»Es ist da, o Herr, von den Sakyern in Kapilavatthu ein neues

Herrenhaus errichtet worden, und niemand noch hat es bewohnt,

kein Asket und kein Priester, noch irgendein menschliches

Wesen. Das möge, o Herr, der Erhabene zuerst benutzen: vom

Erhabenen zuerst benutzt, werden es dann die Sakyer von

Kapilavatthu benutzen. So soll es den Sakyern von Kapilavatthu

lange zum Wohle, zum Heile gereichen!«[8] 354

Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.

Als nun die Sakyer von Kapilavatthu der Zustimmung des

Erhabenen sicher waren, standen sie auf, begrüßten den

Erhabenen ehrerbietig, gingen rechts herum und begaben sich

nach dem Herrenhause. Dort ließen sie den Boden ganz mit Matten

bedecken[9], die Stühle bereit richten, einen Eimer mit Wasser

aufstellen und eine Oellampe zurecht machen. Dann kehrten sie

wieder zum Erhabenen zurück, verneigten sich ehrerbietig vor

dem Erhabenen und standen seitwärts. Seitwärts stehend sprachen

nun die Sakyer von Kapilavatthu zum Erhabenen also:

»Ganz mit Matten bedeckt, o Herr, ist der Boden des Hauses, die

Stühle stehn bereit, ein Eimer mit Wasser ist aufgestellt, eine

Oellampe zurecht gemacht: wie es nun, o Herr, dem Erhabenen

belieben mag.«

Da hat denn der Erhabene sich gerüstet, Mantel und Schaale

genommen und ist in Begleitung der Jüngerschaar zum Herrenhause

hingeschritten. Dort angelangt spülte der Erhabene die Füße

ab, trat in den Saal ein und setzte sich nahe dem mittleren

Pfeiler, gegen Osten gewendet, nieder. Und auch die

begleitenden Mönche spülten die Füße ab, traten in den Saal

ein und setzten sich nahe der westlichen Wand, gegen Osten

gewendet, nieder, so dass der Erhabene ihnen voransaß. Und auch

die Sakyer von Kapilavatthu spülten die Füße ab, traten in den

Saal ein und setzten sich nahe der östlichen Wand, gegen Westen

gewendet, nieder, so dass der Erhabene ihnen voransaß.

Nachdem nun der Erhabene die Sakker von Kapilavatthu bis tief

in die Nacht in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt,

erregt und erheitert hatte, wandte er sich an den ehrwürdigen

Ānando:

»Besinne dich, Ānando, den Sakyern von Kapilavatthu zuliebe auf

die ›Schritte des Kämpfers‹; der Rücken ist mir ermüdet: den

will ich ausstrecken.«

»Gern, o Herr!« erwiderte da der ehrwürdige Ānando, dem

Erhabenen gehorchend.

Und der Erhabene spreitete den Mantel, vierfach gefaltet, aus

und legte sich auf die rechte Seite wie der Löwe hin, einen Fuß

über dem anderen, gesammelten Sinnes, der Zeit des Aufstehns

gedenkend.

Und der ehrwürdige Ānando wandte sich nun also an Mahānāmo den

Sakyer:

»Da ist, Mahānāmo, der heilige Jünger tüchtig in Tugend, die

Thore der Sinne hütet er, beim Essen weiß er Maaß zu halten, er

weiht sich der Wachsamkeit, sieben rechte Eigenschaften eignen

ihm, und die vier Schauungen, die das Herz erquicken, schon im

Leben besäligen, die kann er nach Wunsch gewinnen, in ihrer

Fülle und Weite.

»Wie aber ist, Mahānāmo, der heilige Jünger tüchtig in Tugend? 355

Da ist, Mahānāmo, der heilige Jünger tugendhaft, in reiner

Zucht richtig gezügelt bleibt er lauter im Handel und Wandel:

vor geringstem Fehl auf der Hut kämpft er beharrlich weiter,

Schritt um Schritt. Also ist, Mahānāmo, der heilige Jünger

tugendhaft.

»Wie aber hütet, Mahānāmo, der heilige Jünger die Thore der

Sinne? Hat da, Mahānāmo, der heilige Jünger mit dem Gesichte

eine Form erblickt, so fasst er keine Neigung, fasst keine

Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken

gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt,

befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gesicht, er

wacht eifrig über das Gesicht. Hat er mit dem Gehöre einen Ton

gehört -- hat er mit dem Geruche einen Duft gerochen -- hat

er mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt -- hat er mit dem

Getaste eine Tastung getastet -- hat er mit dem Gedenken ein

Ding erkannt, so fasst er keine Neigung, fasst keine Absicht.

Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar

bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt,

befleißigt er sich dieser Bewachung, er hütet das Gedenken,

er wacht eifrig über das Gedenken. Also hütet, Mahānāmo, der

heilige Jünger die Thore der Sinne.

»Wie aber weiß, Mahānāmo, der heilige Jünger beim Essen Maaß

zu halten? Da nimmt, Mahānāmo, der heilige Jünger gründlich

besonnen die Nahrung ein, nicht etwa zur Letzung und Ergetzung,

nicht zur Schmuckheit und Zier, sondern nur um diesen Körper zu

erhalten, zu fristen, um Schaden zu verhüten, um ein heiliges

Leben führen zu können: ›So werd’ ich das frühere Gefühl

abtödten und ein neues Gefühl nicht aufkommen lassen, und

ich werde ein Fortkommen haben, ohne Tadel bestehn, mich wohl

befinden.‹ Also weiß, Mahānāmo, der heilige Jünger beim Essen

Maaß zu halten.

»Wie aber weiht sich, Mahānāmo, der heilige Jünger der

Wachsamkeit? Da läutert, Mahānāmo, der heilige Jünger bei Tage,

gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen; läutert in

den ersten Stunden der Nacht, gehend und sitzend, das Gemüth

von trübenden Dingen; legt sich in den mittleren Stunden der

Nacht auf die rechte Seite wie der Löwe hin, einen Fuß über dem

anderen, gesammelten Sinnes, der Zeit des Aufstehns gedenkend;

läutert in den letzten Stunden der Nacht, wieder aufgestanden,

gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen. Also weiht

sich, Mahānāmo, der heilige Jünger der Wachsamkeit.

»Wie aber eignen, Mahānāmo, dem heiligen Jünger sieben rechte 356

Eigenschaften? Da hat, Mahānāmo, der heilige Jünger Zutrauen,

er traut der Wachheit des Vollendeten, so zwar: ›Das ist der

Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens-

und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der

unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der

Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Und er ist

schaamhaft, er schämt sich Schlechtes in Werken, Worten und

Gedanken zu begehn, er wahrt sich, dass er nicht in böse,

unheilsame Dinge gerathe. Und er ist schüchtern, er scheut

sich Schlechtes in Werken, Worten und Gedanken zu begehn, er

sorgt, dass er nicht in böse, unheilsame Dinge gerathe. Und

er hat viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes

der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte

begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das

vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das

kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im

Gedächtniss, hat es von Grund aus verstanden. Und er hat den

Muth und die Kraft unheilsame Dinge zu verleugnen und heilsame

Dinge zu erringen, er dauert stark und standhaft aus, giebt

den heilsamen Kampf nicht auf. Und er hat Einsicht, ist mit

höchster Geistesgegenwart begabt: was da einst gethan, einst

gesagt wurde, daran denkt er, daran erinnert er sich. Und er

ist witzig, mit der Weisheit begabt, die Aufgang und Untergang

sieht, mit der heiligen, durchdringenden, die zur völligen

Leidensversiegung führt. Also eignen, Mahānāmo, dem heiligen

Jünger sieben rechte Eigenschaften.

»Und wie, Mahānāmo, kann der heilige Jünger die vier

Schauungen, die das Herz erquicken, schon im Leben besäligen,

nach Wunsch gewinnen, in ihrer Fülle und Weite? Da weilt,

Mahānāmo, der heilige Jünger, gar fern von Begierden, fern

von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener

säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Nach

Vollendung des Sinnens und Gedenkens erreicht er die innere

Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von

gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die

Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe, gleichmüthig,

einsichtig, klar bewusst weilt er, ein Glück empfindet er

im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig

Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der

dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach

Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt er

die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen

vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Also kann, Mahānāmo,

der heilige Jünger die vier Schauungen, die das Herz erquicken,

schon im Leben besäligen, nach Wunsch gewinnen, in ihrer Fülle

und Weite.

»Ist nun, Mahānāmo, der heilige Jünger also tüchtig in Tugend,

hütet er also die Thore der Sinne, weiß er also beim Essen

Maaß zu halten, weiht er sich also der Wachsamkeit, eignen

ihm also sieben rechte Eigenschaften, und kann er die vier 357

Schauungen, die das Herz erquicken, schon im Leben besäligen,

also nach Wunsch gewinnen, in ihrer Fülle und Weite, so heißt

man ihn, Mahānāmo, den heiligen Jünger, der die Schritte des

Kämpfers gegangen, ja bis oben an die Verschaalung gelangt

ist, fähig zur Durchbrechung, fähig zur Erwachung, fähig die

unvergleichliche Sicherheit zu finden.

»Gleichwie etwa, Mahānāmo, wenn eine Henne ihre Eier, acht oder

zehn oder zwölf Stück, wohl bebrütet, gänzlich ausgebrütet,

völlig gar gebrütet hat; wie sollte da nicht jener Henne der

Wunsch kommen: ›Ach möchten doch meine Küchlein mit den Krallen

oder dem Schnabel die Eischaale aufhacken, möchten sie doch

heil durchbrechen!‹, und jene Küchlein sind fähig geworden

mit den Krallen oder dem Schnabel die Eischaale aufzuhacken

und heil durchzubrechen: ebenso nun auch, Mahānāmo, wird der

heilige Jünger, sobald er also tüchtig in Tugend ist, also

die Thore der Sinne hütet, also beim Essen Maaß zu halten

weiß, also der Wachsamkeit sich weiht, also sieben rechte

Eigenschaften ihm eignen, und er also die vier Schauungen,

die das Herz erquicken, schon im Leben besäligen, nach

Wunsch gewinnen kann, in ihrer Fülle und Weite, als solcher,

Mahānāmo, der heilige Jünger geheißen, der die Schritte des

Kämpfers gegangen, ja bis oben an die Verschaalung gelangt

ist, fähig zur Durchbrechung, fähig zur Erwachung, fähig die

unvergleichliche Sicherheit zu finden.

»Hat nun, Mahānāmo, ein solcher heiliger Jünger eben diese

letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht, so

erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform,

mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen

Beziehungen. So ist er zum ersten Mal hervorgebrochen, wie das

junge Huhn aus der Eischaale.

»Hat nun, Mahānāmo, ein solcher heiliger Jünger eben diese

letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht,

so sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über

menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden

und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne,

glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je

nach den Thaten wiederkehren. So ist er zum zweiten Mal

hervorgebrochen, wie das junge Huhn aus der Eischaale.

»Hat nun, Mahānāmo, ein solcher heiliger Jünger eben diese

letzte, gleichmüthig einsichtige vollkommene Reine erreicht,

so lässt er den Wahn versiegen und macht sich die wahnlose

Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten offenbar,

verwirklicht und erringt sie. So ist er zum dritten Mal 358

hervorgebrochen, wie das junge Huhn aus der Eischaale.

»Wenn da, Mahānāmo, der heilige Jünger tüchtig in Tugend ist,

so gilt ihm das als Wandel. Wenn da, Mahānāmo, der heilige

Jünger die Thore der Sinne hütet, so gilt ihm das als Wandel.

Wenn da, Mahānāmo, der heilige Jünger beim Essen Maaß zu halten

weiß, so gilt ihm das als Wandel. Wenn da, Mahānāmo, der

heilige Jünger sich der Wachsamkeit weiht, so gilt ihm das als

Wandel. Wenn da, Mahānāmo, dem heiligen Jünger sieben rechte

Eigenschaften eignen, so gilt ihm das als Wandel. Wenn da,

Mahānāmo, der heilige Jünger die vier Schauungen, die das Herz

erquicken, schon im Leben besäligen, nach Wunsch gewinnen kann,

in ihrer Fülle und Weite, so gilt ihm das als Wandel.

»Und wenn sich da, Mahānāmo, der heilige Jünger mancher

verschiedenen früheren Daseinsformen erinnert, so gilt ihm

das als Wissen. Und wenn da, Mahānāmo, der heilige Jünger die

Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sieht, so gilt ihm

das als Wissen. Und wenn da, Mahānāmo, der heilige Jünger

mit der Wahnversiegung sich die wahnlose Gemütherlösung,

Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten offenbar macht,

verwirklicht und erringt, so gilt ihm das als Wissen.

* * * * *

»Den heißt man, Mahānāmo, den heiligen Jünger, der wissend

bewährt ist, der wandelnd bewährt ist, der wissend und wandelnd

bewährt ist. -- Auch Brahmā hat da, Mahānāmo, der ewige

Jüngling, den Spruch gesagt:

›Der Krieger ist der höchste Herr

Von allen, die von Adel sind;

Der wissend, wandelnd ist bewährt

Ist höchster Herr bei Gott und Mensch.‹

Das aber ist da, Mahānāmo, ein Spruch, den Brahmā, der ewige

Jüngling, recht gesungen, nicht unrecht gesungen, recht

gesprochen, nicht unrecht gesprochen hat, der sinnig ist, nicht

unsinnig, dem der Erhabene zugestimmt hat.«

Und der Erhabene stand nun auf und wandte sich also an den

ehrwürdigen Ānando:

»Gut, gut, Ānando, gut hast du, Ānando, den Sakyern von

Kapilavatthu die ›Schritte des Kämpfers‹ gezeigt.«

* * * * *

Also hatte der ehrwürdige Ānando gesprochen, und der Meister es 359

gebilligt. Zufrieden freuten sich jene Sakyer von Kapilavatthu

über das Wort des ehrwürdigen Ānando.[10]

54.

Sechster Theil Vierte Rede

POTALIYO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im

Lande der Aṉguttarāper, bei Āpaṇam, einer Burg im Gebiete der

Aṉguttarāper. Und der Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel

und Schaale und ging nach Āpaṇam um Almosenspeise. Und als

der Erhabene, von Haus zu Haus tretend, Almosen erhalten,

kehrte er zurück, nahm das Mahl ein und begab sich dann in

ein nahe gelegenes Waldgehölz, für den Tag. Im Inneren dieses

Waldgehölzes setzte sich der Erhabene am Fuß eines Baumes

nieder, bis gegen Sonnenuntergang da zu verweilen.

Und auch Potaliyo der Hausvater kam, in einen weiten

Obermantel gehüllt, versehn mit Schirm und Sandalen, auf einem

Spaziergange lustwandelnd, nach dem Waldgehölze. Und er trat

in das Waldgehölz ein und kam dorthin wo der Erhabene weilte.

Dort angelangt tauschte er mit dem Erhabenen höflichen Gruß und

freundliche, denkwürdige Worte und stellte sich seitwärts hin.

Und an Potaliyo den Hausvater, der seitwärts stand, wandte sich

der Erhabene also:

»Man kann sich da, Hausvater, hinsetzen: wenn du willst sitz’

nieder.«

Also angeredet dachte Potaliyo der Hausvater bei sich:

›Hausvater hat mich der Asket Gotamo genannt!‹ Und verstimmt

und missmuthig schwieg er still.

Und zum zweiten Mal wandte sich der Erhabene also an Potaliyo

den Hausvater:

»Man kann sich da, Hausvater, hinsetzen: wenn du willst sitz’

nieder.«

Und zum zweiten Mal dachte Potaliyo der Hausvater bei sich:

›Hausvater hat mich der Asket Gotamo genannt!‹ Und verstimmt

und missmuthig schwieg er still.

Und zum dritten Mal wandte sich der Erhabene also an Potaliyo

den Hausvater:

»Man kann sich da, Hausvater, hinsetzen: wenn du willst sitz’

nieder.«

Und zum dritten Mal dachte Potaliyo der Hausvater bei sich:

›Hausvater hat mich der Asket Gotamo genannt!‹ Und verstimmt

und missmuthig sprach er also zum Erhabenen:

»Das kommt dir, o Gotamo, nicht zu, das steht dir nicht zu, 360

dass du mich mit dem Worte Hausvater angehst!«

»Du hast ja, Hausvater, Mienen, Merkmale, Kennzeichen wie sie

dem Hausvater eignen.«

»Gleichwohl hab’ ich, o Gotamo, jeder Thätigkeit entsagt, jeden

Verkehr abgeschnitten.«

»Wie denn aber hast du, Hausvater, jeder Thätigkeit entsagt,

jeden Verkehr abgeschnitten?«

»Was ich da, o Gotamo, an Geld und Gut, an Silber und Gold

besessen habe, das hab’ ich alles meinen Kindern zum Erbe

gegeben: und ich rathe da keinem zu, keinem ab, hab’ mir nur

Kost und Gewand bedungen. Also hab’ ich, o Gotamo, jeder

Thätigkeit entsagt, jeden Verkehr abgeschnitten.«

»Anders redest, Hausvater, du vom Verkehrabschneiden,

und wieder anders wird im Orden des Heiligen der Verkehr

abgeschnitten.«

»Wie denn aber, o Herr, wird im Orden des Heiligen der Verkehr

abgeschnitten? Gut wär’ es, o Herr, wenn mir der Erhabene die

Lehre so darlegen wollte, wie der Verkehr im Orden des Heiligen

abgeschnitten wird.«

»Wohlan denn, Hausvater, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

»Ja, o Herr!« erwiderte da aufmerksam Potaliyo der Hausvater

dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Acht Dinge sind es, Hausvater, die hier im Orden des Heiligen

den Verkehr abschneiden lassen: welche acht? Kein Wesen tödten

lässt vom Tödten der Wesen abstehn, Gegebenes nehmen lässt vom

Nehmen des Nichtgegebenen abstehn, die Wahrheit reden lässt

von der Lüge abstehn, nicht verleumden lässt von Verleumdung

abstehn, nicht begehrlich süchten lässt von begehrlicher

Sucht abstehn, nicht rügen und schelten lässt von Rügen und

Schelten abstehn, nicht wüthen und verzweifeln lässt von Wuth

und Verzweiflung abstehn, nicht anmaaßen lässt von Anmaaßung

abstehn. Das sind, Hausvater, kurz gesagt, nicht ausführlich

unterschieden, die acht Dinge, die hier im Orden des Heiligen

den Verkehr abschneiden lassen.«

»Diese acht Dinge, o Herr, vom Erhabenen kurz angegeben, nicht

ausführlich unterschieden, die hier im Orden des Heiligen

den Verkehr abschneiden lassen: möchte mir doch, o Herr, der

Erhabene diese acht Dinge ausführlich darlegen, von Mitleid

bewogen!«

»So höre denn, Hausvater, und achte wohl auf meine Rede!«

»Gewiss, o Herr!« erwiderte da aufmerksam Potaliyo der

Hausvater dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»‚Kein Wesen tödten lässt vom Tödten der Wesen abstehn‘: 361

das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da

überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene

Fesseln, die mich zum Mörder machen könnten, die beginn’ ich

zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich zum Mörder würde, so

möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Mordes, und,

wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen des

Mordes, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,

stände mir üble Fährte bevor, wegen des Mordes. Das ist ja eben

die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich der Mord. Wenn aber

durch Mord verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es

den, der sich vom Morde fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Kein

Wesen tödten lässt vom Tödten der Wesen abstehn‘: wurde das

gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Gegebenes nehmen lässt vom Nehmen des Nichtgegebenen

abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt

worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich:

›Jene Fesseln, die mich zum Diebe machen könnten, die beginn’

ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich zum Diebe würde, so

möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Diebstahls,

und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen

des Diebstahls, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem

Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen des Diebstahls.

Das ist ja eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich der

Diebstahl. Wenn aber durch Diebstahl verstörendes, sehrendes

Wähnen entsteht, kann es den, der sich vom Diebstahl fernhält,

also nicht ankommen.‹ ‚Gegebenes nehmen lässt vom Nehmen des

Nichtgegebenen abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum

gesagt.

»‚Die Wahrheit reden lässt von der Lüge abstehn‘: das ist

gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt,

Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die

mich zum Lügner machen könnten, die beginn’ ich zu lösen,

abzuschneiden: denn wenn ich zum Lügner würde, so möcht’ ich

gar mich selber verachten, wegen der Lüge, und, wohlüberlegt,

möchten Verständige mich tadeln, wegen der Lüge, und bei der

Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte

bevor, wegen der Lüge. Das ist ja eben die Fessel, das ist die

Hemmung, nämlich die Lüge. Wenn aber durch Lüge verstörendes,

sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich von der Lüge 362

fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Die Wahrheit reden lässt von

der Lüge abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht verleumden lässt von Verleumdung abstehn‘: das ist

gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt,

Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die

mich zum Verleumder machen könnten, die beginn’ ich zu lösen,

abzuschneiden: denn wenn ich zum Verleumder würde, so möcht’

ich gar mich selber verachten, wegen der Verleumdung, und,

wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln, wegen der

Verleumdung, und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,

stände mir üble Fährte bevor, wegen der Verleumdung. Das ist ja

eben die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich Verleumden. Wenn

aber durch Verleumden verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht,

kann es den, der sich von Verleumden fernhält, also nicht

ankommen.‹ ‚Nicht verleumden lässt von Verleumdung abstehn‘:

wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht begehrlich süchten lässt von begehrlicher Sucht

abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt

worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich:

›Jene Fesseln, die mich begehrlich süchten ließen, die beginn’

ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich begehrlicher Sucht

fröhnte, so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen

begehrlicher Sucht, und, wohlüberlegt, möchten Verständige

mich tadeln, wegen begehrlicher Sucht, und bei der Auflösung

des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor,

wegen begehrlicher Sucht. Das ist ja eben die Fessel, das

ist die Hemmung, nämlich begehrliche Sucht. Wenn aber durch

begehrliche Sucht verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann

es den, der sich von begehrlicher Sucht fernhält, also nicht

ankommen.‹ ‚Nicht begehrlich süchten lässt von begehrlicher

Sucht abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht rügen und schelten lässt von Rügen und Schelten

abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt

worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich:

›Jene Fesseln, die mich rügen und schelten ließen, die beginn’

ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich rügte und schölte, 363

so möcht’ ich gar mich selber verachten, wegen des Rügens und

Scheltens, und, wohlüberlegt, möchten Verständige mich tadeln,

wegen des Rügens und Scheltens, und bei der Auflösung des

Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte bevor, wegen des

Rügens und Scheltens. Das ist ja eben die Fessel, das ist die

Hemmung, nämlich Rügen und Schelten. Wenn aber durch Rügen und

Schelten verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den,

der sich von Rügen und Schelten fernhält, also nicht ankommen.‹

‚Nicht rügen und schelten lässt von Rügen und Schelten

abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht wüthen und verzweifeln lässt von Wuth und Verzweiflung

abstehn‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt

worden? Da überlegt, Hausvater, der heilige Jünger bei sich:

›Jene Fesseln, die mich wüthen und verzweifeln ließen, die

beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden: denn wenn ich in Wuth und

Verzweiflung geriethe, so möcht’ ich gar mich selber verachten,

wegen der Wuth und Verzweiflung, und, wohlüberlegt, möchten

Verständige mich tadeln, wegen der Wuth und Verzweiflung, und

bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble

Fährte bevor, wegen der Wuth und Verzweiflung. Das ist ja eben

die Fessel, das ist die Hemmung, nämlich Wuth und Verzweiflung.

Wenn aber durch Wuth und Verzweiflung verstörendes, sehrendes

Wähnen entsteht, kann es den, der sich von Wuth und

Verzweiflung fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht wüthen und

verzweifeln lässt von Wuth und Verzweiflung abstehn‘: wurde das

gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Nicht anmaaßen lässt von Anmaßung abstehn‘: das ist gesagt

worden; und warum ist das gesagt worden? Da überlegt,

Hausvater, der heilige Jünger bei sich: ›Jene Fesseln, die mir

Anmaaßung schüfen, die beginn’ ich zu lösen, abzuschneiden:

denn wenn ich anmaaßend würde, so möcht’ ich gar mich selber

verachten, wegen der Anmaaßung, und, wohlüberlegt, möchten

Verständige mich tadeln, wegen der Anmaaßung, und bei der

Auflösung des Körpers, nach dem Tode, stände mir üble Fährte

bevor, wegen der Anmaaßung. Das ist ja eben die Fessel, das

ist die Hemmung, nämlich Anmaaßen. Wenn aber durch Anmaaßen

verstörendes, sehrendes Wähnen entsteht, kann es den, der sich

von Anmaaßen fernhält, also nicht ankommen.‹ ‚Nicht anmaaßen

lässt von Anmaaßung abstehn‘: wurde das gesagt, so war es darum

gesagt.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band · 第 2 / 45 段