~a.~ Kurfürst Johann Georgs I. Verteidigungswerk.
Schon im Jahre 1613, als die in Böhmen ausgebrochenen
Religionsstreitigkeiten und Unruhen immer bedenklicher wurden,
errichtete +Kurfürst Johann Georg I.+ von Sachsen für sein ganzes Land,
um dasselbe möglichst wehr- und kriegsfähig zu machen, ein sogenanntes
+Verteidigungswerk+, d. h. eine Art von Land- und Bürgerwehr, wozu
durch besondere Ausmusterungen die kriegstüchtigen Männer aus den
Städten und Dörfern ausgehoben und in besondere Haufen gebracht wurden.
So bestand das +Freiberger+ Verteidigungswerk aus der Mannschaft,
die nicht allein aus der Stadt und dem Amtsbezirke, sondern auch aus
dem +Wolkensteiner+, +Grünhainer+ und +Tharandter+ Amte genommen war
und zusammen 520 Mann ausmachte. Diese Mannschaften mußten von den
betreffenden Städten mit den nötigen Waffen und den vorgeschriebenen
Ausrüstungsstücken, nämlich grauen Röcken mit roten Aufschlägen, roten
Tuchstrümpfen und schwarzen Hüten versehen werden. Zum Unterhalte
dieser Verteidiger wurde im ganzen Lande eine Steuer ausgeschrieben,
wozu jede Stadt nach Verhältnis beizutragen hatte. Die +Marienberger+
Stadtgeschichte berichtet, daß von diesem Orte allein im Jahre 1631
nicht weniger als 513 Gld 9 Gr 2 Pf Angeld und 43 Scheffel 9½ Metze
Hafer an das Amt +Augustusburg+ abgegeben werden mußten. Im genannten
Jahre, wo die Kriegsunruhen die sächsischen Grenzen bereits aufs
schlimmste bedrohten, wurden von den erwähnten Verteidigern viele an
die sächsisch-böhmische Grenze geschickt, um da in Gemeinschaft mit
den gebirgischen Bewohnern alle Pässe zu verhauen oder wenigstens zu
bewachen und das Eindringen von feindlichen Streifhorden aus Böhmen zu
verhindern.
Nach Donat-Holzhaus.
~b.~ Wie in Böhmen der Krieg ausbricht.
Kaum hatten sich die unglücklichen Bürger +Annabergs+ von den Schäden
des großen Brandes 1604 notdürftig erholt, da hatten sie um die
gerettete Habe wegen des in Böhmen 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen
Krieges zu fürchten. Von 1622 an suchten verschiedene böhmische
Protestanten in Annabergs Mauern eine Freistatt ihres bedrückten und
verfolgten Glaubens. Dieser Zuzug steigerte sich wesentlich 1625--26.
Namentlich viele Edelleute waren es, die sich hier niederließen. Zu
ihnen gehörte +Sidonie von Hassenstein+. Das gewöhnliche Volk bezog die
Dörfer oder gründete neue Ansiedelungen. So ließen sich in damaliger
Zeit eine Anzahl Flüchtiger in +Cranzahl+, +Bärenstein+, +Stahlberg+
und anderen Orten nieder. Aus einem Dorfe bei Elbogen hinter Karlsbad
flüchtete ein vertriebener Bauer, Barthel Leibelt, in die +Cranzahler+
Richterschmiede. Bei dem glaubensfrischen Steiger Christian Päßler in
+Stahlberg+, der an seiner Kirche sein Paradies gehabt hat, ließen
sich sehr viele nieder und bauten sich an. Wie groß die Glaubenstreue
gewesen ist, ersieht man daraus, daß Georg Wagner, Richter am
+Weipert+, 1643 als Apostata oder Abtrünniger erwähnt ist. Insbesondere
mußten auch die Geistlichen, in +Joachimsthal+ sogar 3, katholischen
Priestern und Mönchen weichen. Der Weiperter Pfarrer vermochte sich
bis 1625 zu halten. Als er da der Macht wich, zog er nach +Cranzahl+.
Seine Gemeinde ging mit ihm hier zur Kirche. Erwähnt sei noch, daß
1620 Michael Mahn und Joachim Petzelt von +Cranzahl+ in Böhmen von
Kriegsleuten angegriffen und ums Leben gebracht worden sind. Ihnen
wurden wenigstens in Cranzahl Leichenreden gehalten.
Nach ~P.~ Schultze und Finck.
~c.~ Wie dem Obererzgebirge das Kriegsunglück naht.
Im Jahre 1629 wurde am 6. März zu Annaberg das +Restitutionsedikt+,
das die Herausgabe sämtlicher Kirchengüter forderte, veröffentlicht.
Bis zum Jahre 1629 hatte man im Erzgebirge von dem großen Kriege
in den deutschen Landen nur wenig bemerkt. Einige Durchmärsche
der Kaiserlichen über das Gebirge brachten nur vorübergehende
Unzuträglichkeiten. 1630 feierte man in allen protestantischen Kirchen
das Jubeljahr der Übergabe des +Augsburgischen Bekenntnisses+. Die
entscheidende Wendung brachte das Jahr 1631, nach +Gustav Adolfs+
Sieg bei +Breitenfeld+ am 7. September. Kurfürst +Johann Georg I.+
ließ nun Truppen werben. Die Erzgebirgspässe wurden besetzt. Der alte
+Slavenpaß+, der über +Weipert+ und +Komotau+ in das Egerthal führt,
bildete nun in dem wechselvollen Kriege eine viel benutzte Heerstraße.
»Das gute Gebirge mußte alle Parteien von Freund und Feind erdulden,
sie speisen, auslösen, fördern und hausen lassen.«
+Meltzer+ erzählt in seiner Stadtgeschichte Schneebergs von
Wunderzeichen am Himmel, welche den Krieg anzeigten. Am 25. Januar oder
Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirge ein Feuer- und
Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene Kriegstruppen
miteinander im Gefechte wären. Dergleichen hat man gehöret, als
wenn Musketen losgingen, zur Begrüßung geschossen würde. Dies haben
unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken beobachtet, aber
auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen Einfällen und
Kriegsbewegungen erkannt.
Nach Meltzer u. a.
~d.~ Wie wichtige Obererzgebirgspässe besetzt werden.
Drei Hauptpässe, erzählt +Chr. Lehmann+ in seinem »Schauplatze«,
gehen über dieses Gebirge nach Böhmen, nämlich der +Rittersgrüner+,
+Preßnitzer+ und +Reitzenhainer+. Der +Rittersgrüner+ liegt in einer
festen Enge, daß man den ganzen Grund mit einer Schanze sperren konnte,
und hat Holck viel Mühe und Beschwerden gekostet, ehe er durch das
enge und morastige Waldgebirge hat brechen können. Der Preßnitzer geht
über +Kühberg+, +Paßberg+ und ist ein gut Stück gebrücket. Die 10
Minuten langen Schanzen am +Blechhammer+ sind noch jetzt zu erkennen.
Der +Reitzenhainer+ geht über +Stollberg+, +Zschopau+ und +Marienberg+
hin, liegt mitten im Walde eine halbe Meile von +Paßberg+ und hat der
reisenden Leute halber einen Gasthof.
Durch diese Pässe haben die Gebirger im Dreißigjährigen Kriege großen
Schaden erlitten. Diese Waldpässe wurden im Jahre 1631 im September
weit und breit verhauen, viel tausend Bäume gefället, daß sie meist
mannshoch übereinander lagen, weder Roß noch Wagen durch konnten
und Korn, Malz und Mehl, alles herübergetragen oder geschleppt und
kümmerlich durchgezogen werden mußte.
Vor dem +Reitzenhainer Paß+ war eine böhmische Schanze und ein
Vorratshaus von Böhmen besetzt, welche der sächsische +Oberst Taube+
mit 1500 Mann zerstörte. An dem +Preßnitzer Paß+ hatte man zwei
Schanzen angelegt. Die eine war nahe an +Weipert+ am Grenzwasser beim
Gasthofe. Man hatte den Hof und das Haus mit hohen Pfählen verschanzt,
Schießlöcher durch die Ställe gemacht und den hohlen Weg zum Laufgraben
gebraucht. Das Wachhaus war mit Pfählen hoch verschanzt und darüber
eine kleine viereckige Schanze. Diesen Paß besetzte der auf +Preßnitz+
liegende +Hauptmann Krebs+ mit 50 Musketieren, setzte die nächsten
Dörfer umher in Kriegskosten, gab Schutzwachen aus nach +Crottendorf+,
+Sehma+, +Cranzahl+.
Ehe diese Pässe verhauen wurden, mußten die Gebirger vier Wochen lang
in großer Anzahl davorliegen. Die +Wolkensteiner+ bewachten den Paß
von +Reitzenhain+ und +Kriegwald+, die +Annaberger+ und +Grünhainer+
den +Preßnitzer+, das Amt +Schwarzenberg+ den Paß bei +Wiesenthal+ und
+Rittersgrün+.
Vor alters hatte man von +Freiberg+ die Pässe von +Frauenstein+,
+Reitzenhain+, +Preßnitz+. Durch diese sehr wilden und engen Pässe ist
man nach +Halle+, +Leipzig+ und dem +Harze+ gefahren und zwar nicht
ohne große Mühe und Gefahr wegen des Morastes, des tiefen Schnees und
der Räuber. Sie sind aber auf viertel, halbe und dreiviertel Meilen
gebessert und gebrücket, auch darum mit Zöllen und Geleitgeldern
beleget worden. Überdies findet man auch richtige Wege zur Jägerei und
Anführung der Zeugwagen. Bei +Joachimsthal+ ließ +General Holck+ einen
neuen Weg durch Aufhauung des Waldes räumen.
Ein Lichtungsweg oder Paß berührte also auch die +Bärensteiner+ und
+Weiperter+ Flur. Eine Fortsetzung der Handelsstraße von Prag nach
+Laun+, +Saaz+, +Kralup+ und +Kaden+ darstellend, zog er sich durch
+Reischdorf+ nach +Preßnitz+, wo ein Schloß mit drei Türmen stand,
von einem Wassergraben umgeben und geschützt durch eine Zugbrücke.
Von dieser mutmaßlichen Zollstätte führte der Paß nach +Pleil+ und
+Sorgenthal+, dem +Weißen Hirsch+ und durch die nördliche Spitze
+Weiperts+ nach dem +Blechhammer+ herunter. Hier überschritt er
den Grenzbach, die Pöhla, und ging über +Kühberg+ und +Zollhaus
Berghäusel+ nach +Cranzahl+ herein, von hier aber auf der »alten
Schlettauer Straße« nach +Schlettau+ und weiter nach +Elterlein+,
+Zwönitz+, +Stollberg+, +Leipzig+ und +Halle+, woher die Böhmen
das unentbehrliche Salz holten, das ihr Kesselland nicht besitzt.
Noch heute sind an vielen Stellen die tief und breit in Felsboden
ausgefahrenen Hohlwege sichtbar, wie am +Blechhammer+, in +Kühberg+,
vor dem Erbgerichte und auf der »alten Straße« nach Schlettau, das
übrigens noch im Jahre 1807 zur Wiederherstellung der Grenzbrücke am
Blechhammer 72 M beitragen mußte.
Nach Chr. Lehmann und ~P.~ Schultze.
~e.~ Die ersten Kriegsdrangsale in Marienberg.
Am 16. September 1631 wurden 1500 Mann kaiserliches Fußvolk, das
bei Leipzig nach der Schlacht bei +Breitenfeld+, am 7. September,
sich ergeben hatte und nun freien Abzug nach Böhmen erhielt, durch
sächsische Reiterei und Infanterie bis +Reitzenhain+ geführt, bei
welcher Gelegenheit die Stadt Marienberg die genannten Truppenteile
aufzunehmen hatte und derselben ein Kostenaufwand von 425 Gld 20 Gr
erwuchs.
Sehr verhängnisvoll sollte das Jahr 1632 für +Marienberg+ werden. Dies
erfuhr die Stadt schon, als am 4. Mai die +Fürsten von Anhalt+ und der
von Altenburg auf dem Durchmarsche nach Böhmen mit zwei Regimentern
einrückten und einige Wochen später der sächsische +Oberst Vitzthum
von Eckstädt+ mit einem Reiterregimente die Stadt als Musterungsplatz
wählte. in beiden Fällen hatte dieselbe für Verpflegung u. a. 825 Thlr
5 Gr, sowie später noch 1435 Gld 9 Gr 8 Pf zu zahlen.
Nach Donat-Holzhaus.
~f.~ Wallensteins Truppen kommen.
In großen Schrecken sollte das Obererzgebirge versetzt werden, als
+Wallenstein+ seine dem Laster ergebenen und aus allerlei Volk
zusammengelesenen Truppen nach Sachsen führte. Der +General Holck+,
Wallensteins Oberstfeldmarschall, ein Protestant aus Dänemark, sowie
der +Kroatenoberst Corbitz+ führten ihre Banden über +Altenberg+,
+Schneeberg+ und +Annaberg+ durch unser Gebirge, wodurch dieses aufs
höchste geängstigt ward. Am 10. August 1632 rückte der Vortrab des
Holckschen Heeres unter +Oberst Isaak von Brandenstein+ vor +Annaberg+,
wo nicht nur 2000 Thaler Brandschatzung gezahlt werden mußten,
sondern auch, trotz des gegebenen Ehrenwortes, die Stadt vor aller
Unbill zu schonen, in schrecklichster Weise geplündert und alles Vieh
weggetrieben wurde.
Nach dieser Heldenthat ging es weiter, und mitten in der Nacht kam die
Bande vor +Marienberg+ an. Ein kaiserlicher Trompeter sprengte vor
das verschlossene Annaberger Thor und begehrte im Namen des Kaisers
Öffnung und Übergabe der Stadt. Der +Bürgermeister Franke+ bat um einen
Tag Bedenkzeit; der Trompeter ritt zurück und nach einer in großer
Angst durchwachten Nacht öffnete man das Thor und -- nirgends war
ein feindlicher Soldat mehr zu erblicken. Die Gefahr war für diesmal
abgewendet; aber die Angst stieg wieder aufs höchste, als man vernahm,
daß der grausame +General Holck+ selbst bereits in +Schneeberg+
angekommen sei und sein Heer dort nicht nur alles geplündert
und zerstört, sondern auch Fliehende und Flehende unbarmherzig
niedergeschossen, viele Bürger getötet oder bis auf den Tod gequält, ja
den Stadtrichter vor der Thür seines Hauses und einen 90jährigen Greis,
den früheren +Bürgermeister von Schlackenwerth+, niedergemetzelt hatte.
Von +Eger+ kommend, drang 1632, Mitte August, der +General Holck+ mit
seinen Scharen über +Elbogen+, +Neudeck+ nach +Eibenstock+ und von da
gegen +Schneeberg+ vor. Gar übel haben die Kroaten überall gehaust.
+Schwarzenberg+, +Schneeberg+, +Lößnitz+, +Grünhain+, +Elterlein+,
+Geyer+ wurden geplündert und niedergebrannt. Schreckliche Zeiten waren
gekommen. Das liebe Getreide wurde zertreten, viele hundert Stück Vieh
wurden geraubt, von den Marketendern teuer verkauft, Brot und Bier
wurde durch dieselben abgeführt und dadurch Hunger, Brotmangel, Zagen
und Wehklagen verursacht.
Nach Donat-Holzhaus u. a.
~g.~ Oberst Preuß vor Marienberg.
Am 21. August rückte +Oberst Preuß+ vor +Marienberg+, nachdem ihm
+Holck+, in Rücksicht darauf, daß die Stadt noch vom großen Brande her
zum Teil in Schutt lag, einige Schonung anempfohlen hatte. Am genannten
Tage früh 10 Uhr reitet ein Trompeter vor das verschlossene Thor und
verlangt, daß man öffne. Niemand hört ihn und erbittert reitet er zum
Heerhaufen zurück. Als auch auf eine erneute Aufforderung keine Antwort
erfolgte, ward Sturm geblasen, das Thor gesprengt, und vorsichtig
rückte man auf den großen, weiten Markt vor. Zwei volle Stunden läßt
der Oberst, der einen Hinterhalt vermutet, seine ungeduldigen Soldaten
hier stehen. Ringsum herrscht aber die Stille des Kirchhofs -- kein
Mensch zeigt sich! Da wird das Rathaus gewaltsam geöffnet; aber auch
hier ist kein Mensch zu finden. Selbst der Rat hatte den Mut verloren
und mit zuerst die Flucht ergriffen; alle Einwohner waren samt den
Geistlichen in den Wald geflohen und nur einige Arme und Kranke
zurückgeblieben. Der Ratsdiener aber und einige Bürger wurden noch in
der Nähe der Stadt ergriffen und von den Kroaten niedergeschossen.
Als die Bande sah, daß die Stadt aus Furcht vor der Gefahr preisgegeben
worden war, begann sofort die Plünderung, welche zehn volle Tage
hindurch fortgesetzt wurde. Mit einem unglaublichen Spürsinne wußten
die Soldaten in Kellern und Bergschächten, wohin man das Beste der Habe
vergraben und verborgen hatte, diese aufzufinden. Auf dem Rathause fand
man so viel Gold- und Silberzeug, daß damit allein die Stadt hätte von
der Plünderung befreit werden können, wenn der zweite Bürgermeister,
+Adam Genser+, nicht ganz und gar den Kopf verloren gehabt hätte. Als
derselbe sich nach einigen Tagen wieder aus dem +Reitzenhainer Walde+
hervor in die Stadt wagte, nahmen ihn die Kroaten gefangen und ließen
ihn nicht eher los, bis die Kämmerei 100 Thaler für ihn bezahlt hatte.
Hunger und Elend nahmen unter den unglücklichen Bewohnern überhand,
welche neun Tage in Höhlen und Klüften der Wälder gelebt hatten,
weshalb sich eine Anzahl mutiger Bürger entschloß, beim +Oberst Preuß+
um sichere Rückkehr in die Stadt zu bitten. Die Erlaubnis ward gegeben
und sogar eine Abteilung zur Deckung des traurigen Einzugs beordert,
und so kehrten am 30. August sämtliche Bewohner zurück, fanden aber
bald genug zu ihrem größten Schrecken, daß ihre so sicher geglaubte
Habe geraubt war. Der Stadtgeschichtsschreiber berichtet hierüber:
»38 Fähnlein Fußvolk sind auf dem Markte, als der Marsch wieder
fortgegangen, gestanden; die Reiterei ist aber bei der Stadt vorüber
nach +Freiberg+ zu marschiert; es ist weder Brot noch einiger Trunk in
der Stadt zu bekommen gewesen, und hat nach diesem Unglücke ein Brot
-- sonst einen Groschen -- 5 Groschen und eine Kanne Bier 3 Groschen
gegolten.« Auch wird noch weiter hinzugefügt: »Es sind auch 325
Personen an der Soldatenkrankheit gestorben, welche die kaiserlichen
Völker für Ausplünderung der armen Stadt als Trinkgeld hinterlassen.
Unter den Verstorbenen waren auch die Stadtschreiber Joachim Frank und
Josephus Collmann, sowie der Stadtrichter Heinrich von der Feldt.«
Übrigens lagen noch bis zum 25. September Soldaten in der Stadt, wo
sie bis auf 15 Mann, welche als Schutzgarde zurückgeblieben, abzogen.
Ehe aber der Aufbruch geschah, sollte zuvor einer, der einen Mönch
erschlagen, stranguliert werden, »hatte sich aber, als ein seltsamer
Abenteurer, vom Galgen wieder losgemacht«.
Nach Donat-Holzhaus.
~h.~ Wie die Kaiserlichen nach der Lützner Niederlage im Gebirge hausen.
Früher ward in der gewölbten Sakristei der +Zwickauer Marienkirche+ ein
in Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi verwahrt, welches der
Hauptmann Martin +Römer+ im Jahre 1479 der Kapelle geschenkt hatte.
An dieses Kreuz heftete sich der Fluch: »Wer ein Stücklein von diesem
Holze mit Gewalt nehmen wird, der sei verflucht und das heilige Kreuz
bringe ihn um.« Nun hat +Herzog von Friedland+ oder +Wallenstein+ am 1.
September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern +Graf Maximilian von
Wallenstein+ und +Graf Paul von Lichtenstein+ abholen und dem Kaiser
eigenmächtig im Namen der Stadt +Zwickau+ anbieten lassen. Nachdem
dies am 14. September geschehen, hat +Wallenstein+ am 6. November die
große +Schlacht bei Lützen+ verloren und seit dieser Zeit kein Glück
mehr gehabt, also daß er schließlich zu +Eger+ umgekommen ist. Auch die
beiden Grafen sind eines unnatürlichen Todes gestorben. So erzählt die
Sage. In der +Lützner Schlacht+ hat auch auf Seite der Kaiserlichen
+Herzog Franz von Sachsen-Lauenburg+ mit gekämpft. Es ist derselbe,
welcher die +Kapelle+ auf dem +Kupferhügel+ in Böhmen gründete.
Er weihte sie der Maria. Man hat jeden Freitag zur Zeit der Blüte
des dortigen Bergbaues Gottesdienst darin gehalten. Später verfiel
sie und ward erst 1821 wieder hergestellt. Der Gründer, +Franz von
Sachsen-Lauenburg+, ist derjenige, welchem der Tod des Schwedenkönigs
+Gustav Adolf+ in der Schlacht bei +Lützen+ zugeschrieben wird. Die
kaiserliche Besatzung vor +Leipzig+ fiel den Schweden in die Hände,
wurde entwaffnet und von schwedischen Reitern auf dem +Weiperter Paß+
nach Böhmen geführt. Kaum war die schwedische Bedeckung fort, so fielen
die in die Wälder geflüchteten Bauern am +Kühberge+ über Wagen und
Rosse her und hieben die Begleitung der Rosse nieder.
Der Rückzug der Kaiserlichen nach der Schlacht bei +Lützen+ verbreitete
von neuem Schrecken, Elend und Not. Die Kaiserlichen trieben alles
Vieh, was sie überhaupt noch in den Ställen fanden, mit fort. Als
einigermaßen wieder Ruhe wurde, kamen die geflüchteten Landesbewohner
aus den Bergschluchten und Wäldern wieder hervor. Kaum elendes
Kleienbrot und Salz konnten sie auftreiben, als der Landmann wieder
zum Pfluge griff. -- Sogar +Bernhard von Weimar+ ließ +Wolkenstein+,
+Lauterstein+, +Augustusburg+, sowie die +Bergstädte+ brandschatzen.
Am 16. Dezember rückte er vor +Zwickau+, beschoß die sich lebhaft
verteidigende, von Kaiserlichen besetzte Stadt und legte mit dem Feuer
von acht halben Kanonen die Stadtmauer am Rößleinturme nieder, sodaß
die Kaiserlichen mit fliegenden Fahnen, Kugeln im Munde, brennender
Lunte und viel Vorratswagen abzogen.
Im nächsten Jahre 1633 kam +Holck+ wieder ins Gebirge. 16000
Kaiserliche zogen über den +Weiperter+ Paß nach Böhmen. Zwei Jahre lang
blieb derselbe besetzt. Alles wurde zu nichte gemacht. In +Schneeberg+
raubt er den Altar, heilige Geräte, Meßgewänder, vernichtete die Bilder
von Luther und Melanchthon. +Aue+ wurde niedergebrannt, +Lößnitz+
geplündert und ausgeraubt. Dazumal ist auch das Getreide im Felde an
vielen Orten niedergetreten worden. Wochenlang brachten die Bewohner
der Orte in den Wäldern zu.
Später befreite der sächsische +Oberst von Taube+ das Land von den
Kaiserlichen. Aber die eigene verwilderte Soldatenhorde hauste nicht
minder schrecklich. Es waren sächsische Dragoner, welche die Thore
von +Marienberg+ stürmten und die Stadt, wie später auch +Annaberg+,
plünderten.
Nach ~Dr.~ Köhler, M. v. Süßmilch u. a.
~i.~ Wie die Bauern die Kaiserlichen vertreiben.
Als im Jahre 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von
+Preßnitz+ und +Reitzenhain+ besetzt hielten, thaten sich die Bauern
zusammen, vertrieben die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten
ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der
Bauern war der +Amtsschösser+ von +Grünhain+, +Friedrich Türck+. Als
nun von allen Seiten Klagen über die Bauern beim +General Gallas+,
welcher um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Boten
an +Türck+ mit Warnungen und Drohungen und verlangte Kriegskosten.
+Friedrich Türck+ wollte davon nichts wissen und ließ den Kaiserlichen
entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei und alle
katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe geben.
Dies konnte nicht ungestraft bleiben. +Gallas+ entsandte 2000 Pferde
mit 20 Standarten unter dem +Obersten Kehreuß+ gegen die Bauern
ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch +Kühnhaide+. Von
+Friedrich Türck+ wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen
begeistert und abgerichtet, daß sie frisch vorm Feinde standen, keine
Gefahr scheuten und sich trefflich wehrten, sonderlich, wenn er dabei
war und ihnen zusprach«. -- Es drängt sich die Vermutung auf, daß die
»+Türckenheide+« bei Kühnhaide ihren Namen von jenem Bauernführer
erhalten hat.
Auch in andern Gegenden wehrten sich die Bauern erfolgreich. Das
berichtet die Erzählung von den sechs Brüdern bei +Geyer+. Als
nämlich in demselben Jahre, 1632, kaiserliche Truppen von der Burg
+Scharfenstein+ die ganze Umgegend durchstreiften und plünderten,
war es einem Trupp herzhafter Burschen aus +Elterlein+ und +Zwönitz+
gelungen, in der Nähe von +Scharfenstein+ sechs Österreicher, welche im
dichten Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun
mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern
heftiger Streit. Die von +Elterlein+ meinten, daß es das beste sei, sie
sämtlich totzuschlagen. Die von +Zwönitz+ wollten nichts davon wissen
und brachten es dahin, daß man beschloß, sie zum Heere zu bringen.
Sie zogen fort. Als sie in die Nähe von +Geyer+ kamen, erhob sich der
Streit von neuem, und weil die +Elterleiner+ mit Gewalt drohten, so
wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen
ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren
die +Zwönitzer+ im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen
Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf
Österreicher auf die grausamste Weise, den sechsten aber warfen sie
in ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern
Tage jammern hörten. Zum Gedächtnisse dieser Greuelthat heißt jene
Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt »+Sechs Brüder+«, ohne daß man
bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder
gewesen sind.
Die unmenschliche Behandlung, welche die friedlichen Bewohner von
Freund und Feind zu erdulden hatten, brachte es so weit, daß eben jeder
Soldat, gleichviel, welcher Seite er angehörte, als Feind betrachtet
wurde. Daher herrschte zwischen den Bürgern und den Söldnerhorden
ein fortwährender Kriegszustand. Die Soldaten brannten, plünderten,
mordeten und schändeten; die Bewohner wehrten sich ihrer Haut und
wagten nicht selten auch den Angriff. Versprengte Soldaten wurden
unerbittlich niedergehauen. So lockten die Bauern von +Dorf-Chemnitz+
nach der Leipziger Schlacht sechs hungrige Soldaten und ein
Soldatenweib in den Wald, erschlugen sie und raubten alles, selbst
die Kleider. Als die Leichen verscharrt werden sollten, findet man
einen Halbtoten und macht ihn noch vollends nieder. Der +Jahnmartin+
am +Kühberge+ klagte oft, seine Hände röchen so nach Menschenfleisch;
denn er hatte viel Soldaten helfen erschlagen. 1641 erschlugen die
gebirgischen Bauern bei +Unterwiesenthal+ 9 Flüchtige von dem Heere
+Baners+, entkleideten sie und bedeckten sie mit Reisig: davon hat sich
einer wieder ermuntert und ist halbnackt nach Wiesenthal gekommen.
Nach Chr. Lehmann und ~Dr.~ Pöschel.
~k.~ Das Kriegsjahr 1634.
Alle Schrecken des Kriegen kehrten im Jahre 1634 wieder. Namentlich
wütete zu jener Zeit der kaiserliche +Oberstleutnant Schutz von
Schutzky+ in unserem Gebirge, setzte unter anderm +Sayda+ in Flammen,
brandschatzte +Annaberg+ mit 1200 Thalern und rückte auch vor die
Stadt +Marienberg+. Hierüber berichtet die Stadtgeschichte: »Den 29.
September rückte ein kaiserlicher Oberstleutnant Hans Heinrich von und
zu Schutz zu Roß um 2 Uhr nachmittags vor die Stadt; solchem ging der
Rat entgegen und bat für die arme Stadt, da sich's denn etwas besser
angelassen als im ersten Einfall; er kam mit etlichen Pferden in die
Stadt und nahm sein Quartier bei Georg Löven. Da er nun eingelassen
worden war, begehrte er von der Stadt für die Plünderung und als
Lösegeld 6000 Thaler; es blieb auf der Geistlichen und des Rats Bitten
bei 1000 Thaler. Ingleichen wurden dem Oberst 65 Thaler Tafelgeld und
dem Regimentsquartiermeister 35 Thaler verehrt. Das Lösegeld wurde
halb, nämlich 500 Thaler, den folgenden Morgen ausgezahlt, die anderen
500 Thaler sollten innerhalb 14 Tagen abgestattet werden. Obgleich aber
der Rat wegen dieser 500 Thaler einen Schuldschein von sich ausstellte,
haben sie doch um mehrerer Versicherung den ältesten Ratsherrn Michael
Seeliger mitgenommen. Bei diesem ankommenden Volke entstand auch am
Michaelistage abends 7 Uhr eine von den Soldaten angelegte Feuersbrunst
vor dem Annaberger Thore und verderbte in solcher ein Haus und eine
Scheune und ward ein großes Geschrei in der Stadt, weil es sehr
nahe an der Stadtmauer war.« Die letzte Abzahlung der obengenannten
Brandschatzungssumme leistete die Stadt am 31. Oktober durch den
Bürgermeister Augustin Eckstein, und mußte dieselbe, da alle Geldmittel
erschöpft waren, zum größten Teile in Naturallieferungen, worunter auch
Heringe und Stockfische aufgeführt werden, geschehen.
In die bedenklichste Lage sollte die Stadt geraten, als im Oktober
1634 der österreichische +Major Beck+ den bisher verhauen gewesenen
+Paß bei Reitzenhain+ in einer Nacht öffnen ließ, sodaß nun diese
Heerstraße von hin- und herziehenden Heereshaufen wimmelte und es auch
zuweilen zu Gefechten zwischen sächsischen und kaiserlichen Truppen
kam. So entstand etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, auf
den +Lautaer+ und +Hilmersdorfer Höhen+, ein Treffen, später auch an
dem ganz nahen +Kaiserteiche+, wobei +Marienberg+ in die größte Gefahr
geriet. Täglich mit Brand und Plünderung bedroht und von Kroaten und
Spaniern umringt, sollte es immer und immer wieder für die in der Nähe
lagernden Truppen Lebensmittel schaffen. Es war der Mangel so groß, daß
der Rat das Brot von Haus zu Haus in einzelnen Stücken zusammentragen
ließ und es manche Eltern im Augenblicke, wo sie es essen wollten, den
hungernden Ihrigen entreißen mußten. Aus jenen trüben Tagen erzählt
der Geschichtsschreiber: »Es haben sich die Kroaten und spanischen
Regimenter vor die Stadt am Walde geleget, da denn die Offiziere auf
den Tag hereinkamen und mußten gespeiset werden, dem Volke aber alle
Tage 2 Faß Bier, Fleisch und Brot und wöchentlich jedem Regimente
20 Thaler Kriegskosten, welche 12 Tage gewährt, wobei das +Götzsche
Regiment+ noch dazukommt, welches gleichsam seine Verpflegung hat haben
müssen. Der +Kroatenoberst Joh. Tischler+ hat die Einquartierung in der
Stadt haben sollen, weil aber keine Möglichkeit, vornehmlich auch wegen
des sächsischen Volkes, welches in +Zschopau+ gelegen, da dann groß
Unglück der Stadt hätte entstehen sollen. So hat der Oberst +Tischler+
200 Thaler und 6 Paar Stiefel für die Einquartierung begehrt, ist
aber bei dem halben Teile verblieben, und ist damals große Not wegen
des lieben Brotes gewesen; denn man hat weder aus noch ein können
und vielmals die Ratspersonen und Bürger das Brot von Haus zu Haus
stückweis von Bürgern einbringen und korbweise nausschicken müssen.
Dieses aber alles mußte man dulden, daß die Stadt nicht in Brand
gestecket wurde.«
Nach Donat-Holzhaus.
~l.~ Zschopau wird niedergebrannt.
Am 21. November 1634 war es, als die Bewohner +Marienbergs+ zu ihrem
größten Schrecken mitten in der Nacht den Himmel hoch gerötet sahen.
+Zschopau+ stand in Flammen, dessen Besatzung von 4 Regimentern
kaiserlicher Truppen unter dem +Obersten Colloredo+ überfallen worden
war. Sie richteten in der Stadt, welche mit Menschen überfüllt war,
da sich außer den Soldaten und Bürgern auch die Landleute darin
aufhielten, ein schreckliches Blutbad an. +Hering+ schildert das
Ereignis in folgender Weise: »Die Schlafenden schreckten plötzlich
durch den Ruf der Kriegstrompeten empor. Zschopau ist umringt; Frauen,
Kinder, Greise flüchten in die Keller; die Männer stürzen sich mit
hinaus und alle Schrecken der Schlacht erhöhen sich durch die dichte,
nur durch die tötenden Blitze der gelösten Gewehre erleuchtete
Finsternis. Es rast die Schlacht -- es wütet der Tod in allen Gassen;
es häufen sich Leichen von gefallenen Soldaten, Bürgern und Bauern,
und jetzt schlagen die Flammen empor -- rechts und links und fern und
nah steht die Stadt in Feuer. Dem Tode in den Flammen entfliehend,
stürzen die Versteckten hervor und suchen sich zu retten. Aber ach, wie
viele hatten dem Schutze der Keller sich lieber vertrauen wollen als
der würgenden Schlacht und waren hier erstickt. Außer den im Kampfe
Gefallenen zählte man am Morgen nach dieser schaudervollen Nacht 90
Leichen von Erstickten.
In Angst und Mitleid schloß sich in jener Nacht auch in +Marienberg+
kein Auge zum Schlummer. -- Da brauste nach Mitternacht das
rückkehrende Heer heran; alles wollte, nach Brot schreiend, in die
Stadt stürzen. +Oberst Colloredo+ aber ließ die Thore besetzen und
nur die Offiziere hinein, sodaß die schreckensreiche Nacht für
die Stadt ebenso glücklich endete, als sie über die Nachbarstadt
unbeschreibliches Elend und Unheil gebracht hatte.«
Nach Hering-Holzhaus.
~m.~ Die Sachsen in Marienberg.
Auch der Anfang des Jahres 1635 war für die Stadt noch trübe genug,
und zwar kam diesmal die Bedrängnis nicht von feindlicher Seite,
sondern von sächsischen Truppen her. Am 2. Januar ritt der sächsische
+Oberstleutnant Unger+ mit 300 Dragonern vor die Stadt, wo die Thore
Tag und Nacht verschlossen gehalten wurden. Er begehrte Einlaß. Man
fürchtete sich aber vor den Sachsen ebenso, wie vor den Kaiserlichen,
und der Rat zögerte, ob er öffnen lassen sollte oder nicht. Da
verbreitete sich plötzlich allgemeiner Schrecken; denn krachend
ertönten die Schläge der Hämmer und Äxte, womit das Freiberger Thor
aufgehauen wurde. Gleich einem feindlichen Heere strömten die Krieger
herein. Von den zwei Mann, welche der Rat von der kaiserlichen
Besatzung in +Reitzenhain+ als Schutzwache erhalten hatte, war nichts
zu sehen. Man suchte nach ihnen, und der eine hatte sich in einen
Gasthof geflüchtet, während der andere glücklich nach +Reitzenhain+
entkommen war. Derjenige, welcher sich versteckt hatte, wurde von
einem Dragoner bemerkt, herunter geholt und auf den Markt vor den
Oberstleutnant gebracht; die Ratsherren baten für ihn, aber vergebens.
»Hund, knie nieder!« war die Antwort auf die inständigen Bitten, und
der Arme wurde sofort erschossen. Die Soldaten quartierten sich selbst
ein, und ist es nach den Worten des Geschichtsschreibers »zuletzt übel
hergegangen, indem sie geplündert; alle Pferde, so auch sind bei den
feindlichen Einfällen erhalten worden, haben sie mitgenommen, so haben
die Bürger damals ihren Schaden über 1700 Thlr angegeben, welches
nichts Geringes gewesen und die Stadt für die erschossene Schutzwache
auf große Bitte noch 28 Thlr bezahlen müssen, ohne, was sonsten an
Verheerung und anderem aufgegangen ist.«
Nach Donat-Holzhaus.
~n.~ Wie die Schweden ins Gebirge kommen.