~a.~ Altes Berglied.
+Ein Bergmann:+
Wenn der Schacht erst eingesenket,
Fahrt und Sprossen wohlverwahrt,
Seil und Kübel eingehenket,
Ist des edlen Bergmanns Art,
Daß er mit Schlegel und Eisen
Mag seine Kunst erweisen!
+Der volle Chor:+
Daß er mit Schlägel und Eisen
Mag seine Kunst erweisen!
Hurra! -- Glückauf!
+Ein Bergmann:+
Wenn das Glöcklein drei thut läuten,
So heißt's: Bergmann, steh' auf mit Freuden,
Es heißt: Bergmann, geh' auf die Zech,
Dann wirst du wohl finden
Steiger, Häuer und die Knecht!
+Chor:+
Steiger, Häuer und die Knecht!
Hurra! -- Glückauf!
+Ein Bergmann:+
Zünd' ich an mein Grubenlicht,
So heißt's: Bergmann, fahr an die Schicht,
Fahr ein die Schächtlein tief und lang,
Dann wirst du wohl finden
Einen schönen Silbergang.
+Chor:+
Einen schönen Silbergang.
Hurra! -- Glückauf!
+Ein Bergmann:+
Und als ich kam vor meinen Ort,
Da saßen die lieben Engelein und wachten dort.
Sie thun mich recht lehren und weisen,
Wo ich soll ansetzen mit meinem Eisen.
Schlag ich darauf mit allem Fleiß,
Daß von mir abdringt der Schweiß,
So bin ich doch derhalben nicht
Verzaget, dieweil ich schönes Silber sah,
Das Herzlein darauf thät lachen.
+Chor:+
Das Herzlein darauf thät lachen.
Hurra! -- Glückauf!
+Ein Bergmann:+
Wenn die Schicht verfahren ist,
Ruf' ich zu dir, Herr Jesu Christ,
Befehl' Leib' und Seel' in deine Hände.
Du wirst mich wohl führen
In das himmlische Zelt.
+Chor:+
Du wirst mich wohl führen
In das himmlische Zelt.
+Chor:+
Du wirst mich wohl führen
In das himmlische Zelt.
Hurra! -- Glückauf!
~b.~ Die Namen der Zechen.
Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung
anlangt, so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die
ursprüngliche Benennung des Ortes an, wo sie entstanden, oder an
bestimmte Eigentümlichkeiten der Zeche selbst und der bei ihrer
Eröffnung maßgebenden Umstände. Die meisten erklären sich aus dem
dem Bergmannsstande namentlich in früheren Jahrhunderten vor anderen
eigenen +frommen Glauben+ an die göttliche Allmacht, zum Teil auch
aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend bei den überaus
zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen und anderem, der
Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, Einhorn, Löwe, Wolf,
Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern schrieb man die
Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, zu edlem
Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in der Nähe
geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« Tiere.
Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu sein.
Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen vom
»Eselein, streck' dich« zu erblicken.
Nach ~Dr.~ Bachmann.
~c.~ Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde.
Bekannt und gut beglaubigt ist die Überlieferung, daß im 12.
Jahrhundert in unserem Sachsen zunächst der +Freiberger+ Bergbau durch
den Zuzug +Goslaer+ Bergleute aus dem +Harz+ begründet worden sei. Nach
seinen ursprünglichen Bewohnern, sächsischen Bergleuten aus dem Harz,
heißt heute noch ein Teil von Freiberg die »Sächsstadt«. Es steht fest,
daß umgekehrt im 16. Jahrhunderte Bewohner unseres Landes, Bergleute
aus dem +Obererzgebirge+ und namentlich aus dem westlichen Teile
desselben, der Gegend von +Freiberg+, +Annaberg+ und +Schneeberg+,
nach dem Oberharz gezogen sind und dort Anlaß zur Gründung namentlich
der Bergstädte +Andreasberg+, +Clausthal+, +Zellerfeld+, +Wildemann+,
+Lautenthal+ und +Altenau+ gegeben haben. Zwar war schon im 13.
Jahrhundert, von Goslar aus dahin verpflanzt, auch auf dem Oberharz
um das Kloster Celle her der Bergbau in Blüte gekommen, aber dieser
verfiel bald wieder, wie das Kloster selbst, bis bald kaum noch
eine Spur davon in dem wieder verödenden Lande sich zeigte. Erst im
Zeitalter der Reformation lockten reiche Silberanbrüche in der Gegend
des heutigen Andreasberg und anderswo eine bergbaulustige Bevölkerung
wieder herbei, nur konnte diese nicht aus der Nähe kommen, nicht aus
+Goslar+, das vielmehr selbst des Zuzuges bedurfte und zudem mit den
im Oberharz gebietenden Fürsten verfehdet war, und nicht aus dem
+Mansfeldischen+, sondern man mußte sie anderswo suchen. Daß man sich
zu diesem Zweck nach dem Erzgebirge gewendet, daß von dort her die
ohnedies stets wanderlustigen und auf jedes »neue Geschrei« hin leicht
beweglichen Bergknappen zugeströmt seien, das wird, soweit es nicht
urkundlich bezeugt ist, durch folgendes bewiesen.
Zunächst handelte es sich bei der Errichtung des neuen Bergwerks auf
dem Oberharz um +Stollenbau+, auf welchen sich damals eigentlich nur
»Meißnische Bergleute« aus dem oberen Gebirge, die deshalb auch in
aller Welt gesucht waren, verstanden. Die Chroniken von Freiberg,
Schneeberg, Annaberg etc. wissen zu erzählen, wie Bergleute aus
diesen Gegenden nach allen Teilen Europas gekommen seien und dorthin
ihr Bergrecht mitgebracht hätten, ja selbst in +Calcutta+, im fernen
Indien, finden wir solche und kaum 40 Jahre nach der Entdeckung
Amerikas im Dienste der +Welser+ auf dem fernen +San Domingo+. Die
Sendung einzelner hervorragender Bergverständiger, Bergmeister etc.
aus dem Erzgebirge nach dem Harz wird ausdrücklich bezeugt, und es
versteht sich ganz von selbst, daß diese nicht allein kamen, sondern
zur Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten Bergleute in größerer
Zahl mit sich führten. Diese ließen dann wieder, wie es heute noch
Sitte der Auswanderer ist, dafern es ihnen anders in der neuen Heimat
gefiel und daselbst wohlging, ihre Angehörigen und Freunde nachkommen,
und so entstand in dem Jahrhundert von 1520--1620 etwa eine größere
Kolonie von aus dem Meißnischen eingewanderten Bewohnern und damit
eine +Sprachinsel mit oberdeutscher Mundart+ mitten in dem sonst
niederdeutsch sprechenden Gebiet. Diese oberdeutsche Mundart aber ist
die des Erzgebirges, und zwar des westlichen Teiles desselben, und das
ist der Hauptbeweis für die Herkunft der ursprünglichen Bewohner jener
Harzstädte aus unserem Erzgebirge.
Es ist zu bemerken, daß die Ähnlichkeit des Oberharzischen und
Obererzgebirgischen in der That ganz außerordentlich groß und
gemeinsame Abstammung unabweisbar ist.
Ferner ist bemerkenswert das überaus häufige Vorkommen derselben
+Grubennamen+ im Oberharz und Erzgebirge und daß mindestens die große
Hälfte der im Oberharz vorkommenden Namen den älteren Bergwerken des
Erzgebirges entnommen ist. Da es sich bei der Namengebung namentlich
auch um solche von guter Vorbedeutung handelte, so sind Namen besondere
häufig, die als Benennungen solcher Zechen, welche im Erzgebirge
reiche Ausbeute gebracht hatten, bekannt waren, wie z. B. der Name der
stolzesten Schneeberger Zeche, »St. Georg«, deren ausgebrachtes Silber
auf 40 Tonnen Goldes, d. i. 4000000 Thaler, geschätzt wurde, auch im
Harz vorkommt, ebenso die »St. Anna«, die in Schneeberg schon 1478
gewaltig »schüttete« und 1528 von allen Gruben die größte Ausbeute gab.
Nach ~Dr.~ Bochmann.
~d.~ Die bergmännischen Werkzeuge und sonstige Einrichtungen in
früherer Zeit.
Im Jahre 1497 findet man schon Spuren von den Kunstgezeugen in
der Schneeberger Gegend. 1504 bestand ebenda der erste bekannte
Pferdegöpel. 1512 führte Sigismund von Maltitz auf Dippoldiswalde die
+nassen Pochwerke+ zuerst daselbst ein. Seit 1529 waren gedruckte
Ausbeutebogen, seit 1533 sind Anschnittzettel statt der Kerbhölzer
üblich. 1550 wurden die Stangenkünste eingeführt, 1551 die Bergquartale
statt der vorherigen Drittale, mit Ausschluß des Obergebirges, wo
man schon seit 1477 nach Quartalen rechnete. Im Jahre 1555 wurde das
Rohschmelzen erfunden; in die Jahre 1540 bis 1560 fällt die Aufkunft
der Blaufarbenwerke. Im Jahre 1561 nahm die Stollnmaurung ihren
Anfang, 1567 die Grubenmaurung durch den Bergmeister Martin Plauer in
Freiberg. Vom Jahre 1578 schreibt sich die Anordnung des Gebets auf
den Gruben her. 1613 wurde das Sprengen mit Pulver eingeführt. Seit
1649 stiftete man Quartal-Bergpredigten. In den Jahren 1710--1717 wurde
die General-Schmelz-Administration eingeführt. Mit dem Bergbohren
machte damals man die ersten bekannten Versuche. 1731 schaffte man
beim Rechnungswesen die Meißnischen Gülden ab. 1765 ist die Freiberger
Bergakademie gegründet worden. Im Jahre 1768 ward das Tragen der
Berguniform verordnet und 1788 die Entführung der Amalgamation
versucht.
Der erzgebirgische Bergstaat zerfiel am Anfange unsern Jahrhunderts
in das Oberbergamt und in das Oberhüttenamt zu Freiberg. Unter
ersterem standen die Oberzehntner- und Austeilämter in Freiberg
und im Obergebirge, wo wir finden die Bergämter Annaberg, Geyer,
Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock,
Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal.
Außer den Steigern giebt es: Kunstarbeiter, Ganghäuer, Helfersknechte,
Zimmerlinge, Doppelhäuer, Lehrhäuer, Siebsetzer, Treibeleute,
Haspelmeister, Nachtpocher, Gruben-, Wasch- und Scheidejungen. Eine
Schicht umfaßt 4, 6 oder 8 Stunden. Im Annaberger Bergamte gab es 5
Schichten die Woche, weil Sonnabend frei war.
Die Häuerglocke forderte zum Anfange auf. Seit 1595 wurde im Hut-
oder Zechenhause vor Beginn Betstunde gehalten. Im Huthause wohnt der
Steiger, der das Werkzeug bewahrt.
Ist ein Arbeiter alt oder krank, so heißt er bergfertig. Die
Büchsenpfennige fließen in die Knappschaftskasse.
Ehemals gab es in jedem Bergamte einen verpflichteten Rutengänger. Für
die Bergleute sind auch Getreidemagazine angelegt worden. Sie sind frei
von allen Abgaben.
Schon der Bergknabe vom 6. Jahre an kennt und übt den Fleiß als eine
der ersten Tugenden, und dadurch wird sie dem Bergmanne gleichsam zur
andern Natur. Die Poch- und Scheidejungen müssen bei Karbatschenstrafe
oder Vogelbolzen täglich ihre bestimmte Zahl Körbe voll Erz pochen,
ja sogar die Feiertage in den Wochentagen nach und nach mit
einbringen. Sie treiben einander häufig durch Wetten an. Wer z. B.
zum Johannisfeste am ersten mit der bestimmten Arbeit fertig ist oder
Schicht hat, heißt +König+ oder +Staatslümmel+ und wird, mit Blumen
oder Kränzen behangen, unter dem Vorantragen einer roten Fahne mit
Ehrenbezeigungen nach Hause geführt. Den aber, der zuletzt Schicht hat,
nennt man den +faulen Lümmel+ und begleitet ihn, ihn mit diesem Namen
neckend, nach seiner Wohnung.
Ein Schacht ist eine viereckige Öffnung, die senkrecht in die Erde
führt. Dahinein führen Fahrten oder Leitern. Die Absätze zum Ruhen
heißen Böhnen. Das Innere ist ausgezimmert oder ausgemauert. Die Stolln
führen wagerecht ins Gebirge und dienen zum Wasserabfluß, zur Zuführung
frischer Luft und Abfuhr des Erzes auf Hunden.
Gänge nennt der Bergmann nach ihrem Gehalte edel oder taub, mächtig
oder leer.
Fäustel, Schlägel, Bohrer sind Werkzeuge des Bergmanns. Das
Zutagefördern geschieht mit dem Haspel, an dem durch einen an dem Seile
hängenden Kübel die Erze emporgewunden werden. Tiefe Gruben brauchen
den Göpel, welchen Pferde oder Wasser treiben. Das Wasser heben die
»Künste« empor, deren Pumpen durch Räder getrieben werden.
Bergbauanteilscheine heißen Kuxe.
Im Berggebiete war das Holz ein wichtiges Bedürfnis. Das Auszimmern der
Schächte und Stolln, der Wasser- und Maschinenbau, die Schmelzöfen,
Schmiedehammer, Siedewerke, Pechhütten und dergleichen verschlangen
viel Holz. Schon im Anfange des 15. Jahrhunderts merkte man das. Der
Bergbau, das damalige weit stärkere Brauwesen, die häufigen Brände
nagten um die Wette an dem Kern der Waldungen. Hierdurch wurden die
ersten Flößen aus holzreichen in holzärmere Gegenden veranlaßt.
Steinkohlen benutzte man erst in der Mitte des 16., Torf im Anfange des
17. Jahrhunderts.
Der erste sächsische Fürst, der vom Bergsegen den besten Gebrauch
machte, war der Kurfürst August. Er ließ herrliche Schlösser bauen,
kaufte große Güter an, richtete nützliche Anstalten ein, rief Künstler
und Handwerker ins Land und sorgte bei alledem noch für seinen Schatz.
Unter ihm erhielt das Bergwesen weit bessere Einrichtung, und er ist
als der eigentliche +Gesetzgeber+ des Bergwesens zu betrachten.
~e.~ Die Verbreitung des obererzgebirgischen Bergbaues.