Am 28. November 1501 wurde in +Annaberg+ einem schlichten Bergmanne
Namens +Scheurer+ ein Sohn geboren; das war der ehedem berühmte
+Erasmus Sarcerius+, wie sein Name lateinisch lautet. Der junge
Sarcerius besuchte die Lateinschulen Annabergs und Freibergs. In
Leipzig und Wittenberg studierte er Philosophie und Theologie.
Er gehört zu den eifrigsten Anhängern Luthers und seines
Reformationswerkes. Mehreren Schulen hat später Sarcerius entweder
als Konrektor oder Rektor vorgestanden; es waren Schulen in Rostock,
Lübeck, Dillenburg, Wien und Graz. In Österreich hielt er sich nicht
dauernd auf, weil er wegen seines Glaubens Anfeindungen ausgesetzt war.
Er kehrte nach Lübeck zurück, wo seit 1531 die Reformation eingeführt
worden war. Der Graf +Wilhelm der Reiche von Nassau+ berief ihn
in sein Land als Oberpfarrer, weil er die Reformation einzuführen
gedachte. Sarcerius wirkte in Nassau erfolgreich zu diesem Zwecke. Da
er sich aber dem 1548 von Kaiser +Karl V.+ aufgestellten »Interim«
nicht fügte, ging er, seines Amtes entsetzt, nach Annaberg. 1549 ward
er Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche, 1554 Pfarrer in Eisleben und
1559 Superintendent in Magdeburg. Am 28. November 1559 starb er. Er hat
zahlreiche Schriften hinterlassen.
Nach ~Dr.~ Röselmüller.
3. Pufendorf, ein Mitbegründer der Wissenschaft des Natur- und
Völkerrechtes.
Freiherr +Samuel von Pufendorf+, einer der Gründer der Wissenschaft
des Natur- und Völkerrechtes, ist am 8. Januar 1632 zu +Dorfchemnitz+
geboren. Er besuchte die Fürstenschule zu Grimma, widmete sich dann in
Leipzig und Jena dem Studium der Rechte und wurde 1658 Hofmeister im
Hause des schwedischen Gesandten +Coyet+ in Kopenhagen. Die Schrift
»Elemente der allgemeinen Rechtswissenschaft«, welche 1660 in Haag
erschien, bewirkte 1661 seine Berufung zum Professor des Natur- und
Völkerrechts an die Universität +Heidelberg+. Doch schon 1670 folgte
Pufendorf einem Rufe an die neue schwedische Universität +Lund+. Durch
weitere Schriften erhob er das Naturrecht zu einer selbständigen
Wissenschaft. Für das Verhältnis des Staates zur Kirche schuf er die
von allen gegenwärtigen Staaten angenommene Theorie des Kollegialismus.
1686 wurde er nach +Stockholm+ berufen und zum Staatssekretär,
königlichen Hofrat und Historiographen ernannt. 1688 begab er sich nach
+Berlin+, wo er von dem Kurfürsten +Friedrich Wilhelm+ von Brandenburg
als Historiograph und Kammergerichtsbeisitzer angestellt und 1690
zum Geheimrat ernannt wurde. König +Karl XI.+ von Schweden erhob ihn
1694 in den Freiherrnstand. Er starb am 26. Oktober 1694 in +Berlin+.
Pufendorfs älterer Bruder, +Esaias Pufendorf+, starb am 26. Oktober
1689 als dänischer Gesandter in Regensburg. Derselbe hat mehrere
theologische und historische Schriften veröffentlicht.
Nach Meyers Lexikon.