Die 16000 Mann Sachsen, welche unter die preußischen Regimenter
gesteckt worden waren, entliefen scharenweise dem aufgedrungenen,
widernatürlichen Joche. Da gab der preußische König Befehl, daß die
sächsischen Landstände 10000 Rekruten für das Heer schaffen sollten.
Am 23. November rückten 100 preußische Husaren nach +Schneeberg+ ins
Winterquartier. Am 25. desselben Monats wurden in aller Stille alle
ledigen Männer von 18 bis 30 Jahren aufgeschrieben und am 30. November
nachts aus den Betten geholt und zur Aushebung abgeführt. Man kaufte
in Städten und in Dörfern, man fing sich gegenseitig die Leute weg.
Es entstanden tausenderlei Beschwerden und Feindschaften. Wenn aber
ein Ort mit seinen Rekruten in Rest blieb, so drangen Abteilungen
preußischer Krieger ein und griffen schonungslos auf, wen sie tauglich
fanden, nicht achtend, ob er Familienvater oder durch seine bürgerliche
Stellung vom Soldatendienste frei sei. Um das häufige Ausreißen zu
verhindern, erging aus dem zu +Torgau+ errichteten Kriegs-Direktorium
der Befehl, daß kein Sachse, welcher vom Regiment gewichen sei, in
seiner Heimat geduldet, sondern an den nächsten preußischen Truppenteil
abgeliefert werden solle. Wer einen solchen Flüchtigen verberge
oder ihm zur Flucht behilflich sei, sollte selbst als ein Ausreißer
behandelt werden. Dagegen sollten alle, welche sich freiwillig wieder
stellten, Begnadigung erhalten.
Ungestört vom Feinde blieb von der 146157 Mann starken preußischen
Armee der größte Teil während des Winters in Sachsen stehen. Wenn wir
hören, daß zu ihrer Erhaltung monatlich 911080 Thaler nötig waren, so
kann man sich denken, welche Kosten unserem Vaterlande entstanden.
Vorzüglich konnte es nicht fehlen, daß Lebensmittel aller Art im
Preise stiegen, besonders im Erzgebirge, da aus Böhmen nichts heraus
durfte. Als die preußischen Husaren im November in +Schneeberg+ zum
Winteraufenthalt einrückten, kostete ein Brot bereits 4 Groschen.