9. Das Ende des Krieges.

Im Juli 1762 hatten aber die Preußen unter dem +General Kleist+ schon

wieder bei +Zwickau+ ein Lager aufgeschlagen. Die Kaiserlichen zogen

sich zurück, ohne den Angriff abzuwarten.

Die Kriege zwischen Österreich und Preußen drückten mit

Einquartierungen und Kosten schwer auch auf +Geyer+ und schlugen die

Nahrung der Stadt vollends nieder. In einer Urkunde von 1762 bekannte

der Stadtrichter Christian Porges mit den Ratsherren, Viertelsmeistern

und einem Bürgerausschusse, daß die Gemeinde, um die von den Preußen

auferlegte Brandschatzung von 6000 Thalern, die in 3 Teilen von 8 zu 8

Tagen gezahlt werden sollte, aufzubringen, von Hofrat Karl Friedrich

Trier, Oberhofgerichtsassessor in Leipzig, 6000 Thaler aufgenommen

habe, unter der Bedingung, daß die anderen 3000 Thaler durch jährliche

Lieferung von 100 Schragen Holz, jeder Schragen drei Ellen hoch und

neun Ellen breit, an das Geyersche Vitriol- und Schwefelwerk vom Jahre

1763 an verzinst und abgezahlt werden sollten. Schon im folgenden

Jahre fand eine neue Anleihe statt. Ein Eintrag vom 15. Januar 1763

berichtet, daß die Preußen binnen wenigen Tagen wieder eine Summe von

6265 Thalern verlangt hätten; um dieses Geld aufzubringen, hätten

sich die Bürger insgesamt verbindlich gemacht, alle bei währenden

Kriegsdrangsalen erborgten und zu erborgenden Gelder samt Zinsen

künftig aus eigenen Mitteln und Vermögen wieder zu bezahlen, insoweit

solches nicht durch Holz, Stöcke und Kohlen geschehen könnte. Dieser

öffentlichen Verpflichtung der gesamten Bürgerschaft folgte, um der

gedrohten Ausplünderung zu entgehen, am 19. Januar 1763 das Bekenntnis

einer neuen Anleihe von 2000 Thalern bei Hofrat Trier mit 112 Thaler

Zinsen, die durch Lieferung von Stöcken an das Vitriolwerk bezahlt

werden sollten. Dieser Urkunde folgte am 3. Februar das Bekenntnis

der Gemeinde über eine Gesamtschuld von 10000 Thaler bei Hofrat

Trier mit dem Versprechen, die kurfürstliche Anerkennung binnen ¾

Jahr bei Personalarrest zu beschaffen. Die letzten 2000 Thaler waren

infolge einer dritten Kriegsforderung von 3480 Thaler unter denselben

Bedingungen aufgenommen worden.

Im Juli 1762 ist ein preußischer Truppenteil unter +Generalleutnant von

Seydlitz+, gegen 7000 Mann Kavallerie, Infanterie und Husaren, teils

durch +Tannenberg+ durchmarschiert, teils haben sie auf den Feldern

gerastet. Das ganze Kriegsvolk marschierte durch den Pfarrhof und hat

der damalige Geistliche 3 Schock Korn, ein Fuder Heu und 1½ Schragen

Holz eingebüßt. Vom 28. Dezember 1762 bis zum 2. Februar 1763 hat eine

Eskadron schwarzer Husaren unter +Rittmeister Franz v. Sorini+ in

+Tannenberg+ und in +Dörfel+ gelegen. Auch haben zu dieser Zeit zwölf

Husaren in Tannenberg das heilige Abendmahl genommen. Von einem Husaren

ist sogar ein Altartuch der Kirche verehrt worden.

Am 24. November 1762 schloß +Friedrich II.+ mit den Österreichern

einen Waffenstillstand, worauf ein Teil des Obergebirges in der Gewalt

der Kaiserlichen blieb. Am Fastnachtstage, den 15. Februar 1763, kam

endlich der ersehnte Frieden zu +Hubertusburg+ zustande. Auch in

unserer Gegend hatte man Veranlassung, Gott in besonderer kirchlicher

Feier zu danken.

Nach Karl Lehmann, Zippert und ~Dr.~ Falke.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 95 / 209 题