. Immer unbedingter wies er
auf sie hin und riet, zurückzukehren "à l'oeuvre même de Dieu, oeuvre
immortelle et redevenue inconnue." Und es galt schon denen, die nach
ihm kommen werden, wenn er vor der Landschaft sagte: "Voilà tous les
styles futurs."
Seine Dinge konnten nicht warten; sie mußten getan sein. Er hat ihre
Obdachlosigkeit lange vorausgesehen. Ihm blieb nur die Wahl, sie in
sich zu ersticken oder ihnen den Himmel zu gewinnen, der um die Berge
ist.
Und das war seine Arbeit.
In einem ungeheuren Bogen hat er seine Welt über uns hingehoben und hat
sie in die Natur gestellt.
ANMERKUNGEN
Anmerkung zu Seite 100. (Suche: "Von der Kindheit hat man nur erfahren,
daß der Knabe...--m.d.)
Die meisten und zuverlässigsten Angaben enthält: Judith Cladel,
"Auguste Rodin, pris sur la vie" (Paris 1903); neue, illustrierte
Prachtausgabe, Brüssel 1908, eine sorgfältige und sympathische
Arbeit, der aus persönlichen Eindrücken und Gesprächen ein liebevoll
geschriebenes Bildnis Rodins gelingt.
Anmerkung zu Seite 113. _(Tour du Travail.)_
Wiederholte Anfragen lassen mich vermuten, daß eine kurze Beschreibung
der _Tour du Travail_ nicht überflüssig erscheinen dürfte. Ich halte
mich an das erwähnte Gipsmodell, das im Musée Rodin in Meudon zu sehen
ist.
Auf einem viereckigen, ziemlich geräumigen Unterbau erhebt sich ein
runder Turm. Seine offenen Arkaden lassen einen Moment an den Pisaner
Campanile denken; aber die Bogen stehen hier nicht zu Stockwerken
geordnet übereinander; sie winden sich als spiraliges Band nach oben,
wo der Gürtel eines plastischen Gesimses sie zusammenhält. Den Abschluß
des Ganzen bildet eine Gruppe von zwei geflügelten Figuren, die auf der
vom Gesimse eingeschlossenen Plattform ruhen. Der Unterbau wird einen
fensterlosen viereckigen Saal enthalten, eine Art Krypta, aus deren
Wänden, in Basrelief, Darstellungen unterirdischer und unterseeischer
Arbeiten, Bergleute und Taucher, bei elektrischer Beleuchtung
hervortreten sollen. Vor dem etwas zurückliegenden Eingang zu diesem
Räume stehen zu beiden Seiten, das Untergeschoß überragend, die
Statuen des Tages und der Nacht, architektonisch in die Treppenanlage
eingefügt, die den Aufgang zur Terrasse des Unterbaus vermittelt. Von
da aus betritt man den Turm. Er besteht aus einer massigen Säule, an
welcher in sanftem Anstieg die Wendeltreppe entlangführt, die nach
außen von den Arkaden eingeschlossen ist. Durch diese fällt reichliches
Licht auf die gegenüberliegenden Reliefs, die, die Oberfläche der Säule
belebend, die Treppe auf ihrem ganzen Wege begleiten. Handwerk aus
Handwerk entrollt sich hier, Zimmerleute, Maurer, Schmiede--Gewerbe
aus Gewerbe, wie von einer einzigen riesigen Bewegung hingerissen
und hinauf. Das Band, das die Spirale an ihrem Ende schließlich
von außen zusammen-nimmt, trägt die Bilder des Tierkreises, die
wiederholen sollen, was schon die Statuen des Tages und der Nacht am
Fuße des Denkmals andeuten: daß alles das ununterbrochen am Werke ist
und im Steigen auf die Genien zu, die sich aus den Himmeln segnend
niederlassen, von der Fülle der wirkenden Kräfte wie von einem Anruf
angezogen. Unten am Turme sind noch zwei Steinreliefs wie Grabtafeln
eingemauert, die an Herakles und Hephaistos erinnern, die heroischen
Ahnherren menschlicher Arbeit.
Die anderen dargestellten Figuren tragen die Kleidung unserer Zeit; der
Stil des Bauwerks, im ganzen und im einzelnen (Arkaden, Türen usw.),
schließt sich an die Formen der französischen Renaissance an.
(1919.) Es wird nicht der Tod Rodins gewesen sein, der die Ausführung
dieses großen Projekts verhindert hat. Das Fehlen von Auftraggebern
und von gleichgerichteten Mitarbeitern war seiner Verwirklichung von
vornherein ungünstig. Dagegen scheint die Porte de l'Enfer, dieses
größte Gebirg seiner Schöpfung, das dem Meister jahrzehntelang als
Steinbruch von Ideen gedient hat, in einem neuen Aufbau letzter Hand
auf die Bronze zu warten. Das "Monument à Whistler" ist, wie man hört,
fertig für den Guß, der für das Pantheon bestimmte aufrechte Victor
Hugo harrt seiner Übertragung in den Marmor, und auch das Denkmal für
Puvis de Chavannes soll, unter Despiaus Mitarbeit, noch zum Abschluß
gekommen sein. Die lange Reihe der Porträts setzt sich in drei
bedeutenden Werken fort: der Büste Clemenceaus, die schon im Jahre 1913
begonnen worden war, dem Papstbildnis von 1915 und dem Porträt des
Handelsministers Clémentel, Rodins letzter Arbeit. Mit dem Tode Rodins
hat der Staat seine gewaltige Erbschaft angetreten: das schöne "Hôtel
de Biron" umfaßt, als "Musée Rodin", seinen gesamten künstlerischen
Nachlaß, einschließlich der reichen Sammlungen. Durch diese Einrichtung
ist auch dem fragmentarisch Zurückgebliebenen der Anschluß an das
überlebende Werk dauernd gesichert.
1. SARGENT: BILDNIS RODINS
2. DER MANN MIT DER GEBROCHENEN NASE
3. BÜSTE IN TERRACOTTA (nach dem Mann mit der gebrochenen
Nase für den Handel angefertigt)
4. DAS EHERNE ZEITALTER
5. DAS EHERNE ZEITALTER (Kopf)
6. JOHANNES DER TÄUFER
7. DIE BÜRGER VON CALAIS
8. DIE BÜRGER VON CALAIS
9. EINER DER BÜRGER v. CALAIS
10. EINER DER BÜRGER VON CALAIS
11. APOLLO (Sockel des Denkmals Sarmiento)
12. DER GENIUS DES KRIEGES (Défense nationale)
13. SOCKEL FÜR DAS DENKMAL FÜR CLAUDE LORRAIN (Nancy)
14. DENKMAL BASTIEN-LEPAGE
15. DENKMAL BASTIEN-LEPAGE
16. DER GEDANKE
17. DIE DANAIDE
18. DER KUSS
19. DER EWIGE FRÜHLING
20. DER EWIGE FRÜHLING
21. L'ÉTERNEL IDOLE
22. EVA
23. EVA
24. FUGIT AMOR
25. DIE KENTAURIN (Seele und Körper)
26. FAUNIN
27. GRUPPE MIT FAUN
28. FAUN UND FAUNIN
29. VERZWEIFLUNG
30. LA VIEILLE HÉAULMIÈRE
31. LA VIEILLE HÉAULMIÈRE
32. DER ABGRUND
33. DER VERLORENE SOHN
34. GRUPPE (Marmor)
35. BRUDER UND SCHWESTER
36. HAND
37. HAND
38. L'EMPRISE
39. DIE ERDE
40. DER DENKER (Ursprünglicher Platz innerhalb der Höllenpforte)
41. DER DENKER (Vor dem Pantheon)
42. DIE WEINENDE
43. ENTWURF EINES DENKMALS FÜR VICTOR HUGO
44. ENTWURF EINES DENKMALS FÜR VICTOR HUGO (Mit der inneren
Stimme und dem Genius des Ruhms)
45. ENTWURF EINES DENKMALS FÜR VICTOR HUGO MIT DEM GENIUS DES RUHMS
46. DIE INNERE STIMME (Fragment des Denkmals für Victor Hugo)
47. DER GENIUS DES RUHMS (Vom Denkmal für Victor Hugo)
48. PORTRÄT-BÜSTE
49. BÜSTE (Jean-Paul Laurens)
50. BÜSTE (Dalou)
51. BÜSTE (Madame Rodin)
52. BÜSTE (Madame R.) (Silber)
53. MASKE IN BRONZE
54. PORTRÄT-BÜSTE (Frau von Goloubeff)
55. BÜSTE (Gustave Geffroy)
56. GUSTAV MAHLER
57. BALZAC (Kopf)
58. BALZAC
59. BALZAC
60. BALZAC
61. AKTSTUDIE FÜR DEN BALZAC
62. DER TOD (DIE AUFERSTEHUNG) DES DICHTERS
63. GRABDENKMAL
64. DENKMAL WHISTLER
65. ENTWURF FÜR DEN TURM DER ARBEIT
66. GENIEN (Vom Turm der Arbeit)
67. SKIZZE (Gips)
68. DER AKROBAT
69--73. TORSO
74. SKIZZE (Gips)
75. KOPF EINES DER BÜRGER VON CALAIS (Gips)
76. DER SCHREITENDE
77. DER SCHREITENDE
78. ENTWURF FÜR EIN GRABDENKMAL
79. L'AIGLON
80. POMONA
81. LITHOGRAPHIE
82--96. HANDZEICHNUNGEN
Die Auswahl der Abbildungen ist in Gemeinschaft mit Rodin erfolgt. Die
Abbildungen 75, 78--80 sind dem Werke: Judith Cladel, Auguste Rodin,
G. van Oest _&_ Cie., Brüssel 1908, entnommen. Die Abbildungen 58,
81 und 89--93 entstammen dem Camera-Work, Heft 34 und 35, 1911; der
Verlag schuldet dem Herausgeber, Herrn Alfred Stieglitz, und Herrn
Eduard J. Steichen, von dem die photographische Aufnahme des Balzac
herrührt, aufrichtigen Dank. Die übrigen Abbildungen wurden nach
den Originalzeichnungen von Rodin und nach Photographien von J. E.
Bulloz, E. Druet und Giraudon, Paris, und solchen aus Rodins Besitz
wiedergegeben.
ABBILDUNGEN
1. SARGENT: BILDNIS RODINS
2. DER MANN MIT DER GEBROCHENEN NASE
3. BÜSTE IN TERRACOTTA (NACH DEM MANN MIT DER GEBROCHENEN NASE FÜR
DEN HANDEL ANGEFERTIGT)
4. DAS EHERNE ZEITALTER
5. DAS EHERNE ZEITALTER (KOPF)
6. JOHANNES DER TÄUFER
7. DIE BÜRGER VON CALAIS
8. DIE BÜRGER VON CALAIS
9. EINER DER BÜRGER VON CALAIS
10. EINER DER BÜRGER VON CALAIS
11. APOLLO (SOCKEL DES DENKMALS SARMIENTO)
12. DER GENIUS DES KRIEGES (DEFENSE NATIONALE)
13. SOCKEL FÜR DAS DENKMAL FÜR CLAUDE LORRAIN (NANCY)
14. DENKMAL BASTIEN-LEPAGE
15. DENKMAL BASTIEN-LEPAGE
16. DER GEDANKE
17. DIE DANAÏDE
18. DER KUSS
19. DER EWIGE FRÜHLING
20. DER EWIGE FRÜHLING
21. L'ÉTERNEL IDOLE
22. EVA
23. EVA
24. FUGIT AMOR
25. DIE KENTAURIN (SEELE UND KÖRPER)
26. FAUNIN
27. GRUPPE MIT FAUN
28. FAUN UND FAUNIN
29. VERZWEIFLUNG
30. LA VIEILLE HÉAULMIÈRE
31. LA VIEILLE HÉAULMIÈRE
32. DER ABGRUND
33. DER VERLORENE SOHN
34. GRUPPE (MARMOR)
35. BRUDER UND SCHWESTER
36. HAND
37. HAND
38. L'EMPRISE
39. DIE ERDE
40. DER DENKER (URSPRÜNGLICHER PLATZ INNERHALB DER HÖLLENPFORTE)
41. DER DENKER (VOR DEM PANTHEON)
42. DIE WEINENDE
43. ENTWURF EINES DENKMALS FÜR VICTOR HUGO
44. ENTWURF EINES DENKMALS FÜR VICTOR HUGO MIT DER
INNEREN STIMME UND DEM GENIUS DES RUHMS
45. ENTWURF EINES DENKMALS FÜR VICTOR HUGO MIT DEM GENIUS DES RUHMS
46. DIE INNERE STIMME (FRAGMENT DES DENKMALS FÜR VICTOR HUGO)
47. DER GENIUS DES RUHMS (VOM DENKMAL FÜR VICTOR HUGO)
48. PORTRÄT-BÜSTE
49. BÜSTE (JEAN-PAUL LAURENS)
50. BÜSTE (DALOU)
51. BÜSTE (MADAME RODIN)
52. BÜSTE (MADAME R.) (SILBER)
53. MASKE IN BRONZE
54. PORTRÄT-BÜSTE (FRAU VON GOLOUBEFF)
55. BÜSTE (GUSTAV GEFFROY) (BRONZE)
56. GUSTAV MAHLER
57. BALZAC (KOPF)
58. BALZAC
59. BALZAC
60. BALZAC
61. AKTSTUDIE FÜR DEN BALZAC
62. DER TOD (DIE AUFERSTEHUNG) DES DICHTERS
63. GRABDENKMAL
64. DENKMAL WHISTLER
65. ENTWURF FÜR DEN TURM DER ARBEIT
66. GENIEN (VOM TURM DER ARBEIT)
67. SKIZZE (GIPS)
68. DER AKROBAT
69. TORSO
70. TORSO
71. TORSO
72. TORSO
73. TORSO
74. SKIZZE (GIPS)
75. KOPF EINES DER BÜRGER VON CALAIS (GIPS)
76. DER SCHREITENDE
77. DER SCHREITENDE
78. ENTWURF FÜR EIN GRABDENKMAL
79. L'AIGLON
80. POMONA
81. LITHOGRAPHIE
82. HANDZEICHNUNG
83. HANDZEICHNUNG
84. HANDZEICHNUNG
85. HANDZEICHNUNG (TÄNZERIN AUS CAMBODJA)
86. HANDZEICHNUNG (TÄNZERIN AUS CAMBODJA)
87. HANDZEICHNUNG
88. HANDZEICHNUNG (KÖNIG SISSOWATH)
89. HANDZEICHNUNG
90. HANDZEICHNUNG
91. HANDZEICHNUNG
92. HANDZEICHNUNG
93. HANDZEICHNUNG
94. HANDZEICHNUNG
95. HANDZEICHNUNG
96. HANDZEICHNUNG