4. Wie man an Pestmacher glaubt.

Da man sich über die Ursache der todbringenden Pestkrankheit nicht

klar war, so vermutete man, die Totengräber wendeten Zaubermittel an,

um nur recht viel Leichen zu haben, damit ihre Einnahme sich mehre.

Sonderbare Sachen werden uns aus den Pestzeiten erzählt.

Im Jahre 1680 wurde zu +Geyer+ der Totengräber wegen Zauberei auf dem

Gottesacker verhaftet und gefänglich eingezogen. Man hatte ihn auf

den Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen sehen. Als

nun hernach allerhand Merkmale gesucht wurden, ihn seiner Bosheit zu

überweisen, fand man unter anderm, daß er sein eigenes Weib wieder

ausgegraben, ihr Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten und die Teile

zu Pulver verbrannt hatte, welches er also auf die Gasse gestreut.

Er wurde deswegen mit dem Staupenschlag bestraft und ewig des Landes

verwiesen.

Zu +Wolkenstein+ hat im Jahre 1614 ein Totengräber einer Pestleiche

den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an einer Schnur

in Teufelsnamen aufgehängt. Darin hat er Hefen, Bier und Blut von

Verstorbenen, ebenso Milch vermischt, warm gemacht und gegessen.

Soviel nun Tropfen aus dem schwitzenden Hirnschädel gefallen, so viele

Pestleichen hat er selbigen Tag gehabt. Dieser Pestzauberer hatte auch

zweierlei Pulver, ein gutes wider die Pest und ein ansteckendes, so er

aus einer Pestdrüse gemacht. Um solcher schrecklichen Übelthaten willen

ist er verbrannt worden.

Im Jahre 1620 regierte die Pest zu +Gottesgab+, davon der Ort halb

ausstarb. Der Totengräber kam in Verdacht, er habe die Seuche mit bösen

Mitteln verursacht. +Hans Leonhard+, ein verwegener Mühlknecht, der

eben aus dem Kriege gekommen, wagte sich hinein in des Totengräbers

Häuslein und fand einen Totenkopf über dem Ofen hängen. Darüber hat

er sich erbost und den Totengräber samt seinem Weibe krumm und lahm

gehauen. Er holt Feuer und brennt das Spital gar weg. Aus dem sind zwar

die tödlich Geschlagenen gekrochen. Aber dennoch sind sie an ihren

Wunden gestorben.

Im Jahre 1630 hatte eine gewisse Pittelin zu +Abertham+, einem früher

durch seinen Käse berühmten Dorfe, die Pest durch Zaubermittel

vermehren helfen. Wie sie in der Marter bekannte, hat sie eine Bürste

neben eine Leiche ins Grab geworfen, welche dann auf ihren Rat wieder

herausgenommen werden mußte, denn sonst würde nach ihrer Aussage ganz

Abertham aussterben. Schon 263 Personen waren gestorben. Es hat sich

mit der Bürste auch also befunden und wurde diese Pestzauberin am 18.

November in +Joachimsthal+ an einem Pfahl mit dem Strange erwürgt, die

Tochter von 13 Jahren enthauptet, beide Körper verbrannt und der Sohn

des Landes verwiesen.

Nach ~Dr.~ Gräße.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 105 / 209 题