52. Die erzgebirgische Eisenindustrie.

~a.~ Die Eisenhämmer.

Die Hammerschmiede gehörten in früherer Zeit zu den Besonderheiten

des Erzgebirges. Heute noch ist der Beiname »Hammer« bei manchem Orte

gang und gäbe. Die »Hämmer« schmiedeten das Eisen nicht nur, wenn es

heiß, sondern auch, wo es zu Hause war; sie waren bodenwüchsig, diese

Eisenhämmer. St. Johann am Rotenberge bei Schwarzenberg, Irrgang an der

böhmischen Grenze, Rehhübel und Henneberger Zug bei Johanngeorgenstadt,

Vier Gesellen und Altermann beim Auersberge, Urbanus, Spitzleite bei

Eibenstock, Schwalbener Zug und Roter Kamm bei Schneeberg, das sind die

mächtigsten Eisenerzgangzüge, auf denen die Gewinnung jahrhundertelang

bergmännisch betrieben wurde. Vielfach sind diese Gänge zu Tage

ausgegangen: Frühzeitig hat man schon das Erz verwertet. Es ist

wahrscheinlich, daß der Aufschwung der Eisenhüttenwerke im 16. und 17.

Jahrhundert zu suchen ist. Im 16. Jahrhundert entstanden Muldenhammer,

Unter- und Oberblauenthal, Wildenthal, Breitenbach, die Hämmer von

Pöhla und Raschau. Im 17. Jahrhundert sind gegründet Carlsfeld und

Wittigsthal. Vom Jahre 1660 stammt ferner die »Hammerordnung« Kurfürst

Johann Georgs II. für die Blechhämmer in den Ämtern Schwarzenberg,

Wolkenstein und Lauterstein. 1775 sind im Bezirke des Kreisamtes

Schwarzenberg allein 18 Eisenhämmer, ohne die Waffen- und Drahthämmer,

im Gange gewesen. Heutzutage sind von den alten Eisenhämmern

noch Pöhla, Obermittweida, Erlahammer, Morgenröte, Rautenkranz,

Schönheiderhammer als Eisengießereien vorhanden. Der Hohofenbetrieb hat

ganz und gar aufgehört.

Es muß in der Zeit der Blüte dieser Eisenhämmer ein gar reges Leben

in den Gebirgsthälern gewesen sein. Da dampften die Hohöfen, die

Gebläse pfauchten, und hell erklang der Schall der mit der Hand

geschwungenen Hämmer zwischen den vereinzelteren dumpfen Schlägen

des großen Hammers, den Wasserkraft in Hub setzte. In den niederen

schwarzen Hütten rührten sie sich emsig, die rußigen Gestalten der

Hammerschmiede, die um die Frischfeuer, die Ambosse und Gießstätten

herum thätig waren. Sie bildeten eine echte und gerechte Zunft.

Manche der ersten von ihnen im wilden Waldgebirge werden stellenweise

ihr bißchen Eisenstein selbst erst gegraben haben, um es dann zu

verschmelzen. Meist hatten sie jedoch nur sogenannte »Zerrennfeuer«

und »Blauöfen«. Erstere sind Gebläseöfen gewesen, in denen nur Eisen

geschmolzen werden konnte, auch in letzteren konnte nur Harteisen

geschmolzen werden, doch sind die Blauöfen gewissermaßen als Vorstufe

der Hohöfen anzusehen. Ende des 16. Jahrhunderts scheinen die ersten

Hohöfen gebaut worden zu sein. Hammerschmiede hießen die Gesellen

dieser Hammermeister. Mitte des 18. Jahrhunderts stellte man schon

eiserne Kessel, Öfen, Ofentöpfe und dergleichen Gußwerke her. Im 17.

Jahrhundert, im Jahre 1683, hat man zu Carlsfeld ein Eisenschmiedewerk

angerichtet. Auch ein Pfannenschmiedewerk erstand. Die Hauptsache war

aber die Herstellung der Bleche. An die Blechhämmer schlossen sich die

zahlreichen Löffelschmiedereien an. Von diesem Gewerbe hat sich noch

ein bedeutender Rest erhalten.

Nach ~Dr.~ Jacobi.

~b.~ In einer obererzgebirgischen Eisenhütte vor 50 Jahren.

Jedes Hammerwerk hat wenigstens einen Leiter, welcher ein technisch

gebildeter Mann sein muß, und einen Schichtmeister, dem das

Rechnungswesen anvertraut ist, während ersterem die technische

Leitung des Werkes obliegt. Zu dem Hohofen, in welchem der Eisenstein

geschmolzen wird, gehören 1 Steinpocher, 2 Aufgeber, 2 Hohöfner und 1

Schlacken- oder Wascheisenpocher. Ehe der Hohofen angeht, wird durch

den Leiter der untere Teil des Hohofens eingebaut, was man Zustellen

nennt; früher besorgte dies der Hohofenmeister. Bei einem Stabhammer

oder Frischfeuer, in welchem das rohe, durch den Hohofen gewonnene

Eisen ausgeschmiedet wird, arbeiten der Meister oder Frischer, der

Vorschmied, der Einschmelzer und ein Junge; zuweilen bei französischen

Feuern noch ein Fröner, welcher Vorschmiedsstelle dann mit versehen

muß. Die Arbeit der Hammerschmiede ist und bleibt wohl eine der

schwersten und schweißvollsten. Der Aufgeber muß in die Mündung des

Hohofens, wo die Flamme hoch in die Höhe schlägt, Kohlen und Eisenstein

schütten. Der Arbeiter in dem Frischfeuer steht neben dem Feuer, wo

das Roheisen gefrischt und geschmolzen wird, und muß das glühende

Eisen, mehrere Zentner schwer, herausnehmen, auf dem Amboß teilen und

die Teile ausschmieden. Während des Schmelzprozesses verdient ein

Hohöfner wöchentlich 3 Thaler, ein Aufgeber und Steinpocher 2 Thaler.

Der Meister erhält rohes Eisen und Kohlen und muß dafür eine bestimmte

Anzahl Stabeisen liefern. Hat er Überschuß, so ist der Gewinn sein,

allein er darf den Überschuß nur an den Hammerherrn verkaufen. Liefert

der Frischer nicht so viel Eisen, als er sich verbindlich gemacht hat

zu liefern, so muß er das Fehlende bezahlen. Seinen Arbeitslohn erhält

er nach dem Gewichte des ausgebrachten Stabeisens. In dem Zainhammer

wird das Arbeitslohn nach der Wage bezahlt, d. h. je mehr Wagen Eisen

die Arbeiter auszainen, desto mehr erhalten sie. Sie können ebensoviel

verdienen, als die Arbeiter beim Frischfeuer oder Stabhammer. Da die

Hammerschmiede während ihrer Arbeit einer großen Hitze ausgesetzt sind,

so ist ihre Kleidung sehr einfach. Sie gehen meist nur im blauen Hemde

und in leichten Hosen, welche ein langes Schurzfell festhält; früher

gingen sie meist nur im bloßen Hemde, weil der glühende Sinter, der

während der Arbeit herumspringt und mithin dem Arbeiter sehr oft auf

den Leib gerät, leichter auf die Erde fällt, wenn er das Schurzfell

lüftet. Das Rohschmelzen im Hohofen, das Toben der Hämmer, das Heulen

und Pfeifen der Gebläse und dabei das pausenweise Aufschlagen der

Gichtflamme, welches zur Nachtzeit dem Wetterleuchten ähnlich ist, die

von Kohlenstaub geschwärzten Arbeiter mit starken, ausdrucksvollen

Gesichtszügen, Zähnen wie Elfenbein, das Innere der Hände mit

hufartiger Rinde, an welche sich die krummen, wenig gelenkigen Finger

anschließen, kann uns das Gemälde des Dichters versinnlichen, wenn

er von der Werkstätte des Vulkans und seiner Cyclopen schreibt.

Ein königlicher Hammer-Inspektor führt die Aufsicht über sämtliche

sächsischen Hammerwerke, geht den Werksbesitzern mit Rat an die Hand,

nimmt etwaige Beschwerden entgegen und sieht die Betriebstabellen ein.

Das Eisen, welches sich in 12stündiger Schicht im Hohofen angesammelt

hat, fließt einem Feuerstrom gleich in einen trogartigen Sandgraben,

welches Ablaufen, »Abstechen« heißt. Diese Masse erstarrt sehr bald und

heißt eine »Ganz«, weil es eine ganze rohe Eisenmasse ist. Eine solche

Ganz wiegt 3 bis 4 Zentner. Diese Gänze, sowie überhaupt das Roheisen,

werden, wie erwähnt, verfrischt. Das Walzen der Stäbe geschieht, um

aus den gefrischten, höchstens nur unter dem »Stirnhammer« etwas

vorgeschmiedeten Eisenmassen die Stäbe herzustellen, oder um die schon

unter dem »Aufwerfhammer« weiter ausgestreckten Kolben oder dicken

Stöcke zu verfeinern. Im ersten Falle wendet man erst Präparierwalzen

und nachher das eigentliche Stabwalzwerk an, im zweiten Falle

gebraucht man letzteres allein. Die dünnsten Stäbe werden oft durch

eine das Auswalzen an Schnelligkeit noch übertreffende Verfahrungsart

dargestellt, indem man 3 bis 5 Zoll breite und 30 bis 40 Fuß lange

gewalzte Schienen nach ihrer ganzen Länge in Streifen zerschneidet.

Hierzu bedient man sich des Eisenspaltwerkes, der Schneidewalzen.

Nach Elfried v. Taura.

~c.~ Die Blechlöffelfabrikation.

Man darf nicht glauben, als würde der Löffel mit einem Male vollendet;

es gehen da eine Masse Arbeiten voraus, ehe er als solcher verkauft

werden kann. Zunächst bezieht die Fabrik das Eisen für alle Gattungen

von Löffeln von den Hammerwerken, wo es unter dem Namen Löffeleisen

in Stäbe geschmiedet und nach der Wage verkauft wird. Der Fabrikant

liefert dasselbe nach dem Gewichte an die Plattenschmiede, welche

zerstreut in nahen und entfernt liegenden Ortschaften wohnen; diese

verfertigen daraus die Platten, d. h. die ebenen, plattausgehenden

Eisenstücke, die noch keine Vertiefung haben. Zwei solche

Plattenschmiede können täglich gegen 24 und aus einer Wage etwa 36

Dutzend Platten schmieden, die sie an den Fabrikanten wieder nach dem

Gewichte abliefern. Nun kommen die Platten wieder in die Hände der

zerstreut wohnenden Löffelmacher, welche sie austeufen, wozu sie einen

Amboß, worauf die stählernen Modelle oder Formen befestigt und nach

verschiedenen Größen und Gestalten eingelassen sind, und verschiedene

Teufhämmer haben. Dann bringt man sie wieder zur Ablieferung. Täglich

kann ein Löffelmacher 25 Dutzend abteufen. Endlich werden die Löffel

ins Zinnhaus abgegeben, da verzinnt, dann mit Kleie gescheuert,

sortiert und so vollendet aufs Lager und in den Handel gebracht.

Nach Elfried v. Taura.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 112 / 209 题