44. Im Nordischen Kriege.

Die Kriege und Durchmärsche, die in den ersten Jahrzehnten des 18.

Jahrhunderts verheerend über das Kurfürstentum Sachsen gingen,

erstreckten auch auf die Stadt +Geyer+ ihre niederschlagenden

Wirkungen, wovon sich vereinzelte Nachrichten auch in den Akten

erhalten haben. Zum Jahre 1701 bringt +Meltzer+ die Nachricht, daß

ansteckende Krankheiten durch dänische Soldaten nach +Annaberg+ wie

auch +Geyer+ getragen seien. Im Jahre 1706 wurde eine Kompanie Schweden

nach +Geyer+ gelegt, deren Feldprediger am Freitage und Sonntage in der

Hospitalkirche und am Weihnachtsfeste der Schweden in der Hauptkirche

predigte. Ein schwedischer Fähnrich, +Israel Hall+, wurde im Jahre 1707

in der Halle dieser Kirche begraben.

Am 23. Mai 1707 hielten die Büchsenschützen zu +Geyer+ zu den

gewöhnlichen Übungen ihren Auszug, wobei auch ein schwedischer

Feldwebel, +N. Topf+, Sohn des in Buchholz einquartierten Leutnants,

mit schoß und das Unglück hatte, einen unvorsichtigen Knaben zu

treffen. Vor Schrecken fiel er in Ohnmacht; doch zeigte sich die

Verwundung als nicht tödlich, da die Kugel durch den hohlen Leib

gegangen war. Am 23. August desselben Jahres zogen die Schweden

wieder ab. Am 30. August bat der Rat in einer besonderen Bittschrift

um Wiedererstattung der von den Schweden aus der Geleitskasse

mitgenommenen 13 fl 16 Gr oder um einen Nachlaß an dem Geleits- und

Gerichtspachtgeld, wurde aber mit solchem Ansuchen gänzlich ab und

zur Ruhe verwiesen. Da der Rat aber in seinen Bitten nicht nachließ,

erhielt er im Jahre 1709 die Erlaubnis, diese Summe, die er beschwören

mußte, bei der Bezahlung des Pachtgeldes in Anrechnung zu bringen.

Von +Tannenberg+ wird aus jener Zeit berichtet, daß am 27. November

1706 an 25 schwedische Soldaten mit einem Leutnant, einem Feldwebel

und einem Fahnenjunker einquartiert wurden. Dieselben haben alle Tage

zweimal Betstunden gehabt. Zu Weihnachten und am neuen Jahre 1707 haben

schwedische Feldprediger in der Tannenberger Kirche Predigt gehalten.

Nach Lichtmeß, den 4. Februar, 1707 hat sich ein schwedischer Student

in derselben Kirche als künftiger Feldprediger hören lassen. Es haben

zu dieser Zeit auf einmal ȟber die 400 Schweden und mehr in der

kleinen Kirche« Gottesdienst gehabt. »Das schwedische Volk ist von hier

aus dem Lande wieder weggekommen am 23. August 1707.«

Außer den genannten Orten +Annaberg+, +Geyer+ und +Tannenberg+ hatten

auch +Schneeberg+, +Wolkenstein+, +Marienberg+ und andere Städte des

Gebirges ebenfalls schwedische Besatzung. Bis zum Sommer 1707 blieben

die Schweden im Lande. Trotz des +Altranstädter+ Friedens vom 24.

September 1706 ruhte die Hand des Schwedenkönigs, +Karls XII.+, schwer

auf Sachsen. Die Schweden lagen in allen Städten. Sie hielten zwar

strenge Manneszucht, mußten aber von den hart gedrückten Einwohnern

beköstigt und gekleidet werden.

Die gesamten Kosten dieser schwedischen Besatzungen in Sachsen werden

auf 23 Millionen Thaler berechnet, und lange seufzten unsere Vorfahren

über diese neue »Schwedenangst«. Endlich im August 1707 verließen

die Schweden neugekleidet und wohlgenährt Sachsen, um gegen +Peter

den Großen+ von Rußland zu ziehen. Dort wurden sie im Jahre 1709 bei

+Pultawa+ geschlagen. Der größte Teil fiel, ein anderer wurde nach

+Sibirien+ geschickt und sehnte sich vergebens nach den Fleischtöpfen

Sachsens und den warmen Öfen des Erzgebirges zurück. Sie konnten

recht deutlich die Unwahrheit der Bezeichnung des Erzgebirges als

»sächsisches Sibirien« an sich erleben.

Die Schweden waren im September 1706 in einer Stärke von 19000 Mann

nicht im besten Zustande nach Sachsen gekommen. Viele Sachsen, auch

Erzgebirger, wurden dem schwedischen Heere einverleibt, sodaß das

schwedische Heer 32000 Mann stark, neugekleidet und wohlgerüstet, das

Land verließ.

Nach ~Dr.~ Falke, Zippert, ~Dr.~ Spieß.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 85 / 209 题