51. Der ehemalige Silberbergbau.

~a.~ Altes Berglied.

+Ein Bergmann:+

Wenn der Schacht erst eingesenket,

Fahrt und Sprossen wohlverwahrt,

Seil und Kübel eingehenket,

Ist des edlen Bergmanns Art,

Daß er mit Schlegel und Eisen

Mag seine Kunst erweisen!

+Der volle Chor:+

Daß er mit Schlägel und Eisen

Mag seine Kunst erweisen!

Hurra! -- Glückauf!

+Ein Bergmann:+

Wenn das Glöcklein drei thut läuten,

So heißt's: Bergmann, steh' auf mit Freuden,

Es heißt: Bergmann, geh' auf die Zech,

Dann wirst du wohl finden

Steiger, Häuer und die Knecht!

+Chor:+

Steiger, Häuer und die Knecht!

Hurra! -- Glückauf!

+Ein Bergmann:+

Zünd' ich an mein Grubenlicht,

So heißt's: Bergmann, fahr an die Schicht,

Fahr ein die Schächtlein tief und lang,

Dann wirst du wohl finden

Einen schönen Silbergang.

+Chor:+

Einen schönen Silbergang.

Hurra! -- Glückauf!

+Ein Bergmann:+

Und als ich kam vor meinen Ort,

Da saßen die lieben Engelein und wachten dort.

Sie thun mich recht lehren und weisen,

Wo ich soll ansetzen mit meinem Eisen.

Schlag ich darauf mit allem Fleiß,

Daß von mir abdringt der Schweiß,

So bin ich doch derhalben nicht

Verzaget, dieweil ich schönes Silber sah,

Das Herzlein darauf thät lachen.

+Chor:+

Das Herzlein darauf thät lachen.

Hurra! -- Glückauf!

+Ein Bergmann:+

Wenn die Schicht verfahren ist,

Ruf' ich zu dir, Herr Jesu Christ,

Befehl' Leib' und Seel' in deine Hände.

Du wirst mich wohl führen

In das himmlische Zelt.

+Chor:+

Du wirst mich wohl führen

In das himmlische Zelt.

+Chor:+

Du wirst mich wohl führen

In das himmlische Zelt.

Hurra! -- Glückauf!

~b.~ Die Namen der Zechen.

Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung

anlangt, so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die

ursprüngliche Benennung des Ortes an, wo sie entstanden, oder an

bestimmte Eigentümlichkeiten der Zeche selbst und der bei ihrer

Eröffnung maßgebenden Umstände. Die meisten erklären sich aus dem

dem Bergmannsstande namentlich in früheren Jahrhunderten vor anderen

eigenen +frommen Glauben+ an die göttliche Allmacht, zum Teil auch

aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend bei den überaus

zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen und anderem, der

Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, Einhorn, Löwe, Wolf,

Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern schrieb man die

Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, zu edlem

Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in der Nähe

geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« Tiere.

Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu sein.

Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen vom

»Eselein, streck' dich« zu erblicken.

Nach ~Dr.~ Bachmann.

~c.~ Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde.

Bekannt und gut beglaubigt ist die Überlieferung, daß im 12.

Jahrhundert in unserem Sachsen zunächst der +Freiberger+ Bergbau durch

den Zuzug +Goslaer+ Bergleute aus dem +Harz+ begründet worden sei. Nach

seinen ursprünglichen Bewohnern, sächsischen Bergleuten aus dem Harz,

heißt heute noch ein Teil von Freiberg die »Sächsstadt«. Es steht fest,

daß umgekehrt im 16. Jahrhunderte Bewohner unseres Landes, Bergleute

aus dem +Obererzgebirge+ und namentlich aus dem westlichen Teile

desselben, der Gegend von +Freiberg+, +Annaberg+ und +Schneeberg+,

nach dem Oberharz gezogen sind und dort Anlaß zur Gründung namentlich

der Bergstädte +Andreasberg+, +Clausthal+, +Zellerfeld+, +Wildemann+,

+Lautenthal+ und +Altenau+ gegeben haben. Zwar war schon im 13.

Jahrhundert, von Goslar aus dahin verpflanzt, auch auf dem Oberharz

um das Kloster Celle her der Bergbau in Blüte gekommen, aber dieser

verfiel bald wieder, wie das Kloster selbst, bis bald kaum noch

eine Spur davon in dem wieder verödenden Lande sich zeigte. Erst im

Zeitalter der Reformation lockten reiche Silberanbrüche in der Gegend

des heutigen Andreasberg und anderswo eine bergbaulustige Bevölkerung

wieder herbei, nur konnte diese nicht aus der Nähe kommen, nicht aus

+Goslar+, das vielmehr selbst des Zuzuges bedurfte und zudem mit den

im Oberharz gebietenden Fürsten verfehdet war, und nicht aus dem

+Mansfeldischen+, sondern man mußte sie anderswo suchen. Daß man sich

zu diesem Zweck nach dem Erzgebirge gewendet, daß von dort her die

ohnedies stets wanderlustigen und auf jedes »neue Geschrei« hin leicht

beweglichen Bergknappen zugeströmt seien, das wird, soweit es nicht

urkundlich bezeugt ist, durch folgendes bewiesen.

Zunächst handelte es sich bei der Errichtung des neuen Bergwerks auf

dem Oberharz um +Stollenbau+, auf welchen sich damals eigentlich nur

»Meißnische Bergleute« aus dem oberen Gebirge, die deshalb auch in

aller Welt gesucht waren, verstanden. Die Chroniken von Freiberg,

Schneeberg, Annaberg etc. wissen zu erzählen, wie Bergleute aus

diesen Gegenden nach allen Teilen Europas gekommen seien und dorthin

ihr Bergrecht mitgebracht hätten, ja selbst in +Calcutta+, im fernen

Indien, finden wir solche und kaum 40 Jahre nach der Entdeckung

Amerikas im Dienste der +Welser+ auf dem fernen +San Domingo+. Die

Sendung einzelner hervorragender Bergverständiger, Bergmeister etc.

aus dem Erzgebirge nach dem Harz wird ausdrücklich bezeugt, und es

versteht sich ganz von selbst, daß diese nicht allein kamen, sondern

zur Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten Bergleute in größerer

Zahl mit sich führten. Diese ließen dann wieder, wie es heute noch

Sitte der Auswanderer ist, dafern es ihnen anders in der neuen Heimat

gefiel und daselbst wohlging, ihre Angehörigen und Freunde nachkommen,

und so entstand in dem Jahrhundert von 1520--1620 etwa eine größere

Kolonie von aus dem Meißnischen eingewanderten Bewohnern und damit

eine +Sprachinsel mit oberdeutscher Mundart+ mitten in dem sonst

niederdeutsch sprechenden Gebiet. Diese oberdeutsche Mundart aber ist

die des Erzgebirges, und zwar des westlichen Teiles desselben, und das

ist der Hauptbeweis für die Herkunft der ursprünglichen Bewohner jener

Harzstädte aus unserem Erzgebirge.

Es ist zu bemerken, daß die Ähnlichkeit des Oberharzischen und

Obererzgebirgischen in der That ganz außerordentlich groß und

gemeinsame Abstammung unabweisbar ist.

Ferner ist bemerkenswert das überaus häufige Vorkommen derselben

+Grubennamen+ im Oberharz und Erzgebirge und daß mindestens die große

Hälfte der im Oberharz vorkommenden Namen den älteren Bergwerken des

Erzgebirges entnommen ist. Da es sich bei der Namengebung namentlich

auch um solche von guter Vorbedeutung handelte, so sind Namen besondere

häufig, die als Benennungen solcher Zechen, welche im Erzgebirge

reiche Ausbeute gebracht hatten, bekannt waren, wie z. B. der Name der

stolzesten Schneeberger Zeche, »St. Georg«, deren ausgebrachtes Silber

auf 40 Tonnen Goldes, d. i. 4000000 Thaler, geschätzt wurde, auch im

Harz vorkommt, ebenso die »St. Anna«, die in Schneeberg schon 1478

gewaltig »schüttete« und 1528 von allen Gruben die größte Ausbeute gab.

Nach ~Dr.~ Bochmann.

~d.~ Die bergmännischen Werkzeuge und sonstige Einrichtungen in

früherer Zeit.

Im Jahre 1497 findet man schon Spuren von den Kunstgezeugen in

der Schneeberger Gegend. 1504 bestand ebenda der erste bekannte

Pferdegöpel. 1512 führte Sigismund von Maltitz auf Dippoldiswalde die

+nassen Pochwerke+ zuerst daselbst ein. Seit 1529 waren gedruckte

Ausbeutebogen, seit 1533 sind Anschnittzettel statt der Kerbhölzer

üblich. 1550 wurden die Stangenkünste eingeführt, 1551 die Bergquartale

statt der vorherigen Drittale, mit Ausschluß des Obergebirges, wo

man schon seit 1477 nach Quartalen rechnete. Im Jahre 1555 wurde das

Rohschmelzen erfunden; in die Jahre 1540 bis 1560 fällt die Aufkunft

der Blaufarbenwerke. Im Jahre 1561 nahm die Stollnmaurung ihren

Anfang, 1567 die Grubenmaurung durch den Bergmeister Martin Plauer in

Freiberg. Vom Jahre 1578 schreibt sich die Anordnung des Gebets auf

den Gruben her. 1613 wurde das Sprengen mit Pulver eingeführt. Seit

1649 stiftete man Quartal-Bergpredigten. In den Jahren 1710--1717 wurde

die General-Schmelz-Administration eingeführt. Mit dem Bergbohren

machte damals man die ersten bekannten Versuche. 1731 schaffte man

beim Rechnungswesen die Meißnischen Gülden ab. 1765 ist die Freiberger

Bergakademie gegründet worden. Im Jahre 1768 ward das Tragen der

Berguniform verordnet und 1788 die Entführung der Amalgamation

versucht.

Der erzgebirgische Bergstaat zerfiel am Anfange unsern Jahrhunderts

in das Oberbergamt und in das Oberhüttenamt zu Freiberg. Unter

ersterem standen die Oberzehntner- und Austeilämter in Freiberg

und im Obergebirge, wo wir finden die Bergämter Annaberg, Geyer,

Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock,

Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal.

Außer den Steigern giebt es: Kunstarbeiter, Ganghäuer, Helfersknechte,

Zimmerlinge, Doppelhäuer, Lehrhäuer, Siebsetzer, Treibeleute,

Haspelmeister, Nachtpocher, Gruben-, Wasch- und Scheidejungen. Eine

Schicht umfaßt 4, 6 oder 8 Stunden. Im Annaberger Bergamte gab es 5

Schichten die Woche, weil Sonnabend frei war.

Die Häuerglocke forderte zum Anfange auf. Seit 1595 wurde im Hut-

oder Zechenhause vor Beginn Betstunde gehalten. Im Huthause wohnt der

Steiger, der das Werkzeug bewahrt.

Ist ein Arbeiter alt oder krank, so heißt er bergfertig. Die

Büchsenpfennige fließen in die Knappschaftskasse.

Ehemals gab es in jedem Bergamte einen verpflichteten Rutengänger. Für

die Bergleute sind auch Getreidemagazine angelegt worden. Sie sind frei

von allen Abgaben.

Schon der Bergknabe vom 6. Jahre an kennt und übt den Fleiß als eine

der ersten Tugenden, und dadurch wird sie dem Bergmanne gleichsam zur

andern Natur. Die Poch- und Scheidejungen müssen bei Karbatschenstrafe

oder Vogelbolzen täglich ihre bestimmte Zahl Körbe voll Erz pochen,

ja sogar die Feiertage in den Wochentagen nach und nach mit

einbringen. Sie treiben einander häufig durch Wetten an. Wer z. B.

zum Johannisfeste am ersten mit der bestimmten Arbeit fertig ist oder

Schicht hat, heißt +König+ oder +Staatslümmel+ und wird, mit Blumen

oder Kränzen behangen, unter dem Vorantragen einer roten Fahne mit

Ehrenbezeigungen nach Hause geführt. Den aber, der zuletzt Schicht hat,

nennt man den +faulen Lümmel+ und begleitet ihn, ihn mit diesem Namen

neckend, nach seiner Wohnung.

Ein Schacht ist eine viereckige Öffnung, die senkrecht in die Erde

führt. Dahinein führen Fahrten oder Leitern. Die Absätze zum Ruhen

heißen Böhnen. Das Innere ist ausgezimmert oder ausgemauert. Die Stolln

führen wagerecht ins Gebirge und dienen zum Wasserabfluß, zur Zuführung

frischer Luft und Abfuhr des Erzes auf Hunden.

Gänge nennt der Bergmann nach ihrem Gehalte edel oder taub, mächtig

oder leer.

Fäustel, Schlägel, Bohrer sind Werkzeuge des Bergmanns. Das

Zutagefördern geschieht mit dem Haspel, an dem durch einen an dem Seile

hängenden Kübel die Erze emporgewunden werden. Tiefe Gruben brauchen

den Göpel, welchen Pferde oder Wasser treiben. Das Wasser heben die

»Künste« empor, deren Pumpen durch Räder getrieben werden.

Bergbauanteilscheine heißen Kuxe.

Im Berggebiete war das Holz ein wichtiges Bedürfnis. Das Auszimmern der

Schächte und Stolln, der Wasser- und Maschinenbau, die Schmelzöfen,

Schmiedehammer, Siedewerke, Pechhütten und dergleichen verschlangen

viel Holz. Schon im Anfange des 15. Jahrhunderts merkte man das. Der

Bergbau, das damalige weit stärkere Brauwesen, die häufigen Brände

nagten um die Wette an dem Kern der Waldungen. Hierdurch wurden die

ersten Flößen aus holzreichen in holzärmere Gegenden veranlaßt.

Steinkohlen benutzte man erst in der Mitte des 16., Torf im Anfange des

17. Jahrhunderts.

Der erste sächsische Fürst, der vom Bergsegen den besten Gebrauch

machte, war der Kurfürst August. Er ließ herrliche Schlösser bauen,

kaufte große Güter an, richtete nützliche Anstalten ein, rief Künstler

und Handwerker ins Land und sorgte bei alledem noch für seinen Schatz.

Unter ihm erhielt das Bergwesen weit bessere Einrichtung, und er ist

als der eigentliche +Gesetzgeber+ des Bergwesens zu betrachten.

~e.~ Die Verbreitung des obererzgebirgischen Bergbaues.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 109 / 209 题