49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei.

~a.~ Die Entstehung des Gewerbes.

Der Name +Köhler+ gehört so recht dem Erzgebirge an, wo das

Kohlenbrennen seit Jahrhunderten für zahlreiche Bewohner einen

Erwerbszweig bildete, der noch in der Gegenwart, freilich bedeutend

sparsamer, in den oberen Waldbezirken, bei Zöblitz, Hirschenstand,

Carlsfeld und Morgenröte, bei Göttersdorf in Böhmen und anderwärts

angetroffen wird.

In der Geschichte und in den Sagen treten wiederholt Köhler auf.

Der Köhler Georg Schmidt befreite am Fürstenberge bei Schwarzenberg

den Prinzen Albert aus den Händen des Kunz von Kaufungen; ein

Köhler soll im Jahre 1458 im Walde beim Abräumen seines Meilers

ausgeschmolzenes Zinn gefunden haben, was Veranlassung zur Gründung

der Bergstadt Altenberg gab. Köhler haben sich nach der Sage zur

Zeit der Hussitenkriege im Walde, da wo jetzt +Crandorf+ liegt,

ihren Kohlenkram, d. h. Hütten aufgebaut, weshalb man den daselbst

entstandenen Ort zuerst Kram- und später +Crandorf+ genannt habe.

Als im Gebirge an zahlreichen Orten Eisenhütten entstanden, brannte

man auch überall in deren Nähe das Holz zu Kohlen, da diese

zum Ausschmelzen der Erze nötig waren. In der 1697 erneuerten

kurfürstlichen Holzordnung von 1560 wurde aber bestimmt, daß die

Köhler das Holz nicht mehr selbst schlagen lassen durften und das

Kohlenbrennen nur noch vom 25. März bis 16. Oktober zu gestatten sei.

In früherer Zeit wurden die Kohlen da und dort auch in muldenförmigen,

ungefähr einen Meter tiefen Gruben gebrannt, in welche man Reisig

und Holzabgänge warf, diese dann anzündete und mit Erde bedeckte.

Man erhielt auf diese Weise die sogenannten Grubenkohlen. Das

gebräuchlichste Verfahren bestand aber, wie noch jetzt, im Verkohlen

aufgebauter Meiler. Die größeren Kohlen wurden zur Verwendung für die

Zerrennfeuer, durch welche das Schmelzen des Eisens, um es weicher und

geschmeidiger zu machen, wiederholt ward, mit Dreschflegeln in kleinere

Stücke zerschlagen.

Es wird den Köhlern das Verdienst zugeschrieben, den Wald nach

und nach urbar gemacht und das Dorf +Ansprung+, welches im 16.

Jahrhundert +Aschberg+ hieß, gegründet zu haben. Es haben aber gewiß

auch die +Aschebrenner+ ihren Anteil an der Besiedelung der Gegend;

der Name dürfte auf das frühere Äschern, d. h. Aschebrennen zu

Pottaschebereitung, zurückzuführen sein.

Ehemalige Meilerstätten trifft man noch häufig im Gebirge an; manche

derselben stammen jedenfalls aus sehr alter Zeit. In der Mitte einer

Meilerstätte ward eine Stange eingeschlagen. Unten hin legte man

trockenes »Zünderholz«, dann wurden Stöcke rundum aufgeschichtet;

obenauf legte man schräg Scheitholz, sodaß das Ganze wie ein gewölbter

Backofen erschien. Die Eindeckung erfolgte mit Fichtenreisig, Erde und

Rasen. Der Köhler hat mittels der Zündlöcher für Gleichmäßigkeit im

Brande zu sorgen. Mit dem Schürbaum stößt er Löcher in die Decke, um

nachzufüllen. 10 Tage dauert die Arbeit. Einfach ist die Köhlerhütte in

seiner Nähe.

Nach ~Dr.~ Köhler.

~b.~ Eine Köhlerwohnung in alter Zeit.

Umkränzt von riesigen Fichten rauchten und dampften kegelförmig

gebildete Meiler, und an die gewaltigen Baumstämme lehnten sich

niedrige, kunst- und schmucklos von eigner Hand erbaute Lehmhütten, vor

den brausenden Waldstürmen der Höhe Schutz suchend, an.

Höchst einfach, nach unseren Begriffen mehr als ärmlich, sah es in

diesen Hütten aus. Von Dielen erblickte man keine Spur, nur in der

Mitte erhob sich ein Tisch von ungehobelten Brettern auf vier in die

Erde eingeschlagenen Pfählen, umgeben von einigen gleichartigen Bänken

und Holzschemeln.

In einer Ecke stand der Ofen, wenn man eine Vertiefung im steinigen

Boden, von einigen Mauersteinen umgeben, so nennen will, in welchem

fast beständig ein helles Feuer brannte, bei dem die einfachen Gerichte

gekocht oder gebraten wurden. Einige rußige Töpfe und unförmliche

Tiegel, sowie hölzerne Teller und Löffel waren das einzige Haus- und

Küchengeräte. Schlösser an den Thüren wären unnötig gewesen; denn

wer sollte aus jenen Lehmhütten in finsterer Nacht etwas Erhebliches

stehlen? -- Unter dem Dache standen die Betten, unter welchen man sich

kunstlose Lagerstätten von Waldmoos, Heu oder Stroh auf rohen Dielen

zu denken hat. Eine Esse hielt man ebenfalls für überflüssig, denn der

Rauch fand durch die verschiedenen Ritze in der Thür und in den Wänden

einen ganz gemütlichen Ausweg. Die Stelle der Fenster ersetzten einige

viereckige Löcher in der Wand, durch die der goldene Sonnenstrahl die

inneren Herrlichkeiten erleuchtete und welche bei stürmischem Schnee-

und Regenwetter mit einem Brette verschlossen wurden.

Nach Müller.

~c.~ Das Harzen in früherer Zeit.

Lehmann berichtet: »Es heißt insgemein der ganze böhmische gegen

Meißen zu an der Zschopau und an dem Schwarzwasser bis über den

Wiesenthalischen Fichtelberg Harz- oder Schwarzwald, davon jährlich

1000 Zentner Pech abgeharzt wurden.« Besonders die Crottendorfer

harzten viel und zogen handelnd in die Fremde und blieben oft Jahre

aus. Das Harzen erpachteten die Schwarzenberger im 16. Jahrhundert

von den Tettaus. 1648 wurde das Zinspech in Geld verwandelt. Die

Pechgewerken hatten 80 fl Zins abzustatten. Vor alters mußte der

fünfzehnte Zentner Zinspech ins kurfürstliche Amt geliefert werden.

1666 waren die Hölzer so verhauen und verkohlt, daß man kaum zwei

Zentner Pech herstellen konnte.

Die Rinden der Bäume wurden mit dem Harzeisen der Länge nach

aufgerissen. Im folgenden Jahre wurde das ausgetriebene Harz

abgeschabt. In der Pechhütte ward es in Kesseln gesotten und dann in

Formen gegossen.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 107 / 209 题