~a.~ Die Eisenhämmer.
Die Hammerschmiede gehörten in früherer Zeit zu den Besonderheiten
des Erzgebirges. Heute noch ist der Beiname »Hammer« bei manchem Orte
gang und gäbe. Die »Hämmer« schmiedeten das Eisen nicht nur, wenn es
heiß, sondern auch, wo es zu Hause war; sie waren bodenwüchsig, diese
Eisenhämmer. St. Johann am Rotenberge bei Schwarzenberg, Irrgang an der
böhmischen Grenze, Rehhübel und Henneberger Zug bei Johanngeorgenstadt,
Vier Gesellen und Altermann beim Auersberge, Urbanus, Spitzleite bei
Eibenstock, Schwalbener Zug und Roter Kamm bei Schneeberg, das sind die
mächtigsten Eisenerzgangzüge, auf denen die Gewinnung jahrhundertelang
bergmännisch betrieben wurde. Vielfach sind diese Gänge zu Tage
ausgegangen: Frühzeitig hat man schon das Erz verwertet. Es ist
wahrscheinlich, daß der Aufschwung der Eisenhüttenwerke im 16. und 17.
Jahrhundert zu suchen ist. Im 16. Jahrhundert entstanden Muldenhammer,
Unter- und Oberblauenthal, Wildenthal, Breitenbach, die Hämmer von
Pöhla und Raschau. Im 17. Jahrhundert sind gegründet Carlsfeld und
Wittigsthal. Vom Jahre 1660 stammt ferner die »Hammerordnung« Kurfürst
Johann Georgs II. für die Blechhämmer in den Ämtern Schwarzenberg,
Wolkenstein und Lauterstein. 1775 sind im Bezirke des Kreisamtes
Schwarzenberg allein 18 Eisenhämmer, ohne die Waffen- und Drahthämmer,
im Gange gewesen. Heutzutage sind von den alten Eisenhämmern
noch Pöhla, Obermittweida, Erlahammer, Morgenröte, Rautenkranz,
Schönheiderhammer als Eisengießereien vorhanden. Der Hohofenbetrieb hat
ganz und gar aufgehört.
Es muß in der Zeit der Blüte dieser Eisenhämmer ein gar reges Leben
in den Gebirgsthälern gewesen sein. Da dampften die Hohöfen, die
Gebläse pfauchten, und hell erklang der Schall der mit der Hand
geschwungenen Hämmer zwischen den vereinzelteren dumpfen Schlägen
des großen Hammers, den Wasserkraft in Hub setzte. In den niederen
schwarzen Hütten rührten sie sich emsig, die rußigen Gestalten der
Hammerschmiede, die um die Frischfeuer, die Ambosse und Gießstätten
herum thätig waren. Sie bildeten eine echte und gerechte Zunft.
Manche der ersten von ihnen im wilden Waldgebirge werden stellenweise
ihr bißchen Eisenstein selbst erst gegraben haben, um es dann zu
verschmelzen. Meist hatten sie jedoch nur sogenannte »Zerrennfeuer«
und »Blauöfen«. Erstere sind Gebläseöfen gewesen, in denen nur Eisen
geschmolzen werden konnte, auch in letzteren konnte nur Harteisen
geschmolzen werden, doch sind die Blauöfen gewissermaßen als Vorstufe
der Hohöfen anzusehen. Ende des 16. Jahrhunderts scheinen die ersten
Hohöfen gebaut worden zu sein. Hammerschmiede hießen die Gesellen
dieser Hammermeister. Mitte des 18. Jahrhunderts stellte man schon
eiserne Kessel, Öfen, Ofentöpfe und dergleichen Gußwerke her. Im 17.
Jahrhundert, im Jahre 1683, hat man zu Carlsfeld ein Eisenschmiedewerk
angerichtet. Auch ein Pfannenschmiedewerk erstand. Die Hauptsache war
aber die Herstellung der Bleche. An die Blechhämmer schlossen sich die
zahlreichen Löffelschmiedereien an. Von diesem Gewerbe hat sich noch
ein bedeutender Rest erhalten.
Nach ~Dr.~ Jacobi.
~b.~ In einer obererzgebirgischen Eisenhütte vor 50 Jahren.
Jedes Hammerwerk hat wenigstens einen Leiter, welcher ein technisch
gebildeter Mann sein muß, und einen Schichtmeister, dem das
Rechnungswesen anvertraut ist, während ersterem die technische
Leitung des Werkes obliegt. Zu dem Hohofen, in welchem der Eisenstein
geschmolzen wird, gehören 1 Steinpocher, 2 Aufgeber, 2 Hohöfner und 1
Schlacken- oder Wascheisenpocher. Ehe der Hohofen angeht, wird durch
den Leiter der untere Teil des Hohofens eingebaut, was man Zustellen
nennt; früher besorgte dies der Hohofenmeister. Bei einem Stabhammer
oder Frischfeuer, in welchem das rohe, durch den Hohofen gewonnene
Eisen ausgeschmiedet wird, arbeiten der Meister oder Frischer, der
Vorschmied, der Einschmelzer und ein Junge; zuweilen bei französischen
Feuern noch ein Fröner, welcher Vorschmiedsstelle dann mit versehen
muß. Die Arbeit der Hammerschmiede ist und bleibt wohl eine der
schwersten und schweißvollsten. Der Aufgeber muß in die Mündung des
Hohofens, wo die Flamme hoch in die Höhe schlägt, Kohlen und Eisenstein
schütten. Der Arbeiter in dem Frischfeuer steht neben dem Feuer, wo
das Roheisen gefrischt und geschmolzen wird, und muß das glühende
Eisen, mehrere Zentner schwer, herausnehmen, auf dem Amboß teilen und
die Teile ausschmieden. Während des Schmelzprozesses verdient ein
Hohöfner wöchentlich 3 Thaler, ein Aufgeber und Steinpocher 2 Thaler.
Der Meister erhält rohes Eisen und Kohlen und muß dafür eine bestimmte
Anzahl Stabeisen liefern. Hat er Überschuß, so ist der Gewinn sein,
allein er darf den Überschuß nur an den Hammerherrn verkaufen. Liefert
der Frischer nicht so viel Eisen, als er sich verbindlich gemacht hat
zu liefern, so muß er das Fehlende bezahlen. Seinen Arbeitslohn erhält
er nach dem Gewichte des ausgebrachten Stabeisens. In dem Zainhammer
wird das Arbeitslohn nach der Wage bezahlt, d. h. je mehr Wagen Eisen
die Arbeiter auszainen, desto mehr erhalten sie. Sie können ebensoviel
verdienen, als die Arbeiter beim Frischfeuer oder Stabhammer. Da die
Hammerschmiede während ihrer Arbeit einer großen Hitze ausgesetzt sind,
so ist ihre Kleidung sehr einfach. Sie gehen meist nur im blauen Hemde
und in leichten Hosen, welche ein langes Schurzfell festhält; früher
gingen sie meist nur im bloßen Hemde, weil der glühende Sinter, der
während der Arbeit herumspringt und mithin dem Arbeiter sehr oft auf
den Leib gerät, leichter auf die Erde fällt, wenn er das Schurzfell
lüftet. Das Rohschmelzen im Hohofen, das Toben der Hämmer, das Heulen
und Pfeifen der Gebläse und dabei das pausenweise Aufschlagen der
Gichtflamme, welches zur Nachtzeit dem Wetterleuchten ähnlich ist, die
von Kohlenstaub geschwärzten Arbeiter mit starken, ausdrucksvollen
Gesichtszügen, Zähnen wie Elfenbein, das Innere der Hände mit
hufartiger Rinde, an welche sich die krummen, wenig gelenkigen Finger
anschließen, kann uns das Gemälde des Dichters versinnlichen, wenn
er von der Werkstätte des Vulkans und seiner Cyclopen schreibt.
Ein königlicher Hammer-Inspektor führt die Aufsicht über sämtliche
sächsischen Hammerwerke, geht den Werksbesitzern mit Rat an die Hand,
nimmt etwaige Beschwerden entgegen und sieht die Betriebstabellen ein.
Das Eisen, welches sich in 12stündiger Schicht im Hohofen angesammelt
hat, fließt einem Feuerstrom gleich in einen trogartigen Sandgraben,
welches Ablaufen, »Abstechen« heißt. Diese Masse erstarrt sehr bald und
heißt eine »Ganz«, weil es eine ganze rohe Eisenmasse ist. Eine solche
Ganz wiegt 3 bis 4 Zentner. Diese Gänze, sowie überhaupt das Roheisen,
werden, wie erwähnt, verfrischt. Das Walzen der Stäbe geschieht, um
aus den gefrischten, höchstens nur unter dem »Stirnhammer« etwas
vorgeschmiedeten Eisenmassen die Stäbe herzustellen, oder um die schon
unter dem »Aufwerfhammer« weiter ausgestreckten Kolben oder dicken
Stöcke zu verfeinern. Im ersten Falle wendet man erst Präparierwalzen
und nachher das eigentliche Stabwalzwerk an, im zweiten Falle
gebraucht man letzteres allein. Die dünnsten Stäbe werden oft durch
eine das Auswalzen an Schnelligkeit noch übertreffende Verfahrungsart
dargestellt, indem man 3 bis 5 Zoll breite und 30 bis 40 Fuß lange
gewalzte Schienen nach ihrer ganzen Länge in Streifen zerschneidet.
Hierzu bedient man sich des Eisenspaltwerkes, der Schneidewalzen.
Nach Elfried v. Taura.
~c.~ Die Blechlöffelfabrikation.
Man darf nicht glauben, als würde der Löffel mit einem Male vollendet;
es gehen da eine Masse Arbeiten voraus, ehe er als solcher verkauft
werden kann. Zunächst bezieht die Fabrik das Eisen für alle Gattungen
von Löffeln von den Hammerwerken, wo es unter dem Namen Löffeleisen
in Stäbe geschmiedet und nach der Wage verkauft wird. Der Fabrikant
liefert dasselbe nach dem Gewichte an die Plattenschmiede, welche
zerstreut in nahen und entfernt liegenden Ortschaften wohnen; diese
verfertigen daraus die Platten, d. h. die ebenen, plattausgehenden
Eisenstücke, die noch keine Vertiefung haben. Zwei solche
Plattenschmiede können täglich gegen 24 und aus einer Wage etwa 36
Dutzend Platten schmieden, die sie an den Fabrikanten wieder nach dem
Gewichte abliefern. Nun kommen die Platten wieder in die Hände der
zerstreut wohnenden Löffelmacher, welche sie austeufen, wozu sie einen
Amboß, worauf die stählernen Modelle oder Formen befestigt und nach
verschiedenen Größen und Gestalten eingelassen sind, und verschiedene
Teufhämmer haben. Dann bringt man sie wieder zur Ablieferung. Täglich
kann ein Löffelmacher 25 Dutzend abteufen. Endlich werden die Löffel
ins Zinnhaus abgegeben, da verzinnt, dann mit Kleie gescheuert,
sortiert und so vollendet aufs Lager und in den Handel gebracht.
Nach Elfried v. Taura.