3. Wie schon 1568 kein Geistlicher zu den Pestkranken gehen will.

Während früher unter allen erzgebirgischen Städten einzig +Schneeberg+

gänzlich von der Pest verschont blieb, wurde namentlich +Annaberg+

1568 furchtbar verheert. Das am 17. Juli desselben Jahres daselbst

beobachtete Erdbeben sah man als die Ursache der Krankheit an. Kein

Haus blieb damals verschont, und was sich heute noch, so berichtet

der Geschichtsschreiber, gesund begrüßte, war morgen schon eine

Beute der Pest. Vergeblich verlangten die Sterbenden nach Tröstung

durch das heilige Abendmahl, da die dasigen Geistlichen nicht zu den

Verpesteten gehen durften. Es erschien daher die Anstellung eines

besonderen Pestgeistlichen nötig. Aber niemand fand sich, der den

todbringenden Seelsorgerdienst übernehmen wollte. Damals irrte ein

geächteter sächsischer Geistlicher seit 5 Jahren unstät und flüchtig

in den böhmischen Grenzorten umher, +Wolfgang Uhle+, ein Bürgerssohn

aus +Elterlein+, welcher am 10. Juli 1563 als Pfarrer zu +Clausnitz+

in wildem Jähzorne den dortigen Dorfrichter Georg Biber mit einem

Hammer erschlagen hatte. Dem Vollzuge des über ihn ausgesprochenen

Todesurteils hatte er sich durch schnelle Flucht nach Böhmen entzogen,

wo er die Bedrängnis der Stadt +Annaberg+ erfuhr. Alsbald ließ er

dem Rate sagen, daß er sein ferneres Leben gern dem Troste und

Beistande der Pestkranken opfern wolle, wenn ihm Begnadigung gewährt

werde. +Kurfürst August+ begnadigte ihn hierauf auch wirklich unter

der Bedingung, daß er seines Berufes als Pestprediger treu warte.

Der Geächtete kehrte nun frei ins Vaterland zurück, begab sich nach

+Annaberg+, wo bereits 2228 Personen an der Pest verstorben waren,

setzte sich mutig der größten Gefahr aus, blieb aber wunderbarerweise

von der schrecklichen Krankheit unberührt. Als die Pest erloschen war,

wurde Uhle als für immer Begnadigter zum Pastor in +Breitenbrunn+

ernannt, wo er bis 1594 in Segen wirkte und im gedachten Jahre mitten

in der Ausübung seines Amtes am Altar von einem Schlagflusse getroffen

ward, sodaß er nach den Worten des Geschichtsschreibers so schnell zu

Boden sank, wie 30 Jahre zuvor der Unglückliche, den er erschlagen

hatte.

Nach ~Dr.~ Köhler.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 104 / 209 题